Papst Leo XIV. ruft Kardinäle zu vertiefter Missionsdebatte auf

Ein neuer Fokus auf die Glaubensweitergabe?


Mit einem Schreiben an die Kardinäle nennt Papst Leo XIV. die Schwerpunkte für das kommende Konsistorium
Mit einem Schreiben an die Kardinäle nennt Papst Leo XIV. die Schwerpunkte für das kommende Konsistorium

Im Vor­feld des für Ende Juni ange­setz­ten Kon­si­sto­ri­ums hat Papst Leo XIV. die Kar­di­nä­le zu einer ver­tief­ten Refle­xi­on über den mis­sio­na­ri­sche Auf­trag der Kir­che auf­ge­ru­fen. In einem Schrei­ben vom 12. April betont er ins­be­son­de­re die Bedeu­tung der Apo­sto­li­schen Exhorta­ti­on Evan­ge­lii gau­di­um und regt eine erneu­te Aus­ein­an­der­set­zung mit deren zen­tra­len The­men an, dar­un­ter die Reform der Pro­zes­se christ­li­cher Initiation.

Der Papst wür­digt die Bera­tun­gen des außer­or­dent­li­chen Kon­si­sto­ri­ums im Janu­ar 2026 als „einen kost­ba­ren Schatz, den ich wei­ter­hin bewah­ren und im kirch­li­chen Unter­schei­dungs­pro­zeß rei­fen las­sen möch­te“. Die dort gelei­ste­te Arbeit sol­le wei­ter­ge­führt und ver­tieft werden.

In sei­nem Schrei­ben bezeich­net Leo XIV. die von Papst Fran­zis­kus 2013 ver­öf­fent­lich­te Exhorta­ti­on als wei­ter­hin maß­geb­lich. Sie stel­le „einen ent­schei­den­den Bezugs­punkt“ dar, da sie nicht nur neue Inhal­te ein­füh­re, son­dern „alles wie­der in den Mit­tel­punkt des Keryg­mas als Herz der christ­li­chen und kirch­li­chen Iden­ti­tät“ stelle.

Zugleich hebt er in sei­nem Schrei­ben her­vor, daß Evan­ge­lii gau­di­um als „wah­rer ’neu­er Hauch’“ ver­stan­den wor­den sei, der Pro­zes­se der pasto­ra­len und mis­sio­na­ri­schen Umkehr ansto­sse, „mehr als daß sie unmit­tel­ba­re struk­tu­rel­le Refor­men hervorbringt.

Von der empfangenen zur gelebten Glaubenspraxis

Schrei­ben von Kar­di­nal­de­kan Re

Der Papst for­dert eine Ent­wick­lung hin zu einer exi­sten­ti­ell geleb­ten Glau­bens­pra­xis. Jeder Getauf­te sei auf­ge­ru­fen, „von einem emp­fan­ge­nen Glau­ben zu einem geleb­ten Glau­ben über­zu­ge­hen“. Damit ver­bun­den sei eine qua­li­ta­ti­ve Ver­tie­fung des geist­li­chen Lebens, geprägt von „dem Vor­rang des Gebets, […] dem Zeug­nis, das den Wor­ten vor­aus­geht, und […] der Kohä­renz zwi­schen Glau­be und Leben“.

Auf Gemein­de­ebe­ne beschreibt León XIV eine mis­sio­na­ri­sche Pasto­ral, in der Gemein­schaf­ten „gast­freund­lich, auf die Qua­li­tät der Bezie­hun­gen bedacht und fähig, Räu­me des Zuhö­rens, der Beglei­tung und der Hei­lung anzu­bie­ten“ sein sol­len. Zugleich mahnt er die Bischö­fe, mis­sio­na­ri­sche Initia­ti­ven ent­schlos­sen zu för­dern und nicht durch „orga­ni­sa­to­ri­sche Über­frach­tung“ zu behindern.

Warnung vor Proselytismus und institutioneller Selbstbezogenheit

Ein zen­tra­ler Punkt des Schrei­bens ist die Klar­stel­lung des Mis­si­ons­ver­ständ­nis­ses. Die Sen­dung der Kir­che sei „zutiefst ein­heit­lich“, gehe von der Begeg­nung mit Chri­stus aus und ver­brei­te sich „durch Anzie­hung mehr als durch Eroberung“.

