Kardinal Christoph Schönborn – Was wird bleiben?

Gedanken zum sich abzeichnenden Ende einer Ära

Kardinal Christoph Schönborn und eine seiner mehrfach wiederholten Thesen: Was bleibt von seiner Ära als Erzbischof von Wien (seit 1995) und Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz (seit 1998)?
Kardinal Christoph Schönborn und eine seiner mehrfach wiederholten Thesen: Was bleibt von seiner Ära als Erzbischof von Wien (seit 1995) und Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz (seit 1998)?

Von Wolf­ram Schrems*

Kar­di­nal Schön­born ist aller Wahr­schein­lich­keit nach an das Ende sei­ner Amts­zeit ange­langt. Sein Rück­tritts­ge­such hat er bereits ein­ge­reicht. Am 22. Jän­ner wird er sein 75. Lebens­jahr vollenden. 

Der­zeit labo­riert er an den Fol­gen eines Lun­gen­in­fark­tes, den er Anfang Dezem­ber erlit­ten hat. „Bis in den Jän­ner hin­ein“ sind laut Diö­ze­san­home­page alle Ter­mi­ne abgesagt.

Am Vor­abend des ersten Advent­sonn­tags führ­te er bereits zum drit­ten Mal eine soge­nann­te „Bene­fiz­ver­an­stal­tung“ anläß­lich des Welt-AIDS-Tages im Ste­phans­dom durch. Die­se stell­te bekannt­lich gleich­zei­tig eine Platt­form für Homo­se­xu­el­len­pro­pa­gan­da dar, somit ein gewal­ti­ges Ärgernis. 

Nach­dem jetzt eine Ära der öster­rei­chi­schen Kir­chen­ge­schich­te zu Ende geht und weil ich um mei­ne Mei­nung gefragt wor­den bin, eini­ge resü­mie­ren­de Bemer­kun­gen auf dem Hin­ter­grund der kirch­li­chen Gesamtsituation:

Wenn man die Ära Schön­born mit einem prä­gnan­ten Begriff cha­rak­te­ri­sie­ren will, kommt einem sogleich das Wort „irre­al“ in den Sinn.

Das Unwirkliche als Markenzeichen von Kardinal Schönborn

Die Schön­born­sche Lehr­ver­kün­di­gung, sei­ne Inter­views und sei­ne Poli­tik  ver­wei­sen in das Reich des Bizar­ren, des Aber­wit­zes, des Nicht­sei­en­den. Wir füh­len uns an die Gegen­spie­ler der sokra­ti­schen Phi­lo­so­phie erin­nert, an die Sophi­sten, die nach einer bekann­ten pla­to­ni­schen Defi­ni­ti­on als „Ver­fer­ti­ger fik­ti­ver Rea­li­tä­ten“ (Josef Pie­per) gelten. 

Genau das trifft auf den Kar­di­nal zu. 

Dazu drei Beispiele:

In einem Inter­view mit dem Mit­be­grün­der der „Alpha-Kur­se“, dem angli­ka­ni­schen Prie­ster Nicho­las („Nicky“) Gum­bel (der natür­lich kein Prie­ster ist, weil die angli­ka­ni­schen Wei­hen nich­tig sind, Schön­born weiß das selbst­ver­ständ­lich) sag­te Schön­born nach aus­führ­li­cher Behand­lung sei­nes Ver­hält­nis­ses zu Papst eme­ri­tus Bene­dikt auf die Fra­ge nach sei­ner Bezie­hung zu Papst Fran­zis­kus (bei 16:51) allen Ern­stes und gera­de­zu mit dem Aus­druck der Verzückung:

Pope Fran­cis is just a joy. It is amazing.

Ist das nicht verrückt?

Wie kann man so einen Unsinn sagen? Ist das nicht erschüt­ternd, daß ein Kar­di­nal der Kir­che hier einen pro­te­stan­ti­schen Chri­sten, der allem Anschein nach ein Mann bonae volun­ta­tis ist, der­ma­ßen in die Irre führt? 

