Eliminierung des Themas Ehe und Familie — Lehrplanmängel (3)

Die CDU Hes­sen hat mit dem neu­en Sexu­al­erzie­hungs­pro­gamm ihr ehe­mals fami­li­en­kon­zen­trier­tes Par­tei­pro­fil  über Bord gewor­fen.

Ein Gast­bei­trag von Hubert Hecker.

In den ersten drei Pas­sa­gen des Ein­lei­tungs­ka­pi­tels vom hes­si­schen Lehr­plan für Geschlech­ter­erzie­hung wer­den die ver­fas­sungs­recht­li­chen und schul­ge­setz­li­chen Vor­ga­ben und Leit­li­ni­en für schu­li­sche Sexu­al­erzie­hung auf­ge­führt:

Die grundlegende Bedeutung von Ehe und Familie

Der Text legt den Gegen­stand der Sexu­al­erzie­hung in enger Zita­ti­on an den Para­gra­phen 7 des Hes­si­schen Schul­ge­set­zes fest. Danach sol­len die Schü­ler fächer­über­grei­fend und alters­ge­mäß mit dem Wis­sen über „ver­schie­de­ne Bezü­ge mensch­li­cher Sexua­li­tät ver­traut gemachtwer­den. Dar­über hin­aus soll das „Bewusst­sein der Schü­ler ent­wickelt und geför­dert wer­den für „eine per­sön­li­che Intim­sphä­re“ sowie für „gewalt­frei­es und respekt­vol­les Ver­hal­ten“ in part­ner­schaft­li­chen Bezie­hun­gen. Bei die­ser Wissens‑, Ein­stel­lungs- und Ver­hal­tens-Erzie­hung ist die „grund­le­gen­de Bedeu­tung von Ehe und Fami­lie gemäß Art. 6 Grund­ge­setz zu ver­mit­teln“. Für ein hes­si­sches Gesetz wäre der Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Stel­le der Ver­fas­sung des Lan­des Hes­sen zu ergän­zen. Nach Art. 4 wer­den „Ehe und Fami­lie als Grund­la­ge des Gemein­schafts­le­bens“ fest­ge­stellt.

Bei kri­ti­schen Ein­wän­den zum Aus­fall des The­mas Ehe und Fami­lie im unter­richts­re­le­van­ten Inhalts­plan weist der hes­si­sche Kul­tus­mi­ni­ster R. Alex­an­der Lorz stets dar­auf hin, dass er die „her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung von Ehe und Fami­lie“ dadurch gewür­digt habe, indem sie „an pro­mi­nen­ter Stel­le am Anfang des Ein­lei­tungs­ka­pi­tels“ gesetzt sei.

Wenn die­ser Hin­weis ernst gemeint ist und die  Bedeu­tung der  Fami­lie so grund­le­gen­de ist für die Gesell­schaft und das Gemein­schafts­le­bens, dann müs­sen die Eltern erwar­ten kön­nen, dass die Schu­le in jeder Alters­stu­fe Ehe und Fami­lie in den ver­schie­de­nen Dimen­sio­nen den Schüler/innen alters­ge­recht ver­mit­telt.

Ein Cur­ri­cu­lum zu Ehe und Fami­lie soll­te dann etwa so aus­ge­stal­tet wer­den:

  • Grund­schu­le: die klas­si­sche Fami­lie der Mehr­heits­ge­sell­schaft Vater, Mut­ter, Kind/er
  • 10–12Jährige: Ehe und Fami­lie als per­spek­ti­vi­sche Regel­form der sexu­el­len Bezie­hun­gen
  • 13–16Jährige: Für die auf Dau­er ange­leg­te Ehe: Lie­be und Treue als ethi­sche Hal­tung und Her­aus­for­de­rung
  • 16–19Jährige: die grund­ge­setz­ba­sier­te Fami­lie — recht­li­che Aus­ge­stal­tung, opti­ma­ler Ent­fal­tungs­raum für Kin­der, bio­gra­phi­sche Sta­bi­li­tät, Keim­zel­le der Gesell­schaft; dane­ben soll­ten die heu­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen von Ehe und Fami­lie behan­delt wer­den.

