Das eigentliche Chaos ist die Kohabitation der beiden Päpste

„Es gibt nicht zwei Päpste“

„In der Kirche kann nur einer Papst sein“, mahnt der Historiker Roberto de Mattei im Zusammenhang mit den jüngsten Kontroversen.
„In der Kirche kann nur einer Papst sein“, mahnt der Historiker Roberto de Mattei im Zusammenhang mit den jüngsten Kontroversen.

Von Rober­to de Mattei*

Die jüng­ste Kon­tro­ver­se, die nach der Ver­öf­fent­li­chung des Buches von Kar­di­nal Sarah und Bene­dikt XVI. über das Prie­ster­tum explo­dier­te, bestä­tigt die Situa­ti­on der schmerz­li­chen Ver­wir­rung, mit der die Kir­che heu­te kon­fron­tiert ist.

Die Nach­richt von einem Text, den der eme­ri­tier­te Papst und Kar­di­nal Robert Sarah gemein­sam geschrie­ben haben, schlug am 12. Janu­ar wie eine Bom­be ein. Das Buch, her­aus­ge­ge­ben von Nico­las Diat, dem Ver­trau­ten von Kar­di­nal Sarah, wur­de vom Ver­lag Fay­ard mit dem Titel „Des pro­fon­deurs des nos coeurs“ (Aus tief­stem Her­zen) her­aus­ge­ge­ben und ent­hält eine ent­schie­de­ne Ver­tei­di­gung des kirch­li­chen Zöli­bats. Die pro­gres­si­ve Medi­en­lob­by begann sofort mit dem Angriff, indem sie bestritt, daß der eme­ri­tier­te Papst jemals ein Buch mit Kar­di­nal Sarah geschrie­ben habe, und letz­te­ren beschul­dig­te, eine „Ope­ra­ti­on“ gegen Papst Fran­zis­kus unter­nom­men zu haben. Kar­di­nal Sarah reagier­te sei­ner­seits mit äußer­ster Ent­schlos­sen­heit:

„Ich erklä­re fei­er­lich, daß Bene­dikt XVI. wuß­te, daß unser Pro­jekt die Form eines Buches haben wür­de. (…) Eini­ge Angrif­fe schei­nen eine Lüge mei­ner­seits zu insi­nu­ie­ren. Die­se Dif­fa­mie­run­gen sind außer­or­dent­lich schwer­wie­gend.“

Am 14. Janu­ar wur­de Kar­di­nal Sarah von Msgr. Georg Gäns­wein, Sekre­tär von Joseph Ratz­in­ger und Prä­fekt des Päpst­li­chen Hau­ses, jedoch teil­wei­se demen­tiert und gefor­dert, die Unter­schrift des eme­ri­tier­ten Pap­stes als Mit­au­tor des Buches zu ent­fer­nen:

„Der eme­ri­tier­te Papst wuß­te, daß der Kar­di­nal ein Buch vor­be­rei­te­te und hat­te sei­nen Text über das Prie­ster­tum geschickt, der ihn ermäch­tig­te, davon Gebrauch zu machen, wie er es wünsch­te. Aber er hat­te weder Plä­ne gebil­ligt als Autor auf­zu­schei­nen noch den Umschlag gese­hen und geneh­migt. Es war ein Miß­ver­ständ­nis, ohne Kar­di­nal Sarahs guten Glau­ben in Fra­ge zu stel­len.“

Der guin­ei­sche Kar­di­nal akzep­tier­te aber nicht, für das Miß­ver­ständ­nis ver­ant­wort­lich gemacht zu wer­den, und ver­öf­fent­lich­te drei Brie­fe mit den Daten vom 20. Sep­tem­ber, 12. Okto­ber und 25. Novem­ber 2019, aus denen das völ­li­ge Ein­ver­neh­men zwi­schen ihm und Bene­dikt XVI. her­vor­geht, und die­ser grü­nes Licht für die Ver­öf­fent­li­chung des Buches erteil­te mit den Wor­ten:

„Mei­ner­seits kann der Text in der von Ihnen vor­ge­se­he­nen Form ver­öf­fent­licht wer­den.“

Aber die Bit­te von Msgr. Gäns­wein wur­de den­noch akzep­tiert. In den näch­sten Aus­ga­ben wird die dop­pel­te Autoren­schaft aus dem Buch ent­fernt, des­sen Autor dann Kar­di­nal Sarah „mit dem Bei­trag von Bene­dikt XVI.“ sein wird. Zugleich „bleibt der gesam­te Text abso­lut unver­än­dert“, wie Kar­di­nal Sarah in einem Tweet bekannt­gab.

Ein rich­ti­ges „Durch­ein­an­der“, für das, wie es scheint, der Mit­ar­bei­ter des Kar­di­nals, Nico­las Diat, die Ver­ant­wor­tung zu tra­gen hat, der die Initia­ti­ve wahr­schein­lich mehr als nötig beton­te, und ins­be­son­de­re Msgr. Gäns­wein, der sicher­lich dem Druck jener erle­gen ist, die den Inhalt des Buches schwä­chen woll­ten auch mit dem Ziel, den Kar­di­nal aus Gui­nea  zu dis­qua­li­fi­zie­ren, der auf unan­ge­mes­se­ne Wei­se als “ultra-kon­ser­va­tiv“ dar­ge­stellt wur­de.

Aus der gan­zen Geschich­te geht jedoch ein weit ern­ste­res Durch­ein­an­der her­vor, näm­lich das der unna­tür­li­chen Koha­bi­ta­ti­on der bei­den Päp­ste im Vati­kan, ins­be­son­de­re wenn einer von ihnen, Bene­dikt XVI., nach dem Ver­zicht auf das Pon­ti­fi­kat sei­nen Namen behält, sein wei­ßes Gewand behält und den apo­sto­li­schen Segen gibt, der nur dem Papst zusteht, und der das Schwei­gen, das er sich mit sei­nem Rück­tritt auf­er­legt hat­te, erneut gebro­chen hat. Mit einem Wort: Er betrach­tet sich wei­ter­hin als Papst, wenn auch „eme­ri­tiert“.

