Amoris laetitia und der Weckruf für 2017: Eine alarmistische Kampagne ohne argumentative Substanz

Warum schweigt Papst Franziskus zu den Dubia der Kardinäle, die ihn zu zentralen Fragen der Glaubenslehre und der Sakramentenordnung um Klärung ersuchen?
Warum schweigt Papst Franziskus zu den Dubia der Kardinäle, die ihn zu zentralen Fragen der Glaubenslehre und der Sakramentenordnung um Klärung ersuchen?

Es gibt einen neu­en Auf­ruf, „mit Papst Fran­zis­kus mit­zu­ge­hen“. Ähn­li­che papst­treue Initia­ti­ven gab es frü­her schon – z. B. von Deutsch­land pro PapaSoli­da­ri­tät mit Papst Bene­dikt XVI. Doch das neue Mani­fest Weck­ruf für 2017 ist vor allem gegen Kri­ti­ker des Pap­stes gerich­tet. Dar­über hin­aus wird das Schwei­gen des red­se­li­gen Pap­stes zu zen­tra­len Glau­bens­fra­gen gerecht­fer­tigt. Das zeigt sich schon in der Titel­zei­le, die mit (ursprüng­lich) feh­ler­haf­tem Latein: #Sine­Du­bia gegen den Fra­gen­ka­ta­log der vier Kar­di­nä­le gerich­tet ist.

Ein Gast­bei­trag von Hubert Hecker.

Die Initia­to­ren des Weck­rufs sind die Chef­re­dak­teu­re des Online­ma­ga­zins The Cath­walk. „Die Cath­walk-Visi­on“ gestal­tet unter dem Titel: „Ästhe­ten aller Län­der, ver­ei­nigt euch!“ einen „unab­hän­gi­gen katho­li­scher Life­style-Blog“ – „catho­lic life­style blog“. Soweit zum media­len self sty­ling des feuil­le­ton-katho­li­schen Por­tals.

Rechtfertigung umstrittener päpstlicher Maßregelungen

Der Auf­ruf glie­dert sich in drei Kapi­tel: Das erste stellt den „guten und recht­gläu­bi­gen Papst“ her­aus. Die Autoren prei­sen „die guten Akzen­te die­ses Pap­stes als einen gro­ßen Segen für die Kir­che“. Ins­be­son­de­re mit sei­nem nach­syn­oda­len Schrei­ben habe Fran­zis­kus die Tore sei­ner radi­ka­len Barm­her­zig­keit weit geöff­net.

Im drit­ten Teil wer­den die umstrit­te­nen Aktio­nen des Pap­stes gerecht­fer­tigt. Des­sen krän­ken­de Beschimp­fung der Kar­di­nä­le als ver­kalk­te Büro­kra­tie­mon­ster wird als „voll­um­fäng­li­ches Recht“ behaup­tet. Die­se „unbe­que­men Wor­te“ — auch an „paten­tier­te From­me“ — stellt man als Aus­weis für den jesus­ähn­li­chen Pon­ti­fex hin: „Chri­stus ähn­lich, weil unbe­quem“ heißt die Kapi­tel­über­schrift. Für die vom Papst gemaß­re­gel­ten und gede­mü­tig­ten „neu­en Orden“ und „Nostalgie“-Traditionalisten haben die Autoren aller­dings nur unter­grün­di­gen Spott übrig: Selbst wenn der Papst „ihnen Unrecht tun soll­te: Ist nicht gera­de das stil­le Ertra­gen auch ver­meint­lich unge­recht­fer­tig­ter Kri­tik Zei­chen der Hei­lig­keit eines Man­nes der Kir­che“? Nur von Män­nern? Auch die 350 from­men Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta sind unter Kura­tel gestellt.

Betroffenheitsformeln  und Beschimpfungen statt Argumente

Das zwei­te Kapi­tel ist dem Umfang nach der Haupt­teil des Mani­fe­stes. Die Über­schrift gibt die Stoß­rich­tung an: „Nichts als eine Kam­pa­gne“. Damit sind alle kri­ti­schen Publi­ka­tio­nen zu Papst Fran­zis­kus, sei­nen Taten und Äuße­run­gen gemeint, ins­be­son­de­re zum Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia.

