„Ist die Kirche, an der Franziskus baut, die Kirche Christi?“

„Freimaurerischer Einfluß auf die Amazonassynode“ - Interview mit dem Moraltheologen Pater Cavalcoli

Pater Cavalcoli: „Ist die Kirche von Franziskus die Kirche Jesu Christi?“
Pater Cavalcoli: „Ist die Kirche von Franziskus die Kirche Jesu Christi?“

(Rom) Von „frei­mau­re­ri­schen Infil­tra­tio­nen“ im Instru­men­tum labo­ris, dem Arbeits­pa­pier der Ama­zo­nas­syn­ode, spricht der bekann­te Dog­ma­ti­ker und Domi­ni­ka­ner, Pater Gio­van­ni Caval­co­li. Die Ama­zo­nas­syn­ode wird am 6. Okto­ber eröff­net und am 27. Okto­ber abge­schlos­sen. Sie eigent­li­che Syn­oden­ar­beit wird vom 7.–26. Okto­ber statt­fin­den. Für den Theo­lo­gen stel­len sich zahl­rei­che Fra­gen, auch jene, ob die Kir­che, an der Papst Fran­zis­kus baut, wirk­lich die Kir­che Jesu Chri­sti ist.

Pater Gio­van­ni Caval­co­li gehört zu den nam­haf­te­sten Dog­ma­ti­kern. Er steht Bene­dikt XVI. sehr nahe. 2016 fand er deut­li­che Wor­te zur der­zei­ti­gen Ent­wick­lung in der Kir­che, indem er sag­te:

„Papst Fran­zis­kus ist nicht häre­tisch, aber er umgibt sich mit fal­schen Freun­den und schlech­ten Rat­ge­bern.“

Zu einer sol­chen Par­r­he­sie wird der­zeit zwar von höch­ster Kir­chen­sei­te auf­ge­for­dert, im kon­kre­ten Fall aber wenig geschätzt. Der Vati­kan distan­zier­te sich Anfang Novem­ber 2016 öffent­lich von Pater Caval­co­li wegen einer Aus­sa­ge, die die­ser in der ihm unter­stell­ten Wei­se gar nie getä­tigt hat­te.

Wur­de der Vati­kan Opfer der Medi­en, oder war die Distan­zie­rung gewollt? Der Hei­li­ge Stuhl ist spar­sam mit Distan­zie­run­gen selbst dann, wenn die­se wirk­lich not­wen­dig wären etwa zur Rich­tig­stel­lung ver­wir­ren­der oder fal­scher Aus­sa­gen, die von Medi­en als Zita­te von Papst Fran­zis­kus wie­der­ge­ge­ben wer­den. Man den­ke an die Inter­views und Gesprä­che mit Euge­nio Scal­fa­ri, dem Athe­isten aus frei­mau­re­ri­schem Haus. Die eil­fer­ti­ge Distan­zie­rung von Pater Caval­co­li mein­te offen­sicht­lich nicht so sehr die ihm unter­stell­te Aus­sa­ge, son­dern ziel­te auf eine Schwä­chung sei­nes Anse­hens in katho­li­schen Krei­sen.

In einem Inter­view mel­de­te er sich nun zur Ama­zo­nas­syn­ode zu Wort und schlug Alarm, weil es einen „ver­bor­ge­nen frei­mau­re­ri­schen Ein­fluß“ auf die Syn­ode gebe.

Fra­ge: Pater Caval­co­li, befürch­ten Sie, daß die Ama­zo­nas­syn­ode zum Werk­zeug wer­den könn­te, um die Glau­bens­leh­re und die Glau­bens­pra­xis zu ändern?

