Römische Ordenskongregation macht Abtei Mariawald den Garaus

Abtei Mariawald : Die römische Ordenskongregation, notorisch traditionsfeindlich, macht dem altrituellen Trappistenkloster in der Eifel den Garaus.
Abtei Mariawald: Die römische Ordenskongregation, notorisch traditionsfeindlich, macht im altrituellen Trappistenkloster in der Eifel das Licht aus.

(Aachen) „Wird vom Vati­kan die Auf­he­bung der alt­ri­tu­el­len Trap­pi­sten­ab­tei Maria­wald betrie­ben?“ So lau­te­te die Fra­ge am Beginn eines Arti­kels im Juni 2017. Inzwi­schen steht die Ant­wort fest.

Abtei Mariawald — eine geistige Insel

Wappen von Mariawald
Wap­pen von Maria­wald

Maria­wald ist neben dem Stift Engels­zell in Ober­öster­reich das ein­zi­ge Trap­pi­sten­klo­ster im deut­schen Sprach­raum. Trap­pi­sten, Zister­zi­en­ser der stren­gen Obser­vanz, sind auch unter katho­li­schen Ordens­leu­ten eine sel­te­ne Erschei­nung. Dies gilt erst recht, wenn sie an der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus fest­hal­ten.

1480 waren die ersten Zister­zi­en­ser nach Maria­wald im Bis­tum Aachen gekom­men. Die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, die preu­ßi­sche Regie­rung im Kul­tur­kampf und der Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­such­ten dem Klo­ster den Gar­aus zu machen. Doch immer gab es einen Neu­an­fang.

Zuletzt geschah das 1887 durch Trap­pi­sten aus dem Elsaß, die das Klo­ster wie­der­auf­bau­ten und zu neu­er Blü­te führ­ten. Nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil setz­te aller­dings ein Nie­der­gang ein.

Nach­dem Papst Bene­dikt XVI. mit dem Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum dem über­lie­fer­ten Ritus wie­der vol­les Hei­mat­recht in der Kir­che zurück­ge­ge­ben hat­te, bat der neue Abt des Klo­sters, Josef Voll­berg, um die Erlaub­nis zur stren­gen Obser­vanz des Ordens zurück­keh­ren zu dür­fen.

Im Juni 2017 schrieb Katholisches.info:

„Abt Voll­berg setz­te die­sen Schritt aus tie­fer Über­zeu­gung, weil er ihn in spi­ri­tu­el­ler und lit­ur­gi­scher Hin­sicht für not­wen­dig erach­te­te. Indi­rekt ver­bun­den war damit auch die Hoff­nung und Über­zeu­gung, daß durch die geist­li­che Gene­sung sich auch ein Zuwachs an Mön­chen ein­stel­len wird.“

Bene­dikt XVI. gewähr­te am 21. Novem­ber 2008 die Bit­te zur „Erneue­rung der Kir­che im Gei­ste der Tra­di­ti­on“, und so wur­de Maria­wald das erste Klo­ster im deut­schen Sprach­raum, in dem der alte Ritus wie­der auf­leb­te.

Was von Abt Voll­berg als Grund­stein für eine neue Blü­te gedacht war, hat­te die inner­kirch­li­che Feind­se­lig­keit unter­schätzt. Der Neu­be­ginn von Maria­wald scheint zusam­men mit dem über­ra­schen­den Rück­tritt von Papst Bene­dikt XVI. geen­det zu haben.

Gegner im Aufwind

Chorraum und Presbyterium mit Lettner
Chor­raum und Pres­by­te­ri­um mit Lett­ner

Das Kli­ma in der Kir­che hat sich unter Papst Fran­zis­kus geän­dert. Jene, die den Schritt von Abt Voll­berg abge­lehnt hat­ten und jene, die grund­sätz­lich der über­lie­fer­ten Form des römi­schen Ritus feind­se­lig begeg­nen, sehen sich seit­her im Auf­wind. Das päpst­li­che Unver­ständ­nis für den alten Ritus und abschät­zi­ge Äuße­run­gen über „Tra­di­tio­na­li­sten“ wur­den als Gunst der Stun­de erkannt und genützt.

