Nordische Zurückhaltung

Herbstvollversammlung in Prag – Traditionis custodes, EWTN und "synodaler Prozeß"

Mitglieder der Nordischen Bischofskonferenz mit Blick auf die Prager Königsburg und den Veitsdom: (v. l.) Bernt Ivar Eidsvig, Bischof von Oslo; David Tencer OFM Cap, Bischof von Reykjavik; Berislav Grgić, Prälat von Tromsö; Kardinal Anders Arborelius OCD, Bischof von Stockholm; Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen; Erik Varden, OCSO, Prälat von Trondheim; Sr. Anna Mirijam Kaschner, Generalsekretärin; P. Marco Pasinato, Apostolischer Administrator des vakanten Bischofsstuhls von Helsinki.
Mitglieder der Nordischen Bischofskonferenz, mit Blick auf die Prager Königsburg und den Veitsdom: (v. l.) Bernt Ivar Eidsvig, Bischof von Oslo; David Tencer OFM Cap, Bischof von Reykjavik; Berislav Grgić, Prälat von Tromsö; Kardinal Anders Arborelius OCD, Bischof von Stockholm; Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen; Erik Varden OCSO, Prälat von Trondheim; Sr. Anna Mirjam Kaschner, Generalsekretärin; P. Marco Pasinato, Apostolischer Administrator des vakanten Bischofsstuhls von Helsinki.

Die Nor­di­sche Bischofs­kon­fe­renz hielt ihre dies­jäh­ri­ge Herbst­voll­ver­samm­lung in Prag ab. Vier Tage lang ver­sam­mel­ten sich ihre Mit­glie­der auf Ein­la­dung von Abt Dani­el Peter Janá­ček im böh­mi­schen Prä­mon­stra­ten­ser­stift Stra­hov. Gestern wur­de die Herbst­ver­samm­lung mit einer Pres­se­er­klä­rung abgeschlossen.

Der Nor­di­schen Bischofs­kon­fe­renz gehö­ren die skan­di­na­vi­schen Län­der an, das sind Däne­mark, Island, Nor­we­gen, Schwe­den und Finn­land. Ihr Sitz befin­det sich in Kopen­ha­gen. Ver­hand­lungs­spra­che ist Deutsch.

Bei ihrer Herbst­voll­ver­samm­lung dis­ku­tier­ten die Mit­glie­der unter ande­rem über den von Papst Fran­zis­kus aus­ge­ru­fe­nen welt­wei­ten „syn­oda­len Pro­zeß“ sowie über drei aktu­el­le von ihm erlas­se­ne Motu­pro­pri­os. Dabei geht es um die Schaf­fung des Laien­am­tes des Kate­che­ten, um die Zulas­sung von Frau­en zum Dienst als Ako­ly­then und Lek­to­ren und schließ­lich um Tra­di­tio­nis custo­des, das jüng­ste Motu pro­prio, mit dem der über­lie­fer­te Ritus und die Gemein­schaf­ten der Tra­di­ti­on abge­würgt wer­den sollen.

Zum Abschluß der Herbst­voll­ver­samm­lung wur­de eine Pres­se­mit­tei­lung ver­öf­fent­licht, die drei Schwer­punk­te nennt: das Vor­be­rei­tungs­do­ku­ment zur Bischofs­syn­ode über die Syn­oda­li­tät, das Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des und die Ver­brei­tung des Fern­seh­sen­ders EWTN in Skan­di­na­vi­en. Der Tenor ist zurück­hal­tend gegen­über den römi­schen Vorstößen.

Zu Tra­di­tio­nis custo­des schrei­ben die skan­di­na­vi­schen Bischöfe:

„Ver­bo­te ver­hin­dern kei­ne Ideologisierung

Das von Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­lich­te Motu Pro­prio hat auch in den nor­di­schen Län­dern zu Dis­kus­sio­nen geführt. Das Ver­bot, den extra­or­di­nä­ren Ritus in einer Pfarr­kir­che zu fei­ern, wird von eini­gen Bischö­fen als schwer rea­li­sier­bar gese­hen, da in eini­gen Bis­tü­mern alle Kir­chen zugleich Pfarr­kir­chen sind. Zwar sei die Sor­ge vor einer Spal­tung der Kir­che auf­grund der Ideo­lo­gie der Ableh­nung des II. Vati­ka­nums unter eini­gen Anhän­gern der sog. ‚Alten Mes­se‘ ver­ständ­lich, aber ‚eine sol­che Hal­tung wird man schwer­lich durch Ver­bo­te ver­hin­dern‘, gab Bischof Var­den (Trond­heim) zu beden­ken. ‚Es ist jetzt eine schö­ne Her­aus­for­de­rung, die katho­li­sche Ekkle­sio­lo­gie auf­grund der Doku­men­te des II. Vati­ka­nums neu aus­zu­le­gen‘. Es müs­se alles getan wer­den, um die Ein­heit der Kir­che zu wah­ren und allen spal­te­ri­schen Ten­den­zen entgegenzuwirken.“

Zu EWTN in Skan­di­na­vi­en heißt es:

„Wäh­rend der Voll­ver­samm­lung der Nor­di­schen Bischofs­kon­fe­renz waren drei Ver­tre­ter des Fern­seh­sen­ders EWTN (Eter­nal Word Tele­vi­si­on Net­work) per Zoom zuge­schal­tet. EWTN ist bereits in eini­gen nor­di­schen Län­dern aktiv und arbei­tet der­zeit an einer Aus­wei­tung sei­ner Tätig­kei­ten. Die Web­sei­te www.ewtn.se infor­miert über den nor­di­schen Zweig ‚EWTN Nordic‘.“

Und zur Aus­wei­tung des umstrit­te­nen deut­schen „syn­oda­len Wegs“ als „syn­oda­lem Pro­zeß“ auf die gan­ze Weltkirche:

„Welt­bi­schofs­syn­ode – eine Her­aus­for­de­rung für die Kir­che im Norden

Die vor drei Tagen erschie­ne­nen Vor­be­rei­tungs­do­ku­men­te zur Welt­bi­schofs­syn­ode wur­den von den Bischö­fen der Nor­di­schen Bischofs­kon­fe­renz mit eini­gen Vor­be­hal­ten auf­ge­nom­men. ‚Es stellt sich die Fra­ge, wie wir in so kur­zer Zeit in unse­ren Län­dern mit einer so klei­nen Zahl an Katho­li­ken ein sol­ches Pro­jekt stem­men kön­nen‘, so der Vor­sit­zen­de Bischof Czes­law Kozon (Kopen­ha­gen). Zwar ent­hal­ten die Doku­men­te tie­fe und grund­le­gen­de Wahr­hei­ten und Erin­ne­run­gen in Bezug auf das „gemein­sa­me Gehen“ und das ‚auf­ein­an­der Hören‘, doch sei­en die Doku­men­te dabei in Bezug auf das Ziel des Weges etwas unkon­kret, bemerk­te Bischof Erik Var­den (Trond­heim). ‚Gera­de auf­grund unse­rer beson­de­ren Situa­ti­on als Dia­spora­kir­che haben wir bereits eine gute Erfah­rung mit einer Syn­oda­li­tät im Klei­nen. Es scheint, als sol­le hier die Tages­ord­nung ein­zel­ner Teil­kir­chen auf die Uni­ver­sal­kir­che aus­ge­wei­tet wer­den, die jedoch hier im Nor­den bereits seit lan­gem auf einem guten Weg der Syn­oda­li­tät ist‘, sag­te Bischof Bernt Eids­vig (Oslo). Kar­di­nal Anders Arbo­re­li­us (Stock­holm) benann­te The­men wie z.B. Evan­ge­li­sie­rung, Kate­che­se und die Stär­kung der inner­kirch­li­chen Ein­heit, die vor­ran­gig ange­gan­gen wer­den müss­ten. Die Bischö­fe wer­den einen gemein­sa­men Hir­ten­brief zum Beginn des syn­oda­len Unter­schei­dungs­pro­zes­ses ver­öf­fent­li­chen, in dem sie das wei­te­re Vor­ge­hen bekannt machen und um das Gebet der Gläu­bi­gen bitten.“

Die Prä­mon­stra­ten­ser­ab­tei Stra­hov, die das Bischofs­tref­fen beher­berg­te, wur­de 1143 vom böh­mi­schen Her­zog Vla­dis­lav II. und sei­ner öster­rei­chi­schen Frau Ger­trud von Baben­berg gegrün­det. Besie­delt wur­de sie von Prä­mon­stra­ten­sern aus dem Klo­ster Stein­feld in der Eifel (heu­te süd­li­ches Nordrhein-Westfalen).

Die Abtei über­dau­er­te als könig­li­ches Klo­ster alle poli­ti­schen Wir­ren, meh­re­re Brän­de und selbst den Klo­ster­sturm des Jose­phi­nis­mus. Erst der Kom­mu­nis­mus schien ihm ein Ende zu berei­ten. Die deut­schen Kon­vents­mit­glie­der wur­den ver­trie­ben, die tsche­chi­schen in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern inter­niert. 1950 wur­de das Klo­ster beschlagnahmt. 

Der Zusam­men­bruch des kom­mu­ni­sti­schen Regimes 1989 mach­te jedoch die Wie­der­be­sied­lung und umfang­rei­che Restau­rie­rungs­ar­bei­ten mög­lich. Seit 2018 ist Domi­nus Dani­el Peter Janá­ček Abt des Klo­sters. Stra­hov zählt heu­te 75 Chor­her­ren, die in ganz Tsche­chi­en und auch in der Slo­wa­kei Pfar­rei­en betreuen.

Prä­mon­stra­ten­ser­ab­tei Stra­hov in Prag

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: nordicbishopsconference.org/Wikicommons (Screen­shot)

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1 Kommentar

  1. Eine dum­me Fra­ge in die­sem Zusam­men­hang: Hat der bischof von Trond­heim noch einen eige­nen Wein­gar­ten, wie in der mit­tel­al­ter­li­chen Warm­zeit, als die Wikin­ger auf Grön­land Acher­bau und Vieh­zucht betrei­ben konnten?

    Sta­bi­li­siert Dia­spo­ra den Glauben?

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