Skandalöse Eliminierung der klassischen Familie bei den verbindlichen Themen

Doch die­se berech­tig­ten Eltern­er­war­tun­gen wer­den kom­plett miss­ach­tet. Denn die oben erwähn­ten recht­li­chen Direk­ti­ven blei­ben im wei­te­ren Lehr­plan fol­gen­los. Die Inhalts­vor­ga­ben aus dem Schul­ge­setz sind in den kon­kre­ten Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen nicht berück­sich­tigt:

Demo für alle
Demo für alle

Das drit­te Kapi­tel des Lehr­plans zu den unter­richts­re­le­van­ten Inhal­ten listet 29 „ver­bind­li­che The­men“ für vier Alters­grup­pen auf. Die Ver­mitt­lung der „grund­le­gen­den Bedeu­tung von Ehe und Fami­lie“ ist in kei­ner der vier Alters­stu­fen vor­ge­se­hen. Für die gesam­te Schul­zeit vom 6. bis zum 19. Lebens­jahr ist das grund­ge­setz­ge­schütz­te Leit­bild der ehe­ba­sier­ten Fami­lie kom­plett eli­mi­niert. Erst recht geschieht in der Schu­le kei­ne Wer­te­er­zie­hung mit der Per­spek­ti­ve auf Ehe und Fami­lie, Lie­be und Treue hin. Wert­schät­zen­de Akzep­tanz, die der Lehr­plan grund­sätz­lich für die diver­sen, nicht-hete­ro­se­xul­len  LSBTI-Ori­en­tie­run­gen und ‑Iden­ti­tä­ten for­dert, ist für die bipo­la­re Ehe, Eltern­schaft und Fami­lie der Mehr­heits­ge­sell­schaft nicht vor­ge­se­hen. Die­se Ver­drän­gung der zen­tra­len, grund­ge­setz­lich ver­an­ker­ten Wert­in­sti­tu­ti­on von Ehe und Fami­lie aus dem Sexu­al­erzie­hungs­lehr­plan ist das beson­ders Skan­da­lö­se an die­sem Lehr­plan.

Maximale Verwirrung der Grundschul-Kinder

Es ergibt sich  der Ein­druck, dass die­ser The­men­kom­plex den Schü­lern gezielt vor­ent­hal­ten wer­den soll:

In der Grund­schul-Alters­grup­pe wür­de man bei dem Teil­the­ma „unter­schied­li­che Fami­li­en­si­tua­tio­nen“ erwar­ten, dass der Lehr­plan die Behand­lung der klas­si­schen Fami­lie von Vater, Mut­ter, Kind/er an erste Stel­le setzt. Dafür spre­chen die oben erwähn­ten recht­li­chen Vor­ga­ben, aber auch die sach­lo­gi­sche Über­le­gung, dass die Mehr­heit der Schü­ler bei ihren leib­li­chen Eltern in der Nor­mal-Fami­lie auf­wächst.

Doch in der Bei­spiel­auf­zäh­lung von „Fami­li­en­si­tua­tio­nen“ wird die Voll­form der Fami­lie unter­schla­gen, wenn es dort heißt: „z. B. Patch­work­fa­mi­li­en, Allein­er­zie­hen­de, Pfle­ge­fa­mi­li­en, gleich­ge­schlecht­li­che Part­ner­schaf­ten“. Statt der klas­si­schen Fami­lie wer­den in die Rei­hung unter­schied­li­cher Fami­li­en­for­men homo­se­xu­el­le Part­ner­schaf­ten ein­ge­schmug­gelt. Die sind als part­ner­schaft­li­che Lebens­ge­mein­schaf­ten offen­sicht­lich kei­ne Fami­lie. Und sie kön­nen von sich aus wegen ihrer Ste­ri­li­tät auch kei­ne Fami­lie wer­den.