  • Doch statt Argu­men­te stel­len die Autoren lar­moy­ant ihre Betrof­fen­heit zur Schau: „Wir bedau­ern..; wir stel­len schmerz­lich fest…; wir drücken unser Befrem­den aus…“
  • Sie distan­zie­ren sich ent­schie­den von den „soge­nann­ten Dubia“. Die wür­den „sug­ge­rie­ren“, dass „Amo­ris lae­ti­tia einen Bruch des Lehr­am­tes hin­sicht­lich der Ehe­pa­sto­ral“ dar­stel­le. Was soll denn ein Lehr­amts­bruch sein?
  • Die Cath­walk-Katho­li­ken ver­glei­chen die Dubia mit Pha­ri­sä­er-Fra­gen, auf die Jesus bei einem Mal mit Schwei­gen reagiert hät­te. Schon Tho­mas Stern­berg, aktu­el­ler Prä­si­dent des Zen­tral­ko­mi­tees  der deut­schen Katho­li­ken, hat­te die Fra­gen der vier Kar­di­nä­le als „nie­der­träch­ti­ge und schä­bi­ge Fang­fra­gen und Fal­len“ beschimpft.
  • Die Unter­zeich­ner über­zeich­nen dra­ma­tisch mit ihrer Fest­stel­lung, „dass ein Groß­teil katho­li­scher Publi­zi­sten Papst Fran­zis­kus der Häre­sie bezich­tigt“. Tat­säch­lich ist die fran­zis­kus-kri­ti­sche Sze­ne sehr hete­ro­gen. Sie reicht von Kar­di­nä­len und den Pro­fes­so­ren Josef Sei­fert, Wolf­gang Wald­stein, Robert und Chri­sti­an Spa­e­mann bis zu Sedis­va­kan­ten.
  • Sie kon­stru­ie­ren bei der viel­stim­mi­gen kri­ti­schen Publi­zi­stik zu Amo­ris lae­ti­tia eine gesteu­er­te „pro­pa­gan­di­sti­sche Kam­pa­gne“. Denn es wür­de selek­tiv-nega­tiv zu Papst Fran­zis­kus berich­tet“. Über ihr Jam­mern zu gras­sie­ren­dem Defä­tis­mus und media­lem Destruk­ti­vis­mus soll­ten die Cath­wal­ker nicht ver­ges­sen, dass Radio Vati­kan und sei­ne vie­len deut­schen media­len fol­lower eben­falls aus­schließ­lich selektiv(-positiv) über den Papst schrei­ben.
  • Man glaubt „Ein­hei­zer im Hin­ter­grund“ aus­ma­chen zu kön­nen, denen im Dies­seits mit der Keu­le des Popu­lis­mus gedroht wird sowie mit spä­te­rer Gerichts­ver­ant­wor­tung.….
  • Die libe­ra­len Cath­wal­ker wer­fen den kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken „ent­fes­sel­ten Rubri­zis­mus und star­ren Rigo­ris­mus“ vor.
  • Schließ­lich brand­mar­ken sie „die Men­ta­li­tät im katho­lisch-kon­ser­va­ti­ven Lager“ als „patho­lo­gi­sches Phä­no­men“. Nach der Popu­lis­mus-Keu­le nun der Knüp­pel mit der Patho­lo­gie-Stig­ma­ti­sie­rung.

Eine alarmistische Gegenkampagne

In die­sem Teil wirkt der Auf­ruf wie ein alar­mi­sti­sches Mani­fest. Zuerst beschimpft man „eine Groß­zahl“ katho­li­scher Kam­pa­gnen-Publi­zi­sten als patho­lo­gi­sche Que­ru­lan­ten und rigo­ri­sti­sche Tra­di­tio­na­li­sten. Dann ruft man „alle publi­zi­stisch täti­gen Katho­li­ken auf“, eine posi­ti­ve Gegen­kam­pa­gne mit Lie­be und Wohl­wol­len für den Papst zu star­ten.

Durch ihre über­zo­ge­nen Ein­schät­zun­gen und klot­zi­gen Beschimp­fun­gen dis­qua­li­fi­zie­ren sich die Auf­ruf-Autoren selbst. Beson­ders per­fi­de ist der Pha­ri­sä­er-Vor­wurf gegen die Dubia-Autoren. Mit dem deut­schen Kar­di­nal Joa­chim Meis­ner sti­chelt man gegen einen aner­kann­ten und abso­lut inte­gren Kir­chen­mann.

Die größ­te Schwä­che des Auf­rufs besteht wohl dar­in, dass zu dem im Mit­tel­punkt ste­hen­den Doku­ment Amo­ris lae­ti­tia eini­ge Lob­prei­sun­gen, aber kei­ne sub­stan­ti­el­len Aus­sa­gen und Argu­men­ta­tio­nen gemacht wer­den, nicht ein­mal recht­fer­ti­gen­de. Die angeb­li­che Cath­walk-Kul­tur von „Rede und Gegen­re­de“ ist nicht in Ansät­zen erkenn­bar.

