Neue Vorwürfe in der Causa Klosterneuburg – und zum römischen Umgang damit

Hat der Vatikan den Bock zum Gärtner gemacht?

Klosterneuburg wartet seit zwei Jahren auf die Wahl eines neuen Propstes und Abtes. Dazwischen leitete ein Päpstlicher Delegat das Stift und hatte sexuelle Mißbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe zu untersuchen. Es gibt nun Bedenken, daß die Untersuchung wirklich in allen Punkten ordentlich verlaufen ist.
Klosterneuburg wartet seit zwei Jahren auf die Wahl eines neuen Propstes und Abtes. Dazwischen leitete ein Päpstlicher Delegat das Stift und hatte sexuelle Mißbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe zu untersuchen. Es gibt nun Bedenken, daß die Untersuchung wirklich in allen Punkten ordentlich verlaufen ist.

(Wien) Schwe­re Homo­se­xua­li­täts-Vor­wür­fe rund um die Unter­su­chun­gen von sexu­el­lem Miß­brauch im Augu­sti­ner-Chor­her­ren­stift Klo­ster­neu­burg bei Wien erhebt die kana­di­sche Nach­rich­ten­sei­te Life­Si­teNews. Die Vor­wür­fe von Mai­ke Hick­son und Chef­re­dak­teur John Hen­ry Westen betref­fen den Umgang der Klo­ster­lei­tung mit den Miß­brauchs­vor­wür­fen, aber auch die römi­sche Unter­su­chung der­sel­ben. In dem 1114 gestif­te­ten Klo­ster­neu­burg leben heu­te 41 Chor­her­ren. Das Augu­sti­ner-Chor­her­ren­klo­ster ist eines der reich­sten Klö­ster der Welt.

Die Miß­brauchs­vor­wür­fe betref­fen zwei ehe­ma­li­ge Kon­vents­an­ge­hö­ri­ge, von denen einer ent­las­sen, der ande­re ver­stor­ben ist. Die Ver­tu­schungs­vor­wür­fe betref­fen hin­ge­gen den dama­li­gen Propst des Klo­sters und den römi­schen Delegaten.

Im Jahr 2017 waren Berich­te über sexu­el­len Miß­brauch im Stift auf­ge­taucht und hat­ten gro­ßen media­len Wir­bel aus­ge­löst. Das Klo­ster reagier­te sou­ve­rän und schien alle Vor­wür­fe auf­klä­ren zu kön­nen. War dem aber wirk­lich so? Life­Si­teNews zieht die Dar­stel­lung inzwi­schen in Zweifel.

Der Fall Veix

Die Vor­wür­fe betra­fen den Chor­her­ren W. Veix, der 1993 einen 13jährigen Mini­stran­ten unter Alko­hol­ein­fluß gesetzt und sexu­ell miß­braucht hat­te. Die Abtei reagier­te umge­hend: W. V. wur­de auf­ge­for­dert, den Orden zu ver­las­sen. Die­ser wil­lig­te ein und ver­ließ das Klo­ster inner­halb von sechs Tagen. Ein kir­chen­recht­li­ches Aus­schluß­ver­fah­ren hät­te einen län­ge­ren Zeit­raum in Anspruch genom­men. Rom wur­de um die Lösung der Gelüb­de ersucht und über den schwer­wie­gen­den Vor­fall infor­miert. „Bis zu sei­nem Aus­tritt, der per Wei­sung aus Rom erfol­gen muß, war das Stift jedoch kir­chen­recht­lich für sei­nen Unter­halt ver­pflich­tet und ent­fern­te ihn aus dem Stift in eine Wie­ner Woh­nung. Die­se Ver­ant­wor­tung ende­te mit sei­nem Aus­tritt im Jah­re 1994“, gab das Stift 2017 in einer Pres­se­er­klä­rung bekannt.