Damit wird bei den 6- bis 10-jäh­ri­gen Grund­schü­lern eine maxi­ma­le Ver­wir­rung erzeugt:

  • Die Her­kunfts­fa­mi­lie der mei­sten Schü­ler sowie der Mehr­heits­ge­sell­schaft ist als Lehr- und Lern-The­ma eli­mi­niert.
  • Es wer­den allein defi­zi­tä­re Fami­li­en­mo­del­le oder Ersatz­fa­mi­li­en­for­men von Min­der­hei­ten als gesell­schaft­li­cher Nor­mal­fall vor­ge­stellt.
  • Die Schü­ler sind mit der Ein­füh­rung von homo­se­xu­el­len Part­ner­schaf­ten über­for­dert. Das gilt ins­be­son­de­re für die Sub­su­mie­rung des Ter­mi­nus’ unter ‚Fami­li­en­si­tua­ti­on’. Denn dar­aus ent­ste­hen Fra­gen, etwa wie denn Babys in eine Homo-Part­ner­schaft kom­men kön­nen. (Die Kin­der sind vor­her über Schwan­ger­schaft infor­miert wor­den, dass Kin­der nur im Bauch der Mut­ter her­an­wach­sen.)

Gezielte Ausklammerung des Familien-Themas?

In einem Brief an die Kri­ti­ker ver­sucht Kul­tus­mi­ni­ster R. Alex­an­der Lorz den The­men­weg­fall der Regel­fa­mi­lie zu ver­tu­schen. Er spricht bei den  „Emp­feh­lun­gen für Kin­der im Grund­schul­al­ter“ von „unter­schied­li­chen Fami­li­en­si­tua­tio­nen neben der klas­si­schen Mut­ter-Vater-Kind-Fami­lie“. Damit sug­ge­riert er, dass das The­ma der klas­si­schen Fami­lie im Inhalts­ka­ta­log für die Grund­schu­le ent­hal­ten sei, was nicht zutrifft. Der fälsch­li­che Ein­druck von the­ma­ti­scher Behand­lung der Fami­lie ist im Zusam­men­hang mit der empha­ti­schen Behaup­tung des Kul­tus­mi­ni­sters, dass für ihn die gesell­schaft­li­che Bedeu­tung von Ehe und Fami­lie eine zen­tra­le Rol­le spie­le, als Ver­wi­schung, wenn nicht Ver­tu­schung der Tat­sa­chen zu sehen. Auch mit der Behaup­tung von Lernplan-„Empfehlungen“ täuscht der Kul­tus­mi­ni­ster dar­über hin­weg, dass die The­men­an­for­de­run­gen ver­bind­lich gesetzt sind.

Prof. Lorz weiß, wovon er schreibt. Denn er selbst ist dafür ver­ant­wort­lich, dass die Behand­lung der klas­si­schen Fami­lie im unter­richts­re­le­van­ten The­men­ka­ta­log der neu­en Richt­li­nie gestri­chen wur­de. Das hat er auf der CDU-Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in Ful­da am 2. 12. 2016 ange­deu­tet.

Erziehung zu Gleich-Gültigkeit

Des Wei­te­ren ist das Ansin­nen des Lehr­plans nach Gleich­wer­tig­keit aller Fami­li­en­mo­del­le abzu­leh­nen. Unter dem Prin­zip ‚Kin­des­wohl’, dem der Kul­tus­mi­ni­ster mit Recht eine „zen­tra­le Bedeu­tung“ zuspricht, ist und bleibt die klas­si­schen Fami­lie von Vater, Mut­ter, Kind/er der beste Rah­men für das Auf­wach­sen von Kin­dern. Dar­an gemes­sen sind alle ande­ren Fami­li­en­for­men defi­zi­tär. Das wird ersicht­lich etwa bei den Begrif­fen ‚Ein­el­tern­fa­mi­lie’ oder ‚Schei­dungs­fa­mi­lie’. In dem Buch „Die Patch­work-Lüge“, einer Streit­schrift der FAZ-Autorin Mela­nie Mühl, wer­den die urban legends die­ser Fami­li­en­form auf­ge­zeigt und als Defi­zi­te her­aus­ge­stellt.

