Was macht der fünfzackige Stern auf der Osterkerze des Papstes?

Ein Déjà-vu

Das Papstwappen auf der Osterkerze 2020 in Santa Marta mit dem fünfzackigen Stern.
Das Papstwappen auf der Osterkerze 2020 in Santa Marta mit dem fünfzackigen Stern.

(Rom) Papst Fran­zis­kus zele­briert an Werk­ta­gen die Mes­se in der Kapel­le des vati­ka­ni­schen Gäste­hau­ses San­ta Mar­ta, in dem er seit Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats wohnt. Seit Beginn der staat­li­chen und kirch­li­chen Restrik­tio­nen wegen des Coro­na­vi­rus wird die­se Mes­se vom Hei­li­gen Stuhl in Direkt­über­tra­gung zugäng­lich gemacht. Dabei wur­de in den ver­gan­ge­nen Tagen wie­der­holt die Oster­ker­ze ein­ge­blen­det, die ein beson­de­res Detail enthält.

An der mor­gend­li­chen Meß­ze­le­bra­ti­on neh­men der­zeit in der Regel nur zwei Prie­ster, eine Ordens­frau und ein Orga­nist teil. Laut vati­ka­ni­schen Anga­ben schau­en sich allein in Ita­li­en fast zwei Mil­lio­nen Men­schen die Über­tra­gung mit der vom Papst frei gespro­che­nen Pre­digt an.

Neben dem Ambo befin­det sich seit ver­gan­ge­ner Woche eine Oster­ker­ze. Es han­delt sich dabei nicht um die Oster­ker­ze, die Papst Fran­zis­kus bei der Zele­bra­ti­on der Oster­nacht im Peters­dom weih­te. Auf der Oster­ker­ze von San­ta Mar­ta ist eine Dar­stel­lung des päpst­li­chen Wap­pens und des Wap­pen­spruchs zu sehen, aller­dings mit einem auf­fäl­li­gen Detail: Das Wap­pen von Papst Fran­zis­kus ist mit dem fünf­zacki­gen Stern dargestellt.

Ungewöhnliche Stern-Darstellung

2020 taucht der Fünf­zack auf der Oster­ker­ze von San­ta Mar­ta auf.

Als Jor­ge Mario Ber­go­glio 1992 zum Weih­bi­schof des Erz­bis­tums Bue­nos Aires ernannt wur­de, hat­te er sich nach kirch­li­chem Brauch ein Wap­pen zuge­legt. Da sei­ne Fami­lie über kei­nes ver­füg­te, wur­de es ex novo geschaf­fen. Dar­in ent­hal­ten war ein sil­ber­ner fünf­zacki­ger oder fünf­strah­li­ger Stern. Der Stern war kei­nem ande­ren Wap­pen ent­lehnt, das mit Ber­go­glio in Ver­bin­dung gebracht wer­den konn­te. Weder die Wap­pen der Stadt oder der Pro­vinz Bue­nos Aires noch der Repu­blik Argen­ti­ni­en, die alle stark frei­mau­re­risch geprägt sind, noch jenes des Erz­bis­tums Bue­nos Aires, das eine ein­deu­tig katho­li­sche Sym­bo­lik zeigt, ent­hal­ten ihn.

Am 18. März, fünf Tage nach der Wahl von Fran­zis­kus, gab das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt bekannt, daß der neue Papst sein Bischofs- und Kar­di­nal­s­wap­pen bei­be­hal­ten wer­de. Ledig­lich die Dar­stel­lun­gen in Sil­ber, dar­un­ter der fünf­zacki­ge Stern, wür­den durch Dar­stel­lung in Gold ersetzt. Zum Stern hieß es in der Erklärung:

„Der Stern sym­bo­li­siert nach alter heral­di­scher Tra­di­ti­on die Jung­frau Maria, Mut­ter Chri­sti und der Kirche.“

Mehr wur­de nicht gesagt. Katho​li​sches​.info schrieb damals:

„Auch im Papst­wap­pen wird der Stern fünf­zackig sein. Eine sol­che unge­wöhn­li­che Stern­dar­stel­lung hat­te bis­her nur Papst Johan­nes Paul I.“

Eini­ge Stun­den vor der vati­ka­ni­schen Pres­se­er­klä­rung zum Papst­wap­pen hat­te Katho​li​sches​.info zum Wap­pen von Kar­di­nal Ber­go­glio angemerkt:

„Der Stern legt eine maria­ni­sche Sym­bo­lik nahe. Ins Auge sticht jedoch, daß der Stern fünf­zackig ist. Eine im Katho­li­schen weit­ge­hend unge­bräuch­li­che, ja teil­wei­se sogar gemie­de­ne Dar­stel­lung für einen Stern und als Sym­bol der aller­se­lig­sten, all­rei­nen Got­tes­mut­ter und immer­wäh­ren­den Jung­frau Maria. Bis ins 18. Jahr­hun­dert war das Pen­ta­gramm zwar im christ­li­chen Umfeld als Bann- und Schutz­zei­chen gegen das Böse bekannt, aber nie ein christ­li­ches Sym­bol. In den ver­gan­ge­nen 250 Jah­ren ist der fünf­zacki­ge Stern vor allem als Sym­bol der Frei­mau­re­rei bekannt­ge­wor­den, durch die es im 19. und 20. Jahr­hun­dert Teil zahl­rei­cher Staats­wap­pen wur­de, so auch ab 1870 des  gegen den Wil­len der Kir­che errich­te­ten ita­lie­ni­schen Staa­tes: im König­reich bis 1890 als Helm­zier, seit Aus­ru­fung der Repu­blik 1946 als Haupt­sym­bol von Wap­pen und Siegel.

Im 20. Jahr­hun­dert wur­de er zu einem der wich­tig­sten Sym­bo­le des Kom­mu­nis­mus und fei­er­te als Roter Stern einen Sie­ges­zug. Der fünf­zacki­ge Stern wird im Zusam­men­hang mit der Frei­mau­re­rei und dem Kom­mu­nis­mus in der mate­ria­li­sti­schen Ideo­lo­gie als Sym­bol des Men­schen gedeu­tet: des sich selbst genü­gen­den Men­schen, der Gott verleugnet.“

Links das Wap­pen von Papst Fran­zis­kus mit dem fünf­zacki­gen Stern, das nach neun Tagen ersetzt wur­de (rechts)

Da es sich nicht um ein histo­ri­sches Wap­pen han­del­te wie jenes der Fami­lie Cor­de­ro Lan­za di Mon­te­ze­mo­lo – Kar­di­nal Andrea Cor­de­ro Lan­za di Mon­te­ze­mo­lo war bis zu sei­nem Tod im Jahr 2017 der Wap­pen­ex­per­te des Vati­kans –, war die Dar­stel­lung im kirch­li­chen Kon­text nicht nur unge­wöhn­lich, son­dern sonderbar.

Son­der­bar und unge­klärt ist auch, wie der bis­her ein­zi­ge Papst, der einen fünf­zacki­gen Stern im Wap­pen führ­te, zu die­sem kam. Papst Johan­nes Paul I., Albi­no Lucia­ni, des­sen Pon­ti­fi­kat im Jahr 1978 nur 33 Tage dau­er­te, hat­te als Bischof von Vit­to­rio Vene­to 1958 ein Wap­pen mit drei acht­zacki­gen Ster­nen ange­nom­men, ein Ver­weis auf sei­ne Mari­en­ver­eh­rung. Als er 1969 Patri­arch von Vene­dig wur­de, waren im Wap­pen drei sechs­zacki­ge Ster­ne dar­aus gewor­den. So auch ab 1973 in sei­nem Kar­di­nal­s­wap­pen. Als Kar­di­nal Lucia­ni am 26. August 1978 zum Papst gewählt wur­de, zeig­te sein Papst­wap­pen plötz­lich drei fünf­zacki­ge Sterne.

Das Unbe­ha­gen und die Irri­ta­tio­nen über den fünf­zacki­gen Stern im Wap­pen von Papst Fran­zis­kus waren 2013 auch des­halb so groß, weil für die Kir­che Sym­bo­le von größ­ter Bedeu­tung sind. Schließ­lich sah man im Vati­kan die Not­wen­dig­keit, kor­ri­gie­rend ein­zu­schrei­ten, um even­tu­el­le Zwei­fel aus­zu­räu­men. Kar­di­nal Cor­de­ro Lan­za di Mon­te­ze­mo­lo zeich­ne­te den ent­spre­chen­den Ent­wurf. Zwei Wochen nach der Papst­wahl, am 27. März, wur­de ein kor­ri­gier­tes Wap­pen von Fran­zis­kus der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert. Der fünf­zacki­ge Stern war durch einen acht­zacki­gen Stern ersetzt worden.

Die acht Strah­len des Sterns stel­len die Selig­prei­sun­gen dar, wie es in der vati­ka­ni­schen Begrün­dung der Kor­rek­tur hieß. Damit wur­den alle Spe­ku­la­tio­nen zum Papst­wap­pen ausgeräumt.

Im ach­ten Jahr sei­nes Pon­ti­fi­kats taucht der fünf­zacki­ge Stern in einer Dar­stel­lung sei­nes Wap­pens wie­der auf, und das auf der Oster­ker­ze der Kapel­le von San­ta Mar­ta, die durch die Direkt­über­tra­gun­gen wegen der Coro­na-Restrik­tio­nen welt­wei­te Sicht­bar­keit erhält.

Im fol­gen­den Video der mor­gend­li­chen Mes­se vom 17. April ist die Oster­ker­ze von San­ta Mar­ta ab Minu­te 1:00 aus näch­ster Nähe zu sehen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati​can​.va/​V​a​t​i​c​a​n​N​ews (Screen­shots)

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