Steht die Präfektur des Päpstliches Hauses vor der Auflösung?

Was wird aus Erzbischof Georg Gänswein?

Papst Franziskus mit Erzbischof Georg Gänswein
Papst Franziskus mit Erzbischof Georg Gänswein.

(Rom) Es ist wie­der soweit. Im Vati­kan kur­sie­ren Gerüch­te, daß Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein als Prä­fekt des Päpst­li­chen Hau­ses abge­löst wer­den soll.

Zu den Stim­men, die eine unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Auf­lö­sung der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei vor­her­sa­gen, gesel­len sich auch sol­che, die Msgr. Gäns­wein, den ehe­ma­li­gen Ersten Sekre­tär von Papst Bene­dikt XVI. betref­fen. Der deut­sche Papst hat­te ihn vor sei­nem uner­war­te­ten Amts­ver­zicht zum Bischof geweiht und zum Titu­lar­erz­bi­schof von Urbi­saglia gemacht. Zugleich ernann­te er ihn zum Prä­fek­ten des Päpst­li­chen Hau­ses.

Gäns­wein blieb auch Pri­vat­se­kre­tär Bene­dikts, der sich in das Klo­ster Mater Eccle­siae in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten zurück­zog, sei­nen deut­schen Lands­mann, der ihm wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­kats treue Dien­ste gelei­stet hat­te, aber wei­ter­hin in sei­ner Nähe haben woll­te. Noch heu­te bemüht sich Gäns­wein nach Mög­lich­keit, Bene­dikt jeden Tag auf­zu­su­chen.

Papst Fran­zis­kus bestä­tig­te Gäns­wein in sei­nem Amt. Alles ande­re wäre ein unfreund­li­cher Akt gegen sei­nen Amts­vor­gän­ger gewe­sen. Zugleich ent­zog sich das neue Kir­chen­ober­haupt aber jeder Ein­fluß­nah­me, indem Fran­zis­kus den Apo­sto­li­schen Palast, wo sich die Papst­woh­nung befin­det, mied und im vati­ka­ni­schen Gäste­haus San­ta Mar­ta blieb.

Seit­her erfüllt Gäns­wein in aller Stil­le und getreu eine pro­to­kol­la­ri­schen Pflich­ten. Die Gemein­sam­kei­ten zwi­schen ihm und dem regie­ren­den Papst dürf­ten sich auch nach bald sechs Jah­ren der Zusam­men­ar­beit den­noch in Gren­zen hal­ten.

Die jüng­sten Gerüch­te spre­chen davon, daß Papst Fran­zis­kus ein Motu pro­prio vor­be­rei­te, mit dem die Prä­fek­tur des Päpst­li­chen Hau­ses abge­schafft wer­den soll. Eine „ele­gan­te“ Form, sich des deut­schen Prä­la­ten zu ent­le­di­gen, denn dem Anschein nach wür­de die Maß­nah­me nicht ihm, son­dern dem Amt gel­ten, das als „über­flüs­sig“ ein­ge­stuft wür­de?

Nicht unbe­dingt. Die Maß­nah­me könn­te auch dar­auf abzie­len, den Ein­druck von Reform­ei­fer am Leben zu erhal­ten. Kri­ti­ker wer­fen Fran­zis­kus vor, die ange­kün­dig­te Kuri­en­re­form sei nach sechs Jah­ren ein unko­or­di­nier­tes Her­um­sto­chern geblie­ben. Neben Ali­bi­ak­tio­nen las­se sich ledig­lich erken­nen, daß Fran­zis­kus den Ein­fluß in den Hän­den treu­er Par­tei­gän­ger zu kon­zen­trie­ren und sei­ne Dia­do­chen zufrie­den­zu­stel­len ver­sucht.

Ein uraltes Amt und die päpstlichen Audienzen

Die Prä­fek­tur des Päpst­li­chen Hau­ses exi­stiert in ihrer heu­ti­gen Form erst seit 1967. Ihr Ursprung dürf­te aber bis in die Anti­ke zurück­rei­chen. Sie ist für die Päpst­li­che Fami­lie zustän­dig, die durch die nach­kon­zi­lia­ren Refor­men von Paul VI. stark geschrumpft wur­de, aber noch heu­te auch die aller­dings weit­ge­hend unbe­kann­ten Päpst­li­chen Thron­as­si­sten­ten umfaßt.