Die fol­gen­de Erör­te­rung zu umstrit­te­nen AL-Punk­ten soll die­sem Defi­zit abhel­fen. Es wer­den jeweils die posi­ti­ven oder recht­fer­ti­gen­den Ansich­ten zu Amo­ris lae­ti­tia an den Anfang gestellt und dann Gegen­ar­gu­men­te auf­ge­führt, so dass die Leser ein argu­men­ta­ti­ves Für und Gegen nach­voll­zie­hen kön­nen.

Argumentative Erörterung von Amoris laetitia

  • Das Haupt­ar­gu­ment der Befür­wor­ter von Amo­ris lae­ti­tia besteht wohl dar­in: Der Papst habe sein pasto­ra­les Anlie­gen aus­schließ­lich in pasto­ra­ler Spra­che vor­ge­tra­gen. Kir­chen­recht­li­che, dog­ma­ti­sche und moral­theo­lo­gi­sche Rege­lun­gen sei­en von ihm nicht ange­ta­stet wor­den.
    — Das trifft sicher­lich für die mei­sten Tei­le von AL zu, nicht aber für das umstrit­te­ne VIII. Kapi­tel. Dort nimmt Fran­zis­kus in zahl­rei­chen Abschnit­ten auf Bestim­mun­gen der kirch­li­chen Leh­re Bezug. Die Neue­run­gen las­sen sich dar­in zusam­men­fas­sen, dass der Papst mit dem Feder­strich des „soge­nann­ten“ die bis­he­ri­gen kir­chen­recht­lich „irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen“ (etwa in der zivi­len Zweit­ehe) zu regu­lä­ren umde­fi­niert.
  • Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler argu­men­tiert, wenn Fran­zis­kus die Sakra­men­ten­ord­nung hät­te ändern wol­len, dann wäre das deut­lich gesagt und nicht etwa in einer Fuß­no­te ver­steckt wor­den.
    – Der deut­sche Glau­bens­prä­fekt unter­schätzt die „jesui­ti­sche Men­ta­li­tät“ von Jor­ge Mario Ber­go­glio, die der Son­der­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode, Erz­bi­schof Bru­no For­te, am 2. Mai 2016 ent­hüll­te. Der Papst habe ihm fol­gen­de Tak­tik auf­ge­ge­ben: Da es inner­kirch­li­che Wider­stän­de gegen die Auf­wei­chung von Ehe- und Altars­sa­kra­ment gebe, soll­ten „wir nicht aus­drück­lich von Kom­mu­ni­on für wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne spre­chen. Mach es so, dass die Prä­mis­sen gege­ben sind, die Schluss­fol­ge­run­gen zie­he dann ich.“ Das Ergeb­nis die­ser tak­ti­schen Fines­se war die Fuß­no­te 351, wonach „die Sakra­men­te Hil­fe in gewis­sen Fäl­len sein könn­ten“.
  • Ver­schie­de­ne vom Papst ernann­te Kar­di­nä­le haben behaup­tet, Amo­ris lae­ti­tia sei „aus­rei­chend klar“, ja sogar von „abso­lu­ter Klar­heit“.
    — War­um gibt es dann aber die abso­lut wider­sprüch­li­chen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen von Bischö­fen? Die Bischö­fe von Mal­ta haben fest­ge­legt, dass eine geschie­de­ne wie­der­ver­hei­ra­te­te Per­son nach ihrer sub­jek­ti­ven Gewis­sens­ent­schei­dung zur Kom­mu­ni­on zuge­las­sen wer­den soll. Bischof Vitus Huon­der aus der Schweiz dage­gen schreibt mit Hin­weis auf die objek­ti­ven „Vor­ga­ben der Kir­che in Fami­lia­ris con­sor­tio“, dass „der Emp­fang der hei­li­gen Kom­mu­ni­on nicht dem sub­jek­ti­ven Ent­scheid über­las­sen wer­den darf“. Die­ser Inter­pre­ta­ti­on von AL aus der kirch­li­chen Tra­di­ti­on haben sich eine Rei­he ande­rer Bischö­fe ange­schlos­sen.
  • Wenn die behaup­te­te Kon­ti­nui­tät von Amo­ris lae­ti­tia mit der bis­he­ri­gen kirch­li­chen Leh­re und Moral­theo­lo­gie wirk­lich gewollt ist, war­um wei­gert sich der Papst, auf die kla­ren Ein­zel­fra­gen der Dubia zur Lehr­kon­ti­nui­tät eine kla­re Ant­wort zu geben – und damit auch die sicht­ba­ren und wider­sprüch­li­chen Unklar­hei­ten in der Inter­pre­ta­ti­on von AL durch die Bischö­fe zu besei­ti­gen?
  • Seit Tho­mas von Aquin unter­schei­det die Moral­theo­lo­gie ver­bo­te­ne Taten, die durch Umstän­de in erlaub­te geän­dert wer­den kön­nen – wie z. B. Töten in Selbst­ver­tei­di­gung – von Hand­lun­gen, die in sich schlecht sind wie z. B. Ehe­bruch. Deren Schlech­tig­keit kann nicht durch Umstän­de oder Bedin­gun­gen gemin­dert oder gar auf­ge­ho­ben wer­den.
    — Fran­zis­kus’ Argu­men­ta­ti­on läuft aber dar­auf hin­aus, „nach Bedingt­hei­ten und mil­dern­den Fak­to­ren“ bei in sich schlech­ten Hand­lun­gen wie dem Ver­har­ren im Ehe­bruch zu suchen, wodurch die „objek­ti­ve Situa­ti­on der Sün­de sub­jek­tiv nicht schuld­haft ist oder es zumin­dest nicht völ­lig ist“ (Nr. 305).
  • Fran­zis­kus behaup­tet, auch die im Ehe­bruch Ver­har­ren­den könn­ten in der Gna­de Got­tes leben, lie­ben und wach­sen. Er idea­li­siert das Leben in einer zivi­len Zweit­ehe gera­de­zu mit den Wen­dun­gen „erwie­se­ne Treue, groß­her­zi­ge Hin­ga­be, christ­li­ches Enga­ge­ment“ (AL 298).
    — Mora­lisch wird in die­sem Fall die zivi­le Zweit­ehe als gleich­wer­tig mit der sakra­men­ta­len Erste­he ver­mit­telt. Für die­se moral­theo­lo­gi­sche Neu­be­wer­tung gibt es kei­nen Bezug in der bis­he­ri­gen kirch­li­chen Leh­re. Auch Amo­ris lae­ti­tia fin­det kei­nen Beleg dafür in kirch­li­chen Schrif­ten. Unred­lich ist es aber, wenn ein Kon­zils­zi­tat aus Gau­di­um et spes, das sich auf die ehe­li­che Treue bezieht, für die irre­gu­lä­re Zweit­ehe in Anspruch genom­men wird (Anm. 329).