Pater Caval­co­li: Im Instru­men­tum labo­ris fin­den sich neben gesun­den Grund­sät­zen, guten Vor­sät­zen, inter­es­san­ten Aspek­ten und nütz­li­chen Vor­schlä­gen, die das Ergeb­nis einer lan­gen Vor­be­rei­tungs­ar­beit sind, auch heim­tücki­sche und gefähr­li­che und ver­bor­ge­ne, frei­mau­re­ri­sche Infil­tra­tio­nen. Sie zie­len auf eine Aner­ken­nung der scha­ma­nisch-indi­ge­nen Reli­gi­on der „Mut­ter Erde“ ab – nicht etwa in dem Sinn, daß die­se kor­ri­giert und von ihren magi­schen und pan­the­isti­schen Ele­men­ten gerei­nigt wird, son­dern ein­fach als ande­re, zu respek­tie­ren­de Reli­gi­on, die mit ihren Beson­der­hei­ten die katho­li­sche Reli­gi­on „berei­chern“ soll. Die katho­li­sche Reli­gi­on kann sich damit nicht mehr als höch­ste Reli­gi­on prä­sen­tie­ren, die allen ande­ren über­le­gen ist, son­dern nur mehr als glei­che unter glei­chen, fehl­bar und rela­tiv wie alle ande­ren auch.
Das Doku­ment ver­mit­telt nicht den Ein­druck, daß die Kir­che gegen­über den indi­ge­nen Grup­pen einen Auf­trag zur zivi­li­sa­to­ri­schen For­mung hat, die­se Völ­ker zu erhe­ben und ihnen gegen­über eine mensch­li­che und mora­li­sche Erzie­hung im Sin­ne des Evan­ge­li­ums zu ent­fal­ten. Es scheint viel­mehr als habe die Kir­che, die von den Irr­tü­mern und Unge­rech­tig­kei­ten des west­li­chen Kapi­ta­lis­mus befal­len sei, sich die Kul­tur die­ser Völ­ker zum Vor­bild zu neh­men. So als sei­en in deren „Ahnen-Weis­heit“, öko­lo­gi­scher Pra­xis, Unschuld, Güte und Gemein­schafts­sinn die Fol­gen des Sün­den­falls nicht vor­han­den. Das ist die uto­pi­sti­sche Sicht­wei­se von Jean-Jac­ques Rous­se­au. Es ist offen­sicht­lich, daß die­ser abscheu­li­che und zugleich lächer­li­che Ver­such, der aus den Zei­len des Arbeits­do­ku­ments her­aus­zu­le­sen ist, kei­nen Erfolg haben kann. Es kön­nen nur die gül­ti­gen und nütz­li­chen Ele­men­te davon blei­ben, denn eine Nach­gie­big­keit gegen­über dem genann­ten Ver­such wür­de zu einer Ver­zer­rung der Kir­che und des Chri­sten­tums füh­ren, die durch den Bei­stand des Hei­li­gen Gei­stes und die Pru­den­tia des Pap­stes, dem ober­sten Bewah­rer der katho­li­schen Wahr­heit, ver­hin­dert wer­den wird.

Fra­ge: Kann der katho­li­sche Prie­ster Ihres Erach­tens hei­ra­ten?

Pater Caval­co­li: Hier geht es nicht um mei­ne per­sön­li­che Mei­nung, son­dern um die katho­li­sche Dok­trin des Wei­he­sa­kra­ments. Es ist bekannt, daß der Zöli­bat nicht zum Wesen des Wei­he­sa­kra­ments gehört, wes­halb es ein ver­hei­ra­te­tes Dia­ko­nat gibt, also den ersten Grad des Wei­he­sa­kra­ments. Zudem konn­te zur Zeit des hei­li­gen Pau­lus ein Bischof ver­hei­ra­tet sein (1 Tim 3,2). Auch der hei­li­ge Petrus war ver­hei­ra­tet. Die Kir­che bevor­zugt den zöli­ba­tä­ren Prie­ster wegen sei­ner her­aus­ra­gen­den Nach­ah­mung Chri­sti. Es ist aber nicht aus­ge­schlos­sen, daß sie eines Tages die­sem Prie­ster­tum ein ver­hei­ra­te­tes Prie­ster­tum zur Sei­te stel­len will – nicht um den Prie­ster­man­gel zu behe­ben oder für jene, die sich nicht beherr­schen kön­nen, also als reme­di­um con­cu­p­is­cen­tiae, was ein zu nied­ri­ger Beweg­grund wäre, son­dern damit es Prie­ster gibt, die kon­kret die Wer­te und die Pro­ble­me der Fami­li­en auf­grund ihrer eige­nen Erfah­rung ver­ste­hen kön­nen. Den­noch ist klar, daß zum Zweck der Kate­che­se für das Ehe­sa­kra­ment die­se Erfah­rung nicht not­wen­dig ist. Der zöli­ba­tä­re Prie­ster hat die beste Kom­pe­tenz, was die Ver­mitt­lung der Ehe als Glau­bens­ge­heim­nis betrifft.

