Newsweek: „Ist der Papst katholisch?“

Newsweek: Titelseite mit Papst Franziskus
Newsweek: Titelseite mit Papst Franziskus

(Rom) Der katho­li­sche Jour­na­list und Direk­tor der Hoch­schu­le für Fern­seh­jour­na­lis­mus in Perugia, Anto­nio Soc­ci, wur­de durch sein Buch „Non é Fran­ces­co“ (Er ist nicht Fran­zis­kus) bekannt, in dem er die Gül­tig­keit der Wahl von Papst Fran­zis­kus bestreitet.
In der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung Libe­ro ver­öf­fent­lich­te er am 12. Sep­tem­ber einen Kom­men­tar über die am 8. Sep­tem­ber bekannt­ge­wor­de­nen päpst­li­chen Motu­pro­pri­os Mit­is et miser­i­cors Iesus und Mit­is Iudex Domi­nus Iesus über eine Ver­ein­fa­chung der Ehenichtigkeitsverfahren.
Laut Soc­ci brau­che der Papst die Bischofs­syn­ode gar nicht, um sei­ne „Revo­lu­ti­on“ durch­zu­füh­ren. Die Ent­schei­dung zur Ein­füh­rung einer „katho­li­schen Schei­dung“ sei vom Papst bereits getrof­fen wor­den, noch bevor im Okto­ber 2014 die erste Ses­si­on der Bischofs­syn­ode eröff­net wurde.

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Nach 2000 Jahren wird der Kirche die Scheidung aufgezwungen. Schisma immer drohender

von Anto­nio Socci

News­week hat Ber­go­glio und die­se Über­schrift auf die Titel­sei­te gesetzt: „Ist der Papst katho­lisch?“ Unter­ti­tel: „Natür­lich, aber man wür­de es nicht mei­nen, laut dem, was man in der Pres­se liest“.

Die Fra­ge ist in der Tat berech­tigt, ange­sichts der Tat­sa­che, daß der argen­ti­ni­sche Papst in einer Moschee betet und im Inter­view zu Scal­fa­ri sagt: „Es gibt kei­nen katho­li­schen Gott“.

In der Kir­che ist die Sor­ge seit dem ver­gan­ge­nen 8. Sep­tem­ber rie­sen­groß gewor­den. Denn mit den bei­den Motu­pro­pri­os über die Ehe­nich­tig­keit haben wir einen offi­zi­el­len Akt des Ber­go­glio-Lehr­am­tes, mit dem man – laut maß­geb­li­chen Fach­leu­ten – durch die Ein­füh­rung einer Art „katho­li­scher Schei­dung“ entgleist.

Das wür­de die Leug­nung von Chri­sti Gebot der Unauf­lös­lich­keit der Ehe und das Aus­lö­schen von 2000 Jah­ren kirch­li­chen Lehr­am­tes bedeuten.

Um den Ernst der Sache zu ver­ste­hen, genügt es, dar­an zu erin­nern, daß die Kir­che im 16. Jahr­hun­dert ein schwer­wie­gen­des Schis­ma erlit­ten hat, indem es durch das angli­ka­ni­sche Schis­ma ganz Eng­land ver­lor, nur weil der Papst eine ein­zi­ge Schei­dung nicht aner­kann­te, jene von König Hein­rich VIII., der unter einem Vor­wand die Nich­tig­keit sei­ner ersten Ehe behauptete.

Könnte das Bergoglianische Motu proprio ein neues Schisma provozieren?

Das kann sein. Im übri­gen, wenn selbst Kar­di­nal Mül­ler, der Lei­ter des ehe­ma­li­gen Hei­li­gen Offi­zi­ums, in den ver­gan­ge­nen Tagen mit Bezug auf die Syn­ode von einem mög­li­chen Schis­ma sprach, dann wird es seit dem 8. Sep­tem­ber um so mehr gefürchtet.

