Mehr Hunde als Kinder. Mehr Tierärzte als Kinderärzte

Der demographische Winter


Brescia, Stadt und Provinz in der Lombardei, wird zum Emblem für ein Europa, das nicht nur altert, sondern auf dem Weg der Selbstauslöschung ist
Brescia, Stadt und Provinz in der Lombardei, wird zum Emblem für ein Europa, das nicht nur altert, sondern auf dem Weg der Selbstauslöschung ist

In Bre­scia, einer Stadt im Nor­den Ita­li­ens, ist die Bevöl­ke­rung im Kin­des­al­ter mitt­ler­wei­le klei­ner als die Zahl der Haus­tie­re. 22.336 Hun­de und etwa 14.364 Kat­zen leben in der Pro­vinz – mehr Vier­bei­ner als Kin­der zwi­schen 0 und 13 Jah­ren und mehr als dop­pelt so vie­le wie Kin­der zwi­schen null und sechs Jah­ren. Die­se Zah­len illu­strie­ren ein Phä­no­men, das tief in gesell­schaft­li­chen und demo­gra­fi­schen Ent­wick­lun­gen ver­wur­zelt ist: die schwin­den­de Gebur­ten­ra­te und die zuneh­men­de Bedeu­tung von Haus­tie­ren als sozia­le und emo­tio­na­le Begleiter.

Stadt und Pro­vinz Bre­scia gren­zen unmit­tel­bar an Stadt und Pro­vinz Ber­ga­mo, wo eines der wohl dra­stisch­sten und zugleich fatal­sten Coro­na-Manö­ver von oben insze­niert wur­de, um die Welt­öf­fent­lich­keit wegen eines angeb­lich töd­li­chen Grip­pe-Virus in Panik zu ver­set­zen. Bil­der von über­füll­ten Kre­ma­to­ri­en und Mili­tär­last­wa­gen, die Sär­ge abtrans­por­tier­ten, gin­gen damals um die Welt. Wie schon früh kri­ti­sche Beob­ach­ter fest­stell­ten, auch Katho​li​sches​.info tat es, und was heu­te weit­hin bekannt ist, beruh­te die Kata­stro­phe auf einer ver­häng­nis­vol­len Mischung aus Inkom­pe­tenz, bewuß­ter Irre­füh­rung, feh­ler­haf­ten Behand­lungs­pro­to­kol­len, behörd­lich ver­ur­sach­ten Eng­päs­sen und einer regel­recht insze­nier­ten Ein­be­zie­hung des Militärs.

Men­schen wur­den nicht gegen eine übli­che Win­ter­grip­pe behan­delt, son­dern durch Intu­ba­ti­on und ande­re frag­wür­di­ge Ein­grif­fe um ihr Leben gebracht. Die Erin­ne­rung dar­an ist von Bedeu­tung: Die soge­nann­te Coro­na-Pan­de­mie, eine Pseu­do-Pan­de­mie, löste den jüng­sten Gebur­ten­ein­bruch aus, von dem sich Euro­pa bis heu­te nicht erholt hat.

Zwi­schen 2010 und heu­te ist die Zahl der Neu­ge­bo­re­nen in der Pro­vinz von 13.600 auf 8.400 gefal­len, mit beson­de­rem Schwer­punkt seit der Coro­na-Zeit, ein Rück­gang um nahe­zu 40 Pro­zent. Die Ursa­chen sind kom­plex: Immer weni­ger Frau­en befin­den sich im gebär­fä­hi­gen Alter, die Zahl der Gebur­ten pro Frau sinkt, und kurz­fri­sti­ge poli­ti­sche Maß­nah­men wie die Aus­wei­tung von Kin­der­ta­ges­stät­ten oder fami­li­en­freund­li­cher Arbeits­zei­ten kön­nen die Ent­wick­lung kaum beschleu­ni­gen. Auch zeit­wei­se Zuwan­de­rung konn­te die­sen Trend nicht nach­hal­tig aus­glei­chen. Die Erwäh­nung einer kin­der­freund­li­chen Poli­tik an letz­ter Stel­le spie­gelt die trau­ri­ge Rea­li­tät wie­der, daß die Regie­run­gen zwar in allen Berei­chen regle­men­tie­rend ein­grei­fen, aber die Fami­lie dabei über­ge­hen oder besten­falls nur neben­bei behan­deln. Dahin­ter steht ein offen­kun­dig fami­li­en­feind­li­ches Den­ken, wie die offe­ne und syste­ma­ti­sche Demon­ta­ge von Ehe, Fami­lie und Gebur­ten seit den 1960er Jah­ren beweist. Kon­kret und rele­van­te Refor­men wären mög­lich, pro­blem­los, doch ein selt­sa­mes Tabu hält die Ent­schei­dungs­trä­ger davon ab. Das ist kein Zufall, son­dern Aus­druck einer seit Jahr­zehn­ten wir­ken­den Umer­zie­hung, die von benenn­ba­ren neo­mal­thu­sia­ni­schen Kräf­ten, zuvor­derst eini­ge der welt­weit größ­ten Mil­li­ar­därs­stif­tun­gen der Super­rei­chen, die sich mit lin­ken poli­ti­schen Kräf­ten ver­bün­det haben.