Nach Fami­li­en­brü­chen sind manch­mal Ersatz­fa­mi­li­en für das Auf­fan­gen von Kin­dern ein Not­be­helf. Sie sind auch durch Poli­tik und Gesell­schaft zu unter­stüt­zen – etwa Pfle­ge­fa­mi­li­en. Aber es kann doch nicht Ziel der Sexu­al­erzie­hung von Kin­dern und Jugend­li­chen sein, etwa eine Schei­dungs­fa­mi­lie oder das Auf­wach­sen ohne ein zwei­tes Eltern­teil als erstre­bens­wer­te Fami­li­en­form hin­zu­stel­len, gleich­wer­tig mit der klas­si­schen Fami­lie. Genau das macht die­ser Lehr­plan. Zum einen sug­ge­riert der Begriff der (bun­ten) ‚Viel­falt’ alter­na­ti­ve Fami­li­en­mo­del­le als posi­ti­ve Berei­che­rung, zum andern wird für die fami­lia­len Defi­zit­for­men „wert­schät­zen­de Akzep­tanz“ gefor­dert.

Ausklammerung der auf Dauer angelegten Ehe und die Werte von Liebe und Treue

Eben­so wie die Nor­mal-Fami­lie soll die grund­recht­lich geschütz­te Ehe in der gesam­ten Schul­zeit nicht behan­delt wer­den. Die Part­ner­schafts­form der Mehr­heits­ge­sell­schaft ist jeden­falls nicht in den ver­bind­li­chen Inhalts­plan auf­ge­nom­men. Dage­gen sol­len die Schü­ler schon in der Grund­schu­le – wie oben gezeigt — mit homo­se­xu­el­len Part­ner­schaf­ten kon­fron­tiert wer­den.

Schaubild aus dem Schulbuch "Politik & Co", Buchner-Verlag, Klasse 7, ab 2004
Schau­bild aus dem Schul­buch „Poli­tik & Co“, Buch­ner-Ver­lag, Klas­se 7, ab 2004

Lehr­plan und Kul­tus­mi­ni­ster heben her­vor, dass sie „die gesell­schaft­li­chen Rea­li­tä­ten berück­sich­ti­gen“ wol­len. Doch in die­sem Fall wird eine absurd ver­zerr­te Rea­li­täts­ab­bil­dung ver­mit­telt.  Denn die Zahl der Ehe­paa­re in Deutsch­land liegt im zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich, wäh­rend man die Pro­mil­le-Zahl der ein­ge­tra­ge­nen homo­se­xu­el­len Part­ner­schaf­ten mit der sta­ti­sti­schen Lupe suchen muss.

Nach der ste­ti­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist die Ehe eine „grund­sätz­lich auf Lebens­dau­er ange­leg­te Gemein­schaft zwi­schen Mann und Frau“. Die­ses Leit­prin­zip der lebens­zeit­li­chen Ver­bin­dung wird durch das Ehe-Ver­spre­chen beim Trau­ungs­akt mani­fe­stiert. Damit kom­men bei der schu­li­schen Geschlech­ter­erzie­hung „ethi­sche Bezü­ge“ in den Blick, die nach dem hes­si­schen Schul­ge­setz aus­drück­lich zu behan­deln sind. In die­sem Fall soll­ten die ehe­li­chen Wer­te ‚Lie­be und Treue’ ver­mit­telt wer­den. Da nach ver­schie­de­nen Jugend­stu­di­en die­se Wer­te für die Mehr­heit der Jugend­li­chen eben­so höch­ste Prio­ri­tät haben, soll­te die Sexu­al­erzie­hung eine sol­che ethi­sche Ori­en­tie­rung unbe­dingt auf­zei­gen bzw. die Jugend­li­chen dar­in bestär­ken. Denn das Ziel der Erzie­hung ist es laut hes­si­scher Ver­fas­sung, Art. 56, „den jun­gen Men­schen zur sitt­li­chen Per­sön­lich­keit zu bil­den“. Nichts von alle dem ist unter den 29 ver­bind­li­chen The­men des neu­en Lehr­plans zu fin­den.