Strit­tig wird die Sache ab die­sem Augen­blick. W. V. ließ sich 1996 im rumä­ni­schen Bis­tum Ora­dea (Groß­ward­ein) zum Prie­ster wei­hen und wur­de dann wie­der im deut­schen Sprach­raum aktiv. Unter ande­rem erhielt er eine Pfar­rei in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, wo er sich an einem noch jün­ge­ren Opfer ver­ging, was schließ­lich zu sei­ner Lai­sie­rung führte.

Zum Zeit­punkt des Vor­falls in Klo­ster­neu­burg war Chor­herr Bern­hard Back­ovsky Novi­ze­n­mei­ster. Er wur­de 1995 zum 66. Propst und 17. late­ra­nen­si­schen Abt des Stif­tes gewählt. Ein Amt, das er bis 2020 inne­hat­te. Von 2002 bis 2017 war Propst Back­ovsky zudem Gene­ral­abt der Öster­rei­chi­schen Kon­gre­ga­ti­on und von 2010 bis 2016 Abt­pri­mas der inter­na­tio­na­len Kon­fö­de­ra­ti­on der Augu­sti­ner-Chor­her­ren.

2017 teil­te der Stifts­spre­cher öffent­lich mit:

„Von sei­ner Prie­ster­wei­he durch den Bischof von Ora­dea wuß­te das Stift nichts. Wir wur­den auch nicht kon­tak­tiert. Es ist fest­zu­hal­ten, daß der dama­li­ge Novi­ze­n­mei­ster und heu­ti­ge Gene­ral­abt Propst Bern­hard Back­ovsky kei­ner­lei Bemü­hun­gen unter­nahm, um eine Prie­ster­wei­he des Herrn Veix in irgend­ei­ner Wei­se zu ermög­li­chen. Hät­te sich die Diö­ze­se Ora­dea im Stift Klo­ster­neu­burg erkun­digt, wäre Herr Veix nie zum Prie­ster geweiht wor­den. Es erfolg­te weder sei­tens des Bis­tums Basel noch des Bis­tums Würz­burg eine Anfra­ge im Stift betref­fend Veix. Da das Stift von die­ser Prie­ster­wei­he eben­so wenig wuss­te wie von sei­ner Beschäf­ti­gung in Basel und Würz­burg, hat­te das Stift auch kei­ne Mög­lich­keit, die Diö­ze­sen Basel und Würz­burg zu warnen.“

Das Stift habe W. V. vor der kirch­li­chen Behör­de in Rom, das ist die Ordens­kon­gre­ga­ti­on, zur Anzei­ge gebracht. Auf eine Anzei­ge vor der welt­li­chen Gerichts­bar­keit wur­de auf Wunsch der Mut­ter des Jun­gen ver­zich­tet, „um ihr Kind nicht wei­ter zu bela­sten und den Miß­brauch nicht öffent­lich bekannt wer­den zu las­sen. Es soll­te jedoch unbe­dingt sicher­ge­stellt wer­den, daß Herr Veix aus dem Stift ent­fernt wird, was auch inner­halb von 6 Tagen mit aller Kon­se­quenz des Kir­chen­rech­tes erfolgte.“

Life­Si­teNews wirft Propst Back­ovsky vor, es habe Zeu­gen, die aus­sag­ten, er habe in Wirk­lich­keit W. V. dabei gehol­fen, in Rumä­ni­en zum Prie­ster geweiht zu wer­den. Der Ver­dacht war schon bald auf­ge­taucht, daß es W. V. nicht ohne Unter­stüt­zung gelun­gen sein konn­te, so schnell zur Prie­ster­wei­he zuge­las­sen zu wer­den. Soll­te dem so gewe­sen sein, hät­te sich Back­ovsky mit­schul­dig gemacht, wenn W. V., mit dem Amt und Anse­hen eines Prie­sters aus­ge­stat­tet, wei­te­re Jun­gen miß­brau­chen konn­te. War­um hät­te der Propst das aber tun sol­len? Ein Augen­zeu­ge, so Life­Si­teNews, habe aus­ge­sagt, daß W. V. sich ihm gegen­über ein­mal brü­ste­te, „Back­ovsky und sei­nen Bru­der in der Tasche“ zu haben. Und er habe noch hin­zu­ge­fügt, daß Propst Back­ovsky „mei­ne Rück­ver­si­che­rung“ sei.