Die­se Situa­ti­on ist die Fol­ge eines schwer­wie­gen­den theo­lo­gi­schen Irr­tums von Kar­di­nal Ratz­in­ger. Mit der Wah­rung des Papst­ti­tels als eme­ri­tier­ter Bischof scheint er zu glau­ben, daß der Auf­stieg zum Pon­ti­fi­kat dem Erwähl­ten einen unaus­lösch­li­chen Cha­rak­ter ver­leiht, gleich dem des Prie­sters. In Wirk­lich­keit gibt es nur drei sakra­men­ta­le Wei­he­gra­de des Prie­ster­tums: Dia­ko­nat, Pres­by­te­rat und Epi­sko­pat. Das Pon­ti­fi­kat gehört zu einer ande­ren Hier­ar­chie der Kir­che, jener der Juris­dik­ti­on oder der Lei­tungs­ge­walt, deren Spit­ze es bil­det. Bei sei­ner Wahl erhält der Papst das Amt der höch­sten Juris­dik­ti­on, aber kein unaus­lösch­li­ches Sakra­ment. Das Prie­ster­tum geht auch mit dem Tod nicht ver­lo­ren, weil es „in æter­num“ exi­stiert. Statt­des­sen kann das Pon­ti­fi­kat nicht nur mit dem Tod „ver­lo­ren­ge­hen“, son­dern auch im Fal­le eines frei­wil­li­gen Ver­zichts oder einer offen­sicht­li­chen und noto­ri­schen Häre­sie. Wenn er auf das Papst­amt ver­zich­tet, hört der Papst auf, einer zu sein: Er hat kein Recht, ein wei­ßes Gewand zu tra­gen oder einen apo­sto­li­schen Segen zu ertei­len. Aus kano­ni­scher Sicht ist er nicht ein­mal mehr Kar­di­nal, son­dern wird wie­der zum ein­fa­chen Bischof. Es sei denn, sein Ver­zicht ist ungül­tig, aber das müß­te im Fal­le von Bene­dikt XVI. erst bewie­sen wer­den. Tat­säch­lich wird der Papst­ti­tel heu­te sowohl Fran­zis­kus als auch Bene­dikt zuge­schrie­ben, aber mit Sicher­heit ist es einer von ihnen rechts­wid­rig, weil in der Kir­che nur einer Papst sein kann.

Die Kir­chen­ge­schich­te kennt Päp­ste und Gegen­päp­ste, die sich bekämpf­ten, aber jeder von ihnen hat den ande­ren exkom­mu­ni­ziert, und die­se Klar­heit for­der­te Ent­schei­dun­gen, wie das im Gro­ßen Abend­län­di­schen Schis­ma gesche­hen ist, in dem die gesam­te Chri­sten­heit von dem einen oder dem ande­ren Papst exkom­mu­ni­ziert war, und die Gläu­bi­gen gezwun­gen waren, Posi­ti­on zu ergrei­fen.

Was es noch nie gab, sind zwei Päp­ste, die sich gegen­sei­tig als legi­tim aner­ken­nen und sich Respekt und Ehr­furcht erwei­sen, außer, daß sie sich hin­ter den Kulis­sen über Drit­te bekämp­fen. Der Ver­such, sie öffent­lich gegen­ein­an­der aus­zu­spie­len, ist ein zu miß­bil­li­gen­des Unter­fan­gen, das von den Tat­sa­chen wider­legt und zum Schei­tern ver­ur­teilt ist. Es gibt nicht einen „guten“ und einen „schlech­ten“ Papst. Es gibt nicht zwei Päp­ste. Es gibt nur eine gro­ße Ver­wir­rung, die noch mehr zuneh­men wird.

  • Was wird erst pas­sie­ren, wenn der von der Ama­zo­nas­syn­ode offi­zi­ell ein­ge­lei­te­te Pro­zeß der Liqui­die­rung des kirch­li­chen Zöli­bats auf dem „syn­oda­len Weg“ der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz fort­ge­setzt wird?
  • Wird Papst Fran­zis­kus den deut­schen Bischö­fen grü­nes Licht geben?
  • Und was wird Bene­dikt XVI. ange­sichts die­ses „Weges“ sei­ner deut­schen Mit­brü­der sagen, die ver­kün­den, daß sie ihren Ent­schei­dun­gen in Deutsch­land einen „ver­bind­li­chen Wert“ ver­lei­hen wol­len?
  • Wird Kar­di­nal Sarah sei­ner­seits den „Gehor­sam gegen­über Papst Fran­zis­kus“ bekräf­ti­gen, den er in sei­ner Pres­se­mit­tei­lung vom 14. Janu­ar zum Aus­druck bringt, oder wird er sei­ne Stim­me mit denen jener Kar­di­nä­le ver­ei­nen, die dem Pro­zeß der Selbst­zer­stö­rung der Kir­che wider­ste­hen wol­len, indem sie der apo­sto­li­schen Leh­re fol­gen: „Man muß Gott mehr gehor­chen als den Men­schen“ (Apg 5,29)?

Es ist Zeit für die Klar­heit, nicht die Ver­wir­rung.

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

18 Kommentare

  1. „Was es noch nie gab sind zwei Päp­ste, die sich gegen­sei­tig als legi­tim aner­ken­nen und sich Respekt und Ehr­furcht erwei­sen, außer, daß sie sich hin­ter den Kulis­sen über Drit­te bekämp­fen.“

    Das ist sowas von auf den Punkt gebracht.

    Wenn man ein Muster erken­nen will, so drängt sich doch jenes des nicht so ganz frei­wil­li­gen Papst­rück­trit­tes Bene­dikts auf.

    Und wie soll man nun die­ses besag­te Muster erken­nen?

    Man erkennt es an den immer wie­der­keh­ren­den Ein­zel­bei­spie­len: Men­schen wer­den mund­tot gemacht, her­aus­ge­wor­fen, mani­pu­liert, ‚geschla­gen‘, durch Wor­te dis­kre­di­tiert, durch Wut­aus­brü­che reif für die Klapps­müh­le gemacht.

    Ich brau­che kei­ne wei­te­ren Indi­zi­en mehr dafür, dass hier etwas gewal­tig stint.

    De Mattei rührt in sei­nem Arti­kel den eigent­li­chen Nerv der gan­zen Schief­la­ge an: es gibt zwei Päp­ste, von denen nie­mand weiß, wer der recht­mä­ßi­ge ist.

    Wenn Bene­dikt frei­wil­lig zurück­ge­tre­ten wäre, hät­te er dies auch durch den Ver­zicht auf sei­nen Papst­ti­tel und sei­ne Insi­gni­en deut­lich machen müs­sen.

    Da er es nicht tat, drängt sich die Ver­mu­tung auf, dass er nur für die Kulis­sen ganz frei­wil­lig zurück­ge­tre­ten ist.

    Die Art und Wei­se, wie wir Papst Ber­go­glio jetzt ken­nen gelernt haben, wirft auf ihn ein schlech­tes Licht. Sei­ne unbe­herrsch­te Art lässt ver­mu­ten, dass mit der­sel­ben bru­tal-bra­chia­len Schär­fe die eige­ne pro­gres­si­ve Agen­da mit dem Zug­pferd Ber­go­glio schon lan­ge hin­ter der Kulis­sen die Strip­pen gezo­gen hat.

    Im Vati­kan herrscht nur eine Grup­pe wirk­lich, auch wenn sie vie­le Unter­grup­pen hat. Und dies sind die Frei­mau­rer.

