Erfüllt der überlieferte Ritus laut Traditionis custodes nicht mehr die Sonntagspflicht?

Die Restriktionen des Erzbischofs von Guayaquil

Ecuadorianischer Erzbischof verbietet die Zelebration des überlieferten Ritus an den Sonntagen.
Ecuadorianischer Erzbischof verbietet die Zelebration des überlieferten Ritus an den Sonntagen.

(Qui­to) Am 13. August erließ Msgr. Luis Cabre­ra Her­re­ra OFM, der Erz­bi­schof von Gua­ya­quil in Ecua­dor, ein Dekret zur Anwen­dung des Motu pro­prio Tra­di­tio­nis Custo­des. Es ent­hält mas­si­ve Restrik­tio­nen und einen eigen­wil­li­gen bedenk­li­chen Grundgedanken.

Das Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des, das den über­lie­fer­ten Ritus und die ihm ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten und Gläu­bi­gen auf ein Mini­mum redu­zie­ren will und ihre gänz­li­che Aus­lö­schung bil­li­gend in Kauf nimmt, wur­de von Papst Fran­zis­kus am 16. Juli erlas­sen. Am 13. August erließ Erz­bi­schof Cabre­ra Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen dazu. 

Dar­in hebt er her­vor, daß Fran­zis­kus mit sei­nem Motu pro­prio „die von den hei­li­gen Päp­sten Paul VI. und Johan­nes Paul II. in Über­ein­stim­mung mit den Dekre­ten des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils pro­mul­gier­ten lit­ur­gi­schen Bücher zur ein­zi­gen Aus­drucks­form der Lex oran­di des Römi­schen Ritus“ erklärt hat.

Das Schrei­ben von Erz­bi­schof Cabrera

Da Fran­zis­kus den Orts­bi­schö­fen zugleich die Voll­macht zur Umset­zung des Motu pro­prio erteil­te, was die Meß­or­te und die wie­der ein­ge­führ­te Erlaub­nis für Prie­ster betrifft, im über­lie­fer­ten Ritus zele­brie­ren zu dür­fen, faßt der Erz­bi­schof zunächst die ihm auf­ge­tra­ge­nen Punk­te zusammen:

  1. Sicher­zu­stel­len, daß die­se Grup­pen nicht die Gül­tig­keit und die Legi­ti­mi­tät der Lit­ur­gie­re­form, der Bestim­mun­gen des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und des Lehr­am­tes der Päp­ste aus­schlie­ßen (Art. 3, 1).
  2. Einen oder meh­re­re Orte zu bestim­men, wo die Gläu­bi­gen, die zu die­sen Grup­pen gehö­ren, sich zur Eucha­ri­stie­fei­er ver­sam­meln kön­nen, außer in den Pfarr­kir­chen und ohne neue Per­so­nal­pfar­rei­en zu errich­ten in Anbe­tracht des­sen, daß die Lesun­gen in der Volks­spra­che vor­ge­tra­gen wer­den, wobei die Über­set­zun­gen der Hei­li­gen Schrift zu ver­wen­den sind, die von den jewei­li­gen Bischofs­kon­fe­ren­zen für den lit­ur­gi­schen Gebrauch appro­biert wur­den (Art. 3, 2–4).
  3. Ernen­nung eines Prie­sters als Beauf­trag­ten, der „mit der Zele­bra­ti­on und der pasto­ra­len Sor­ge für die­se Grup­pen von Gläu­bi­gen betraut wird“ (Art 3, 4).

Nach der Fest­stel­lung, daß es in sei­nem Erz­bis­tum „kei­ne Per­so­nal­pfar­rei“ gibt, erteilt Erz­bi­schof Cabre­ra, ein Fran­zis­ka­ner, fol­gen­de Anwei­sun­gen für sein Erzbistum:

„(…) ernen­ne ich P. Alfon­so Avi­lés SJS, als Beauf­trag­ter zu die­nen und die Eucha­ri­stie nach dem 1962 von Johan­nes XXIII. ver­kün­de­ten Römi­schen Meß­buch in der Kapel­le El Espi­ri­tu San­to in Urde­sa ab 1. Sep­tem­ber an am mei­sten geeig­net erschei­nen­den Tagen und Stun­den zu fei­ern, mit Aus­nah­me von Sams­tag (Abend­mes­se) und Sonn­tag“ (Her­vor­he­bung im Original).

Natür­lich besuch­te auch in Gua­ya­quil der Groß­teil der Gläu­bi­gen die hei­li­ge Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus am Sonn­tag und nicht an bestimm­ten Werk­ta­gen. Erz­bi­schof Cabre­ra nahm ihnen nun die­se Mög­lich­keit. Die Sonn­tags­mes­se darf nicht mehr im über­lie­fer­ten Ritus besucht wer­den. Des­sen Nischen­da­sein wird auf eini­ge „geeig­net erschei­nen­de“ Werk­ta­ge beschränkt.

