Angriff der Homo-Lobby gegen Radio Maria — Mit Unterstützung aus dem Vatikan?

„Barmherzige“ Säuberunngsaktion

Pater Livio Fanzaga, Programmdirektor von Radio Maria Italien, und Papst Franziskus
Pater Livio Fanzaga, Programmdirektor von Radio Maria Italien, und Papst Franziskus

(Rom) Papst Fran­zis­kus lob­te am Diens­tag in einer Video­bot­schaft die Arbeit von Radio Maria Argen­ti­ni­en. Anlaß für die päpst­li­che Aner­ken­nung war der 20. Grün­dungs­tag des argen­ti­ni­schen Able­gers der Welt­fa­mi­lie von Radio Maria. Ein harm­lo­ses Ereig­nis, das aber kei­nes­wegs so harm­los ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Gegen Radio Maria ist ein har­ter Angriff im Gan­ge, und das auf sein ita­lie­ni­sches Flagg­schiff, den Mut­ter­sen­der aller Radio-Maria-Sen­der. Ein Angriff nach der Devi­se: „Es wer­den kei­ne Gefan­ge­nen gemacht“, so die Online-Tages­zei­tung Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na.

Der Papst wür­dig­te in dem Video die „Frucht­bar­keit“ des Sen­ders. Sie hän­ge mit dem Namen des Sen­ders zusam­men, der „durch die Mut­ter“ Jesus zei­ge.

Radio Maria Italien — und die „Angst“ vor dem Papst

Radio Maria Argen­ti­na gehört zur World Fami­ly of Radio Maria. In die­sem Ver­bund sind alle Radio­sen­der zusam­men­ge­schlos­sen, die auf das 1982 gegrün­de­te Radio Maria Ita­li­en zurück­ge­hen. Das sind inzwi­schen welt­weit bereits 77 Sen­der in 70 Staa­ten. Radio Maria ist die größ­te katho­li­sche Sen­der­ket­te der Welt.

Im Rah­men des 6. Welt­kon­gres­ses von World Fami­ly of Radio Maria wur­den am 29. Okto­ber 2015 die Radio-Maria-Ver­ant­wort­li­chen aus aller Welt von Papst Fran­zis­kus in Audi­enz emp­fan­gen.

Wegen sei­ner Bedeu­tung rich­tet sich das Augen­merk des öffent­li­chen Inter­es­ses vor allem auf Radio Maria Ita­li­en. Inner­kirch­lich ist das seit der Wahl von Papst Fran­zis­kus vor allem wegen Säu­be­rungs­ak­tio­nen der Fall, bei denen sich der Sen­der wegen papst­kri­ti­scher Äuße­run­gen von teils lang­jäh­ri­gen Mit­ar­bei­tern trennt. Ob die­se Äuße­run­gen vor den Mikro­pho­nen des Sen­ders oder ganz woan­ders fal­len, spielt dabei kei­ne Rol­le.

Der Moraltheologe Giovanni Cavalcoli OP
Der Dog­ma­ti­ker Gio­van­ni Caval­co­li OP

Der Sen­der ist für sei­ne Treue zur kirch­li­chen Leh­re bekannt. Genau des­halb scheint die Direk­ti­on besorgt, daß kri­ti­sche Äuße­run­gen zu Aus­sa­gen oder Hand­lun­gen von Papst Fran­zis­kus pro­gres­si­ven Kir­chen­krei­sen in die Hand spie­len. Von „Kada­ver­ge­hor­sam“ spre­chen hin­ge­gen papst­kri­ti­sche Krei­se. Und da die Din­ge  immer etwas kom­pli­zier­ter sind, ver­birgt sich dahin­ter ein knall­har­ter Kampf, der den Sen­der aus­lö­schen oder zur Auf­ga­be sei­ner Linie zwin­gen will. Eini­ge Köp­fen müs­sen min­de­stens dabei rol­len.

Der Aufschrei gegen Strafe Gottes

Zuletzt geriet der Sen­der in die Kri­tik wegen Aus­sa­gen des bekann­ten Dog­ma­ti­ker und Domi­ni­ka­ners, Pater Gio­van­ni Caval­co­li. Der Stell­ver­tre­ter des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs per­sön­lich trat vor die Mikro­pho­ne von Radio Vati­kan, um Caval­co­li zu maß­re­geln. Dabei wur­de dem Domi­ni­ka­ner etwas unter­stellt, was er in sei­ner bean­stan­de­ten Sen­dung vom 30. Okto­ber gar nicht gesagt hat­te.