Auch wenn man zuge­steht, daß die­se Aus­sa­ge bei einer Kon­fe­renz Mit­te Mai 2013, also erst zwei Mona­te nach der Wahl von Papst Fran­zis­kus, getrof­fen wur­de, muß­te der Kar­di­nal doch um die ideo­lo­gi­sche Aus­rich­tung des neu­en Pap­stes und um sei­ne Vor­ge­schich­te Bescheid wis­sen. Er muß­te wis­sen, daß die St. Gal­len — Grup­pe end­lich Papst Bene­dikt los­ge­wor­den war und einen Revo­lu­tio­när auf den Thron Petri gehievt hat­te. Und die­ser wür­de doch vie­les von dem zer­stö­ren, was Bene­dikt auf­ge­baut hat­te, der­je­ni­ge Bene­dikt, in des­sen Schü­ler­kreis Schön­born doch Mit­glied ist. Just a joy? Weil end­lich jemand gewählt wur­de, der den freud­lo­sen Vor­gän­ger ablö­ste? Oder wie soll man das ver­ste­hen? (Aber jedes wei­te­re Nach­fra­gen stößt natür­lich ins Trü­be: Wis­sen wir, was der Kar­di­nal wirk­lich denkt? Wie er wirk­lich zu Bene­dikt stand? Und wis­sen wir, wel­che Rol­le Bene­dikt, Papst eme­ri­tus, wirk­lich spiel­te und der­zeit spielt? Weiß er es selbst?)

Wie auch immer: Die­se eupho­ri­sche Art und Wei­se sich aus­zu­drücken, ist kein gutes Zei­chen. Sie ent­spricht nicht der christ­li­chen Nüch­tern­heit und Wach­sam­keit. Sie ten­diert zwangs­läu­fig dazu, Illu­sio­nen auf­zu­bau­en und zu ver­mit­teln, also die schon erwähn­ten Fik­tio­nen zu befördern. 

Ein wei­te­res Bei­spiel für den irrea­len Cha­rak­ter der Schön­born­schen Aus­sa­gen sind sei­ne Kolum­nen in den Frei­tags­aus­ga­ben der Gra­tis­zei­tung heu­te. Hier unter­stützt der Kar­di­nal die Agi­ta­ti­on der­je­ni­gen, die den Zeit­geist bestim­men, beson­ders pro­mi­nent den Kli­ma­wahn und – nament­lich – des­sen berühm­te­ste Prot­ago­ni­stin. Der Kar­di­nal hät­te mit solch einer Kolum­ne die Gele­gen­heit, wenig­stens einen klei­nen Bei­trag zur Ver­kün­di­gung des Glau­bens zu lei­sten und den Patho­lo­gien des Zeit­gei­stes zu wider­spre­chen. Aber nein, es geht – so weit erkenn­bar, wenn man die Kolum­nen immer wie­der kon­sul­tiert – nur um die Unter­stüt­zung der glo­ba­li­sti­schen Agen­da, um Kli­ma­wan­del, Frie­den, inter­re­li­giö­se Fraternisierung.

Ein drit­tes Bei­spiel sind die Kom­men­ta­re zum Sonn­tags­evan­ge­li­um, die jeweils in der Sonn­tags­aus­ga­be der Kro­nen­zei­tung erschei­nen und vom Kar­di­nal am Sonn­tag­mor­gen in Radio Klas­sik Ste­phans­dom vor­ge­tra­gen wer­den. Hier besteht eine star­ke Ten­denz zum Ver­wäs­sern ansto­ßer­re­gen­der Pas­sa­gen. Erin­ner­lich ist etwa, daß das Gleich­nis von den bösen Win­zern (Mt 21,33ff) in Schön­born­scher Inter­pre­ta­ti­on natür­lich nicht als Kri­tik an den Juden ver­stan­den wer­den dür­fe, son­dern ganz anders. Als Preis­trä­ger der B’nai‑B’rith-Logen (Prof.-Jacob-Allerhand-Gedenkmenora) wird man sich eben so zu äußern haben. 

Im übri­gen sind die Inter­views des Kar­di­nals, etwa in der ORF-Fern­seh­pres­se­stun­de, für den Zuse­her zu quä­len­den Ereig­nis­sen gewor­den. Lan­ge, gewun­de­ne Sät­ze, Her­um­stot­tern, unkla­re Aus­sa­gen – das alles läßt die Fra­ge ent­ste­hen, wofür der Kar­di­nal nun wirk­lich steht. Im Evan­ge­li­um heißt es: „Ja, ja, nein, nein. Alles, was dar­über hin­aus­geht, ist vom Bösen“ (Mt 5,37).

Charismatischer Aufbruch?

