Radio Vatikan, Papst Franziskus und die Allerlösungslehre?

Papst Franziskus, die Hoffnung auf Erlösung und die Allerlösungslehre(Rom) Ver­tritt Papst Fran­zis­kus eine Aller­lö­sungs­leh­re? Am Abend des Aller­hei­li­gen­fe­stes besuch­te das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt den römi­schen Fried­hof Cam­po Ver­a­no um der Ver­stor­be­nen zu geden­ken, wo er eine Hei­li­ge Mes­se zele­brier­te. Er nahm damit eine Tra­di­ti­on wie­der auf, der in den 90er Jah­ren unter Papst Johan­nes Paul II. abge­kom­men war. Bis­her wur­de der Fried­hofs­be­such vor allem wegen der neu­en Feru­la des Pap­stes beach­tet, weni­ger wegen sei­ner Pre­digt. Die Wie­der­ga­be der Pre­digt in deut­scher Über­set­zung durch Radio Vati­kan wirft die Fra­ge auf, ob Papst Fran­zis­kus ein Ver­tre­ter der Aller­lö­sungs­leh­re sei. Eine Leh­re, die von der Kir­che immer ver­wor­fen wur­de.

Im Bericht der deut­schen Redak­ti­on von Radio Vati­kan lau­tet der erste Satz des Pap­stes näm­lich:

„Wir sind hier noch vor der Abend­däm­me­rung ver­sam­melt und den­ken an unse­re eige­ne Zukunft. Und wir den­ken an all jene, die uns ver­las­sen haben. Sie sind nun beim Herrn. Sie sind bereits dort, wo wir auch ein­mal hin­kom­men.“

Damit wird gesagt, daß alle Ver­stor­be­nen beim Herrn sind, und daß die noch Leben­den nach ihrem Tod eben­falls alle beim Herrn sein wer­den. Kurz­um: Alle sind erlöst.

Wört­lich sag­te der Papst im ita­lie­ni­schen Ori­gi­nal jedoch:

„Zu die­ser Stun­de, vor der Abend­däm­me­rung, ver­sam­meln wir uns und den­ken an unse­re Zukunft. Wir den­ken an all jene, die von uns gegan­gen sind, wir den­ken an alle die uns im Leben vor­an­ge­gan­gen sind und im Herrn sind.“

Liest man nicht die Teil­über­set­zung durch Radio Vati­kan, son­dern hört die gesam­te Pre­digt, kann man fest­stel­len, daß in der Homi­lie des Pap­stes kei­ne Aller­lö­sungs­leh­re ent­hal­ten ist. Wohl aber eine gewis­se Ein­sei­tig­keit in der Beto­nung der Freu­de auf die Erlö­sung, als wür­de eine gewis­se Heils­si­cher­heit mit­schwin­gen. Die Dimen­si­on der Sün­de, das ban­ge Hof­fen auf die Barm­her­zig­keit Got­tes, der Dies irae, der Tag des Zorns, der das Jüng­ste Gericht meint und bis 1970 als Sequenz der Toten­mes­se besun­gen wur­de und durch Mozarts Requi­em noch heu­te welt­be­kannt ist, das alles fehlt zur Gän­ze, wie über­haupt das Erschau­ern vor Ehr­furcht. Kein Wort über die Mög­lich­keit einer ewi­gen Ver­dam­nis und nicht ein­mal ein Wort über das Fege­feu­er.

Hier die wei­te­re voll­stän­di­ge Pre­digt von Papst Fran­zis­kus in deut­scher Über­set­zung:

„Die Schau­ung des Him­mels, die wir in der ersten Lesung gehört haben, ist so schön: Der Herr­gott, die Schön­heit, die Güte, die Wahr­heit, die Lieb­ko­sung, die voll­kom­me­ne Lie­be. Das alles erwar­tet uns. Jene, die uns vor­an­ge­gan­gen und im Herrn gestor­ben sind, sind dort. Sie ver­kün­den, daß sie nicht wegen ihrer Wer­ke geret­tet wur­den – sie haben auch gute Wer­ke getan -, son­dern vom Herrn geret­tet wur­den: „Die Ret­tung kommt von unse­rem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm“ (Off 7,10). Er ist es, der uns ret­tet, Er ist es, der uns am Ende unse­res Lebens wie ein Vater an der Hand führt genau in jenen Him­mel, wo unse­re Vor­fah­ren sind. Einer der Älte­sten stellt die Fra­ge: „Wer sind die­se, die wei­ße Gewän­der tra­gen, und woher sind sie gekom­men?“ (Off 7,13). Wer sind die­se Gerech­ten, die­se Hei­li­gen, die im Him­mel sind? Die Ant­wort: „Es sind die, die aus der gro­ßen Bedräng­nis kom­men; sie haben ihre Gewän­der gewa­schen und im Blut des Lam­mes weiß gemacht“ (Off 7,14).

