Huub Oosterhuis (1933–2023): der „Papst von Amsterdam“

Der andere Nachruf


Huub Oosterhuis, Ex-Priester, Ex-Jesuit, Ex-Katholik, mit dem Schreiben von Papst Franziskus in der Hand. Franziskus mag eben progressive Kirchenrebellen.
Huub Oosterhuis, Ex-Priester, Ex-Jesuit, Ex-Katholik, mit dem Schreiben von Papst Franziskus in der Hand. Franziskus mag eben progressive Kirchenrebellen.

Von Ber­nar­dus M.A.D.R. van Boskoop

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Am Oster­sonn­tag, 9. April 2023, ver­starb in Amster­dam Huber­tus „Huub“ Ooster­huis, Ex-Prie­ster, Ex-Jesu­it, ex-katho­lisch, zwi­schen­durch Bud­dhist und unkla­rer Deist, Haupt­fi­gur der moder­ni­sti­schen Revo­lu­ti­on im katho­li­schen Milieu in den Nie­der­lan­den. Sehr geschätzt in pro­te­stan­ti­schen und lin­ken Milieus1, sehr geschätzt auch im deut­schen Main­stream-Katho­li­zis­mus und sehr geschätzt als Pro­phet, wenn nicht sogar als künf­ti­ger Hei­li­ger bei den nie­der­län­disch­spra­chi­gen Bischö­fen in Bel­gi­en (sie­he den Arti­kel von Benoit Lan­noo auf www​.ker​knet​.be).

Ooster­huis wur­de 1933 in Amster­dam gebo­ren und wird die dor­ti­ge aus­ge­prägt hol­län­di­sche Men­ta­li­tät nie verlieren.

Er tritt bei den Jesui­ten ein und lernt im Orden die vor­kom­men­den Gewohn­hei­ten ken­nen, u. a. „Wir gehen nach Lüt­tich“ als Umschrei­bung von Pro­sti­tu­ier­ten­be­su­chen (sic H. O.).

Wäh­rend und direkt nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil star­te­te Ooster­huis mit sei­nem Jesui­ten­mit­bru­der Jos Vri­j­burg eine ech­te Revo­lu­ti­on in der Amster­da­mer Stu­den­ten­pa­sto­ral. Von Tischen mit Lein­tü­chern und Mikro­pho­nen wird die tota­le kirch­li­che Revo­lu­ti­on gepre­digt: die Abschaf­fung des Zöli­bats und die „Nieu­we Lief­de“ (Neue Liebe).

Revo­lu­tio­nä­re Stu­den­ten­seel­sor­ge (1969 noch inner­kirch­lich und als Jesui­ten­pa­tres): ganz links Jos Vri­j­burg, ganz rechts Huub Oosterhuis.

Pater J. Vri­j­burg SJ hei­ra­tet (im Frack und mit Zylin­der – etwas kon­ser­va­ti­ves Thea­ter muß sein). Ooster­huis lebt als Jesu­it in der Kom­mü­ne der inzwi­schen aus der Kir­che aus­ge­schie­de­nen „Stu­den­ten­ek­kle­sia“ mit einer jun­gen Frau zusammen.

1970 geht Ooster­huis eine bür­ger­li­che Ehe ein. Ooster­huis spielt sich immer mehr als Führer/​Präsident der öku­me­ni­schen Ekkle­sia-Idee auf, die immer weni­ger Volk anzieht.2

Von Ooster­huis’ Ehe­frau läßt sich wenig in Erfah­rung brin­gen. Irgend­wie scheint er wenig spä­ter eine zwei­te Ver­bin­dung ein­ge­gan­gen zu sein.

Er ent­fal­tet eine rei­che Pro­duk­ti­on von Gedich­ten und Lied­tex­ten, am Anfang ver­tont durch sei­nen ehe­ma­li­gen Mit­bru­der, den Ex-Jesui­ten Hui­j­bers, mit dem er sich spä­ter aber laut­stark strei­tet. Hui­j­bers hei­ra­tet eben­falls, zieht nach Süd­frank­reich in ein Bau­ern­haus, das er, inzwi­schen Athe­ist und Frei­mau­rer, in tota­lem Frust und Kir­chen­feind­lich­keit „Cont­re l’ég­li­se“ nennt.