Lei­der wer­den auch Gläu­bi­ge in die­sen Modus des Irrea­len hin­ein­ge­zo­gen, die wohl grund­sätz­lich als bonae volun­ta­tis gel­ten müs­sen. Es han­delt sich etwa um „Erneue­rungs­be­we­gun­gen“ cha­ris­ma­ti­scher Aus­rich­tung wie den Loret­to-Gebets­kreis und die Gemein­schaft Emma­nu­el. Die­se Grup­pen genie­ßen das beson­de­re Wohl­wol­len des Kardinals. 

Als lang­jäh­ri­ger Beob­ach­ter wird man fest­stel­len müs­sen, daß sie in poli­ti­schen und kir­chen­po­li­ti­schen Fra­gen nor­ma­ler­wei­se nicht die nöti­ge Nüch­tern­heit besit­zen. Cha­ris­ma­ti­sche Bewe­gun­gen ste­hen erfah­rungs­ge­mäß und qua­si per defi­ni­tio­nem mit bei­den Bei­nen fest in den Wol­ken. Sie sind „offen“ für den „Dia­log“ – und zwar mit den Falschen.

Die berühm­te „Got­tes­be­zie­hung“ u. dgl. bleibt auch Illu­si­on, wenn die Dok­trin nicht klar ist. Nicht umsonst mach­te sich die Kir­che schon so früh gro­ße Mühen, die Glau­bens­be­kennt­nis­se prä­zi­se und – im Fall des Qui­cum­que – ggf. sehr aus­führ­lich aus­zu­for­mu­lie­ren. Es macht kei­nen Sinn, evan­ge­li­ka­le und cha­ris­ma­ti­sche Andachts­for­men zu über­neh­men und dabei zwangs­läu­fig den Glau­ben der Kir­che zu ver­wäs­sern und län­ger­fri­stig ver­mut­lich ganz unkennt­lich zu machen. 

Es ist sehr scha­de, daß hier gut­wil­li­ge und sym­pa­thi­sche jun­ge Leu­te vom Zen­trum des über­lie­fer­ten Glau­bens weg­ge­führt wer­den. Und wo ist der Effekt auf die Gesellschaft? 

In die­sem Zusam­men­hang sei an beson­ders deplor­able Selb­stof­fenba­run­gen des Kar­di­nals erin­nert, die er bei einem Inter­view mit einer der genann­ten Grup­pen tätigte: 

Es ist bedau­er­lich, daß dem Kar­di­nal vie­le Wid­rig­kei­ten im Leben und schon in der eige­nen Fami­lie pas­siert sind. Von einem Hir­ten der Kir­che kann man sich aber erwar­ten, daß er sie nicht zur Schau stellt. Er soll sei­ner­seits die Gläu­bi­gen ermu­ti­gen und nicht belasten. 

Bischöfliche Verantwortung und Deep State

Man hört oft, daß ein Bischof heut­zu­ta­ge nicht so tun kön­ne, wie er ger­ne woll­te, weil er vom Appa­rat ein­ge­engt sei. Er kön­ne nicht sei­ne Gre­mi­en über­ge­hen und müs­se sich an sei­ne Rat­ge­ber hal­ten. Die staat­li­chen Arbeits­ge­set­ze wür­den ihn bezüg­lich all­fäl­li­ger Kün­di­gun­gen bin­den und so kön­ne er nicht tun, was er eigent­lich wol­le bzw. was eigent­lich gut und not­wen­dig wäre.

Aus dem Umfeld des Kar­di­nals hört man, daß die­ser selbst dar­um wis­se und sich ent­spre­chend macht­los bekenne.

Dem steht aller­dings das kirch­li­che Gesetz­buch entgegen:

Can. 381 — § 1. Dem Diö­ze­san­bi­schof kommt in der ihm anver­trau­ten Diö­ze­se alle ordent­li­che, eigen­be­rech­tig­te und unmit­tel­ba­re Gewalt zu, die zur Aus­übung sei­nes Hir­ten­dien­stes erfor­der­lich ist; aus­ge­nom­men ist, was von Rechts wegen oder auf­grund einer Anord­nung des Pap­stes der höch­sten oder einer ande­ren kirch­li­chen Auto­ri­tät vor­be­hal­ten ist.