Wir kön­nen nur dank des Blu­tes des Lam­mes in den Him­mel ein­tre­ten, dank Chri­sti Blut. Es ist genau das Blut Chri­sti, das uns gerecht­fer­tigt hat, das uns die Tore zum Him­mel geöff­net hat. Und wenn wir heu­te die­ser unse­rer Brü­der und Schwe­stern geden­ken, die uns im Leben vor­an­ge­gan­gen und im Him­mel sind, dann weil sie durch das Blut Chri­sti gewa­schen wur­den. Das ist unse­re Hoff­nung: die Hoff­nung des Blu­tes Chri­sti! Eine Hoff­nung, die nicht ent­täuscht. Wenn wir im Leben mit dem Herrn gehen, ent­täuscht Er nie!

Wir haben in der zwei­ten Lesung gehört, was der Apo­stel Johan­nes sei­nen Jün­gern sag­te: „Seht, wie groß die Lie­be ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir hei­ßen Kin­der Got­tes und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht (…) Jetzt sind wir Kin­der Got­tes. Aber was wir sein wer­den, ist noch nicht offen­bar gewor­den. Wir wis­sen, dass wir ihm ähn­lich sein wer­den, wenn er offen­bar wird; denn wir wer­den ihn sehen, wie er ist“ (1 Joh 3,1f). Gott sehen, Gott ähn­lich sein: das ist unse­re Hoff­nung. Und heu­te, gera­de am Tag Aller­hei­li­gen und vor Aller­see­len ist es not­wen­dig, ein wenig an die Hoff­nung zu den­ken: die Hoff­nung, die uns im Leben beglei­tet. Die ersten Chri­sten stell­ten die Hoff­nung mit einem Anker dar, so als wäre das Leben der Anker, der an das Ufer des Him­mels gewor­fen ist und wir alle auf dem Weg zum Ufer, das Seil des Ankers fest umklam­mert. Das ist ein schö­nes Bild der Hoff­nung: das Herz dort ver­an­kert zu haben, wo unse­re Vor­fah­ren, wo die Hei­li­gen sind, wo Jesus ist, wo Gott ist. Das ist die Hoff­nung, die nicht ent­täuscht; heu­te und mor­gen sind Tage der Hoff­nung.

Die Hoff­nung ist ein biß­chen wie die Hefe, die dir die See­le auf­ge­hen läßt; es gibt schwie­ri­ge Momen­te im Leben, aber mit der Hoff­nung geht die See­le wei­ter und schaut auf das, was uns erwar­tet. Heu­te ist ein Tag der Hoff­nung. Unse­re Brü­der und Schwe­stern sind in der Gegen­wart Got­tes und auch wir wer­den dort sein, aus rei­ner Gna­de des Herrn, wenn wir auf dem Weg Jesu gehen. Der Apo­stel Johan­nes schließt: „Jeder, der dies von ihm erhofft, hei­ligt sich, so wie Er hei­lig ist.“ (1 Joh 3,3) Auch die Hoff­nung rei­nigt uns, erleich­tert uns; die­se Rei­ni­gung in der Hoff­nung in Jesus Chri­stus läßt uns schnel­ler gehen, sofort. In die­ser heu­ti­gen Vor­abend­däm­me­rung kann jeder von uns an sein Lebens­en­de den­ken: „Wie wird mein Lebens­en­de sein?“ Wir alle haben eine Däm­me­rung, alle! Schaue ich mit Hoff­nung dar­auf? Schaue ich mit jener Freu­de dar­auf, vom Herrn emp­fan­gen zu wer­den? Das ist ein christ­li­cher Gedan­ken, der uns Frie­den schenkt. Heu­te ist ein Tag der Freu­de, einer gelas­se­nen, ruhi­gen Freu­de, der Freu­de des Frie­dens. Den­ken wir an das Lebens­en­de vie­ler Brü­der und Schwe­stern, die uns vor­an­ge­gan­gen sind, den­ken wir an unser Lebens­en­de, wenn es kommt. Und den­ken wir an unser Herz und fra­gen wir uns: „Wo ist mein Herz ver­an­kert?“ Wenn es nicht gut ver­an­kert sein soll­te, dann ver­an­kern wir es dort, an jenem Ufer, wis­send, daß die Hoff­nung nie ent­täuscht, weil der Herr Jesus nicht ent­täuscht.“

