Roberto de Mattei: Amoris Laetitia ist ein „katastrophales Dokument“

Amoris Laetiatia "ein katasrophales Dokument"
Amoris Laetiatia "ein katasrophales Dokument"

von Rober­to de Mattei*

Mit dem am 8. April ver­öf­fent­lich­ten Apo­sto­li­schen Schrei­ben Amo­ris Lae­ti­tia äußer­te sich Papst Fran­zis­kus offi­zi­ell zu Pro­ble­men der Ehe­mo­ral, über die seit zwei Jah­ren dis­ku­tiert wird.

Beim Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­um vom 20./21. Febru­ar 2014 hat­te er Kar­di­nal Wal­ter Kas­per die Auf­ga­be anver­traut, die Debat­te zu die­sem The­ma zu eröff­nen. Die The­se von Kar­di­nal Kas­per, laut der die Kir­che ihre Ehe­pra­xis zu ändern habe, bil­de­te das Leit­mo­tiv der bei­den Fami­li­en­syn­oden von 2014 und 2015 und bil­det heu­te das Gerüst des Schrei­bens von Papst Fran­zis­kus.

„Eine gefährliche schizophrene Pathologie“

Im Lau­fe die­ser zwei Jah­re haben illu­stre Kar­di­nä­le, Bischö­fe, Theo­lo­gen und Phi­lo­so­phen in die Debat­te ein­ge­grif­fen, um auf­zu­zei­gen, daß es zwi­schen der Leh­re und der Pra­xis der Kir­che eine inni­ge Über­ein­stim­mung geben muß. Die Seel­sor­ge beruht auf der dog­ma­ti­schen und mora­li­schen Dok­trin.

„Es kann kei­ne Seel­sor­ge geben, die im Miß­klang mit der Wahr­heit der Kir­che und ihrer Moral und im Gegen­satz mit ihren Geset­zen ist und nicht auf die Errei­chung des Ide­als des christ­li­chen Lebens aus­ge­rich­tet ist!“, so Kar­di­nal Vel­asio De Pao­lis in sei­nen Aus­füh­run­gen vor dem Kir­chen­ge­richt von Umbri­en vom 27. März 2014.

Die Idee, das Lehr­amt von der seel­sorg­li­chen Pra­xis, die sich je nach Umstän­den, Moden und Lei­den­schaf­ten ent­wickeln könn­te, zu tren­nen, ist laut Kar­di­nal Robert Sarah „eine Form von Häre­sie, eine gefähr­li­che schi­zo­phre­ne Patho­lo­gie“ (La Stam­pa, 24. Febru­ar 2015).

Der Umsturz  liegt darin, „sich keine generelle Regelung erwarten zu dürfen“

In den Wochen, die dem nach­syn­oda­len Schrei­ben vor­aus­ge­gan­gen sind, haben sich die öffent­li­chen und pri­va­ten Inter­ven­tio­nen von Kar­di­nä­len und Bischö­fen beim Papst ver­viel­facht, mit dem Ziel, die Ver­öf­fent­li­chung eines Doku­ments vol­ler Feh­ler abzu­wen­den, die durch eine Viel­zahl von Abän­de­rungs­emp­feh­lun­gen deut­lich wur­den, wel­che die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on am Ent­wurf anbrach­te. Fran­zis­kus mach­te aber kei­nen Schritt zurück, son­dern scheint die Letzt­fas­sung des Schrei­bens, oder zumin­dest eini­ge der Schlüs­sel­stel­len, der Hand von Theo­lo­gen sei­nes Ver­trau­ens über­las­sen zu haben, die eine Neu­in­ter­pre­ta­ti­on des hei­li­gen Tho­mas von Aquin im Licht der Hegel­schen Dia­lek­tik ver­such­ten. Die Theo­lo­gie der Pra­xis schließt näm­lich jede dok­tri­nel­le Aus­sa­ge aus und über­läßt es der Geschich­te, die Ver­hal­tens­li­ni­en für das mensch­li­che Han­deln abzu­stecken. Des­halb „kann man ver­ste­hen“, so Papst Fran­zis­kus, „dass man von der Syn­ode oder von die­sem Schrei­ben kei­ne neue, auf alle Fäl­le anzu­wen­den­de gene­rel­le gesetz­li­che Rege­lung kano­ni­scher Art erwar­ten durf­te“ (Amo­ris Lae­ti­tia, 300). Wenn man davon über­zeugt ist, daß die Chri­sten sich in ihrem Ver­hal­ten nicht nach abso­lu­ten Grund­sät­zen aus­zu­rich­ten, son­dern auf die „Zei­chen der Zeit“ zu hören haben, wäre es in der Tat ein Wider­spruch, Regeln wel­cher Art auch immer zu for­mu­lie­ren.