Der Fall Röhrig

Schwe­rer wiegt der zwei­te Fall. Er betrifft den 2014 ver­stor­be­nen Chor­her­ren P. Flo­ri­dus Röh­rig, der als Kir­chen­hi­sto­ri­ker Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Wien war und zu den pro­mi­nen­te­sten Mit­glie­dern der Abtei gehör­te. Als sol­cher wur­de er mit zahl­rei­chen Ehrun­gen bedacht. „Als Mensch und Prie­ster scheint er jedoch ein ganz ande­res Leben geführt zu haben“, so Life­Si­teNews. Die kana­di­sche Nach­rich­ten­sei­te konn­te mit einem sei­ner Opfer spre­chen, P. R. [ein Pseud­onym, da das Opfer anonym blei­ben möch­te], der im Alter von nur 13 Jah­ren „wie­der­holt auf schwer­ste Wei­se sexu­ell miß­braucht wor­den war. Er und auch sein älte­rer Bru­der gaben bei­de an, von Dr. Flo­ri­dus sexu­ell miß­braucht wor­den zu sein“, so LifeSiteNews.

Zum Kron­zeu­gen gegen P. Flo­ri­dus Röh­rig und Propst Back­ovsky wur­de der ehe­ma­li­ge Novi­ze des Klo­sters und heu­ti­ge Pfar­rer in Ham­burg, Micha­el Imlau. Er selbst wur­de Opfer der pro­gres­si­ven Kon­vents­an­ge­hö­ri­gen, wie er selbst sagt, und wur­de, um deren Ein­fluß im Kon­vent nicht zu gefähr­den, aus dem Klo­ster entfernt.

Micha­el Imlau ent­hüll­te 2019, daß Röh­rig im Stift den Ruf hat­te, „der größ­te Kin­der­schän­der Nie­der­öster­reichs zu sein“. Er selbst, so erzähl­te er Life­Si­teNews, sei Zeu­ge abend­li­cher Erzäh­lun­gen Röh­rigs gewor­den, als die­ser im betrun­ke­nen Zustand von „sei­nen selt­sa­men Aben­teu­ern in Lon­don“ erzähl­te – und Röh­rig sei abends häu­fig betrun­ken gewe­sen. Ein älte­rer Kano­ni­ker, der ande­re vor Röh­rig beschüt­zen woll­te, habe die­sen eines Tages vor ande­ren Kano­ni­kern ange­schrien, er sol­le sich von einem jun­gen Kano­ni­ker fern­hal­ten: „Du Dreck­schwein, laß dei­ne ekli­gen Fin­ger von X!“ Der jun­ge Mann wuß­te nicht, was die Ein­la­dung Röh­rigs, ihn zu beglei­ten, mit sich brin­gen wür­de. Laut Imlau. Kei­ner der anwe­sen­den Kano­ni­ker hät­te Röh­rig ver­tei­digt. Sie schwie­gen, so Imlau, weil sie von sei­nem unmo­ra­li­schen Ver­hal­ten gewußt haben mußten.

Röh­rig war als geist­li­cher Assi­stent für Pfad­fin­der der Regi­on ver­ant­wort­lich und nahm die Jun­gen, so Imlau, regel­mä­ßig auf „Kul­tur­fahr­ten“ mit. Sowohl P. R. als auch sein Bru­der sag­ten aus, daß Röh­rig sie zu FKK-Strän­den mit­nahm, wo er Fotos von den nack­ten Jun­gen mach­te. Laut Imlau zeig­te der betrun­ke­ne Röh­rig ein­mal zwei­en sei­ner Mit­brü­der eini­ge die­ser Fotos.