Seit 2013 lau­tet der Gesamt­ein­druck: Wenn Rom gegen eine alt­ri­tu­el­le Gemein­schaft vor­ge­hen will, dreht man sich die „Argu­men­te“ zurecht, wie sie gera­de pas­sen.

Abt Voll­berg wag­te gute und deut­li­che Wor­te für die Tra­di­ti­on, den über­lie­fer­ten Ritus und auch die Kir­chen­kri­se. Zu deut­li­che Wor­te für sei­nen mehr­heit­lich neu­ri­tu­el­len Orden, das Bis­tum und die Ordens­kon­gre­ga­ti­on in Rom. Aus­schlag­ge­bend für die Ableh­nung war, daß die Abtei durch das wie­der­ge­won­ne­ne Cha­ris­ma, im besten Sin­ne des Wor­tes, zu einem Teil jener „Kon­ter-Revo­lu­ti­on“ wur­de, die ein Wesens­merk­mal der Katho­li­zi­tät ist. In revo­lu­tio­nä­ren Zei­ten macht man sich damit nicht unbe­dingt Freun­de.

Ein Teil der älte­ren Mön­che hielt gegen die Ent­schei­dung des Abtes am neu­en Ritus fest. Zwei Riten in einem Klo­ster sei­en nicht akzep­ta­bel, ließ Rom wis­sen. Und da in den Köp­fen vie­ler Kir­chen­ver­tre­ter Summorum Pontfi­cum nie wirk­lich ange­kom­men ist, kann es für so einen Fall nur eine Lösung geben: das Aus für den über­lie­fer­ten Ritus.

„In was für Hände sind wir nur“

Selbst im fer­nen Spa­ni­en fand der bekann­te Kolum­nist Fran­cis­co Fer­nan­dez de la Cigo­ña har­te Wor­te für das Vor­ge­hen der römi­schen Ordens­kon­gre­ga­ti­on:

„Wäre es nicht bes­ser gewe­sen, anstatt das Klo­ster zu schlie­ßen, die Mehr­heit der Mön­che im Klo­ster zu belas­sen und die Min­der­heit in ande­re Klö­ster zu ver­le­gen? Doch in die­sem Fall waren die ‚Tra­dis‘ die Mehr­heit, und denen gibt man nicht ein­mal Was­ser. Erneut haben Mate­pe­lo [Kar­di­nal Joao Braz de Aviz, Prä­fekt der Ordens­kon­gre­ga­ti­on] und Chá­ma­me Pepe [Kuri­en­erz­bi­schof Jose Rodri­guez Car­bal­lo, Sekre­tär der Ordens­kon­gre­ga­ti­on] ein Inter­dikt erlas­sen. In was für Hän­de sind wir nur.“

Abtei Mariawald mit Lettner
Abtei Maria­wald mit altem Lett­ner

Nur die alt­ri­tu­el­len Gemein­schaf­ten, die der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei unter­ste­hen, genie­ßen einen gewis­sen Schutz. Wer der Ordens­kon­gre­ga­ti­on von Kar­di­nal Braz de Aviz und Kuri­en­erz­bi­schof Car­bal­lo unter­steht, muß sich warm anzie­hen, falls über­haupt Gele­gen­heit dazu bleibt.

Bereits im Okto­ber 2016 war Abt Voll­berg zum Rück­tritt gezwun­gen wor­den. Damit hat­ten der Trap­pi­sten­or­den und die römi­sche Ordens­kon­gre­ga­ti­on ihr Urteil dar­über gefällt, was sie von sei­nem Wir­ken gehal­ten haben. Was unter Bene­dikt XVI. undenk­bar war, wur­de unter Fran­zis­kus in nur drei Jah­ren Wirk­lich­keit: das Ende der Abtei.

Abt Voll­berg hat­te dem Rück­tritt auch des­halb zuge­stimmt, weil ihm andern­falls mit der Auf­he­bung der Abtei gedroht wor­den war. Durch sei­nen Amts­ver­zicht hoff­te er zumin­dest den Fort­be­stand des Klo­sters ret­ten zu kön­nen.

