Information oder Framing? Zum Tod von Quentin Deranque

Scheuklappen


Quentin Deranque, ein junger traditionsverbundener Katholik, wurde von Linksextremisten zu Tode geprügelt. Seither versuchen die Sympathisanten der Täter, das Opfer als Extremisten zu diskretieren.
Quentin Deranque, ein junger traditionsverbundener Katholik, wurde von Linksextremisten zu Tode geprügelt. Seither versuchen die Sympathisanten der Täter, das Opfer als Extremisten zu diskretieren.

Von Wer­ner Holzinger*

Eine Schlag­zei­le der Haupt­nach­rich­ten­sen­dung Zeit im Bild des ORF vom 16. Febru­ar 2026 lau­te­te: „Rechts­extre­mer getö­tet: Paris macht ultra­lin­ke Grup­pen ver­ant­wort­lich.“ Bereits die­se Wort­wahl wirft grund­le­gen­de Fra­gen auf – nicht nur zur kon­kre­ten Dar­stel­lung des Ereig­nis­ses, son­dern zum Selbst­ver­ständ­nis öffent­lich-recht­li­cher Bericht­erstat­tung insgesamt.

Nach den bekann­ten Infor­ma­tio­nen führ­ten in Lyon jun­ge Frau­en der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung, deren blo­ße Exi­stenz die Regie­ren­den beson­ders stört und die Lin­ken zur Weiß­glut treibt, eine fried­li­che Akti­on durch, bei der sie bru­tal ange­grif­fen wur­den. Der 23jährige Stu­dent Quen­tin Deran­que eil­te den Ange­grif­fe­nen zu Hil­fe und wur­de dabei von meh­re­ren Tätern mas­siv attackiert. Elf von ihnen wur­den inzwi­schen fest­ge­nom­men und wer­den von den fran­zö­si­schen Behör­den dem lin­ken Spek­trum zuge­rech­net, dar­un­ter auch zwei par­la­men­ta­ri­sche Mit­ar­bei­ter der links­ra­di­ka­len Par­la­ments­frak­ti­on La France inso­u­mi­se von Jean-Luc Mélen­chon. Gegen neun soll, so die Staats­an­walt­schaft, Ankla­ge erho­ben werden. 

Quen­tin Deran­que erlag kurz nach dem Angriff sei­nen Ver­let­zun­gen. Wer Gewalt anwen­det, ist auch so zu benen­nen, näm­lich als Extre­mist, im kon­kre­ten Fall als Links­extre­mist. Um so schwe­rer wiegt, wenn staat­li­che Behör­den oder staats­na­he Ein­rich­tun­gen den Extre­mis­mus­be­griff ideo­lo­gisch moti­viert und ein­sei­tig verwenden.

Unab­hän­gig von jeder poli­ti­schen Bewer­tung der betei­lig­ten Grup­pie­run­gen steht aber zunächst eine Tat­sa­che im Raum: Ein jun­ger Mensch wur­de Opfer töd­li­cher Gewalt. Genau hier beginnt der Infor­ma­ti­ons­auf­trag des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks – mit der nüch­ter­nen, prä­zi­sen und mög­lichst voll­stän­di­gen Dar­stel­lung des Geschehens.

Quen­tin Deran­que war ein tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner Katho­lik, der einer Gemein­de der Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus (FSSP) ange­hör­te. Die­ser Zusam­men­hang wur­de vom ORF nicht erwähnt, weil er viel­leicht nicht in das am Künigl­berg bevor­zug­te Links-rechts-Sche­ma gepaßt hät­te: links hui, rechts pfui. Impli­zit könn­te man aber auch schlie­ßen, daß bil­li­gend in Kauf genom­men wur­de, tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Katho­li­ken in ein extre­mi­sti­sches Eck zu rücken, wie dies unter US-Prä­si­dent Joe Biden durch das FBI ver­sucht wur­de. Und so wür­de es ja auch bestimm­ten Steu­er­geld-finan­zier­ten „Beob­ach­tungs­stel­len“ gefal­len, die tief im lin­ken Dunst­kreis zu ver­or­ten sind. 

