Seit Jahren wird die chemische Abtreibung als medizinischer Fortschritt beworben. Sie sei modern, sicher, nahezu schmerzfrei – angeblich. In der öffentlichen Darstellung erscheint sie als unkomplizierte Lösung für eine „ungewollte Schwangerschaft“. Doch diese Erzählung hält einer nüchternen Überprüfung nicht stand. Hinter der beschönigenden Sprache verbirgt sich eine Realität, die für viele Frauen mit schweren gesundheitlichen Risiken, massivem körperlichem Leiden und nicht selten mit seelischer Traumatisierung verbunden ist – oft erlebt in Isolation und ohne medizinische Begleitung.
Aktuelle Daten aus den USA werfen ein grelles Licht auf das tatsächliche Ausmaß der Gefahren. Fünf bedeutende Vereinigungen von Pro-Life-Ärzten haben sich in einem formellen Schreiben an die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) gewandt. Sie fordern eindringlich, daß die seit Jahren aufgeschobene Sicherheitsüberprüfung des Wirkstoffs Mifepriston, der Grundlage der chemischen Abtreibung, unverzüglich durchgeführt wird.
Der Anlaß ist alarmierend: Die Auswertung von 330 Millionen Versicherungsabrechnungen von Patienten aus den Jahren 2017 bis 2023 zeigt, daß fast 11 Prozent (10,93 %) der Frauen innerhalb von 45 Tagen nach Einnahme der Abtreibungspille schwere Komplikationen erlitten. Dazu zählen gravierende Infektionen, starke Blutungen, notfallmäßige chirurgische Eingriffe, unvollständige Abtreibungen sowie nicht erkannte Eileiterschwangerschaften.
Diese Zahlen stehen in eklatantem Widerspruch zu der seit Jahren verbreiteten Behauptung, schwerwiegende Komplikationen träten in weniger als 0,5 Prozent der Fälle auf. Die Differenz zwichen den behaupteten weniger als 0,5 Prozent und den fast 11 Prozent der Unteruschung beträgt merh als 2180 Prozent und ist so erheblich, daß sie nicht als statistische Abweichung erklärbar ist. Vielmehr deutet sie darauf hin, daß das reale Risiko der chemischen Abtreibung bis zu 22mal höher liegt als öffentlich angegeben.
Besonders brisant ist dabei der Vorwurf, daß Komplikationen systematisch verharmlost, umklassifiziert oder gar verschleiert werden. Frauen, die nach einer chemischen Abtreibung mit schweren Beschwerden in eine Notaufnahme eingeliefert werden, sollen nicht selten angewiesen werden, von einer „spontanen Fehlgeburt“ zu sprechen. Auf diese Weise werden die tatsächlichen Ursachen aus den Statistiken entfernt. In anderen Fällen werden gravierende Ereignisse – darunter Gebärmutterperforationen, Blutungen mit Transfusionsbedarf oder Infektionen mit langfristigen Folgen für die Fruchtbarkeit – als „leichte Nebenwirkungen“ verbucht.
So entsteht eine trügerische Illusion von Sicherheit, die mit der medizinischen Realität wenig gemein hat.
Hinzu kommt eine besorgniserregende politische Entwicklung. Bereits seit 2016 verlangt die FDA keine umfassende Meldung von Komplikationen mehr, sondern lediglich noch die Anzeige von Todesfällen der Mutter. Damit fördert die Behörde die Verschleierung.
Offiziell wurden zwischen 2000 und 2024 36 Todesfälle im Zusammenhang mit der Einnahme von Mifepriston registriert – eine Zahl, die weder indirekte Todesursachen noch langfristige gesundheitliche Folgen berücksichtigt.
Während der Corona-Pandemie wurden die Schutzmechanismen durch fadenscheinige Begründungen weiter ausgehöhlt. Die Abtreibungspille darf seither per Post verschickt werden – ohne ärztliche Untersuchung, ohne Ultraschall, ohne kontinuierliche Betreuung. Die Frau bleibt allein zurück, konfrontiert mit Schmerzen, Blutverlust, Angst und oft auch psychischer Überforderung, abgeschirmt von medizinischer Hilfe und gesellschaftlicher Verantwortung.