Laut Imlau sei Propst Back­ovsky im Fall Röh­rig untä­tig geblie­ben, wes­halb die­ser sein Trei­ben fort­set­zen und als Kon­vents­mit­glied ster­ben konnte.

Die römische Untersuchung

Die bekannt­ge­wor­de­nen Vor­fäl­le ver­an­laß­ten die römi­sche Ordens­kon­gre­ga­ti­on, einen Päpst­li­chen Dele­ga­ten nach Klo­ster­neu­burg zu schicken, der nach dem gesund­heits­be­ding­ten Rück­tritt von Propst Back­ovsky die Lei­tung des Stifts über­nahm und die Auf­ga­be hat­te, die sexu­el­len Miß­brauchs­fäl­le und ein mög­li­ches Fehl­ver­hal­ten von Propst Back­ovsky im Umgang mit den Anschul­di­gun­gen zu unter­su­chen. Es stand der Vor­wurf der Ver­tu­schung im Raum. Die Unter­su­chung wur­de vor kur­zem abge­schlos­sen. Wur­de sie das wirk­lich? Auch dazu äußert Life­Si­teNews Zweifel.

Ob Propst Back­ovsky im Mai 2020 ganz frei­wil­lig zurück­trat, sei dahin­ge­stellt. 25 Jah­re hat­te er das Stift gelei­tet. Im Som­mer jenes Jah­res erfolg­te jeden­falls eine vati­ka­ni­sche Visi­ta­ti­on des Klo­sters, das die Ernen­nung eines Päpst­li­chen Dele­ga­ten zur Fol­ge hat­te. Dar­aus wird deut­lich, daß es Din­ge gab, die auf­zu­ar­bei­ten waren.

Im Novem­ber 2020 ernann­te der Vati­kan Bischof Josef Cle­mens, den ehe­ma­li­gen Sekre­tär von Papst Bene­dikt XVI., zum Päpst­li­chen Dele­ga­ten für das Stift. Er soll­te die Unter­su­chun­gen lei­ten. Dafür beauf­trag­te er wie­der­um einen exter­nen Experten.

Was erbrach­ten die Unter­su­chun­gen des Päpst­li­chen Delegaten? 

Er stell­te sexu­el­les Fehl­ver­hal­ten durch Mit­glie­der und ehe­ma­li­ge Mit­glie­der des Klo­sters sowie Ver­säum­nis­se bei der Ver­hin­de­rung oder der nach­träg­li­chen Auf­ar­bei­tung von Miß­brauchs­fäl­len sei­tens der dama­li­gen Klo­ster­lei­tung fest. Daher wur­de dem eme­ri­tier­ten Propst Bern­hard Back­ovsky eine kano­ni­sche Moni­tio (Ermah­nung) erteilt. Die Grün­de für die­se Ermah­nung blie­ben vage for­mu­liert. Die fest­ge­stell­ten „Ver­säum­nis­se“ wur­den nicht beim Namen genannt. Auch wur­de nicht gesagt, ob Röh­rig schul­dig war. Viel­mehr wur­de dem Alt-Abt Raum gege­ben, sich für sein Ver­hal­ten zu entschuldigen.

Msgr. Cle­mens erklär­te zudem, daß damit „die Unter­su­chung, wie vom Hei­li­gen Stuhl emp­foh­len, abge­schlos­sen ist“ und es nun wich­tig sei, „in die Zukunft zu blicken und einen neu­en Anfang zu machen“. Alt-Propst Back­ovsky wur­de ver­pflich­tet, sich zur Stra­fe „für eine ange­mes­se­ne Zeit“ vom Klo­ster fern­zu­hal­ten. Laut Life­Si­teNews könn­te er aller­dings bereits in das Stift zurück­ge­kehrt sein.

