Blutwunder von Neapel ausgeblieben

Am 16. Dezember 2016 blieb das Blutwunder von Neapel aus.
Am 16. Dezember 2016 blieb das Blutwunder von Neapel aus.

(Rom) In Nea­pel herrscht Auf­re­gung. Das Blut­wun­der ist aus­ge­blie­ben. Das Blut von San Gen­na­ro, des Stadt­pa­trons der süd­ita­lie­ni­schen Metro­po­le, hat sich nicht ver­flüs­sigt.

Der hei­li­ge Janu­a­r­i­us war wäh­rend der blu­ti­gen Chri­sten­ver­fol­gung unter Kai­ser Dio­kle­ti­an Bischof und Benevent. Am 19. Sep­tem­ber 305 wur­de er wegen sei­nes Glau­bens an Chri­stus in Poz­zuoli bei Nea­pel hin­ge­rich­tet. Eine Chri­stin sam­mel­te Blut des Mär­tyrer­bi­schofs in einem Gefäß, das heu­te in der Kathe­dra­le von Nea­pel auf­be­wahrt wird (sie­he Wird sich Blut von San Gen­na­ro für Papst Fran­zis­kus ver­flüs­si­gen?).

Für den 17. August 1389 ist das Blut­wun­der, die Ver­flüs­si­gung des ein­ge­trock­ne­ten Blu­tes, erst­mals sicher bezeugt. Es ereig­ne­te sich wäh­rend einer Bitt­pro­zes­si­on, die zur Abwen­dung einer gro­ßen Not durch­ge­führt wur­de. Eine erste Ver­flüs­si­gung soll der Über­lie­fe­rung nach bereits bei der Über­füh­rung der Reli­qui­en im frü­hen 5. Jahr­hun­dert gesche­hen sein. Erst im 14. Jahr­hun­dert wur­den sie wie­der öffent­lich gezeigt. Eine 1965 durch­ge­führ­te, wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chung der Kno­chen ergab, daß der Hei­li­ge zum Zeit­punkt sei­nes Todes etwa 35 Jah­re alt und von erstaun­li­cher Grö­ße (1,90 m) war.

Drei­mal jähr­lich ver­flüs­sigt sich das Blut, das sich in zwei Ampul­len befin­det. Eine ist zu Drei­vier­tel gefüllt, die ande­re weni­ger, da Karl von Bour­bon, der von 1731–1735 König von Nea­pel war, einen Teil mit­nahm, als er als Karl III. König von Spa­ni­en wur­de. Das Ereig­nis ist für die Bewoh­ner Nea­pels von beson­de­rer Bedeu­tung. Das Blut­wun­der deu­ten sie als gutes Zei­chen dafür, daß ihnen Gött­li­ches Wohl­wol­len erhal­ten bleibt. Das Aus­blei­ben des Blut­wun­ders gilt als schlech­tes Zei­chen, mit dem ein Schrecken ange­kün­digt wird.

Das Blut­wun­der wird erwar­tet am Sams­tag vor dem ersten Sonn­tag im Mai, das war der Tag der ersten Umbet­tung der Reli­qui­en rund hun­dert Jah­re nach sei­nem Mar­ty­ri­um; dann am 19. Sep­tem­ber, sei­nem Dies nata­lis, dem Tag sei­ner Hin­rich­tung; und schließ­lich am 16. Dezem­ber.

1631 droh­te eine Erup­ti­on des Vesuvs. Die ver­zwei­fel­te Bevöl­ke­rung such­te Bei­stand bei ihrem Stadt­pa­tron. Am 16. Dezem­ber jenes Jah­res ver­flüs­sig­te sich das Blut in der Ampul­le, und der Vul­kan­aus­bruch blieb aus, was der Für­spra­che des Hei­li­gen zuge­schrie­ben wur­de.

Der Erz­bi­schof von Nea­pel begibt sich an die­sen Tagen in die Kathe­dra­le zur Kapel­le, in der die Ampul­len auf­be­wahrt wer­den. Da die Kapel­le nicht ihm, son­dern der Stadt Nea­pel unter­steht, ist er am 16. Dezem­ber nur Zeu­ge des Vor­gangs. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag prüf­te Msgr. Vin­cen­zo De Gre­go­rio in Anwe­sen­heit von Erz­bi­schof Cre­scen­zio Kar­di­nal Sepe die Ampul­le. De Gre­go­rio, ein bekann­ter Kir­chen­mu­si­ker und Orga­nist, ist Prä­lat der Schatz­ka­pel­le des Hei­li­gen Janu­a­r­i­us im Dom von Nea­pel.

Er muß­te jedoch sicht­lich betrof­fen fest­stel­len, daß sich das Blut nicht beweg­te. Der Prä­lat bemüh­te sich rasch in der Zere­mo­nie fort­zu­fah­ren. Das sei „weder ein Vor­zei­chen von Unglücken noch Epi­de­mien noch Krie­gen, wir sind Män­ner und Frau­en des Glau­bens und müs­sen mit dem Gebet fort­fah­ren“, sag­te er zu den Anwe­sen­den. „Die Gegen­wart der Reli­quie unter uns ist für uns ein Zei­chen, daß er Patron ist“, bemüh­te sich der Prä­lat um tröst­li­che Wor­te. Dann erteil­te er den anwe­sen­den Gläu­bi­gen mit der Blut­am­pul­le den Segen. Es folg­te ein ver­hal­te­ner Applaus eini­ger weni­ger, wo anson­sten begei­ster­ter Applaus auf­bran­det.

Seit der Refor­ma­ti­on bemü­hen sich Luthe­ra­ner und Cal­vi­ni­sten das Blut­wun­der als „Schwin­del der Katho­li­ken“ zu ent­lar­ven, eben­so im 18. Jahr­hun­dert die Auf­klä­rer. Auch heu­te suchen Wis­sen­schaft­ler und Hob­by-Wis­sen­schaft­ler nach einer „natür­li­chen“ Erklä­rung des Wun­ders, des­sen rät­sel­haf­tes Phä­no­men sie aber bis­her nicht ent­schlüs­seln konn­ten.

Am 19. Sep­tem­ber 2015 besuch­te Papst Fran­zis­kus Nea­pel und war bei der Zere­mo­nie im Dom anwe­send, als sich das Blut­wun­der ereig­ne­te.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

3 Kommentare

  1. Dem Hei­li­gen ist das Blut erstarrt, bei den Zusta­en­den in der Kir­che.
    Mir gefriert es auch wenn ich nach Rom schaue !

    • Genau!
      Doch wir sehen, der Herr sieht alles was un jetzt quält,er lässt sich nicht täu­schen, nicht eine Sekun­de lang und er lei­det mit uns!

  2. Aus­ge­rech­net einen Tag vor dem 80. Geburts­tag von P.F.! Ich füh­re die Nicht­ver­flüs­si­gung der Blut­re­li­quie auch auf die inner­kirch­li­chen Zustän­de zurück, haben die vier muti­gen Kar­di­nä­le ihre Dubia schließ­lich genau am Todes­tag des Hei­li­gen (19.9.) ein­ge­reicht! Jeden­falls kein gutes Omen!

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