Jesuiten bieten Exerzitien „mit Luther und Ignatius als Glaubenszeugen“

Wiens Jesuiten bieten "Exerzitien" nach einem spirituelle Cocktail von Martin Luther und Ignatius von Loyola.
Wiens Jesuiten bieten "Exerzitien" nach einem spirituelle Cocktail von Martin Luther und Ignatius von Loyola.

(Wien) Wiens Jesui­ten möch­ten mit „Öku­me­ni­schen Exer­zi­ti­en im All­tag mit Luther und Igna­ti­us als Glau­bens­zeu­gen“ schaf­fen, was noch kei­nem gelun­gen ist: die Qua­dra­tur des Krei­ses.

Unter dem Mot­to „Mein Leben refor­mie­ren“ wer­den im März an jedem Don­ners­tag an der Wie­ner Jesui­ten­kir­che am Ignaz-Sei­pel-Platz „Exer­zi­ti­en im All­tag“ ange­bo­ten. Die „Initia­ti­ve der Jesui­ten in Wien 1“, wie es auf den Pla­ka­ten und Ein­la­dungs­zet­teln heißt, birgt eine „öku­me­ni­sche“ Sen­sa­ti­on. Die Exer­zi­ti­en im All­tag fin­den „mit Luther und Igna­ti­us als Glau­bens­zeu­gen“ statt.

„Reformation“ und „Gegenreformation“

Mit Luther ist der Sach­se Mar­tin Luther gemeint, der im Janu­ar 1521 von Papst Leo X. als Häre­ti­ker exkom­mu­ni­ziert wur­de, und über den im Mai des­sel­ben Jah­res von Kai­ser Karl V. die Reichs­acht ver­hängt wur­de. Luther schaff­te das Wei­he­prie­ster­tum und die Hei­li­ge Mes­se ab und bis auf die Tau­fe alle Sakra­men­te. Er ver­faß­te zwar die Schrift „Von der Frei­heit eines Chri­sten­men­schen“, behaup­te­te aber, daß der Mensch kei­nen frei­en Wil­len habe.

"Exerzitien im Alltag mit Luther und Ignatius als Glaubenszeugen"
„Exer­zi­ti­en im All­tag mit Luther und Igna­ti­us als Glau­bens­zeu­gen“

Mit Igna­ti­us ist der hei­li­ge Igna­ti­us von Loyo­la, ein Bas­ke, gemeint, der zeit­gleich im Mai 1521 als Sol­dat im Krieg gegen Frank­reich schwer ver­letzt wur­de. Wäh­rend sei­ner Gene­sung im Klo­ster Mont­s­er­rat leg­te er eine Lebens­beich­te ab und die Waf­fen nie­der und wur­de vom ade­li­gen Sol­da­ten zum armen Pilger.1534 leg­te er durch ein Gelöb­nis in Paris den Grund­stein zum Jesui­ten­or­den, der sich in den Dienst des von Luther ver­haß­ten Papst­tums stell­te, um in den Län­dern zu mis­sio­nie­ren, die durch Luther und ande­re „Refor­ma­to­ren“ von der Kir­che abge­fal­len waren.

Als Loyo­la 1556, zehn Jah­re nach Luther, stirbt, zähl­te der Jesui­ten­or­den bereits über 1000 Mit­glie­der. Der bas­ki­sche Ade­li­ge, der frei­wil­lig zum Bett­ler gewor­den war, hat­te die Keim­zel­le zur „Fuß­trup­pe“ für die katho­li­sche Erneue­rung gelegt, die als „Gegen­re­for­ma­ti­on“ in die Geschich­te ein­ge­hen soll­te.

Was jahr­hun­der­te­lang Sym­bol­fi­gu­ren von „Refor­ma­ti­on“ und „Gegen­re­for­ma­ti­on“ waren, wol­len die Jesui­ten der Wie­ner Alt­stadt einem radi­ka­len Geschichts­re­vi­sio­nis­mus unter­zie­hen und zu trau­ter Har­mo­nie und Ein­tracht zusam­men­pres­sen. Die„kontroverstheologische“ Sicht Luthers und des hei­li­gen Igna­ti­us soll durch eine öku­me­ni­sche-dia­lo­gi­sche Sicht ersetzt wer­den. Man könn­te auch sagen, die wirk­li­che Sicht­wei­se der Betrof­fe­nen soll durch eine fik­ti­ve, 500 Jah­re spä­ter gewünsch­te Sicht­wei­se über­tüncht wer­den.

Mit einer Selbst­ver­ständ­lich­keit wird von den Jesui­ten sug­ge­riert, daß Mar­tin Luther und der hei­li­ge Igna­ti­us „Zeu­gen“ des­sel­ben Glau­bens sei­en.

Papst Franziskus: „Luther wollte Kirche erneuern, nicht spalten“

Bereits 2014 hat­te die Deut­sche Jesui­ten­pro­vinz die Juni-Aus­ga­be ihrer Monats­zeit­schrift Jesui­tenIgna­ti­us und Luther“ gewid­met.

Völ­lig unhi­sto­risch, wie die ange­kün­dig­ten „Öku­me­ni­schen Exer­zi­ti­en“, wur­de dar­in Luther vom Jesui­ten Mar­kus Schmidt in des­sen Auf­satz „Luther aus der Sicht eines Jesui­ten heu­te“ skiz­ziert. Schmidt kann nichts Anstö­ßi­ges an Luthers Leben, Wir­ken und Schrif­ten fin­den. Er biegt Luther so zurecht, daß er per­fekt in das gewünsch­te Öku­menever­ständ­nis des „gemein­sa­men Refor­ma­ti­ons­ge­den­kens“ des 21. Jahr­hun­derts paßt. Schmidt ist Assi­stenz­pro­fes­sor am Insti­tut für Syste­mi­sche Theo­lo­gie der der Uni­ver­si­tät Inns­bruck.

Weit ehr­li­cher ist der Arti­kel des Pro­te­stan­ten Chri­stoph Picker zum The­ma „Stolz und Vor­ur­teil. Wie sehen Pro­te­stan­ten heu­te Igna­ti­us?“ Picker ist Direk­tor der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie der Pfalz.

Am ver­gan­ge­nen 19. Janu­ar emp­fing Papst Fran­zis­kus eine „öku­me­ni­sche Dele­ga­ti­on“ aus Finn­land. In sei­ner Anspra­che sag­te er:

„In Lund wur­de dar­an erin­nert, daß es vor 500 Jah­ren die Absicht Mar­tin Luthers war, die Kir­che zu erneu­ern, nicht zu spal­ten.“

Das haben bis­her so ähn­lich nur die Pro­te­stan­ten behaup­tet. Wer die Geschich­te kennt, weiß, daß es anders war. Ange­sichts sol­cher päpst­li­cher Wor­te, schei­nen die Wie­ner „Exer­zi­ti­en im All­tag mit Luther und Igna­ti­us“ nur eine logi­sche Kon­se­quenz.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: JesuitenWien1/Jesuiten (Screen­shots)

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21 Kommentare

  1. Exer­zi­ti­en mit Luther und Igna­ti­us.
    Wahr­lich: die Qua­dra­tur des Krei­ses. Aber mit die­sem Papst im Rücken schaf­fen Jesui­ten auch das.

  2. Die Wie­ner Jesui­ten führ­ten letz­tes Jahr auch eine „Woche der Wirk­sam­keit“ durch, bei der — man höre und stau­ne — Gerald Knaus von der Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­in­itia­ti­ve, einer Soros-Orga­ni­sa­ti­on, refe­rier­te:
    http://www.wochederwirksamkeit.at/referierende/

    Da die­se „Initia­ti­ve“ Euro­pa im Jahr 2015 gefähr­lich desta­bi­li­siert hat (Knaus gilt als Ein­flü­ste­rer für Mer­kels Wahn­sinns­po­li­tik), ist ihr Name frei­lich lügen­haft. Sie müß­te Euro­päi­sche Desta­bi­li­sie­run­gin­itia­ti­ve hei­ßen. Auch hier läßt Geor­ge Orwell grü­ßen.