Text/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: CTV (Screen­shot)

23 Kommentare

  1. Dass das Fege­feu­er abge­schafft ist , das wis­sen wir doch schon, und Sün­de gibt es auch fast kei­ne mehr, und Papst Johan­nes Paul II. hat ja den Hans Urs von Bal­tha­sar zum Kar­di­nal beför­dern wol­len, der uns lehrt dass die Höl­le “ prak­tisch leer “ ist, das ist kei­ne Erfin­dung des jetz­ti­gen Pap­stes , das ken­nen wir alles schon von sei­nen Vor­gän­gern

  2. Machen wir uns eigent­lich klar, was es bedeu­tet, wenn ein katho­li­scher Bischof: der Gene­ral­obe­re der FSSPX Ber­nard Fel­lay, öffent­lich fest­stellt, dass Fran­zis­kus ein Moder­nist ist? Anknüp­fend an sei­ne Vor­gän­ger, den seli­gen Papst Pius IX. und Papst Leo XIII., hat Papst Pius X. den Moder­nis­mus als „Sam­mel­becken aller Häre­si­en“ (omni­um hae­re­se­on collec­tum) cha­rak­te­ri­siert.

  3. Schon im April gab es lau­te Anklän­ge der Aller­lö­sungs­leh­re:

    „Das Spre­chen vom Jüng­sten Gericht ist kein Grund, Angst zu haben oder zu machen. Mit die­sem Gedan­ken erläu­ter­te Papst Fran­zis­kus an die­sem Mitt­woch bei der Gene­ral­au­di­enz einen wei­te­ren Vers des Glau­bens­be­kennt­nis­ses. (…) Und zuletzt ging der Papst auf die Erzäh­lung des Gerich­tes ein, wie Jesus die Men­schen teilt in jene, die ihn besucht oder bedeckt oder gehol­fen hät­ten, und jene, die das nicht getan hät­ten.“

    http://de.radiovaticana.va/news/2013/04/24/papst_franziskus:_wer_alles_f%C3%BCr_sich_behalten_will,_ist_kein_christ/ted-685905

    Das Gericht, sowohl das per­sön­li­che als auch das Jüng­ste soll kein Grund sein, Angst zu haben!
    Der Papst weiß hier mehr als alle Hei­li­gen und Kir­chen­leh­rer, die immer gezit­tert haben vor dem Gericht. Das steht in guten alten Büchern, die ja im Zuge des „neu­en Pfing­sten“ vor 50 Jah­ren alle aus dem Bücher­schrank gewor­fen wur­den, von denen wir aber etli­che aus dem Anti­qua­ri­at geret­tet haben.

    Außer­dem teilt Jesus die Men­schen beim Gericht zual­ler­erst nach dem Gna­den­stand ein und nicht nach den Wer­ken. Wer nicht im Stand der hei­lig­ma­chen­den Gna­de ist, kommt in die Höl­le, das ist katho­li­sche Leh­re, an der auch der Papst nichts ändern kann. Ohne Gna­den­stand sind alle guten Wer­ke tot und nichts wert für die Ewig­keit.

    Von der hei­lig­ma­chen­den Gna­de hat der Papst noch nie gere­det obwohl er ja schon viel erzählt hat. Ich neh­me an, das wür­de den Öku­me­nis­mus zu sehr stö­ren.

    • Wenn man als Pro­te­stant der Mei­nung ist, ein star­ker Glau­be allein befreie von allen Sün­den, stört man sich am Buß­sa­kra­ment. Die Pro­te­stan­ten soll­ten beden­ken, die sie­ben Sakra­men­te stam­men von Jesus, wes­halb sie auch in allen katho­li­schen Teil­kir­chen gleich sind. Die Pius­bru­der­schaft ver­tritt mei­ner Mei­nung nach zu Recht den Stand­punkt, Öko­me­nis­mus als Ver­such einer Anglei­chung von katho­lisch und pro­te­stan­tisch sei für unse­re Sei­te stets mit Ein­schrän­kun­gen in der Glau­bens­pra­xis ver­bun­den. Jesus hat bekannt­lich nie­mals gesagt, man sol­le bei der Got­tes­ver­eh­rung mög­lichst jeder­manns Lieb­ling sein, son­dern wir müs­sen die Din­ge befol­gen, die er uns gelehrt hat.