Der Dog­ma­ti­ker hat­te auf eine Hörerfra­ge bestä­tigt, daß Gott auch stra­fe, weil er ein „gerech­ter Gott ist“. Die „Stra­fe Got­tes“ sei real. Den behaup­te­ten Zusam­men­hang, die Erd­be­ben in Mit­tel­ita­li­en sei­en die Stra­fe Got­tes, weil Ita­li­en in die­sem Jahr die „Homo-Ehe“ lega­li­sier­te, stell­te Caval­co­li aller­dings nicht her.

Allein die Vor­stel­lung, daß Gott stra­fe, und somit real in die Welt und ihren Lauf ein­grei­fen kön­ne, pro­vo­zier­te eine schar­fe Ableh­nung. Selbst im Vati­kan beeil­te man sich, auf Distanz zu einer sol­chen Vor­stel­lung zu gehen. Und das allein aus dem Grund, weil die magi­schen Stich­wor­te Homo­se­xua­li­tät und „Homo-Ehe“ fie­len, eine gan­ze poli­ti­sche Rich­tung, Par­tei­en und sogar Bischö­fe ehr­fürch­tig erstar­ren und sich ver­nei­gen las­sen.

Radio Maria trennt sich von Pater Cavalcoli

Kaum hat­te Kuri­en­erz­bi­schof Becciu sei­ne Kri­tik geäu­ßert, trenn­te sich Radio Maria am 5. Novem­ber von Pater Caval­co­li. Die Aus­sa­gen des Domi­ni­ka­ners sei­en „inak­zep­ta­bel“. Die­ser reagier­te mit den Wor­ten, daß Papst Fran­zis­kus zwar „nicht häre­tisch“ sei, sich aber „mit fal­schen Freun­den und schlech­ten Rat­ge­bern“ umge­be.

Radio Maria weltweit
Radio Maria welt­weit

Der Theo­lo­ge füg­te noch eine Anmer­kung hin­zu und äußer­te den Ver­dacht, daß ein „frei­mau­re­ri­sches Manö­ver gegen Radio Maria“ im Gan­ge sei.

Das päpst­li­che Lob für Radio Maria vom 9. Novem­ber hat mit dem Jubi­lä­um des argen­ti­ni­schen Able­gers zu tun. Die chro­no­lo­gi­sche Abfol­ge ist jedoch ver­blüf­fend und erin­nert an Zucker­brot und Peit­sche.

Die Kri­tik am Domi­ni­ka­ner läu­te­te am 4. Novem­ber die links­li­be­ra­le Medi­en­grup­pe ein, zu der auch die Tages­zei­tung La Repub­bli­ca gehört. Laut Anga­ben von Fran­zis­kus, die „ein­zi­ge“ Tages­zei­tung, die der Papst täg­lich liest.

La Repub­bli­ca ließ erken­nen, daß die Sor­gen an der Spit­ze von Radio Maria nicht unbe­grün­det sind.

Kritik an Presseförderung

Die Zei­tung schob der Kri­tik an Caval­co­li gleich am näch­sten Tag eine Kri­tik an der staat­li­chen Pres­se­för­de­rung für den Sen­der nach. Über das ita­lie­ni­sche Pres­se­för­de­rungs­ge­setz erhielt Radio Maria Ita­li­en in den Jah­ren 2011–2013, jün­ge­re Zah­len lie­gen nicht vor, jähr­lich im Durch­schnitt rund 700.000 Euro. La Repub­bli­ca stell­te die Fra­ge, wie lan­ge man es noch dul­den wol­le, daß „öffent­li­che Gel­der“ für „skan­da­lö­se“ katho­li­sche „Bannsprü­che“ aus­ge­ge­ben wer­den, die sogar der Sub­sti­tut des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs als „belei­di­gend“ und „vor­christ­lich“ bezeich­net hat­te.

Die Fra­ge war eine Auf­for­de­rung, die offen­bar ver­stan­den wur­de. Das zustän­di­ge Mini­ste­ri­um für wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung, gelei­tet vom Links­de­mo­kra­ten Car­lo Calan­da, reagier­te auf den Repub­bli­ca-Arti­kel mit der Mit­tei­lung, daß es die bis­he­ri­gen fixen Zuwen­dun­gen an Radio Maria künf­tig nicht mehr geben wer­de.

„Das ist eine aus­ge­zeich­ne­te Nach­richt. Genau das, was wir erhofft hat­ten“, bedank­te sich La Repub­bli­ca öffent­lich für die­ses unge­wöhn­lich schnel­le Tem­po.

