Franziskus bestätigt Kardinal Schönborn im Amt, dennoch geht seine Ära zu Ende

Zum 75. Geburtstag von Christoph Kardinal Schönborn

Christoph Kardinal Schönborn wurde heute 75. Papst Franziskus verlängerte seine Amtszeit als Erzbischof von Wien, dennoch geht die Ära Schonborn zu Ende.
Christoph Kardinal Schönborn wurde heute 75. Papst Franziskus verlängerte seine Amtszeit als Erzbischof von Wien, dennoch geht die Ära Schonborn zu Ende.

(Rom) Kar­di­nal Chri­stoph von Schön­born OP wur­de erwar­tungs­ge­mäß gestern von Papst Fran­zis­kus als Erz­bi­schof von Wien bestä­tigt. Heu­te begeht der Vor­sit­zen­de der Öster­rei­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz sei­nen 75. Geburts­tag. Trotz der Bestä­ti­gung geht die Ära Schön­born in Wien zu Ende.

Der Kar­di­nal stammt aus dem Geschlecht der Gra­fen von Schön­born, deren Spu­ren sich bis in die Zeit von Kai­ser Fried­rich I. Bar­ba­ros­sa ins Hoch­mit­tel­al­ter zurück­ver­fol­gen las­sen, als sie der rhei­ni­schen Rit­ter­schaft ange­hör­ten. Neben zahl­rei­chen Diplo­ma­ten und einem öster­rei­chi­schen Justiz­mi­ni­ster stell­te die Fami­lie eine gro­ße Zahl kirch­li­cher Wür­den­trä­ger, dar­un­ter Fürst­bi­schö­fe von Würz­burg und einen Kur­für­sten in der Per­son eines Erz­bi­schofs von Mainz. Auf sie gehen neben ande­ren Kir­chen die Würz­bur­ger Hof­kir­che und die bekann­te Wall­fahrts­kir­che Vier­zehn­hei­li­gen in ihrem heu­ti­gen Erschei­nungs­bild zurück.

Wiens Erz­bi­schof Chri­stoph Graf von Schön­born ist bereits der drit­te Kar­di­nal sei­ner Fami­lie. Vor ihm hat­ten schon Fran­zis­kus von Pau­la Graf von Schön­born, Bischof von Bud­weis und Erz­bi­schof von Prag, und Dami­an Hugo Graf von Schön­born, Fürst­bi­schof von Spey­er und Fürst­bi­schof von Kon­stanz, das Kar­di­nal­spur­pur erhal­ten.

Schön­born wur­de am 22. Jän­ner 1945 auf Schloß Skal­ken bei Leit­me­ritz im Sude­ten­land gebo­ren. Nach Kriegs­en­de wur­de die Fami­lie, da Deut­sche, aus dem von der Tsche­chi­schen Repu­blik bean­spruch­ten Gebiet ver­trie­ben. Der Sohn eines Frei­mau­rers – die Eltern trenn­ten sich Anfang der 60er Jah­re – trat 1963 in den Domi­ni­ka­ner­or­den ein und wur­de 1970 zum Prie­ster geweiht. 1991 ernann­te ihn Papst Johan­nes Paul II. zum Weih­bi­schof von Wien und Titu­lar­bi­schof von Sutri­um. 1995 stieg er nach einer bei­spiel­lo­sen Medi­en­kam­pa­gne gegen Hans Her­mann Kar­di­nal Gro­er OSB zum Erz­bi­schof von Wien auf und wur­de 1998 in das Kar­di­nals­kol­le­gi­um auf­ge­nom­men. Seit jenem Jahr steht er auch als Vor­sit­zen­der der Öster­rei­chi­schen Bischofs­konferenz vor.

Im Dezem­ber 2019 gab er bekannt, an Krebs erkrankt zu sein. In die­sem Zusam­men­hang erfolg­te auch sei­ne Ankün­di­gung, bei der Früh­jahrs­voll­ver­samm­lung der Bischö­fe das Amt des Vor­sit­zen­den abzu­ge­ben. Die regu­lä­re Amts­zeit wür­de erst im Herbst 2022 enden. Sein Nach­fol­ger an der Spit­ze der Bischofs­kon­fe­renz wird Msgr. Franz Lack­ner OFM, seit 2013 Erz­bi­schof von Salz­burg und seit 2015 stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Bischofs­kon­fe­renz. Erz­bi­schof Lack­ner gehört dem Fran­zis­ka­ner­or­den an.