Keine Orientierung auf Elternschaft und Kinder

Mit der Dop­pel­for­mel ‚Ehe und Fami­lie’ in Grund­ge­setz und Hes­si­scher Ver­fas­sung ist ein gegen­sei­ti­ger Bezug die­ser bei­den Insti­tu­tio­nen gege­ben: Die Ehe zwi­schen Mann und Frau ist auf­grund ihrer Fer­ti­li­tät auf Fami­lie ange­legt. Inso­fern ist Fami­lie grund­sätz­lich als ehe­ba­siert zu ver­ste­hen. Dar­aus erge­ben sich wei­te­re Fol­ge­run­gen für die Geschlech­ter­erzie­hung:

Neu­es Leben zu geben und wach­sen zu las­sen gehö­ren zur mensch­li­chen Wür­de und Fähig­keit. Aber eine per­spek­ti­vi­sche Ori­en­tie­rung auf Mut­ter­schaft und Vater­schaft ist im Lehr­plan nicht vor­ge­se­hen. Zwar sol­len die The­men ‚Schwan­ger­schaft und Kin­der­wunsch’ in der Alters­grup­pe ab 16 ange­spro­chen wer­den, aber eben nicht per­spek­ti­visch auf Ehe und Fami­lie hin. Dar­über hin­aus herrscht eine nega­ti­ve Sicht auf die mensch­li­che Frucht­bar­keit vor mit den The­men ‚Ver­hü­tung und Abtrei­bung’.

Als Resü­mee ist fest­zu­stel­len: Die von der Hes­si­schen Ver­fas­sung vor­ge­ge­be­ne und dem Hes­si­schen Schul­ge­setz vor­ge­schrie­be­ne Behand­lung der „grund­le­gen­den Bedeu­tung von Ehe und Fami­lie“ wird bei den ver­bind­li­chen Inhal­ten des Sexu­al­erzie­hungs­lehr­plans für die gesam­te Schul­zeit kom­plett unter­schla­gen. Die mit die­sem The­ma impli­zier­te Wer­te-Erzie­hung fällt eben­falls unter den Tisch. Die Lehr­per­so­nen wer­den gesetz­wid­rig ange­hal­ten, bei der Geschlech­ter­erzie­hung die von der Mehr­heits­ge­sell­schaft bevor­zug­te Lebens­form von Ehe und Fami­lie aus­zu­klam­mern – ganz zu schwei­gen von deren Wert­schät­zung. Statt­des­sen sol­len die nicht-hete­ro­se­xu­el­len Ori­en­tie­run­gen und Part­ner­schaf­ten bevor­zugt und wert­schät­zend behan­delt wer­den. In die­sem Fall liegt eine „Dis­kri­mi­nie­rung der hete­ro­se­xu­el­len Mehr­heits­ge­sell­schaft“ vor, wie der Kon­ser­va­ti­ve Ber­li­ner CDU-Kreis in sei­nen „Fami­li­en­po­li­ti­schen For­de­run­gen“ vom 22. 11. 2016 for­mu­lier­te.

Ein gesellschaftspolitischer Paradigmenwechsel

Offen­sicht­lich ist in der neu­en Richt­li­nie eine fun­da­men­ta­le Wer­te­ver­schie­bung ein­ge­lei­tet. Auf der Grund­la­ge der Gen­der-Ideo­lo­gie hat man eine gesell­schafts­po­li­ti­sche Agen­da ent­wickelt zu einem gesell­schafts­po­li­ti­schen Para­dig­men­wech­sel: Das bis­he­ri­ge, grund­ge­setz­ba­sier­te Wer­te­sy­stem von Ehe und Fami­lie soll ver­scho­ben wer­den hin zu dem Norm­sy­stem der inter­se­xu­el­len Viel­falt. Die Stu­fen die­ser Ver­schie­bung bestehen in Gleich­stel­lung, Mar­gi­na­li­sie­rung, Aus­gren­zung und schließ­lich Erset­zung von Ehe und Fami­lie.