Franziskus’ Anliegen: alle Geschiedene nach ihren Wünschen zur Kommunion zulassen

  • Kurz nach Ende der zwei­ten Bischofs­syn­ode frag­te der ita­lie­ni­sche Jour­na­list Euge­nio Scal­fa­ri den Papst, ob wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne künf­tig zur Kom­mu­ni­on zuge­las­sen wür­den. Fran­zis­kus bejah­te die­se Fra­ge: „Das ist das wesent­li­che Ergeb­nis, (…) am Ende (…) wer­den alle Geschie­de­nen, die es wün­schen, zuge­las­sen wer­den.“ ((Der Vati­kan demen­tier­te die von Scal­fa­ri als direk­tes Zitat des Pap­stes wie­der­ge­ge­be­ne Aus­sa­ge nicht, weder offi­zi­ell noch direkt. Der dama­li­ge Vati­kan­spre­cher P. Fede­r­i­co Lom­bar­di SJ reagier­te ledig­lich auf Nach­fra­ge in einem Inter­view des Natio­nal Catho­lic Regi­ster mit dem Satz: „Wie bereits in der Ver­gan­gen­heit gesche­hen, berich­tet Scal­fa­ri unter Anfüh­rungs­zei­chen, was ihm der Papst angeb­lich gesagt hat, aber häu­fig ent­spricht das nicht der Wirk­lich­keit, da er die genau­en Wor­te des Pap­stes weder auf­zeich­net noch nie­der­schreibt, wie er sel­ber vie­le Mal gesagt hat. Daher ist klar, daß das, was von ihm im jüng­sten Arti­kel bezüg­lich der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen berich­tet wird, in kei­ner Wei­se zuver­läs­sig ist und nicht als das Den­ken des Pap­stes betrach­tet wer­den kann.“ Ein Demen­ti klingt anders.))
  • Wenn nach Fran­zis­kus’ Ansin­nen alle Wie­der­ver­hei­ra­te­ten zum Altarsa­kra­ment hin­zu­tre­ten sol­len, dann ist die Unter­schei­dung von Ein­zel­fäl­len in AL offen­sicht­lich nur eine vor­läu­fi­ge Etap­pen­sta­ti­on auf dem Weg zur Frei­ga­be der Kom­mu­ni­on für alle und jeden.
  • Wenn allein das sub­jek­ti­ve Begeh­ren Kri­te­ri­um für den Kom­mu­ni­on­zu­gang ist, dann ist die Kir­chen­rechts­be­stim­mung von Can. 915 irrele­vant gemacht, wonach Gläu­bi­ge vom Emp­fang der Kom­mu­ni­on aus­ge­schlos­sen sind, wenn sie „offen­kun­dig in einer schwe­ren Sün­de (wie Ehe­bruch) ver­har­ren“.
  • Wenn der Wunsch des Ein­zel­nen den Sakra­men­ten­emp­fang regelt, dann ist die bis­he­ri­ge Sakra­men­ten­ord­nung aus­ge­he­belt.