Die Abnei­gung gegen die Tra­di­ti­on ist in man­chen, der­zeit ein­fluß­rei­chen Kir­chen­krei­sen aber so groß und so mas­siv, daß man sich nicht mit Voll­bergs Kopf zufrie­den­gab. Die alt­ri­tu­el­le Abtei wird im Trap­pi­sten­or­den und vor allem von der Ordens­kon­gre­ga­ti­on als „Fremd­kör­per“ emp­fun­den, der zu besei­ti­gen ist.

Von der Degradierung zum Aus

Heilige Messe im überlieferten Ritus
Hei­li­ge Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus

Im Herbst 2016 ver­lor die Abtei ihre Eigen­stän­dig­keit und wur­de dem Abt von Til­burg in den Nie­der­lan­den als Kom­mis­sar unter­stellt. Seit gestern ist es aber fix. Das end­gül­ti­ge Aus wur­de von der Ordens­kon­gre­ga­ti­on besie­gelt. Ein Datum für die letz­te Hei­li­ge Mes­se in Maria­wald soll bereits in den Kalen­der ein­ge­tra­gen wor­den sein. Danach soll der Rie­gel ins Schloß fal­len, und der Schlüs­sel des auf­ge­las­se­nen Klo­sters muß dem Bischof von Aachen über­ge­ben wer­den.

Die noch ver­blie­be­nen zehn Mön­che wer­den im Lau­fe des Jah­res das Klo­ster ver­las­sen und auf ande­re Klö­ster auf­ge­teilt wer­den, wie Abt Ber­nar­dus Pee­ters von Til­burg in sei­ner Funk­ti­on als Päpst­li­cher Kom­mis­sar bekannt­gab.

Rom hat das Licht aus­ge­macht. Der Öko­nom des Klo­sters, Wolf­gang Nowak, hat­te noch am Mon­tag Maria­wald als „finan­zi­ell aut­ark“ beschrie­ben. Das Klo­ster ist kein Sanie­rungs­fall. Daher bestand die Hoff­nung, daß es zumin­dest auf der Stu­fe eines Prio­rats unter Pri­or Voll­berg wei­ter­exi­stie­ren könn­te. Doch die Ordens­kon­gre­ga­ti­on woll­te nichts davon wis­sen. Abt Ber­nar­dus bekun­de­te sein Bedau­ern. Es sei „alles“ ver­sucht wor­den, „das Klo­ster am Leben zu erhal­ten. Das ist uns nicht gelun­gen“, zitier­te ihn gestern der Köl­ner Stadt-Anzei­ger.

Betrof­fen sind auch 30 Lai­en, die in den Wirt­schafts­be­trie­ben des Klo­sters arbei­ten, davon 18 Fest­an­ge­stell­te und 12 Aus­hilfs­kräf­te.

Der Vor­sit­zen­de des Ver­eins der Freun­de und För­de­rer der Abtei Maria­wald, Wil­helm Scheu­vens sag­te:

„Wir sind wie kalt geduscht wor­den. Ein Christ hat aber immer Hoff­nung. Wir geben nicht auf.“

Welche Hoffnung gibt es?

Seit die ersten Auf­he­bungs­ge­rüch­te auf­tauch­ten, bil­de­te sich eine eige­ne Gebets­ge­mein­schaft für Maria­wald. Die Ange­hö­ri­gen beten für die eige­ne Ver­voll­komm­nung aber in beson­de­rer Wei­se auch für das Klo­ster und die klö­ster­li­che Gemein­schaft.

Falls sich die Mön­che dafür aus­spre­chen, etwas gegen die Schlie­ßung unter­neh­men zu wol­len, „wer­den auch wir etwas unter­neh­men“, sag­te Scheu­vens dem Köl­ner Stadt­an­zei­ger.

Die Fra­ge steht unab­hän­gig von der römi­schen Ent­schei­dung im Raum, in wel­cher Form das Klo­ster den­noch als sol­ches und als geist­li­ches Zen­trum der Tra­di­ti­on und des über­lie­fer­ten Ritus bewahrt wer­den kann. Eine Fra­ge, die alle Gläu­bi­gen ange­hen soll­te.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikixommons/Kloster Mariawald/noort­jes­vo­etstap­pen 

 