Fra­ge: Gibt es Ihrer Mei­nung nach über­zo­ge­ne Kri­tik am Papst?

Pater Caval­co­li: Es gibt eine legi­ti­me, lie­bens­wür­di­ge, ver­nünf­ti­ge, begrün­de­te und kon­struk­ti­ve Kri­tik, und es gibt eine nicht legi­ti­me, unver­nünf­ti­ge, bös­ar­ti­ge, lei­den­schaft­li­che, unbe­grün­de­te, ste­ri­le und zer­stö­re­ri­sche Kri­tik, die aus Unduld­sam­keit, Rück­wärts­ge­wandt­heit, Blind­heit und Vor­ei­lig­keit erfolgt, aber auch aus einem fal­schen Ver­ständ­nis der päpst­li­chen Auto­ri­tät oder sogar aus Haß, Häre­sie, Gott­lo­sig­keit bis hin zu Ver­wir­rung und Wahn­sinn. Der Papst ist wegen bestimm­ter unge­eig­ne­ter Äuße­run­gen, bestimm­ter zwei­deu­ti­ger und vor­ei­li­ger Aus­sa­gen, bestimm­ter nicht vor­bild­li­cher Aspek­te sei­nes mora­li­schen Ver­hal­tens, sei­ner Spra­che, sei­ner Pasto­ral und sei­ner Lei­tung der Kir­che sicher kri­ti­sier­bar. Die Kri­tik soll­te aber hier enden. Lei­der gehen eini­ge dar­über hin­aus, und erhe­ben Vor­wür­fe gegen sein Lehr­amt und die Gül­tig­keit sei­ner Wahl, indem sie ihn der Häre­sie bezich­ti­gen oder behaup­ten, er sei ein nicht recht­mä­ßig gewähl­ter Papst, des­sen Wahl ungül­tig sei. Eini­ge, die den Kon­trast zwi­schen der Linie des der­zei­ti­gen Pap­stes und der sei­nes Vor­gän­gers sehen, stel­len ihm den eme­ri­tier­ten Papst Bene­dikt ent­ge­gen und behaup­ten, die­ser sei der wah­re Papst. Das belei­digt natür­lich nicht nur Fran­zis­kus, son­dern auch Bene­dikt. Kri­tik die­ser Art hat kei­ne Grund­la­ge oder Berech­ti­gung, sei es, weil ein Papst kein Häre­ti­ker sein kann, sei es, weil kein Kar­di­nal, nicht ein­mal jene, die Fran­zis­kus beson­ders kri­tisch gegen­über­ste­hen, die Wahl für ungül­tig erklär­te. Selbst wenn es ein Kom­plott durch die soge­nann­te „Mafia von Sankt Gal­len“ gab, ergibt sich aus der Tat­sa­che, daß Ber­go­glio aus einem regu­lä­ren Kon­kla­ve her­vor­ge­gan­gen ist, daß sei­ne Wahl gül­tig ist. Es sind aber fal­sche Freun­de des Pap­stes, die syste­ma­tisch in toto die Ideen und Ver­hal­tens­wei­sen des Pap­stes als unfehl­bar betrach­ten. Sie glau­ben nicht an die päpst­li­che Unfehl­bar­keit, weil sie als gute Moder­ni­sten, die Unver­än­der­bar­keit der Wahr­heit leug­nen. Sie tun das nur, weil sie den Papst für ihre schmut­zi­gen Inter­es­sen instru­men­ta­li­sie­ren wol­len oder ihre Sün­den unter dem Vor­wand der Gött­li­chen Barm­her­zig­keit bil­li­gen wol­len. Ech­te Freun­de des Pap­stes sind hin­ge­gen jene, die begrün­de­te, wenn auch har­te Kri­tik an ihn rich­ten. Der Papst soll­te über fol­gen­den Psalm­vers nach­sin­nen: „Der Gerech­te mag mich schla­gen und der Treue mir Vor­wür­fe machen, aber das Salb­öl des Gott­lo­sen benet­ze nicht mein Haupt“ (Ps 141,5). Savo­na­ro­la, die hei­li­ge Katha­ri­na von Sie­na und der hei­li­ge Petrus Damia­ni waren wah­re Freun­de des Pap­stes.