    Was sagt uns das alles? Erstens, daß die Unter­wan­de­rung der kirch­li­chen Struk­tu­ren in Öster­reich durch die vis ini­mi­ca voll­stän­dig gelun­gen ist. Zwei­tens, daß der Jesui­ten­or­den am Ende ist. Was sich jetzt abspielt, hat Igna­ti­us — selbst­ver­ständ­lich — nicht ange­strebt.
    Vom Wahn­sinn, die Luther­schen Ideen als Grund­la­ge für Exer­zi­ti­en her­an­zu­zie­hen ganz abge­se­hen: Igna­ti­us und sei­ne Schü­ler lehr­ten immer, daß man sich der Wirk­lich­keit zu stel­len habe. Der Jesu­it ana­ly­siert die Wirk­lich­keit, wie sie nun ein­mal ist, um all­fäl­li­ge pas­sen­de Gegen­mit­tel zu ergrei­fen.
    Nun aber betreibt man dort Wirk­lich­keits­be­kämp­fung, näm­lich im Gewand der Geschichts­fäl­schung („fik­ti­ve Sicht­wei­se“, wie es im Arti­kel zutref­fend heißt).

    So geht eine Ära zu Ende. Dann möge es eben so sein. Die Ver­ant­wort­li­chen wer­den aber bald vor dem Gericht Got­tes ste­hen. Das soll­ten sie noch beden­ken.

  3. „Luther als Glau­bens­zeu­ge“ – ist das nicht zum Heu­len, zum Auf-und-davon-lau­fen? Selbst gemes­sen an den dama­li­gen Umstän­den, muss man auch und gera­de aus heu­ti­gem Ver­ständ­nis Mar­tin Luther zurecht als Hass­pre­di­ger bezeich­nen. O‑Ton Luther über die Juden: „Ein solch ver­zwei­fel­tes, durch­bö­stes, durch­gif­te­tes, durch­teu­fel­tes Ding ist’s um die­se Juden, so die­se 1400 Jah­re unse­re Pla­ge, Pesti­lenz und alles Unglück gewe­sen sind und noch sind. Sum­ma, wir haben rech­te Teu­fel an ihnen.“ Und so ent­warf er fol­gen­des anti­jü­di­sches „Akti­ons­pro­gramm“, des­sen radi­ka­le Umset­zung rd. 400 Jah­re spä­ter durch die Natio­nal­so­zia­li­sten erfol­gen soll­te: „Erst­lich, dass man ihre Syn­ago­ga oder Schu­len mit Feu­er anstecke … Zum ande­ren, dass man auch ihre Häu­ser des­glei­chen zer­bre­che und zer­stö­re … Zum drit­ten, dass man ihnen neh­me alle ihre Bet­büch­lein … Zum vier­ten, dass man ihren Rab­bi­nern bei Leib und Leben ver­bie­te, hin­fort zu leh­ren … Zum fünf­ten, dass man den Juden das Geleit und Stra­ße ganz und gar auf­he­be … Zum sech­sten, dass man … neh­me ihnen alle Bar­schaft und Klein­od an Sil­ber und Gold und lege es bei­sei­te zum Ver­wah­ren … Zum sieb­ten, dass man den jun­gen star­ken Juden und Jüdin­nen in die Hand gebe Fle­gel, Axt, Karst, Spa­ten, Rocken, Spin­del und las­se sie ihr Brot ver­die­nen im Schweiß der Nasen … “ So konn­te der berüch­tig­te brau­ne Het­zer Juli­us Strei­cher vor dem Nürn­ber­ger Mili­tär­tri­bu­nal über­zeu­gungs­voll sagen: „Dr. Mar­tin Luther säße heu­te sicher an mei­ner Stel­le auf der Ankla­ge­bank.“ Und aus­ge­rech­net der wird nun von unse­rer katho­li­schen Kir­che unter der der­zei­ti­gen Lei­tung des Jesui­ten Mario Jor­ge Ber­go­glio zum Glau­bens­zeu­gen, zum „Zeu­gen des Evan­ge­li­ums“ erho­ben. Unglaub­lich! Wel­chen Evan­ge­li­ums eigent­lich, wel­cher Froh­bot­schaft bit­te?
    Zwi­schen­fra­ge: Gab es ver­gleich­ba­re Äuße­run­gen bekann­ter Per­sön­lich­kei­ten oder Zustim­mung aus der Katho­li­schen Kir­che?
    Noch ein paar wei­te­re ent­lar­ven­de Luther-Sprü­che gefäl­lig? Etwa zum Huma­ni­sten Eras­mus von Rot­ter­dam: „Wer den Eras­mus zer­drückt, der wür­get eine Wan­ze, und die­se stinkt noch tot mehr als leben­dig!“ Oder, als angeb­li­cher „Frau­en­be­frei­er“, zu wer­den­den Müt­tern: „Ob die Frau­en sich aber auch müde und zuletzt tot tra­gen, das scha­det nichts. Lass sie nur tot tra­gen, sie sind dar­um da.“ Oder über die auf­stän­di­schen Bau­ern im Bau­ern­krieg: „Man soll sie zer­schmei­ßen, wür­gen, ste­chen, heim­lich und öffent­lich, wer da kann, wie man einen tol­len Hund erschla­gen muss.“ Oder zum The­ma Hexen: „Es ist ein über­aus gerech­tes Gesetz, dass die Zau­be­rin­nen getö­tet wer­den, denn sie rich­ten viel Scha­den an … Die Zau­be­rin­nen sol­len getö­tet wer­den, weil sie Die­be sind, Ehe­bre­cher, Räu­ber, Mör­der …“ Bekannt­lich war in den pro­te­stan­ti­schen Reichs­tei­len die Hexen­ver­fol­gung schär­fer und län­ger anhal­tend als in den katho­li­schen.
    Ob wohl der Jesui­ten-Papst Fran­zis­kus von die­sen und all den ande­ren men­schen­ver­ach­ten­den, erbar­mungs­lo­sen ernied­ri­gen­den Luther-Wor­ten Kennt­nis hat? Viel­leicht schon. Denn er sagt ja immer wie­der, dass der Vater alle Sün­den ver­gibt, alle; und somit ist der „Refor­ma­tor“ schon mal rein­ge­wa­schen. Ganz sicher aber müs­sen sei­ne Mit­brü­der in Wien Luthers Hass­ti­ra­den ken­nen. Man soll­te mal hin­hö­ren, ob und was sie in ihren ange­kün­dig­ten Don­ners­tags-Medi­ta­tio­nen im März dazu zu sagen haben und wie sie es dann sagen – ohne oder mit „jesui­ti­scher Schläue“. Oder wer­den sie der Ein­fach­heit hal­ber all das Erschrecken­de aus Luthers Mund aus­blen­den …, es könn­te ja das öku­me­ni­sche Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken stö­ren?

    • Wenn man sich schon dazu ent­schließt, die­ses The­ma über­haupt anzu­spre­chen, dann soll­te man fai­rer­wei­se den Text als gan­zes lesen (https://ia601402.us.archive.org/26/items/VonDenJudenUndIhrenLuegen/LutherMartin-VonDenJudenUndIhrenLuegen154318S..pdf ) und sich nicht von der lei­den­schaft­li­chen, unbe­herrsch­ten gro­bia­ni­sti­schen, zuwei­len unflä­ti­gen Rhe­to­rik Luthers vom Sach­in­halt ablen­ken las­sen: Luther hat kei­ne Juden­ver­nich­tung gefor­dert. Er hat auch nicht gefor­dert, die Juden zu ver­fol­gen und zu miss­han­deln. Und man soll­te nicht The­men ver­men­gen. Zu jedem der in Fedors Kom­men­tar ange­spro­che­nen Stich­wor­te wäre eine Men­ge sach­lich zu sagen, was aber in die­sem Forum so wenig mög­lich ist wie in Deutsch­land über­haupt. Es gibt bis 1945 kein ein­zi­ges histo­risch stich­hal­ten­des deut­sches Doku­ment, das eine Juden­ver­nich­tung beinhal­tet. Hin­ge­gen gibt es ein Buch des ame­ri­ka­ni­schen Juden Theo­do­re N. Kauf­man, „Ger­ma­ny Must Perish“ (https://ia801407.us.archive.org/31/items/GermanyMustPerish/KaufmanTheodore-GermanyMustPerish194135P..pdf ), das einen Plan dar­legt, wie das gesam­te deut­sche Volk, damals also 70 Mil­lio­nen Deut­sche, phy­sisch aus­ge­rot­tet wer­den soll. Die­ses Büch­lein erschien nicht in einer Nische, wo es kei­ner bemerk­te, wur­de von den größ­ten US-Zei­tun­gen wohl­wol­lend kom­men­tiert!