11 Kommentare

  1. Man kann dank­bar sein, dass der Chef-Öko­nom des Klo­sters, Wolf­gang Nowak, kein Blatt vor den Mund nimmt. Der Köl­ner Stadt-Anzei­ger berich­te­te, dass man mit Dom Ber­nar­dus einen Plan aus­ge­ar­bei­tet hat­te, wie man in Maria­wald wei­ter­kom­me:
    „Nowak: ‚Die­ser sah vor, dass die Gemein­schaft von Maria­wald auf­ge­löst wird. Das war auch mit den Mön­chen abge­stimmt.‘ Ein Teil die­ses Plans sei es gewe­sen, dass die Mön­che ihre Sta­bi­li­täts­ge­lüb­de auto­ma­tisch ans Mut­ter­haus Oelen­berg über­tra­gen soll­ten. Gleich­zei­tig habe Oelen­berg garan­tiert: ‚Ihr dürft bis an euer Lebens­en­de in Maria­wald blei­ben, wenn für Pfle­ge gesorgt ist.‘

    Ein wei­te­rer Teil des Plans sei gewe­sen, Abt Voll­berg und den Mön­chen die Mög­lich­keit zu bie­ten, mit dem alten Ritus eine Gemein­schaft auf­zu­bau­en – auch mit Dul­dung des Ordens. Die Mön­che haben laut Nowak dar­über abge­stimmt und dies befür­wor­tet – wie auch das Gene­ral­ka­pi­tel der Trap­pi­sten. Doch laut Nowak hat die Ordens-Kon­gre­ga­ti­on für das geweih­te Leben im Vati­kan Wider­spruch ein­ge­legt.“ – Quel­le: https://www.ksta.de/29538464

    Nach den zugäng­li­chen Infor­ma­tio­nen ist dem­nach nicht das Gene­ral­ka­pi­tel der Trap­pi­sten, wel­ches die Alt­ri­tua­li­tät zumin­dest dul­de­te, ver­ant­wort­lich für die Schlie­ßung, son­dern allein die Ordens­kon­gre­ga­ti­on. Von Sei­ten Dom Ber­nar­dus‘ scheint dem Weg von Abt/Prior Voll­berg jede mög­li­che Unter­stüt­zung gewährt wor­den zu sein. Die Rol­le des Bischofs von Aachen bleibt unklar.

  2. Die Gemein­schaft von Maria­wald war halt nicht häre­tisch, dafür recht­gläu­big und tra­di­ti­ons­treu, hat­te ganz uner­laub­ter Wei­se Nach­wuchs und brach­te gute Beru­fun­gen her­vor, auch von sexu­el­len Miss­bräu­chen war nichts bekannt. Bei den Fran­zis­ka­nern der Imma­ku­la­ta war es genau­so. Hoch lebe die Zer­stö­rung der Kir­che von innen her. Aber auch das Pon­ti­fi­kat Ber­go­gli­os wird ein­mal enden, wie lan­ge es brau­chen wird, um die Schä­den, die es der Kir­che zuge­fügt hat, zu besei­ti­gen, bleibt frag­lich.

  3. Die Sache mit dem Nach­wuchs hat­te nur den Hacken, dass der Nach­wuchs nicht auf Dau­er geblie­ben ist und die Abtei wie­der ver­las­sen hat. Es wur­den in den letz­ten Jah­ren in unse­rer Gegend schon meh­re­re Klö­ster geschlos­sen: Abtei Him­merod / Ursu­li­nen­klo­ster Cal­va­ri­en­berg zu Ahr­wei­ler und vor etli­chen Jah­ren schon das Fran­zis­ka­ne­rin­nen­klo­ster Hel­go­land bei May­en, das Klo­ster Mari­en­hö­he der Schwe­stern vom guten Hir­ten, dass Fran­zis­ka­ner­klo­ster auf dem Apol­li­na­ris­berg Rema­gen. Und das alles soll die Schuld von Ber­go­glio sein, auch wenn er in den zuletzt genann­ten Fäl­len noch in Argen­ti­ni­en war? Auf dem Apol­li­na­ris­berg hat sich eine neue Gemein­schaft nie­der­ge­las­sen. Ver­ges­sen habe ich Klo­ster Engel­port der Hün­fel­der Obla­ten; auch dort wohnt jetzt eine neue Ordens­ge­mein­schaft. Es ist nicht alles die Schuld Roms und auch nicht die der Bischö­fe!