Das Dekret ent­hält noch eine wei­ter­ge­hen­de Schlag­sei­te: Indi­rekt deu­tet der fran­zis­ka­ni­sche Erz­bi­schof an, ohne es expli­zit zu sagen, daß mit dem Besuch der Sonn­tags­mes­se im über­lie­fer­ten Ritus die Sonn­tags­pflicht nicht aus­rei­chend erfüllt wer­de, da der Novus Ordo seit dem 16. Juli die „ein­zi­ge Aus­drucks­form der Lex oran­di des Römi­schen Ritus“ sei.

Can. 1248 § 1 des Codex Iuris Cano­ni­ci besagt jedoch:

„Dem Gebot zur Teil­nah­me an der Meß­fei­er genügt, wer an einer Mes­se teil­nimmt, wo immer sie in katho­li­schem Ritus am Fei­er­tag selbst oder am Vor­abend gefei­ert wird.“

Erz­bi­schof Luis Cabre­ra OFM

Aller­dings schei­nen nach acht Jah­ren des Pon­ti­fi­kats von Papst Fran­zis­kus selbst ele­men­ta­re Din­ge nicht mehr ganz so sicher zu sein. Das Dekret von Erz­bi­schof Cabre­ra von Gua­ya­quil legt nahe, daß für ihn der über­lie­fer­te Ritus kein „katho­li­scher Ritus“ zu sein scheint, da er des­sen Zele­bra­ti­on „am Sams­tag (Abend­mes­se) und Sonn­tag“ ausschließt.

Msgr. Cabre­ra, Jahr­gang 1955, trat 1975 in den Fran­zis­ka­ner­or­den ein und wur­de 1983 zum Prie­ster geweiht. Nach Stu­di­en an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Anto­nia­num sei­nes Ordens in Rom wur­de er 2000 Pro­vin­zi­al der ecua­do­ria­ni­schen Fran­zis­ka­ner­pro­vinz und 2004 Mit­glied des Gene­ralats des Fran­zis­ka­ner­or­dens in Rom sowie Ver­ant­wort­li­cher für die Fran­zis­ka­ner­pro­vin­zen Latein­ame­ri­kas und der Kari­bik. Als „Iro­nie“ mag es ange­se­hen wer­den, daß es Bene­dikt XVI. war, der ihn 2009 zum Erz­bi­schof von Cuen­ca ernann­te. Papst Fran­zis­kus beför­der­te ihn 2014 zum Erz­bi­schof von Gua­ya­quil. Seit Novem­ber 2020 ist Msgr. Cabre­ra Vor­sit­zen­der der Ecua­do­ria­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Arquidiocesisdeguayaquil.org.ec/Wikicommons (Screen­shot)

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3 Kommentare

  1. Nie­mand hat­te die Absicht, eine Mau­er zu bau­en. Und sie wur­de errichtet.
    Nie­mand hat die Absicht, zur Imp­fung zu ver­pflich­ten. Nur wird das Leben für nicht Geimpf­te verunmöglicht.
    Nie­mand hat die Absicht den alt­ehr­wür­di­gen Ritus zu ver­bie­ten. Nur kann man die Sonn­tags­mes­se nicht mehr abhal­ten, kei­ne Prie­ster mehr aus­bil­den etc.

    Pater Paglia­ri­ni, wann eilen Sie zu Hil­fe, oder ist es Ihnen egal, Haupt­sa­che die FSSPX kann mit der Wie­ner Mino­ri­ten­kir­che prahlen?

  2. Natür­lich! Kei­ner der auf der nach­fol­gen­den Web­site auf­ge­führ­ten Riten erfüllt nach dem Motu Pro­prio „Schläch­ter der Tra­di­ti­on“ noch die Sonn­tags­pflicht, mit Aus­nah­me der Mes­se von 1969/70: https://de.multilangwiki.com/wiki/Catholic_particular_churches_and_liturgical_rites

    Von so einem Blöd­sinn brau­chen wir tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Chri­sten uns wirk­lich nicht ver­wir­ren zu las­sen. Natür­lich war klar, dass sich „Hir­ten“ fin­den wür­den, die dem bös­wil­li­gen Wort­laut fol­gend das MP eben­so per­fi­de aus­le­gen, wie es geschrie­ben ist.

  3. Allen Ver­tei­di­gern der alten Mes­se ins Stamm­buch geschrie­ben, es reicht nicht zu sagen, das die­se Mes­se so schön und der NOM so banal ist, nein die über­lie­fer­te Mes­se ist die ein­zi­ge Mes­se für einen Katho­li­ken und sonst gar nichts.
    Durch TC ist wenig­stens Klar­heit geschaf­fen wor­den, man muß sich entscheiden.
    Deo gratias

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