      • Fedor weiß sehr wohl, dass „Katholisches.info“ kein wis­sen­schaft­li­ches Forum ist. Aber soweit ich das zu beur­tei­len ver­mag, kann all das Mon­strö­se, das Luther drei Jah­re vor sei­nem Tod über die Juden von sich gab, auch im histo­ri­schen Kon­text als Hass­re­de bezeich­net wer­den. War­um sonst soll­ten Ver­tre­ter aller mög­li­chen pro­te­stan­ti­schen Gemein­schaf­ten hier­zu­lan­de aus Ver­le­gen­heit, viel­leicht auch Scham immer mal wie­der Ent­schul­di­gungs­ak­tio­nen in Form von Vor­trä­gen, Tagun­gen, ja sogar von Aus­stel­lun­gen orga­ni­sie­ren?
        Liest man die dies­be­züg­li­chen Tex­te des „Refor­ma­tors“, könn­te man glatt mei­nen, dass M.L. nicht mit­ge­kriegt hat, dass auch Jesus, Maria und Josef sowie die Apo­stel und Evan­ge­li­sten Juden waren. Da er das natür­lich doch wuss­te, sind sei­ne Aus­fäl­le gegen das aus­er­wähl­te, aber mit­nich­ten ver­sto­ße­ne Volk Got­tes, für mich (bin aber kein Theo­lo­ge) nicht mehr und nicht weni­ger als eine Sün­de wider den Hei­li­gen Geist. Gott war im Schoß einer jun­gen jüdi­schen Frau Mensch gewor­den. Papst Fran­zis­kus hat am 23. Janu­ar 2017 bei der Mor­gen­mes­se in der Casa San­ta Mar­ta fest­ge­stellt: „Wer gegen den Hei­li­gen Geist lästert, der schließt sich ja sel­ber aus der Ver­ge­bung aus.“ Und eine Läste­rung der Juden, wie sie M.L vor­nahm, beinhal­tet in mei­nen Augen eine schwe­re, wenn wahr­schein­lich auch unbe­ab­sich­tig­te Läste­rung der Hei­li­gen Fami­lie. Der Papst — und damit mein­te Luther wahr­schein­lich das von Jesus ein­ge­setz­te Petrus­amt als sol­ches — war für ihn der im Dienst des Teu­fels ste­hen­de Anti­christ.
        „An ihren Früch­ten wer­det ihr sie erken­nen“ — blickt man auf die Früch­te des „Refor­ma­tors“, so wird man fest­stel­len müs­sen: Luther hat die — lei­der auch mit­un­ter von sün­di­gen Päp­sten und Kar­di­nä­len geführ­te — Kir­che Jesu Chri­sti nicht nur gespal­ten, son­dern war auch die Ursa­che für den ver­hee­ren­den 30jährigen Krieg und danach für vie­le ande­re krie­ge­ri­sche, zahl­lo­se Men­schen­le­ben kosten­de Aus­ein­an­der­set­zun­gen.
        Die Doku­men­te, die Gun­ther M. Michel bei der von Fedor ange­führ­ten Umset­zung von Luthers „Akti­ons­pro­gramm“ ver­misst, die gibt es natür­lich. Doch die­se Doku­men­te sind weit mehr als nur beschrie­be­nes Papier: das waren leben­de, han­deln­de Per­so­nen, und das waren und sind ihre spä­ter für alle sicht­bar gewor­de­nen durch und durch bösen Taten. Heu­te, 27. Janu­ar, ist der Jah­res­tag der Befrei­ung des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Ausch­witz. Ist das viel­leicht kein blei­ben­des Doku­ment!? Denn ganz gewiss war es kein Zufall, dass die Reichs­po­grom­nacht 1938 auf den 9./10. Novem­ber datiert, auf Luthers Geburts­tag. Ja, die Natio­nal­so­zia­li­sten konn­ten sich wirk­lich und unver­hoh­len auf Luthers Schrif­ten beru­fen und so ver­su­chen, die Ver­trei­bung und Ermor­dung der Juden wäh­rend des Drit­ten Reichs zu legi­ti­mie­ren. Einer ihrer Kron­zeu­gen war der von mir ange­führ­te Juli­us Strei­cher bei den Nürn­ber­ger Pro­zes­sen.
        Bezüg­lich des Buchs „Ger­ma­ny Must Perish“ des ame­ri­ka­ni­schen Juden Theo­do­re N. Kauf­man, wel­ches lt. G. M. Michel „einen Plan dar­legt, wie das gesam­te deut­sche Volk, damals also 70 Mil­lio­nen Deut­sche, phy­sisch aus­ge­rot­tet wer­den soll“, kann ich nur sagen: Das ist nichts als — ver­mut­lich sogar beab­sich­tig­ter — Unsinn hoch 3. Das Buch ken­ne ich nicht und wer­de es sicher auch nie lesen.

      • Noch eine Ergän­zung: Dass Luthers anti­jü­di­sche Hass­ti­ra­den auch vor hun­dert Jah­ren noch bekannt und mit­ver­ant­wort­lich waren an einer der ver­häng­nis­voll­sten Aus­prä­gun­gen des Natio­nal­so­zia­lis­mus, dem Anti­se­mi­tis­mus, offen­bart sich nicht zuletzt in der Tat­sa­che, dass die pro­te­stan­ti­schen Regio­nen beson­ders anfäl­lig waren für natio­nal­so­zia­li­sti­sches Gedan­ken­gut, ja sogar bestimm­te Orte zu regel­rech­ten „Wall­fahrts­stät­ten“ wur­den. Man den­ke nur an die alte Reichs­stadt Nürn­berg oder an den mit­tel­frän­ki­schen Hes­sel­berg, der wäh­rend des Drit­ten Reichs zum pro­te­stan­ti­schen „Hei­li­gen Berg“ Fran­kens mutier­te, zu des­sen pro­mi­nen­te­sten „Pil­gern“ auch Göring, Goe­b­bels und sogar Hit­ler selbst gehör­ten. Der Fran­ke Juli­us Strei­cher hat­te geplant, sich dort oben ein Mau­so­le­um errich­ten zu las­sen. Vom über­lie­fer­ten, eigent­li­chen Hei­li­gen Berg der Fran­ken, näm­lich dem Kreuz­berg in der Rhön, gibt es nichts Ver­gleich­ba­res fest­zu­stel­len. In Fran­ken exi­stier­te eine star­ke natio­nal­pro­te­stan­ti­sche Bewe­gung. So ist in der „Süd­deut­schen Zei­tung“ vom 22. März 2016 der Satz zu lesen: „Immer­hin fiel den natio­nal­pro­te­stan­tisch gesinn­ten Orts­pfar­rern eine ent­schei­den­de Rol­le zu für die Tat­sa­che, dass sich die Nazis schon vor 1933 in West­mit­tel­fran­ken aus­brei­te­ten wie sonst kaum irgend­wo.“ (http://www.sueddeutsche.de/bayern/ns-vergangenheit-frankens-braune-wallfahrt‑1.2916753) Von „natio­nal­ka­tho­li­schen Pfar­rern“, die es ver­ein­zelt wahr­schein­lich auch gege­ben haben mag, habe ich per­sön­lich als „Bewe­gung“ noch nie gehört. Sehr wohl aber von zahl­rei­chen katho­li­schen Geist­li­chen, deren Leben als Mär­ty­rer­prie­ster vor­nehm­lich im KZ Dach­au ende­te. Zwei aus ihren Rei­hen wer­den seit jüng­ster Zeit in der frän­ki­schen Diö­ze­se Würz­burg, ange­führt von den Fran­ken­hei­li­gen St. Kili­an, St. Kolo­nat und St. Tot­nan, als Seli­ge ver­ehrt: Pfar­rer Georg Häf­ner (seit 2011) und Pater Engel­mar Unzei­tig (seit 2016). „Dich loben, dir dan­ken, dei­ne Kin­der in Fran­ken …“ Aber auch — nicht zu ver­ges­sen — stand­haf­te evan­ge­li­sche Pfar­rer, oft genug denun­ziert aus den eige­nen Rei­hen, zäh­len zu den Opfern der Natio­nal­so­zia­li­sten.