In allen die­sen revo­lu­tio­nä­ren Wir­ren muß das Geld doch knapp gewor­den sein. Die Ani­mo­si­tä­ten mit dem Lie­der­kom­po­ni­sten Hui­j­bers betra­fen auch Autoren­rech­te und Tan­tie­men. Bis zum Ende fin­det sich bei vie­len Tex­ten und Lie­dern von Ooster­huis noch das „C“ für Copyright.

Ooster­huis als Red­ner bei der links­ra­di­ka­len Sozia­li­sti­schen Par­tei der Niederlande

Inzwi­schen bekam Ooster­huis zwei Kin­der, Tri­jnt­je und Tweerd, inzwi­schen reich­lich in den sozia­len Medi­en ver­tre­ten als „Kin­der von Huub Oosterhuis“.

Die Tex­te, Gedich­te und Lie­der von Ooster­huis wur­den immer all­ge­mei­ner und grif­fen immer mehr auf Bil­der des Alten Testa­ments zurück. Jesus Chri­stus ver­schwand sehr rasch und voll­stän­dig, die Bedeu­tung der eucha­ri­sti­schen Wand­lung des Bro­tes ver­schwand total, und letzt­lich auch Gott, denn am Ende war es völ­lig unklar, wer mit dem „Du“ ange­re­det wurde.

Nach­dem in den 70er Jah­ren die katho­li­sche Kir­che in den Nie­der­lan­den schwerst abge­wrackt wor­den war, die Revo­lu­tio­nä­re müde gewor­den waren und sich anders­wo betä­tig­ten, und da die Übrig­ge­blie­be­nen eher kon­ser­va­tiv waren, lie­ßen die nie­der­län­di­sche Bischö­fe die Tex­te von Ooster­huis inhalt­lich untersuchen.

Der Prie­ster Cor Men­nen, Spe­zia­list in Fun­da­men­tal­theo­lo­gie und Dog­ma­tik, führ­te eine akri­bi­sche Prü­fung durch. Eine wah­re Her­ku­les­auf­ga­be. Das Resul­tat war ver­hee­rend: Ein Groß­teil der Tex­te von Ooster­huis war rund­weg heid­nisch und fun­da­men­tal unchristlich.

„Der Papst von Amster­dam“, so gefiel sich Ooster­huis selbst

Die nie­der­län­di­schen Bischö­fe zogen spät, aber nun ohne zu zögern, die Kon­se­quenz: Die Lie­der von Ooster­huis dür­fen in katho­li­schen Kir­chen nicht gesun­gen wer­den. Das erscheint auf den ersten Blick etwas merk­wür­dig, ist doch die Men­ta­li­tät in den Nie­der­lan­den seit Jahr­hun­der­ten sehr auf Tole­ranz und Main­stream fixiert; und gera­de in Deutsch­land und in Flan­dern ste­hen die­se Lied­chen in brei­ten Schich­ten hoch im Kurs. Es war 2010, bei der Ernen­nung von Erz­bi­schof André-Joseph Léo­nard, von flä­mi­scher Sei­te eine Bedin­gung, daß die Ooster­huis-Lie­der wei­ter gesun­gen wer­den dürften.

1974 konn­te man offen­sicht­lich in der katho­li­schen Zei­tung DeTijd (kurz dar­auf fusio­niert mit der Haag­sche Post, dann HP/​DeTijd, HPDT usw. und von einer Tages­zei­tung zu zwei­mal wöchent­lich, dann 2 bis 3x pro Woche, dann still­ge­legt und kurz hin­ter­her wie­der­be­lebt; die Tur­bu­len­zen des nie­der­län­di­sche Katho­li­zis­mus spie­geln sich in der Tur­bu­len­zen die­ser Publi­ka­ti­on wider) eine klei­ne Mel­dung lesen:

„Ein bekann­ter Dich­ter von Kir­chen­lie­dern ist hin­ter ver­schlos­se­nen Türen ver­ur­teilt wor­den wegen nicht ange­mes­se­nen Ver­hal­tens gegen­über Minderjährigen.“

Unklar ist, wen das betrifft. Offen­sicht­lich weiß man jedoch bei den nie­der­län­di­schen Bischö­fen mehr als in Bel­gi­en und Deutschland.