In den ver­gan­ge­nen Tagen wur­de bereits von laut­star­ken Wort­ge­fech­ten in San­ta Mar­ta mit eini­gen wich­ti­gen Kar­di­nä­len berich­tet. Die Syn­ode kün­digt sich explo­siv an.

Newsweek Titelseite Papst Franziskus
News­week: Titel­sei­te mit Papst Franziskus

Ber­go­glio hat, der von ihm mit Wor­ten ver­kün­de­ten „Kol­le­gia­li­tät“ zum Trotz, alles bereits vor der zu die­sem The­ma ein­be­ru­fe­nen Syn­ode ent­schie­den. Nicht um das umzu­set­zen, wor­um die Bischö­fe im Okto­ber 2014 gebe­ten hat­ten, denn die Kom­mis­si­on, die das Motu pro­prio aus­ge­ar­bei­tet hat, wur­de von ihm mit die­sem Auf­trag bereits gut zwei Mona­te zuvor, am 27. August 2014, errichtet.

War­um wird das Motu pro­prio vom katho­li­schen Stand­punkt aus ange­foch­ten werden?

In erster Linie, so Pro­fes­sor de Mattei, gehen die Refor­men (offen­bar eine Ver­ein­fa­chung und Beschleu­ni­gung) als Gan­zes in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung des Weges, den die Kir­che immer gegan­gen ist. Es han­delt sich um einen tota­len Per­spek­ti­ven­wech­sel: an erster Stel­le geht es nicht mehr um die Ver­tei­di­gung des Sakra­ments (zur Ret­tung der See­len), son­dern vor allem um eine leich­te und schnel­le Erlan­gung der Ehenichtigkeit.

Es genügt an die Abschaf­fung des dop­pel­ten Urteils zu den­ken. De Mattei schreibt: „Kar­di­nal Bur­ke erin­ner­te dar­an, daß es dies­be­züg­lich eine kata­stro­pha­le Erfah­rung gibt. In den USA gal­ten von Juli 1971 bis Novem­ber 1983 die soge­nann­ten ‚Pro­vi­sio­nal Norms‘, die fak­tisch die Pflicht des dop­pel­ten, über­ein­stim­men­den Urteils besei­tig­ten. Das Ergeb­nis war, daß die Bischofs­kon­fe­renz nicht einen ein­zi­gen von Hun­dert­tau­sen­den Anträ­gen auf Dis­pen­sie­rung ablehn­ten, und daß man in der all­ge­mei­nen Wahr­neh­mung begann, den Pro­zeß „die katho­li­sche Schei­dung“ zu nennen“.

Ziel ist eine „unermeßliche“ Zahl von Eheannullierungen

Ande­rer­seits ver­kün­de­te Msgr. Pin­to, der Dekan der Rota Roma­na und Vor­sit­zen­de der Kom­mis­si­on, die das Motu pro­prio her­vor­ge­bracht hat, offen das Ziel die­ser Reform. Er schrieb im Osser­va­to­re Roma­no, daß Papst Ber­go­glio „von den Bischö­fen eine wirk­li­che ‚Umkehr‘ wünscht, einen Men­ta­li­täts­wech­sel, der sie davon über­zeugt, der Ein­la­dung Chri­sti zu folgen“.

Laut Msgr. Pin­to sei „die Ein­la­dung Chri­sti, gegen­wär­tig in ihrem Bru­der, dem Bischof von Rom“ die, „von der begrenz­ten Zahl weni­ger Tau­sen­der Nich­tig­keits­er­klä­run­gen zu jener uner­meß­li­chen Zahl der Unglück­li­chen über­zu­ge­hen, die eine Nich­tig­keits­er­klä­rung haben könnten“.

Es wur­de nie gehört, daß Chri­stus eine „uner­meß­li­che“ Zahl von Ehe­nich­tig­keits­er­klä­run­gen wollte.