Angesichts dieser Fakten drängt sich eine unbequeme Frage auf: Wo bleibt die vielbeschworene Sorge um die Gesundheit der Frau? Jene angebliche „Sorge“ wegen der Feministinnien und Abtreibungslobby die Legalisierungd er Abtreibung forderten. Wo ist die Fürsorge, die man vorgibt, verteidigen zu wollen?
Die Antwort fällt ernüchternd aus. Der Slogan vom „sicheren Abbruch“ dient offenbar vor allem dazu, rechtliche Hürden zu beseitigen. Sobald es um tatsächlichen Schutz, um Transparenz und um Verantwortung geht, verliert er seine Bedeutung. Zurück bleiben verletzte Frauen – und getötete ungeborene Kinder, deren Existenz im öffentlichen Diskurs kaum noch eine Rolle spielt.
Eine Gesellschaft, die diese Realität hinnimmt, beginnt zwangsläufig, das Menschenleben zu relativieren. Zuerst das ungeborene, dann das schwache, schließlich jedes, das nicht mehr in das Raster von Nutzen und Selbstbestimmung paßt.
Das Schweigen schützt allein diejenigen, die von dieser Praxis profitieren. Die Wahrheit hingegen hat das Potential, Leben zu retten – das der Frauen ebenso wie das der ungeborenen Kinder, die von den Abtreibungsbefürwortern im wörtlichen Sinn totgeschwiegen werden.
Die chemische Abtreibung als Ausdruck einer Ideologie die Menschenleben beseitigen will
Die Gründe, warum die chemische Abtreibung gefördert wird, liegen auf der Hand:
Die chemische Abtreibung ist der Idealtypus und eigentliche Traum der Abtreibungslobby. Ihre forcierte Einführung und politische Durchsetzung folgten weniger medizinischen Erwägungen als einer klar erkennbaren strategischen Logik: Abtreibung sollte entpersonalisiert, entmoralisert und vor allem anonymisiert werden.
Zentral ist dabei zunächst die Umgehung des ärztlichen Gewissens. Da es nur wenige Abtreibungsärzte gibt und sich zahlreiche Mediziner sowie Angehörige des Pflegepersonals aus Gewissensgründen jeder Beteiligung an Abtreibungen verweigern, erschien die Abtreibungspille als willkommene Lösung. Sie reduziert die Rolle des Arztes auf ein Minimum und macht dessen moralischen Widerstand weitgehend irrelevant.
Hinzu kommt die radikale Anonymisierung des Vorgangs. Spätestens während der Corona-Pandemie wurde unter dem Vorwand des Gesundheitsschutzes, wie erwähnt, sogar der Postversand der Abtreibungspille durchgesetzt. Die Tötung des ungeborenen Kindes wird damit in den privaten Raum verlagert, aus der öffentlichen Wahrnehmung und aus der gesellschaftlichen Verantwortung herausgelöst. In einem emanzipatorisch-progressistischen Wahn scheinen Teile der menschenfeindlichen Abtreibungsfront diesen Akt als eine Art Initiation für die Frau, als „Point of no return“ für sie, zu betrachten.
Ein weiterer entscheidender Vorteil aus Sicht der Abtreibungslobby ist die statistische Unschärfe der chemischen Abtreibung. Komplikationen, Folgeeingriffe und psychische Schäden entziehen sich häufig der direkten Erfassung oder werden bewußt umklassifiziert. Nicht einmal die genaue Zahl der chemischen Abtreibung läßt sich erfassen. So bleibt das tatsächliche Ausmaß der körperlichen und seelischen Schäden verborgen, während der Mythos vom „sicheren Abbruch“ künstlich aufrechterhalten wird.
Die Abtreibungspille steht damit nicht für medizinischen Fortschritt, sondern für eine ideologische Radikalisierung. Was einst ein ärztlicher Eingriff mit klarer Verantwortlichkeit war, wird zur scheinbar banalen Selbstanwendung. Zurück bleibt die Frau – allein mit Schmerzen, gesundheitlichen Schäden und oft mit Schuld –, während die ideologischen Antreiber sich der Verantwortung entziehen.
Die chemische Abtreibung ist kein Instrument zum Schutz der Frau, sondern ein Instrument gegen das ungeborene Leben und gegen jede Form moralischer, ärztlicher und gesellschaftlicher Hemmung. Sie ist der konsequente Ausdruck einer Ideologie, die nicht schützen, sondern beseitigen will.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: generazionevogliovivere.it
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