Thor Kunkel, Wörterbuch der Lügenpresse

Buchbesprechung mit Blick auf die Corona-Pandemie

Wie wir von den Mainstream-Medien belogen werden: In Corona-Zeiten erst recht.
Wie wir von den Mainstream-Medien belogen werden: In Corona-Zeiten erst recht.

Von Wolf­ram Schrems*

Vie­le Katho­li­ken, Lebens­schüt­zer, Fami­li­en­ak­ti­vi­sten und Patrio­ten haben seit Jahr­zehn­ten die­se Erfah­rung gemacht: Sie orga­ni­sie­ren oder besu­chen eine Kund­ge­bung, die Pres­se ist prä­sent, es wird viel­leicht sogar inter­viewt – und man erkennt in Zei­tung oder Staats­funk die eige­ne Ver­an­stal­tung und das eige­ne Inter­view nicht wie­der. Beson­ders mas­siv wur­de das im Zusam­men­hang mit der Mas­sen­ein­wan­de­rung der letz­ten Jah­re und jüngst mit der soge­nann­ten „Coro­na-Pan­de­mie“ (Maß­nah­men­kri­ti­ker sind auto­ma­tisch „Nazis“) betrie­ben. Das kommt wohl daher, daß die Steu­er­leu­te der Mas­sen­me­di­en eine bestimm­te Agen­da haben und zu deren Errei­chung syste­ma­tisch Lügen ein­set­zen. Von daher spricht man seit gerau­mer Zeit von „Lügen­pres­se“.

Der deut­sche Schrift­stel­ler Thor Kun­kel nahm sich vor kur­zem die­ses Phä­no­mens an. Die Unter­su­chung ist äußerst lesens­wert. Aber es han­delt sich nicht um ein katho­li­sches Werk. Daher die Fra­ge: Wie kann man auf einer katho­li­schen Netz­sei­te ein säku­la­res Buch bewer­ben, das manch­mal Fra­gen von Glau­ben und Theo­lo­gie nicht ganz rich­tig hin­be­kommt und ein­mal bei schnel­lem Lesen sogar knapp an einer Blas­phe­mie vor­bei­schrammt?

Man kann das tun, weil das The­ma des Buches kein expli­zit theo­lo­gi­sches ist, Unschär­fen am Ran­de also die Grund­aus­sa­ge nicht beein­träch­ti­gen, und weil die Demas­kie­rung der Lüge immer wert- und ver­dienst­voll ist. Und das ist dem Autor auf ein­drucks­vol­le Wei­se gelun­gen.

Daher hier in ange­mes­se­ner Aus­führ­lich­keit und mit beson­de­rer Berück­sich­ti­gung der reli­giö­sen und theo­lo­gi­schen Aspek­te:

Der Autor – eine schillernde Persönlichkeit

Thor Kun­kel, geb. 1963 in Frank­furt am Main, ist Schrift­stel­ler und ver­faß­te teils erheb­lich rezi­pier­te Roma­ne (End­stu­fe, 2004, SUBS, 2011), Hör­spie­le und Essays. Er arbei­te­te als Wer­be­tex­ter für gro­ße Fir­men. Er ist auto­frei, vege­ta­risch, weit­ge­reist, poly­glott und unter­stützt die Schwei­zer Grü­nen seit 2009 (160).

Erheb­li­che Pro­ble­me in der Medi­en­welt brach­te ihm die Arbeit für den (ange­sichts der Umstän­de sehr erfolg­rei­chen) Bun­des­tags­wahl­kampf der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (2017) ein. Die unfaß­ba­ren Lügen, die er über sich in der daher so genann­ten Lügen­pres­se lesen muß­te, erklä­ren die oft mas­si­ve Wort­wahl, derer sich Kun­kel im auto­bio­gra­phi­schen Teil des Buches bedient (177).

Reflexionen und Übersetzungen

Das Buch ist in theo­re­ti­sche Kapi­tel mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen und grund­sätz­li­chen Über­le­gun­gen ein­ge­teilt, etwa zu den The­men Spra­che als Repres­si­ons­in­stru­ment, Sprech­ver­bo­te, Ideo­lo­gie in der Wer­bung, öffent­lich-recht­li­che Mei­nungs­mo­no­po­le und das Dik­tat der Poli­ti­cal Cor­rect­ness. Dazwi­schen fin­den sich einem Fremd­spra­chen­wör­ter­buch nach­emp­fun­de­ne Glossa­re, die vom Buch­ti­tel her (der von der Optik an die Wör­ter­bü­cher von Lan­gen­scheidt erin­nert) erwar­tet wer­den: Deutsch – „Zwecklügen“-Deutsch, Lügen­pres­se – Deutsch, Deutsch – Gepfef­fer­tes Deutsch.