    Eben jene, die den Men­schen von den gött­li­chen Gebo­ten mit aller Gewalt befrei­en wol­len und ihn damit in der Sün­de der Selbst­ver­göt­zung ein­mau­ern.

  2. Was ist denn dar­an so schreck­lich, wenn das Zöli­bat auf frei­wil­li­ge Wei­se prak­ti­ziert wird?

    Einer­seits wer­den stän­dig die über­wie­gend homo­se­xu­el­len Miß­brauchs-Skan­da­le beklagt, wobei inter­ne Beob­ach­ter von 50% bis zu 70% homo­se­xu­el­len Prie­ster­an­wär­tern u. Kle­ri­kern aus­ge­hen, ander­seits wird die Ehe u. Fami­lie hoch­ge­hal­ten, bei Geschied­nen steht die Teil­nah­me an der Eucha­ri­stie in Fra­ge, ohne das die Pfarrer/Bischöfe selbst als Vor­bild her­hal­ten müs­sen.

    Wo steht in der Bibel, das Prie­ster in kei­nem Fall ver­hei­ra­tet sein dür­fen, also ein regel­rech­tes, aus­for­mu­lier­tes Ver­bot? Und dann käme noch die Alters-Fra­ge hin­zu, d.h. kei­ne Alters­part­ne­rin, kei­ne Kinder/Enkel, die einen im Krank­heits­fall o. bei Gebre­chen behilf­lich sein könn­ten, etwas Fami­li­en-Wär­me u. Trost spen­den. Das ist doch regel­recht unmensch­lich, was soll an die­ser selbst­ver­ord­ne­ten Dau­er-Ein­sam­keit „christ­lich“ oder „fromm“ sein?

    Selbst die gestren­gen Ortho­do­xen, die Juden u. Mus­li­me sowie­so hal­ten ein Zöli­bat für nicht nur unnö­tig, son­dern gera­de­zu ver­werf­lich, eben weil es vie­le über­for­dert u. so zu aller­lei Sünd­haf­tig­keit ver­führt.

    Und schliess­lich gab es das Zöli­bat auch in der frü­hen katho­li­schen Kir­che nicht, die ver­schie­de­nen Grün­de, die sei­ner­zeit das Zöli­bat zur Ver­pflich­tung mach­ten sind doch heut­zu­ta­ge gar nicht mehr gege­ben.
    Ein ver­hei­ra­te­ter Prie­ser ist mir alle­mal lie­ber als ein ver­deckt-schwu­ler Pfarrer/Bischof, und das sehen wohl die aller­mei­sten Gemein­de-Chri­sten so!

  3. Zunächst: Was die Wahl des Titels angeht, so ist dies ein päpst­li­ches Pri­vi­leg, das Papst Fran­zis­kus gewährt hat. Die­ses Pri­vi­leg zeugt lei­der von jener Uner­fah­ren­heit, die Papst Fran­zis­kus zu eigen ist. Wie um alles in der Welt kann ein Papst einem zurück­ge­tre­te­nen Papst noch den Papst­ti­tel las­sen? Es gibt hier­für nur zwei Grün­de:

    1) Die Wahl zum Papst und die Annah­me der Wahl geschieht unter Zwang und Furcht, also unter Umstän­den gemin­der­ter Ein­sichts­fä­hig­keit („non sui com­pos“). Die­se hat zur Fol­ge, daß nach c. 99 der Betrof­fe­ne kein Amt über­neh­men kann. Somit wäre die Wahl ungül­tig. Nach den Erfah­run­gen im Umgang läßt sich die­ser Schluß lei­der erstel­len. Das Ver­hal­ten auf dem Peters­platz gegen­über der chi­ne­si­schen Non­ne gibt zu den­ken. Dazu sei­ne nicht kon­zi­sen theo­lo­gi­schen Aus­sa­gen und sei­ne Spra­che las­sen für die man­geln­de Ein­sichts­fä­hig­keit nichts Gutes ahnen.

    2) Die Wahl geschah ohne Zwang und Furcht, so läßt sich dar­aus nur der Schluß zie­hen, daß man einen Kan­di­da­ten gewählt hat, der ohne erkenn­ba­res epi­sko­pales Cha­ris­ma gewählt wor­den ist, ja der die eigent­li­che bischöf­li­che Amts­wür­de nicht besitzt, son­dern nur auf­grund eines Pri­vi­legs zum Bischof geweiht wor­den ist, und zwar nur zum Zweck, daß er Auxi­liar­bi­schof bleibt. Das wäre aus dem Pri­vi­leg, das sei­ner­zeit Papst Johan­nes Paul II. gewährt hat, leicht zu erken­nen. Dann aber wäre die Wahl nicht ungül­tig wie im Fal­le 1 son­dern nur ille­gi­tim, unrecht­mä­ßig ad per­so­nam. Er wäre also de jure Papst. Und er ist es auch! Es sei denn das Kon­kla­ve­ge­heim­nis wäre erkenn­bar gebro­chen wor­den und es gäb hier­für sicht­ba­re Bewei­se. Das wäre dann ein ande­rer Fall.

    Aus den bei­den oben genann­ten Fäl­len kann nur eines geschlos­sen wer­den. Ein defi­ni­ti­ves Urteil kann nicht geschlos­sen wer­den, somit ist de fac­to und de jure Jor­ge Mario Ber­go­glio als Papst Fran­zis­kus recht­mä­ßi­ger Papst. Und damit hat er auch die höch­ste und unmit­tel­ba­re Gewalt in der Hei­li­gen Römisch-Katho­li­schen Kir­che inne (c. 331 usque ad c. 333). Hier­mit kann er frei umge­hen und kann dann einem zurück­ge­tre­te­nen Papst den Ehren­ti­tel „papa eme­ri­tus“ ver­lei­hen. Hat das Papst Fran­zis­kus getan? Mei­nes Erach­tens nicht! Papst Bene­dikt XVI. hat gleich­sam als letz­te Amts­hand­lung sich selbst einen Ehren­ti­tel ver­lie­hen, sozu­sa­gen den Fuß in der Tür gelas­sen, trotz sei­nes Schwei­ge­ge­löb­nis­ses. Nun, die­ses Schwei­ge­ge­löb­nis ist natür­lich in Ver­bund mit sei­nem Gehor­sams­ver­spre­chen alles zur Zeit gesche­hen, als er noch selbst die Auto­ri­tät des Sum­mus Pon­ti­fex hat­te, also die vol­le Amts­ge­walt.

