Leo XIV.: „Kampfhandlungen beenden, Wege zum Frieden öffnen“

Krieg im Nahen Osten: Grabeskirche weiterhin geschlossen


Die Grabeskirche in Jerusalem ist seit dem 28. Februar behördlich geschlossen.
Die Grabeskirche in Jerusalem ist seit dem 28. Februar behördlich geschlossen.

Nach dem tra­di­tio­nel­len Mit­tags­ge­bet des Ange­lus ver­ur­teil­te Papst Leo XIV. am gest­ri­gen Sonn­tag mit unge­wöhn­li­cher Deut­lich­keit die anhal­ten­den Krie­ge der Gegen­wart. In sei­nen abschlie­ßen­den Wor­ten rich­te­te er den Blick ins­be­son­de­re auf den Nahen Osten, bezog aber auch ande­re Kon­flikt­re­gio­nen aus­drück­lich mit ein. Mit sicht­ba­rer Betrof­fen­heit sprach er von der Unmög­lich­keit, ange­sichts des Leids unzäh­li­ger unschul­di­ger Men­schen zu schwei­gen. Das, was die Opfer erlit­ten, „ver­let­ze die gan­ze Mensch­heit“. Die durch Krieg ver­ur­sach­ten Toten und das mensch­li­che Leid bezeich­ne­te er als „Skan­dal für die gesam­te Mensch­heits­fa­mi­lie“ und zugleich als „Schrei zu Gott“.

Der Papst ver­band die­se Dia­gno­se mit einem erneu­ten ein­dring­li­chen Appell: Die Gläu­bi­gen soll­ten im Gebet nicht nach­las­sen, damit die Kampf­hand­lun­gen ein Ende fin­den und Wege zum Frie­den eröff­net wer­den. Vor­aus­set­zung dafür sei­en ech­ter Dia­log und die Ach­tung der unver­äu­ßer­li­chen Wür­de jedes Men­schen. Damit knüpf­te er an die klas­si­sche katho­li­sche Frie­dens­leh­re an, die Gewalt nicht nur poli­tisch, son­dern auch mora­lisch als Schei­tern mensch­li­cher Ver­ant­wor­tung deutet.

Die Wor­te des Pap­stes fal­len in eine Pha­se wach­sen­der Span­nun­gen im Nahen Osten, die inzwi­schen auch das reli­giö­se Leben vor Ort unmit­tel­bar betref­fen. Beson­ders sicht­bar wird dies an der Gra­bes­kir­che in Jeru­sa­lem, einem der bedeu­tend­sten Hei­lig­tü­mer der Chri­sten­heit. Die dort ansäs­si­ge Kusto­die des Hei­li­gen Lan­des wur­de von den israe­li­schen Behör­den gezwun­gen, den Zugang zur Gra­bes­kir­che „aus Sicher­heits­grün­den“ für Gläu­bi­ge zu schließen.

Wie aus einer offi­zi­el­len Erklä­rung her­vor­geht, bedeu­tet die­se Maß­nah­me, so ver­si­chern die Fran­zis­ka­ner, kei­ne Unter­bre­chung des lit­ur­gi­schen Lebens. Die Nach­fol­ger des hei­li­gen Franz von Assi­si set­zen ihre Gebe­te, Pro­zes­sio­nen und Got­tes­dien­ste unun­ter­bro­chen fort – Tag und Nacht, ent­spre­chend den Rege­lun­gen des soge­nann­ten Sta­tus quo, der die Zustän­dig­kei­ten der christ­li­chen Kon­fes­sio­nen an den Hei­li­gen Stät­ten regelt. Selbst unter ein­ge­schränk­ten Bedin­gun­gen bleibt die Gra­bes­kir­che somit ein Ort kon­ti­nu­ier­li­cher Für­bit­te. Die Gläu­bi­gen sind aber schon bald einen Monat lang aus­ge­sperrt. Die Kusto­die habe kei­ne Mög­lich­keit die behörd­li­che Anwei­sung zu umgehen. 

Die Gebe­te in den Hei­li­gen Stät­ten der Fran­zis­ka­ner wer­den aus­drück­lich „im Namen der gan­zen Kir­che und zum Wohl der gesam­ten Mensch­heit“ dar­ge­bracht, heißt es in der Erklä­rung wei­ter. Damit wer­de die loka­le reli­giö­se Pra­xis in einen uni­ver­sa­len Hori­zont gestellt: Die Gra­bes­kir­che ist ein geist­li­cher Brenn­punkt, an dem sich Hoff­nung, Kla­ge und Frie­dens­sehn­sucht bündeln.

Unge­wiß bleibt indes, wie sich die Lage in den kom­men­den Tagen und Wochen ent­wickeln wird. Ins­be­son­de­re mit Blick auf die Fei­er­lich­kei­ten der Kar­wo­che und von Ostern sind der­zeit kei­ne ver­läß­li­chen Pro­gno­sen mög­lich. Die Kusto­die steht in engem Aus­tausch mit den Behör­den und den ande­ren Kir­chen, die gemein­sam für die Ver­wal­tung des Hei­lig­tums ver­ant­wort­lich sind. Die Behö­ren wol­len Ent­schei­dun­gen erst tref­fen, wenn die Sicher­heits­la­ge dies zulasse.

Die Ver­bin­dung zwi­schen den Wor­ten des Pap­stes und der Situa­ti­on in Jeru­sa­lem ist offen­sicht­lich: Wäh­rend in Rom der mora­li­sche Maß­stab for­mu­liert wird, zeigt sich im Hei­li­gen Land die kon­kre­te Rea­li­tät eines Kon­flikts, der selbst die älte­sten und bedeu­tend­sten Stät­ten der Chri­sten­heit nicht ver­schont. Gebet und Diplo­ma­tie, so beto­nen sowohl der Papst als auch die Ver­ant­wort­li­chen der Kusto­die vor Ort, sei­en die zen­tra­len Wege, um eine Eska­la­ti­on zu über­win­den und eine gerech­te, dau­er­haf­te Frie­dens­ord­nung zu ermöglichen.

Unter­des­sen ist die Gra­bes­kir­che län­ger geschlos­sen als je zuvor. Die Kusto­die kennt kei­ne Zeit, in wel­cher der Zugang zur Gra­bes­kir­che von der Staats­macht so lan­ge ver­wehrt wur­de. Offen­bar fürch­tet das israe­li­sche Inne­mi­ni­ste­ri­um ein Atten­tat jüdi­scher Extremisten.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*