Alle erwar­te­ten sich die Ant­wort auf eine grund­le­gen­de Fra­ge: Kön­nen jene, die nach einer ersten Ehe stan­des­amt­lich erneut hei­ra­ten, das Sakra­ment der Eucha­ri­stie emp­fan­gen? Auf die­se Fra­ge hat die Kir­che immer mit einem kate­go­ri­schen Nein geant­wor­tet. Die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen kön­nen die Kom­mu­ni­on nicht emp­fan­gen, weil ihr Lebens­stand und ihre Lebens­ver­hält­nis­se in objek­ti­vem Wider­spruch ste­hen „zu jenem Bund der Lie­be zwi­schen Chri­stus und der Kir­che, den die Eucha­ri­stie sicht­bar und gegen­wär­tig macht“ (Fami­lia­ris Con­sor­tio, 84).

„Kommunionverbot für wiederverheiratete Geschiedene gilt nicht mehr absolut“

Handgeschriebens Billet von Papst Franziskus zur Veröffentlichung von Amoris Laetitia
Hand­ge­schrie­bens Bil­let von Papst Fran­zis­kus zur Ver­öf­fent­li­chung von Amo­ris Lae­ti­tia

Die Ant­wort des nach­syn­oda­len Schrei­ben lau­tet hin­ge­gen: grund­sätz­lich Nein, aber „in gewis­sen Fäl­len“ (Amo­ris Lae­ti­tia, 301, Fuß­no­te 351). Die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen sol­len „inte­griert“ und nicht aus­ge­schlos­sen wer­den (Amo­ris Lae­ti­tia, 299). Ihre Inte­gra­ti­on kann „in ver­schie­de­nen kirch­li­chen Dien­sten zum Aus­druck kom­men: Es ist daher zu unter­schei­den, wel­che der ver­schie­de­nen der­zeit prak­ti­zier­ten For­men des Aus­schlus­ses im lit­ur­gi­schen, pasto­ra­len, erzie­he­ri­schen und insti­tu­tio­nel­len Bereich über­wun­den wer­den kön­nen“ (Amo­ris Lae­ti­tia, 299), ohne die Sakra­men­ten­ord­nung aus­zu­schlie­ßen (Amo­ris Lae­ti­tia, Fuß­no­te 336).

Tat­sa­che ist: Das Kom­mu­ni­on­ver­bot für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne gilt nicht mehr abso­lut. Der Papst erlaubt nicht als all­ge­mei­ne Regel die Kom­mu­ni­on für die Geschie­de­nen, er ver­bie­tet sie aber auch nicht. Kar­di­nal Caf­farra beton­te in sei­ner Zurück­wei­sung der Kas­per-The­se: „Hier legt man Hand an die Dok­trin. Zwangs­läu­fig. Man kann auch sagen, daß man es nicht tut, aber man tut es. Und nicht nur das. Man führt einen Brauch ein, der die­se Vor­stel­lung lang­fri­stig nicht nur im christ­li­chen Volk ver­an­kern wird: Es exi­stiert kei­ne abso­lut unauf­lös­li­che Ehe. Und das ist mit Sicher­heit gegen den Wil­len des Herrn. Dar­über gibt es kei­nen Zwei­fel“ (Inter­view in Il Foglio, 15. März 2014).

Für die Theo­lo­gie der Pra­xis zäh­len nicht die Regeln, son­dern die kon­kre­ten Fäl­le. Und was Abstrak­tum nicht mög­lich ist, ist Kon­kre­tum mög­lich. Kar­di­nal Bur­ke bemerk­te jedoch rich­tig­ge­hend: „Wenn die Kir­che den Emp­fang der Sakra­men­te (auch nur in einem Fall) einer Per­son erlau­ben wür­de, die sich in einer irre­gu­lä­ren Situa­ti­on befin­det, wür­de das bedeu­ten, daß die Ehe ent­we­der nicht unauf­lös­lich ist, und damit die­se Per­son nicht im Stand des Ehe­bruchs lebt, oder daß die hei­li­ge Kom­mu­ni­on nicht Gemein­schaft im Leib und Blut Chri­sti ist, die hin­ge­gen die rech­te Dis­po­si­ti­on der Per­son erfor­dert, näm­lich die schwe­re Sün­de zu bereu­en und die feste Absicht, nicht mehr zu sün­di­gen“ (Inter­view von Ales­san­dro Gnoc­chi in Il Foglio, 14. Okto­ber 2014).

