„Die erste Monstranz war eine Krippe“ — Predigt von Dom Jean Pateau, Abt von Fontgombault, zum Hochfest Fronleichnam

Lie­be Brü­der und Schwestern,
mei­ne innig gelieb­ten Söhne!

Im wun­der­ba­ren Sakra­ment sei­nes Lei­bes und sei­nes Blu­tes gibt Jesus sich selbst als eine Spei­se und ein Trank, so daß wir ihn ihm woh­nen und er in uns wohnt, auf daß wir für ihn leben, und in Ewig­keit leben.

Im Taber­na­kel erhal­ten die hei­li­gen eucha­ri­sti­schen Gestal­ten die Hul­di­gung unse­rer Anbe­tung. Obwohl das Evan­ge­li­um kei­ne Anbe­tung der hei­li­gen Eucha­ri­stie erwähnt, berich­tet es uns über die erste Andacht vor dem aller­hei­lig­sten Sakra­ment in der Menschheitsgeschichte.

In Beth­le­hem, wobei der Name „Haus des Bro­tes“ bedeu­tet, in einer armen Krip­pe, einem Ort der Stil­le und des Frie­dens, erhält Jesus die Anbe­tung von Maria und Joseph, eini­gen Hir­ten und den hei­li­gen drei Köni­gen, den wei­sen Män­nern aus dem Osten, wäh­rend die Engel im Him­mel die Herr­lich­keit Got­tes kund­tun und den Men­schen den Frie­den ver­kün­den, der von Gott kommt.

Wol­len wir nicht durch jede Anbe­tung, jede Sakra­ment­s­an­dacht in den hei­li­gen Stall zurück­ver­setzt wer­den? Ist Jesus viel­leicht so tief bewegt wor­den durch die Gebe­te eini­ger armer Men­schen in sei­ner Nähe, daß er durch die Jahr­hun­der­te jene Armen emp­fan­gen woll­te, die wir sind? Die sakra­men­ta­le Gegen­wart gestat­tet uns, mit der Anbe­tung der Bewoh­ner der Krip­pe und ihren Besu­chern ver­bun­den zu sein.

In der Schu­le der Hir­ten, laßt uns ler­nen, wie man anbe­tet, laßt uns unse­re Anwe­sen­heit in der Nähe des aller­hei­lig­sten Sakra­men­tes erneu­ern. Die erste Mon­stranz war eine Krip­pe, weil in der Her­ber­ge kein Platz war. Was ist eine Krip­pe? Was ist ein Kind? All dies ist klein, all dies ist ziem­lich unin­ter­es­sant. An die­sem Ort ver­birgt Gott sich. In der Gestalt eines klei­nen Kin­des erwar­tet er die Hir­ten. Ent­spre­chend erreicht uns sei­ne sakra­men­ta­le Gegen­wart heu­te in der Gestalt von einem Stück­chen Brot.

Die Hir­ten emp­fan­gen die Ein­la­dung von einem Engel. Auch wir sind ein­ge­la­den, den Herrn zu besu­chen. Wir müs­sen daher wach­sam sein. Wir müs­sen uns die Zeit neh­men, Jesus zu begeg­nen und uns zu erlau­ben, von sei­nem Ant­litz bezau­bert zu sein. Die Hir­ten leben in den Fel­dern. Sie ver­brin­gen Tag und Nacht damit, ihre Her­den zu beob­ach­ten. Sie sind kon­tem­pla­tiv. Sobald der Engel gespro­chen hat, zögern sie nicht und zie­hen nach Beth­le­hem. Sie kom­men, sie fin­den, sie keh­ren zurück, „und prie­sen und lob­ten Gott für all das, was sie gehört und gese­hen hat­ten“ (Lk 2,20). „Maria behielt alle die­se Wor­te und erwog sie in ihrem Her­zen.“ (Lk 2,19)

Wie die Hir­ten und Maria, laßt uns nicht zögern, son­dern laßt uns zu Jesus gehen. Laßt uns froh unse­re Kir­chen besu­chen, die Beth­le­hems unse­rer Städ­te. Laßt uns ger­ne Zeit vor dem Taber­na­kel oder der Mon­stranz ver­brin­gen. Jesus, Gott mit uns, erwar­tet uns und bricht das Brot sei­nes Wor­tes und sei­nes Flei­sches für uns.

Amen, Alle­luia.

Pre­digt von Dom Jean Pateau, Abt von Font­gom­bault, zum Hoch­fest Fron­leich­nam im Jah­re 2014
Über­set­zung: M. Bene­dikt Buerger

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