Priesterseminare der Tradition kämpfen mit der Raumnot

Viele Priesterberufungen und Neueintritte

Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus in Wigratzbad (Petrusbruderschaft) empfinden im Februar 2020 die niederen Weihen.
20 Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus in Wigratzbad (Petrusbruderschaft) empfingen im Februar 2020 die niederen Weihen.

(Flo­renz) Wäh­rend diö­ze­sa­ne Prie­ster­se­mi­na­re wegen Beru­fungs­man­gels leer­ste­hen und im Kampf gegen den prie­ster­li­chen Zöli­bat und für das Frau­en­prie­ster­tum Prie­ster­be­ru­fun­gen auch gar nicht über­all erwünscht schei­nen, haben Prie­ster­se­mi­na­re der Tra­di­ti­on ganz ande­re Sor­gen. Sie kämp­fen mit der Raum­not. Das Prie­ster­se­mi­nar Sankt Petrus der Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus in Wigratz­bad und das Prie­ster­se­mi­nar St. Phil­ipp Neri des Insti­tuts Chri­stus König und Hohe­prie­ster in Gri­ciglia­no ver­zeich­nen so zahl­rei­che Neu­ein­trit­te, daß sie da wie dort aus allen Näh­ten platzen.

Um alle Semi­na­ri­sten unter­brin­gen zu kön­nen, wur­den in Wigratz­bad, wo die Semi­na­ri­sten des deut­schen und des fran­zö­si­schen Sprach­raums und jeweils angren­zen­der Gebie­te stu­die­ren, die Zim­mer wei­te­rer Stu­di­en­jahr­gän­ge dop­pelt belegt. Die Räum­lich­kei­ten in dem erst im Dezem­ber 2000 ein­ge­weih­ten Prie­ster­se­mi­nar sind längst aus­ge­schöpft. Das Semi­nar ver­zeich­net die Jah­re 2019 und 2020 als bis­her stärk­ste Ein­tritts­jahr­gän­ge. Da es sich um einen Neu­bau han­delt, feh­len Neben­ge­bäu­de oder Dach­bö­den, die zur Unter­brin­gung von Semi­na­ri­sten gewon­nen wer­den könnten.

In Gri­ciglia­no konn­ten vor­erst pro­vi­so­risch Räum­lich­kei­ten umge­wid­met wer­den, die Teil der Wirt­schafts­ge­bäu­de des ein­sti­gen Her­ren­sit­zes waren, in dem sich das Prie­ster­se­mi­nar befin­det und die bis­her nicht genützt wur­den. Wei­te­re Umbau­ten zur Raum­ge­win­nung bzw. An- oder Zubau­ten wer­den da wie dort notwendig.

Im ver­gan­ge­nen Mai und Juni emp­fin­gen drei­zehn Kan­di­da­ten der Petrus­bru­der­schaft die Prie­ster­wei­he. Wegen der Coro­na-Ein­schrän­kun­gen durch die Regie­run­gen von Frank­reich und der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land fan­den sie für die Neu­prie­ster aus Wigratz­bad unter beson­de­ren Umstän­den und nicht öffent­lich statt. Unter den Geweih­ten befin­den sich auch vier Neu­prie­ster aus dem deut­schen Sprach­raum.
Durch die vom Bis­tum Augs­burg vor weni­gen Jah­ren durch­ge­führ­te Umge­stal­tung des Altar­rau­mes ist die Süh­ne­kir­che von Wigratz­bad nicht mehr für Wei­he­ze­re­mo­nien im über­lie­fer­ten Ritus geeig­net. Für Wei­hen muß das Semi­nar auch unter Nor­mal­be­din­gun­gen auf Kir­chen der Umge­bung aus­wei­chen, die von befreun­de­ten Prie­stern zur Ver­fü­gung gestellt werden.

Für das Insti­tut Chri­stus König und Hohe­prie­ster wur­den im Juli neun Neu­prie­ster für die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus geweiht. Die Wei­hen fan­den, wie es für das Insti­tut inzwi­schen Tra­di­ti­on ist, in der Kir­che San­ti Miche­le e Gaeta­no statt und wur­den von Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke gespen­det. Die gro­ße, dem Erz­engel Micha­el und dem hei­li­gen Kaje­tan von Thie­ne, einem Mit­be­grün­der des Thea­ti­ner­or­dens, geweih­te Kir­che befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nähe der berühm­ten Kathe­dral­kir­che von Flo­renz und des dazu gehö­ren­den Baptisteriums.

Gemein­schafts­fo­to nach Ein­klei­dung und Ton­sur vor dem Prie­ster­se­mi­nar St. Phil­ipp Neri in Gri­ciglia­no (Insti­tut Chri­stus König und Hohepriester)

20 Semi­na­ri­sten des Insti­tuts wur­den im Vor­feld der Prie­ster­wei­hen ein­ge­klei­det und erhiel­ten die Ton­sur. Für die Petrus­bru­der­schaft hat­ten 23 Semi­na­ri­sten bereits im Okto­ber 2019 in den USA bzw. im Febru­ar in Wigratz­bad Ein­klei­dung und Ton­sur empfangen.

