„‘na roba“, die Franziskaner der Immakulata und die neuen Schachzüge der Ordenskongregation

Das waren noch andere Zeiten, als Papst Benedikt XVI. es Pater Stefano Maria Manelli, dem Gründer und Generaloberen der Franziskaner der Immakulata, ermöglichte, in der Lateranbasilika, der "Mutter aller Kirchen", im überlieferten Ritus die Heilige Messe zu zelebrieren. Dann kam Papst Franziskus ...
Andere Zeiten: Papst Benedikt XVI. ermöglichte es, daß durch Pater Stefano Maria Manelli, dem Gründer und Generaloberen der Franziskaner der Immakulata, erstmals 2009 in der Lateranbasilika, der "Mutter aller Kirchen", das heilige Meßopfer wieder im überlieferten Ritus zelebriert werden konnte. Dann kam Franziskus ...

(Rom) Das Kal­va­ria von Pater Ste­fa­no Maria Manel­li, des Grün­ders und bis zur Abset­zung auch Gene­ral­obe­rer des Ordens der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta nimmt kein Ende. Seit Juli 2013 befin­det sich der jun­ge und bis dahin blü­hen­de Orden unter kom­mis­sa­ri­scher Ver­wal­tung der römi­schen Ordens­kon­gre­ga­ti­on. Obwohl seit­her vier Jah­re ver­gan­gen sind und bereits der zwei­te päpst­li­che Kom­mis­sar den ver­ord­ne­ten Abriß ver­wal­te­te, gibt es bis noch immer kei­ne offi­zi­el­le Begrün­dung für den schwer­wie­gen­den Ein­griff in den Orden. Nur hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand wur­de eine angeb­li­che „Lef­eb­vria­ni­sche Abwei­chung“ behaup­tet, die dem Orden vor­ge­wor­fen wird. „Was heu­te etwas zum Lachen ein­lädt, da der Papst bereit ist, die Erben Mar­cel Lef­eb­v­res mit einer Per­so­nal­prä­la­tur in der Kir­che will­kom­men zu hei­ßen“, wie der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti vor zwei Tagen anmerk­te.

Der Kommissar und eine Verleumdungskampagne

Tosat­ti sieht „von außen betrach­tet“, eine „Viel­zahl“ von Grün­den, die zur kom­mis­sa­ri­schen Ver­wal­tung des Ordens führ­ten: zunächst der Angriff gegen den Grün­der durch eine Grup­pe von „Jung­tür­ken“, die den Orden über­neh­men woll­ten, „einen der blü­hend­sten an Beru­fun­gen (heu­te müs­sen die Beru­fun­gen, ent­ge­gen den vati­ka­ni­schen Direk­ti­ven, die eine Aus­bil­dung vor Ort vor­se­hen, aus Nige­ria impor­tiert wer­den), dann aber auch das Ver­mö­gen, „‘na roba“, die „Sache“.

P. Fidenzio Volpi, päpstlicher Kommissar 2013-2015
P. Fidenzio Volpi, päpst­li­cher Kom­mis­sar 2013–2015

Was Tosat­ti nicht erwähnt, aber zu ergän­zen ist: Der Orden wech­sel­te mit Papst Fran­zis­kus und dem Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von der neu­en zur über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus und zog den­noch (oder gera­de des­halb) zahl­rei­che Beru­fun­gen an, wäh­rend die „moder­nen“, „welt­of­fe­nen“ Orden dane­ben ver­trock­nen. Bene­dikt XVI. hielt sei­ne schüt­zen­den Hand über die­sen in meh­rer­lei Hin­sicht außer­ge­wöhn­li­chen Fall im katho­li­schen Ordens­we­sen. Mit dem neu­en Papst setz­te die Zer­schla­gung des Ordens ein, der offen­bar vie­len ein Dorn im Auge war.