  4. Es wun­dert mich nicht, dass sich jetzt bereits die Jesui­ten mit Luther „ver­part­nern“.
    Viel­leicht soll­te man den Teu­fel höchst­per­sön­lich auch noch mit ins Boot neh­men — das wäre echt sen­sa­tio­nell.…
    Es wäre zumin­dest eine ausser­ge­wöhn­li­che Tri­ni­tät: Jesui­ten, Luther und Luzi­fer. Da kann sich jeder dann aus­su­chen, womit er den jeweils ande­ren „erneu­ern“ — natür­lich nicht spal­ten — will.…..
    In Trier wur­den am Wochen­en­de 2 Theo­lo­gie­stu­den­ten pro­mo­viert. Das The­ma der Lec­tio lau­te­te: „Zeu­ge, Opfer, Kämp­fer — Gedan­ken zur Theo­lo­gie des Mar­ty­ri­ums in Chri­sten­tum u n d Islam“. In der katho­li­schen Kir­che ist wirk­lich im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes der Teu­fel los. Hei­li­ge Mär­ty­rer, die ihr Blut um des Glau­bens wil­len ver­gos­sen haben, müs­sen sich mit isla­mi­sti­schen Selbst­mord­at­ten­tä­tern ver­glei­chen las­sen — es ist unfassbar.…..der Him­mel weint.….
    Da bleibt nur das Gebet: „Herr, ver­gib ihnen, denn sie wis­sen (wirk­lich) nicht?, was sie tun.“.….

  5. Spi­ri­tu­el­ler Chem­trail, hohe Ver­seu­chungs­ge­fahr für jene, die in der katho­li­schen Glau­bens­leh­re und Tra­di­ti­on nicht gut gebil­det und glau­bens­fest sind.

  6. „In Lund wur­de dar­an erin­nert, daß es vor 500 Jah­ren die Absicht Mar­tin Luthers war, die Kir­che zu erneu­ern, nicht zu spal­ten.“
    Genau die­ser Satz ent­larvt das zwei­te vati­ka­ni­sche Kon­zil und beweist, dass die katho­li­sche Kir­che pro­te­stan­ti­siert wur­de. Die nach­kon­zi­la­re „katho­li­sche“ Kir­che spricht immer wie­der davon, dass die Kir­che sich erneu­ern muss.…Es wer­den des­halb auch immer wie­der offi­zi­ell wir­re „Für­bit­ten“ vor­ge­tra­gen, die Gott um die Erneue­rung sei­ner eige­nen Kir­che bitten.……Das Gott ein sol­ches Plap­pern erhört, ist genau­so unmög­lich wie die Tat­sa­che, dass Gott sich nicht selbst eli­mi­nie­ren, ver­än­dern oder erneu­ern kann. Gott , der Hei­lig­ste, der Voll­kom­men­ste, kann nie­mals von der Wahr­heit zur Lüge wech­seln, auch nicht ein ganz klein bisschen.…auch nicht mit stän­di­gem hart­näcki­gem Wie­der­ho­len einer For­de­rung nach einer „erneu­er­ten Kir­che“.
    Durch meh­re­re Hei­li­ge wie Franz von Sales und Papst Piux X. wur­de das genaue Gegen­teil gesagt: Nicht die Kir­che, son­dern jeder ein­zel­ne Gläu­bi­ge muss sich jeden Tag in Chri­stus erneu­ern. Jeder Christ muss sich täg­lich vor Gott erneu­ern, Fal­sches erken­nen, bereu­en, regel­mä­ßig beich­ten und vor Gott auf­rich­ti­gen Her­zens Bes­se­rung gelo­ben. Die Insti­tu­ti­on Kir­che ist der mysti­sche Leib Chri­sti. Die­ser mysti­sche Leib ist voll­kom­men, ‚weil von Gott geschaf­fen. Er kann und darf nie­mals von der Hand eines Geschöpfs ver­än­dert, moder­ni­siert oder zeit­gei­stig „ange­passt“ wer­den. Zeit­geist, Belie­big­keit und Will­kür bil­den eine unhei­li­ge, eine sata­ni­sche Drei­fal­tig­keit.
    Dan­ke an Fedor für Ihre ent­lar­ven­de Zusam­men­stel­lung wich­ti­ger Zita­te von Mar­tin Luther. Sie haben Luther als Hass­pre­di­ger bezeich­net, was sicher nicht unter­trie­ben ist. Ich emp­feh­le allen, sich die auf­schluss­rei­che Doku­men­ta­ti­on eines Vide­os bei you tube anzu­se­hen. Dort gibt es ein etwa 40 minü­ti­ges Video mit dem Titel.: „Die dunk­le Sei­te von Mar­tin Luther“. Die­se Doku­men­ta­ti­on zeigt in Ver­glei­chen was Jesus sag­te und wie Luther das Wort Got­tes abän­der­te, ver­dreh­te oder wie er zum Hass­pre­di­ger wurde…Luther war beson­ders mit sei­nem auf­fäl­li­gem Juden­hass — was heu­te vie­le — auch Pro­te­stan­ten — gar nicht wis­sen oder ein­fach „aus­blen­den“ — der Weg­be­rei­ter für Adolf Hit­ler und sei­ne Ver­fol­gung und Ermor­dung unzäh­li­ger Juden!!!!!!
    Sün­de gebiert Sün­de, Hass gebiert Hass, wie Luther und Hit­ler bewei­sen. Was die Hexen­ver­fol­gung betrifft, habe ich das noch nicht nach­ge­prüft, aber mei­ne Freun­din sagt, dass die grau­sa­men Hexen­ver­fol­gun­gen und ‑Ver­bren­nun­gen von Mar­tin Luther und nicht von der katho­li­schen Kir­che aus­gin­gen. Die katho­li­sche Kir­che hat sich mit­schul­dig gemacht, wird aber in der Öffent­lich­keit stets als allein Schul­di­ge für die­se viel­fa­chen Fol­te­run­gen und Mor­de, dahin­ge­stellt. Ich glau­be, es war Papst Johan­nes Paul II. , der sich vor vie­len Jah­ren für die Hexen­ver­fol­gun­gen und — Tötun­gen in aller Öffent­lich­keit ent­schul­digt hat.…Soweit mir bekannt, hat sich die evan­ge­li­sche Gemein­schaft als Urhe­ber der Hexen­ver­fol­gung bis heu­te noch nicht öffent­lich zur ihrer Schuld bekannt.

  7. Was den Fall der Mau­er und das Ende der dama­li­gen DDR betrifft, gibt es erstaun­li­che Paral­el­len zum jet­zi­gen Luther-Jubel-Jubi­lä­ums­jahr 2017. Die Unrecht­re­gie­rung unter Erich Hon­ecker regier­te und reagier­te mit Kon­trol­len, Sta­si, Repres­sa­li­en, Erschie­ßung, Gefäng­nis und mit stän­di­ger Igno­ranz gegen­über dem Volk, wel­ches in demo­kra­ti­scher Frei­heit leben woll­te.
    Die evan­ge­li­sche Gemein­schaft ver­schließt seit 500 Jah­ren Augen, Ohren, Herz und Mund vor den Gräu­el­ta­ten ihres Grün­ders, Mar­tin Luther. Jetzt — zum Jubi­lä­ums­jahr — weh­ren sich vie­le — meist tra­di­tio­nel­le Katho­li­ken mit der gött­li­chen Wahr­heit — gegen die Ver­klä­rung die­ses Häre­ti­kers und Hass­pre­di­gers. Sie sagen: Wir (die Katho­li­ken) sind die Kir­che — nicht die Pro­te­stan­ten, nicht der Häre­ti­ker Luther — ähn­lich wie die DDR-Bür­ger damals skan­dier­ten: “ Wir sind das Volk — wir sind das Volk“.….Die DDR — Regie­rung woll­te ein Jubel-Jubi­lä­um anläss­lich des 40 jäh­ri­gem Staats­be­stehens fei­ern — das Jubi­lä­um wur­de zum Desa­ster — die Mau­er fiel — die DDR löste sich auf.….Es bleibt zu wün­schen, dass die gan­ze Wahr­heit über Mar­tin Luther end­lich im Jubi­lä­ums­jahr ans Licht kommt und dass die evan­ge­li­sche Pseu­do­kir­che wie die DDR und wie die Mau­er ( in den Köp­fen der evan­ge­li­schen Gläu­bi­gen) end­lich zugun­sten der Umkehr zum Katho­li­zis­mus fällt. Eine Reli­gi­on und eine „erneu­er­te Kir­che“, die auf Lügen gegrün­det wur­den, sind — ähn­lich der DDR — frü­her oder eben 500 bzw. über 50 Jah­re spä­ter — dem siche­ren Unter­gang geweiht.