Dabei müs­se sie „ver­kün­den, bezeu­gen, sich enga­gie­ren und im Dia­log blei­ben“, ohne „der Ver­su­chung des Pro­se­ly­tis­mus oder einer Logik blo­ßer Erhal­tung bzw. insti­tu­tio­nel­ler Expan­si­on nachzugeben“.

Der Papst unter­streicht zudem, daß die Kir­che auch in einer Min­der­hei­ten­si­tua­ti­on ihren Auf­trag selbst­be­wußt leben sol­le: „Ziel der Mis­si­on ist nicht die eige­ne Über­le­bens­si­che­rung, son­dern die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Lie­be, mit der Gott die Welt liebt“.

Ähn­li­che Kri­tik gehör­te zum bevor­zug­ten Reper­toire von Papst Fran­zis­kus, die zu einer erheb­li­chen Ver­un­si­che­rung bezüg­lich des Mis­si­ons­auf­trags der Kir­che führ­te. Dies wur­de noch ver­stärkt durch das umstrit­te­ne vati­ka­ni­sche Doku­ment, mit dem ein Ende der „insti­tu­tio­nel­len Mis­si­on“ der Juden ver­kün­det wurde.

Reform der Initiationswege im Fokus

Ein kon­kre­ter Arbeits­auf­trag für das Juni-Kon­si­sto­ri­um ist laut Leo XIV. die Über­prü­fung der bis­he­ri­gen Rezep­ti­on von Evan­ge­lii gau­di­um sowie die „not­wen­di­ge Reform der Wege der christ­li­chen Initia­ti­on“. Details dazu nennt das Schrei­ben nicht, doch wird deut­lich, daß der Pro­zeß der Ein­glie­de­rung in die Kir­che stär­ker struk­tu­riert und ver­tieft wer­den soll.

Dar­über hin­aus regt der Papst an, apo­sto­li­sche Besu­che als „ech­te keryg­ma­ti­sche Gele­gen­hei­ten“ zu ver­ste­hen und auch die kirch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on – „auch auf Ebe­ne des Hei­li­gen Stuhls“ – stär­ker mis­sio­na­risch auszurichten.

Ablauf des Konsistoriums im Juni

Ergän­zen­de Infor­ma­tio­nen zum kom­men­den Kon­si­sto­ri­um lie­fert ein Schrei­ben des Kar­di­nal­de­kans Gio­van­ni Bat­ti­sta Re. Dem­nach fin­den die Arbeits­sit­zun­gen am Frei­tag­nach­mit­tag, dem 26. Juni 2026, sowie am Sams­tag, dem 27. Juni, vor­mit­tags und nach­mit­tags statt.

Am Sonn­tag, dem 28. Juni, ist eine vom Papst gelei­te­te Eucha­ri­stie­fei­er vor­ge­se­hen. Am Mon­tag, dem 29. Juni, dem Hoch­fest der Apo­stel Petrus und Pau­lus, folgt eine wei­te­re Kon­ze­le­bra­ti­on, bei der tra­di­tio­nell die Pal­li­en geseg­net werden.

Spe­ku­la­tio­nen über eine mög­li­che Kre­ierung neu­er Kar­di­nä­le im Rah­men des Tref­fens wur­den bis­lang nicht bestä­tigt. Eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung wäre übli­cher­wei­se mit län­ge­rer Vor­lauf­zeit ange­kün­digt worden.

Mit Blick auf die anste­hen­den Bera­tun­gen kün­digt der Papst eine detail­lier­te Mit­tei­lung zur wei­te­ren Vor­be­rei­tung an. In Rom heißt es, der Papst möch­te, daß das Kon­si­sto­ri­um zu einer zen­tra­len Forum für die künf­ti­ge Aus­rich­tung der kirch­li­chen Mis­si­on und der Glau­bens­wei­ter­ga­be werde.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati​can​.va (Screen­shots)

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