Welcher Hirte wird es noch wagen, die Kommunion zu verweigern?

Die Aus­nah­me ist zudem bestimmt, zur Regel zu wer­den, weil das Zugangs­kri­te­ri­um zur Kom­mu­ni­on in Amo­ris Lae­ti­tia der „per­sön­li­chen Unter­schei­dung“ des Ein­zel­nen über­las­sen wird. Die Unter­schei­dung erfolgt „Fall für Fall“ durch „das Gespräch mit dem Prie­ster im Forum inter­num“ (Amo­ris Lae­ti­tia, 300). Wel­che See­len­hir­ten wer­den es aber noch wagen, den Zugang zur Eucha­ri­stie zu ver­wei­gern, wenn „das Evan­ge­li­um selbst von uns ver­langt, weder zu rich­ten, noch zu ver­ur­tei­len“ (Amo­ris lae­ti­tia, 308), und man „alle ein­zu­glie­dern“ (Amo­ris lae­ti­tia, 297) und „die kon­sti­tu­ti­ven Ele­men­te in jenen Situa­tio­nen zu wür­di­gen“ hat, „die noch nicht oder nicht mehr in Über­ein­stim­mung mit ihrer Leh­re von der Ehe sind“ (Amo­ris Lae­ti­tia, 292)?

Hir­ten, die die Gebo­te der Kir­che ein­for­dern möch­ten, ris­kie­ren laut dem päpst­li­chen Schrei­ben, sich „wie Kon­trol­leu­re der Gna­de und nicht wie ihre För­de­rer“ zu ver­hal­ten (Amo­ris Lae­ti­tia, 310). „Daher darf ein Hir­te sich nicht damit zufrie­den geben, gegen­über denen, die in ‚irre­gu­lä­ren‘ Situa­tio­nen leben, nur mora­li­sche Geset­ze anzu­wen­den, als sei­en es Fels­blöcke, die man auf das Leben von Men­schen wirft. Das ist der Fall der ver­schlos­se­nen Her­zen, die sich sogar hin­ter der Leh­re der Kir­che zu ver­stecken pfle­gen, »um sich auf den Stuhl des Mose zu set­zen und – manch­mal von oben her­ab und mit Ober­fläch­lich­keit – über die schwie­ri­gen Fäl­le und die ver­letz­ten Fami­li­en zu rich­ten«“ (Amo­ris Lae­ti­tia, 305).

Kaspers Forderung verschämt in einer Fußnote versteckt

Die­se unge­wohn­te Spra­che, här­ter als die Her­zens­här­te, die den „Kon­trol­leu­ren der Gna­de“ vor­ge­wor­fen wird, ist das Unter­schei­dungs­merk­mal von Amo­ris Lae­ti­tia. Kei­nes­wegs zufäl­lig bezeich­ne­te sie Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born bei der Pres­se­kon­fe­renz vom 8. April  als „ein sprach­li­ches Ereig­nis“.

„Mei­ne gro­ße Freu­de über die­ses Doku­ment“, sag­te der Kar­di­nal aus Wien, lie­ge dar­in, daß es „kon­se­quent die künst­li­che, äußer­li­che, ein­deu­ti­ge Unter­schei­dung zwi­schen regu­lär und irre­gu­lär über­win­det“.

Die Spra­che drückt, wie immer, einen Inhalt aus. Die Situa­tio­nen, die das nach­syn­oda­le Schrei­ben nur als „soge­nann­te irre­gu­lä­re“ bezeich­net, sind der öffent­li­che Ehe­bruch und das außer­ehe­li­che Zusam­men­le­ben. Für Amo­ris Lae­ti­tia ver­wirk­li­chen sie das Ide­al der christ­li­chen Ehe, wenn auch nur „teil­wei­se und ana­log“ (Amo­ris Lae­ti­tia, 292).