In den USA wur­den die FBI-Ver­ant­wort­li­chen inzwi­schen für ihre ideo­lo­gi­sche „Fleiß­ar­beit“ von der neu­en Regie­rung zur Ver­ant­wor­tung gezogen.

Auch auf Wiki­pe­dia, beson­ders der fran­zö­si­schen, wird von offen­sicht­li­chen Sym­pa­thi­stan­ten der Täter ein regel­rech­ter Kampf um die Deu­tungs­ho­heit geführt. Dort ist, Stand heu­te, zu lesen: „Der Tod von Quen­tin Deran­que, einem rechts­extre­men natio­na­li­sti­schen Akti­vi­sten, ereig­ne­te sich am 14. Febru­ar 2026. In Lyon erlitt er Ver­let­zun­gen, die er zwei Tage zuvor bei einer Schlä­ge­rei zwi­schen sei­ner Grup­pe rechts­extre­mer Akti­vi­sten und einer Grup­pe anti­fa­schi­sti­scher Mit­glie­der erlit­ten hat­te.“ Mehr Framing geht kaum noch. Das Opfer wird dis­kre­di­tiert, die Täter ver­harm­lost. Eine Täter-Opfer-Umkehr in Rein­form. Dem Opfer wird ver­sucht, alles erdenk­lich Schlech­te anzu­dich­ten, was der Rei­he nach demen­tiert wer­den muß. Sogar sei­ne Teil­nah­me bei der jähr­li­chen Pfingst­wall­fahrt der Tra­di­ti­on von Paris nach Char­tres wur­de ihm zur Last gelegt.

Quen­tin Deran­que wur­de getö­tet, aber der Kampf gegen ihn geht unver­min­dert wei­ter, indem gefr­amt wird, daß die Bal­ken kra­chen. Ein jun­ger Katho­lik, der sei­ne Hei­mat liebt, sein Vater­land ehrt, sich für das Lebens­recht unge­bo­re­ner Kin­der enga­giert, wird von den Sym­pa­thi­san­ten der Täter zum „Extre­mi­sten“ umge­dich­tet. Die Mör­der mor­den wei­ter, die einen phy­sisch, die ande­ren geistig.

Der öffentlich-rechtliche Maßstab

Zurück zum ORF. Der ORF ist kein pri­va­tes Mei­nungs­me­di­um. Als öffent­lich-recht­li­che Anstalt ist er dem gesetz­li­chen Auf­trag zur Objek­ti­vi­tät, Unpar­tei­lich­keit und Aus­ge­wo­gen­heit ver­pflich­tet. Die­ser Auf­trag ist kein blo­ßes Ide­al, son­dern Grund­la­ge sei­ner Legi­ti­ma­ti­on und Finan­zie­rung, die den Bür­gern durch den soge­nann­ten „ORF-Bei­trag“ auf­ge­zwun­gen ist.

Gera­de des­halb wiegt die Wort­wahl schwer. Wird ein Tötungs­de­likt pri­mär über die poli­ti­sche Zuschrei­bung des Opfers ein­ge­führt („Rechts­extre­mer getö­tet“), ver­schiebt sich der Fokus vom Tat­ge­sche­hen auf eine ideo­lo­gi­sche Ein­ord­nung. Das Opfer erscheint nicht zuerst als Mensch, son­dern als poli­ti­sches Eti­kett, im kon­kre­ten Fall als ein­deu­tig nega­ti­ves Eti­kett. Das Opfer wur­de damit vor­ne­weg diskreditiert.

