Bilderberger „insistierten“ auf Teilnahme

Bilderberger
Bilderberger "insistierten" auf die Teilnahem von Kardinalstaatssekretär Parolin bei ihrem Jahrestreffen.

(Rom) Die Teil­nah­me von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin beim dies­jäh­ri­gen Bil­der­ber­ger-Tref­fen sorg­te inner­halb der katho­li­schen Kir­che für Auf­se­hen, Erstau­nen und Empö­rung. Wie wird die Teil­nah­me begrün­det?

Seit 1954 fin­det ein­mal jähr­lich die soge­nann­te Bil­der­berg-Kon­fe­renz statt, benannt nach einem nie­der­län­di­schen Hotel, in dem sich das erste Tref­fen erfolg­te.

Das dies­jäh­ri­ge Tref­fen ging vom 7.–10. Juni in Turin über die Büh­ne, aller­dings wie gewohnt hin­ter geschlos­se­nem Vor­hang. Bereits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te Papst Fran­zis­kus meh­re­re Bil­der­ber­ger in Audi­enz emp­fan­gen, wie die Teil­neh­mer des exklu­si­ven Zir­kels genannt wer­den, die sich strikt unter Aus­schluß der Öffent­lich­keit bespre­chen.

Bilderberger-Treffen, Turin 2018
Bil­der­ber­ger-Tref­fen 2018, offi­zi­el­le Sei­te, eini­ge The­men

Die „Geheim­tref­fen“ so mäch­ti­ger Per­sön­lich­kei­ten aus Wirt­schaft, Poli­tik und Medi­en sorgt jedes Jah­re für gro­ße Auf­merk­sam­keit und wirft Fra­gen auf.

Fra­gen wirft auch die erst­ma­li­ge Teil­nah­me des staats­recht­lich rang­höch­sten Kir­chen­ver­tre­ters nach dem Papst auf. Obwohl dem Vati­kan bekannt ist, wie umstrit­ten die Bil­der­berg-Kon­fe­ren­zen sind, lehn­te der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär die Ein­la­dung nicht ab. Im Nach­hin­ein wird beson­ders betont, daß es sich um eine Ein­la­dung gehan­delt habe. Dar­an aber bestand kein Zwei­fel.

Die US-Zei­tung Natio­nal Catho­lic Regi­ster woll­te es genau wis­sen und ließ sich von „einem Vati­kan­spre­cher“ erklä­ren, war­um ein Kar­di­nal­staats­se­kre­tär an einem sol­chen „Geheim­tref­fen“ teil­nimmt. Um wel­chen „Spre­cher“ es sich dabei han­del­te, wird nament­lich nicht ent­hüllt. So weit woll­te sich offen­bar nie­mand im Vati­kan aus dem Fen­ster leh­nen, was die Bri­sanz der Ange­le­gen­heit unter­streicht.

Die Zei­tung gab die Begrün­dung der Teil­nah­me durch den unge­nann­ten „Spre­cher“ wie folgt wie­der:

„Kar­di­nal Pie­tro Paro­lin, Sekre­tär des Vati­kan­staa­tes, hat die Ein­la­dung zur Teil­nah­me an dem umstrit­te­nen und gehei­men Bil­der­berg-Tref­fen am Beginn die­ses Monats ange­nom­men, um die Leh­re der Kir­che zu einer Grup­pe zu brin­gen, die sie sonst nicht hören wür­de.“

Die ita­lie­ni­schen Orga­ni­sa­to­ren des dies­jäh­ri­gen Tref­fens, das am histo­ri­schen Fir­men­sitz des Auto­mo­bil­kon­zerns FIAT statt­fand – die Fami­lie Agnel­li-Elkann war seit den 50er Jah­ren an allen Tref­fen prä­sent –, hät­ten mit sol­chem Nach­druck auf die Teil­nah­me des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs bestan­den.

„Der Kar­di­nal hat die Teil­nah­me ent­schie­den, nach­dem die ita­lie­ni­schen Orga­ni­sa­to­ren ihn vor sechs Mona­ten mit so viel Insi­stenz ein­ge­la­den hat­ten.“

Und wei­ter:

„Er über­leg­te lan­ge, und nach­dem er sich mit Per­so­nen sei­nes Ver­trau­ens bera­ten hat­te, beschloß er, teil­zu­neh­men.“

Was hin­ter ver­schlos­se­nen Türen bespro­chen wur­de, ist nicht bekannt. Die The­men auf der Tages­ord­nung wur­de aller­dings im Vor­feld offi­zi­ell vom Bil­der­ber­ger-Sekre­ta­ri­at ver­öf­fent­licht (sie­he auch Erst­mals Kar­di­nal­staats­se­kre­tär beim Bil­der­ber­ger-Tref­fen – „Riecht es bei den Bil­der­ber­gern auch nach Scha­fen?“). Der „Spre­cher des Vati­kans“ bestä­tig­te die The­men teil­wei­se, dar­un­ter den „Popu­lis­mus in Euro­pa“ und „die Welt des Post-Fak­ti­schen“. Beob­ach­ter spe­ku­lier­ten, daß die Ein­däm­mung von Wahl­er­fol­gen „unkon­trol­lier­ter“, „popu­li­sti­scher“ Kan­di­da­ten und Par­tei­en bei Wah­len – wie Donald Trump, Bre­x­it, FPÖ, Fünf­ster­ne­be­we­gung, Lega – ein Haupt­dis­kus­si­ons­punkt gewe­sen sei. Der „Spre­cher“ sag­te dazu nur, „nicht mehr sagen zu dür­fen“.