Ein Zwischenfall

Im Novem­ber 2021 war es zu einem Zwi­schen­fall gekom­men, der die Arbeit des Päpst­li­chen Dele­ga­ten in Fra­ge stell­te. Am Fest des hei­li­gen Leo­pold, des Stif­ters des Klo­sters, zitier­te er in der Pre­digt aus­ge­rech­net aus einer wis­sen­schaft­li­chen Arbeit des ver­stor­be­nen Chor­her­ren Röh­rig, des­sen Fehl­ver­hal­ten er zu unter­su­chen hat­te, über den öster­rei­chi­schen Mark­gra­fen Leo­pold III. den Hei­li­gen. Er zitier­te Röh­rig nicht nur in den Fuß­no­ten, son­dern erwähn­te ihn auch nament­lich in sei­ner Predigt.

Die Wel­len gin­gen hoch und haben sich noch immer nicht beru­higt. Opfer und ihre Ver­tei­di­ger sahen sich hin­ter­gan­gen. Sie spra­chen von einer „Pro­vo­ka­ti­on“, die Wun­den neu auf­ge­ris­sen habe. Aus­ge­rech­net der „Kin­der­schän­der Nr. 1 des Klo­ster“, so Johan­nes Hei­bel von einem Opfer­un­ter­stüt­zungs­ver­ein, kam dadurch zu Ehren. Wie konn­te Bischof Cle­mens aus­ge­rech­net einen Täter in den Vor­der­grund rücken?

LifeSiteNews befrag­te den Bischof und inzwi­schen ehe­ma­li­gen Päpst­li­chen Dele­ga­ten. Bis zur Wahl des 67. Prop­stes und 18. late­ra­nen­si­schen Abtes wird Propst Maxi­mi­li­an Fürn­sinn von Stift Her­zo­gen­burg als Admi­ni­stra­tor Stift Klo­ster­neu­burg leiten.

Von Life­Si­teNews befragt, gab Bischof Cle­mens man­geln­de Sen­si­bi­li­tät zu, die er bes­ser ver­mie­den hät­te. Er ver­tei­dig­te aller­dings sein Han­deln dahin­ge­hend, daß er aus einer wis­sen­schaft­li­chen Arbeit zitiert habe, die unab­hän­gig von der Per­son des Autors zu sehen sei. Eine ordent­li­che Zitier­wei­se und die ent­spre­chen­de Quel­len­an­ga­be sei­en aka­de­mi­scher Stan­dard. Die direk­te Erwäh­nung Röh­rigs sei nur des­halb erfolgt, weil Cle­mens des­sen Über­set­zung eines latei­ni­schen Zitats ver­wen­det habe. Dar­aus kön­ne in kei­ner Wei­se eine Recht­fer­ti­gung von Röh­rigs Fehl­ver­hal­ten her­aus­ge­le­sen werden.

Life­Si­teNews befrag­te Bischofs Cle­mens auch, ob Röh­rig schul­dig befun­den wur­de, erhielt dar­auf aber kei­ne wirk­li­che Ant­wort. Der Bischof ver­wies auf die ange­wand­te Verfahrensweise.

Gehör­te Trans­pa­renz nicht zum Auf­trag des Päpst­li­chen Dele­ga­ten? Die­ser Ein­druck ver­stärk­te sich für Life­Si­teNews, als es am 15. Mai von Pfar­rer Micha­el Imlau in Erfah­rung brach­te, daß er und ein wei­te­rer Prie­ster sich mit Msgr. Cle­mens getrof­fen hat­ten, um die Nicht-Anhö­rung zwei­er wich­ti­ger Zeu­gen zu bekla­gen. Der Päpst­li­che Dele­gat habe die Cau­sa jedoch für abge­schlos­sen erklärt.