Sie ist zudem tra­di­tio­nell für die Audi­en­zen ver­ant­wort­lich. Prä­fekt Gäns­wein ist es, der alle Ansu­chen um Audi­en­zen zu bear­bei­ten hät­te. Er nimmt die Besu­cher in Emp­fang und beglei­tet sie zum Papst. Über sei­nen Schreib­tisch erfolgt der Zutritt zum Kir­chen­ober­haupt. Soweit die Theo­rie. Viel­leicht woll­te Bene­dikt XVI. eine gewis­se Kon­ti­nui­tät sicher­stel­len, indem er sei­nen treu­en Sekre­tär auf die­sen Posten setz­te.

Wie dem auch sei, durch Fran­zis­kus erüb­rig­te sich die Fra­ge umge­hend. Der neue Papst gestal­tet sei­ne Ter­mi­ne zum Groß­teil selbst oder läßt sie über ande­re Kanä­le ver­wal­ten. In San­ta Mar­ta ist er der Prä­fek­tur ent­zo­gen. Gäns­wein ver­wal­tet nur die hoch­of­fi­zi­el­len Ter­mi­ne, etwa die Besu­che ande­rer Staats­ober­häup­ter, z.B. jener von US-Prä­si­dent Donald Trump. Und die lie­gen nicht allein in sei­ner Ent­schei­dungs­be­fug­nis, son­dern vor allem der des Staats­se­kre­ta­ri­ats.

Die Pri­vat­au­di­en­zen erle­digt Fran­zis­kus in San­ta Mar­ta. Wer dort aller Zugang zum Papst hat, ist den offi­zi­ell damit betrau­ten Stel­len im Vati­kan nur in Tei­len bekannt. „Sprich­wört­lich“ für die unor­tho­do­xe Besuchs­po­li­tik war die Begeg­nung mit US-Sena­tor Ber­nie San­ders. Der unab­hän­gi­ge Sena­tor der poli­tisch am wei­te­sten links posi­tio­niert ist wur­de von Fran­zis­kus bei sei­ner Bewer­bung um die Kan­di­da­tur als Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat der Demo­kra­ti­schen Par­tei unter­stützt. Das war offen­kun­dig, wur­de aber nicht zuge­ge­ben. So wur­de San­ders in den Vati­kan ein­ge­la­den, in San­ta Mar­ta ein­quar­tiert und sei Papst Fran­zis­kus ganz „zufäl­lig“ am frü­hen Mor­gen auf dem Weg zum Früh­stück begeg­net. So lau­te­te zumin­dest die offi­zi­el­le Ver­si­on, um eine „Ein­mi­schung“ in die inne­ren Ange­le­gen­hei­ten eines ande­ren Lan­des bestrei­ten zu kön­nen.

San­ders wur­de nicht der Kan­di­dat der Demo­kra­ten, aber in sei­nem Hei­mat­staat vor weni­gen Mona­ten wie­der als Sena­tor bestä­tigt.

Nun soll das Päpst­li­che Haus als eigen­stän­di­ge Behör­de auf­ge­löst und in ein Amt der Ersten Sek­ti­on des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats umge­wan­delt wer­den.

Was wird mit Erzbischof Gänswein geschehen?

Die Stim­men dazu faß­te gestern der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti zusam­men. Dem­nach soll der deut­sche Prä­lat Sekre­tär der Hei­lig­spre­chungs­kon­gre­ga­ti­on wer­den. Erst vor kur­zem hat­te Fran­zis­kus mit Ange­lo Becciu einen neu­en Prä­fek­ten an die Spit­ze der Kon­gre­ga­ti­on gestellt. Auch dabei han­del­te es sich um eine „per­so­nel­le Ent­flech­tung“. Becciu gilt als Tech­no­krat und treu­er Par­tei­gän­ger eines jeden regie­ren­den Pap­stes. Der frü­he­re Sub­sti­tut des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs Paro­lin geriet jedoch zuneh­mend in Kon­flikt mit die­sem, der eben­falls zu den Getreu­en von Fran­zis­kus gehört und sich sogar Chan­cen auf des­sen Nach­fol­ge aus­rech­net.

