Papst Franziskus: Jede Diözese hat Exorzisten zu ernennen

Exorzisten
Weltweit herrscht ein Mangel an Exorzisten, weil zahlreiche Bischöfe für ihr Bistum keine Priester damit beauftragen.

(Sant­ia­go de Chi­le) Die chi­le­ni­sche Nach­rich­ten­sei­te Por­taluz berich­te­te ver­gan­ge­ne Woche von einer „radi­ka­len Ent­schei­dung des Pap­stes“.

Die Mel­dung löste vor allem in der spa­nisch­spra­chi­gen Welt eini­ges Auf­se­hen aus. Papst Fran­zis­kus habe im „direk­ten Kampf mit dem Teu­fel“ ent­schie­den, daß „jede Diö­ze­se Exor­zi­sten zu ernen­nen hat“.

Die Mel­dung ist aller­dings gar nicht so neu. Zudem gibt es älte­re römi­sche Vor­ga­ben, die jeder Diö­ze­se eine ent­spre­chen­de Auf­la­ge machen.

Tat­sa­che ist, daß in den Diö­ze­sen gan­zer Staa­ten von der Exi­stenz von Exor­zi­sten nichts bekannt ist. Nähe­re Anga­ben oder Sta­ti­sti­ken exi­stie­ren nicht. Die katho­li­sche Kir­che hält sich offi­zi­ell in der Fra­ge sehr bedeckt. Sen­sa­ti­ons­gier und die ableh­nen­de Hal­tung einer meta­phy­sisch unsen­si­blen Umwelt haben in man­chen Welt­ge­gen­den, beson­ders in Euro­pa, die kirch­li­che Hier­ar­chie ver­an­laßt, das The­ma Exor­zis­mus und Exor­zi­sten aus der Öffent­lich­keit abzu­zie­hen. Die Sor­ge besteht, als aber­gläu­bi­sche Obsku­ran­ti­sten hin­ge­stellt zu wer­den.

Damit wird das Ter­rain aller­dings den obsku­ren Ver­zer­run­gen durch nicht kirch­li­che Krei­se oder Spiel­fil­me des Hor­ror-Gen­res über­las­sen.

Der Anstoß für die Auf­for­de­rung von Papst Fran­zis­kus erfolg­te mit der päpst­li­chen Aner­ken­nung der Inter­na­tio­na­len Exor­zi­sten-Ver­ei­ni­gung (AIE) im Jahr 2014. Die Ver­ei­ni­gung war vom 2016 ver­stor­be­nen, lang­jäh­ri­gen Hauptex­or­zi­sten der Diö­ze­se Rom, P. Gabrie­le Amor­th, gegrün­det wor­den.

Bistum Feldkirch ernannte Exorzisten

Im deut­schen Sprach­raum sind öffent­lich nur zwei Diö­ze­sen bekannt, in denen Exor­zi­sten tätig sind. Dabei han­delt es sich um das Bis­tum Chur in der Schweiz und das Bis­tum Feld­kirch in Öster­reich. In letz­te­rer Diö­ze­se erfolg­te im Herbst 2017 die Ernen­nung von zwei Exor­zi­sten. Damit reagier­te Bischof Ben­no Elbs auf die päpst­li­che Auf­for­de­rung.

Im Bis­tum Chur war bereits zuvor von Bischof Vitus Huon­der ein Exor­zist beauf­tragt wor­den.

In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat­ten laut der Nach­rich­ten­platt­form der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, katholisch.de, 2016 ledig­lich sie­ben von 27 Bis­tü­mern einen Exor­zi­sten. Um wel­che Bis­tü­mer es sich dabei han­delt, wur­de nicht genannt.

Die Inter­na­tio­na­le Exor­zi­sten-Ver­ei­ni­gung AIE klagt seit Jah­ren, daß es „viel zu wenig“ Exor­zi­sten gebe und in zahl­rei­chen Diö­ze­sen kein Prie­ster mit die­sem „Befrei­ungs­dienst“, wie die Tätig­keit des Exor­zi­sten in der Kir­che auch genannt wird, beauf­tragt wur­de.

Wie Por­taluz am 5. April berich­te­te, habe Papst Fran­zis­kus alle Diö­ze­san­bi­schö­fe „ver­pflich­tet“, für ihre Diö­ze­se „geeig­ne­te“ Prie­ster aus­zu­wäh­len und zu beauf­tra­gen, „mit ordent­li­chen und außer­or­dent­li­chen Mit­teln Satan zu bekämp­fen“.

Das Doku­ment des Hei­li­gen Stuhls mit ent­spre­chen­den Instruk­tio­nen des Pap­stes sei bereits an alle Bischö­fe ver­schickt wor­den. Das ent­spricht den Tat­sa­chen, wie die Ernen­nung von zwei Exor­zi­sten durch Bischof Elbs im Herbst 2017 bestä­tigt, und liegt schon eini­ge Zeit zurück.

Im deutschen Sprachraum kaum Reaktionen

Bezwei­felt wer­den muß jedoch, daß es sich um eine ver­bind­li­che Anwei­sung han­delt. Daher ist vor­erst auch unbe­kannt, wie vie­le Bis­tü­mer der päpst­li­chen Auf­for­de­rung tat­säch­lich gefolgt sind. Im deut­schen Sprach­raum,  ins­ge­samt an die 50 Bis­tü­mer, ist bis­her ledig­lich aus dem Bis­tum Feld­kir­che eine direk­te Reak­ti­on bekannt.

Aus Krei­sen des AIE wur­de bereits zu Leb­zei­ten Amor­ths beklagt, daß die for­ma­le Ernen­nung eines Exor­zi­sten in man­chen Bis­tü­mern als Pflicht­übung gese­hen, die­se Auf­ga­be aber nicht aus­ge­übt wer­de.

So „radi­kal“ ist die Ent­schei­dung von Papst Fran­zis­kus dem­nach gar nicht. Er rief gel­ten­de Vor­ga­ben in Erin­ne­rung, die in man­chen Gegen­den nicht oder kaum umge­setzt wur­den.

Por­taluz ist das Nach­rich­ten­or­gan einer katho­li­schen Gemein­schaft Chi­les, die in der Evan­ge­li­sie­rung und im Lebens­schutz tätig ist und maria­nisch geprägt ist. Trä­ger ist die Stif­tung Dos Pila­res (Chi­le).

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Por­taluz (Screen­shot)

3 Kommentare

  1. In Deutsch­land ist mir min­de­stens ein Bis­tum nament­lich bekannt, wel­ches einen Exor­zi­sten hat (der als sol­cher auch tätig ist).
    Es han­delt sich um das Bis­tum Augs­burg. Die­ser Exor­zist wur­de noch zu Zei­ten von Bischof Mixa (evtl. noch frü­her) ernannt.
    Lei­der weiß ich momen­tan sei­nen Namen nicht mehr.

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