Mater populi fidelis und ein auffälliges Treffen

Päpstliche Marianische Akademie und Glaubensdikasterium


Vor kurzem kam es zu einem Treffen zwischen der Spitze der Päpstlichen Marianischen Akademie und dem Glaubensdikasterium (v. l.): P. Marco Antonio Mendoza, Msgr. Matteo und P. Stefano Cecchin
Vor kurzem kam es zu einem Treffen zwischen der Spitze der Päpstlichen Marianischen Akademie und dem Glaubensdikasterium (v. l.): P. Marco Antonio Mendoza, Msgr. Matteo und P. Stefano Cecchin

Ver­mut­lich am 27. Novem­ber 2025 ent­stand eine Pho­to­gra­phie, die drei maß­geb­li­che Figu­ren der gegen­wär­ti­gen kirch­li­chen Mario­lo­gie zeigt: Pater Mar­co Anto­nio Men­do­za OFM, Sekre­tär der Päpst­li­chen Inter­na­tio­na­len Maria­ni­schen Aka­de­mie, Msgr. Arman­do Matteo, Sekre­tär der Dok­tri­nä­ren Abtei­lung des Glau­bens­dik­aste­ri­ums, sowie Pater Ste­fa­no Cec­chin OFM, Vor­sit­zen­der der genann­ten Maria­ni­schen Aka­de­mie.

Das Erstaun­li­che an die­ser Begeg­nung ist ihr Zeit­punkt: Sie fand kurz nach der Ver­öf­fent­li­chung der lehr­mä­ßi­gen Note Mater Popu­li fide­lis statt, eines Doku­ments, das sowohl inner­halb der mario­lo­gi­schen Fach­welt als auch ins­ge­samt im gläu­bi­gen Volk nicht ohne Rei­bung auf­ge­nom­men wurde.

„Ein Schweigen, das als Dissens verstanden werden kann“

Vor kur­zem ent­hüll­te Don Mau­ri­zio Gronchi, Prie­ster der Erz­diö­ze­se Pisa, Con­sul­tor des Glau­bens­dik­aste­ri­ums und Mit­wir­ken­der an der Prä­sen­ta­ti­on der Note, gegen­über ACI Pren­sa (CNA) ein bemer­kens­wer­tes Detail:

Es hät­ten sich „kei­ne koope­ra­ti­ven Mario­lo­gen“ gefun­den, wes­halb „weder Dozen­ten der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät Maria­num noch Mit­glie­der der Päpst­li­chen Inter­na­tio­na­len Maria­ni­schen Aka­de­mie an der Prä­sen­ta­ti­on des Doku­ments in der Jesui­ten-Kurie teil­nah­men“ – ein „Schwei­gen“, so Don Gronchi, das sei­ner Ein­schät­zung nach „als Dis­sens ver­stan­den wer­den“ könne. 

Eine Akademie mit einer Tradition der Zurückhaltung

Don Gronchi erin­ner­te dar­über hin­aus dar­an, daß die Päpst­li­che Maria­ni­sche Aka­de­mie über eine kon­so­li­dier­te Tra­di­ti­on der akti­ven Betei­li­gung an Dis­kus­sio­nen über mög­li­che dog­ma­ti­sche Defi­ni­tio­nen ver­fügt. Als Bei­spiel nann­te er den XII. Inter­na­tio­na­len Mario­lo­gi­schen Kon­greß in Tschen­sto­ch­au (1996):

Damals habe die Aka­de­mie unter­stri­chen, „daß es nicht ange­zeigt sei, mit einer Defi­ni­ti­on Mari­ens als ‚Mitt­le­rin‘, ‚Mit­erlö­se­rin‘ oder ‚Für­spre­che­rin‘ fortzufahren.“

Die­se histo­ri­sche Hal­tung läßt das aktu­el­le Schwei­gen in einem neu­en Licht erschei­nen. ACI Pren­sa ver­such­te zwar, von der Maria­ni­schen Aka­de­mie selbst eine Stel­lung­nah­me zu erhal­ten, doch dort „zog man es vor, kei­ne Kom­men­ta­re abzugeben.“

Verbindungslinien, die sich kaum ignorieren lassen

Ange­sichts die­ser Umstän­de wirkt das jüng­ste Tref­fen zwi­schen Msgr. Matteo und der Aka­de­mie-Füh­rung kaum zufäl­lig. Es liegt nahe anzu­neh­men, daß es bei der Aus­spra­che zwi­schen Aka­de­mie und Glau­bens­dik­aste­ri­um dar­um ging, zu klä­ren, war­um sich die Mario­lo­gen der Aka­de­mie weder an der Aus­ar­bei­tung noch an der Prä­sen­ta­ti­on des Doku­ments betei­lig­ten. Hielt man eine Betei­li­gung ein­fach für nicht not­wen­dig, da es genü­ge, die Note kom­men­tar­los zur Kennt­nis zu neh­men? Das dürf­te die wahr­schein­lich­ste Vari­an­te sein? Oder woll­te man sich, weit weni­ger wahr­schein­lich, auch inhalt­lich von der Note distan­zie­ren? Solan­ge die Betei­lig­ten schwei­gen, blei­ben ihre Beweg­grün­de frei­lich unge­klärt. Fest steht, daß sich Ver­tre­ter der Aka­de­mie in der Ver­gan­gen­heit skep­tisch gegen­über den zur Dis­kus­si­on ste­hen­den Mari­en­ti­teln zeigten.

Jeden­falls lie­fert Mater Popu­li fide­lis der Aka­de­mie und ins­be­son­de­re ihrerInter­na­tio­na­len Beob­ach­tungs­stel­le für Mari­en­er­schei­nun­gen und ande­re mysti­sche Phä­no­me­ne ein neu­es Instru­men­ta­ri­um. Denn die lehr­mä­ßi­ge Note bie­tet aus­rei­chend Grund­la­ge, um künf­tig jedes tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che Erschei­nungs­phä­no­men, das auf irgend­ei­ne Wei­se Bezug auf die maria­ni­sche Mit­er­lö­sung nimmt, ohne wei­te­re Prü­fung und Ana­ly­se zurückzuweisen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­Me­dia (Screen­shot)