In Bre­scia zei­gen sich exem­pla­risch die Fol­gen: Die Rol­le der Haus­tie­re im All­tag wächst, wäh­rend die der Kin­der schwin­det. Hun­de und Kat­zen sind nicht nur in der Wer­bung, in Büchern und in spe­zi­el­len Geschäf­ten omni­prä­sent, sie neh­men auch im pri­va­ten Leben der Men­schen einen zen­tra­len Platz ein. Histo­risch läßt sich die­se Nähe zwi­schen Mensch und Tier weit zurück­ver­fol­gen, von anti­ker Kunst über die Gemäl­de Tizi­ans bis zu zeit­ge­nös­si­schen Dar­stel­lun­gen, die das Zusam­men­le­ben von Men­schen und Haus­tie­ren illu­strie­ren. Doch heu­te ist die Bezie­hung zu Haus­tie­ren tie­fer: Sie fun­gie­ren als emo­tio­na­le Beglei­ter, oft sogar als „Fami­li­en­er­satz“, was sich in der Ver­sor­gung, dem Trai­ning und der medi­zi­ni­schen Betreu­ung zeigt.

Ein wei­te­rer bemer­kens­wer­ter Aspekt ist das Miß­ver­hält­nis zwi­schen Vete­ri­nä­ren und Kin­der­ärz­ten in der Pro­vinz Bre­scia: 737 Tier­ärz­te ste­hen ledig­lich 126 Kin­der­ärz­ten gegen­über – ein Ver­hält­nis von fast fünf zu eins. Dies spie­gelt den gesell­schaft­li­chen Wan­del wider: Tie­re erhal­ten zuneh­mend Auf­merk­sam­keit, die frü­her aus­schließ­lich mensch­li­chen Fami­li­en­mit­glie­dern vor­be­hal­ten war.

Die­se Ent­wick­lung wur­de auch von der Kir­che kom­men­tiert. Papst Fran­zis­kus mahn­te wie­der­holt, wie ita­lie­ni­sche Medi­en nun beto­nen, die mensch­li­che Gemein­schaft und die Sor­ge um Kin­der nicht zugun­sten von Haus­tie­ren zu ver­nach­läs­si­gen. Sein Appell, „mehr Kin­der und weni­ger Hünd­chen“, wur­de bis­lang aber aus ande­ren Grün­den kaum beach­tet – wie bei vie­len drin­gen­den gesell­schaft­li­chen Fra­gen. Katho​li​sches​.info zeig­te in vie­len Arti­kel auf, war­um die berg­o­glia­ni­sche Ver­kün­di­gung, dort wo sie rich­tig war, an fal­schen Gewich­tun­gen, tak­ti­schen Win­kel­zü­gen, der Nähe zur Agen­da des glo­ba­li­sti­schen Estab­lish­ments und letzt­lich an man­geln­der Glaub­wür­dig­keit schei­ter­te. Aber das ist ein ande­res Thema.

In einer altern­den Gesell­schaft wie Bre­scia wird deut­lich, daß Haus­tie­re zu wich­ti­gen Beglei­tern des All­tags gewor­den sind. Gleich­zei­tig mah­nen die Zah­len zu einer kri­ti­schen Refle­xi­on über die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung: Eine Stadt, in der Tie­re die Kin­der zah­len­mä­ßig über­tref­fen, illu­striert in aller Deut­lich­keit den demo­gra­phi­schen Nie­der­gang und die damit ver­bun­de­nen Her­aus­for­de­run­gen. Tat­säch­lich sind öffent­li­cher Dis­kurs und Poli­tik aber noch nicht ein­mal soweit, die­se schon lan­ge erkenn­ba­re Ent­wick­lung beim Namen zu nen­nen, außer kurz­zei­ti­gen Lip­pen­be­kennt­nis­sen, geschei­ge denn nach rea­len Gegen­maß­nah­men zu suchen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

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