  8. Fedor hat im obi­gen Kom­men­tar von befürch­te­ter „jesui­ti­scher Schläue“ gespro­chen.
    Zu Ihrer Beru­hi­gung: „Schläue“ kommt nicht von Gott — Schläue stammt von jeman­dem, der nicht in der Wahr­heit ist, der ver­sucht die Gläu­bi­gen „aus­zu­trick­sen“. Von Gott stam­men: Hei­lig­keit, Lie­be, Ein­fach­heit, Demut, Wahr­heit, Gebet, Treue, Gna­den, Gerech­tig­keit, Barm­her­zig­keit und Fröm­mig­keit, nie­mals aber eine „heim­lich-hin­ter­li­stig-anmu­ten­de „Schläue“.…..

  9. „Schläue“ bezeich­net eine rela­ti­vier­te Klug­heit. Gott besitzt auch — wir durch den Heil­gen Geist wis­sen — die Eigen­schaft der Klug­heit, aber Gott lässt sich nie rela­ti­vie­ren. Des­halb müs­sen wir Schläue ganz deut­lich von der Klug­heit tren­nen. Kar­di­nal Sarah wähl­te die Tat­sa­che der Klug­heit und der Voll­kom­men­heit Got­tes als Über­schrift für sein Buch. Es heißt: „Gott oder Nichts“. Dem ist von mei­ner Sei­te nichts mehr hin­zu­zu­fü­gen.

    • Der Rauch Satans ist in den Vati­can ein­ge­drun­gen. (Johan­nes XIII.) Er hat leich­tes Spiel auch mit leicht­glae­u­bi­ge Kle­ri­kern. Die­ser Unge­hor­sam aller Glae­u­bi­ger und die Spal­tung in Leh­re und Wahr­heit ist Schuld an den sta­en­di­gen Beben in Ita­li­en. Hoe­ren wir auf Gott zulae­stern und begin­nen wir mit Sueh­ne­ge­bet, wie es die Got­tes Mut­ter es seit 100 Jah­ren will.

  10. Ein­spruch, wer­ter Herr Gun­ther M. Michel!
    Luthers Rhe­to­rik gehört sehr wohl zum „Sach­in­halt“ des Kom­men­tars von „Fedor“! Luther war zwei­fel­los ein Hass­pre­di­ger, ein stra­te­gisch agie­ren­der dazu, der ein­mal bei Tisch frei­mü­tig die all­ge­mei­nen Zwecke und Zie­le sei­ner Pre­dig­ten am Bei­spiel „Bau­ern“ offen­leg­te und sich sei­ner Stra­te­gie, zu der gera­de auch sei­ne fäka­li­sche Pre­digt­wei­se gehör­te, noch brü­ste­te: „Pre­di­ger sind die aller­größ­ten Tot­schlä­ger. Denn sie ermah­nen die Obrig­keit, dass sie ent­schlos­sen ihres Amtes wal­te und die Schäd­lin­ge bestra­fe. Ich habe im Auf­ruhr alle Bau­ern erschla­gen; all ihr Blut ist auf mei­nem Hals. Aber ich schie­be es auf unse­ren Herr­gott; der hat mir befoh­len, sol­ches zu reden…Gott ist wun­der­bar, der uns Pre­di­gern das Amt sei­nes Wor­tes befiehlt, mit dem wir die Her­zen der Men­schen regie­ren sol­len“ (Tisch­re­den, WA 3, S. 75).
    Unter die­sem ern­sten Vor­zei­chen müs­sen auch Luthers Aus­fäl­le gegen die Juden gese­hen wer­den – vor allem die gegen Ende sei­nes Lebens. Von Eis­le­ben aus schreibt er sei­ner Frau Käthe am Tage von Mariae Rei­ni­gung 1546 (2.Februar) über die anste­hen­den Ver­trei­bungs­plä­ne gegen die in der Stadt Eis­le­ben wohn­haf­ten Juden:
    „Wenn die Häupt­sa­chen geschlich­tet wären, so muss ich mich dran legen, die Juden zu ver­trei­ben. Graf Albrecht ist ihnen feind und hat sie schon preis­ge­ge­ben. Aber nie­mand tuet ihnen noch ichts. Will’s Gott, ich will auf der Kan­zel Graf Alb­rech­ten hel­fen und sie auch preis­ge­ben…“
    Am 15. Febru­ar 1546, drei Tage vor sei­nem Tod in Eis­le­ben, mach­te Luther den Pre­digt­an­fang, durch per­fi­des Schü­ren von All­tags­äng­sten die Kir­chen­be­su­cher der Stadt auf­zu­het­zen: „Der ver­bö­ste Jude wird nicht ablas­sen, dich aus­zu­sau­gen und dich zu töten… Die Juden kön­nen Arz­nei­en ver­ab­rei­chen, davon der Pati­ent in einer Stun­de, in einem Monat, in einem Jahr, ja in zehn oder zwan­zig Jah­ren ster­ben muss. Die Kunst kön­nen sie“ (Walt­her Bie­nert, Mar­tin Luther und die Juden, Frank­furt 1982, S. 174–177).
    Im Sep­tem­ber 1937 schrieb Tho­mas Mann mit Recht: „Hit­ler ist kein Zufall, kein ille­gi­ti­mes Unglück und kei­ne Ent­glei­sung. Von ihm fällt Licht auf Luther zurück und man muss die­sen weit­ge­hend in ihm wie­der­erken­nen“ (vgl. FAZ vom 8. August 2007, S.15).

  11. Ein­spruch II:
    Am übel­sten hetz­te Luther frag­los gegen die Juden, mit dem Ziel, vor ihnen Abscheu im Volk zu erzeu­gen. In sei­ner Schrift, „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543), fin­de ich wört­lich:
    „Pfui euch hier, pfui euch dort, und wo ihr seid, ihr ver­damm­ten Juden! Wenn du einen Juden siehst, magst du mit gutem Gewis­sen ein Kreuz vor dich schla­gen und frei sicher spre­chen: Da geht ein leib­haf­ti­ger Teu­fel! Dar­um wis­se, dass du nächst dem Teu­fel kei­nen bit­te­ren, gif­ti­ge­ren Feind hast als einen rech­ten Juden. Sie glau­ben när­ri­sche Lügen und statt in das schö­ne Ange­sicht des gött­li­chen Wor­tes, kucken sie dem Teu­fel ins schwar­ze, fin­ste­re Hin­ter­lü­gen­loch und müs­sen sei­nen Stank anbe­ten. Sie sind gif­ti­ge, hämi­sche Schlan­gen, Meu­chel­mör­der und Teu­fels­kin­der. Mein treu­er Rat ist, wie dro­ben gesagt, ernst­lich: dass man ihre Syn­ago­gen mit Feu­er ver­bren­ne und, wer kann, Schwe­fel und Pech hin­zu­fü­ge; wer auch höl­lisch Feu­er zuwer­fen könn­te, wäre auch gut. Dar­um soll der Juden Maul nicht wert gehal­ten wer­den, son­dern mit Säu­dreck soll man auf sie wer­fen. Ver­bren­ne ihre Syn­ago­gen und gehe mit ihnen nach aller Unbarm­her­zig­keit um… Will das nichts hel­fen, so müs­sen wir sie wie die tol­len Hun­de hin­aus­ja­gen. Wenn mir Gott kei­nen ande­ren Mes­si­as geben woll­te, als wie die Juden begeh­ren, so woll­te ich lie­ber eine Sau als ein Mensch sein“[150]
    Und in Luthers letz­tem Pam­phle­te „Vom Schem Ham­pho­ras und vom Geschlecht Chri­sti“ fin­det sich fol­gen­de Skulp­tur­be­schrei­bung:
    „Es ist hie zu Wit­ten­berg an unser Pfarr­kir­chen eine Sau in Stein gehau­en; da lie­gen jun­ge Fer­kel und Jüden unter, die sau­gen; hin­ter der Sau steht ein Rab­bin, der hebt der Sau das rech­te Bein empor, und mit sei­ner lin­ken Hand zeucht er den Pir­zel über sich, bückt und kuckt mit gro­ßem Fleiß der Sau unter dem Pir­zel in den Tal­mud hin­ein, als wollt er etwas Scharfs und Son­der­lichs lesen und ersehen…Denn also redet man bei den Deut­schen von einem, der gro­ße Klug­heit ohne Grund fur­giebt: Wo hat ers gele­sen? Der Sau, grob her­aus, im Arsch.… Hie­her zum Kusse! Der Teu­fel hat in die Hosen geschis­sen und den Bauch aber­mal geleeret. Das ist ein recht Hei­lig­t­hum, das die Juden und was Jude sein will, küs­sen, fres­sen und sauf­fen, was sol­che Jün­ger spei­en, oben und unten aus­wer­fen kön­nen. Hie sind die rech­ten Gäste und Wir­t­he zusam­men­ge­kom­men, habens recht gekocht und ange­rich­te­t… Der Teu­fel frisst nun mit sei­nem eng­li­schen Rüs­sel und frisst mit Lust, was der Juden unte­res und obe­res Maul spei­et und spritzet…Ein solch ver­zwei­felt, durch­bö­set, duch­gif­tet, durch­teu­felt Ding ist’s umb die­se Jüden, so die­se 1400 Jahr unse­re Pla­ge, Pesti­lenz und alles Unglück gewest und noch sind. Sum­ma wir haben rech­te Teu­fel an ihnen“.
    Das hat mit zeit­üb­li­cher Gro­bia­nik nichts mehr zu tun. Das ist bereits die Spra­che des Her­ren­men­schen, der in den Juden den Unter­men­schen gese­hen hat:
    Bit­te­res Fazit: Ohne wei­te Krei­se der evan­ge­lisch-luthe­ri­schen Volks­kir­che und den in ihr tief ver­wur­zel­ten luthe­ri­schen Anti­ju­da­is­mus wäre nach 1933 die Festi­gung der natio­nal­so­zia­li­sti­schen Herr­schaft und sei­ne Poli­tik des Anti­se­mi­tis­mus und damit der Juden­ver­nich­tung wohl nicht mög­lich gewe­sen.