Letz­te­res scheint dem Rezen­sen­ten weni­ger gelun­gen als die ande­ren. Die bei­den ande­ren sind aber tref­fend und oft durch­aus geist­reich.

Natur­ge­mäß will kei­ne wirk­lich humor­vol­le Stim­mung auf­kom­men, denn die­se „Über­set­zun­gen“ zei­gen gera­de, wie syste­ma­tisch wir seit Jahr­zehn­ten belo­gen wer­den.

Sprache als Politikum

Kun­kel ist ein minu­tiö­ser Beob­ach­ter und schar­fer Den­ker. Aus der Fül­le sei­ner durch­wegs wert­vol­len Berich­te und Refle­xio­nen sei­en bei­spiel­haft nur fol­gen­de zwei genannt.

Zur bewußt orche­strier­ten Ver­ar­mung und Orwel­li­sie­rung der deut­schen Spra­che, wozu auch das media­le Ein­eb­nen der im Deut­schen bekannt­lich beson­ders reich und viel­fäl­tig ent­fal­te­ten Dia­lek­te gehört, sagt er:

„Wo die Spra­che ‚ent­deutscht‘ und von Lokal­ko­lo­rit berei­nigt wird, blei­ben auch ihre ästhe­ti­schen Eigen­schaf­ten – Rhyth­mus, Stil, Klang, Mund­art – auf der Strecke. Aus einer leben­di­gen, far­ben­präch­ti­gen Spra­che wird ange­wand­te Infor­ma­ti­ons­theo­rie im Sin­ne eines Aus­tauschs von Sprach­bau­stei­nen – Signa­le statt Poe­sie“ (21).

Zum The­ma Gen­der­spra­che, „sprach­li­ches Voo­doo“ und dar­aus resul­tie­ren­de gesell­schaft­li­che Fol­gen wie die Fami­li­en­zer­stö­rung, kom­men­tiert er:

„Wer die männ­li­che und weib­li­che Sexua­li­tät dys­funk­tio­nal macht, der nimmt in Kauf, dass die Grund­span­nung des Vol­kes ver­löscht. Nach­wuchs bleibt aus, die fun­da­men­tal­ste mensch­li­che Ein­heit, die Fami­lie, zer­bricht“ (119).

Zum The­ma Coro­na und gekauf­te Medi­en gibt es lei­der noch nichts, weil der Redak­ti­ons­schluß des Buches (erste Auf­la­ge im März, die zwei­te bereits im April) offen­bar noch vor der gro­ßen Lügen­wel­le ange­setzt wor­den war.

Lügenpressedeutsch

Das ist der Kern des Buches. Das Anschau­ungs­ma­te­ri­al ist reich­hal­tig. Kun­kel stellt jeweils einen heu­te von der Haupt­strom­pres­se ver­wen­de­ten Schlüs­sel­be­griff vor und über­setzt ihn in wahr­haf­ti­ges Deutsch. Dazu wird ein Anschau­ungs­bei­spiel aus einem deut­schen oder öster­rei­chi­schen Haupt­strom­medi­um genannt. (Man­chen wird es als beson­ders bedau­er­lich erschei­nen, daß sich die einst repu­ta­ble FAZ in kei­ner Wei­se mehr vom links­li­be­ra­len, glo­ba­li­sti­schen Haupt­strom abhebt.)

Dazu ein Bei­spiel für eine Lügen­phra­se, inso­weit sie Reli­gi­on betrifft:

  • Dia­log, inter­re­li­giö­ser

Staat­lich und kirch­lich vor­an­ge­trie­be­ne Isla­mi­sie­rung.

Zum zwei­ten Mal orga­ni­sier­te der Arbeits­kreis inter­re­li­giö­ser Dia­log ein gemein­sa­mes Fasten­bre­chen ‚Ift­ar‘ auf einem öffent­li­chen Platz in Gmünd. War es im ver­gan­ge­nen Jahr der Mün­ster­platz, so tra­fen sich in die­sem Jahr Hun­der­te von Gläu­bi­gen aller Reli­gio­nen, jedoch über­wie­gend Mos­lems, auf dem Johan­nis­platz. Rems-Zei­tung, 18. Juni 2017 (203).