Das CIC 1983 ist das gel­ten­de Gesetz­buch. Es ist das Gesetz­buch, das aus­drück­lich im Gefol­ge des II. Vati­can­ums, das ja bekannt­lich ein „gro­ßes Geschenk an die Kir­che“, ein veri­ta­bles „Semi­nar des Hei­li­gen Gei­stes“, ein „neu­es Pfing­sten“, einen unfaß­ba­ren „Auf­bruch in die Welt der Moder­ne“, die „Öff­nung der Türen und Fen­ster“ u. dgl. also einen schlech­ter­dings nie­mals zu revi­die­ren­den Fort­schritt dar­stellt, pro­mul­giert wurde. 

Man wird sich also dar­an hal­ten müs­sen, nicht?

Kein Amts­trä­ger kann sich her­aus­re­den: Im CIC steht es schwarz auf weiß, daß der Diö­ze­san­bi­schof mit Aus­nah­me päpst­li­cher Ver­fü­gun­gen die vol­le Gewalt in sei­ner Diö­ze­se ausübt.

Natür­lich gibt es in der Kir­che einen „Deep Sta­te“, einen „teuf­li­schen intel­li­gence ser­vice“, wie sich der ver­stor­be­ne Theo­lo­ge Bru­ne­ro Gher­ar­di­ni aus­drück­te. Das gibt es im Vati­kan und das gibt es in den rei­chen Diö­ze­sen des deut­schen Sprachraums. 

Wien ist für die Frei­mau­re­rei ein wich­ti­ger Stütz­punkt und manch­mal trifft man auf Kir­chen­leu­te, Prie­ster, Dia­ko­ne und Lai­en, die mit gro­ßem Selbst­be­wußt­sein auf­tre­ten, eine erheb­li­che Sug­ge­stiv­kraft besit­zen und gegen den Glau­ben der Kir­che arbei­ten und gläu­bi­ge Katho­li­ken ver­bal attackieren.

Woher kom­men die?

Der Kar­di­nal spielt in die­sem System ganz offen­sicht­lich mit. Aber de iure hat er nach dem CIC alle Voll­mach­ten. Das allein zählt. 

Übri­gens: Wenn man die Bestim­mun­gen für den Diö­ze­san­bi­schof im CIC 1983 (can. 381ff) liest, hat man den Ein­druck, das ist aus einem ande­ren Jahr­hun­dert. Die all­täg­li­che Wirk­lich­keit der manch­mal so genann­ten „Schmerz­diö­ze­se“ läßt fol­gen­de Bestim­mun­gen gera­de­zu uto­pisch erscheinen:

„Can. 384 — Mit beson­de­rer Für­sor­ge hat der Diö­ze­san­bi­schof die Prie­ster zu beglei­ten, die er als Hel­fer und Rat­ge­ber hören soll (…).

Can. 386 — § 1. Der Diö­ze­san­bi­schof ist gehal­ten, die Glau­bens­wahr­hei­ten, die gläu­big anzu­neh­men und die im sitt­li­chen Leben anzu­wen­den sind, den Gläu­bi­gen dar­zu­le­gen und zu verdeutlichen (…)

Can. 387 — Ein­ge­denk sei­ner Ver­pflich­tung, selbst ein Bei­spiel der Hei­lig­keit zu geben in Lie­be, Demut und Ein­fach­heit des Lebens, hat der Diö­ze­san­bi­schof alles dar­an­zu­set­zen, die Hei­lig­keit der Gläu­bi­gen ent­spre­chend der je eige­nen Beru­fung des ein­zel­nen zu fördern (…).“

Man muß das nur lesen und wird sofort bemer­ken, wie sehr das der Rea­li­tät wider­spricht. Wie schnell hat sich doch die berühm­te „Lebens­wirk­lich­keit“ in der Kir­che der all­ge­mei­nen Deka­denz angepaßt! 

Kirchenschließungen und Kirchenbedarf

In den letz­ten Jah­ren wur­den eini­ge Wie­ner Kir­chen an nicht-katho­li­sche Bekennt­nis­se ver­schenkt oder verkauft. 

Sinn­bild­lich für die Ära Schön­born ist daher etwa die im Jahr 2015 den Kop­ten geschenk­te Kir­che Maria vom Sie­ge in Fünf­haus. Die indi­schen Vin­zen­ti­ner­pa­tres, die erst weni­ge Jah­re dort gewirkt hat­ten, wur­den in die Pfar­re Am Schöpf­werk ver­setzt, von wo sie per 31. August d. J.  wie­der abge­zo­gen wurden.