Die Annah­me der von Tosat­ti genann­ten Hin­ter­grün­de hel­fen jeden­falls dabei, die „wüten­de Ver­leum­dungs­kam­pa­gne“ zu ver­ste­hen, die wegen angeb­li­cher Miß­bräu­che“ gegen Schwe­stern des Ordens ent­fes­selt wur­de. Aus­gangs­punkt der Kam­pa­gne im Novem­ber 2015 war der Cor­rie­re del­la Sera, das Flagg­schiff der ita­lie­ni­schen °Qua­li­täts­pres­se“. Der angeb­li­che „Skan­dal“ führ­te zu Ermitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft, die ein Jahr spä­ter sang und klang­los archi­viert wur­den. Die Medi­en­be­haup­tun­gen erwie­sen sich als das, was man heu­te Fake News nen­nen wür­de.

„Aller­dings wer­den sie wahr­schein­lich für eini­ge Zei­tun­gen und Web­sei­ten ein Nach­spiel mit schwe­ren finan­zi­el­len Fol­gen haben, weil sie zivil­recht­lich von den Opfern mit hohen Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen kon­fron­tiert wer­den“, so Tosat­ti.

„‘na roba“

Hin­zu­kom­men die jüng­sten Aktio­nen der römi­schen Ordens­kon­gre­ga­ti­on. Dabei geht es nicht so sehr um den Kar­di­nal­prä­fek­ten, den Bra­si­lia­ner Joà£o Braz de Aviz, son­dern „um den Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on, den Fran­zis­ka­ner José Rodri­guez Car­bal­lo, der über einen direk­ten Draht zum Papst ver­fügt“, so Tosat­ti.

Car­bal­lo ist eine der ersten Per­so­nal­ent­schei­dun­gen die­ses Pon­ti­fi­kats. Papst Fran­zis­kus ernann­te ihn am 6. April, kei­ne vier Wochen nach sei­ner Wahl, zum Sekre­tär der Ordens­kon­gre­ga­ti­on. Bis dahin war der Spa­ni­er Gene­ral­mi­ni­ster des Fran­zis­ka­ner­or­dens. Als sol­cher ist er direkt in den Finanz­skan­dal ver­wickelt, der im Dezem­ber 2014 explo­dier­te und die Gene­ral­lei­tung des Ordens an den Rand des Bank­rotts brach­te. Die Schwei­zer Staats­an­walt­schaft hat­te im Okto­ber 2014 Kon­ten des Fran­zis­ka­ner­or­dens wegen des Ver­dachts auf Geld­wä­sche beschlag­nahmt. Das Geld, meh­re­re Dut­zend Mil­lio­nen Euro, war in Schein­fir­men inve­stiert wor­den, gegen die wegen ille­ga­len Waf­fen- und Dro­gen­han­dels ermit­telt wird. Von vati­ka­ni­schen Kon­se­quen­zen irgend­wel­cher Art gegen Car­bal­lo ist nichts bekannt.

Damit kom­men wir zu „‘na roba“, die beim Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta (kano­nisch aner­kannt 1990, nicht zu ver­wech­seln mit den Fran­zis­ka­nern, gegrün­det 1210/1517) nicht unbe­deu­tend ist. Es geht um 59 Gebäu­de, 17 Grund­stücke, fünf Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen und eine Rei­he von Bank­kon­ten. Der gesam­te Besitz lag aber nicht in der Hand des Ordens, da die­ser das Gelüb­de strik­ter Armut lebt, son­dern in der Hand von Lai­en­ver­ei­ni­gun­gen. Der Ertrag aus dem Besitz kam dem Orden für sei­ne Auf­ga­ben in Seel­sor­ge und Mis­si­on zu.