Ein Bei­spiel für das beson­ders drei­ste Umlü­gen der Umstän­de von Ein­wan­de­rung und „Inte­gra­ti­on“:

  • Ein­wan­de­rungs­land

Aus­ster­ben­de Gesell­schaft.

Deutsch­land hat allen Grund, sich auf eine Zukunft als Ein­wan­de­rungs­land zu freu­en. Denn die Inte­gra­ti­on gelingt immer bes­ser, macht die Gesell­schaft jün­ger, dyna­mi­scher und zukunfts­fest. Welt, 30. Janu­ar 2016 (205).

All­ge­gen­wär­ti­ge irre­füh­ren­de Begrif­fe:

  • Gras­wur­zel­be­we­gung

Staat­lich insze­nier­te Kunst­ra­sen­be­we­gung (‚Astro­turf‘) (226)

  • Hass

Sor­ge oder abwei­chen­de Mei­nung. ‚Trump und die Mus­li­me – Wie Trump Hass gegen den Islam schürt‘. Süd­deut­sche Zei­tung, 21. Juni 2017 (228).

Bei­spie­le ganz offen­kun­di­ger Lügen­phra­sen:

  • Kli­ma­er­wär­mung

Schlech­tes Wet­ter. ‚Erd­er­wär­mung ist mit schuld an Euro­pas Eises­käl­te‘. Die Zeit, 3. Febru­ar 2012 (235).

  • Min­der­jäh­ri­ge unbe­glei­te­te Schutz­su­chen­de

Voll­jäh­ri­ge Män­ner, vor denen Min­der­jäh­ri­ge Schutz suchen soll­ten (244).

  • Regime

Aus­län­di­sche Regie­rung, die dem deut­schen Regime nicht passt.

Ungarn – Die EU muss end­lich gegen das Orbán-Regime ein­schrei­ten. Die Zeit, 30. Mai 2015 (262).

  • Zen­sur

Aus­schließ­lich im Aus­land statt­fin­den­de Ein­schrän­kung der Pres­se­frei­heit; im Inland bekannt als ‚Kampf gegen Hate Speech‘ (286).

Politische und strafrechtliche Implikationen – dennoch ist Widerstand möglich

Unter dem Titel Deutsch­land hat ein Medi­en­pro­blem schreibt Kun­kel:

„Die Anzahl der Pfui-Wör­ter, Tabus und Denk­ver­bo­te ist seit 2015 enorm gewach­sen, um den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern die Arti­ku­la­ti­on ihres wach­sen­den Unwohl­seins in Mer­kels Schmelz­tie­gel­land zu ver­bau­en. Längst folgt auf einem unüber­legt auf Twit­ter oder Face­book abge­setz­ten Spruch die poli­zei­li­che Haus­durch­su­chung, oder man wird am Arbeits­platz [fer­tig­ge­macht]“ (294f).

Kun­kel ruft auf, „die Sprach­codes zu bre­chen“ und „Sprach­gue­ril­las“ zu wer­den (299). Kun­kel nennt eini­ge Bei­spie­le von Bür­gern, die Lügen auf­decken, sich mit Gleich­ge­sinn­ten aus­tau­schen und Kam­pa­gnen star­ten. Die­se wer­den im Ide­al­fall von alter­na­ti­ven Medi­en auf­ge­grif­fen und kön­nen Druck auf Haupt­strom­medi­en oder inse­rie­ren­de Unter­neh­men auf­bau­en.

Betä­ti­gungs­feld ist dafür auch die Kir­che, bzw. „die Kir­chen“, die das Nar­ra­tiv von „Jesus als Flücht­ling“ immer wei­ter fort­füh­ren und lin­ke Phra­sen sogar in lit­ur­gi­sche Tex­te ein­bau­en (316).