Auf­grund der Bedingt­hei­ten oder mil­dern­der Fak­to­ren ist es mög­lich, dass man mit­ten in einer objek­ti­ven Situa­ti­on der Sün­de – die nicht sub­jek­tiv schuld­haft ist oder es zumin­dest nicht völ­lig ist – in der Gna­de Got­tes leben kann, dass man lie­ben kann und dass man auch im Leben der Gna­de und der Lie­be wach­sen kann, wenn man dazu die Hil­fe der Kir­che bekommt“ (Amo­ris Lae­ti­tia, 305) – „in gewis­sen Fäl­len könn­te es auch die Hil­fe der Sakra­men­te sein“ (was etwas ver­schämt in der dazu­ge­hö­ri­gen Fuß­no­te 351 steht).

Amoris Laetitia Ausdruck der von den Päpsten verurteilten „neuen Moral“

Gemäß katho­li­scher Moral kön­nen die Umstän­de, die den Kon­text bil­den, in denen eine Hand­lung statt­fin­det, die mora­li­sche Qua­li­tät der Hand­lung weder ändern noch eine in sich schlech­te Hand­lung rich­tig und gut machen. Die Dok­trin des mora­lisch Abso­lu­ten und des intrin­se­ce malum wird durch Amo­ris lae­ti­tia im Nichts auf­ge­löst. Das neue päpst­li­che Schrei­ben paßt sich der „neu­en Moral“ an, die von Pius XII. in zahl­rei­chen Doku­men­ten und von Johan­nes Paul II. in Veri­ta­tis sple­ndor ver­ur­teilt wird.

Die Situa­ti­ons­mo­ral über­läßt es den Umstän­den und im Letz­ten dem sub­jek­ti­ven Gewis­sen des Men­schen zu bestim­men, was gut und was böse ist. Der außer­ehe­li­che Geschlechts­ver­kehr wird nicht als an sich uner­laubt gese­hen, son­dern sei – da ein Akt der Lie­be – nach sei­nen Umstän­den zu bewer­ten.

All­ge­mei­ner gespro­chen gibt es dem­nach weder das in sich Böse nicht noch eine schwe­re Sün­de oder Tod­sün­de. Die Gleich­set­zung zwi­schen Per­so­nen im Stand der Gna­de (regu­lä­re Situa­tio­nen) und Per­so­nen im Zustand anhal­ten­der Sün­de (irre­gu­lä­re Situa­tio­nen) ist nicht nur sprach­li­cher Art: Ihr scheint die luthe­ri­sche Theo­rie vom Men­schen simul ius­tus et pec­ca­tor zugrun­de­zu­lie­gen, die durch das Dekret über die Recht­fer­ti­gung vom Kon­zil von Tri­ent ver­ur­teilt wur­de (DH, 1551–1583).

Amoris Laetitia „viel schlimmer“ als Kaspers Rede von 2014

Das nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris Lae­ti­tia ist viel schlim­mer als die Rede von Kar­di­nal Kas­per vom Febru­ar 2014, gegen die sich zu recht so viel Kri­tik in Büchern, Arti­keln und Inter­views gerich­tet hat. Kar­di­nal Kas­per hat­te eini­ge Fra­gen gestellt. Das Schrei­ben Amo­ris Lae­ti­tia lie­fert die Ant­wort: Es öff­net den wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen die Tür, es kano­ni­siert die Situa­ti­ons­mo­ral und lei­tet einen Nor­ma­li­sie­rungs­pro­zeß für alle For­men des Zusam­men­le­bens more uxorio ein.

In Anbe­tracht der Tat­sa­che, daß das neue Doku­ment zum nicht unfehl­ba­ren ordent­li­chen Lehr­amt gehört, bleibt zu hof­fen, daß es zum Gegen­stand einer gründ­li­chen kri­ti­schen Ana­ly­se von Sei­ten der Theo­lo­gen und Hir­ten der Kir­che wird, ohne sich der Illu­si­on hin­zu­ge­ben, dar­auf die „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“ anwen­den zu kön­nen.

Der Text ist kata­stro­phal. Noch kata­stro­pha­ler ist, daß er vom Stell­ver­tre­ter Chri­sti unter­zeich­net ist. Für jene aber, die Chri­stus und Sei­ne Kir­che lie­ben, ist das ein guter Grund, zu reden und nicht zu schwei­gen. Machen uns also die Wor­te von Msgr. Atha­na­si­us Schnei­der, eines muti­gen Bischofs zu eigen:

„‚Non pos­su­mus!‘ Ich wer­de weder ein nebu­lö­ses Gere­de noch eine geschickt getarn­te Hin­ter­tür zur Pro­fa­nie­rung des Sakra­men­tes der Ehe und der Eucha­ri­stie akzep­tie­ren. Eben­so­we­nig wer­de ich es akzep­tie­ren, daß man sich über das Sech­ste Gebot Got­tes lustig macht. Ich zie­he es lie­ber vor, ver­lacht und ver­folgt zu wer­den, als zwei­deu­ti­ge Tex­te und unehr­li­che Metho­den zu akzep­tie­ren. Ich zie­he das glas­kla­re ‚Ant­litz Chri­sti, der Wahr­heit, dem Bild des mit Edel­stei­nen geschmück­ten Fuch­ses vor‘ (Hl. Ire­nä­us), ‚denn ich weiß, wem ich Glau­ben geschenkt habe‘, ‚Scio cui credi­di‘ (2 Tim 1,12).“

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt erschie­nen: Vica­rio di Cri­sto. Il pri­mato di Pie­tro tra nor­ma­li­tà  ed ecce­zio­ne (Stell­ver­tre­ter Chri­sti. Der Pri­mat des Petrus zwi­schen Nor­ma­li­tät und Aus­nah­me), Vero­na 2013; in deut­scher Über­set­zung zuletzt: Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil – eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, Rup­pich­teroth 2011. Die Zwi­schen­ti­tel stam­men von der Redak­ti­on.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL (Screen­shot)

12 Kommentare

  1. „Mei­ne gro­ße Freu­de über die­ses Doku­ment“, sag­te der Kar­di­nal aus Wien, lie­ge dar­in, daß es „kon­se­quent die künst­li­che, äußer­li­che, ein­deu­ti­ge Unter­schei­dung zwi­schen regu­lär und irre­gu­lär über­win­det“.

    Mit ande­ren Wor­ten: die­ses Doku­ment ver­wischt die Unter­schei­dung zwi­schen Gut und Böse.

    • @paulus

      Das ist ein legi­ti­mer Wunsch! Hier könn­te Papst eme­ri­tus noch segens­reich wir­ken. Er soll­te es auch.

  2. Dan­ke Prof. de Mattei für die­se prä­zi­se Stel­lung­nah­me und dan­ke der Redak­ti­on für die rasche Bereit­stel­lung auf Deutsch!
    Auf Eng­lisch sind bereits eini­ge sehr gute und gewich­ti­ge Kom­men­ta­re auf https://www.lifesitenews.com/ greif­bar.

    Eine bekann­te pri­va­te katho­li­sche Hof­schran­zen- und Kom­merz­sei­te aus Öster­reich schal­tet jetzt zwar auch eini­ge kri­ti­sche Postings frei (ver­mut­lich nur einen klei­nen Teil der tat­säch­lich ein­lan­gen­den), ersäuft die­se aber in einer Fül­le von unqua­li­fi­zier­ten und spei­chel­lecke­ri­schen Kom­men­ta­ren.

    Es ist die dum­me und unka­tho­li­sche Unter­wür­fig­keit „neo­kon­ser­va­ti­ver“ Krei­se unter jede noch so skur­ri­le und schäd­li­che Äuße­rung eines ver­un­glück­ten Pon­ti­fi­kats, die schwe­res Ärger­nis gibt. Denn die Unter­wer­fung von Wil­len und Ver­stand unter die Wahr­heit kann nur durch­ge­führt wer­den, wenn es wirk­lich um die Wahr­heit geht. „Amo­ris lae­ti­tia“ ist dage­gen ein Mei­ster­werk geziel­ter Kon­fu­si­on und Auf­lö­sung des Glau­bens.

    Es ist trau­rig und skan­da­li­sie­rend, daß an sich nicht übel­wol­len­de Katho­li­ken hier ihren Ver­stand und ihre Ver­pflich­tung zur Wahr­heit völ­lig aus­schal­ten und dem Kas­per-Schön­born-Kurs fol­gen.

    Mei­ne pri­va­ten Erfah­run­gen in diver­sen Dis­kus­si­ons­krei­sen bestä­ti­gen das.

    Mein drin­gen­der Rat an die Hal­le­lu­ja-Schlümp­fe: Wacht doch end­lich auf!