Die Kir­che Maria vom Sie­ge ist von einem Bau­zaun umge­ben, aus den Kir­chen­stu­fen wach­sen die Blu­men, Müll und Laub sam­meln sich im Ein­gangs­be­reich an. Die Kop­ten kön­nen offen­bar nicht sehr oft dort sein. Zumal sie im 22. Bezirk ohne­hin eine eige­ne Kathe­dra­le haben.

Was also ist das eigent­li­che Motiv gera­de die­ser Kir­chen­ver­schen­kung? Das bleibt im Unklaren.

Anders als mit Kop­ten oder Rumä­nen wird dem Ver­neh­men nach jedes Gespräch mit der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. über den Ankauf einer Kir­che ver­wei­gert. Man bekom­me nicht ein­mal eine Ant­wort auf ent­spre­chen­de Anfragen. 

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus benützt die Pau­la­ner­kir­che mit. Das ist eine ehe­ma­li­ge Pfarr­kir­che, die jetzt zu einem Pfarr­ver­band gehört. Daher ist der Sta­tus der FSSP dort vom Wohl­wol­len des Pfar­rers abhän­gig. Da man sich nach der Got­tes­dienst­ord­nung der Novus-Ordo-Gemein­de rich­ten muß, blei­ben für die hl. Mes­sen an Sonn- und Fei­er­ta­gen und beson­ders für das Öster­li­che Tri­du­um nur ungün­sti­ge Zei­ten übrig.

Wie man aber beob­ach­ten kann, wuch­sen die Gemein­den der Über­lie­fer­ten Lit­ur­gie in den letz­ten Jah­ren ste­tig bis signi­fi­kant. Es wäre recht und bil­lig, sie kir­chen­amt­lich zu fördern. 

Über­haupt wäre die wei­te­re Ver­brei­tung der Über­lie­fer­ten Mes­se eine viel­ver­spre­chen­de Metho­de, wie­der Leu­te in die Kir­che zu bekom­men, den Glau­ben vie­ler Katho­li­ken zu stär­ken und Kon­ver­sio­nen zu erzielen.

Aber das will der Tie­fe Kir­chen-Staat ganz bestimmt nicht. Und auch der Kar­di­nal hat kein erkenn­ba­res Inter­es­se an der Alten Mes­se und an den mit ihr ver­bun­de­nen Gläu­bi­gen gezeigt. 

So wird der Weg in den lit­ur­gi­schen Abgrund und damit in das Ende einer zah­len­mä­ßig nen­nens­wer­ten Kir­che in Wien eben weitergehen. 

Vox populi – vox Dei – vox conscientiae

Wie man hören kann, ver­ste­hen man­che Gläu­bi­gen den Lun­gen­in­farkt des Kar­di­nals als Fol­ge der Blas­phe­mie weni­ge Tage zuvor im Ste­phans­dom. Also als eine Stra­fe Got­tes. Oder als einen Weck­ruf. Viel­leicht auch als „star­kes Zei­chen“ (wie eine Lieb­lings­phra­se des Kar­di­nals lautet).

Denn immer­hin habe der Kar­di­nal nicht nur die Homo­se­xu­el­len­pro­pa­gan­da im all­ge­mei­nen zu ver­ant­wor­ten, son­dern auch die bei die­sem Anlaß erzähl­te Fabel von einem durch die Got­tes­mut­ter im Ita­li­en des Mit­tel­al­ters geret­te­ten Homo­se­xu­el­len­paar. Belei­di­gun­gen der Mut­ter­got­tes wür­den, so kann man hören, „oben“ nicht gedul­det und schnell bestraft. 

Die­se Deu­tung macht durch­aus Sinn. Der Kar­di­nal hat jetzt Zeit dar­über nachzudenken.

Anbiederung an die Mächtigen 

Übri­gens liegt zwi­schen dem schänd­li­chen Vor­fall im Dom und der Erkran­kung ein wei­te­res, weni­ger bekann­tes Ereig­nis. Am Mon­tag, dem 2. Dezem­ber, fei­er­te der weit links ste­hen­de, anti­pa­trio­ti­sche und anti­christ­li­che Öster­rei­chi­sche Rund­funk das 50-Jahr-Jubi­lä­um der Reli­gi­ons­sen­dung „Ori­en­tie­rung“, von man­chen aus offen­kun­di­gen Grün­den auch „Des­ori­en­tie­rung“ genannt. 