  12. Falls der eine oder ande­re Leser einen guten „Draht“ zu S.E. Wal­ter Kar­di­nal Kas­per haben soll­te, möch­te er ihn doch dar­um bit­ten, den ihm nahe­ste­hen­den Papst Fran­zis­kus doch dahin­ge­hend zu inspi­rie­ren, im Umgang mit der Per­son und der Leh­re des Refor­ma­tors Mar­tin Luther nicht all­zu blau­äu­gig und sorg­los umzu­ge­hen. Denn das könn­te unse­rer Katho­li­schen Kir­che durch­aus schwe­ren Scha­den zufü­gen, indem es irgend­wann ein­mal in den Medi­en pau­scha­lie­rend heißt, die CHRISTEN hät­ten gegen die Juden gehetzt und sei­en schuld an der Ent­ste­hung des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Sol­che Stim­men gibt es ja seit län­ge­rem. Erin­nert sei an die infa­men und völ­lig halt­lo­sen Angrif­fe auf Papst Pius XII. Schüt­zen Sie, ver­ehr­ter Herr Kar­di­nal, unse­ren Papst und die gesam­te katho­li­sche Kir­che vor die­ser nicht zu unter­schät­zen­den Gefahr. Wie schon im ersten Kom­men­tar ange­deu­tet: Ich ken­ne kei­ne ernst­zu­neh­men­de pro­mi­nen­te katho­li­sche Stim­me, die auch nur annä­hernd so spricht wie Mar­tin Luther. Wer eine kennt, möge sie doch bit­te posten.

  13. Bevor der Arti­kel geschlos­sen wird, doch noch eine all­ge­mein gehal­te­ne Replik auf die Kom­men­ta­to­ren Fedor und Sophus.
    Hass­re­de, hatespeech ist ein ideo­lo­gi­scher und poli­ti­scher Kampf­be­griff. Was Hass­re­de ist, wird durch­aus ver­schie­den emp­fun­den und beur­teilt. Emp­fin­dun­gen als sol­che sind unwi­der­leg­ba­re sub­jek­ti­ve Gege­ben­hei­ten.
    Die zum Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken sich anschicken­den Pro­te­stan­ten, über­haupt das christ­li­che Publi­kum, neh­men sehr wohl Luthers Schat­ten­sei­ten wahr. In der „Fischer Klassik“-Reihe z.B. ist „Mar­tin Luther – Das gro­ße Lese­buch“, hrsg. von Karl-Heinz Göt­tert, erschie­nen (ISBN: 978–3‑596–90636‑9, Lese­pro­be http://www.fischerverlage.de/media/fs/308/LP_978‑3–596-90636–9.pdf ). Dar­in wer­den auch die anstö­ßi­gen Haupt­tex­te gegen die auf­stän­di­schen Bau­ern und gegen die Juden wie­der­ge­ge­ben. Offen­bar wird mit urteils­fä­hi­gen Lesern gerech­net. Noch ein­mal möch­te ich emp­feh­len, sein Urteil nicht auf aus­ge­wähl­te Skan­dal­zi­ta­te zu stüt­zen, son­dern die Tex­te als gan­ze zu lesen und im Epo­chen­zu­sam­men­hang zu sehen (hier noch­mal der frag­li­che Luther­text: https://archive.org/details/VonDenJudenUndIhrenLuegen ). Luther kann­te die Juden­heit sei­ner Zeit und hat­te auch, wie ande­re Autoren des Huma­nis­mus, Kennt­nis von ihrem Schrift­tum. Es darf erin­nert wer­den, dass die katho­li­sche Kir­che den Tal­mud ver­bren­nen ließ nicht wegen sei­ner dem Chri­sten­tum wider­spre­chen­den Leh­ren, son­dern wegen der dar­in ent­hal­te­nen Läste­run­gen gegen den Herrn Jesus Chri­stus und die Got­tes­mut­ter Maria, also wegen der Punk­te, wor­an Luther Anstoß nahm.
    Wenn hier dar­auf abge­ho­ben wird, dass Jesus sei­ner Mensch­heit nach Juden war: ja, das war er, und er muss­te dem Fleisch nach wie auch dem jüdi­schen Recht nach ein Nach­fah­re Davids sein, um der Messias/ Chri­stus, sein, des­sen Ämter antre­ten, Auf­ga­ben aus­füh­ren und Ver­hei­ßun­gen in Anspruch neh­men zu kön­nen. Aber für uns Chri­sten kann und darf das kein Grund sein, irgend­ei­ne Volks­zu­ge­hö­rig­keit oder ein Volk, auch das israe­li­ti­sche bzw. jüdi­sche, zu ido­li­sie­ren. Kin­der Got­tes sind aus Gott gebo­ren, nicht aus „Geblüt“, nicht aus dem „Wil­len des Flei­sches“ (vgl. Joh 1,13). Den von Judai­sie­rern ver­führ­ten Gala­tern schrieb Pau­lus: „Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Ver­der­ben ern­ten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewi­ge Leben ern­ten“ (Gal 6,8). Und der Segen, den Gott durch den Samen Abra­hams den Völ­kern ver­hieß, ist in Jesus Chri­stus erfüllt, wie der Hebrä­er­brief her­vor­hebt.
    Das The­ma Juden­tum, beson­ders das Unter­the­ma: Bezie­hung des tal­mu­disch-pha­ri­säi­schen Juden­tums zu den Nicht­ju­den, ist, ent­ge­gen der öffent­li­chen Wahr­neh­mung, wich­ti­ger als der Isla­mis­mus, da grund­le­gen­der und von mehr Aus­wir­kun­gen auf die Welt­po­li­tik bis hin­ein in unse­ren All­tag (z.B.: wer betreibt die Migra­ti­on und war­um?). Es hat auch Bezug zur Geschich­te und Geschichts­schrei­bung des 20. Jh.s.
    Wer hier mehr und Tie­fe­res wis­sen will als das, was die Haupt­strom­medi­en unent­wegt wie­der­ho­len, dem ist eige­nes Nach­for­schen nicht erspart. Es geht hier nicht um mei­ne Pri­vat­an­sich­ten, viel­mehr dar­um, dass jeder Suchen­de sich ein ver­ant­wort­li­ches Urteil bil­det, indem er zu Streit­fra­gen unter­schied­li­che, ja gegen­sätz­li­che Ansich­ten gründ­lich zur Kennt­nis nimmt, die­se ver­gleicht und abgleicht und erst dann Schlüs­se zieht.
    Zu dem gan­zen The­men­kom­plex möch­te ich eini­ge jüdi­sche Autoren emp­feh­len, wie beson­ders: die Rede von Ben­ja­min Freed­mann (Kon­ver­tit zur röm.-katholischen Kir­che) im Wil­lard-Hotel 1961 (pdf und you­tube); Isra­el Shahak, „Jüdi­sche Geschich­te und jüdi­sche Reli­gi­on – Der Ein­fluss von 3000 Jah­ren“ (http://politik.brunner-architekt.ch/wp-content/uploads/shahak_juedische_geschichte.pdf ); Shlo­mo Sand, „Die Erfin­dung des jüdi­schen Vol­kes“ (Buch u. pdf); Nor­man Fin­kel­stein über die Holo­caust-Indu­strie; Miko Peled, The General’s Son; vor allem aber: Ger­ard Menu­hin, Wahr­heit sagen Teu­fel jagen (Ori­gi­nal „Tell the Truth and Shame the Devil“), in deut­scher Über­set­zung als pdf im Inter­net, als eng­li­sches Buch im Buch­han­del (als deut­sches Buch nicht im übli­chen Ver­trieb). Es ist eines der wich­tig­sten Bücher der letz­ten Jahr­zehn­te über­haupt.