LGBT-Regie, „die von einigen Kirchenvertretern unterstützt wird“

Die katho­li­sche Online-Zei­tung Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na (NBQ) schrieb dazu am 9. Novem­ber: „Sei­en wir ehr­lich. Die Gefüh­le und die Lebens­be­din­gun­gen der Erd­be­ben­ge­schä­dig­ten in Mit­tel­ita­li­en inter­es­sie­ren nie­mand. Jeden­falls nie­mand von denen, die in die Are­na gestie­gen sind, um Pater Caval­co­li — und Radio Maria — zu zer­flei­schen. Je mehr Tage ver­ge­hen, desto offen­kun­di­ger scheint es, daß es hier auch Hecken­schüt­zen-Ope­ra­ti­on geht, die in einer bestimm­ten LGBT-Welt Regie führt, und die von einem Teil der Kir­chen­ver­tre­ter unter­stützt wird.“

Msgr. Becciu, der Substitut des Kardinalstaatssekretärs
Msgr. Becciu, der Sub­sti­tut des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs

Der erste Arti­kel, der die Aus­sa­gen von Pater Caval­co­li ver­zerr­te und die Kam­pa­gne gegen den Dog­ma­ti­ker und Radio Maria star­te­te, stamm­te aus der Feder eines jun­gen Homo-Akti­vi­sten. Laut eige­nen Anga­ben auf einem Homo-Kon­greß, scheint er eini­ge Mode­ra­to­ren von Radio Maria unter stän­di­ger Beob­ach­tung zu hal­ten, was sie zur Homo­se­xua­li­tät sagen.

Der Arti­kel wäre, wie vie­le ande­re Arti­kel gegen Radio Maria, nach zwei Tagen ver­ges­sen gewe­sen, wenn sich nicht Erz­bi­schof Becciu vom vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­at zu Wort gemel­det hät­te.

Becci­us Stel­lung­nah­me bestä­tigt, daß es eine poli­ti­sche und nicht um eine dok­tri­nel­le Fra­ge geht. Sein Arbeits­be­reich ist in einer Regie­rung dem Außen­mi­ni­ste­ri­um ver­gleich­bar. Es geht nicht um die Erd­be­ben­op­fer, die Pater Caval­co­li angeb­lich belei­digt hät­te. Es geht in Wirk­lich­keit um die Homo­se­xu­el­len. „Es ist kein Zufall, daß nach Msgr. Becciu auch die ‚uner­freu­li­chen‘ Kom­men­ta­re des Gene­ral­se­kre­tärs der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, Msgr. Nun­zio Galan­ti­no, und eini­ger für das The­ma Homo­se­xua­li­tät beson­ders sen­si­bler Bischö­fe folg­ten“, so NBQ.

„Hät­te Pater Caval­co­li behaup­tet, das Erd­be­ben, das die Stadt Nor­cia zer­stör­te, sei eine Rebel­li­on von Mut­ter Erde gewe­sen, weil Ita­li­en nicht aus­rei­chend die Kli­ma­ab­kom­men gegen die men­schen­ver­schul­de­te Erd­er­wär­mung durch CO2-Aus­stoß erfüllt, hät­te sich nie­mand auf­ge­regt. Ganz im Gegen­teil. Aus dem Vati­kan wäre brei­te Zustim­mung gekom­men.“

Pater Livio Fan­za­ga, der Pro­gramm­di­rek­tor von Radio Maria, hielt wäh­rend der Dis­kus­si­on über das „Homo-Ehe“-Gesetz nicht mit sei­ner Ableh­nung hin­ter dem Berg. „Dafür muß er nun zah­len, und das ganz wört­lich“, so NBQ.

Mellonis Rundumschlag gegen „homophobe, reaktionäre“ Positionen

Doch damit nicht genug. Auf die lai­zi­sti­sche Empö­rung von La Repub­bli­ca folg­te noch die kirch­lich-pro­gres­si­ve Empö­rung des Kir­chen­hi­sto­ri­kers Alber­to Mel­lo­ni, dem Direk­tor der „Schu­le von Bolo­gna“, des­sen Deu­tung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils als „Bruch“ mit der rück­stän­di­gen vor­kon­zi­lia­ren Kir­che sich auch die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz etwas kosten ließ.

Mel­lo­ni ging mit Radio Maria noch schär­fer ins Gericht und warf dem Sen­der vor, „homo­pho­be“, „anti­mo­der­ne“, „inte­gra­li­sti­sche“ und „reak­tio­nä­re“ Posi­tio­nen zu ver­tre­ten. Über­haupt sei der Sen­der Aus­druck einer „rand­stän­di­gen“ und „rück­wärts­ge­wand­ten“ Katho­li­zi­tät, die sich eigent­lich gar nicht mehr katho­lisch nen­nen kön­ne.

