Bätzing geht nach Rom, aber nur mit dem ZdK

Der strukturelle Kahlschlag

Georg Bätzing will nur mit dem ZdK nach Rom
Georg Bätzing ist bereit, nach Rom zu gehen, aber nur zusammen mit dem ZdK.

(Berlin/Rom) Die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz nimmt die Ein­la­dung des Vati­kans zum Dia­log über die Zukunft der Pfar­rei­en an. Und will Rom damit gleich die näch­ste „Revo­lu­ti­on“ auf­zwin­gen.

Am Mon­tag befaß­te sich der Stän­di­ge Rat der Bischofs­kon­fe­renz in Würz­burg mit der Instruk­ti­on „Die pasto­ra­le Umkehr der Pfarr­ge­mein­de im Dienst an der mis­sio­na­ri­schen Sen­dung der Kir­che“ der römi­schen Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on. Kon­kret geht es um Kon­tro­ver­sen, die mit Plä­nen für einen radi­ka­len Umbau der bis­he­ri­gen Pfar­rei­en zusam­men­hän­gen. Sol­che Plä­ne wer­den von Bis­tü­mern in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (Trier), aber auch in Öster­reich (Linz) ver­folgt. Ob das mög­lich sein wird, hängt von der römi­schen Ent­schei­dung ab. Dazu fin­det hin­ter den Kulis­sen ein star­kes Tau­zie­hen statt. Gläu­bi­ge Katho­li­ken befürch­ten, daß es gleich enden könn­te wie jenes von 2018 zur Zulas­sung pro­te­stan­ti­scher Ehe­gat­ten zur Kom­mu­ni­on.

Grob zusam­men­ge­faßt: Die Mehr­heit der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz beschloß im Febru­ar 2018 einen ein­sei­ti­gen Schritt in Rich­tung Inter­kom­mu­ni­on. Dage­gen wand­te sich die Min­der­heit an Rom. Die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on wur­de aktiv, wur­de aber von Papst Fran­zis­kus ein­ge­bremst. Die Fol­ge: Es folg­te ein mehr­mo­na­ti­ges Schein­ge­fecht, doch am Ende durf­ten die rebel­li­schen Bischö­fe tun, was sie woll­ten. Im Juli 2018 wur­de die Zulas­sung pro­te­stan­ti­scher Ehe­gat­ten zur hei­li­gen Kom­mu­ni­on im Wider­spruch zur kirch­li­chen Glau­bens­leh­re und zum Kir­chen­recht Wirk­lich­keit. Die damit ver­bun­de­ne Gefahr, daß sich jeder Pro­te­stant ein­ge­la­den fühlt und jeder Katho­lik zur Kom­mu­ni­on geht, auch sol­che, die sich nicht im Stand der Gna­de befin­den, sei nur am Ran­de erwähnt.

Im aktu­el­len Fall wur­den die Trie­rer Bestre­bun­gen durch die Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on ein­ge­bremst, zumin­dest vor­erst. Das ist auch der Grund, wes­halb der Stän­di­ge Rat, der die erwähn­te Mehr­heit der Bischofs­kon­fe­renz wider­spie­gelt, den Dia­log sucht – nicht ohne zuvor ihre Empö­rung dar­über kund­zu­tun, daß Rom es wage, den Geni­us, der die deut­schen Bischö­fe lei­tet, zu hin­ter­fra­gen. „Es ist unglaub­lich, daß ein Doku­ment aus Rom ankommt, ohne daß wir jemals dar­über gespro­chen haben“, mein­te Kar­di­nal Rein­hard Marx, Erz­bi­schof von Mün­chen und ehe­ma­li­ger Vor­sit­zen­der der Bischofs­kon­fe­renz.

In der am Mon­tag von der Bischofs­kon­fe­renz ver­öf­fent­lich­ten Pres­se­mel­dung heißt es dazu:

Ständiger Rat diskutiert Instruktion der Kongregation für den Klerus

Gespräch in Rom wird gesucht

Der Stän­di­ge Rat der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz hat sich heu­te (24. August 2020) in Würz­burg mit der am 20. Juli 2020 ver­öf­fent­lich­ten Instruk­ti­on „Die pasto­ra­le Umkehr der Pfarr­ge­mein­de im Dienst an der mis­sio­na­ri­schen Sen­dung der Kir­che“ der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für den Kle­rus befasst. Nach­dem sich bereits Mit­glie­der der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz öffent­lich geäu­ßert hat­ten, ging es jetzt um eine Lage­be­stim­mung und Dis­kus­si­on ein­zel­ner Abschnit­te der Instruk­ti­on. Der Stän­di­ge Rat ist der Auf­fas­sung, dass die­ses Doku­ment hohe Rele­vanz für die Arbeit in den Pfarr­ge­mein­den hat, wenn­gleich bestimm­te Fra­ge­stel­lun­gen – nicht zuletzt mit Blick auf die in fast allen (Erz-)Bistümern statt­fin­den­den Struk­tur­pro­zes­se – der Erör­te­rung mit dem Vati­kan bedür­fen. Die Aspek­te von Evan­ge­li­sie­rung und Mis­si­on als zen­tra­len Ele­men­ten des pfarr­li­chen Lebens ste­hen dabei außer Fra­ge.