Mit Voll­endung des 75. Lebens­jah­res müs­sen Diö­ze­san­bi­schö­fe dem Papst ihren Rück­tritt anbie­ten, so schreibt es das Kir­chen­recht seit Papst Paul VI. vor. Das Rück­tritts­an­ge­bot von Kar­di­nal Schön­born wur­de von Papst Fran­zis­kus jedoch erwar­tungs­ge­mäß abge­lehnt und sei­ne Amts­zeit auf unbe­stimm­te Zeit ver­län­gert. Kon­kret bedeu­tet das eine Ver­län­ge­rung von min­de­stens zwei Jah­ren oder auch län­ger. Aller­dings deu­tet das Erz­bis­tum Wien in sei­ner Aus­sendung einen bal­di­gen Wech­sel an, der mit dem Gesund­heits­zu­stand des Kar­di­nals zusam­men­hän­gen dürf­te. Wört­lich heißt es in der Ver­öf­fent­li­chung zur römi­schen Ent­schei­dung:

„In der Pra­xis bedeu­tet die­se als beson­ders ehren­voll gel­ten­de Rege­lung, dass in Ruhe das Ver­fah­ren zur Fin­dung eines geeig­ne­ten Nach­fol­gers durch­ge­führt wird. Die Abbe­ru­fung des der­zei­ti­gen Erz­bi­schofs von Wien wird dann vor­aus­sicht­lich zeit­gleich mit der Bekannt­ga­be sei­nes Nach­fol­gers erfol­gen. Wann das sein wird, ist offen. In ver­gan­ge­nen Fäl­len betrug die­se Zeit­span­ne oft mehr als ein Jahr, kann aber auch kür­zer aus­fal­len.“

Dazu erklärt die Aus­sendung auch schon das „Ver­fah­ren zur Fin­dung eines Nach­fol­gers“.

Im Zuge der dop­pel­ten Fami­li­en­s­syn­ode fand der Kar­di­nal schnel­len Zugang zu Papst Fran­zis­kus. Des­sen umstrit­te­ne Absicht, wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne zu den Sakra­men­ten zuzu­las­sen erfuhr durch Schön­born „Gra­dua­li­täts­theo­rie“ maß­geb­li­che, intel­lek­tu­el­le Unter­stüt­zung. Des­halb beauf­trag­te Fran­zis­kus im April 2016 Schön­born das umstrit­te­ne nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia im Vati­kan der Öffent­lich­keit vor­zu­stel­len, wäh­rend das Kir­chen­ober­haupt sich in den fol­gen­den Mona­ten auf die Posi­ti­on zurück­zog, auf Nach­fra­gen nicht zu ant­wor­ten, son­dern auf die Aus­füh­run­gen Schön­borns zu ver­wei­sen.

Zuletzt hat­te die drit­te AIDS-Gala, die Schön­born im ver­gan­ge­nen Novem­ber erneut im Wie­ner Ste­phans­dom durch­füh­ren hat­te las­sen, für Empö­rung unter gläu­bi­gen Katho­li­ken gesorgt. Weni­ge Tage nach dem Homo-Spek­ta­kel wur­de der Kar­di­nal ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert und muß­te ope­riert wer­den.

Die Ära Schön­born in Wien geht zu Ende.

Die Redak­ti­on wünscht dem Kar­di­nal eine gute Gene­sung und alles Gute zu sei­nem Geburts­tag.


Zum Ende der Ära Schön­born sie­he:

Zur Ära Schön­born all­ge­mein:

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Erz­bis­tum Wien (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Kar­di­nal Schön­born, der auf sei­ner Anti-Linie wird erwar­tungs­ge­mäß bestä­tigt, gläu­bi­ge Kar­di­nä­le wer­den in den Ruhe­stand ver­ab­schie­det.

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