Was unter Papst Franziskus als „Das Video vom Papst“ bekannt war, trägt nun einen neuen Namen: „Bete mit dem Papst“. Mit dieser Umbenennung wurde das bekannte vatikanische Videoformat von Leo XIV. offiziell neu etikettiert. Der Vatikan betont, es handle sich lediglich um eine formale Anpassung ohne inhaltliche Veränderung. Dennoch berührt der Namenswechsel ein Format, das Papst Franziskus gleich mit dem ersten Video zu einem theologischen und kirchenpolitischen Streitpunkt machte.
Das neue im Februar 2026 veröffentlichte Video steht unter der Gebetsintention „für die Kinder mit unheilbaren Krankheiten“. Der Inhalt ist pastoral einwandfrei und moralisch unstrittig. Das verweist auf eine strukturelle Kontinuität: Auch unter Leo XIV. bewegen sich die Videos primär im allgemein-humanitären Raum, während spezifisch katholische Glaubensinhalte kaum zur Sprache kommen.
Bereits zu Beginn der Videoserie unter Papst Franziskus – das erste Video wurde am 6. Januar 2016 veröffentlicht – hatte Katholisches.info scharfe Kritik geübt. Dieses erste Video von Franziskus hatte es in sich: In ihm wurde der Eindruck erweckt, alle Religionen seien gleichwertige Wege zu Gott. Dies wurde als schwerwiegende Relativierung der katholischen Glaubenswahrheit verstanden. Der missionarische Anspruch der Kirche, so die damalige Analyse, werde zugunsten eines beliebigen religiösen Universalismus aufgegeben, der mehr an interreligiösen Ausgleich als an katholische Verkündigung erinnerte und den Kern der christlichen Offenbarung in Frage stellte. Der deutsche Dogmatiker Klaus Obenauer rief Franziskus zu, er müsse sich entscheiden: „Nathan der Weise oder Christus“.
Fünf Jahre später, im Video für Januar 2021, das der „universellen Brüderlichkeit“ gewidmet war, wiederholte Franziskus im Kern seine relativistische und synkretistische Aussage, wie er dies auch in anderem Kontext bereits wiederholt hatte, so bei der Fokolarbewegung in Rom, dann mit dem Dokument von Abu Dhabi und schließlich in Singapur.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Umbenennung des Formats unter Leo XIV. nicht zufällig. „Bete mit dem Papst“ klingt weniger medial, weniger programmatisch und vermeidet bewußt die starke Personalisierung, die unter Franziskus mit zunehmender Kritik verbunden war. Die Bildsprache in dem neuen Video ist deutlich verschieden von den Videos seines argentinischen Vorgängers. Sie ist religiös und kirchlich. Der Papst selbst zeigt sich in einer alten, mit Fresken ausgestalteten Kapelle, er macht eine Kniebeuge vor dem Allerheiligsten und kniet in einer Kniebank zum Gebet nieder. Solche Bilder gab es das ganze bergoglianische Pontifikat hindurch nicht.
Ob dies jedoch eine inhaltliche Neuausrichtung signalisiert oder lediglich einen stilistischen Kurswechsel darstellt, bleibt offen.
Die Frage steht im Raum, ob Leo XIV. tatsächlich eine Korrektur der theologischen Linie seines Vorgängers anstrebt oder ob er lediglich dessen Ansatz in höflicherer, zurückhaltenderer Form fortsetzt. Ist er ein Franziskus II. mit besserem Stil und größerer Sensibilität – oder markiert der neue Name den ersten Schritt zu einer Wiedergewinnung katholischer Klarheit?
Die Antwort wird sich nicht an der Bezeichnung des Formats entscheiden, sondern an dem, was künftig in den Videos ausgesagt wird – und auch an dem, was weiterhin unausgesprochen bleibt. Ein positiver Anfang wurde gemacht.
Das Video steht auf der Internetseite des Weltgebetsapostolats bisher in fünf Sprachen zur Verfügung: Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch. In den ersten drei Videos spricht Leo XIV. den Text selbst, in denen anderen sind Untertitel eingeblendet. Die Veröffentlichung ist derzeit in mindestens 22 Sprachen vorgesehen, darunter auch Deutsch.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Bete mit dem Papst/Youtube (Screenshot)
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