Kar­di­nal Schön­born war natür­lich dort dabei und gab der Ver­samm­lung somit das Gewicht sei­ner geist­li­chen Auto­ri­tät. In einer schrift­li­chen Stel­lung­nah­me erklär­te er, wie­der­um kon­tra­fak­tisch und irreal: 

„Die Reli­gi­ons­be­richt­erstat­tung im ORF ist guter Jour­na­lis­mus: wert­schät­zend und sach­kun­dig, kri­tisch, ohne dabei Vor­ur­tei­le zu fällen.“

Bei der ORF-Par­ty war übri­gens auch Schlo­mo Hof­mei­ster mit von der Par­tie, der­je­ni­ge Rab­bi­ner, für den Jesus Chri­stus „in den jüdi­schen Quel­len“ nir­gends erwähnt wird. „Auch drei Stel­len im Tal­mud, die in christ­li­cher Inter­pre­ta­ti­on tra­di­tio­nel­ler­wei­se auf Jesus bezo­gen wer­den“, sei­en, so Hof­mei­ster bei einem Vor­trag vor fast sie­ben Jah­ren, „nicht mit dem Jesus der christ­li­chen Quel­len in Ein­klang zu bringen.“ 

Nein, eh nicht. Weil sie näm­lich Blas­phe­mi­en sind.

Aber kein Kar­di­nal, kein Bischof, kein Theo­lo­ge stellt so etwas heu­te richtig. 

Natür­lich nicht, weil der Kern des Glau­bens längst zur Dis­po­si­ti­on steht. Das Erste Gebot ist längst obsolet. 

Schließ­lich sei in die­sem Zusam­men­hang noch erwähnt, daß eine Adven­t­an­dacht mit Emp­fang für die Mit­ar­bei­ter des Öster­rei­chi­schen Rund­funks geplant war, aber wegen der Erkran­kung des Kar­di­nals abge­sagt wer­den mußte. 

Aber die Anbie­de­rung bei den Mäch­ti­gen wird den Kir­chen­füh­rern nichts brin­gen. Viel­leicht hät­te der Kar­di­nal öfter sei­ne Schäf­chen emp­fan­gen und stär­ken sollen? 

Was wird also bleiben von der Ära Schönborn?

Was also blei­ben wird, wenn Kar­di­nal Schön­born von sei­nem Amt zurück­tre­ten wird, ist die Ein­sicht, daß ein mög­li­cher­wei­se mit bona volun­tas voll­zo­ge­ner Beginn des bischöf­li­chen Wir­kens in den 1990er Jah­ren voll­kom­men geschei­tert ist. Der Kar­di­nal selbst hat die Gläu­bi­gen nicht gestärkt und nicht geschützt, Dog­men und Gebo­te rela­ti­viert und damit den Segen von oben blockiert. 

Es ist alles ein Trümmerfeld.

Wir wün­schen Sei­ner Emi­nenz gute Gene­sung, vor allem aber eine unver­stell­te Ein­sicht in sei­ne Ver­ant­wor­tung. Noch kann er sei­ne anstö­ßi­gen Aus­sa­gen mit dem Aus­druck der Reue retra­hie­ren. Es wäre für alle ein gro­ßer Segen.

Aber natür­lich kann er sich der Wahr­heit auch dau­er­haft und end­gül­tig ver­wei­gern. Das ist dann sei­ne Sache.

Zu Kar­di­nal Schön­born erschie­nen auf die­ser Sei­te bereits eini­ge Analysen:

Was also wird bleiben?

Der Anteil der Katho­li­ken ist in den letz­ten 20 Jah­ren in der Stadt Wien auf etwa 38% gefal­len. Welt­kirch­li­che und poli­ti­sche Umstän­de haben das begün­stigt. Aber natür­lich wird sich auch der regie­ren­de Bischof fra­gen las­sen müs­sen, was sei­ne Mit­ver­ant­wor­tung an die­sem Desa­ster ist. Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken.

*MMag. Wolf­ram Schrems, Wien, Theo­lo­ge, Phi­lo­soph, Kate­chist, Lebens­schüt­zer

Bild: Erdiö­ze­se Wien (Screen­shot)

1 Kommentar

Kommentare sind deaktiviert.