Fra­ge: Sie haben immer die Mei­nung ver­tre­ten, der Papst sei schlecht bera­ten. Blei­ben Sie bei die­ser Über­zeu­gung?

Pater Caval­co­li: Mei­ne Mei­nung gewin­ne ich aus den Ideen und dem Ruf bestimm­ter Per­so­nen, die füh­ren­de Ämter an der Römi­schen Kurie oder beim Hei­li­gen Stuhl beklei­den, oder von Mas­sen­me­di­en als „Freun­de“ oder „enge Mit­ar­bei­ter“ des Pap­stes prä­sen­tiert wer­den. Das sind Per­so­nen, die aus Sicht der Glau­bens­leh­re auf ver­schie­de­ne Wei­se nicht zuver­läs­sig sind oder einen schlech­ten Ruf haben. Man ver­steht nicht, war­um der Papst sich mit sol­chen Per­so­nen umgibt, wo es mit Sicher­heit geeig­ne­te­re und bes­se­re gäbe. Er scheint sich nicht bewußt zu sein, daß das einen Schat­ten auch auf sein Ver­hal­ten und sei­ne Ideen wirft. Wenn man dann noch bestimm­te Ent­schei­dun­gen des Pap­stes sieht, bestimm­te Foto­gra­fien, bestimm­te Gesten, bestimm­te Ent­schei­dun­gen, bestimm­te Ernen­nun­gen, bestimm­te Hand­lun­gen, bestimm­te Maß­nah­men, bestimm­te Begeg­nun­gen, bestimm­te Reden von ihm liest, bestimm­te Aus­sa­gen, bestimm­te salop­pe Äuße­run­gen, ist es nicht schwer, dar­auf zu schlie­ßen – Irr­tum ist mög­lich –, daß er schlecht bera­ten ist. Aus­ge­nom­men es wür­de sich um sei­ne per­sön­li­chen Ent­schei­dun­gen han­deln, was noch schlim­mer wäre. Mir scheint, in ihm ist eine Mischung aus Nai­vi­tät und Schlau­heit fest­zu­stel­len. Mir fällt das Duo von Car­lo Collodi ein: Pinoc­chio und der Fuchs. Das sind aber schö­ne Eigen­schaf­ten für einen Papst.

Fra­ge: Mess­o­ri sag­te in einem Inter­view, daß die Kir­che nicht dem Papst oder Bischö­fen gehört, son­dern Chri­stus. Was sagen Sie dazu?