    Und nun? Wir haben zwei Päp­ste. Und wir haben einen, der bei­den Her­ren dient: S. E. Georg Gäns­wein. Für ihn gilt eben, was in Matth. 6.24 steht: „Nemo potest duo­bus domi­nis ser­vi­re, aut enim unum odio habe­bit et alter­um dili­get, aut unum sus­ti­ne­bit et alter­um contem­net!“ Es ist kaum zu über­se­hen, daß Gäns­wein die Rol­le im Päpst­li­chen Haus „Domus Sanc­tae Marthae“ bei Fran­zis­kus weni­ger liegt, als die Rol­le als Pri­vat­se­kre­tär bei Papst em Bene­dikt XVI. (oder soll ich bes­ser schrei­ben „dem sog. Papst em. Bene­dikt XVI.? Ich weiß es nicht), da er zwar for­mell eine Macht­po­si­ti­on hat, aber stän­dig von Papst Fran­zis­kus in sei­nen Bestre­bun­gen kon­ter­ka­riert wird und durch die Spon­ta­nei­tät des Pap­stes ad absur­dum geführt wird. Da staut sich so eini­ges auf. Aber: Er kann ja sagen: „San­to Pad­re, voglio dimit­ter­mi!“ „Ich möch­te ger­ne als Prä­fekt des Päpst­li­chen Hau­ses zurück­tre­ten!“ Aber hier kommt es wohl dazu, daß Fran­zis­kus Gäns­wein braucht, um aus dem Umfeld von Papst Bene­dikt em. alles zu erfah­ren (er hat schließ­lich dazu das voll­kom­me­ne Recht, da er auch zugleich der Abso­lu­te Herr­scher des Staa­tes der Vati­kan­stadt ist und zugleich die vol­le Juris­dik­ti­ons­ge­walt in der Kir­che hat…). Und dazu beläßt er Gäns­wein als Pri­vat­se­kre­tär des eme­ri­tier­ten Pap­stes in der Domus Mariae, im Klo­ster, in dem Papst Bene­dikt XVI em. lebt. Das rät ihm, Fran­zis­kus, auch sein Umfeld, den eme­ri­tier­ten Papst unter Kon­trol­le zu hal­ten. Zu genü­ge haben ja eme­ri­tier­te Bischö­fe in den Zei­ten nach dem II. Vati­ka­ni­schen Kon­zil die Bis­tü­mer in heik­le Schwie­rig­kei­ten gebracht, ganz zu Schwei­gen von jenem eme­ri­tier­ten Bischof von Tul­le Erz­bi­schof Mar­cel Lefebrve.

    Und die­se Posi­ti­on miß­braucht S. E. Georg Gäns­wein aufs scham­lo­se­ste. Er ris­kiert hier ein Zer­würf­nis von zwei Bischö­fen, die sich gegen­sei­tig den Papst­ti­tel las­sen und damit eigent­lich bei­de die vol­le Gewalt in der Kir­che haben — kurz er, Gäns­wein, ris­kiert ein Schis­ma. Die­ses ist eigent­lich eine Straf­tat, die mit nichts ande­rem bestraft wird als mit der Exkom­mu­ni­ka­ti­on (c. 1364). Und das ist eigent­lich schon da, das Schis­ma.

    Unter Beru­fung auf das Kon­zil (II. Vati­ca­num natür­lich!) gehen die Kirche(n) in Ama­zo­ni­en, Deutsch­land, Nie­der­lan­de etc. schon lan­ge eige­ne Wege, das gan­ze wird durch päpst­li­che Bil­li­gung unter­stützt, es exi­stie­ren zwei Ritus­fa­mi­li­en in der­sel­ben Ritus­kir­che etc…

    Aber, daß zwei Päp­ste schein­bar ein­an­der wider­spre­chen, dafür gibt es nur eine Aus­sa­ge: Kir­chen­spal­tung oder Papst-Gegen­past. Und die Gläu­bi­gen wer­den von den Orts­bi­schö­fen allei­ne gelas­sen, nie­mand sagt klar, daß er hin­ter dem legi­ti­men, regu­lä­ren Papst steht, oder daß er gegen ihn steht und zum ande­ren Papst hält. Wenn jetzt in der Kir­che nicht mate­ria­li­ter mit einer Stim­me gespro­chen wird in bezug auf den Zöli­bat, so besteht mate­ria­li­ter et for­ma­li­ter eine Kir­chen­spal­tung und es herrscht Schis­ma. Einer der Päp­ste hat dann näm­lich in einer Sache, die „pro­xi­ma fide“ ist eine Häre­sie for­mell auf­recht­erhal­ten. Und das hat Gäns­wein mit dei­ner Fäl­schung des päpst­li­chen Man­da­tes ange­rich­tet. Dazu hat er Robert Kar­di­nal Sarah betro­gen und hin­ters Licht geführt etc…

  4. Die Mimik der bei­den Päp­ste auf dem Bild über dem Arti­kel „Das eigent­li­che Cha­os…“ spricht „Bän­de“.

  5. „Es gibt nicht einen ‚guten‘ und einen ‚schlech­ten‘ Papst. Es gibt nicht zwei Päp­ste.“

    For­mal und im Text­zu­sam­men­hang gele­sen, hat Prof. de Mattei natür­lich recht. Und das gab es ja auch bis­lang noch nie: zwei Päp­ste gleich­zei­tig, einen amtie­ren­den und einen eme­ri­tier­ten. Aber es gab eine Frau, näm­lich die 1824 ver­stor­be­ne und 2004 von Papst Johan­nes Paul II. selig­ge­spro­che­ne Mysti­ke­rin Anna Katha­ri­na Emme­rich, die in einer ihrer zahl­rei­chen Visio­nen genau die­se – zunächst fik­ti­ve — Situa­ti­on vor­aus­ge­schaut hat­te: einen guten, den „wah­ren“ Papst, und gleich­zei­tig einen schlech­ten, den „fal­schen“ Papst. Nur konn­te sie kei­ne Anga­be dar­über machen, wann das sein wird. Bemer­kens­wer­ter­wei­se hat­te die cha­ris­ma­tisch ver­an­lag­te deut­sche Ordens­frau aus Coes­feld Cle­mens von Bren­ta­no auch über eine noch bevor­ste­hen­de Pro­te­stan­ti­sie­rung der katho­li­schen Kir­che berich­tet, die sie eben­falls geschaut haben will.

    Nun muss man nicht gleich ein eifern­der Mysti­zist sein, um sich ange­sichts der stän­dig zuneh­men­den inner­kirch­li­chen Ver­wir­rung zu fra­gen, ob wir nicht augen­blick­lich tat­säch­lich die Zeit miterleben/miterleiden, zu der die sel. Anna Katha­ri­na damals noch kei­ne zeit­li­chen Anga­ben machen konn­te.