  4. @markus
    Und war­um wur­den die von Ihnen erwähn­ten Klö­ster geschlos­sen? Auf aus­drück­li­chen römi­schen Order hin, oder wegen Nach­wuchs­man­gels? Im aktu­el­len Pon­ti­fi­kat fällt es schon sehr nega­tiv auf, dass Säu­be­rungs­ak­tio­nen fast immer recht­gläu­bi­ge und tra­di­ti­ons­freund­li­che Orden (Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, Maria­wald) und Bischöfe(siehe Ciu­dad de l´ Este, Albenga-Imperia)treffen.

  5. Man kann Feh­ler die in der Lei­tung eines Klo­sters in meh­re­ren Jahr­zehn­ten gemacht wur­den nicht in weni­gen Jah­ren wie­der behe­ben. Man beden­ke, ein Mönch aus Maria Wald wur­de Mit­te der 1980er Jah­re zum Abt des gesun­den Bene­dik­ti­ner-Stif­tes Neu­burg (Hei­del­berg). Er konn­te sei­ne Vari­an­te dort sehr lan­ge durch­zie­hen. Ergeb­nis: Null Neu­zu­gän­ge dafür aber wur­de in der Klo­ster­kir­che der nor­mal lang­wei­li­ge Volks­al­tar durch einen absto­ßend Häss­li­chen (aber preis­ge­krön­ten — damit nie­mand ruft:„Der Kai­ser ist nackt“) ersetzt, aber Geld für die bau­li­che Instand­hal­tung fehl­te. Und so wei­ter, sie­he deren Netz­sei­te.

    Ein ähn­li­cher Geist weh­te in Maria Wald bis zu Abt Voll­berg. Wird der neue jun­ge Abt von Stift Neu­burg es schaf­fen, die Feh­ler zu kor­ri­gie­ren und neue Män­ner zu begei­stern Mön­che in einem klei­nen über­al­ter­ten Kon­vent zu wer­den. Man soll­te das Hei­del­ber­ger Expe­ri­ment mit moder­ner Lit­ur­gie in einer kah­len Kir­che jetzt ohne Chor­ge­stühl und moder­ner Kloster­dis­zi­plin als Gegen­bei­spiel beob­ach­ten, gera­de weil die Pro­ble­me von einem Maria Wal­der Mönch auf­ge­staut wur­den.

    Fakt ist aber auch, dass Trap­pi­sten­klö­ster nie unter der Flut von Neu­ein­trit­ten ertrun­ken sind. War­um wur­de also erwar­tet, dass sich die­ses Klo­ster in weni­gen Jah­ren mit jun­gen Män­ner fül­len wür­de? Es waren vie­le da, um es sich anzu­schau­en. Völ­lig natur­ge­mäß blie­ben sehr weni­ge. Denn Abt Voll­berg mach­te den Haupt­feh­ler nicht, der heu­te in den moder­nen Kon­ven­ten weit ver­brei­tet ist (nicht aber z.B. in Le Bar­roux, Font­gom­bault usw.). Damit mei­ne ich nicht die Lit­ur­gie, so wich­tig wie die­se gera­de bei kon­tem­pla­ti­ven Mön­chen (auch Non­nen!) ist. Es geht um die ursprüng­li­che bene­dik­ti­ni­sche welt­ab­ge­wand­te Spi­ri­tua­li­tät und Lebens­wei­se, die auf­ge­ge­ben wur­de, zugun­sten eines Daseins als Reli­gi­ons­leh­rer oder Pfar­rer usw. mit­ten in der Welt, mit einem hotel­ar­ti­gen Schlaf­zim­mer im Klo­ster. Ein Pro­zess der von prie­ster­ver­brau­chen­den Bischö­fen geför­dert wird, die den dio­zesa­nen Prie­ster­nach­wuchs ver­hin­dern.