  4. Jeder Theo­lo­ge im kirch­li­chen Dienst bekä­me Pro­ble­me, wenn er Aus­sa­gen wie die Fehl­über­set­zung oben ver­brei­ten wür­de. Die deut­sche Redak­ti­on von Radio Vati­kan, die selbst­ver­ständ­lich finan­zi­ell üppig aus­ge­stat­tet ist, kann sich solch gro­be Pat­zer erlau­ben.

    • „Pat­zer“ ist sehr wohl­wol­lend aus­ge­drückt. Ent­we­der sit­zen dort Leu­te, die wenig Ahnung von Theo­lo­gie und deut­scher Spra­che haben, oder sie haben Inter­es­se an der Ver­brei­tung von Irr­tü­mern. Von „Zenit“ wis­sen wir sol­ches ja seit der geziel­ten Falsch­mel­dung über Papst Bene­dikt XVI. vor ein paar Mona­ten in der spa­ni­schen Abtei­lung.

    • Tat­säch­lich fällt auf, daß es über­wie­gend die Über­set­zun­gen ins Deutsch und Eng­li­sche sind, die oft­mals von den ande­ren Über­set­zun­gen , z.B. fran­zö­sisch und spa­nisch abwei­chen und eben auch vom mut­maß­li­chen orgi­na­len ita­lie­ni­schen Text.
      Damit sind Miß­ver­ständ­nis­sen Tür und Tor geöff­net, so daß sogar gute Prie­ster sagen, man sol­le sich davor hüten den der­zei­ti­gen päpst­li­chen Äuße­run­gen eine dog­ma­ti­sche Bedeu­tung zu geben.
      Ganz unwohl ist mir der wie­der­ge­ge­be­ne Pre­digt­text vom 15. Juni in Erin­ne­rung, wo es sowohl im deut­schen wie im eng­li­schen Text heißt, daß „Jesus für uns zum S ü n d e r
      wur­de“ wäh­rend alle ande­ren Tex­te pec­ca­to, Sün­de über­setz­ten, bzw. wie­der­ga­ben.
      Liegt es viel­leicht an der oft auf­fäl­lig ‚gehauch­ten‚ und damit schwer ver­ständ­li­chen Aus­spra­che des Pap­stes, weil auch das Abhö­ren der Ori­gi­nal­auf­nah­me kei­ne siche­re Klä­rung brin­gen konn­te?
      Ich erwäh­ne die­ses Bei­spiel, weil es beson­ders ver­let­zend ist, daß Jesus Chri­stus, unser Herr und Erlö­ser, der uns in allem gleich wur­de außer der Sün­de, als Sün­der bezeich­net zu wis­sen.

      Der Vati­kan benö­tigt zur Zeit drin­gend eini­ge kom­pe­ten­te Papst­er­klä­rer, die auch über die ver­schie­de­nen Text­aus­ga­ben zu wachen hät­ten. Kurio­se Zei­ten!

  5. Dan­ke an katholisches.info für die Rich­tig­stel­lung der Wor­te von Fran­zis­kus. Und doch stellt sich auch hier wie­der die Fra­ge: war­um ist es so leicht, Fran­zis­kus „miss­zu­ver­ste­hen“?

  6. Ist es ein „Miss­ver­ständ­nis“? Der Satz lau­tet: „Wir den­ken an all jene, die von uns gegan­gen sind, wir den­ken an alle, die uns im Leben vor­an­ge­gan­gen sind und im Herrn sind.“