    Dem vor­ste­hen­den de-Mattei-Arti­kel ist ein Bild vor­an­ge­stellt, das den amtie­ren­den und den eme­ri­tier­ten Papst zeigt. Zwei Päp­ste also in ihrem Habit. Bei­de knien neben­ein­an­der auf dem Bet­stuhl. Man las­se ein­mal die­ses Bild ein wenig auf sich wir­ken. Nur einer der bei­den ist tief im Gebet ver­sun­ken, wäh­rend der ande­re sehr ange­strengt wirkt, viel­leicht sogar mit einem iro­nisch-sar­ka­sti­schen Zug um den Mund (mein Ein­druck). Ein auf die­sem Por­tal mit­kom­men­tie­ren­de User schrieb kürz­lich auf einer ande­ren Sei­te von katholisches.info: „… ich bin mir … sehr sicher, dass Bene­dikt der Katechon der End­zeit ist, wel­cher das öffent­li­che Erschei­nen des Anti­chri­sten ver­hin­dert.“ Der von mir geschätz­te Mituser Dr. Die­ter Fasen hat­te dabei wahr­schein­lich den zwei­ten Pau­lus-Brief an die Thes­sa­lo­ni­cher im Blick, in wel­chem der Völ­ker­apo­stel im 2. Kapi­tel erklärt, was der zu erwar­ten­den Wie­der­kunft Chri­sti vor­aus­ge­hen wird: zunächst der „Auf­hal­ter“ (= Katechon) des Anti­chri­sten, dann das gegen Chri­stus gerich­te­te Wir­ken des Anti­chri­sten, des Gesetz­lo­sen …

    Ob der ande­re Mann in Weiß auf dem Bet­stuhl, Fran­zis­kus, viel­leicht gera­de an den Anti­chri­sten denkt — weil er halt gar so eigen­ar­tig-ver­knif­fen drein­schaut???

  6. Rober­to de Matt­hei schreibt: „Die­se Situa­ti­on ist die Fol­ge eines schwer­wie­gen­den theo­lo­gi­schen Irr­tums von Kar­di­nal Ratz­in­ger.“
    Ein theo­lo­gi­scher Irr­tum Papst Bene­dikts in die­sem Punkt ist nicht wahr­schein­lich.
    Beim Papst­rück­tritt 2013 ging es um Welt­po­li­tik. Gera­de ein Histo­ri­ker, wie Prof. Matt­hei, müss­te das sehen. Die Ent­hül­lungs­bü­cher des Vati­kan-Insi­ders Pater Mala­chi Mar­tin SJ las­sen kei­ne Zwei­fel über die­sen Punkt.
    Papst Bene­dikt XVI. wur­de, oder sah sich, gezwun­gen, auf die Aus­übung sei­nes Amtes zu ver­zich­ten und ein­zu­wil­li­gen, dass ein ande­rer an sei­ner Stel­le das Amt aus­übe. Das, und nicht ein theo­lo­gi­scher Irr­tum, ist der Grund, war­um Bene­dikt durch sein Auf­tre­ten und Ver­hal­ten zu ver­ste­hen gibt, dass er sich noch immer für den Papst hält und es tat­säch­lich wei­ter ist.
    Viel­leicht erin­nern wir uns an die Mord­dro­hung gegen Papst Bene­dikt, die nicht von irgend­je­mand, son­dern von einem Kar­di­nal ans Licht gebracht wur­de? Nun, die Mord­dro­hung war wohl nicht der Rück­tritts­grund, sie war aber ein Sym­ptom des uner­mess­li­chen Drucks, der auf den Papst aus­ge­übt wur­de. Es muss da etwas sehr Schwer­wie­gen­des im Hin­ter­grund gewe­sen sein, wofür es ver­schie­de­ne Indi­zi­en gab. Ent­schei­dend ist, dass der Papst den Scha­den, der durch sei­ne Amts­ver­zichts­er­klä­rung und die Wahl eines Nach­fol­gers(?) ent­ste­hen muss­te, für gerin­ger hielt als den Scha­den, wel­cher der Kir­che durch sein Fest­hal­ten an der Amts­aus­übung erwach­sen wäre. Das ist der Sinn sei­ner Wor­te, dass er sei­nen Schritt reif­lich, über län­ge­re Zeit und im Gebet vor Gott erwo­gen habe.
    (Gera­de der Auf­ruhr um das Buch „Aus der Tie­fe des Her­zens“ ist doch wie­der ein Lehr­stück, wie kom­pro­miss­haft öffent­li­che Erklä­run­gen, wie die von Kuri­en-Erz­bi­schof Gäns­wein, sein kön­nen und dass sie nicht auf die Gold­waa­ge zu legen sind.)
    Wenn mei­ne Ver­mu­tung zutrifft, löst sie, zumin­dest für den gegen­wär­ti­gen Zeit­ab­schnitt, ein schwe­res theo­lo­gi­sches Pro­blem, das des „häre­ti­schen Pap­stes“ (wobei in letz­ter Zeit ja mehr vom „schis­ma­ti­schen Papst“ gere­det wird, eine con­tra­dic­tio in adjec­to). Wir haben dann die tröst­li­che Situa­ti­on, dass die Kir­che nach wie vor einen recht­mä­ßi­gen (aber ent­mach­te­ten) Papst hat. Es ist klar, dass damit ande­re Pro­ble­me auf­ge­wor­fen wer­den, dass eine sol­che Lage nicht von Dau­er sein kann und dass sie eher frü­her als spä­ter gelöst wer­den muss.

    • Im Kon­kla­ve von 2005 zeig­te sich bereits die star­ke anti-kirch­li­che Oppo­si­ti­on inner­halb der Kir­che. Damals wur­de ja bereits von der sich iro­nisch selbst so nen­nen­den St.Gallen-Mafia, ins­be­son­de­re bestehend aus den Kar­di­nä­len Leh­mann, Kas­per, Dan­neels und dem Bri­ten Mur­phy- O‚Connor der Erz­bi­schof von Bue­nos Aires als ihr Kan­di­dat gewählt, konn­te sich damals aber nicht durch­set­zen. Wo und wie es nur irgend­wie ging, streu­ten sie aber seit­dem (und ja schon lan­ge vor­her) Sand ins Getrie­be der Kir­che und end­lich, mit­hil­fe der Medi­en und Poli­tik, gelang es ihnen, Papst Bene­dikt, wie sie mein­ten, aus dem Amt zu ver­trei­ben. Der aber tat ihnen die­sen Gefal­len wirk­lich nicht, son­dern blieb Amts­in­ha­ber. Ein gül­ti­ger Rüc­tritt beinhal­tet nach kano­ni­schem Recht aus­drück­lich den Rück­tritt vom MUNUS, was aber nicht geschah. Auch muß kein Adres­sat die­ser „Rück­tritts­ver­kün­di­gung“ vom 11.2.2013 die­sen anneh­men, kein Bischof und Prie­ster und kein Laie.