    Die genann­ten fran­zö­si­schen Klö­ster sind nicht nur des­halb erfolg­reich, weil sie lit­ur­gisch authen­tisch römisch-katho­lisch sind, son­dern weil sie gera­de in allen Ein­zel­hei­ten der Spi­ri­tua­li­tät und Lebens­wei­se authen­tisch bene­dik­ti­nisch sind (kon­tem­pla­tiv und welt­ab­ge­wandt). Abt Voll­berg woll­te mei­ner Beob­ach­tung nach, zu recht authen­tisch trap­pi­stisch blei­ben und das Leben in Maria Wald ist wirk­lich rich­tig hart. Daher muß­ten aber sol­che Kan­di­da­ten das Klo­ster wie­der ver­las­sen, die „nur“ wegen des alten Ritus zum Schnup­pern gekom­men waren. Wenn aber jahr­zehn­te­lang Null Neu­zu­gän­ge zu ver­zei­chen waren, so sind schon eini­ge weni­ge inner­halb weni­ger Jah­re ein Erfolg. Und das obwohl mas­sen­wei­se auch poten­ti­el­le Mön­che (auch Non­nen, Pfar­rer usw.) wegen der Königs­stei­ner Erklä­rung ver­hü­tet und mit bischöf­li­chen Bera­tungs­schei­nen abge­trie­ben wur­den.

    Die Fra­ge bleibt aber, wie vie­le neue Mön­che denn jetzt in Maria Wald sein müß­ten, damit die Ordens­kon­gre­ga­ti­on das Klo­ster nicht geschlos­sen hät­te? Oder umge­kehrt gefragt: Wie viel frü­her hät­te die Ordens­kon­gre­ga­ti­on das Klo­ster geschlos­sen, wenn sich schnel­ler mehr Nach­wuchs ein­ge­stellt hät­te?

  6. Für eine mög­li­che Wei­ter­nut­zung fällt mir das Modell der Char­treu­se de Sélignac ein, in der from­me Lai­en ange­lei­tet kar­tu­sia­ni­sches Klo­ster­le­ben auf Zeit füh­ren kön­nen. Eine alt­ri­tu­el­le Retrai­te die­ser Art, viel­leicht mit einer ent­spre­chen­den Bil­dungs­ein­rich­tung ver­bun­den, fehlt nun wirk­lich in der spi­ri­tu­el­len und lit­ur­gi­schen Ödnis des deut­schen Sprach­raums. Die Arbeits­plät­ze könn­ten zudem erhal­ten wer­den und die Mön­che in einer inne­ren Klau­sur dort ver­blei­ben.

  7. Es gilt lei­der „Roma locu­ta, cau­sa fini­ta est“. Dies gilt auch dann, wenn die römi­sche Anwei­sung, zur Schlie­ßung kom­pro­miss­los zur wei­te­ren Zer­stö­rung des Glau­bens und sei­ner Sym­bo­le bei­trägt. Das gezeig­te Bild vom Klo­ster zeigt alles, eine gepfleg­te und schö­ne Klo­ster­an­la­ge in einer schö­nen Natur. Ein spi­ri­tu­el­les und auch tou­ri­sti­sches Zen­trum mit gro­ßer Aus­strah­lung­kraft, wirt­schaft­lich unab­hän­gig, ein Sym­bol tra­di­tio­nel­len Glau­bens. Genau die­ses soll zer­stört wer­den durch einen Akt der Unbarm­her­zig­keit. Mei­ne Mit­ge­fühl gilt dem ehe­ma­li­gen Abt und heu­ti­gen Pri­or Dom Josef Voll­berg und allen sei­nen Mit­brü­dern und allen Mit­ar­bei­tern, denen durch die­se Ent­schei­dung der Unbarm­her­zig­keit ihre Lebens­pla­nung zer­stört wur­de.

  8. Es hilft nichts. Nir­gends. Wenn Beru­fun­gen aus­blei­ben bedeu­tet das Über­al­te­rung und Ende. In jeder Orga­ni­sa­ti­on.

  9. Wie­der ein trau­ri­ges Kapi­tel in der deut­schen Kir­chen­ge­schich­te. Die­ser Haß der Moder­ni­sten in Rom auf alles Tra­di­tio­nel­le, und vor­al­lem auf kon­tem­pla­ti­ve Orden mani­fe­stiert sich hier wie­der, auch wenn die Über­al­te­rung der Mön­che das Ende des Klo­sters mit bewirkt hat. Es ist eine trau­ri­ge Epo­che in der wir leben müs­sen. Orden streng­ster Obser­vanz, wie die Trap­pi­sten haben es beson­ders schwer. Ein Jam­mer!

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