    Es wer­den zwei Haupt­sät­ze anein­an­der­ge­setzt, durch ein Kom­ma getrennt:
    1. Wir den­ken an alle jene, die von uns gegan­gen sind. — Also: an alle!
    2. Wir den­ken an alle, die uns im Leben vor­an­ge­gan­gen sind und im Herrn sind. — Also auch hier an ein „alle“.
    Was ist der Unter­schied zwi­schen „allen, die von uns gegan­gen sind“ und „allen, die uns vor­an­ge­gan­gen sind“? Ich kann da kei­nen zah­len­mä­ßi­gen Unter­schied erken­nen, eher einen Unter­schied in der Bezie­hung, die die­se „alle“ zu uns haben.
    Satz 1 sagt, dass die­se „alle“ uns ver­las­sen haben, spricht also die Tren­nung an.
    Satz 2 sagt, dass „alle“ (Ver­stor­be­nen, an die wir den­ken) uns vor­an­ge­gan­gen sind, spricht also das all­ge­mei­ne „Davon­müs­sen“ an und die zeit­li­che Dimen­si­on des „Einer nach dem ande­ren“, alle müs­sen die­sen Weg gehen, aber nicht gleich­zei­tig. Es gibt hier die, die uns vor­an­ge­gan­gen sind. Wir wer­den fol­gen.
    Die Kon­junk­ti­on „und im Herrn sind“ bleibt von der Zuord­nung her unein­deu­tig. Hät­te F. dif­fe­ren­zie­ren wol­len, dass er nur die meint, die auch tat­säch­lich im Herrn sind, hät­te er einen Rela­tiv­satz ein­ge­lei­tet: „Wir den­ken an alle, die uns vor­an­ge­gan­gen sind, die im Herrn sind.“ Hat er aber nicht…
    Da die bei­den Haupt­sät­ze das „alle“ beto­nen, sug­ge­riert die Wen­dung, „alle“ der Vor­an­ge­gan­ge­nen sei­en beim Herrn.
    Es ist jedoch gram­ma­tisch unklar — er könn­te auch mei­nen, dass wir uns nun an alle erin­nern, die im Herrn sind.
    Jeder aber, der auf einem Fried­hof steht, kennt das Pro­blem, dass wir gar nicht genau wis­sen kön­nen, ob einer unse­rer Ver­stor­be­nen nun schon bei IHM ist, irgend­wo im Fege­feu­er sitzt oder sogar in der Höl­le. Das steht uns ja nicht zu. Den­noch beten wir für sie alle — alle.
    Wenn F. also davon spricht, dass wir an die uns Vor­an­ge­gan­ge­nen den­ken, meint er wohl kaum, dass wir nur an die den­ken, die bereits im Herrn sind, denn für die ande­ren beten wir ja auch, den­ken also auch an sie. Oder? Beten wir nicht für die „armen See­len“?
    Ich fin­de daher die Über­set­zung auf Radi­on Vati­kan im Prin­zip kor­rekt…
    Und da F. spä­ter in kei­ner Wei­se auf die Pro­ble­ma­tik der Höl­le und des Fege­feu­ers ein­geht, liegt die­se Über­set­zung einer gram­ma­tisch unkla­ren Stel­le zwei­mal nahe…

  7. Nach­trag:
    Ich habe die Pre­digt gera­de noch mal gele­sen. Es ist eigent­lich eine rein pro­te­stan­ti­sche Pre­digt. „Jene, die uns vor­an­ge­gan­gen und im Herrn gestor­ben sind, sind dort. Sie ver­kün­den, daß sie nicht wegen ihrer Wer­ke geret­tet wur­den – sie haben auch gute Wer­ke getan –, son­dern vom Herrn geret­tet wur­den: „Die Ret­tung kommt von unse­rem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm“ (Off 7,10). Er ist es, der uns ret­tet, Er ist es, der uns am Ende unse­res Lebens wie ein Vater an der Hand führt genau in jenen Him­mel, wo unse­re Vor­fah­ren sind.“ Wie so oft, kon­stru­iert F. hier eine Pola­ri­sie­rung, ein Ent­we­der-oder.
    Nun hat aber das Kon­zil von Tri­ent zu die­sem The­ma etwas Ein­deu­ti­ges gesagt. In den Cano­nes heißt es z.B.: „Wenn jemand sagt (oben, Kap. 16), die Gerech­ten dür­fen für die guten Wer­ke, die in Gott getan wer­den, nicht eine ewi­ge Beloh­nung von Gott, durch sei­ne Barm­her­zig­keit, und das Ver­dienst Chri­sti, erwar­ten und hof­fen, wenn sie im Gutes tun, und in der Beob­ach­tung der gött­li­chen Gebo­te bis (Mt 24, 13) ans Ende ver­har­ren, der sei im Bann.“
    Was F. sagt, reibt sich an die­serm Canon. Er unter­schlägt näm­lich die Ver­dienst­lich­keit der Wer­ke. Vor allem die­se Aus­sa­ge, dass unse­re Wer­ke gar nicht aus­schlag­ge­bend sei­en, weist, so wie F. es sagt, in die Rich­tung, dass wir „sola gra­tia“ geret­tet wer­den.
    Am Ende betont er ja auch nur den Zustand des Her­zens, der aus­schlag­ge­bend für die Glau­bens­hoff­nung auf ein himm­li­sches Leben sei. Auch das klingt nach „sola fide“…