Der Bischof habe gegen­über Pfar­rer Imlau zu ver­ste­hen gege­ben, daß sei­ner­zeit zum Fall Röh­rig geschwie­gen wur­de, „um Scha­den von der Kir­che abzu­wen­den“. Das ist legi­tim, gilt heu­te aller­dings als Eigen­tor, da die Kir­che drin­gend der Auf­ar­bei­tung der sexu­el­len Skan­da­le bedarf, die laut dem pol­ni­schen Pro­fes­sor und Prie­ster Dari­usz Oko vor allem das Pro­blem einer „Homo-Häre­sie“ sei.

Bischof Cle­mens pro­vo­zier­te damit gleich zwei­fach, daß sich nun der Ver­dacht von Pfar­rer Imlau und auch Johan­nes Hei­bel gegen ihn selbst rich­tet, an einer Ver­tu­schung mit­ge­wirkt zu haben. „Indem er die Öffent­lich­keit nicht umfas­send infor­miert, reiht er sich naht­los in die Rie­ge der Ver­tu­scher ein“, wird Hei­bel von Life­Si­teNews zitiert.

Päpstlicher Delegat in der Kritik

Life­Si­teNews geht noch wei­ter und hin­ter­fragt die Ernen­nung von Bischof Cle­mens zum Päpst­li­chen Dele­ga­ten und spricht von einer „kon­tro­ver­sen per­sön­li­chen Geschich­te“. Cle­mens pro­mo­vier­te 1983 in Moral­theo­lo­gie zum Dok­tor der Theo­lo­gie. Anschlie­ßend war er zwan­zig Jah­re lang per­sön­li­cher Sekre­tär von Joseph Ratz­in­ger, dem dama­li­gen Kar­di­nal­prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. 2003 ernann­te ihn Papst Johan­nes Paul II., offen­bar auf Vor­schlag von Kar­di­nal Ratz­in­ger, zum Unter­se­kre­tär der Ordens­kon­gre­ga­ti­on, Sekre­tär des Päpst­li­chen Lai­en­ra­tes und zum Titu­lar­bi­schof von Seger­mes. Die Bischofs­wei­he spen­de­te ihm Kar­di­nal Ratz­in­ger am 6. Janu­ar 2004 im Petersdom.

Wie Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, der ehe­ma­li­ge Apo­sto­li­sche Nun­ti­us in den USA, gegen­über Life­Si­te ent­hüll­te, gelang­te die vor einer Bischofs­er­nen­nung übli­che Über­prü­fung durch den Vati­kan zum drin­gen­den Ver­dacht, daß Cle­mens aktiv homo­se­xu­ell sei. Er selbst sei auf­grund sei­ner dama­li­gen Auf­ga­ben an die­ser Über­prü­fung betei­ligt gewe­sen.
Laut Erz­bi­schof Viganò war es der dama­li­ge Apo­sto­li­sche Nun­ti­us in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Kar­di­nal Gio­van­ni Lajo­lo, der ihm in offi­zi­el­ler Funk­ti­on die­se „star­ken Ver­dachts­mo­men­te“ mit­teil­te. Dar­auf sei Kar­di­nal Ratz­in­ger, so Viganò, vor Cle­mens‘ Homo­se­xua­li­tät gewarnt wor­den. Die­ser habe den­noch die Bischofs­er­nen­nung sei­nes ehe­ma­li­gen Sekre­tärs unterstützt.

Viganòs Beur­tei­lung einer mög­li­chen Bischofs­er­nen­nung von Cle­mens sei daher „nega­tiv“ aus­ge­fal­len. Cle­mens sei den­noch ernannt und zum Bischof geweiht wor­den. Der ehe­ma­li­ge Apo­sto­li­sche Nun­ti­us hat­te in der Ver­gan­gen­heit, als er im Zusam­men­hang mit dem ehe­ma­li­gen Kar­di­nal Theo­do­re McCarrick in den USA zum Anklä­ger von Papst Fran­zis­kus wur­de, von homo­se­xu­el­len Seil­schaf­ten in der Kir­che gespro­chen, die sich gegen­sei­tig decken und für Beför­de­run­gen sor­gen würden.