Pater Cava­co­li: Die Fra­ge, die sich heu­te vie­le in der Kir­che mit Sor­ge stel­len ist, inwie­weit und wie Fran­zis­kus Chri­stus reprä­sen­tiert, inwie­weit und wie er uns Chri­stus näher­zu­brin­gen ver­steht, uns Chri­stus ken­nen­ler­nen läßt, uns zu Chri­stus führt, er wirk­lich Chri­stus liebt und Chri­stus nach­ahmt. Ist die Kir­che, die er errich­tet, wirk­lich die Kir­che Chri­sti, oder ist es eine Kir­che sei­ner Prä­gung? Ist in sei­ner Ekkle­sio­lo­gie Raum für die himm­li­sche Kir­che oder nur für die irdi­sche? Ist es eine Kir­che der aller­hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit oder nur eine Kir­che des mensch­li­chen Fort­schritts? Ist es die Kir­che der Sakra­men­te oder nur eine Kir­che der Soli­da­ri­tät und der NGOs? Ist es die Eine Kir­che oder nur ein Kom­plex von Kir­chen, die mit­ein­an­der in Dia­log ste­hen? Ist es die uni­ver­sa­le Kir­che für die gan­ze Mensch­heit oder nur eine Kir­che, die sich auf gut nach­bar­schaft­li­che Bezie­hun­gen zu den Pro­te­stan­ten, den Ortho­do­xen, den Juden, den Mus­li­men, den Hin­dus, den Bud­dhi­sten, den Tao­isten, den Scha­ma­nen usw. zu beschrän­ken hat? Hat sein Behar­ren auf das „Neue“ und sei­ne Abnei­gung gegen das Bewah­ren Respekt für die immer­gül­ti­gen Ele­men­te der Kir­che? Kann sich die Tra­di­ti­on ret­ten oder kann alles geän­dert wer­den? Ris­kiert sei­ne Pole­mik gegen die „Starr­heit“ nicht, der Lax­heit Raum zu geben? Läßt er die nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te zu oder denkt er, daß alles ver­han­del­bar ist? Auch Chri­stus und die katho­li­sche Moral? Ist die Kir­che von Papst Fran­zis­kus die Kir­che Jesu Chri­sti oder eine ande­re? Aber Ach­tung: Besit­zen wir ein kla­res Modell der Kir­che, um beur­tei­len zu kön­nen, ob Fran­zis­kus das ver­wirk­licht oder nicht? Es ist einem Papst nicht unter­sagt, der Kir­che sei­ne Aus­rich­tung zu geben. Wir müs­sen daher vor­sich­tig sein im Urteil. So spricht man z.B. legi­ti­mer­wei­se von der Kir­che des hei­li­gen Pius V. oder des hei­li­gen Pius X. oder von Pius XII. Es ist aber immer die­sel­be Kir­che, die im Kate­chis­mus beschrie­ben ist. Fran­zis­kus scheint hin­ge­gen eine Kir­che ohne genaue Gren­zen zu kon­zi­pie­ren, eine flie­ßen­de Kir­che, die will­kür­lich akzep­tiert, wer die Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt, ihr anzu­ge­hö­ren.

Fra­ge: Am 5. Okto­ber wer­den in Rom ver­schie­de­ne Kund­ge­bun­gen statt­fin­den. Sind Sie der Ansicht, daß die Kir­che heu­te einen Moment der Ver­wir­rung in Leh­re und Pra­xis durch­lebt?

Pater Caval­co­li: In der gesam­ten Kir­chen­ge­schich­te war es noch nie wie heu­te, daß die Kir­che von so vie­len Häre­si­en aller Art heim­ge­sucht wur­de, ohne daß die Auto­ri­tät ein­greift. Der Wein­berg des Herrn wird von den Wöl­fen ver­wü­stet, und die Hir­ten schla­fen. Es ist eine gro­ße Prü­fung für das Volk Got­tes, das jedoch dank des Hei­li­gen Gei­stes, der in sei­nem Her­zen wohnt, wach­sam ist und sich zu ver­tei­di­gen weiß. Nie in der Kir­chen­ge­schich­te hat­ten wir so gebil­de­te, wache, leben­di­ge, hand­lungs­be­rei­te, freie, mit einem kri­ti­schen Sinn und sub­ti­ler Unter­schei­dungs­fä­hig­keit aus­ge­stat­tet Lai­en. Hof­fen wir, daß die Kund­ge­bun­gen in Rom die schla­fen­den und ängst­li­chen Hir­ten auf­wecken und dazu die­nen, sie zu ermu­ti­gen, dem Bei­spiel guter Prä­la­ten zu fol­gen, die sich bereits expo­niert haben, damit auch sie ihre Ver­ant­wor­tung über­neh­men im Bewußt­sein, vor Gott Rechen­schaft able­gen zu müs­sen für die ihnen anver­trau­te Her­de. Sie sol­len nicht fürch­ten, sich unpo­pu­lär zu machen, auch kei­ne Rache oder Repres­sa­li­en fürch­ten, son­dern nur durch die hei­li­ge Got­tes­furcht ange­trie­ben und durch die Lie­be gelei­tet sein, die bereit ist, ihr Leben für die eige­nen Freun­de zu geben.

Fra­ge: Ist es mög­lich, stan­des­amt­lich wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen die Kom­mu­ni­on zu spen­den?