Aufdeckung der Lüge als Exorzismus

Kun­kels Ver­dienst liegt in der Demas­kie­rung der vie­len ver­lo­ge­nen und idio­ti­schen Wort­hül­sen, die die Medi­en­phra­seo­lo­gie domi­nie­ren. Kun­kel öff­net den Blick für die Orwell­schen Absur­di­tä­ten, die die Wirk­lich­keit nicht benen­nen, son­dern den Leser hyp­no­ti­sie­ren, bene­beln und mani­pu­lie­ren wol­len (vgl. dazu den ein­schlä­gi­gen Auf­satz des katho­li­schen Phi­lo­so­phen Josef Pie­per, Miß­brauch der Spra­che – Miß­brauch der Macht).

Damit ver­bun­den ist das Ver­dienst, den grund­sätz­lich lüg­ne­ri­schen Cha­rak­ter der Medi­en­welt über­haupt her­aus­ge­stellt zu haben. Es geht dort grund­sätz­lich nicht um „Infor­ma­ti­on“ son­dern um Mani­pu­la­ti­on zugun­sten oft nicht aus­ge­spro­che­ner poli­ti­scher und kom­mer­zi­el­ler Zwecke.

Kunkel für Katholiken

Für die Leser einer tra­di­ti­ons­ori­en­tier­ten katho­li­schen Sei­te ist natür­lich von Rele­vanz, inwie­weit das Buch dem Gläu­bi­gen nützt. Im Anschluß an die ein­lei­ten­den Bemer­kun­gen dazu in Kür­ze:

Ob der Autor das inten­dier­te oder nicht, klar ist, daß sei­ne Kri­tik an der Lügen­spra­che im säku­la­ren Bereich auch Katho­li­ken anre­gen wird, die inner­kirch­li­che Lügen­spra­che zu demas­kie­ren und zu exor­zie­ren. Offi­zi­el­le kirch­li­che Medi­en vom Osser­va­to­re Roma­no bis zu den diö­ze­sa­nen Kir­chen­zei­tun­gen des deut­schen Sprach­raums sind ja nicht bes­ser als ihre säku­la­ren Pen­dants, im Gegen­teil: Cor­rup­tio opti­mi pes­si­ma.1

Kun­kel bestä­tigt indi­rekt auch eine Wei­sung klas­si­scher geist­li­cher Autoren:

Die­se emp­feh­len den Gläu­bi­gen, sich grund­sätz­lich um ihre eige­nen Ange­le­gen­hei­ten zu küm­mern und nicht um Din­ge, die sie nichts ange­hen und die von ihnen auch nicht geän­dert wer­den kön­nen. Und die in den Medi­en eben falsch dar­ge­stellt wer­den. Denn die Lebens­zeit ist dazu da, daß man sein ewi­ges Heil wir­ke. Dazu muß man die Ange­le­gen­hei­ten ord­nen, die in der eige­nen Macht lie­gen. Das Kon­su­mie­ren von Mas­sen­me­di­en zum Zeit­ver­treib ist daher kon­tra­in­di­ziert. Anders liegt der Fall bei denen, die sich der Auf­deckung von Lügen und Pro­pa­gan­da wid­men, poli­tisch tätig sind oder ein Medi­en­apo­sto­lat betrei­ben: Dort gehört eine distan­zier­te und nüch­ter­ne Medi­en­be­ob­ach­tung zum Geschäft. Auch kann der Gebrauch von reli­giö­sen oder säku­la­ren Medi­en­pro­duk­ten abseits des Haupt­stroms eine per­sön­li­che Berei­che­rung und ein Gegen­gift gegen des­sen Lügen dar­stel­len.

Und noch eine Nutz­an­wen­dung der Kun­kel­schen Refle­xio­nen für Katho­li­ken:

Storytelling, historische Wahrheit und die „moderne“ Exegese

Kun­kel the­ma­ti­siert das soge­nann­te „Sto­ry­tel­ling als Mit­tel der Dis­kre­di­tie­rung von unbe­que­men Per­so­nen“ (155). Er selbst war Opfer die­ser Lügen­stra­te­gie durch die Spie­gel-Chef­re­por­te­rin Mela­nie Amann gewor­den (159). Die­ses Kapi­tel ist beson­ders lesens­wert, weil es auf­zeigt, daß jeg­li­ches Ver­trau­en zu Main­stream-Jour­na­li­sten völ­lig fehl am Plat­ze ist.