Eine „wahre Revolution im Vatikan“ (Kurienbischof Josef Clemens)

  • Nach Kar­di­nal Kas­per gibt Amo­ris lae­ti­tia „kein Jota der tra­di­tio­nel­len Lehr der Kir­che auf. Und doch ver­än­dert die­se Schrei­ben alles.…“. Das sag­te er laut Radio Vati­kan – „der Stim­me des Pap­stes“ —  vom 22. 10. 2016.
  • Die­se dia­lek­ti­sche Bewer­tung (‚nichts und zugleich alles ver­än­dern’) bedeu­tet im Lich­te des obi­gen Ber­go­glio-Zita­tes: Kir­chen­recht, Dok­trin und Moral­theo­lo­gie blei­ben for­mal unan­ge­ta­stet, wer­den aber als irrele­vant ange­se­hen, indem der pasto­ra­le Papst alles Bis­he­ri­ge in der Kir­che ver­än­dert.
  • Eine Vari­an­te die­ser dia­lek­ti­schen Les­art wäre: Die kirch­li­che Dok­trin – z. B. zur Unauf­lös­lich­keit der Ehe — müs­se im Sin­ne des vor­ran­gi­gen Pasto­ral­prin­zips der Barm­her­zig­keit umin­ter­pre­tiert wer­den. Aber auch bei die­sem Ansatz wür­de die bis­he­ri­ge kirch­li­che Leh­re zum irrele­van­ten Appen­dix der Pasto­ral her­ab­sin­ken.

Text: Hubert Hecker
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

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9 Kommentare

  1. Man soll­te bei Ihrer Beschrei­bung des Blogs „The Cath­walk“ anmer­ken, dass ein Ver­ant­wort­li­cher und ein Autor pikan­ter­wei­se frü­her im nähe­ren Umfeld der FSSPX tätig waren und nun im Moder­nis­mus ange­kom­men sind (q.e.d.).
    Einer war Redak­teur bei der Jugend­zeit­schrift der Katho­li­schen Jugend­be­we­gung der FSSPX, „Der Gera­de Weg“, der ande­re war als Rechts­an­walt für die FSSPX tätig. Er lei­ste­te juri­sti­schen Bei­stand bei der Schlie­ßung des Gym­na­si­ums und Inter­nat für Jugen in Deutsch­land. In Öster­reich war er für eine Stif­tung der Bru­der­schaft tätig.

  2. Unter Ber­go­glio ist jetzt also die Kir­che im „post­fak­ti­schen Zeit­al­ter“ ange­kom­men, dem Zeit­al­ter, in dem auf der Grund­la­ge von Gefüh­len und Emo­tio­nen der Betei­lig­ten strit­ti­ge Fra­gen ent­schie­den wer­den. Als Papst Bene­dikt vor dem Rela­ti­vis­mus warn­te, der nichts als letzt­lich wahr aner­ken­ne, war ich davon aus­ge­gan­gen, dass er über Ent­wick­lun­gen außer­halb der Kir­che spre­che. Nie hät­te ich mit der Gefahr gerech­net, dass die Kir­che von innen her­aus zer­stört wer­den könn­te. Die Kir­che — das war für mich der „Fels in der Bran­dung“, das in den Wir­ren der Geschich­te Ver­läss­li­che.

