Zusammen mit einem offenen Brief übermittelte die Piusbruderschaft heute auch ein Glaubenbekenntnis an Papst Leo XIV. und das Kardinalskollegium. Der Text wurde inzwischen auf der Nachrichtenseite der Priesterbrudershaft veröffentlicht. Wir dokumentieren das in 154 Abschnitte unterteilte Bekenntnis vollinhaltlich. Die dazugehörigen Fußnoten wurde in einer PDF-Ausgabe veröffentlicht:
Katholisches Glaubensbekenntnis der Priesterbruderschaft St. Pius X. zur Erleuchtung der Seelen angesichts der modernen Irrtümer
24 Juni 2026
Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Präambel
1. Ich bekenne mich zur ganzen Wahrheit des katholischen Glaubens und nehme sie so an, wie sie „von den Aposteln aus dem Munde Christi selbst empfangen oder von den Aposteln selbst unter der Eingebung des Heiligen Geistes weitergegeben wurde“, und die dann getreu bewahrt wurde und in einer ununterbrochenen Nachfolge in der katholischen Kirche bis zu uns gelangt ist, durch die Verkündigung der Päpste und Bischöfe, die Schriften der Kirchenväter und Theologen sowie die Beschlüsse der heiligen Konzilien.
2. Ich nehme jede einzelne der Wahrheiten fest an, welche die unfehlbare Kirche als göttlich geoffenbart und für das Heil notwendig dargelegt hat – sei es durch die Definitionen ihres feierlichen Lehramtes oder durch die Einmütigkeit ihres ordentlichen und universalen Lehramtes. Ebenso nehme ich alles an, was aufgrund eines notwendigen Zusammenhangs mit dem geoffenbarten Glaubensgut zur katholischen Lehre gehört, und halte die Wahrheiten für sicher, die die Kirche beständig gelehrt hat, um dieses Glaubensgut vor Irrtümern zu bewahren.
3. Ich lehne daher alle Irrlehren ab, die diesem Glauben widersprechen, insbesondere jene des Liberalismus, des Indifferentismus, des Modernismus, des Ökumenismus und des Laizismus, die von den Päpsten Pius IX., Leo XIII., dem heiligen Pius X., Pius XI., und Pius XII. verurteilt wurden. Diese Irrtümer verdunkeln nämlich die geoffenbarte Lehre, verfälschen die Tradition, entstellen die heilige Liturgie, verderben die Sitten, schwächen den missionarischen Geist und zersetzen die christliche Gesellschaftsordnung, wodurch sie dem Heil der Seelen schweren Schaden zufügen.
4. Ich bekenne diesen Glauben und lehne alle Irrlehren ab, die ihm entgegenstehen, denn ich möchte der heiligen, katholischen, apostolischen und römischen Kirche, der Lehrerin der Wahrheit, sowie dem Papst, dem Stellvertreter Christi, in treuer Ergebenheit gegenüber dem ewigen Rom verbunden bleiben, das den Auftrag erhalten hat, das geoffenbarte Glaubensgut bis zum Ende der Zeiten heilig zu bewahren und getreu zu verkünden.
5. Ich füge hinzu, dass es angesichts der gegenwärtigen Verwirrung nicht mehr ausreicht, nur einige vereinzelte Wahrheiten in Erinnerung zu rufen. Es ist mittlerweile unerlässlich, die gesamte Ordnung der katholischen Lehre in ihrer übernatürlichen Kohärenz und ihrer leuchtenden Harmonie ans Licht zu bringen, ohne ein Dogma auszulassen, ohne eine Wahrheit zu schmälern, ohne den überlieferten Glauben durch eine zweideutige oder verkürzte Sprache zu ersetzen, die unter dem Vorwand der Ökumene oder der Anpassung an die Welt diese Lehre mit immer größerer Kühnheit entstellt.
6. Die Nächstenliebe selbst gebietet es, diese Lehre klar, geduldig und nachdrücklich zu verkünden – zur Ehre Gottes, zum Ruhm der Kirche und zum Heil der Seelen.
I. Die göttliche Offenbarung, der Glaube und die Tradition
7. Ich glaube, dass Gott in seiner Güte den Menschen durch das Geschenk der Gnade dazu berufen hat, die seligmachende Schau zu erlangen. Ich bin fest davon überzeugt und bekenne, dass diese Erhebung des Menschen die Kräfte und Anforderungen der menschlichen Natur übersteigt und dass sie ein unentgeltliches Geschenk Gottes ist, das heißt eine übernatürliche Gabe.