Nun ist aber klar, daß das Ziel des Motu pro­prio die Mas­sen­schei­dung ist, kosten­los und noch schnel­ler und noch leich­ter als jene des Staa­tes (es gibt schon jene, die über­le­gen, ob es nicht gün­sti­ger wäre, sich bei den Prie­stern schei­den zu lassen).

Bis­her, bis zu Bene­dikt XVI., wur­den die Kir­chen­ge­rich­te von den Päp­sten geta­delt, weil sie bei der Zuer­ken­nung der Nich­tig­keit zu nach­sich­tig waren.

Kirchengerichte sollen Fabriken der Massenannullierungen werden

Mit Ber­go­glio wird alles auf den Kopf gestellt und sie wer­den aus dem genau ent­ge­gen­ge­setz­ten Grund kri­ti­siert: Er will aus ihnen Fabri­ken der Mas­senan­nul­lie­run­gen machen.

Die Abge­ord­ne­te Ales­san­dra Moret­ti [Links­de­mo­kra­ten] hat Recht, wenn sie tri­um­phie­rend behaup­tet, daß „die epo­cha­le Reform“ des Pap­stes „das Gesetz über die schnel­le Schei­dung nach­ahmt, des­sen Bericht­erstat­te­rin ich im Par­la­ment war“, und „die gemein­sa­me Sicht­wei­se von Staat und Kir­che zu die­sem The­ma“ betont.

Das ist aber noch nicht alles.

Mit die­sem Motu pro­prio zeich­nen sich – ohne jede lehr­amt­li­che und theo­lo­gi­sche Grund­la­ge – neue Nich­tig­keits­grün­de ab, die sogar die Rol­le der Kir­che auf den Kopf stel­len könn­ten: Sie wäre nicht mehr jene, die vor den Augen Got­tes die Nich­tig­keit von Anfang an einer sakra­men­ta­len Ehe fest­zu­stel­len hät­te, son­dern läuft Gefahr, eine Ein­rich­tung zu wer­den, die fak­tisch sakra­men­tal gül­ti­ge Ehen aus heu­te erfun­de­nen Grün­den „auf­löst“.

„Die theo­re­ti­sche Bekräf­ti­gung der Unauf­lös­lich­keit der Ehe wird in der Pra­xis vom Anspruch auf ein Recht beglei­tet, jedes geschei­ter­te Ehe­band für nich­tig zu erklä­ren. Es genü­ge, nach eige­nem Gewis­sen, die eige­ne Ehe für ungül­tig zu hal­ten, um deren Nich­tig­keit durch die Kir­che aner­ken­nen zu las­sen“, so de Mattei.

Neue Nichtigkeitsgründe: Die Ladung Dynamit steckt im Artikel 14 und heißt „Glaubensmangel“

Die Ladung Dyna­mit steckt vor allem im Arti­kel 14 der Ver­fah­rens­re­geln, wo der „Glau­bens­man­gel“ der Braut­leu­te als mög­li­cher Grund für eine Simu­lie­rung oder einen Irr­tum bei der Zustim­mung und daher die Ungül­tig­keit der Ehe beschwo­ren wird.

Bis­her wur­de Glau­bens­man­gel als Grund für die Ungül­tig­keit einer Ehe von der Kir­che immer aus­ge­schlos­sen, die sich dar­auf beschränkt, die natür­li­che Ehe zum Sakra­ment zu erheben.

Bene­dikt XVI. erklär­te: „Der unauf­lös­li­che Bund zwi­schen Mann und Frau erfor­dert für die Sakra­men­ta­li­tät nicht den per­sön­li­chen Glau­ben der Braut­leu­te; erfor­der­lich ist, als not­wen­di­ge Min­dest­vor­aus­set­zung, die Inten­ti­on, das zu tun, was die Kir­che tut.“

Die Inten­ti­on also, sich zu hei­ra­ten. Des­halb erkennt die Kir­che auch die Sakra­men­ta­li­tät der Misch­ehen mit einem athe­isti­schen Ehe­part­ner oder Ange­hö­ri­gen einer ande­ren Reli­gi­on an: Es genügt, die natür­li­che Ehe zu wollen.