Fran­zis­kus löste den „Hah­nen­kampf“, indem er Becciu weg­be­för­der­te. Er mach­te ihn zum Prä­fek­ten der Hei­lig­spre­chungs­kon­gre­ga­ti­on und kre­ierte ihn zum Kar­di­nal. Der bis­he­ri­ge Sekre­tär die­ser Kon­gre­ga­ti­on, Kuri­en­erz­bi­schof Mar­cel­lo Bar­to­luc­ci, voll­endet am 4. April sein 75. Lebens­jahr. Er war von Bene­dikt XVI. 2010 in die­ses Amt beru­fen wor­den. Die Errei­chung der Alters­gren­ze erlaubt es Fran­zis­kus, Neu­be­set­zun­gen vor­zu­neh­men und even­tu­ell mit struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen zu kop­peln.

Als Kar­di­nal Joa­chim Meis­ner als Erz­bi­schof von Köln eme­ri­tiert wur­de, gab es Gerüch­te, Msgr. Gäns­wein könn­te sein Nach­fol­ger wer­den. Wie sich her­aus­stell­te, war dabei aller­dings der Wunsch eini­ger Vater des Gedan­kens

Keine Teilnehmerzahlen mehr

Tosat­ti macht im Zusam­men­hang mit dem Päpst­li­chen Haus auf eine Beson­der­heit auf­merk­sam. Bis 2017 lie­fer­te die Prä­fek­tur auch die Zah­len über die Teil­neh­mer, die an den Ver­an­stal­tun­gen mit dem Papst teil­nah­men. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­de mehr­fach beob­ach­tet und gele­gent­lich auch von Medi­en berich­tet, daß die Teil­neh­mer­zah­len, etwa an den Gene­ral­au­di­en­zen und den päpst­li­chen Zele­bra­tio­nen rück­läu­fig sind. Der Rück­gang fällt gera­de im Ver­gleich zum Pon­ti­fi­kat von Bene­dikt XVI. beson­ders ins Gewicht.

Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den plötz­lich kei­ne Zah­len mehr gelie­fert. Ab 2017 feh­len sie. Mar­co Tosat­ti frag­te im Früh­herbst bei der Prä­fek­tur nach. Dort wur­de ihm ver­si­chert, daß die Zah­len noch ver­öf­fent­licht wür­den. Seit­her geschah aller­dings nichts der­glei­chen.

„Es ent­steht der Ver­dacht, daß nach den Pole­mi­ken von 2017 über den Rück­gang der päpst­li­chen Popu­la­ri­tät wei­te­re Dis­kus­sio­nen, die durch die Ver­öf­fent­li­chung von Zah­len ent­ste­hen kön­nen, die Anlaß für neue Pole­mi­ken sein könn­ten, ver­mie­den wer­den sol­len“, so Tosat­ti.

Auch Tosat­ti bestä­tigt aus­drück­lich die Gerüch­te, daß Papst Fran­zis­kus die Absicht hege, die Päpst­li­che Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei abzu­schaf­fen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

2 Kommentare

  1. Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein soll­te ganz raus dort aus die­sen Vati­ka­ni­schen Gemäu­ern. Ein­fach, weil er mei­ner Ein­schät­zung nach zu gut für dort ist. Ein­zig um J. Ratz­in­ger wil­len, soll­te er nahe blei­ben.

  2. Mül­ler ist weg, Pell eben­falls, Ber­to­ne, Lom­bar­do der Papst­spre­cher, sein Nach­fol­ger Bur­ke, Bur­ke der Kar­di­nal, Meis­ner, Caf­farra, nur Sarah ist noch als glau­bens­treu­er Kar­di­nal im Vati­kan. Wenn Gäns­wein auch noch dezent gegan­gen wird, wird nicht mehr viel Katho­li­sches im Vati­kan sein.

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