In Nord­bel­gi­en wur­den Ooster­huis-Lie­der beson­ders viel in dem berüch­tig­ten Bis­tum Brüg­ge gesun­gen. Es gab sogar einen Ooster­huis-Chor, gegrün­det und lan­ge geführt von Pie­ter Del­anoy, dem letz­ten vom pädo­phi­len Bischof Roger Vang­he­lu­we geweih­ten Prie­ster, der eng mit dem homo­phi­len Semi­na­ri­sten V. O. befreun­det war (spä­ter im Semi­nar in Lil­le), inzwi­schen aus­ge­tre­ten und mit einer Frau verheiratet.

Die Ooster­huis­lie­der gehö­ren fak­tisch zum Haus­por­zel­lan der LGBTQ-Lob­by in der moder­nen Kirche.

Dazu völ­lig pas­send: Mit Weih­nach­ten 2020 bekam Ooster­huis ein Schrei­ben von Papst Fran­zis­kus, sozu­sa­gen, Jesui­ten unter sich. Dar­in schreibt Papst Fran­zis­kus u. a.:

Todes­an­zei­ge der Ooster­huis-Stif­tung:
kein Kreuz, kein Chri­stus, kein Gott

„In die­sen Tagen möch­te ich Sie wis­sen las­sen von mei­ner Nähe zu Ihnen und mei­ner brü­der­li­chen Sor­ge.
Das Myste­ri­um von Gna­de und Ver­söh­nung, das wir in die­ser Weih­nachts­zeit fei­ern, lädt uns ein, erneut die freud­vol­le Bot­schaft von Got­tes erlö­sen­den Lie­be und unbe­grenz­ter Barm­her­zig­keit zu hören.“

Das katho­li­sche Blatt KRO/​NCRV schrieb dann etwas sim­pel-blöd, daß nicht klar sei, wor­um es hier geht…

Die­se Aus­sa­ge von Papst Fran­zis­kus ist natür­lich zu hun­dert Pro­zent das Man­tra von Kar­di­nal Dan­neels (bis 2010 Erz­bi­schof von Mecheln-Brüs­sel) und der Mafia von Sankt Gal­len mit der Häre­sie der Apo­ka­ta­sta­sis.

Iro­nie der Geschich­te: Die Jesui­ten schei­nen inzwi­schen selbst nicht mehr zu wissen/​nicht mehr wis­sen zu wol­len, wann Ooster­huis aus dem Orden exklaustriert/​entlassen wurde…

Die gan­ze Epo­che wird ver­ges­sen und vertuscht.

Und in sei­nem letz­ten Lebens­jahr hat Ooster­huis noch öffent­lich mit­ge­teilt, daß er nie die Zuge­hö­rig­keit zur katho­li­schen Kir­che auf­ge­ge­ben habe (was in völ­li­gem Wider­spruch zu eini­gen von hims­elf wie­der­hol­ten Aus­sa­gen steht).

Möge Gott ihm gnä­dig sein.

Fuß­no­ten: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Arsacal/​SP/​Wikicommons (Screen­shots)


1 2011 eröff­ne­te Ooster­huis in Amster­dam ein reprä­sen­ta­ti­ves Haus, das er „De Nieu­we Lief­de“ (Die Neue Lie­be) nann­te. Ein Haus für „Thea­ter­auf­füh­run­gen, Kon­fe­ren­zen und Got­tes­dien­ste“ mit 14 festen Mit­ar­bei­tern. Finan­ziert wur­de das öku­me­ni­sche Pro­jekt von einem Mul­ti­mil­lio­när. Selbst Köni­gin Bea­trix der Nie­der­lan­de war bei der Eröff­nung mit ihrem Gat­ten anwe­send. Dabei hat­te Ooster­huis sei­ne poli­ti­schen Freun­de in der links­ra­di­ka­len Sozia­li­sti­schen Par­tei (SP). Sein Mani­fest gegen „rech­te Popu­li­sten“ gefiel offen­sicht­lich nicht nur dort.

2 Die ehe­ma­li­gen Stu­den­ten­seel­sor­ger woll­ten auch nach ihren Ehe­schlie­ßun­gen wei­ter Got­tes­dien­ste lei­ten, wes­halb es zum Bruch mit Rom kam. Ooster­huis führ­te dann sei­ne Stu­den­ten­ek­kle­sia als „freie“ und pro­gres­si­ve Gemein­de Ekkle­sia Amster­dam weiter.