Der Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Bischof Dr. Georg Bät­zing, wird daher das vom Prä­fek­ten der Kon­gre­ga­ti­on für den Kle­rus, Kar­di­nal Benia­mi­no Stel­la, über­mit­tel­te Gesprächs­an­ge­bot anneh­men. Er wird der Kon­gre­ga­ti­on vor­schla­gen, das Gespräch mit dem Prä­si­di­um des Syn­oda­len Weges zu füh­ren, da Bischö­fe, Prie­ster, Dia­ko­ne und Lai­en in der Instruk­ti­on glei­cher­ma­ßen ange­spro­chen wer­den. Die Instruk­ti­on kann nur der Anlass und Anfang eines Gesprächs sein, damit dar­aus eine ech­te Hil­fe für die dif­fe­ren­zier­ten Situa­tio­nen in den Orts­kir­chen wird. Grund­la­ge für die Aus­rich­tung der pasto­ra­len Arbeit sind nach wie vor die bei­den Grund­la­gen­do­ku­men­te der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz „Zeit zur Aus­saat. Mis­sio­na­risch Kir­che sein“ (2000) und „Gemein­sam Kir­che sein. Wort der deut­schen Bischö­fe zur Erneue­rung der Pasto­ral“ (2015).

Es besteht kein Zwei­fel, daß die radi­ka­len „struk­tu­rel­len Pro­zes­se“, auf die das Modell Trier abzielt (das Bis­tum Linz folgt die­sem Modell), wei­te­re „Pro­zes­se“ in ande­ren Bis­tü­mern nach sich zie­hen wird, sobald Rom den Weg dafür frei­gibt. Bät­zing war vor sei­ner Bischofs­wei­he Gene­ral­vi­kar im Bis­tum Trier. Bät­zings Auf­stieg ist mit den Namen der bei­den Trie­rer Bischö­fe Rein­hard Marx und Ste­phan Acker­mann ver­bun­den.

Am 27. Juli schrieb Katholisches.info:

„Hin­ter dem Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus ste­hen Kar­di­nal Wal­ter Kas­per und die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz, flan­kiert von den Bischö­fen und Bischofs­kon­fe­ren­zen des übri­gen deut­schen Sprach­rau­mes. Das ist das Milieu, in dem seit Jahr­zehn­ten an neu­en ‚Model­len‘ geba­stelt wird, mit denen die über­lie­fer­ten kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen, dar­un­ter auch die Pfar­rei­en, auf­ge­löst und ersetzt wer­den sol­len. Damit ver­bun­den ist die „Ent­mach­tung“ der Prie­ster, wie in den Diö­ze­sen Trier und Linz ange­strebt. Der Prie­ster soll gleich­be­rech­tig­ten Lai­en gegen­über­ste­hen, die ihn „demo­kra­tisch“ über­stim­men kön­nen. Die hübsch deko­rier­te Ver­packung ent­hält Ver­gif­te­tes: Die Prie­ster sol­len aus­ge­lie­fert wer­den. So sieht Prie­ster­feind­lich­keit im Jahr 2020 aus. Wenn die Pasto­ral­as­si­sten­tin am Sonn­tag statt der hei­li­gen Mes­se selbst einen Wort­got­tes­dienst fei­ern will und der zwei­te Laie sich ihr anschließt, hat sich der Prie­ster zu fügen.“

Es geht also um weit mehr als um die Suche nach einem effi­zi­en­te­ren Orga­ni­sa­ti­ons­mo­dell. Es geht gegen das sakra­men­ta­le Prie­ster­tum, das durch „struk­tu­rel­le Pro­zes­se“ mar­gi­na­li­siert wer­den soll. Und damit geht es auch um die Sakra­men­ten­ver­wal­tung. Das aber ist das Herz der Kir­che Chri­sti. So man­chem Ordi­na­ri­ats­funk­tio­när scheint die Idee vor­zu­schwe­ben, die Beru­fungs­lücken durch haupt­amt­li­che Lai­en­seel­sor­ger zu fül­len, womit gleich meh­re­re Flie­gen auf einen Streich erlegt wer­den könn­ten, dar­un­ter die „Auf­wer­tung“ der Lai­en und beson­ders der Frau­en sowie die „Befrei­ung“ von Prie­ster­be­ru­fun­gen durch den Hei­li­gen Geist durch Abschluß bezahl­ter Dienst­ver­hält­nis­se im „ordent­li­chen“ Ver­hält­nis von Arbeit­ge­ber — Arbeit­neh­mer.