Life­Si­teNews erwähnt zudem, daß sich Kar­di­nal Ratz­in­ger laut einer „zuver­läs­si­gen Quel­le“ an den dama­li­gen Köl­ner Erz­bi­schof Joa­chim Kar­di­nal Meis­ner gewandt habe, um in Erfah­rung zu brin­gen, ob die­ser Cle­mens in sei­ne Diö­ze­se auf­neh­men wür­de. Der genaue Zusam­men­hang die­ser Anga­be ist unklar, da weder der Zeit­punkt genannt wird noch gesagt wird, ob die­se Anfra­ge statt einer Bischofs­er­nen­nung gedacht war oder ob Cle­mens zum Weih­bi­schof von Köln gekürt wer­den sollte.

Laut Life­Si­teNews sei aber die Ant­wort aus Köln gesi­chert, die Kar­di­nal Meis­ner gege­ben habe: „Ich kann bestä­ti­gen“, so die anony­me Quel­le, „daß Kar­di­nal Meis­ner uns gesagt hat, daß er die Bit­te von Ratz­in­ger, Cle­mens in Köln auf­zu­neh­men, abge­lehnt hat, und zwar mit den Wor­ten: ‚Nein, wegen der Homo­se­xua­li­tät‘. Er [Meis­ner] woll­te Cle­mens auch eine The­ra­pie anbie­ten, was die­ser ablehnte.“

Life­Si­teNews beruft sich noch auf eine wei­te­re, dies­mal römi­sche Quel­le: „Die Tat­sa­che, daß Josef Cle­mens ein akti­ver Homo­se­xu­el­ler war und ist, ist unter uns hier in Rom sehr bekannt.“

Laut Erz­bi­schof Viganò sei es „zu einem ziem­li­chen Streit zwi­schen Gäns­wein und Cle­mens“ gekom­men, als Kar­di­nal Ratz­in­ger den heu­ti­gen Erz­bi­schof Georg Gäns­wein zu sei­nem neu­en Sekre­tär wählte.

Life­Si­teNews kon­fron­tier­te Bischof Cle­mens mit den Aus­sa­gen, die die­ser kate­go­risch zurück­wies. Die Behaup­tun­gen, er sei ein prak­ti­zie­ren­der Homo­se­xu­el­ler, sei­en „eine Unwahr­heit“. Von den Behaup­tun­gen von Erz­bi­schof Viganò und des­sen Beru­fung auf Kar­di­nal Lajo­lo habe er kei­ne Kenntnis: 

„Mit die­sen kla­ren und ein­deu­ti­gen Ant­wor­ten betrach­te ich die Ange­le­gen­heit als abgeschlossen.“

Anfra­gen von Life­Si­teNews an den eme­ri­tier­ten Papst Bene­dikt XVI., das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt und den heu­te 87 Jah­re alten Kar­di­nal Lajo­lo blie­ben unbeantwortet.

Life­Si­teNews zeigt sich mit der gan­zen Sache wenig zufrie­den. Sie insi­nu­iert, daß der Vati­kan absicht­lich einen Päpst­li­chen Dele­ga­ten ernannt haben könn­te, der selbst im „drin­gen­den Ver­dacht“ steht, ein akti­ver Homo­se­xu­el­ler zu sein, und schließt den Bericht mit den Worten:

„Ist das die Art und Wei­se, wie der Vati­kan nach den Zusi­che­run­gen von Papst Fran­zis­kus, daß sexu­el­ler Miß­brauch und die Ver­tu­schung von sexu­el­lem Miß­brauch nun anders gehand­habt wer­den, mit dem Leid der Opfer von sexu­el­lem Miß­brauch in Klo­ster­neu­burg umgeht?“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

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