    Unser aller Anlie­gen muss es nun sein für unse­re Kir­che zu beten. Bit­ten wir unse­ren Herrn dar­um, dass er sei­ne Kir­che in der Zeit die­ser Wir­ren nicht ver­lässt, bit­ten wir dar­um, dass der Hei­li­ge Geist uns auch durch die­se Zeit füh­ren wird.

    Übri­gens: Die unge­naue Wort­wahl in der Argu­men­ta­ti­on der Ver­tei­di­ger von Amo­ris Lae­ti­tia („Bruch des Lehr­am­tes“) ist kein Zufall. Die Spra­che wird unge­nau, wenn ein Spre­cher sei­ne Gedan­ken (bewusst oder unbe­wusst) ver­ber­gen bzw. nicht genau vor­tra­gen will.

  3. „The Cath­walk“ will nach eige­nen Anga­ben ein „Katho­li­sches Maga­zin für Life­style und Genuß“ sein. An der so for­mu­lier­ten Pro­gram­ma­tik fällt zunächst die dümm­li­che Anbie­de­rung an zeit­geist­hö­ri­ge Nomen­kla­tu­ren auf. „Life­style und Genuß“ bedeu­ten in dem Sin­ne, wie die­se Voka­beln gegen­wär­tig ver­wen­det wer­den ‑ver­ba valent usu- nichts ande­res als einen mehr oder (mei­stens) weni­ger ver­edel­ten Hedo­nis­mus — und daß ein sol­cher mit katho­li­scher Lebens­freu­de nichts zu tun hat, bedarf kei­nes Bewei­ses.

    Den all­ge­mei­nen Ein­druck, den die Bei­trä­ge auf „The Cath­walk“ hin­ter­las­sen, könn­te man viel­leicht so zusam­men­fas­sen, daß hier Per­so­nen, die zwar „irgend­wie katho­lisch“ blei­ben wol­len, aber denen die mora­li­schen und asze­ti­schen Ansprü­che sowie bestimm­te Leh­ren der katho­li­schen Reli­gi­on miß­fal­len, ein System ent­wickeln wol­len, in dem tat­säch­lich eine Art von pela­gia­ni­schem Hedo­nis­mus mit­tels sophi­sti­schen Geschwät­zes als mit der katho­li­schen Reli­gi­on kom­pa­ti­bel erwie­sen wer­den soll. (So oder auf ähn­li­che Wei­se funk­tio­niert übri­gens jede, auch teuf­li­sche, Ver­su­chung, sofern sie nicht gera­de­zu auf Abfall vom Glau­ben abzielt: „Alles halb so wild, man will ja auch etwas vom Leben haben, der lie­be Gott ‚ist gar nicht so‘, man lebt nur ein­mal“ usw. usf. )

    Nur ein Bei­spiel dazu: Die­ses „katho­li­sche“ Maga­zin ver­such­te vor eini­gen Mona­ten den Beweis zu füh­ren, daß scham­lo­se Frau­en­klei­dung ‑bzw. der im Som­mer in vie­len Fäl­len statt­fin­den­de Man­gel bei­na­he jed­we­der Beklei­dung — ganz im Sin­ne der katho­li­schen (Sit­ten-) Leh­re sei, denn schließ­lich sei die Schön­heit der Frau ein gött­li­ches Geschenk. Ein völ­lig unsin­ni­ger, an Lächer­lich­keit kaum zu über­bie­ten­der Fehl­schluß, der, um nur dies zu erwäh­nen, die Situa­ti­on der Mensch­heit nach dem Sün­den­fall im pela­gia­ni­schen Sin­ne gründ­lich ver­zeich­net. Die mensch­li­che Rea­li­tät und die katho­li­sche Leh­re spre­chen eine ande­re Spra­che, als die schlei­mig-ange­paß­ten fal­schen Pro­phe­ten, rabu­li­sti­schen Pha­ri­sä­er und unbe­darf­ten Spie­ßer von „The Cath­walk“.