8. Ich glaube, dass Gott den Menschen nicht seinen bloßen natürlichen Kräften überlassen hat, dass er ihm vielmehr die Geheimnisse seines göttlichen Lebens und die übernatürliche Bestimmung geoffenbart hat, zu der er ihn beruft. So hat er, nachdem er einst im Alten Bund durch die Propheten gesprochen hatte, im Neuen Bund endgültig durch seinen einziggeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, gesprochen, womit die göttliche Offenbarung ihre vollkommene Erfüllung gefunden hat.
9. Diese Offenbarung ist das wahrhaftige Wort Gottes, das der Kirche als Vermächtnis anvertraut und den Menschen als Glaubensregel in Form einer Sammlung von Lehren vorgelegt wird, in dem die Geheimnisse so formuliert sind, dass sie verständlich und in Worten ausdrückbar sind. Die Offenbarung ist weder der fortschreitende Ausdruck eines religiösen Bewusstseins noch die Frucht einer kollektiven Erfahrung der Glaubensgemeinschaft; sie ist die Wahrheit Gottes selbst, die sich dem Verstand der Menschen zu deren Heil auf übernatürliche Weise mitteilt.
10. Ich glaube, dass das Glaubensgut mit dem Tod des letzten Apostels vollständig war. Nach den Aposteln empfängt die Kirche keine neue Offenbarung mehr: Sie bewahrt, erläutert und verteidigt das empfangene Glaubensgut und gibt es weiter.
11. Ich anerkenne die äußeren Beweise der Offenbarung, insbesondere die Wunder und Prophezeiungen, als ganz sichere Zeichen, durch die der göttliche Ursprung der christlichen Religion zu jeder Zeit und an jedem Ort in einer für den menschlichen Verstand nachvollziehbaren Weise erwiesen ist. Ebenso erkenne ich die Kirche selbst aufgrund ihrer Einheit, Heiligkeit, Katholizität, Fruchtbarkeit und unerschütterlichen Beständigkeit als einen bleibenden Beweggrund für ihre Glaubwürdigkeit und als unwiderlegbares Zeugnis für ihren göttlichen Auftrag.
12. Ich bekenne, dass der Glaube die unter dem Wirken der Gnade erfolgende übernatürliche Unterwerfung des Verstandes unter die von Gott äußerlich geoffenbarte Wahrheit ist. Er beruht weder auf der Evidenz der sichtbaren Dinge noch auf dem privaten Urteil noch auf der Erfahrung des Erlebten, sondern auf der Autorität Gottes selbst, der spricht und der, da er die Wahrheit selbst ist, weder sich irren noch uns täuschen kann. Der Glaube ist also weder ein blindes religiöses Gefühl noch eine Regung der Seele noch eine innerliche, vom persönlichen oder kollektiven Bewusstsein produzierte Überzeugung. Er ist die übernatürliche Tugend, die den menschlichen Verstand erhebt und es ihm ermöglicht, Gott – dank des Zeugnisses, das er von sich selbst gibt – so zu erkennen, wie er ist, in Erwartung der ewigen Anschauung.
13. Infolgedessen weise ich den Irrtum des Modernismus zurück, wie er auch heute noch grassiert, der den Glauben auf eine innere Erfahrung, ein fühlbares Verlangen oder auf eine zunehmende Bewusstwerdung der Glaubensgemeinschaft reduziert. Eine solche Vorstellung zerstört den Begriff des Dogmas als solchen und untergräbt die Pflicht zu glauben, indem sie göttliche Wahrheit durch subjektive Aufrichtigkeit ersetzt und die Lehre den Schwankungen der Historie aussetzt.
14. Ich bekenne des Weiteren, dass der Schatz der von Gott geoffenbarten Lehre in den beiden Quellen – der Heiligen Schrift und der Tradition – enthalten ist. Ich bekenne, dass die Tradition mehr als eine von Gott geoffenbarte Wahrheit enthält, eine Wahrheit, die sich nicht in der Heiligen Schrift findet, und dass daher die Heilige Schrift in Abhängigkeit von der Tradition gelesen und verstanden werden muss.
15. Ich bekenne, dass die Heilige Schrift, deren Bücher in allen ihren Teilen vollständig unter der Inspiration des Heiligen Geistes verfasst wurden, wahrhaft das Wort Gottes ist, frei von jeglichem Irrtum und der authentischen Auslegung durch das Lehramt der Kirche anvertraut, gemäß dem Maßstab der Tradition und im Einklang mit dem Glauben.