      • Es gibt meh­re­re Grün­de, war­um das Kon­kla­ve unk­a­no­nisch war. Der von Ihnen ange­führ­te Grund ist wohl der offen­sicht­lich­ste. Es gibt eine Men­ge Katho­li­ken, die über­zeugt sind, dass Bene­dikt XVI. noch der Papst ist (Such­term „Bene­dict XVI is still the Pope“). Jedoch müss­te die­se Kanon­wid­rig­keit von einer Grup­pe Amts­trä­ger fest­ge­stellt und öffent­lich dekla­riert wer­den. Das ist aber nicht abzu­se­hen. Auch müss­te die­se Grup­pe einen gewis­sen Ein­fluss in der Kir­che haben und wenig­stens eine mora­lisch bedeu­ten­de Min­der­heit um sich scha­ren. Denn die Mehr­heit der Hier­ar­chie und der Katho­li­ken welt­weit fragt (wie die mei­sten Men­schen) weni­ger nach inne­rer Wahr­heit und folgt dem, was äußer­lich sicht­bar ist. Das macht die beson­de­re Schwie­rig­keit der Situa­ti­on aus und erklärt wohl auch das Zögern derer, die sie durch­schau­en. Man stellt Fal­sches rich­tig, immer­hin, und betet, dass die Kri­se bei­gelegt wer­de, ohne dass es zur Spal­tung der Insti­tu­ti­on kommt.

      • Dan­ke, Frank Rech. Es gibt noch Ver­nunft und logi­sches Den­ken hier! Sie­he mei­nen Kom­men­tar wei­ter unten. Die Kir­che ist immer sicht­bar. Bene­dikt ist der ein­zig leben­de und regie­ren­de Papst.

  7. Nein, kei­ne Zustim­mung mit die­sem Arti­kel. RdM ver­kennt das Wesent­li­che: Bene­dikt XVI hat nicht als amtie­ren­der Papst gespro­chen, son­dern nur sei­ne (mit der kath. Leh­re über­ein­stim­men­de) Mei­nung geäu­ßert. Das darf er, so wie jeder Mensch sei­ne Mei­nung äußern darf.

    Das Pro­blem liegt nicht in einer Koha­bi­ta­ti­on zwei­er Päp­ste, son­dern dar­in, dass Ber­go­glio

    a) sich vom kirch­li­chen Lehr­amt suk­zes­si­ve ent­fernt und

    b) die Mei­nung einer Auto­ri­tät wie Bene­dikt fürch­ten muss.

    b) ist aber aus­schließ­lich sein Pro­blem. Das Pro­blem der Kir­che liegt in Ber­go­gli­os Pon­ti­fi­kat per se (Punkt a)),

    und gera­de dies­be­züg­lich ist die natür­li­che Auto­ri­tät Bene­dikts als eme­ri­tier­ter Papst ein Glück und wah­rer Segen.

    Es gibt kei­nen guten und schlech­ten Papst, rich­tig, son­dern nur einen, auch rich­tig, aber der ist schlecht. Das hat der Autor zu beto­nen ver­ab­säumt. Und er wäre offen­bar noch viel schlech­ter, könn­te er schal­ten und wal­ten wie er woll­te.

    Nicht die Ver­wir­rung ist unser Pro­blem, dh nicht jene Ver­wir­rung, die aus der Mei­nungs­ver­schie­den­heit Ber­go­gli­os mit Bene­dikt her­vor­geht. Sei­en wir froh, dass wenig­stens eine macht­vol­le Stim­me — nota­be­ne kei­ne Stim­me eines Pap­stes, aber glück­li­cher­wei­se noch macht­voll genug — der von Ber­go­glio aus­ge­hen­den Ver­wir­rung ent­ge­gen­tritt.

  8. @Aquilinus — Ihr letz­ter Satz ist her­vor­ra­gend.
    Sieht man das Bild ein­mal län­ger an, gru­selt es einem. Da kniet ein alter Mann rechts und scheint kon­zen­triert zu beten.
    Der Mann links denkt sich: „Was soll ich hier?“
    Sein Gesichts­aus­druck ist teil­nahms­los und gelang­weilt, nur zum fremd­schä­men.

  9. Wäre Bene­dikt XVI. nicht doch noch Papst, jeden­falls Papa em. , dann brauch­te es jeden­falls die Auf­re­gung und den geball­ten Zorn aus dem Domus Sanc­tae Marthae eigent­lich nicht. Aber die Reak­tio­nen zei­gen, daß da etwas ist, daß Papst em. Bene­dikt XVI. ein gehö­ri­ges Wort mit­zu­re­den hat und ent­spre­chend ernst genom­men wird.
    Es wird sich wahr­schein­lich bald klä­ren, was in den Jah­ren 2012 und bis März 2013 im Vati­kan und der Kir­che vor­ging. Nach Anto­nio Soc­ci gab es kei­nen wirk­li­chen Rück­tritt vom munus, dem Papst­amt, son­dern nur von bestimm­ten Dien­sten die­ses Amtes. Und des­we­gen die bei­be­hal­te­ne Papst­klei­dung, die Anre­de als Sei­ne Hei­lig­keit, der Fischer­ring und sein apo­sto­li­scher Segen. Bene­dikt selbst sag­te, daß die Annah­me des Amtes am 19.4.2005 zeit sei­nes Lebens, bis zum Tod, gilt.

  10. Pro­fessot de Mattei schreibt: “ Mit einem Wort: Er betrach­tet sich wei­ter­hin als Papst, wenn auch „eme­ri­tiert“.
    Die­se Situa­ti­on ist die Fol­ge eines schwer­wie­gen­den theo­lo­gi­schen Irr­tums von Kar­di­nal Ratz­in­ger. “

    Im gül­ti­gen Kir­chen­recht von 1983 haißt es im Canon 188: „Can. 188 — Ein Ver­zicht, der auf­grund schwe­rer, wider­recht­lich ein­ge­flöß­ter Furcht, arg­li­sti­ger Täu­schung, eines wesent­li­chen Irr­tums oder auf­grund von Simo­nie erfolg­te, ist von Rechts wegen ungül­tig.“

    Set­zen wir unse­ren Ver­stand und die Logik ein: Auf­grund des schwe­ren Irr­tums, sich wei­ter­hin als Papst zu betrach­ten (was jeder sehen kann) ist laut Kir­chen­recht der Rück­tritt ungül­tig.

    Also ist das fol­gen­de Kon­kla­ve ungül­tig, auch des­sen Wahl. Also ist Fran­zis­kus kein Papst und hat kei­ner­lei Auto­ri­tät und ent­behrt ja auch, wie jeder sehen und hören kann, der Assi­sten­tia nega­ti­va, mit der Gott jeden gül­tig gewähl­ten Papst vor der von ihm betrie­be­nen Zer­stö­rung Sei­ner Kir­che bewahrt.

    Die rich­ti­ge Basis­prä­mis­se ist: Bene­dikt ist der ein­zi­ge leben­de und regie­ren­de Papst, egal was er sel­ber glaubt. Fran­zis­kus ist nicht Papst, was er auch täg­lich mit kir­chen­zer­stö­re­ri­schen Aktio­nen beweist.