Als der Orden unter kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung gestellt wur­de, ließ der erste Kom­mis­sar, Pater Fidenzio Volpi, ein Kapu­zi­ner, der 2015 im Amt ver­stor­ben ist, das genann­te Eigen­tum beschlag­nah­men. Die Gerich­te ent­schie­den dann aber ganz anders. Die gesam­ten Ver­mö­gens­wer­te wur­den wie­der frei­ge­ge­ben und den Lai­en­ver­ei­ni­gun­gen zurück­er­stat­tet.
Da die Ordens­kon­gre­ga­ti­on über die welt­li­chen Gerich­te nicht an das Ordens­ver­mö­gen kam, erhöh­te sie den Druck auf den inzwi­schen 84 Jah­re alten Ordens­grün­der, Pater Manel­li. Seit der kom­mis­sa­ri­schen Ver­wal­tung unter­steht er einem vom Vati­kan ver­häng­ten Haus­ar­rest, „der im Jahr 2017 objek­tiv einen schlech­ten Bei­geschmack hat“, so Tosat­ti.

Jüngste Aktionen der Ordenskongregation: die „Falle“ und die Forderung

Diakonatsweihen 2010
Dia­ko­nats­wei­hen 2010

Vor kur­zem wur­de von Pater Manel­li offi­zi­ell und im Namen des Pap­stes ver­langt, sein Treue- und Gehor­sams­be­kennt­nis­ses gegen­über dem Papst zu erneu­ern. Die For­de­rung erscheint zwei­fel­haft, da dem Ordens­grün­der ja offi­zi­ell kei­ne Vor­hal­tun­gen gemacht wer­den. Was ihn aller­dings auch seit Jah­ren der Mög­lich­keit beraubt, sich — gegen was auch immer — zu ver­tei­di­gen. Pater Manel­li dis­ku­tier­te nicht, son­dern erneu­ert das gefor­der­te Bekennt­nis.

Vor zwei Wochen bekam er erneut Post von der Ordens­kon­gre­ga­ti­on. Die­ses Mal wur­de von ihm gefor­dert, den gesam­ten Besitz, von dem wei­ter oben die Rede war, „der Kir­che“ zur Ver­fü­gung zu stel­len.

„Naiv ant­wor­te­te der Grün­der der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta“, so Tosat­ti, daß er nichts zur Ver­fü­gung stel­len kann, weil er nichts besitzt. Die genann­ten Ver­mö­gens­wer­te unter­lie­gen nicht sei­ner Ver­fü­gungs­ge­walt, son­dern jener der Lai­en­ver­ei­ni­gun­gen.

Pater Manel­li durch­schau­te offen­bar die „Fal­le“ nicht, die man ihm mit der Bekennt­nis­er­neue­rung zuerst und dann der Geld­for­de­rung gestellt hat­te. Viel­leicht ist er auch nur zu ehr­lich, zu alt oder zu müde, um Fal­len­stel­lern mit pru­den­tia aus­zu­wei­chen.

Tosat­ti schrieb:

„Viel­leicht hät­te er bes­ser getan, sich mit den Lai­en zu tref­fen und ihnen die vati­ka­ni­sche For­de­rung vor­zu­le­gen. Die Lai­en, die nicht gehor­sams­pflich­tig sind, hät­ten dann Ent­schei­dung getrof­fen. Die­se List wand­te er aber nicht an.“

Die „Waffe des Gehorsams“ und ein „Akt des Ungehorsams“

Sei­ne Ant­wort wird nun vom Vati­kan als „Akt des Unge­hor­sams“ gegen­über dem Papst aus­ge­legt. Mit dem Brief will man ihm einen Strick dre­hen. Anders aus­ge­drückt: In der Ordens­kon­gre­ga­ti­on glaubt man nun den Anlaß in der Hand zu haben, gegen den Ordens­grün­der kir­chen­recht­li­che Sank­tio­nen ver­hän­gen zu kön­nen. Und alles ohne, daß vom Vati­kan gesagt wird, war­um der Orden über­haupt unter kom­mis­sa­ri­scher Ver­wal­tung steht, und war­um Pater Manel­li als Gene­ral­obe­rer abge­setzt wur­de.