Doch Msgr. Georg Bät­zing, der Bischof von Lim­burg, ver­hält sich nach dem Mot­to „Zahn um Zahn“. Am Mon­tag muß­te der Stän­di­ge Rat der Bischofs­kon­fe­renz, die pro­gres­si­ve Speer­spit­ze des rebel­li­schen Epi­sko­pats, zwar die „Ein­la­dung“ Roms zum Dia­log akzep­tie­ren, stell­te aber sei­ne­reits eine „Bedin­gung“. Bät­zing, den Papst Fran­zis­kus 2016 zum Bischof von Lim­burg ernann­te, ist seit ver­gan­ge­nem Herbst Vor­sit­zen­der der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz. Er wünscht im Gegen­zug, daß sich die Füh­rung der deut­schen Bischö­fe nach Rom bemüht, daß der Dia­log nicht mit dem Stän­di­gen Rat der Bischofs­kon­fe­renz, son­dern mit dem Syn­odal­prä­si­di­um des umstrit­te­nen Syn­oda­len Weges geführt wer­den sol­le.

Dem Syn­odal­prä­si­di­um gehö­ren gleich­be­rech­tigt Vor­sit­zen­der und Stell­ver­tre­ter der Bischofs­kon­fe­renz und Vor­sit­zen­der und Stell­ver­tre­ter des Zen­tral­ko­mi­tees der deut­schen Katho­li­ken (ZdK) an. Bät­zing will das „Ent­ge­gen­kom­men“ gegen­über Rom mit der näch­sten „Revo­lu­ti­on“ kop­peln. Die zwei­tau­send­jäh­ri­ge, auf Chri­stus zurück­ge­hen­de hier­ar­chi­sche Ver­fas­sung der Kir­che, die auf der allei­ni­gen Auto­ri­tät der Nach­fol­ger der Apo­stel beruht, soll durch (gleich­be­rech­tig­te) Ein­bin­dung der Lai­en aus den Angeln geho­ben und „demo­kra­ti­siert“ wer­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Bis­tum Lim­burg (Screen­shot)

3 Kommentare

  1. Mit sei­ner Selbst­ein­la­dung des ZDK
    Vor­sit­zen­den, wirft Fra­gen auf.

    Was will er errei­chen?

    Es ist eine Show, die Bischof
    Bät­zing voll­zieht.

    Das ZDK wur­de nicht von uns gewählt.

    Er wird Zeit, dass die­se Orga­ni­sa­ti­on
    auf­ge­löst wird.

  2. Ein so über­fäl­li­ger wie objek­tiv not­wen­di­ger Schritt: Die in in Deutsch­land schon lan­ge „real exi­stie­ren­de“ kryp­to-pro­te­stan­ti­sche Kir­chen­struk­tur tritt nun offen her­aus­for­dernd an Rom her­an. Die anvi­sier­te klei­ne Nische als spi­ri­tu­el­les Fei­gen­blatt im kom­men­den Gen­der­staat fest im Blick, glaubt man sich stark genug, mit Rom tache­les reden zu kön­nen: Ent­we­der die (zumin­dest still­schwei­gen­de) Aner­ken­nung des sog. „Syn­odal­prä­si­di­ums“ als (vor­läu­fi­ger) hier­ar­chi­scher Spit­ze besag­ter Struk­tur oder die sich immer schnel­ler abspie­len­de Abkopp­lung von Rom. Das ein­zi­ge, was das ZdK und die Mehr­heit der DBK über­haupt noch in for­mel­ler Rom­treue hält, ist die Kopp­lung der Gehäl­ter für den aus­ufern­den Appa­rat an das bestehen­de Regel­werk der Staats­ver­trä­ge und Kon­kor­da­te, Stich­wort: Kir­chen­steu­er.

  3. Die Deut­schen glau­ben, nach zwei ver­lo­re­nen Krie­gen, einen drit­ten in der Kir­che gewin­nen zu müs­sen. Leid­tra­gend ist die Kir­che.

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