    • „Eine bekann­te pri­va­te katho­li­sche Hof­schran­zen- und Kom­merz­sei­te aus Öster­reich schal­tet jetzt zwar auch eini­ge kri­ti­sche Postings frei (ver­mut­lich nur einen klei­nen Teil der tat­säch­lich ein­lan­gen­den), ersäuft die­se aber in einer Fül­le von unqua­li­fi­zier­ten und spei­chel­lecke­ri­schen Kom­men­ta­ren.“

      Selbst von besag­ter „Kom­merz­sei­te aus Öster­reich“ wegen kri­ti­scher Kom­men­ta­re zum Rela­ti­vis­mus gesperrt, bestä­tigt sich für mich, dass die Zen­sur auf Dau­er eben nicht funk­tio­niert, son­dern immer mehr Lesern däm­mert, dass auf die­sem Por­tal recht zwei­fel­haf­te Gestal­ten mit Zustim­mung der Reak­ti­on eine Mei­nungs­ho­heit bean­spru­chen, die den Rela­ti­vis­mus zum letz­ten Maß­stab des Katho­li­schen machen wol­len.

      Ein red­li­cher Leser schreibt dort an einen weni­ger red­li­chen fol­gen­den, auf­schluss­rei­chen Kom­men­tar: „Von Ihnen neh­me ich über­haupt kei­ne Rat­schlä­ge an. Was Sie hier tun ist ganz link! Sie spie­len hier den mode­ra­ten Katho­li­ken, der nur das Beste für die Kir­che will. In Wahr­heit sind Sie ganz anders. Woher ich das weiss? Der „reue­lo­se Papist“ hat mich stut­zig gemacht. Irgend­wo habe ich das schon mal gele­sen. Und Bin­go! Ich bin fün­dig gewor­den. In einem Blog haben Sie exakt den sel­ben Kom­men­tar geschrie­ben. Wort für Wort. Und nicht nur das. Dort bezeich­nen Sie Bene­dikt XVI. als homo­se­xu­el­len Fana­ti­ker, der die Kir­che an den Rand des Abgrunds geführt hat und Stim­mung gegen sei­nen Nach­fol­ger betreibt.
      Nein! Ihre Rat­schlä­ge kön­nen Sie sich schen­ken.
      Ein klei­ner Rat­schlag von mir an das kath.net-Team und alle Fori­sten. Nehmt @Charles X. nicht ernst und mei­det eine Dis­kus­si­on mit ihm. Da läuft näm­lich eine ganz lin­ke Tour.“ (nach­zu­le­sen unter den Kom­men­ta­ren zum Arti­kel „08 April 2016, 16:00 AMORIS LAETITIA)

      Der ange­spro­che­ne Leser ret­tet sich dann in belei­dig­tes Schwei­gen — auch eine Mög­lich­keit der Klä­rung aus dem Weg zu gehen.

      Bei Papst Fran­zis­kus gibt schon die Namens­fin­dung sehr zu den­ken. Joseph Ratz­in­ger, die­ser gro­ße Theo­lo­ge und lang­jäh­ri­ge Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on stellt sich beschei­den in die Rei­he der Bene­dikt Päp­ste. Dar­in drück­te sich Kon­ti­nui­tät und Tra­di­ti­on der kirch­li­chen Leh­re aus. Kein Hang zu einem expo­nier­ten Namen, zum Exklu­si­ven. Anders bei Ber­go­lio, der mit Fran­zis­kus sich einen Namen aus­wähl­te, der das Beson­de­re, Ein­ma­li­ge sei­nes Pon­ti­fi­ka­tes her­aus­strei­chen soll­te und sich bewusst dem Tra­di­tio­nel­len schon in der Namens­fol­ge wider­setzt. Die Ver­ein­nah­mung des Hei­li­gen Fran­zis­kus ist eben kein Aus­druck von Beschei­den­heit und Demut, son­dern eine Geste der Anma­ßung im ver­meint­lich Ori­gi­nel­len. Hier ste­hen sich zwei Sicht­wei­sen gegen­über, die man schon mit den Schlag­wor­ten der Kon­ti­nui­tät und des Pro­gres­si­ven kenn­zeich­nen kann. Da aber dem Pro­gres­sis­mus not­wen­dig die theo­lo­gi­sche Tie­fe fehlt, schon weil der Rela­ti­vis­mus in ihm Pro­gramm ist, kommt Ber­go­lio auch nicht über deut­li­che Wider­sprü­che in sei­nem Apo­sto­li­schen Schrei­ben hin­aus. Es ist ein Doku­ment der Unent­schie­den­heit, die nicht klärt son­dern für Ver­wir­rung sorgt.