Im Vati­kan reibt sich offen­bar jemand die Hän­de. Bis­her hat­ten sich die Ordens­kon­gre­ga­ti­on und Papst Fran­zis­kus ins Unrecht gesetzt. In wel­chem Rechts­staat kön­nen Sank­tio­nen ohne Ankla­ge, ohne Mög­lich­keit zur Ver­tei­di­gung und ohne regu­lä­res Ver­fah­ren ver­hängt wer­den? Nun aber muß man nicht mehr dar­über spre­chen, weil man den Brief Manel­lis in der Hand hat, der wahr­heits­ge­mäß, aber nicht zufrie­den­stel­lend ant­wor­te­te. Ob es für eine kirch­li­che Ver­ur­tei­lung reicht? Ange­sichts der schlech­ten Erfah­run­gen, die der Orden in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren machen muß­te, dürf­te das im Orden nie­mand bezwei­feln.

Das eigent­li­che Anlie­gen ist aber „‘na roba“, das Ver­mö­gen. Manel­li wird vor allem geknüp­pelt, weil er den rei­chen Immo­bi­li­en­be­sitz nicht „raus­rückt“. Recht­lich ist er zwei­fels­oh­ne im Recht, wes­halb der Vati­kan den mora­li­schen Hebel betä­tigt. Die genau­en Beweg­grün­de der Lai­en­ver­ei­ni­gun­gen sind nicht bekannt, las­sen sich aber erah­nen. Lan­ge bestand die Hoff­nung (und viel­leicht besteht sie noch), daß der Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta als alt­ri­tu­el­le Neu­grün­dung im Schoß der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei wie­der­erste­hen kann, dann hät­te er die Mit­tel zur Ver­fü­gung, sei­ne Arbeit segens­reich fort­zu­set­zen. Eine sol­che Neu­grün­dung wird vom Vati­kan seit vier Jah­ren ver­hin­dert. Noch ein ande­rer Grund ist nicht uner­heb­lich: Es kann gel­tend gemacht wer­den, daß die Wohl­tä­ter, die den Immo­bi­li­en­be­sitz dem Orden geschenkt haben, ihn dem von Pater Manel­li gegrün­de­ten Orden ver­macht haben. Nicht irgend­ei­nem Orden oder all­ge­mein „der Kir­che“, son­dern einem ganz bestimm­ten Orden mit einem ganz bestimm­ten Cha­ris­ma. Nach vier Kom­mis­sars-Jah­ren han­delt es sich aber nicht mehr um den­sel­ben Orden.

„Am Ran­de“ sei zudem ver­merkt, um noch ein­mal Mar­co Tosat­ti zu zitie­ren, „daß es immer häu­fi­ger vor­kommt, daß der Gehor­sam als Waf­fe ein­ge­setzt wird. Erin­nern wir uns, wie Fra Mat­thew Festing, der Groß­mei­ster des Mal­te­ser­or­dens, vom Papst zum Rück­tritt und zur Unter­zeich­nung eines Brie­fes von zwei­fel­haf­tem Inhalt gezwun­gen wur­de, indem beim Gehor­sam ange­setzt wur­de. Eine schlech­te Ange­wohn­heit, die Gefahr läuft chro­nisch zu wer­den …“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

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16 Kommentare

  1. Christ­li­chen Gehor­sam ver­spre­chen oder erneu­ern ist löb­lich. Man ist nur in rech­ten Din­gen zum Gehor­sam ver­pflich­tet. Nie­mand kann in unrech­ten Din­gen zum Gehor­sam gezwun­gen wer­den, mag er ihn auch unzäh­li­ge Male erneu­ert haben. Gehor­sam ist klar defi­niert für den zum Gehor­sam Ver­pflich­te­ten und für den Gehor­sam­keit Ein­for­dern­den. Bei obi­ger Schil­de­rung scheint der Gehor­sam nicht zu grei­fen.
    Wäre der Gehor­sam nicht klar gere­gelt, könn­te man nie einem sün­di­gen Men­schen Gehor­sam gelo­ben — und wären sie Päp­ste.