    Um es zusam­men­zu­fas­sen: in aller Unschär­fe sug­ge­riert die­se Pre­digt, dass wir sola gra­tia und sola fide geret­tet sind, dass das „nicht im Herrn sein“ dann auch logisch dar­in besteht, dass man nicht genü­gend glaubt, dass man geret­tet ist und die Gna­de noch nicht im Her­zen erkannt hat.
    Kein Wort von einer not­wen­di­gen Bemü­hung um Sün­den­freie­hit, kei­ne Rede von Buße, kei­ne von der Gefahr, wegen sünd­haf­ter Wer­ke aus der Gna­de zu fal­len…
    Es ist schon schwie­rig, die­se Pre­digt mit der katho­li­schen Leh­re zusam­men­zu­brin­gen…
    Wenn ich es rich­tig ver­stan­den habe, geht er nicht auf die armen See­len oder die Höl­le ein.
    Es ist alles Frie­de, Freu­de, Eier­ku­chen. Den Zuhö­rern wird nicht klar­ge­macht, dass wir nicht durch blo­ßes Glau­ben schon geret­tet sind. F. unter­schlägt, dass unse­re gan­ze Hin­ga­be gefor­dert ist.

    • ja, zeit­schnur, auch ich dach­te sofort, wenn über die­ser Pre­digt stün­de “ Pre­digt des pro­te­stan­ti­schen Pfar­rers X „, dann wäre das ver­ständ­lich. Und ich weiß, wovon ich spre­che, denn ich war jahr­zehn­te­lang Pro­te­stan­tin.

  8. Der erem. Papst Bene­dikt XVI. schreibt in sei­nem Buch über unse­ren HERRN und GOTT JESUS CHRISTUS,- „Jesus von Naza­reth“ — dass die Über­set­zung von „Evan­ge­li­um“ mit „fro­hen Bot­schaft“ nicht den Kern treffe…vielmehr sei es so, dass das hl. Evan­ge­li­um
    das WIRK-MÄCHTIGE WORT ist…also kei­ne bana­le „Botschaft“…es ist also WIRK-MÄCHTIGES WORT Got­tes.
    Es ruft denn auf zur REUE über die began­ge­nen Sün­den, UMKEHR — Abkehr von der Sün­de –
    vor der BARMHERZIGKEIT CHRISTI und zur Süh­ne und Bus­se. Es ruft auf zum Stre­ben nach Voll­kom­men­heit.
    Also ist es eben nicht wie oft vor­ge­gau­kelt eine unver­bind­li­che „Welt­ver­bes­se­rungs-Bot­schaft“ im süss­li­schen sinn­lee­ren „Geist der Brü­der­lich­keit“.
    So ist die aller­hei­lig­ste Drei­fal­tig­keit, GOTT sicher­lich barm­her­zig, gütig und lang­mü­ti­g…
    ER war­tet durch, mit und in JESUS CHRISTUS, SEINEM zur Süh­ne der Sün­den der Welt Mensch gewor­de­nen ein­ge­bo­re­nen SOHN auf die ver­lo­re­nen Scha­fe und — soll­ten die­se Wil­len zur Umkehr zei­gen – eilt ihnen denn auch ent­ge­gen und beschenkt sie mit uner­mess­li­chen Gna­den des HEILIGEN GEISTES.
    Die Barm­her­zig­keit Chri­sti ist denn auch gren­zen­los, aber nicht bedin­gungs­los ( also kein all­ge­mein unver­bind­li­cher „Spa­zier­gang“ in den Him­mel ohne Reue und ohne Wil­len zur Umkehr )
    Die Barm­her­zig­keit wartet…aber NICHT ewig !

    Der [blau]sel. Kar­di­nal New­man
    über das rich­ti­ge Ver­ständ­nis der WIRK-MACHT des hl. Evan­ge­li­ums:

    „Die „Furcht Got­tes ist der Anfang der Weis­heit.( Spr. 1,7).
    Solan­ge ihr nicht seht,
    dass Gott ein ver­zeh­ren­des Feu­er ist ( Deut 4,24)
    und ihm nicht mit Ehr­er­bie­tung und from­mer Furcht als Sün­der naht,
    seid ihr nicht ein­mal in Sicht­wei­te der „engen Pfor­te“ ( Mt 7,13)
    -

  9. Die Aller­lö­sungs­leh­re, die die Kir­che bereits seit Orige­nes zur Irr­leh­re erklär­te, besagt, dass am Ende aller Zei­ten ALLE Men­schen und Lebe­we­sen ein­schließ­lich Satan und Dämo­nen geret­tet wer­den.