    Aus die­ser rich­ti­gen Prä­mi­se her­aus muss auch nicht das 1. Vati­ka­num mit der päpst­li­chen Unfehl­bar­keit in Fra­ge gestellt wer­den und Chri­stus hat in Mt 16 18 nicht gelo­gen und bleibt als nicht Lüg­ner Gott und wir kön­nen den katho­li­schen Glau­ben behal­ten und brau­chen ihn nicht ver­wer­fen.

  11. De jure ist Ber­go­glio sicher­lich der recht­mä­ßi­ge Papst. Dar­an habe ich — trotz eini­ger Ein­wän­de und manch offe­ner Fra­gen — eigent­lich kei­nen Zwei­fel.

    De fide ist und bleibt der wah­re Papst jedoch bis zu sei­nem seli­gen Hin­schei­den Bene­dikt XVI. Auch dar­an zweif­le ich nicht im geringsten.Ist er nicht ein Mann des Gebets? Was noch kommt, wird man sehen.

    Die wah­re katho­li­sche Kir­che welt­weit scheint sich offen­kun­dig und wie nie in ihrer 2000jährigen Geschich­te im Kampf gegen die Mäch­te der Fin­ster­nis zu befin­den. Der End­kampf? Vie­le Zei­chen deu­ten dar­auf hin. Hof­fen und beten wir, dass die­ser Kampf — „Gut gegen Böse“ — nicht all­zu lan­ge andau­ern wird. Das Gute muss/wird am Ende sie­gen!

  12. An alle Kom­men­ta­to­ren!
    Bit­te in die Such­ma­schi­ne Goog­le ein­ge­ben:
    „Ich mische mich nicht ein“ — katholisch.de
    und
    Ohne die Last sei­nes Amtes: Vater Bene­dikt im Gespräch — FAZ
    Aus bei­den Arti­keln geht klipp und klar her­vor, dass Papst Bene­dikt XVI. selbst nach sei­ner Abdan­kung schlicht und ein­fach „Vater Bene­dikt“ genannt wer­den woll­te, aber zu schwach war, das auch durch­zu­set­zen.
    Wie ist er dann wirk­lich zu dem omi­nö­sen Titel „Eme­ri­tier­ter Papst“ gekom­men, der jetzt soviel Ver­wir­rung stif­tet?
    Ich wäre hoch­er­freut und dank­bar, wenn mir das in die­sem Forum jemand stich­häl­tig beant­wor­ten könn­te!

  13. Was an den 11. Febru­ar geschah, läßt sich nur mit einem Wort beschrei­ben: Sprach­lo­sig­keit. Es muß­te doch sehr ver­wun­dern, daß nicht ein ein­zi­ger der beim Kon­si­sto­ri­um anwe­sen­den Kar­di­nä­le den Papst noch ein­mal gefragt hat, ob man denn Papst Bene­dikt XVI. rich­tig ver­stan­den hat, war­um kei­ner der anwe­sen­den Emi­nen­zen nicht den Mut gefun­den hat zu fra­gen: „Hei­li­ger Vater, ist es wirk­lich Euer erklär­ter Wil­le, vom mumus Petrinum zurück­zu­tre­ten?“ Und dann viel­leicht zu erklä­ren, was danach eigent­lich mit sei­ner Per­son gesche­hen soll­te: „Ihr wer­det nur noch ein ein­fa­cher Bischof sein, der nur noch als außer­or­dent­li­cher Spen­der der Sakra­men­te bischöf­li­che Funk­tio­nen haben kann!“

    Eigent­lich ist der Papst nur noch eme­ri­tier­ter Bischof von Rom und eme­ri­tier­ter Erz­bi­schof von Lati­um, sonst nichts, sobald er vom Amt des Pap­stes zurück­tritt. Natür­lich steht es dem Papst frei, vom Amt zurück­zu­tre­ten, aber er ver­liert dann eigent­lich sei­nen Titel. Mit der Selbst­ver­lei­hung des Ehe­n­ti­tels „Papa eme­ri­tus“, samt der Bei­be­hal­tung des Papst­na­mens war eigent­lich ein Kon­kla­ve nach dem 28.02.2013 unmög­lich, es gab ja ein Papst.

    Es war der Camer­len­go Ber­to­ne, der das Kon­kla­ve 2013 orga­ni­siert hat. Nicht zufäl­lig war er vor­her Kar­di­nal­staats­se­kre­tär und der wohl eng­ste vetrau­ens­wür­di­ge Mit­ar­bei­ter von Ratz­in­ger und Bene­dikt XVI. Und somit dach­ten alle, es käme wohl ein Kar­di­nal aus der „Schu­le“ Ratz­in­ger zur Papst­wür­de. Der Schrei­ber die­ser Zei­len hat aber etwas ande­res gese­hen. In der Aula, wo der Rück­tritt ver­kün­det wur­de und wäh­rend der Pre­digt des Pap­stes con­si­sto­rio duran­te tra­fen sich wohl nicht zufäl­lig die Blicke von Bene­dikt XVI. und Jor­ge Mario Ber­go­glio zu ent­schei­den­den Sät­zen und Tei­len: „… mei­nem Nach­fol­ger…“ „Der näch­ste, den Ihr unter Euren Rei­hen bestimmt…“ Das läßt sich durch ent­spre­chen­de Video­ana­ly­se bele­gen. Das Spiel war also von vor­ne­her­ein abge­macht. Und dazu kom­men nun ernst­zu­neh­men­de Berich­te, nach denen es eben nicht Ray­mond Leo Kar­di­nal Bur­ke son­dern Ange­lo Kar­di­nal Sco­la war, den unent­weg­te Kon­ser­va­ti­ve, die noch nichts ver­stan­den hat­ten noch als Kar­di­nal hoch­ge­hal­ten wur­de, inbe­son­de­re von den ita­lie­ni­schen Kar­di­nal­elek­to­ren.

    Es geht dann wohl nicht mehr dar­um, daß dann durch das Kon­kla­ve ein Papst gewählt wor­den ist, der nicht ein­mal das cha­ris­ma epi­scopa­le hat, son­dern dar­um, daß über­haupt gewählt wor­den ist, unter den Bedin­gun­gen, die Papst Bene­dikt XVI. ange­setzt hat­te. Wie auch immer, es ist kano­nisch und mit abso­lu­ter Sicher­heit auch dog­ma­tisch ein Unding, daß ein zurück­tre­ten­der Papst zugleich:
    1) sich das Recht vor­be­hält, die wei­ße Sou­ta­ne und den wei­ßen Pileo­lus zu behal­ten, dazu den Papst­na­men wei­ter­führt und
    2) Die Sedis­va­kanz ver­kün­det und zugleich das Recht des Kar­di­nals­kol­le­gi­ums zum Abhal­ten eines Kon­kla­ves betont, obwohl es noch einem Papst gibt — ihn selbst.