  2. Ein Gefühl der Beklem­mung, ein Gefühl der Ohn­macht und der Fas­sungs­lo­sig­keit — wer ver­spür­te es nicht, wenn er die­sen Arti­kel lie­se, wer ver­spür­te es nicht immer wie­der, wenn er von dem erfährt, was sich in der Kir­che aus­brei­tet? — Und es blei­ben die Fra­gen: Wer oder was steckt dahin­ter? Wie ist es zu stop­pen?

    • Die­ses Gefühl der Fas­sungs­lo­sig­keit — es wird immer stär­ker, aber auch Gefüh­le von Trau­rig­keit und Zorn, auch bei mir.
      Trotz­dem dür­fen wir uns ihnen nicht kampf­los über­las­sen, denn das wäre ein Sieg des­je­ni­gen, der nicht sie­gen darf und nie­mals sie­gen wird.

    • Ja es ist wahr­lich ein Gefühl der Ohn­macht; viel­leicht soll­ten sich end­lich alle glau­bens­treu­en Kräf­te in der Kir­che eini­gen und ver­su­chen die­sen Wahn­sinn geschlos­sen ent­ge­gen­tre­ten!

        • @ Mari­en­zweig
          „Zwei Doo­fe, ein Gedan­ke“ — genau in die­ser Wei­se woll­te ich gera­de auf Eccle­si­as Kom­men­tar reagie­ren (dem ich natür­lich zuge­stimmt und „gelik­ed“ habe).

          Ber­go­glio wei­gert sich, Erklä­run­gen zu geben. Was ist da zu machen. Ich habe in der letz­ten Woche davon erfah­ren, dass er Kar­di­nal Mül­ler im Dezem­ber ange­wie­sen habe, zwei Prie­ster von der Arbeit in der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on aus­zu­schlie­ßen. Als Kar­di­nal Mül­ler um eine Erklä­rung bat, reagier­te Ber­go­glio: „Ich bin der Papst, ich muss kei­ne Grün­de nen­nen.“

  3. Da wun­dert es einen nicht , dass die Pius­bru­der­schaft die natür­lich die­ses Pon­ti­fi­kat auch beob­ach­tet, mit ihre Rück­kehr eher zöger­lich agiert. Eine Gemein­schaft der Tra­di­ti­on wird behin­dert , der über­lie­fer­te Ritus als Nost­al­gie bezeich­net, selbst eine beschei­de­ne Reform der Reform wird von Papst Fran­zis­kus ablehnt. Da kann man die Pius­bru­der­schaft schon irgen­wie ver­ste­hen.

    • Die Auf­nah­me der Pius­bru­der­schaft in die katho­li­sche Kir­che — ein zwei­schnei­di­ges Schwert.
      Einer­seits wür­de ich mich dar­über freu­en, weil ich selbst häu­fig die hl. Mes­se der Bru­der­schaft besu­che.
      Ande­rer­seits — könn­te die Bru­der­schaft das nöti­ge Ver­trau­en die­sem Papst gegen­über auf­bau­en? Und wäre die­ses Ver­trau­en gerecht­fer­tigt, zumal wenn man sieht, wie er mit glau­bens­treu­en Bischö­fen und Orden umgeht.

      • Wenn die Pius­bru­der­schaft ausser­halb der katho­li­sche Kir­che sein soll, was ist sie dann? Eine Sek­te? Wie­so besu­chen Sie dann Got­tes­dien­ste einer Sek­te?

        • Natür­lich ist die Prie­ster­bru­der­schaft kei­ne Sek­te, allein die­ser Gedan­ke ist völ­lig abwe­gig.
          Sie ist katho­lisch, wahr­schein­lich mehr, als es die offi­zi­el­le Kir­che momen­tan ist.
          Ich wün­sche mir nur, dass sie ein­ge­glie­dert wer­den möge, ein­fach, weil sie dazu­ge­hört.
          Aber dürf­te sie dann so blei­ben, wie sie ist oder wür­de sie sich ver­än­dern und wenn ja, wie? Wel­che Kom­pro­mis­se wür­den ihr abver­langt wer­den und wäre der ent­spre­chen­de Preis nicht zu hoch?

          • Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. ist ein Glied der wah­ren katho­li­schen Kir­che, des mysti­schen Lei­bes Chri­sti. Als sol­ches ver­tei­digt sie von Anfang an und in her­vor­ra­gen­der Wei­se die Tra­di­ti­on, die „die ober­ste Regel des katho­li­schen Glau­bens ist, eine Regel, die Maß­stab ist und selbst nicht gemes­sen wird, begrün­det auf den Wor­ten Jesu Chri­sti selbst“ wie Rober­to de Mattei in sei­nem jüngst erschie­ne­nen Buch „Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on“ auf S. 173 sagt. Anstatt dass also wei­ter an der Zer­stö­rung der Tra­di­ti­on gear­bei­tet wird, ist es nun nach de Mattei und mehr als 50 katho­li­schen Gelehr­ten im Gegen­teil höch­ste Zeit, dass der der­zei­ti­gen Selbst­zer­stö­rung der Kir­che dadurch ein Ende gesetzt wird, dass Papst Fran­zis­kus „sich zum unfehl­ba­ren Spre­cher der Tra­di­ti­on macht“, um „uns im Glau­ben zu stär­ken und dadurch sei­ne Sen­dung zu erfül­len“ (S. 175). Nach mensch­li­chem Ermes­sen wird dazu wohl Gott selbst ein­grei­fen müs­sen. Um des Woh­les der See­len wil­len müs­sen wir jedoch um ein sol­ches Wun­der beten. Bei Gott ist ja kein Ding unmög­lich.

  4. Wenn „die Kir­che“ sich so auf­fuehrt dann ist es nicht mehr rat­sam das Gelu­eb­de von Gehor­sam­keit zu ver­spre­chen.

  5. Mein Rat: Mit allen Mit­teln gegen die auf­ok­troier­te Selbst­zer­stö­rung der Orden ange­hen. Gele­gen oder unge­le­gen geht es bei die­sem Wie­der­stand um Nichst weni­ger, als das Über­le­ben des ursprüng­li­chen Glau­bens in den Orden!

  6. Hin­weis: „Der Orden wech­sel­te mit Papst Fran­zis­kus …“ Wohl Bene­dikt.
    Dan­ke für Ihre wert­vol­le Arbeit und fro­he Pfing­sten!

  7. Immer wie­der die­se Dis­kus­si­on um den „Gehor­sam“ — und immer wie­der for­dern ruch­lo­se Mäch­ti­ge Gehor­sam von jenen ein, die sich nicht so ganz aus­ken­nen, will sagen, die sich, aus wel­chen Grün­den auch immer, nicht aufs Dif­fe­ren­zie­ren und Kate­go­ri­sie­ren ver­ste­hen. Und das, lie­ber Leser, ist bei­lei­be kein Gering­schät­zung jener wenig Gebil­de­ten, son­dern im Gegen­teil ein Vor­wurf eben an jene, wel­che ihre Bil­dung scham­los aus­nut­zen, um ver­mit­tels unge­recht­fer­tig­ter For­de­rung nach Gehor­sam eben jene „klei­nen Leu­te“ min­de­stens zu schur­igeln.

    Ich will jetzt kei­nen Ser­mon ver­fas­sen über all die ver­schie­de­nen Gat­tun­gen von Tugen­den, son­dern mich beschrän­ken auf derer zwei Kate­go­rien, auf die es hier im Dis­kurs ankommt: Die soge­nann­ten Kar­di­nal-Tugen­den, sowie die ordi­nä­ren Tugen­den.