    In obi­ger Pre­digt von Papst Fran­zis­kus ist an kei­ner Stel­le davon die Rede, dass die­je­ni­gen, die „NICHT im Herrn“ ster­ben, eine Hoff­nung auf ein ewi­ges Leben beim Herrn haben.
    Biblisch ist dies ein­deu­tig gere­gelt und Fran­zis­kus weicht offen­sicht­lich nicht davon ab. Johan­nes 5, 28–29

    • Die Fra­ge ist hier eher, was denn das „im Herrn sein“ bedeu­tet und auf wen es zutrifft. Hier ist F. unklar, miss­ver­ständ­lich oder sogar in fal­scher Leh­re — es ist nicht zu ent­schei­den aus sei­nen Sät­zen. Er ist lei­der ein Mei­ster der Unklar­heit und lässt sich auch ganz offen­sicht­lich von nie­man­dem bera­ten oder lek­to­rie­ren… Dabei ist Rom vol­ler klu­ger Leu­te…

  10. „Wir sind hier noch vor der Abend­däm­me­rung ver­sam­melt und den­ken an unse­re eige­ne Zukunft. Und wir den­ken an all jene, die uns ver­las­sen haben. Sie sind nun beim Herrn. Sie sind bereits dort, wo wir auch ein­mal hin­kom­men.“
    Und wie Schnee­flocken fal­len die Men­schen in die Höl­le sag­te der hei­li­ge Pater Pio. Die Wor­te des Herrn sind ein­deu­tig. Die Mut­ter Got­tes in Fati­ma hat den Kin­dern die Höl­le gezeigt und sie war kei­nes­wegs leer. Aber ich las­se mir das Gericht auch von einem Papst nicht neh­men. Denn ich lie­be die Gerech­tig­keit.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  11. Man darf nicht über­se­hen, daß dies die Pre­digt zu Aller­hei­li­gen und nicht zu Aller­see­len war. Zwei Tage zuvor bei der Gene­ral­au­di­enz sag­te der Papst nach L‚Osservatore Roma­no: „Die auf Erden Leben­den bil­den mit den Armen See­len im Feg­feu­er und mit den Hei­li­gen im Para­dies eine gro­ße Familie.”

    Eben­so pre­dig­te er nach der Vati­kan­zei­tung in der Früh­mes­se am 11. Okto­ber sehr ein­drück­lich über den Kampf gegen den Teu­fel. “Es gibt einen Kampf, einen Kampf, bei dem das ewi­ge Heil von uns allen auf dem Spiel steht“. Hier hat er Klar­text gere­det. Im Netz auch zu fin­den unter http://www.vatican.va.

    Er pre­digt nicht immer und bei jedem Anlaß zu Feg­feu­er und Höl­le, aber er pre­digt dar­über!

    • Das mag ja sein. Aber das Pro­blem bei die­sen Anspra­chen ist, dass sie gewis­ser­ma­ßen „aus­ein­an­der­fal­len“: heu­te so mor­gen so und jeder hört, was er hören will.
      Ein guter Pre­di­ger ist jedoch immer schlüs­sig und sagt nicht alle Nas­lang etwas Miss­ver­ständ­li­ches.
      Man wird den Ein­druck ein­fach nicht los, dass F. sich irgend­wie trei­ben lässt. Das­ser, wie neu­lich auch hier einer in einem Arti­kel schrieb, jeweils ver­schie­de­ne Kli­en­tel „bedie­nen“ will, kann auch sein. Ich habe aller­dings kei­nen Sach­hin­weis dar­auf, dass er so berech­nend wäre. Ich neh­me des­halb erst mal an, dass er undis­zi­pli­niert ist und sich viel­leicht auch von Gefüh­len ablen­ken lässt. Das ist jeden­falls die wohl­wol­len­de­re Deu­tung.

  12. Sus­an Hod­ges von vom eng­lisch­spra­chi­gen RV berich­tet fol­gen­des über die frei gehal­te­ne Pre­digt an Aller­hei­li­gen:
    In his homi­ly which was spo­ken enti­re­ly off the cuff, Pope Fran­cis said our thoughts on this occa­si­on go to “tho­se who have pre­ce­ded us and who are now in hea­ven with the Lord. “ And they are the­re, he con­ti­nued, “becau­se they were saved by Christ.” They were not saved merely becau­se of their good works alt­hough they did tho­se as well.
    The Pope remin­ded us that “we can only enter the doors of Hea­ven thanks to the blood of Christ.” It is he who jud­ges us and who opens the door to Hea­ven. This is our hope, he con­ti­nued, and if we walk the path of Christ, accom­pa­nied by this hope, “He will never let us down.”
    Recal­ling how „the ear­ly Chri­sti­ans depic­ted hope as an anchor,“ the Pope said this was a beau­ti­ful image. “Hope is having our hearts ancho­red to our loved ones, our ance­stors, to whe­re the saints are, whe­re Christ is, whe­re God is.” This, he said, is our hope.
    Each of us in the­se days, the Pope con­ti­nued, may think “about the end of our live­s” and we must “look for­ward to it with hope and with the joy of being recei­ved by the Lord.” We must ask our­sel­ves, „whe­re is my heart ancho­red“ and make sure it is well ancho­red in that shore.
    At the end of the mass, the Pope pray­ed for the migrants who died in the desert or who drow­ned in the sea in their attempt to reach Euro­pe.