  14. Ein­spruch III:
    Es ist wohl abzu­se­hen: Über den abtrün­ni­gen, unhei­li­gen Gewalt­men­schen Luther wird wohl auch 2017 der Man­tel des Schwei­gens gebrei­tet wer­den. Doch es geht heu­te nicht mehr an, Luther rela­ti­vie­rend dem zeit­ge­mä­ßen Typus des cho­le­ri­schen Renais­sance­men­schen zuzu­ord­nen, der sich hem­mungs­los aus­leb­te. Wer Mar­tin Luther heu­te ehren will, muss den gan­zen Luther in den Blick neh­men und ehren, was von ihm übrig bleibt.
    Die evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land wäre gut bera­ten, wenn sie die von ihr pro­pa­gier­te „Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung der Evan­ge­li­en“ zunächst ein­mal durch eine Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung ihres Luther­bil­des erset­zen wür­de. Denn Luthers Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung ist über­fäl­lig und müss­te für alle Luthe­ra­ner ein ech­tes histo­risch-kri­ti­sches Anlie­gen sein, um zu wis­sen, wer Luther in Wahr­heit gewe­sen ist. Der Anfang dazu wäre längst gemacht. Den Impuls, die Luther­schrif­ten erst ein­mal nach ihrem Alko­hol­ge­halt hin zu ord­nen, gab schon der vom betrun­ke­nen Luther in Wit­ten­berg eigen­hän­dig geohr­feig­te Melan­chthon. Aber die Gei­ster, die Luther geru­fen hat, wer­den wohl zur Ent­gei­sti­gung ihrer selbst nicht bereit sein. Denn dann müss­ten die Mär­chen vom gewitt­ri­gen Klo­ster­ein­tritt und vom The­sen­an­schlag und eini­ges mehr als unhi­sto­risch in Fra­ge gestellt wer­den. Und das ange­sichts des­sen, was sei­ne Schrif­ten bele­gen, dass er bis in sei­ne letz­ten Tage hin­ein unver­söhn­li­chen Hass gepre­digt hat, um Volk und Herr­schaft auf­zu­wie­geln: gegen Papst, Bau­ern, Täu­fer, Juden, gegen das Mönchs­le­ben und das Mess­op­fer, gegen Anders­den­ken­de und Anders­glau­ben­de, aus­ge­drückt in ent­setz­li­chen Mord­auf­ru­fen wie die­sen: „Wenn wir Die­be mit dem Strang, Mör­der mit dem Schwert, Ket­zer mit dem Feu­er bestra­fen, war­um grei­fen wir nicht mit allen Waf­fen die­se Leh­rer des Ver­der­bens an, die­se Kar­di­nä­le, die Päp­ste und die gan­ze Rot­te des römi­schen Sodo­ma, und waschen unse­re Hän­de in ihrem Blut“ (zit. bei Remi­gius Bäu­mer, Mar­tin Luther und der Papst) (Ov48) (M68/69).
    Von daher ist Luther zu beur­tei­len – und auch von sei­ner häre­ti­schen Pri­vat­theo­lo­gie her, die von den neu­te­sta­ment­li­chen Schrif­ten nur das gel­ten lässt, was ihm passt:
    Zur Recht­fer­ti­gung sei­ner sub­jek­ti­vi­sti­schen Recht­fer­ti­gungs­leh­re fer­tig­te er eine eige­ne, im Umfang redu­zier­te Bibel­über­set­zung an. Was Luthe­ra­ner als „Luther­bi­bel“ zu lesen bekom­men, ist kein „irr­tums­lo­ses Got­tes­wort“, son­dern ein redu­zier­tes, refor­ma­to­risch gefil­ter­tes und prä­pa­rier­tes Wort, denn die von Luther vor­ge­leg­te Bibel hat den Zweck, sei­ne sub­jek­ti­vi­sti­sche Selbst­recht­fer­ti­gungs­leh­re der Öffent­lich­keit gegen­über text­lich abzu­si­chern. Daher ent­hält das Alte Testa­ment, gemes­sen am katho­li­schen Kanon, statt 45 nur 38 Bücher und das Neu­en Testa­ment unter den Haupt­schrif­ten statt 27 nur 23. Dazu kommt Luthers selek­ti­ve Wahr­neh­mung von bestimm­ten Schrift­stel­len, die zu Lasten der Leh­re über die Heils­re­le­vanz von guten Wer­ken weg­ma­ni­pu­liert wer­den. Das geht so weit, dass in Luthers Nach­fol­ge die pro­te­stan­ti­sche Bibel­wis­sen­schaft eif­rig bemüht ist, Jesu Anmah­nun­gen zum Tun guter Wer­ke sowie dro­hen­de Gerichts­wor­te des Herrn durch Spät­da­tie­rung zu ent­sor­gen.

    Zur Halb­zeit der Luther­de­ka­de unk­te „Die Zeit“: „Das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um ent­wickelt sich zuneh­mend zum Bume­rang für die Lutherkirche…Je näher das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um rückt, desto frem­der wirkt der Refor­ma­tor“. Dabei zitiert die Zei­tung den pro­te­stan­ti­schen Kir­chen­hi­sto­ri­ker Tho­mas Kauf­mann zum „gan­zen Luther“, den die­ser eine „gebro­che­ne, ver­här­te­te, noto­risch über­for­der­te Gestalt“ nennt (Die Zeit vom 27.12.2012). Wenn der Wider­stand gegen eine Art Hel­den­ver­eh­rung Mar­tin Luthers wächst, täte man gut dar­an, auch längst bekann­te For­schungs­er­geb­nis­se in der pro­te­stan­ti­schen Exege­se ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen. Nach wie vor ist es erstaun­lich, wie ger­ne pro­te­stan­ti­sche Theo­lo­gen, die sonst jeden Satz der Bibel histo­risch-kri­tisch unter die Lupe neh­men, Luther-Legen­den unge­prüft las­sen. Hart­mut Leh­mann, zugleich Grün­dungs­di­rek­tor des Deut­schen Histo­ri­schen Insti­tuts in Washington/USA, spielt expli­zit auf den „histo­risch nicht beleg­ba­ren „The­sen­an­schlag“ Luthers an, der „früh durch Legen­den­bil­dung, als muti­ger Akt der Tat gegen die Macht des Pap­stes“ insze­niert wor­den sei.
    Inso­fern sehe ich dem ange­bro­che­nen Jahr 2017 mit gewis­sen Freu­den ent­ge­gen, in dem Luther, die Gal­li­ons­fi­gur eines neu­zeit­li­chen indi­vi­dua­li­sti­schen Pro­te­stan­tis­mus, end­lich ent­my­tho­lo­gi­siert wer­den wird.