Nur am Ran­de sei erwähnt, daß Mel­lo­nis Insti­tut soviel an öffent­li­chen Gel­dern erhält, daß die Pres­se­för­de­rung für Radio Maria im Ver­gleich dazu fast lächer­lich erscheint.

Viel­leicht liegt dar­in auch der Grund für Mel­lo­nis Eifer. Muß man gele­gent­lich gegen­über den „rich­ti­gen“ Leu­ten unter Beweis stel­len, daß man „das Geld wert“ ist?

So kommt Mel­lo­ni zum Schluß, daß es „hier nicht nur um Radio Maria geht“, son­dern um eine gan­ze „obsku­re“ Welt von katho­li­schen „Inter­net­sei­ten, Blogs und sozia­len Netz­wer­ken“, die „Äng­ste schü­ren, dar­un­ter jene der Lebens­rechts­be­we­gun­gen dar­über, was an den Schu­len gelehrt wird, und jene der tra­di­tio­na­li­sti­schen Prie­ster, die der Aus­län­der­feind­lich­keit der Lega Nord einen Weih­rauch­ge­ruch ver­pas­sen, dazu jene der Unter­stüt­zer eines Fami­li­en-Radi­ka­lis­mus, die gegen­über der homo­se­xu­el­len Lie­be unbe­wäl­tig­te Res­sen­ti­ments hegen“ usw.

Dazu NBQ:

„Es scheint offen­sicht­lich, daß für Mel­lo­ni — und sei­ne Gefähr­ten im Vati­kan — die Lösung nur in der gna­den­lo­sen Besei­ti­gung die­ser Gala­xie bestehen kann, weil sie die Aus­söh­nung mit der Welt gefähr­den könn­te, die vom Hei­li­gen Stuhl anstrebt wird. Mit ande­ren Wor­ten: Das Spiel ist noch nicht zu Ende, das Drei­eck Repub­bli­ca-Regie­rung-Vati­kan (zumin­dest eini­ge Tei­le davon) wer­den auf dem von ihnen ein­ge­schla­ge­nen Weg wei­ter­ge­hen. Die durch Mel­lo­ni ver­mit­tel­te Bot­schaft ist ein­deu­tig: Es wer­den kei­ne Gefan­ge­nen gemacht.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Radio Maria World Family/Youtube (Screen­hot)

2 Kommentare

  1. Zur „ ‚Angst‘ vor dem Papst“…
    Den Betern des Stun­den­ge­bets sind die Ver­se ver­traut: „Bes­ser, sich zu ber­gen beim Herrn, als auf Men­schen zu bau­en. Bes­ser, sich zu ber­gen beim Herrn, als auf Für­sten zu bau­en“ (Ps 118,8–9). Bit­te nicht gleich sagen: „Ja, a b e r“. Auch wenn über­eif­ri­ge Theo­lo­gen die­ser Auf­fas­sung waren — der Papst ist nicht der Herr­gott auf Erden. Wer sein Ver­trau­en auf den Herrn Jesus Chri­stus setzt, ver­liert die Men­schen­furcht, auch die „Angst“ vor dem Papst. Der Papst steht u n t e r Chri­stus, nicht neben ihm, und sei­ne Auf­ga­be ist es nicht, Hin­der­nis zu Chri­stus sein, son­dern Füh­rer zu ihm. War­um? Weil ein­zig Jesus Chri­stus der Herr, Hei­land und Erlö­ser der Men­schen ist. Dar­an muss der Papst sich mes­sen las­sen.

  2. Man müss­te den Kir­chen­hi­sto­ri­ker Alber­to Mel­lo­ni der Bolo­gna Schu­le danach fra­gen was er eigent­lich dar­un­ter ver­steht wenn er in Zusam­men­hang mit Radio Maria von einer „rand­stän­di­gen“ und „rück­wärts­ge­wand­ten“ Katho­li­zi­tät spricht. Zur geschicht­li­chen Iden­ti­tät der katho­li­schen Kir­che gehört näm­lich die Ver­fol­gungs­zeit unter den heid­ni­schen römi­schen Cäesa­ren zwi­schen Nero und Dio­cle­ti­an in der sich das kirch­li­che Leben „am Ran­de“ zwi­schen den Kata­kom­ben und den Are­nen der Mär­ty­rer ein­rich­ten muss­te. Dar­über hin­aus wie könn­te die Katho­li­zi­tät nicht „rück­wärts­ge­wandt“ sein? Die Kir­che geht auf Jesus zurück und er wirk­te und pre­dig­te vor 2000 Jah­ren. Die Vor­stel­lung Jesus wäre nicht der ech­te Mes­si­as und ein Mes­si­as müss­te erst in der Zukunft kom­men ist nicht christ­lich son­dern jüdisch!

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