Zugleich blei­ben die mut­maß­li­chen Täter in der For­mu­lie­rung „ultra­lin­ke Grup­pen“ ver­gleichs­wei­se abstrakt. Die kon­kre­te Gewalt­hand­lung tritt sprach­lich hin­ter den poli­ti­schen Kate­go­rien zurück. Die­se Gewich­tung kann in ihrer Wir­kung nicht unbe­ab­sich­tigt sein

Framing statt Information?

Jour­na­li­stisch spricht man von Framing, wenn durch Aus­wahl und Anord­nung von Begrif­fen ein bestimm­ter Deu­tungs­rah­men gesetzt wird. In die­sem Fall lau­tet er sinn­ge­mäß: Ein poli­tisch klar ver­or­te­ter Akteur kommt im Kon­text extre­mi­sti­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen ums Leben.

Eine sol­che Rah­mung kann den Ein­druck erzeu­gen, die poli­ti­sche Ein­ord­nung rela­ti­vie­re zumin­dest impli­zit die Tat. Doch Gewalt bleibt Gewalt – unab­hän­gig von der Welt­an­schau­ung des Opfers oder der Täter. Genau hier wäre zumin­dest sprach­li­che Sym­me­trie geboten.

Wenn Extre­mis­mus im Kern durch Gewalt­be­reit­schaft defi­niert ist, dann darf die jour­na­li­sti­sche Beschrei­bung nicht selek­tiv wir­ken. Der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk ist ver­pflich­tet, nicht Nar­ra­ti­ve zu bedie­nen, son­dern Fak­ten klar zu benen­nen – auch dann, wenn sie nicht in bestehen­de Deu­tungs­mu­ster pas­sen. Es gehört zu den Schief­la­gen des Main­stream, daß der Extre­mis­mus­be­griff heu­te nach lin­ker Dik­ti­on ver­wen­det wird. Wer rechts steht, wird auto­ma­tisch als „extre­mi­stisch“ dis­kre­di­tiert. Da die Kun­ge­bung der Iden­ti­tä­ren fried­lich war, die lin­ken Angrei­fer aber gewalt­tä­tig waren, ist die fak­ten­ba­sier­te Zuord­nung ein­deu­tig. Was aber mach­te der ORF daraus?

Vertrauen ist keine Selbstverständlichkeit

Das Ver­trau­en in öffent­lich-recht­li­che Medi­en speist sich aus dem Anspruch auf Neu­tra­li­tät. Wird jedoch der Ein­druck erweckt, poli­ti­sche Eti­ket­ten stün­den vor der sach­li­chen Dar­stel­lung eines Gewalt­ver­bre­chens, gerät die­ses Ver­trau­en ins Wanken. 

Es geht nicht um par­tei­po­li­ti­sche Bewer­tun­gen. Es geht um jour­na­li­sti­sche Prio­ri­tä­ten. Bei einem Tötungs­de­likt soll­te die Tat im Mit­tel­punkt ste­hen – nicht die ideo­lo­gi­sche Zuschrei­bung des Opfers.

Sol­che Berich­te füh­ren zu jenem Bedeu­tungs­ver­lust des öffent­lich-recht­li­chen-Rund­funks, der von die­sem beklagt wird.

Der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk hat einen kla­ren Auf­trag: infor­mie­ren, nicht inter­pre­ta­tiv rah­men; ein­ord­nen, aber nicht vor­prä­gen; dif­fe­ren­zie­ren, nicht etikettieren.

Gera­de in poli­tisch sen­si­blen Fäl­len ent­schei­det die sprach­li­che Prä­zi­si­on dar­über, ob Bericht­erstat­tung als Auf­klä­rung wahr­ge­nom­men wird – oder als Deu­tung. Und genau hier liegt die beson­de­re Verantwortung.

Bekommt ein Schiff eine zu star­ke Schlag­sei­te, eine lin­ke zum Bei­spiel, wird es ken­tern. Per­sön­lich wer­de ich dem ORF kei­ne Trä­ne nachweinen.

*selbst Stu­dent und tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner Katholik

Bild: You­tube (Screen­shot)

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