Der Prozess zur Degradierung der Familie ist seit Jahrzehnten zu beobachten:

Der erste Schritt besteht in der Rela­ti­vie­rung der bipo­la­ren Regel­norm. Dabei setzt man Ehe und Fami­lie als ein Lebens­mo­dell neben ande­re Part­ner­schafts­for­men und Fami­li­en­kon­zep­te wie etwa Patch­work­fa­mi­li­en, Allein­er­zie­hen­de, Homo-Part­ner­schaf­ten mit Kin­dern u. a. Die­se Rela­ti­vie­rungs-Ten­denz ver­mit­teln seit etwa zwan­zig Jah­ren die Schul­bü­cher durch Schau­bil­der und Tex­te.

Demo für alle gegen die Einführung der Gender-Ideologie an den Schulen
Demo für alle gegen die Ein­füh­rung der Gen­der-Ideo­lo­gie an den Schu­len

Auf der zwei­ten Stu­fe wird die klas­si­sche, ehe­ba­sier­te Fami­lie von Mut­ter, Vater, Kind/er als ‚tra­di­tio­nel­les Fami­li­en­mo­dell’ abge­wer­tet zu einer anti­quier­ten Lebens­form. Die wäre in der moder­nen Lebens­welt nicht mehr aktu­ell oder ange­mes­sen. In Ana­lo­gie zu die­ser mar­gi­na­li­sie­ren­den Ein­schät­zung denun­ziert man die auf Fami­lie ange­leg­te Ehe als ‚Aus­lauf­mo­dell’. Ent­spre­chen­de Tex­te sind viel­fach in der fami­li­en­po­li­ti­schen Lite­ra­tur zu fin­den, aber auch in Pas­sa­gen von Sozi­al­kun­de­bü­chern.

Als drit­ten Schritt kann man die Ten­denz fest­stel­len, dass die Ehe sowie die ehe­ba­sier­te Eltern­schaft und Fami­lie aus den poli­ti­schen Akti­ons­pro­gram­men ein­fach aus­ge­klam­mert wer­den. Eine sol­che Aus­gren­zung kann man an dem fami­li­en­po­li­ti­schen Kapi­tel der schwarz-grü­nen Koali­ti­ons­ver­ein­ba­rung in Hes­sen fest­stel­len sowie in allen Regie­rungs­pro­gram­men, an denen die Grü­nen-Par­tei betei­ligt ist. Die­se Pro­gram­ma­tik ist auch in der aktu­el­len Sexu­al­erzie­hungs­richt­li­nie umge­setzt. In ihr ist die Ehe als Lebens­form der Mehr­heits­ge­sell­schaft eben­so wenig Lern­stoff für die Kin­der und Jugend­li­chen wie die klas­si­sche Fami­lie von Mut­ter, Vater, Kind/er, in der die mei­sten Schüler/innen immer noch auf­wach­sen. Es ist zu erwar­ten, dass die Kul­tus­bü­ro­kra­tie in Zukunft nur noch Lehr- und Lern­bü­cher geneh­migt, die die­se Aus­blen­dung von Ehe und Fami­lie in ihren Tex­ten nach­voll­zie­hen.

Ersetzung der ehebasierten Familie durch genderorientierte Vielfalt

Die vier­te Stu­fe bil­det den Abschluss in die­sem pro­gram­ma­ti­schen Pro­zess. Sie ist zugleich als Ziel­punkt der beschrie­be­nen Agen­da anzu­se­hen: die Erset­zung des Wer­te­sy­stems von bipo­la­rer Ehe, Eltern­schaft und Fami­lie durch das gen­der­ori­en­tier­te Kon­zept der Akzep­tanz von Viel­falt in Sexua­li­täts­va­ria­tio­nen und Part­ner­schafts­for­men.

Am Ende des Ein­lei­tungs­ka­pi­tels vom Lehr­plan, an des­sen Anfang die „grund­le­gen­de Bedeu­tung von Ehe und Fami­lie nach Art. 6 Grund­ge­setz“ gewür­digt wird, ist davon kei­ne Rede mehr. Als „Ziel der Sexu­al­erzie­hung“ soll allein „wert­schät­zen­des Ver­ständ­nis“ ver­mit­telt wer­den für die „Viel­falt der part­ner­schaft­li­chen Bezie­hun­gen, sexu­el­len Ori­en­tie­run­gen und geschlecht­li­chen Iden­ti­tä­ten in unse­rer Gesell­schaft“. Die Begrif­fe ‚Viel­falt’ und ‚Wert­schät­zung’ wer­den im Lehr­plan aus­schließ­lich im Zusam­men­hang mit nicht-hete­ro­se­xu­el­len Ori­en­tie­run­gen und Iden­ti­tä­ten gebraucht.