    Der in jeder Hin­sicht hane­bü­che­nen Stel­lung­nah­me gegen die Dubia scheint gleich­falls die soeben ange­deu­te­te Grund­ein­stel­lung zugrun­de zu lie­gen: „Ja, wir wol­len katho­lisch sein, aber es paßt uns nicht in den Kram, daß dies irgend­wie Kampf bedeu­ten könn­te. Schließ­lich wol­len wir vor allem genie­ßen.“ In die­sem Sin­ne wird jetzt dort ein rein inter­es­sen­ge­lei­te­ter, heuch­le­ri­scher und quie­ti­sti­scher Papa­lis­mus pro­pa­giert, der im Grun­de wil­lent­li­che Blind­heit bedeu­tet — hin­sicht­lich der Glau­bens­leh­re über das Papst­tum sowohl, als auch der aktu­el­len kirch­li­chen Lage. Eine sol­che Blind­heit aber ist gleich­be­deu­tend mit igno­ran­tia vin­ci­bi­lis bzw. affec­ta­ta — die nichts ent­schul­digt, weder theo­re­tisch, noch mora­lisch-prak­tisch.

    Etwas Gutes hat der von „The Cath­walk“ initi­ier­te Auf­ruf immer­hin: Des­sen Unter­zeich­ner geben sich öffent­lich als Per­so­nen zu erken­nen, denen kein Katho­lik in reli­giö­sen Ange­le­gen­hei­ten Ver­trau­en schen­ken kann.

  4. Tritt­brett­fah­rer oder Ver­tei­di­ger der Wahr­heit?
    Jeder braucht ein Kor­rek­tiv, das lehrt das Leben. The Cath­walk und deren Weck­ruf­un­ter­zeich­ner soll­ten mal die­se Gegen­stel­lung­nah­me lesen, viel­leicht sind ja „noch kor­ri­gier­ba­re Posi­tio­nen“ im Den­ken vor­han­den.
    Viel­leicht ist aber der Weck­ruf mehr ein „Zweck­ruf“ denn ein Weck­ruf. Ein Zweck­ruf zunächst in eige­ner Sache: Auf­merk­sam­keit für sich sel­ber gene­rie­ren? Kon­trove­sen eig­nen sich her­vor­ra­gend für Tritt­brett­fah­rer, um sich auf ein The­ma mit drauf­zu­set­zen und für sich selbst neue Anhän­ger zu sam­meln.
    Denn, woll­te The Cath­walk wirk­lich Papst und Kir­che hel­fen, hät­te eine glaub­haf­te Akti­on ein Ruf zu Gebet, Fasten und Opfer für Papst und Kir­che sein müs­sen. Und dies ohne ein Wort der Schmä­hung ande­rer Per­so­nen.

  5. Der Auf­ruf ist ver­werf­lich.
    Im Grun­de wird hier ein Auf­ruf zur Blind­heit gegen­über dem Wüten von Papst Fran­zis­kus gemacht. Das ist kei­ne katho­li­sche Gesin­nung.

    Eini­ge der unter­fer­tig­ten Per­so­nen ken­ne ich per­sön­lich oder über deren Ver­öf­fent­li­chun­gen. Die Ver­wir­rung der Fran­zis­kus-Ära ist jetzt defi­ni­tiv im „kon­ser­va­ti­ven“ Milieu ange­kom­men.
    Mit Ent­set­zen neh­me ich daher die ande­ren Bei­trä­ge auf Cath­walk wahr.
    In gewis­ser Wei­se ist das schlim­mer als die offen „pro­gres­si­ve“ Publi­zi­stik, weil Arg­lo­se ver­lei­tet wer­den.

    Im übri­gen sind die Postings von
    @Maximilian
    und
    @Antifebronius
    sehr beach­tens­wert.

    • @ Herrn Schrems,
      Sie haben Recht! Man wird nicht nur ver­lei­tet, son­dern voll­ends ver­wirrt, sodaß man völ­lig den Über­blick zu ver­lie­ren droht. Man erkennt deut­lich, wie fast alle Autoren bei Cath­walk sich in Neben­säch­lich­kei­ten ver­lie­ren oder wie sie mit geschlos­se­nen Augen blin­den Papst­ge­hor­sam gegen­über dem Gött­li­chen Gehor­sam vor­zie­hen und pro­pa­gie­ren. „Blin­der Gehor­sam ist nicht katholisch„sagte Erz­bi­schof Lefevb­re ein­mal. Man muß Gott mehr gehor­chen, als den Men­schen selbst wenn es der „Papst“ ist. Die Art und Wei­se wie man dort mit den berech­tig­ten Dubia der vier Kar­di­nä­le zu Amo­ris Lae­ti­tia umgeht ist eben­so beschä­mend wie die belei­di­gen­den Äusse­run­gen und Unter­stel­lun­gen gegen­über dem hei­lig­mä­ßi­gen und treu­en Hir­ten Got­tes — Kar­di­nal Bur­ke.

