Geplatzte Papstaudienz: Erzbischof Viganò bleibt außen vor

Zuerst Zusage, dann Absage


Erzbischof Viganò bemüht sich seit dem Konklave 2025 um eine Audienz beim neugewählten Papst Leo XIV., doch ohne Erfolg. Nun machte er seine Bemühungen öffentlich bekannt.
Erzbischof Viganò bemüht sich seit dem Konklave 2025 um eine Audienz beim neugewählten Papst Leo XIV., doch ohne Erfolg. Nun machte er seine Bemühungen öffentlich bekannt.

Der Fall des exkom­mu­ni­zier­ten Erz­bi­schofs Car­lo Maria Viganò wirft ein Schlag­licht auf die intrans­pa­ren­te Pra­xis päpst­li­cher Audi­en­zen im Vati­kan. Wäh­rend immer wie­der auch umstrit­te­ne, aber zeit­gei­sti­ge Per­sön­lich­kei­ten Zugang zum Papst erhal­ten, blieb einem Kir­chen­mann, der sich unter Fran­zis­kus offen gegen die kirch­li­che Auto­ri­tät gestellt hat­te, aber die Glau­bens­wahr­hei­ten ver­tei­digt, eine bereits zuge­sag­te Begeg­nung mit dem Leo XIV. verwehrt.

Erz­bi­schof Viganò, ehe­ma­li­ger Apo­sto­li­scher Nun­ti­us in den USA, wur­de am 5. Juli 2024 exkom­mu­ni­ziert, da er, so die römi­sche Ent­schei­dung, die Gemein­schaft mit Papst Fran­zis­kus ver­las­sen habe. Tat­säch­lich gehört der ehe­ma­li­ge vati­ka­ni­sche Spit­zen­di­plo­mat­den seit dem Som­mer 2018 zu den schärf­sten Kri­ti­kern der römi­schen Kir­chen­lei­tung. Der Kon­flikt war am Fall von Theo­do­re McCar­ri­ck aus­ge­bro­chen, einem ehe­ma­li­gen Kar­di­nal und eme­ri­tier­ten Erz­bi­schof von Washing­ton, dem Homo­se­xua­li­tät und Päd­era­sten­tum zum Vor­wurf gemacht wur­de, den aber Fran­zis­kus zu einem sei­ner eng­sten Ver­trau­ten in Sachen USA gemacht hat­te. In der Ver­gan­gen­heit bezeich­ne­te Msgr. Viganò den vor­ma­li­gen Fran­zis­kus gar als „Anti­chri­sten“. Der Diplo­mat übt deut­li­che Kri­tik am Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil und erhebt regel­mä­ßig schwer­wie­gen­de Vor­wür­fe gegen füh­ren­de Ver­tre­ter der Römi­schen Kurie.

Zusa­ge einer Audi­enz für den 11. Dezember

Umso bemer­kens­wer­ter ist sein jüng­ster Ver­such, eine Audi­enz beim neu­en Papst Leo XIV. zu erlan­gen. Nach eige­nen Anga­ben wand­te sich Msgr. Viganò erst­mals kurz nach dem Kon­kla­ve, im Juni 2025, in einem per­sön­li­chen Schrei­ben an das neue Kir­chen­ober­haupt, des­sen Inhalt er als „äußerst sen­si­bel“ beschreibt. Nach­dem eine Ant­wort aus­blieb, erneu­er­te er im August des­sel­ben Jah­res sei­ne Anfra­ge über die Prä­fek­tur des Päpst­li­chen Hau­ses.

Tat­säch­lich erhielt er im Sep­tem­ber eine Zusa­ge: Für den 11. Dezem­ber 2025 wur­de ihm ein Audi­enz­ter­min in der Biblio­thek des Apo­sto­li­schen Pala­stes bestä­tigt. Doch nur zwei Tage vor dem geplan­ten Tref­fen folg­te die über­ra­schen­de Absa­ge. Offi­zi­el­le Grün­de wur­den nicht genannt. Der zustän­di­ge Kuri­en­ver­tre­ter, Msgr. Leo­nar­do Sapi­en­za, seit 2012 Regent der Prä­fek­tur des Päpst­li­chen Hau­ses, habe laut Erz­bi­schof Viganò ledig­lich vage und wenig über­zeu­gen­de Erklä­run­gen gelie­fert und eine spä­te­re Neu­an­set­zung in Aus­sicht gestellt.

Ein neu­er Ter­min wur­de aber bis heu­te nicht ange­setzt. Wei­te­re Kon­takt­ver­su­che Msgr. Viganòs ver­lie­fen im San­de. Auch ein Ein­schal­ten des ein­fluß­rei­chen Kar­di­nal­de­kans Gio­van­ni Bat­ti­sta Re brach­te kei­ne kon­kre­te Lösung. Zwar habe die­ser Ver­ständ­nis signa­li­siert, zugleich aber ange­deu­tet, daß die Zurück­hal­tung des Pap­stes weni­ger orga­ni­sa­to­ri­sche als viel­mehr inhalt­li­che Grün­de habe. Ohne erkenn­ba­re Ände­rung in Viganòs Hal­tung als Vor­be­digung sei eine Begeg­nung offen­bar schwer vor­stell­bar, so der Kardinaldekan.

Lapi­da­re Absa­ge am 9. Dezember

Der ehe­ma­li­ge Nun­ti­us inter­pre­tiert sei­ne Exkom­mu­ni­ka­ti­on als unge­recht und betrach­tet sie als eine Art moder­nes Äqui­va­lent zur anti­ken Ver­ban­nung. Gleich­wohl hält er an sei­nem Wunsch fest, per­sön­lich mit dem Papst zu spre­chen – bis­lang ohne Erfolg.

Der Vor­gang illu­striert eine auf­fäl­li­ge Span­nung: Wäh­rend der Vati­kan nach außen hin den Dia­log mit unter­schied­lich­sten Akteu­ren betont, wer­den im inner­kirch­li­chen Kon­flikt­fall ande­re Maß­stä­be ange­wandt und kla­re Gren­zen gezogen. 

Gera­de gegen­über einem inner­kirch­li­chen Kri­ti­ker wie Erz­bi­schof Viganò wird deut­lich, daß die Bereit­schaft zum Gespräch dort endet, wo Loya­li­täts­fra­gen berührt sind.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/​X/​Arcivescovo Car­lo Maria Viganò (Screen­shots)

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