    Eine Kar­di­nal-Tugend ist eine „Con­di­tio sine qua non“, das heißt, sie gilt über­all, jeder­zeit, unein­ge­schränkt, bedin­gungs­los und grund­sätz­lich. Ein Bei­spiel: Das Erste Gebot; wir sol­len Unse­ren Herr­gott lie­ben, ehren und Ehr­furcht ihm gegen­über hegen. Dies dürf­te all­ge­mein ein­sich­tig und unbe­streit­bar sein. Gehor­sam hin­ge­gen ist eine ordi­nä­re Tugend und eben kei­ne Kar­di­nal-Tugend, denn Gehor­sam einer schlech­ten, einer dum­men oder einer bösen Sache gegen­über kann man von nie­man­dem ein­for­dern.

    Bei­spie­le: Wenn ein Kle­ri­ker von mir for­dert, mir anstel­le eines gel­ben Autos ein grü­nes zu kau­fen, dann darf ich die­sen Gehor­sam als dumm ver­wei­gern. Soll­te eine Alko­ho­li­ker-Mut­ter von ihrem Kind ver­lan­gen, im Laden neben­an eine fri­sche Pul­le Schnaps zu klau­en, so darf das Kind die­sen Gehor­sam wirk­sam und rechts­wirk­sam ver­wei­gern. Es wird sei­ne Mut­ter natür­lich immer lie­ben, aber ihr zulie­be einer schlech­ten Sache gegen­über Gehor­sam zu lei­sten, ist nicht statt­haft. Und soll­te jetzt der Papst höchst selbst von mir Gehor­sam ein­for­dern hin­sicht­lich einer bösen Sache, die gegen das tra­dier­te Glau­bens­gut gerich­tet ist, dann darf ich selbst­ver­ständ­lich die­sen Gehor­sam ver­wei­gern. Den Papst wer­de ich frei­lich immer lie­ben – was mir, zuge­ge­ben, ange­sichts sei­ner gera­de­zu zer­stö­re­ri­schen Hand­lun­gen fast unmög­lich ist. Nur so viel: Natür­lich bin ich kein bes­se­rer Mensch als irgend­wer ande­res, und ich bin auch kein bes­se­rer Katho­lik als ein ande­rer.

    Man erkennt mühe­los, daß Fra Frau Mat­thew Festing mit Fug und Recht dem Papst den Gehor­sam hät­te ver­wei­gern dür­fen – und auch müs­sen. Das iden­ti­sche Recht hat jetzt ein­mal mehr Pater Manel­li von den Fran­zis­ka­nern der Imma­cu­la­ta, und ich bete innig­lich, daß er wider­ste­hen möge; es wäre so drin­gend nötig. Eben­so hat­te S.E. Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re alles Recht auf Unge­hor­sam; ohne ihn dürf­te die Hei­li­ge Tra­di­ti­on bis dato kaum über­lebt haben.

    Fort­set­zung folgt…

  8. Firt­set­zung:

    Frei­lich muß man ein­schrän­kend ein­räu­men: Die erwähn­ten ersten bei­den haben das Zwei­te Vati­ka­num unter­schrie­ben, die Quel­le allen Übels – des­we­gen besteht umge­kehrt und jetzt eben auch um so mehr die Not­wen­dig­keit zum Unge­hor­sam, „denn wir müs­sen Gott mehr gehor­chen als den Men­schen (Sankt Petrus in der Apo­stel­ge­schich­te in sei­ner Philíppika an die Juden)“.

    Wenn es also Unser Herr­gott möch­te, dann mögen jene vier Dubia-Kar­di­nä­le und noch wei­te­re nicht mehr län­ger zau­dern und am Papst ihre „Cor­rec­tio Fra­ter­na“ üben, und zudem Er möge uns Viri Pro­ba­ti schicken, um Sei­ne Kir­che wie­der auf den rich­ti­gen, weil Sei­nen Kurs zu brin­gen. Es gesche­he aber immer nur Sein Wil­le – nicht unse­rer. Ich wün­sche geseg­ne­te Pfing­sten.

    In Cri­sto per Mari­am +

    Car­los­mi­guel

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