Pater Caval­co­li: Die Fuß­no­te 351 von Amo­ris lae­ti­tia spielt auf die Even­tua­li­tät einer Erlaub­nis für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne an, zur Kom­mu­ni­on zuge­las­sen zu sein. Es han­delt sich nicht um eine wirk­li­che Erlaub­nis, die in Gel­tung ist, son­dern um eine mög­li­che oder hypo­the­ti­sche Erlaub­nis. Der Papst hat nie gesagt, eine Erlaub­nis zu ertei­len. Des­halb ist die Bestim­mung der Nr. 84 von Fami­lia­ris con­sor­tio des hei­li­gen Johan­nes Paul II. wei­ter­hin gül­tig. Jene, die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen die Kom­mu­ni­on spen­den, miß­ach­ten Amo­ris lae­ti­tia. Auch der Brief an die argen­ti­ni­schen Bischö­fe erteilt kei­ne Erlaub­nis, son­dern beschränkt sich, zu sagen, daß sie das Doku­ment gut inter­pre­tiert haben. Daher sind die von ihnen vor­ge­schla­ge­nen Fäl­le ledig­lich hypo­the­tisch und der­zeit nicht in Betracht zu zie­hen, solan­ge der Papst, wenn er meint, kei­ne aus­drück­li­che und for­ma­le Erlaub­nis in einem offi­zi­el­len Doku­ment erteilt, in dem er die vor­ge­schla­ge­nen Fäl­le bestä­tigt, was etwa in Form eines Motu pro­prio gesche­hen könn­te.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Foto: La Fede Quo­ti­dia­na

4 Kommentare

  1. Pater Caval­co­li: Die Fuß­no­te 351 von Amo­ris lae­ti­tia spielt auf die Even­tua­li­tät einer Erlaub­nis für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne an, zur Kom­mu­ni­on zuge­las­sen zu sein. Es han­delt sich nicht um eine wirk­li­che Erlaub­nis, die in Gel­tung ist, son­dern um eine mög­li­che oder hypo­the­ti­sche Erlaub­nis. Der Papst hat nie gesagt, eine Erlaub­nis zu erteilen.(Zitat aus dem Arti­kel)

    Solch eine Argu­men­ta­ti­on (sie­he den gan­zen letz­ten Absatz) ist von vor­ne bis hin­ten unse­ri­ös.

    Auch das Argu­ment „Papst Fran­zis­kus ist nicht häre­tisch, aber er umgibt sich mit fal­schen Freun­den und schlech­ten Rat­ge­bern.“ ken­ne ich zur Genü­ge sowohl in Bezug auf Paul VI. und Johan­nes-Paul II.

    Nur Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re hat­te den Mut zu sagen, dass die Päp­ste für ihr Han­deln bzw. ihren Regie­rungs­stil per­sön­lich ver­ant­wort­lich sind.

    Auch Päp­ste müs­sen sich vor dem Rich­ter­stuhl Got­tes ver­ant­wor­ten. Da kön­nen sie sich nicht damit her­aus­re­den, sie hät­ten sich mit schlech­ten Bera­tern und Rat­ge­bern umge­ben.

    Wären die Päp­ste wirk­lich so abhän­gig von ihren Bera­tern und Rat­ge­bern, dann wäre das Papst-Amt ja prak­tisch über­flüs­sig!

  2. Ein sehr guter weil sehr aus­ge­wo­ge­ner Bei­trag. Von den vie­len zutref­fen­den Aus­sa­gen Pater Caval­co­lis sei­en bloß die­se drei her­vor­ge­ho­ben.
    1.) „Papst Fran­zis­kus ist nicht häre­tisch, aber er umgibt sich mit fal­schen Freun­den und schlech­ten Rat­ge­bern“, sagt P. Caval­co­li. Kürz­lich sag­te Papst Fran­zis­kus vor jesui­ti­schen Mit­brü­dern selbst, er sei sehr „umses­sen“ (Arti­kel vom 27.9.). Viel­leicht sind es gera­de die­se fal­schen Freun­den und schlech­ten Rat­ge­bern, von denen er „umses­sen“ ist?
    2.) Sehr zu dan­ken ist P. Caval­co­li dafür, das Dia­ko­nat als den „ersten Grad“ des einen Wei­he­sa­kra­ments (Dia­kon, Prie­ster, Bischof) bezeich­net zu haben. Des­halb soll­te klar sein, dass auch das Dia­ko­nat für Frau­en unzu­gäng­lich ist.
    3.) Erschüt­ternd ist die offen­sicht­lich zutref­fen­de Fest­stel­lung P. Caval­co­lis, die Kir­che sei noch nie von so vie­len Häre­si­en heim­ge­sucht wor­den, ohne dass die Auto­ri­tät ein­grei­fe; der Wein­berg des Herrn wer­de von Wöl­fen ver­wü­ste­te, und die Hir­ten schlie­fen.