      • der Name, das Auto, die Woh­nung, die Klei­dung — sor­ry, das sind Extra­va­gan­zen (baye­risch: Extra­wür­ste), kei­ne Beschei­den­heit

    • hät­te mich auch schon vor Lachen bee­u­meln kön­nen, wenn es nicht so trau­rig wäre… gemäss eines Posters dort bedeu­tet katho­lisch, dass man unbe­ding­ten Gehor­sam zum Papst hat, egal wie, wo und zu was er sich äussert. Nun ab ich aber zum Bei­spiel einen ande­ren Musik­ge­schmack als Papst Bene­dikt — hab ich mich dadurch schon exkom­mu­ni­ziert? (und der glei­che Poster hat in einem ande­ren Thread mal den von JPII ange­ord­ne­tet Aus­stieg aus der Schwan­ge­ren­be­ra­tung kri­ti­siert — ist also sel­ber auch nur papst­treu, wenn’s ihm in den Kram paßt)

      oder jetzt aktu­ell nach Amo­ris L.: Muss ich es beich­ten, wenn ich den Valen­tins­tag ver­ges­se?

      Das Pro­blem der Neo-Cons ist m.E. (bin Jahr­gang 1972), dass sie sich wäh­rend der Pon­ti­fi­ka­te JPII und BXVI am Papst anleh­nen konn­ten, mei­net­we­gen sich auch hin­ter ihm ver­stecken konn­ten, aber sich nicht wirk­lich sel­ber infor­mie­ren muss­ten und dadurch ne rela­tiv ruhi­ge Kugel schie­ben konn­ten — und jetzt machen sie ein­fach so wei­ter…

      • Prof. de Mattei ist bei­zu­pflich­ten:
        der Text Amo­ris Lae­ti­tia ist inhalt­lich kata­stro­phal;
        und kata­stro­phal ist, daß die­ser Text vom „Vica­ri­us Chri­sti“ unter­schrie­ben wur­de.
        Genau­so kata­stro­phal ist jedoch die Tak­tik, womit die Moder­ni­sten ver­su­chen die­ses Doku­ment unter die Men­schen zu brin­gen:
        die­ses Pon­ti­fi­kat fing an mit Buo­na Sera und einem Prot­ago­nist der St.-Gallenmafia auf dem Bal­kon des­A­po­sto­li­schen Palasts, stol­per­te wei­ter bei pasto­ra­len Rei­sen nach Bra­si­li­en und en Phil­ip­pi­nen (mit Natur­ge­wal­ten), pro­du­zier­te theo­lo­gi­sche Unsinn am lau­fen­den Band ( die „Fran­zis­kus­per­len“ wur­den rasch zu „Fran­zis­kus­pil­len“ und dann recht schnell namen­los)( fast konn­te man an „Fran­zis­kus­hand­gra­na­ten“ den­ken), „Evan­ge­lii Gau­di­um“ löste sehr viel Befrem­den aus und wur­de v.d. Kon­greg. f. d. Glau­bens­leh­re nicht kom­men­tiert; die Umwäl­zun­gen an der Kurie und die wirt­schaft­li­che Refor­men ver­san­ken in hand­fe­sten Skan­da­len mit einem smar­ten Opus-Die-Prä­la­ten und einer hoch­schwan­ge­ren Fran­ce­s­ca Chaou­qui.
        Und als Haupt­pro­gramm­punkt wur­den dann 2 Syn­oden für die Fami­lie zusam­men­ge­ru­fen, die trotz mas­si­ven Druck mit den Kas­pe­rideen zu gehar­nisch­tem Wider­stand des Epi­sko­pats führ­ten.
        Unver­ges­sen der Satz, neben­her gefal­len, daß „wenn man nicht vor­hät­te etwas (an der Leh­re) zu ver­än­dern, man die Syn­oden nicht hät­te zusam­men­ru­fen brau­chen“.

        Mehr als zwei Jah­re lang wur­de öffent­lich intens dis­ku­tiert, wur­den sehr vie­le fach­lich her­vor­ra­gen­de Arbei­ten und Arti­kel publi­ziert, wur­de das jahr­hun­der­te­al­te Magi­steri­um dar­ge­legt;
        im Vor­feld und nach den Syn­oden wur­de alles aus­führ­lich bespro­chen.
        Und dann: die für das Ende der 2. Syn­ode ange­kün­dig­te Erklä­rung des Pap­stes wur­de erst ver­scho­ben, dann Mona­te zurükge­stellt, dann für Febru­ar 2016 ange­kün­digt, wie­der zurück­ge­stell­te, und dann am Ende erst zum 9. April frei­ge­ge­ben.
        Tak­tisch Unsinn.
        Es ist als ob man das eige­ne Heer erst lan­ge ver­steckt in einem gro­ßen Wald mit­ten auf der Step­pe, tole­riert daß vor der Schlacht schon die Lan­ge­ab­stands­ar­til­le­rie des Geg­ners mit fun­da­men­tal­theo­lo­gi­schen und kir­chen­ge­schicht­li­chen Voll­tref­fern die Mar­kie­run­gen setzt, und dann nach lan­gem War­ten, wäh­rend­des­sen der Geg­ner alle Kräf­te zusam­men­ge­zo­gen hat, ein halb­her­zig aus­ge­führ­ter Aus­bruch­ver­such gemacht wird.
        Das ist Stüm­pe­rei.

