Geistgewirkte Trennung von Zölibat und Priestertum?

Amazonassyonde
Papst Franziskus spricht über die Mission und verknüpft das Wirken des Heiligen Geistes mit der Amazonassynode von 2019. Wurde damit ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Einstimmung auf die Zulassung verheirateter Priester gesetzt?

(Rom) Am 1. Juni empfing Papst Franziskus in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes die Nationaldirektoren der Päpstlichen Missionswerke und redetet ihnen ins Gewissen: über den Heiligen Geist und die Amazonassynode.

Nationaldirektoren im deutschen Sprachraum sind für die Schweiz und Liechtenstein der ständige Diakon Martin Brunner-Artho, für Österreich der Zisterziensermönch P. Karl Wallner, für die Bundesrepublik Deutschland Prälat Klaus Krämer in Aachen und Msgr. Wolfang Huber in München, für Luxemburg der Priester Maurice Péporté. Die Entstehung der Päpstlichen Missionswerke geht auf das frühe 19. Jahrhundert zurück, verlief aber in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Den Anstoß gab 1819 die Gründung eines Missionsvereins durch Pauline-Marie Jaricot in Frankreich. 1922 wurden verschiedene Missionswerke zusammengefaßt, vereinheitlicht und zu einem Werk päpstlichen Rechts gemacht.

In seiner Ansprache sagte der Papst:

„Die Dinge sind immer zu erneuern: das Herz erneuern, die Werke erneuern, die Organisationen erneuern, denn andernfalls würden wir alle im Museum enden. Wir müssen erneuern, um nicht im Museum zu enden.“

Und weiter:

„Wenn die Erneuerung echt, kreativ und effizient ist, wird die Reform eurer Werke in einer Neugründung bestehen, eine Weiterbildung gemäß den Anforderungen des Evangeliums. Es handelt sich nicht einfach nur darum, die Motive einer Überprüfung zu unterziehen, um besser zu machen, was ihr bereits macht. Die missionarische Umkehr der Strukturen der Kirche (vgl. Evangelii gaudium, 27) verlangt persönliche Heiligkeit und spirituelle Kreativität. Daher: Nicht nur das Alt erneuern, sondern es zulassen, daß der Heilige Geist Neues schafft. Nicht wir: der Heilige Geist. Platzmachen für den Heiligen Geist, zulassen, daß der Heilige Geist das Neue schafft, alle Dinge neue macht (vgl. Ps 104,30; Mt 9,17; 2 Petr 3,13; Offb 21,5). Er ist der Hauptakteur der Mission: Er ist der „Büroleiter“ der Päpstlichen Missionswerke. Er ist es, nicht wir. Habt keine Angst vor Neuem, das vom gekreuzigten und auferstandenen Herrn kommen: Diese Neuigkeiten sind schön. Habt Angst vor den anderen Neuheiten: Die gehen nicht! Jene, die nicht von dort kommen. Seid kühn und mutig in der Mission, indem ihr mit dem Heiligen Geist immer in Gemeinschaft mi der Kirche Christi arbeitet (vgl. Gaudete et exsultate, 131).“

Und schließlich:

„Wie ihr genau wißt, werden wir im Oktober 2019, einem Außerordentlichen Missionsmonat, die Amazonassynode zelebrieren. Die Sorgen vieler Gläubiger, Laien und Hirten aufgreifend wollte ich, daß man sich zum Gebet und zum Nachdenken über die Herausforderungen der Evangelisierung dieser südamerikanischen Gegend trifft, in der wichtige Ortskirchen leben. Mich drängt, daß dieser Zufall uns bei der Lösung der Probleme, der Herausforderungen, Reichtum und Armut hilft, unseren Blick fest auf Jesus Christus gerichtet zu halte; uns hilft, den Einsatz im Dienst des Evangeliums für die Rettung der Männer und der Frauen, die in dieser Gegend leben, zu erneuern. Beten wir, daß die Amazonassynode die Mission auch in dieser so schwer gezeichneten, ungerecht ausgebeuteten und der Erlösung Jesu bedürftigen Weltgegend im Sinne des Evangeliums aufwerten kann.“

Geistgewirktes Neues: Von A wie Amazonaspriestertum bis Z wie Zölibatsaufhebung?

Papst Franziskus wandte sich zunächst allgemein an alle Nationaldirektoren der Päpstlichen Missionswerke und sprach über die Missionstätigkeit. Dabei legt er ihnen konkrete Handlungsanleitungen vor, „das Neue“ aus dem Heiligen Geist  anzunehmen. Schließlich leitete er auf ein konkretes Thema über: die Amazonassynode.

Sind die Worte des Papstes als Vorbereitung und Aufforderung zu verstehen, „das Neue“, die erste Etappe zur Trennung von Zölibat und Priestertum als „geistgewirkt“ zu sehen und zu akzeptieren?

Geht es um echtes Geistwirken oder um ein von bestimmten Kirchenkreisen gelenktes „Geistwirken“?

Papst Franziskus sprach diesen Zusammenhang mit keinem Wort an, was aber nicht wirklich etwas sagen will da Franziskus eine ganz eigene Kommunikationstechnik anwendet, die sogenannte Zauberformel der Kommunikation.

Im Amazonasgebiet leben 250.000–300.000 Indios, die neben ökologischen Fragen Hauptthema der Amazonassyonode sein werden. Die Vorbereitung und Organisation der Synode wurde dem eigens dafür geschaffenen Netzwerk Repam übertragen. Die führenden Repam-Vertreter, Kardinal Claudio Hummes (Gesamtvorsitzender) und der ehemalige Missionsbischof Erwin Kräutler (Repam-Brasilien),  sind entschiedene Verfechter eines „neuen Priestertums“. Seit der Wahl von Papst Franziskus arbeiten sie an einer „Amazonas-Werkstatt“ für ein neues Priestertum.

Es wird ein „Notstand“ behauptet, da Priestermangel die seelsorgliche Betreuung der Amazonas-Indios behindere. In Wirklichkeit ist der „Notstand“ weitgehend selbstgemacht. Obwohl die Indios, da erst oberflächlich christianisiert, selbst noch keine eigenen Priesteramtskandidaten hervorbringen, wird darauf beharrt, daß sie „sich selbst evangelisieren“ sollen. Missionare sollen nicht zum Einsatz kommen, weil sie Ausdruck eines zu überwindenden, „kolonialistischen“ Denkens seien – eine völlig sinnwidrige Entlehnung aus dem Fundus marxistischer Propaganda.

Um die Quadratur des Kreises zu schaffen, sollen für die Amazonas-Indios, die nicht einmal 0,01 Prozent aller Katholiken ausmachen, „neue Formen“ des Priestertum experimentiert werden.

Konkret geht es daher letztlich nicht um die Amazonas-Indios, sondern darum, über den Umweg Amazonien eine Alt-68er-Forderung nach Abschaffung des Zölibats und nach Zulassung eines verheirateten Priestertums durchzusetzen.

Kräutler kündigte Anfang des Jahres an, daß die Amazonassynode über verheiratete Priester sprechen werde.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshot)

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