Für eine Revision des Lehrplan – Proteste, Druck und Demonstrationen

„Die Uni­on muss die poli­ti­sche Kraft an der Sei­te der Fami­li­en Deutsch­lands blei­ben.“ Die­ser kürz­lich getä­tig­te Auf­ruf der kon­ser­va­ti­ven CDU-Grup­pie­rung „Ber­li­ner Kreis“ um den ehe­ma­li­gen hes­si­schen CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Christe­an Wag­ner ist ein Not­ruf gegen die Hes­sen-CDU. Denn das Wies­ba­de­ner Kul­tus­mi­ni­ste­ri­um hat gera­de das Fami­li­en­the­ma im Sexu­allehr­plan über Bord gewor­fen und sich voll auf die Sei­te der Grü­nen-Par­tei geschla­gen. Deren gen­der­ori­en­tier­te Agen­da für die „kul­tu­rel­le Hege­mo­nie“ der Min­der­hei­ten-Sexua­li­tä­ten ist zugleich ein Kampf­pro­gramm gegen das Wer­te­sy­stem von Ehe und Fami­lie als „hete­ro-nor­ma­ti­ve Gewalt­for­ma­ti­on“.

Auf der CDU-Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in Ful­da am 2. 12. 2016 ver­mit­tel­te der Kul­tus­mi­ni­ster bei sei­nem State­ment den Ein­druck, dass er selbst die trei­ben­de Kraft für den Para­dig­men­wech­sel im Lehr­plan ist. Mit der Eli­mi­nie­rung des Fami­li­en-The­mas drück­te er die Uni­on auf einen fami­li­en-unfreund­li­chen Kurs. War das der Grund, war­um die CDU-Land­tags­frak­ti­on als gan­zes in den Erar­bei­tungs­pro­zess nicht ein­ge­bun­den wur­de, wie zu hören ist?

Bis­her hat nur der ehe­ma­li­ge bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­cher der hes­si­schen CDU, Hans-Jür­gen Irmer, gegen das Ver­fah­ren und den Inhalt des Lehr­plans öffent­lich pro­te­stiert. Ande­re Land­tags­ab­ge­ord­ne­te, die ihren Unmut noch bedeckt hal­ten, soll­ten sich in ihren Wahl­krei­sen umhö­ren, wie stark die Ableh­nung des Lehr­plans an der Basis ist. Bei der Ful­da-Ver­an­stal­tung war – gemes­sen an Rede­bei­trä­gen und Bei­fall – etwa drei Vier­tel der vor­wie­gend CDU-Mit­glie­der und –Wäh­ler gegen den Lehr­plan, ins­be­son­de­re auch wegen der Eli­mi­nie­rung des Fami­li­en­the­mas. Die­se Stim­mungs­la­ge wird in ande­ren Regio­nen Hes­sens ähn­lich sein.

Wenn die CDU-Füh­rung die­sen grü­nen Lehr­plan auf Kosten von Ehe und Fami­lie bei­be­hält, wird die Uni­on bei den näch­sten Wah­len mit Sicher­heit von ihren Stamm­wäh­lern abge­straft wer­den. Anzu­ra­ten sind Pro­te­ste auf allen Ebe­nen, um die Richt­li­nie bald­mög­lichst zu revi­die­ren, damit dem The­ma Ehe und Fami­lie im Lehr­plan der ange­mes­se­ne und gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Platz gege­ben wird. Dazu braucht der Kul­tus­mi­ni­ster aller­dings noch wei­ter Druck und Demon­stra­tio­nen.

Text: Hubert Hecker
Bil­der: Demo für alle/Schulbuch (Screen­shot)