  6. Ich habe mir die Sei­te des Maga­zins ange­se­hen: hand­werk­lich ziem­lich pro­fes­sio­nell, inhalt­lich schau­er­lich. Wohl moder­ner schwei­zer Katho­li­zis­mus.
    ABER:
    Es gibt wohl eine Leser­brief- und Kom­men­tar­funk­ti­on. Und ich den­ke, da könn­ten sich vie­le qua­li­fi­zier­te katholisches.info Kom­men­ta­to­ren enga­gie­ren. Und zwar for­ti­ter in res, sua­vi­ter in modo.
    Auf katho­li­sches haben doch eh alle im wesent­li­chen die sel­be Ansicht, und Strei­tig­kei­ten sind oft um Details. Auf Cath­walk wür­de gel­ten: viel Feind, viel Ehr‘. Und vor allem auch die rich­ti­gen Fein­de.
    Ich wer­de mich im Rah­men mei­ner Mög­lich­kei­ten dort enga­gie­ren.

    • @Uli — Ihr Vor­schlag sich bei cath­walk zu enga­gie­ren in allen Ehren, aber das sprengt — zumin­dest in mei­nen Augen — jeg­li­chen zeit­lich mög­li­chen Rah­men. Ich habe gera­de eini­ge der vie­len end­lo­sen Kom­men­ta­re zu dem soge­nann­ten Weck­ruf gele­sen — dort herr­schen Cha­os, Ver­wir­rung und Macht­ge­ha­be pur. Beson­ders auch, weil sich dort eine hier bei katho­li­sches info mit Recht gesperr­te Kom­men­ta­to­rin mit unmög­li­chen und oft­mals belei­di­gen­den unwah­ren oder will­kür­li­chen Äusse­run­gen betei­ligt oder zutref­fen­der­wei­se müss­te man sagen: Sie lie­fert sich als „gebil­de­te Theo­lo­gin“ stän­dig Wort­ge­fech­te mit ande­ren Teil­neh­mern. Die­se Dame benimmt sich wie die selbst­ge­fäl­li­ge Eigen­tü­me­rin die­ser Sei­te — obwohl ich davon aus­ge­he, dass sie ledig­lich eine Kom­men­ta­to­rin unter vie­len ist. Ausser­dem fällt auf: bei cath­walk gibt man sich betont papst­treu und medi­en­af­fin — von Gott hört man dage­gen kaum etwas. Gott selbst kann sich bei Cath­walk weder äussern noch ver­tei­di­gen. Des­halb liest man vie­le Kom­men­ta­to­ren, die sich gegen­sei­tig stän­dig zu über­trump­fen suchen, was kei­ne christ­li­che Tugend ist. Was den Weck­ruf bzw. die ein­zel­nen Kom­men­ta­re auf Cath­walk betrifft, so könn­te ich die weit­aus mei­sten anhand der Bibel als alles ande­re als katho­lisch ent­lar­ven. Wie gesagt ich könn­te — aber aus Zeit­grün­den will und wer­de ich dort nicht mit­schrei­ben. Gegen stür­misch-aggres­si­ve Wind­müh­len zu kämp­fen, macht eh kei­nen Sinn. Was ich über­haupt nicht mag, ist dass man bei Cath­walk — auch durch die­se eine Dame im beson­de­ren — stets Wor­te in den Mund gelegt bekommt, die man gar nicht geschrie­ben hat. Aka­de­mi­scher Dün­kel, Bes­ser­wis­se­rei, Neid und Will­kür tref­fen auf­ein­an­der und pas­sen dort gut zusam­men.
      Ich schrei­be hier bei katho­li­sches info des­halb mit, weil ich es wich­tig fin­de, unse­ren tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Glau­ben immer wie­der im Hin­blick auf Gott, die Bibel, die Hei­li­gen, Got­tes Leh­ren, Gebo­te, den Kate­chis­mus auch unter Beach­tung katho­li­scher Mystik zu reflek­tie­ren und zu beken­nen.

  7. Ins­be­son­de­re das anhal­ten­de Schwei­gen von Ber­go­glio auf die fünf Fra­gen mit dem Hei­li­gen Schwei­gen von Jesus zu ver­glei­chen ist gera­de­zu grenz­wär­tig.
    Wer das hei­li­ge Magi­steri­um gering ach­tet von dem ist auch nicht zu erwar­ten dass er das ver­ant­wor­tungs­lo­se Han­deln des Amt­in­ha­bers beim Namen nennt.

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