    Kein Zwei­fel. Hier wird ver­mit­telt, daß die­je­ni­gen, die uns vor­aus­ge­gan­gen sind, jetzt im Him­mel beim Herrn sind und daß sie dort sind weil sie durch Chri­stus geret­tet wur­den. Sie wur­den nicht durch ihre Wer­ke allein geret­tet, obwohl sie die­se auch getan hät­ten.
    Nur dank des Blu­tes Chri­sti kön­nen wir in den Him­mel gelan­gen.
    Alles was wir brau­chen ist Hoff­nung, dann wird Chri­stus, der uns rich­tet, den Weg zum Him­mel öff­nen und wenn wir den Weg Chri­sti gehen beglei­tet von die­ser Hoff­nung, dann wird Er uns nie im Stich las­sen. usw.

    Klingt doch irgend­wie nach alle alle kom­men in den Him­mel, allein die Hoff­nung genügt.
    Wohl­fühl­chri­sten­tum vom Fein­sten.

    • Dass es das Blut des Herrn ist, das uns vor der ewi­gen Ver­damm­nis ret­tet, nicht aber unse­re Wer­ke uns ret­ten, ist glas­klar Leh­re der Kir­che. Unse­re guten Wer­ke ret­ten uns ledig­lich vor den Lei­den am Rei­ni­gungs­ort. Ich stim­me aber zu, dass F. sehr sehr miss­ver­ständ­lich for­mu­liert und um ein guter Seel­sor­ger genannt zu wer­den sicher viel zu viel Hoff­nung auf das Errei­chen der Gott­se­lig­keit macht.

  13. Mir stellt sich immer mehr die Fra­ge, wie weit Papst Fran­zis­kus eigent­lich der ita­lie­ni­schen Spra­che mäch­tig ist; ins­be­son­de­re, inwie­weit er in der Lage ist, glau­bens­re­le­van­te Sach­ver­hal­te unzwei­deu­tig aus­zu­drücken (so er das auch will!?) Ich kann lei­der kein ita­lie­nisch. Wie klingt Fran­zis­kus in den Ohren eines Mut­ter­sprach­lers ? Kann er’s? Kann man ihm zuhö­ren, vor allem verstehen,was er aus­drücken will? Sei­ne Aus­spra­che des Latei­ni­schen lässt zumin­dest sehr zu wün­schen übrig.

    • Der Papst hat schon ein­mal gesagt, daß er man­ches­mal nicht weiß, wie er etwas sagen soll, weil Ita­lie­nisch nicht sei­ne Mut­ter­spra­che ist. Das war — wenn ich das recht in Erin­ne­rung habe — bei dem Punkt, daß die Jugend­li­chen „Krach“ machen sol­len (ihren Glau­ben dyna­misch, tem­pe­ra­ment­voll, extro­ver­tiert, laut … leben sol­len, „Wir­bel“ um ihren Glau­ben machen sol­len). Er sprach mehr­mals über die­sen Punkt. Beim Letz­ten­ma­le, als er davon sprach, erwähn­te er es. Wir soll­ten sei­ne Wor­te des­halb nicht all­zu sehr auf die Waag­scha­le legen.

      Auch nicht auto­ri­sier­te Über­set­zun­gen sind ein Pro­blem. Ich hal­te mich des­halb strin­gend an die auto­ri­sier­ten Über­set­zun­gen der Vati­kan­zei­tung.

      Aber Sie haben Recht, es wäre noch inter­es­sant zu wis­sen, was die Ita­lie­ner dazu sagen.

  14. Es ist schon wich­tig, dass der Papst genau zitiert wird. Offen­bar hält er ziem­lich vie­le Anspra­chen. IEs gibt sicher ande­re Fel­der, die zu bewirt­schaf­ten wären, so z.B. die Bekämp­fung des schrof­fen Unge­hor­sams unter Bischöf­ten. Mehr Innen­ar­beit wäre nötig. Er geht den Weg des mei­sten Publi­kums­in­ter­es­ses. Die Kir­che bedarf aber eines Pon­ti­fex maxi­mus, der die Her­de in Ord­nung bringt.

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