Der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär sei jeden­falls nur des­halb anwe­send gewe­sen, um die „Sozi­al­leh­re der Kir­che“ Per­so­nen dar­zu­le­gen, die sie „sonst nicht hören wür­den“.

Beson­ders beharr­te er des­halb dar­auf, daß Kar­di­nal Paro­lin „ein­ge­la­den“ wur­de und nicht von sich aus teil­neh­men woll­te. Der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär sei dabei von fol­gen­der Über­le­gung gelei­tet wor­den: Da Papst Fran­zis­kus eine „sehr wich­ti­ge Stim­me“ auf der Welt­büh­ne ist, könn­te sei­ne Anwe­sen­heit bei einem sol­chen Tref­fen von Bedeu­tung sein.

Kar­di­nal Paro­lin, wie der „Spre­cher“ bekannt­gab, hielt bei dem Tref­fen eine Rede zur „Sozi­al­leh­re der Kir­che“, auf die eine Dis­kus­si­ons­run­de folg­te, bei der die Bil­der­ber­ger Fra­gen an ihn rich­ten konn­ten.

Der Papst sei sich, so der „Spre­cher“, auf alle Fäl­le der Teil­nah­me sei­nes Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs bewußt gewe­sen wie sich auch Paro­lin „der kon­tro­ver­sen Natur“ des Tref­fens bewußt gewe­sen sei. Er sei zur Teil­nah­me aber „ermu­tigt“ wor­den, weil er „vie­le“ Bil­der­ber­ger bereits „in ande­rem Zusam­men­hang“ ken­nen­ge­lernt hat­te.

Die Geheim­hal­tung des Tref­fens die­ne der För­de­rung eines unge­zwun­ge­nen Dia­logs. In Kon­trast dazu steht jedoch, daß jedes Jahr füh­ren­de Medi­en­ver­tre­ter, die Mei­nungs­ma­cher sind, als Teil­neh­mer gela­den sind. Der „Spre­cher“ beton­te, daß das Tref­fen nach der Chat­ham-Hou­se-Regel statt­fin­de, die auch für ande­re Ver­an­stal­tun­gen gel­te. Davon kann aber kei­ne Rede sein, da nicht nur Iden­ti­tät und Zuge­hö­rig­keit geheim­ge­hal­ten wer­den, son­dern auch die Inhal­te.

Der „Spre­cher“ füg­te hin­zu, daß die Aus­füh­run­gen des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs bei den Bil­der­ber­gern „sehr gut auf­ge­nom­men“ wur­den.

Der Natio­nal Catho­lic Regi­ster wand­te sich dar­auf an die Geschäfts­stel­le der Bil­der­berg-Kon­fe­renz mit der Fra­ge, war­um die Orga­ni­sa­to­ren so gro­ßen Wert auf die Teil­nah­me des Kar­di­nal­staats­se­kre­tär gelegt hät­ten, und ob die Absicht der Tref­fen, die För­de­rung „einer glo­ba­li­sti­schen Agen­da“ sei.

Eine Ant­wort erhielt die Zei­tung nicht.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: InfoVaticana/bilderbergmeetings.org

3 Kommentare

  1. Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin wird aus­er­se­hen, den Bil­der­ber­gern sei­ne Auf­war­tung zu machen und dort eine Rede zu hal­ten.

    Es wäre sicher auf­schluss­reich zu erfah­ren, wo infol­ge des Tref­fens der bei­den Sei­ten der kon­kre­te Nut­zen für den Vat­kan liegt.
    Und wel­che Vor­tei­le erge­ben sich für die Bil­der­ber­ger?
    Was mag da bespro­chen wor­den sein?

    Die „Sozi­al­leh­re der Kir­che“ den Rei­chen und Mäch­ti­gen nahe­zu­brin­gen — dazu bedarf es nicht der Anwe­sen­heit Paro­lins.
    Mit ihr kann man sich bei genü­gend Inter­es­se auch auf ande­re Wei­se befas­sen und ver­traut machen.

  2. Dann wird die Welt jetzt ver­mut­lich viel bes­ser, sozia­ler wer­den, wenn die Damen und Her­ren Bil­der­ber­ger die katho­li­sche Sozi­al­leh­re ken­nen­ge­lernt haben! Für wie dumm muss man eigent­lich das Kir­chen­volk hal­ten, um ihm sol­che Mär­chen auf­zu­ti­schen?

  3. Der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär sei jeden­falls nur des­halb anwe­send gewe­sen, um die „Sozi­al­leh­re der Kir­che“ Per­so­nen dar­zu­le­gen, die sie „sonst nicht hören wür­den“.

    Pri­ma! Wun­der­bar! Groß­ar­tig! Das ist Evan­ge­li­sa­ti­on. Also los, geht auch zum Polit­bü­ro der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas, zur huma­ni­sti­schen Uni­on, zu den Groß­lo­gen der Frei­mau­re­rei, ja end­lich zu den Sata­ni­sten und legt die Sozi­al­leh­re der Kir­che dar! Groß­ar­tig, der exklu­siv­ste Club auf der gan­zen Welt lädt die Nr. 2 aus dem Vati­kan ein, damit er dort hin­ter ver­schlos­se­nen Türen eine Kate­che­se hält. Das mes­sia­ni­sche Reich muß auf Erden schon ange­bro­chen sein, und ich habe es nicht mit­be­kom­men.

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