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2 Kommentare

  1. Es gab mal Zei­ten, da waren die Jesui­ten die Eli­te der Katho­li­schen Kir­che. Das kann doch nicht ein­fach so den Bach run­ter gegan­gen sein, ohne daß das jemand gemerkt hat, der dann die Reiß­lei­ne hät­te zie­hen können.

  2. Zu Ooster­huis-Lie­dern im Neu­en Got­tes­lob (NGL):
    Mei­ne Frau und ich sind es gewöhnt, bei jedem Lied genau auf die Aus­sa­ge des Tex­tes zu achten.
    Wir sin­gen nur Lie­der mit, deren Tex­te für uns ein­wand­frei, kei­ne Häre­sie und auch für uns per­sön­lich zutref­fend sind – ande­re boy­kot­tie­ren wir als mün­di­ge und kri­ti­sche kathol. Christen. 

    M.W. sind im neu­en Got­tes­lob 5 Lie­der und eine Lita­nei von Huub Ooster­huis enthalten: 

    Nr. 414 „Herr unser Herr…“
    Die 3.Strophe ent­hält die unsin­ni­ge Aus­sa­gen „…du bist nicht sicht­bar für unse­re Augen und nie­mand hat dich je gesehn“. Das opti­sche Nicht­sicht­bar­sein leug­net die Wahr­nehm­bar­keit Chri­sti in der hl. ver­wan­del­ten Kom­mu­ni­on und ist zumin­dest uneindeutig.
    Aber „dass nie­mand IHN je sah“, ist Unsinn und Irr­leh­re: sie­he Neu­es Testament! 

    Die 4. Stro­phe „Du bist in allem tief ver­bor­gen…“ ist rein­ster Pan­the­is­mus und damit Häresie. 

    Nr. 422 „Ich steh vor dir mit lee­ren Händen“:
    Zumin­dest die ersten bei­den Stro­phen davon sind für mei­ne Frau und mich völ­lig unzu­tref­fend – wir boy­kot­tie­ren sie. Mag sein, dass ein glau­bens­zwei­feln­der Mensch sie für sich pas­send empfindet. 

    Nr. 425 „Solang Es Men­schen gibt auf Erden“:
    Die­ses bereits 1959 gerich­te­te Lied kann ich von der Text­aus­sa­ge her noch akzeptieren. 

    Dage­gen Nr.460 „Wer leben will wie Gott auf die­ser Erde“:
    Ich fin­de die Tex­te bis auf die letz­te Stro­phe selt­sam schwur­be­lig und unein­deu­tig. In mir sträubt sich alles, so etwas Mehr­deu­ti­ges unkri­tisch mit­sin­gen zu sollen…
    Also las­se ich es bes­ser blei­ben und kon­zen­trie­re mich dar­auf, den Sinn, wenn es ihn denn hier gibt, zu ana­ly­sie­ren und zu prü­fen, ob die gemach­ten Aus­sa­gen denn wirk­lich zutref­fend sind.
    Bis­her bin ich da weit­ge­hend rat­los und noch zu kei­nem ein­deu­ti­gen Ende und Fazit gelangt. 

    Nr. 499: „Gott, der nach sei­nem Bilde“: 

    Hier kri­ti­sie­re ich vor allem die Aus­sa­ge der 2. Stro­phe, dass der Mensch vom Anfang an angeb­lich einer Ant­wort entbehrt. 
    Das ist Quatsch – sowohl rein mensch­lich, denn nor­ma­ler­wei­se gibt ja zumin­dest die Mut­ter in viel­fäl­tig­ster Wei­se Ant­wort auf die Fra­gen und Bedürf­nis­se des gebo­re­nen Kin­des – mit­hin von Anfang des­sen Exi­stenz an. Und auch im Ver­hält­nis zu Gott hat der Mensch von Beginn der Schöp­fung an in Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem leben­di­gen Gott gestan­den – man rezi­pie­re nur das Buch Genesis. 

    Und die Lita­nei von der Gegen­wart Got­tes unter Nr.557:
    Habe ich mir bis­lang noch nicht kri­tisch angesehen.

    Nach­dem ich aber den obi­gen Arti­kel über Huub O. gele­sen habe, wer­de ich aus Pro­test KEINE von ihm stam­men­den Tex­te mehr sin­gen oder sprechen!

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