Was aber in einem theo­lo­gi­schen Zusam­men­hang von beson­de­rem Inter­es­se sein soll, ist dies:

Kun­kel stellt den Spie­gel-Jour­na­li­sten Claas Relo­ti­us als beson­ders pro­mi­nen­tes Bei­spiel für sto­ry­tel­ling vor. Relo­ti­us, der mit jour­na­li­sti­schen Prei­sen gleich­sam über­häuft wur­de, reich­te bekannt­lich erfun­de­ne Geschich­ten in der Redak­ti­on ein, die aber dann als Tat­sa­chen­be­rich­te publi­ziert wur­den. Irgend­wann flog das auf. Kun­kel zitiert nun dazu Spie­gel-Chef­re­dak­teur Ull­rich Ficht­ner zu eben­die­sem Fall Relo­ti­us mit einer höchst bemer­kens­wer­ten Aus­sa­ge: „Es geht nicht um die Fra­ge: Stimmt das über­haupt?“ (168)

Für die maß­geb­li­che Pres­se – so könn­te man die­sen Gedan­ken fort­spin­nen – ist also histo­ri­sche Wahr­heit kei­ne rele­van­te Kate­go­rie. Eine frei erfun­de­ne Geschich­te kann also durch­aus im Sin­ne der Mäch­ti­gen sein. Allen­falls kann sie sogar eine Leh­re beinhal­ten. Und genau so argu­men­tie­ren vie­le „Exege­ten“ und „Bibel­wis­sen­schaft­ler“ (?) seit Rudolf Bult­manns Zei­ten (und frü­her). Sie sagen, daß die Evan­ge­li­en kei­ne histo­ri­schen Vor­gän­ge dar­stel­len wür­den. Sie sei­en ja Jahr­zehn­te nach dem Wir­ken Jesu Chri­sti ent­stan­den und die (selbst­ver­ständ­lich unbe­kann­ten) Autoren hät­ten Jesus gar nicht gekannt. Es hand­le sich also bei den Evan­ge­li­en um „geron­ne­ne Erfah­rung“, um „Gemein­de­bil­dun­gen“ oder um „Leh­rerzäh­lun­gen“. Die­se sei­en auch dann „wahr“, wenn die dazu ver­wen­de­ten Erzäh­lun­gen nicht wahr sei­en. Es gin­ge immer um das „Exi­sten­ti­el­le“ (o. ä.).

„Moder­ne“ Exege­ten erklä­ren also, daß die Evan­ge­li­sten ihrer­seits sto­ry­tel­ling betrie­ben, also Unwahr­hei­ten erzählt hät­ten, die Chri­sten das etwa acht­zehn bis neun­zehn Jahr­hun­der­te lang nicht durch­schaut hät­ten und erst die „moder­ne“ Bibel­wis­sen­schaft das erkannt hät­te. Man kann also fest­stel­len, daß das sto­ry­tel­ling eines Claas Relo­ti­us den Gedan­ken­mu­stern „moder­ner“ Bibel­er­klä­rer durch­aus ähnelt.

Und da aka­de­mi­sche Theo­lo­gen mit ihren Lügen über die Evan­ge­li­en den Damm der Wahr­heit ein­ge­ris­sen hat­ten, mag das eine, zwei oder drei Genera­tio­nen spä­ter so man­chen jour­na­li­sti­schen Schrei­ber­ling zu ähn­li­chem Fabu­lie­ren anre­gen. Denn höchst­wahr­schein­lich sind die soge­nann­ten Ergeb­nis­se der „moder­nen Exege­se“ in zumin­dest vager Form die­sen Jour­na­li­sten und über­haupt jedem bekannt, der ab den 1970er Jah­ren schu­li­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt besuch­te.

Blasphemie – oder nicht?

Der ein­gangs erwähn­te, beim ersten Lesen als blas­phe­misch emp­fun­de­ne Ein­trag im Wör­ter­buch Deutsch – Gepfef­fer­tes Deutsch lau­tet so:

„Jesus Chri­stus – PR-Figur der katho­li­schen Kir­che, etwa ver­gleich­bar dem Michelin®-Männchen oder Mister Pea­nuts®; steht für gött­li­che Flücht­lin­ge und NGO-Was­ser­ta­xis“