    Nach über­zeu­gen­den Quel­len war es Georg Gäns­wein, der ihm dazu gera­ten hat, eben jener „Die­ner zwei­er Her­ren“, die­sen Dop­pel­schritt (zwei vor — andert­halb zurück) zu gehen. Nicht in den Hand­lun­gen des jet­zig regie­ren­den Pap­stes steht das Schis­ma, son­dern im ja aus histo­ri­scher Sicht eigent­lich skan­da­lö­sen Rück­tritt Papst Bene­dikts, der die dop­pel­te Exi­stenz von zwei Päp­sten der Hei­li­gen Römisch-Katho­li­schen Kir­che erst ermög­licht hat. Daß er, Papst Bene­dikt XVI., eben sich ver­hal­ten hat, wie die Rock­röh­re Mari­us Mül­ler-West­er­ha­gen, der nach sei­nem Come­back gegrölt hat „Ich bin wie­der hier, in mei­nem Revier, war nie wirk­lich weg, hab‘ mich nur ver­steckt…“, ist eben aben­teu­r­lich. War­um Papst Bene­dikt XVI. sich in den Vati­kan und nicht sei­ne baye­ri­sche Hei­mat zurück­ge­zo­gen hat, wo ihm auch ein bar­rie­re­frei­es Haus zur Ver­fü­gung gestan­den hat, läßt sich nur noch mit der Rol­le von Georg Gäns­wein erklä­ren, die Gäns­wein im Leben von Ratzinger/Benedikt XVI. immer gespielt hat, die des „Schat­ten­manns“, des H. R. Hal­de­man, des Curio. Er ist es, der alle Doku­men­te, die über den Schreib­tisch von Ratzinger/Benedikt XVI. gegan­gen sind mit­ge­le­sen hat, der die Bän­der des Apo­sto­li­schen Hau­ses hört und die Abschrif­ten unter­nom­men hat.

    Nie­mals hat ein Prä­fekt des Apo­sto­li­schen Hau­ses eine der­art lan­ge Zeit die­se Posi­ti­on inne­ge­habt. Und, was nicht vie­le wis­sen. Als Sekre­tär des Kar­di­nal­de­kans, der das Kon­kla­ve lei­tet, war er mit­tel­bar auch Teil­neh­mer — ja ein­zi­ger Nicht-Kar­di­nal als Mit­wis­ser des Kon­kla­ve 2005, in dem damals Ber­go­glio unter­le­gen war. Die Fähr­ten von Ber­go­glio und Gäns­wein haben sich also schon damals gekreuzt. Ist es dann ein Wun­der, daß bei­de Päp­ste nun durch Gäns­wein unrett­bar mit­ein­an­der ver­knüpft sind? Es gibt einen japa­ni­schen Film des Fil­me­mei­sters Take­shi Kita­no, „Dol­ls“, eines Bun­ra­kus um zwei durch eine unglück­li­che Lie­be bis in den Tod ver­bun­de­ne Men­schen, einen Yaku­za-Prin­zen und sei­ne trau­ma­ti­sier­te Gelieb­te. So tau­meln bei­de Fran­zis­kus und Bene­dikt XVI., anein­an­der­ge­ket­tet durch das Wir­ken von Gäns­wein, in den Abgrund, der nur durch den Tod der bei­den Päp­ste — hor­ri­bi­le dic­tu — gemil­dert wird.

    • Sehr geehr­ter Herr Chri­stoph Rhein!

      Viel­leicht gab/gibt es ja wirk­lich eine irgend­wie gear­te­te „Abma­chung“ zwi­schen Bene­dikt XVII. und Fran­zis­kus, etwa sol­cher­ma­ßen: ;Ich, Bene­dikt, sehe mich auf­grund mei­ner alters­be­dingt nach­las­sen­den phy­si­schen Kräf­te zum einen, zum ande­ren – und dies haupt­säch­lich — wegen diver­ser Blocka­den in mei­nem direk­ten Umfeld nicht mehr imstan­de, mei­ne Zie­le zu ver­wirk­li­chen und die in mich gesetz­ten Erwar­tun­gen zu erfül­len. Du, Jor­ge Mario Ber­go­glio, lagst beim letz­ten Kon­kla­ve stim­men­mä­ßig ja schon mal knapp hin­ter mir und hät­test , wenn ich jetzt zurück­tre­te, die Chan­ce, als amtie­ren­der Papst den viel­fäl­ti­gen Blockie­rer-Ring, der mich extrem behin­dert, zu zer­schla­gen und es bes­ser zu machen, als ich es noch ver­mag.‘

      Na ja, klingt zuge­ge­be­ner­ma­ßen ein biß­chen arg sim­pel, aber …

      … viel­leicht hat­te B.XVI. das im Prin­zip tat­säch­lich so emp­fun­den und in jenem vati­ka­nisch unbe­la­ste­ten Kar­di­nal aus Argen­ti­ni­en sein mög­li­ches päpst­li­ches „alter ego“ gese­hen? ‚Ich eme­ri­tie­re, aber blei­be den­noch wei­ter­hin Papst und bete (für dich). Und du wirst Papst und regierst (für mich).‘ — Men­schen­kennt­nis scheint, wie all­ge­mein bekannt, nicht gera­de Joseph Ratz­in­gers gro­ße Stär­ke zu sein. Und der schlaue Jesu­it und erfah­re­ne Pero­nist Ber­go­glio hat die­ses Spiel­chen mit­ge­macht und nach gelun­ge­nem Streich leich­ten Her­zens auf rote Papst-Mozet­ta, rote Schu­he und Woh­nen im Papst­pa­last ver­zich­tet. Und hat somit bis zur Stun­de nahe­zu freie Hand bei der geschick­ten Durch­füh­rung sei­ner eige­nen, befrei­ungs­theo­lo­gisch aus­ge­rich­te­ten Agen­da (und sei­nes ihm beson­ders nahe­ste­hen­den Freun­des- und Bera­ter­krei­ses).

      Nur eines wäre viel­leicht noch zu erfor­schen: Wie lässt sich all das ver­wir­ren­de, undurch­sich­ti­ge, spal­te­ri­sche Gesche­hen und Gezer­re der­zeit in der katho­li­schen Kir­che eigent­lich vom katho­li­schen Stand­punkt aus beur­tei­len: glau­bens- und lehr­mä­ßig, also theo­lo­gisch, und natür­lich gleich­zei­tig auch im Licht der bibli­schen Über­lie­fe­rung und der katho­li­schen Tra­di­ti­on? Vor allem: Wie lässt es sich ein­ord­nen in den Ablauf der christ­li­chen Heils­ge­schich­te? Und neben­bei: Wel­che Rol­le spielt eigent­lich bei der gan­zen Sache die Frei­mau­re­rei?

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