Nun wird alles umge­stürzt und im Ber­go­glio-Stil wird dafür eine zwei­deu­ti­ge Form genützt, um die katho­li­sche Welt glau­ben zu las­sen, daß sich die Leh­re nicht ändert.

So behaup­te­te der Kir­chen­recht­ler Pao­lo Mone­ta am 9. Sep­tem­ber im „Avve­ni­re“, daß „Glau­bens­man­gel bis­her kein Nich­tig­keits­grund war und es auch heu­te nicht ist“.

Gleich­zei­tig aber rühm­te Msgr. Pin­to bei der Prä­sen­ta­ti­on des Motu pro­prio die „Neue­rung durch das Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus“ und sprach vom „ohne Glau­ben voll­zo­ge­nen Sakra­ment“, das zu einer „uner­meß­li­chen“ Zahl ungül­ti­ger Ehen füh­re, „wegen offen­sicht­li­chen Glau­bens­man­gels als Brücke zum Gewis­sen und daher zum frei­en Wil­len einen sakra­men­ta­le Zustim­mung zu geben“.

Damit wird tat­säch­lich der Weg für Mil­lio­nen von Annul­lie­run­gen auf­ge­tan. Millionen!

Ehenichtigkeit, weil Paar wegen unvorhergesehener Schwangerschaft heiratete?

Doch seit wann muß man, um gül­tig zu hei­ra­ten, hei­lig sein oder einen Stu­di­en­ab­schluß in Theo­lo­gie an der Gre­go­ria­na erwerben?

Für die Aner­ken­nung einer sakra­men­ta­len Ehe hat die Kir­che immer nur eine freie Ent­schei­dung ver­langt, im Sin­ne einer natür­li­chen Ehe hei­ra­ten zu wol­len. Eben­so hat sie immer gelehrt, daß die geist­li­che Dis­po­si­ti­on der Braut­leu­te (ihre Hei­lig­keit) für die Früch­te des Sakra­ments ent­schei­dend ist, nicht aber für des­sen Gültigkeit.

Nun ist alles anders. Zu den Umstän­den, die die Mög­lich­keit zu einer super­schnel­len Schei­dung auf­tun, gehört auch „die Kür­ze des ehe­li­chen Zusam­men­le­bens“ oder, daß zwei Ver­lob­te „wegen der unvor­her­ge­se­he­nen Schwan­ger­schaft der Frau“ gehei­ra­tet haben. Was hat das aber mit der Gül­tig­keit der Zustim­mung zu tun?

Die unglaubliche Auflistung endet mit einem „etcetera“

Die unglaub­li­che Auf­li­stung endet sogar mit einem „etce­te­ra“. Soll das hei­ßen, daß man sie will­kür­lich erwei­tern kann? Was für eine Recht­spre­chung ist das?

Die schwäch­sten Tei­le (die Frau­en und Kin­der) wer­den die Rech­nung die­ser Revo­lu­ti­on zu bezah­len haben, die die Fami­li­en, die ohne­hin schon unter schwe­rem Beschuß durch die welt­li­che Kul­tur ste­hen, destabilisiert.

Schwe­ster Lucia, die Sehe­rin von Fati­ma, sag­te eines Tages zu Kar­di­nal Caf­farra: „Der End­kampf zwi­schen dem Herrn und dem Reich Satans wird über die Fami­lie und die Ehe stattfinden.“

Es ist soweit.

Wenn das die Zeit des „weiß­ge­klei­de­ten Bischofs“ ist, wird es schmerz­haft für alle (erin­nern Sie sich an die Stadt in Trümmern?).

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: News­week (Screen­shot)

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