Das hät­te der Autor bes­ser unter­las­sen. Es stimmt zwar, daß katho­li­sche und pro­te­stan­ti­sche Amts­trä­ger seit Jah­ren den Namen Got­tes und Chri­sti für eine radi­kal-säku­la­re und anti­christ­li­che poli­ti­sche Agen­da, beson­ders für die Flu­tung Euro­pas mit Mus­li­men und für die lächer­li­che Kli­ma-Hyste­rie, miß­brau­chen. Es stimmt, daß der Name Jesu Chri­sti für allen mög­li­chen Unsinn aus bischöf­li­chem und lei­der auch päpst­li­chem Mund her­hal­ten muß. Kun­kel selbst bringt dafür Bei­spie­le. Der Rezen­sent ergänzt, daß ein ver­wirr­ter Wie­ner Kir­chen­mann die Beset­zung der Wie­ner Votiv­kir­che durch Mus­li­me im Spät­herbst 2012 mit der Her­bergs­su­che der Hei­li­gen Fami­lie ver­gli­chen hat (wirk­lich!). Den­noch emp­fiehlt der Rezen­sent aus Grün­den der Pie­tät, die­sen Ein­trag in einer Neu­auf­la­ge zu strei­chen.

Kritik: einige Unschärfen im Buch

Auch Mut­ter Tere­sa (175), bzw. The­re­sa (176), hät­te Kun­kel bes­ser nicht (näm­lich in einem nega­ti­ven Kon­text) hin­ein­ge­zo­gen.

Kun­kel beur­teilt die Theo­lo­gie falsch, wenn er Gan­dhi zitiert, nach wel­chem die­se eine der „wirk­sam­sten Lügen­mäch­te“ wäre (110). Fal­sche Theo­lo­gien und fal­sche Reli­gio­nen sind es sicher, nicht aber die über­lie­fer­te katho­li­sche Theo­lo­gie. Und im übri­gen war der Herr Gan­dhi bei wei­tem nicht das gro­ße Vor­bild, als das er vom Haupt­strom hin­ge­stellt wird. Das kann auch weg.

Sodann kann im Mat­thä­us-Evan­ge­li­um bezüg­lich der Flucht der hl. Fami­lie nichts „miss­ver­ständ­lich aus­ge­legt“ wer­den, denn der Weg nach Beth­le­hem zur Volks­zäh­lung war kei­ne Flucht und das erzwun­ge­ne Exil in Ägyp­ten ende­te nach kur­zer Zeit (113).

Schließ­lich noch ein Wort zu den von Kun­kel genann­ten „ver­roh­ten, mit­tel­al­ter­li­chen Macho-Ein­wan­de­rern“ (140):

Da „Mit­tel­al­ter“ sich gemäß übli­chem Sprach­ge­brauch immer auf die am mei­sten katho­li­sche Epo­che in der euro­päi­schen Geschich­te bezieht (also etwa vom 6. bis zum 15. Jahr­hun­dert, nach Chri­sti Geburt natür­lich), ist die­se Über­tra­gung auf isla­mi­sche Umstän­de sinn­los. Das „Mit­tel­al­ter“ (ursprüng­lich wohl ein pejo­ra­ti­ver Begriff der sich selbst so ver­ste­hen­den „Neu­zeit“ und „Auf­klä­rung“, meist in Ver­bin­dung mit „fin­ster“ gebraucht, lei­der von Kun­kel selbst, der von „geistige[r] Gra­bes­nacht“ schreibt und übri­gens auch die Inqui­si­ti­on falsch ein­schätzt: 177) brach­te auf sei­nem Höhe­punkt, dem 13. Jahr­hun­dert, die bekann­ten Kathe­dra­len, die Sum­men des hl. Tho­mas, den hl. König Lud­wig IX., und eine Gesell­schaft her­vor, in der die Wahn­sym­pto­me unse­rer Zeit völ­lig undenk­bar gewe­sen wären, ein­schließ­lich der von oben betrie­be­nen Isla­mi­sie­rung des Abend­lan­des. Man soll also den Islam nicht mit dem „Mit­tel­al­ter“ in Ver­bin­dung brin­gen. Der Islam ist, wie er ist, fer­tig.

Kun­kel, eigent­lich ein histo­risch beschla­ge­ner Autor, gewährt lei­der der fälsch­lich so genann­ten „Auf­klä­rung“ zu viel Kre­dit. Dabei ist es gera­de die­se „Auf­klä­rung“, die uns die Abkop­pe­lung von der offen­bar­ten und natür­lich erkenn­ba­ren Wahr­heit beschert hat und zwangs­läu­fig immer mehr in den Irr­sinn führt, den Kun­kel selbst ja kennt­nis­reich auf­spießt.