Bei­de Gemein­schaf­ten sind noch sehr jung. Kir­chen­recht­lich wur­den bei­de als Gesell­schaf­ten apo­sto­li­schen Lebens von Kle­ri­kern päpst­li­chen Rechts errich­tet, die kei­ne Ordens­ge­lüb­de ken­nen. Wäh­rend die Petrus­bru­der­schaft als Bru­der­schaft von Welt­prie­stern kon­sti­tu­iert ist, folgt das Insti­tut Chri­stus König und Hohe­prie­ster dem Vor­bild von Säku­lar­ka­no­ni­kern, wie sie der hei­li­ge Franz von Sales ins Leben rief. Erste­re wer­den als Patres (Väter), letz­te­re als Kano­ni­ker (Chor­her­ren) angesprochen.

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus wur­de 1988 von einer Hand­voll ehe­ma­li­gen Prie­stern und Semi­na­ri­sten der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. gegrün­det. Sie ver­fügt heu­te über zwei inter­na­tio­na­le Prie­ster­se­mi­na­re. Das Gene­ral­haus befin­det sich in Frei­burg in der Schweiz. Gene­ral­obe­rer ist der Pole Pater Andrzej Komo­row­ski, Regens des Prie­ster­se­mi­nars von Wigratz­bad ist der Fran­zo­se Pater Vin­cent Ribe­ton und des Prie­ster­se­mi­nars Dan­ton (USA) der Schwei­zer Pater Josef Bisig.

Das Insti­tut Chri­stus König und Hohe­prie­ster wur­de 1990 von den bei­den fran­zö­si­schen Prie­stern Mon­si­gno­re Gil­les Wach und Kano­ni­kus Phil­ip­pe Mora in Gabun gegrün­det und erhielt kurz dar­auf Heim­statt im Erz­bis­tum Flo­renz in der Tos­ka­na. Msgr. Wach ist Gene­ral­obe­rer des Insti­tuts, Kan. Mora Regens des inter­na­tio­na­len Priesterseminars. 

Wäh­rend die Petrus­bru­der­schaft über drei in etwa gleich star­ke Stand­bei­ne ver­fügt, ein deut­sches, ein fran­zö­si­sches und ein eng­li­sches, ist das Insti­tut Chri­stus König und Hohe­prie­ster eine vor­wie­gend fran­zö­si­sche Gemein­schaft. Der Groß­teil ihrer Ange­hö­ri­gen stammt aus Frank­reich bzw. dem fran­zö­sisch­spra­chi­gen Raum. Gene­ral­vi­kar des Insti­tuts ist aller­dings der deut­sche Prie­ster Msgr. Rudolf Micha­el Schmitz. Msgr. Wach wur­de von Papst Johan­nes Paul II., Msgr. Schmitz von Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger zum Prie­ster geweiht.

Raum­not ist beheb­bar, der Beru­fungs­man­gel hin­ge­gen viel schwerer.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Petrusbruderschaft/ICRSS (Screen­shots)

4 Kommentare

  1. Das sind natür­lich alles sehr betrüb­li­che Nachrichten.
    Wie ich jedoch ver­schie­dent­lich, auch auf die­sem Por­tal, deut­lich gemacht habe, geht es in dem den „Prie­ster­se­mi­na­ren der Tra­di­ti­on“ zu Grun­de lie­gen­den Apo­sto­li­schen Schrei­ben Summorum Pon­ti­fi­cum um die schritt­wei­se Abschaf­fung des „Mess-Usus“ nach den über­lie­fer­ten Büchern und Riten von 1962 mit­tels „not­wen­di­gen Reformen“.
    Und wenn es den Usus von 1962 nicht mehr gibt, dann wird es auch kei­ne Prie­ster­se­mi­na­re der Tra­di­ti­on (inner­halb der durch das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil her­vor­ge­ru­fe­nen sub­kul­tu­rel­len Struk­tu­ren) mehr geben.
    Damit wäre das Platz-Pro­blem gelöst.
    Lei­der kann ich von­sei­ten der betrof­fe­nen Prie­ster­ver­ei­ni­gun­gen kei­nen nen­nens­wer­ten Wider­stand dage­gen ausmachen.
    Inzwi­schen kom­men immer mehr Gläu­bi­ge aus den Gemein­den der Petrus­bru­der­schaft zur aut­ar­ken Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., weil, wie man hört, die Petrus­bru­der­schaft es im Zuge der Coro­na-Des­in­fek­ti­ons­maß­nah­men an der Ehr­fucht gegen­über den kon­se­krier­ten Hosti­en feh­len ließe.

  2. Fsspx.
    Im März 2020. 3 in Austra­li­en, 6 in La reja, Argentinien
    Im Sep­tem­ber 2020. 19 in USA, 21 in Fla­vi­gny, 11 in Zaitzkofen.
    Sum­me. 61

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