  3. Pater Caval­co­li „si arram­pi­ca sug­li spec­chi“ (=„er klet­tert an den Spie­geln hoch“;kenne kei­nen pas­sen­den dt. Aus­druck, der das so anschau­lich wie­der­gibt), um nicht zuge­ben zu mues­sen, was evi­dent ist. Der ver­nu­enf­tig­ste Satz ist „In der gesam­ten Kir­chen­ge­schich­te war es noch nie wie heu­te, daß die Kir­che von so vie­len Häre­si­en aller Art heim­ge­sucht wur­de, ohne daß die Auto­ri­tät ein­greift. Der Wein­berg des Herrn wird von den Wöl­fen ver­wü­stet, und die Hir­ten schla­fen.“ Daher ist es wider­sin­nig, Kri­ti­kern, die die Wahr­heit sagen, fol­gen­des zu unter­stel­len: „und es gibt eine nicht legi­ti­me, unver­nünf­ti­ge, bös­ar­ti­ge, lei­den­schaft­li­che, unbe­grün­de­te, ste­ri­le und zer­stö­re­ri­sche Kri­tik, die aus Unduld­sam­keit, Rück­wärts­ge­wandt­heit, Blind­heit und Vor­ei­lig­keit erfolgt, aber auch aus einem fal­schen Ver­ständ­nis der päpst­li­chen Auto­ri­tät oder sogar aus Haß, Häre­sie, Gott­lo­sig­keit bis hin zu Ver­wir­rung und Wahn­sinn.“ Sei­ne Behaup­tung, ein Papst koen­ne kein Häre­ti­ker sein, gru­en­det sich wor­auf? Haet­te er nach dem 4.10. (scha­ma­ni­scher Ritus in den Vati­ka­ni­schen Gaer­ten!) das sel­be Inter­view gege­ben?

  4. Pater Caval­co­lis weit­schwei­fi­ge, diplo­ma­ti­sche Art zu reden, drückt nur ein­mal mehr aus, was wir von unse­ren Hir­ten zur Genü­ge ken­nen. Ja — Nein — Hü — Hott, warm — kalt. Aus sei­nem Inter­view­bei­trag geht kei­ne Klar­heit her­vor.

    Nach den Stu­di­en der Pon­ti­fi­ka­te seit Pius XII. schlie­ße ich mich der Ansicht Pater Mala­chi Mar­tins an: „Alles ist vor­bei, nur das Weh­kla­gen [über die Neue Welt­re­gie­rung] kommt noch.“

    Mala­chi Mar­tin beschrieb als Autor das Drän­gen der frei­mau­re­ri­schen Bischö­fe gegen­über Papst Johan­nes Paul II. Da ist es kein Wun­der, dass der erzwun­ge­ne Rück­tritt sich unter Bene­dikt XVI. ereig­ne­te.

    Mala­chi Mar­tin: Die Frei­maue­rer im Vati­kan tun ihr Mög­lich­stes, um ihren Mann als Papst ein­set­zen zu kön­nen. Wenn ihnen das gelingt, dann wäre Satan wirk­lich der Herr­scher.“

    Caval­co­li scheint dies nicht zu sehen. Auch gegen den Zöli­vat scheint er nicht wirk­lich etwas zu haben, woit er sich ohne Pro­ble­me in die Rei­he der deut­schen Bischö­fe ein­rei­hen lie­ße.

    Caval­co­li ist und kann mei­nes Erach­tens auch nicht objek­tiv sein, da man in die­ser Kir­che schon lan­ge nicht mehr sagen und schrei­ben darf, was der immer­wäh­ren­den Leh­re und Tra­di­ti­on ent­spricht.

    Ins­ge­samt baut mich das Gesag­te nicht auf und es hin­ter­lässt den Ein­druck des Gespal­ten­seins und des Duck­mäu­ser­tums; weil ja noch irgend wer mit­le­sen könn­te.

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