Etwas Angst vor der eige­nen Cou­ra­ge gegen „Geschlech­ter­gleich­ma­che­rei“ und „Hyper­se­xua­li­sie­rung“ ab dem Kin­der­gar­ten scheint Kun­kel zu bekom­men, wenn er dann warnt, „Patch­work-Ehen und gleich­ge­schlecht­li­che Part­ner­schaf­ten nicht zu dis­kre­di­tie­ren“ (317). Das ist eben eine gewis­se Schwä­che eines Autors, der durch­aus kon­ser­va­tiv ist und dem Chri­sten­tum nach Ein­schät­zung des Rezen­sen­ten durch­aus nahe steht, aber dann doch nicht alle Kon­se­quen­zen zieht.

Resümee

Füh­ren die­se Kri­tik­punk­te zur Ver­wer­fung des Buches? Nein. Denn wie ein­gangs gesagt, ist das Haupt­the­ma die Auf­deckung der Lügen­spra­che der Lügen­me­di­en. Die­ses Ziel wur­de auf ein­drucks­vol­le Wei­se erreicht. Tief­schür­fen­de Refle­xio­nen und hun­der­te Quel­len­an­ga­ben unter­mau­ern das.

Dar­um lohnt sich die Beschäf­ti­gung mit die­sem hoch­in­ter­es­san­ten Werk.

Der Main­stream (und sei­ne Nutz­nie­ßer) reagier­ten, indem „Lügen­pres­se“ zum Unwort erklärt wur­de. Sprach­pran­ger im 21. Jahr­hun­dert.

Ein caveat zum Schluß

Der Kopp-Ver­lag bringt poli­ti­sche Lite­ra­tur auf den Markt, die sonst von der Haupt­strom­pres­se ver­schwie­ge­ne Hin­ter­grün­de aus­leuch­tet. Zu den Autoren gehö­ren etwa der vor nicht lan­ger Zeit rela­tiv früh ver­stor­be­ne Jour­na­list Udo Ulf­kot­te, der ehe­ma­li­ge Poli­zist Ste­fan Schu­bert und der öster­rei­chi­sche Bun­des­heer-Oberst Her­mann Mit­te­rer.

Nicht alles kann aber unbe­se­hen emp­foh­len wer­den, was der Ver­lag her­aus­bringt oder in sei­nem Pro­spekt Kopp aktu­ell bewirbt. Hier muß sich eine kri­ti­sche Prü­fung bewäh­ren: „Prüft alles, das Gute behal­tet“ (1 Thess 5,21).

Thor Kun­kel, Das Wör­ter­buch der Lügen­pres­se, Deutsch – Lügen­pres­se, Lügen­pres­se – Deutsch, Kopp-Ver­lag, Rot­ten­burg, ²2020, 383 Sei­ten.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro-Lifer


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1 Die Ent­ar­tung des Besten führt zum Schlimm­sten.

1 Kommentar

  1. Das Pro­blem mit dem Jesus-Chri­stus-Ein­trag liegt mög­li­cher­wei­se bloß dar­in, dass die­ser im fal­schen Glos­sar erfolgt ist. „Deutsch-gepfef­fer­tes Deutsch“ ist ohne­dies nur ein Hybrid, zumal dar­in Ein­trä­ge (unter „Deutsch“) auf­schei­nen, die schon unter „Lügen­pres­se“ fir­mier­ten (zB gleich der erste, „Akti­vi­sten). Im Glos­sar „Lügen­pres­se-deutsch“ hin­ge­gen wür­de sich die­ser Ein­trag:
    Jesus Chri­stus – PR-Figur der katho­li­schen Kir­che, etwa ver­gleich­bar dem Michelin®-Männchen oder Mister Pea­nuts®; steht für gött­li­che Flücht­lin­ge und NGO-Was­­ser­­ta­xis

    gut machen, denn nun wäre klar, dass damit nicht der wah­re Erlö­ser, son­dern bloß eine gleich­na­mi­ge Göt­ze der Amtskirche(n) gemeint ist. Eine sol­che „Blas­phe­mie“ wäre ev. sogar eine geeig­ne­tes Mit­tel, bei den „Kon­zils-Kle­ri­kern“ mit Rudi­men­ten guten Wil­lens Umkehr zu bewir­ken, denn hier lan­det man Tref­fer, wo es wirk­lich weh­tut.

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