      • Hoch­ge­ehr­ter @Adrien Antoi­ne,
        die „Theo­lo­gie“ der Kas­pe­ria­ner ist in der Tat nichts ande­res als Stüm­pe­rei des Zeit­gei­stes. Da man sub­stan­ti­ell nichts zu sagen hat, belässt man es bei alber­nen Show-Effek­ten. Dabei ent­wickeln die Kas­pe­ria­ner, allen vor­an Kar­di­nal Kas­per selbst, eine doch erstaun­li­che Hybris. Da wer­den 1000 Jah­re Kir­chen­ge­schich­te und Dog­men­ent­wick­lung im Nu in den Orkus des schö­nen rela­ti­vi­sti­schen Glau­bens­scheins geschleu­dert und ein­fach ent­sorgt. Am Ende hält man sich dann auch noch für katho­li­scher als alle Päp­ste und Apo­stel zusam­men. Nicht sel­ten star­tet aber sol­che Hybris als ein­ge­bil­de­ter Gei­stes­ad­ler und lan­det am Ende als schlich­tes Gei­stes­ent­lein.

  3. Was die Moder­ni­sten erwar­tet hat­ten, ist aller­dings aus­ge­blie­ben: das Macht­wort des Pap­stes
    Lan­ge Zeit war kaum erkenn­bar, wel­cher Rich­tung sich Papst Fran­zis­kus zunei­gen oder beu­gen wür­de, oder ob er sich ein Macht­wort im Sin­ne der Kas­per-Linie abrin­gen lässt. In sei­ner Rede zum Abschluss der Außer­or­dent­li­chen Syn­ode 2014 soll Papst Fran­zis­kus in etwa gesagt haben, er wer­de sich die Dis­kus­sio­nen 2015 anhö­ren, die Abstim­mung abwar­ten und dann ent­schei­den.
    Ein Blog­ger mein­te dar­auf­hin, über Papst Fran­zis­kus läge der lan­ge Schat­ten des Nomi­na­li­sten Wil­helm von Ock­ham und zitier­te dazu eine spa­ni­sche Stim­me: „Das ist das nomi­na­li­sti­sche Ver­ständ­nis des Papst­tums. Nicht die Wahr­heit, son­dern der Wil­le des Pap­stes ist es, der die Leh­re macht“ und „Die Wahr­heit und das Gute hän­gen für den Nomi­na­lis­mus vom Wil­len des­sen ab, der sie ver­kün­det. Ganz ein­fach. Es ist nicht mehr und nicht weni­ger als die Ver­göt­zung der Will­kür“.

    Die­se Sicht­wei­se nähr­te die Hoff­nung pro­gres­si­vi­sti­scher Krei­se, der Papst kön­ne die Libe­ra­li­sie­rung des Ehe­sa­kra­ments im Sin­ne Kar­di­nal Kas­pers aus päpst­li­cher Macht­voll­kom­men­heit durch­set­zen. Das ist aber nicht gesche­hen, selbst wenn Kar­di­nal Kas­per Amo­ris Lae­ti­tia als wich­tig­stes Doku­ment der Kir­chen­ge­schich­te seit 1700 Jah­ren in den Him­mel zu heben ver­sucht.

    Dage­gen hat Kar­di­nal Bur­ke das kano­ni­sche Ver­dikt gegen das Schrei­ben bereits gespro­chen, wenn er in die­sem kir­chen­recht­lich ledig­lich eine nicht­lehr­amt­li­che Pri­vat­äu­ße­rung von Papst Fran­zis­kus sieht und damit nach eige­nem Bekun­den auch des­sen eige­ner Ein­schät­zung ent­spricht. Dann hät­te die Sache mit Spruch zum fran­zö­si­schen Feu­er­wehr­helm in den Far­ben der Kir­che doch noch einen rea­len Hin­ter­grund bekom­men! :-)))

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