  15. Ich blei­be dabei: die häss­li­chen Wor­te des Mar­tin Luther, eigent­lich sein gesam­tes Leben rela­ti­vie­ren alles, was er an Gutem je pro­du­ziert haben mag. Sein Ver­dienst, so wird jeden­falls immer wie­der gesagt: Er hat die Hei­li­ge Schrift über­setzt (- und eini­ges dabei weg­ge­las­sen oder irgend­wie nach sei­nen Vor­stel­lun­gen mani­pu­liert). Aus dem AT hat er, dem dama­li­gen Zeit­geist fol­gend, die Hexen­ver­nich­tung abge­lei­tet und gefor­dert. Er hät­te sie natür­lich auch inner­halb der Kir­che ent­schie­den bekämp­fen kön­nen mit Ver­weis auf das Evan­ge­li­um. Hat er aber nicht. (Lei­der Got­tes zunächst auch kein ande­rer maß­geb­li­cher römisch-katho­li­scher Chri­sten­mensch; da muss­te erst bei­spiels­wei­se ein Fried­rich von Spee sich zu Wort mel­den. Der aber war kein Spal­ter.) Vom Geist des Neu­en Testa­ments, unse­rer alles ent­schei­den­den Schrift, vom Geist Jesu ist bei ihm, der doch als Rebell und Refor­mie­rer auf­trat, rela­tiv wenig zu spü­ren. Ver­gleicht man die Wor­te und Taten Jesu mit den Wor­ten und Taten Luthers, erkennt jeder Mensch guten Wil­lens: Auf der einen Sei­te ist es wahr­haf­tig Chri­stus, der Herr! — Und auf der ande­ren Sei­te? Nur ein armer Sün­der wie vie­le, vie­le ande­re auch, dar­un­ter sicher auch Päp­ste? Ja. Viel­leicht aber sogar eine Per­so­ni­fi­zie­rung des Anti­chri­sten? Zuge­ge­be­ner­ma­ßen eine heik­le Fra­ge, die wohl erst am Ende der Zei­ten beant­wor­tet wer­den wird. Ein GLAUBENSZEUGE nach urka­tho­li­schem Ver­ständ­nis ist unbe­strit­ten Igna­ti­us von Loyo­la, Luther aber sicher nicht, und er wird es auch nie wer­den. Das bleibt unse­ren ver­stor­be­nen und noch leben­den bekann­ten und ver­bor­ge­nen ech­ten Hei­li­gen vor­be­hal­ten, über die wir uns nach wie vor freu­en dür­fen. Luther war und ist kein Erneue­rer, kein Hel­fer und Hei­ler, kein Vor­bild im Glau­ben . Er war, ist und bleibt ein Ver­wir­rer und Spal­ter.

  16. Wer­ter Herr Gun­ther M. Michel
    Aus Ihrer Replik glau­be ich zu erken­nen, dass Sie zu „luthe­ri­sche“ Streit­fra­gen unter­schied­li­che, ja gegen­sätz­li­che Ansich­ten nicht ger­ne zur Kennt­nis neh­men wol­len, geschwei­ge denn sich sel­ber die gefor­der­te Stu­fen­fol­ge des Ver­glei­chens, Abglei­chens und erst dann des Schlüs­se­zie­hens abver­lan­gen wol­len.
    Daher ein wei­te­res Bei­spiel zur Rela­ti­vie­rung:
    Luthers grund­sätz­li­che Min­der­be­wer­tung der Frau wur­de beson­ders schlimm, wenn sie ein gei­stig behin­der­tes Kind zur Welt brach­te, denn sol­che Kin­der, Wech­sel­bäl­ger genannt, waren nach Luther „Kin­der des Teu­fels“. Die meist nicht immer gleich bemerk­ba­re gei­sti­ge Behin­de­rung erklär­te man damit, dass der Teu­fel durch eine Hexe das gesund gebo­re­ne Kind heim­lich gegen das behin­der­te Kind aus­ge­wech­selt habe. Luther beschreibt Behin­der­te all­ge­mein in sei­nen Reden und Schrif­ten aus­nahms­los als Teu­fels­ge­schöp­fe, und befür­wor­te­te deren Tötung, weil es sich ledig­lich um eine see­len­lo­se „Fleisch­ma­s­se“ hand­le, in wel­cher der Teu­fel den Platz der See­le ein­ge­nom­men habe. Des­halb hat er zwei­en Für­sten auf deren Anfra­ge gera­ten, in dem von ihnen vor­ge­tra­ge­nen Fall das Kind im Fluss zu erträn­ken. Am Tisch sag­te er spä­ter, als Fürst hät­te er die­se Tötung durch­ge­führt, doch man habe nicht auf ihn gehört. Dass die Für­sten Luthers Rat nicht ange­nom­men haben, spricht für sie. Sie sind sei­ner Argu­men­ta­ti­on offen­bar nicht gefolgt, dass ein behin­der­tes Kind eine lebens­un­wer­te Fleisch­ma­s­se sei, die, anstatt es nach dem Vor­bild Jesu zu hei­len (Mt 11,5), zu besei­ti­gen sei (vgl. Tisch­re­den Nr. 4513 und 5207).

    Luthers men­schen­ver­ach­ten­de Hal­tung gegen­über Behin­der­ten hat­te Fern­wir­kung: 1940 recht­fer­tig­te der NS-Gut­ach­ter Wer­ner Catel die unter dem Begriff „Eutha­na­sie“ ver­steck­te Ermor­dung von Zehn­tau­sen­den miss­ge­bil­de­ter Kin­der und gei­stig Behin­der­ter mit Luthers Aus­sa­gen: Sie besä­ßen kei­ne Per­sön­lich­keit und Wil­lens­ent­schei­dung. Die den evan­ge­li­schen Behin­der­ten­ein­rich­tun­gen in Neuendettelsau/Bayern anver­trau­ten Men­schen wur­den in den Jah­ren 1940/41 schließ­lich mit Beru­fung auf die Staats­leh­re Mar­tin Luthers den staat­li­chen Behör­den aus­ge­lie­fert. Dass sie umge­bracht wer­den, war den Ver­ant­wort­li­chen bekannt.
    Damit nicht genug! Das Bild von der per­sön­lich­keits­lo­sen „Fleisch­ma­s­se“ ist 1990 sprach­lich moder­ni­siert als „prä­na­ta­ler Zell­hau­fen“ ins Voka­bu­lar von Abtrei­bun­gungs­be­für­wor­te­rIn­nen ein­ge­gan­gen, denn wenn Luther das Töten eines gebo­re­nen mensch­li­chen Lebens unter bestimm­ten Umstän­den emp­foh­len hat, dann muss das unter bestimm­ten Umstän­den wohl auch für einen „Zell­hau­fen“ im Mut­ter­leib gel­ten!
    Übri­gens: Das Rose-Urteil in den USA, das die Abtrei­bung in den 80er Jah­ren frei­ge­ge­ben hat­te, war auch von einem „Zell­hau­fen“ aus­ge­gan­gen: Das größ­te Unrechts­ur­teil der ame­ri­ka­ni­schen Geschich­te, mein­te kürz­lich der neue Vize­prä­si­dent!
    Hät­te Luther die Tra­di­ti­on der exi­stie­ren­den römisch-katho­li­schen Kir­che zur Kennt­nis genom­men, hät­te er gegen­über den fürst­li­chen Rat-Fra­gern die nach wie vor gül­ti­gen drei Sät­ze Ter­tul­li­ans in Erin­ne­rung rufen müs­sen, die, zum Schutz des unge­bo­re­nen Lebens gespro­chen, erst recht für das gebo­re­ne zu gel­ten hat­ten: „Wir aber dür­fen, weil Mord ein für alle­mal unter­sagt ist, auch die im Mut­ter­leib emp­fan­ge­ne Lei­bes­frucht nicht zer­stö­ren, wäh­rend noch Blut für einen neu­en Men­schen abge­zweigt wird. Es ist ein vor­weg­ge­nom­me­ner Mord, wenn man eine Geburt ver­hin­dert, und es ist nicht aus­schlag­ge­bend, ob man einer See­le, die schon gebo­ren ist, das Leben nimmt, oder eine, die im Ent­ste­hen ist, ver­nich­tet. Ein Mensch ist auch, wer auch künf­tig ein Mensch sein soll; auch sonst ist jede Frucht schon in ihrem Samen ent­hal­ten“ (Apo­lo­ge­ti­cum 9,8). Das, und nicht nur das, scheint die neue ame­ri­ka­ni­sche Poli­tik begrif­fen zu haben!

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