16. Ich lehne folglich die rationalistische Exegese ab, welche die heiligen Bücher als Dokumente behandelt, deren Verfasser einzig und allein der Mensch ist, die a priori die Möglichkeit des Übernatürlichen ausschließt, den historischen Christus künstlich vom Glauben der Kirche trennt, die Wunder im Symbolischen auflöst oder die Heilige Schrift den wechselnden Hypothesen und Manipulationen naturalistisch-kritischer Methoden unterwirft. Die wahre Bibelwissenschaft muss sich in den Dienst des Glaubensverständnisses stellen; es steht ihr nicht zu, sich zum Maßstab, zum Ausleger oder zum Richter des Wortes Gottes zu machen.
17. Schließlich bekenne ich, dass die Tradition kein totes Gedächtnis ist, sondern die lebendige Weitergabe der von den Aposteln empfangenen Lehre. Sie bleibt lebendig, im Unterschied zur Offenbarung, die abgeschlossen ist. Sie ist es sowohl im Wirken des Lehramtes der lehrenden Kirche als auch im Glaubensbekenntnis der unterrichteten Kirche, deren „sentire cum Ecclesia“ das Ergebnis der Unterweisung durch das Lehramt ist. Die Tradition kann als „lebendig“ bezeichnet werden – nicht in dem Sinn, dass sie ihre Bedeutung ändern würde, sondern in dem Sinn, dass das lebendige Lehramt im Laufe der Jahrhunderte dieselbe Wahrheit in derselben Bedeutung immer klarer und deutlicher darlegt. Was von allen, überall und zu allen Zeiten als zum Glauben gehörend geglaubt wurde, darf weder durch irgendeine theologische Modeerscheinung, noch durch pastoralen Druck, noch durch diplomatische Notwendigkeiten, noch durch angebliche Anforderungen der modernen Welt geleugnet oder in Zweifel gezogen werden.
II. Gott, Ursprung und Ziel aller Dinge, die Allerheiligste Dreifaltigkeit
18. Ich bekenne die Existenz eines einzigen, persönlichen, lebendigen und wahren Gottes, des ersten Ursprungs und letzten Ziels aller Dinge, der am Anfang Himmel und Erde sowie alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge aus dem Nichts erschuf. Er ist unendlich vollkommen, ewig und allmächtig, unveränderlich, unbegreiflich in seinem Wesen und in seinen Werken von höchster Freiheit. Er unterscheidet sich von der Welt, die er aus freiem Willen erschaffen hat, die er im Sein erhält und die er durch seine Vorsehung regiert.
19. Ich bekenne, dass Gott vermittels des natürlichen Lichts der Vernunft mit Gewissheit durch seine Geschöpfe erkannt werden kann, so wie die Ursache durch ihre Wirkungen erkannt wird. Der katholische Glaube erkennt ja an, dass der menschliche Verstand fähig ist, die Realität der Dinge wirklich zu erfassen, häufig ihre Ursachen zu erkennen und zu wahren Gewissheiten zu gelangen.
20. Deshalb lehne ich den modernen Agnostizismus, den philosophischen Skeptizismus, den idealistischen Subjektivismus und sämtliche Lehren ab, die den Umfang des menschlichen Wissens auf sinnlich wahrnehmbare Phänomene oder auf Bewusstseins-Konstrukte begrenzen und damit die Möglichkeit eines kirchlichen Lehramts und einer wahrheitsgemäßen Theologie in Abrede stellen.
21. Ich bekenne, dass in der einen göttlichen Natur drei wirklich unterschiedene Personen subsistieren: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, die wesenseine und ungeteilte Dreifaltigkeit. Der Vater ist ohne Anfang; der Sohn ist vor aller Zeit vom Vater gezeugt; der Heilige Geist geht ewiglich vom Vater und vom Sohn als einem einzigen Ursprung aus. Aber diese drei Personen sind ein und dieselbe göttliche Substanz: Sie sind ein einziger Ewiger und nicht drei Ewige; ein einziger weiser, guter, allmächtiger Gott, und nicht drei gleichermaßen weise, gute und allmächtige Götter; sie sind eins im göttlichen Willen und in der göttlichen Vorsehung und erfreuen sich einer und derselben Herrlichkeit.
22. Ich weise die abgeschwächten Bekenntnisse zum trinitarischen Glauben zurück, die unter dem Vorwand religiöser Einheit oder ökumenischer Vorsicht bewusst verschweigen, was Gott über sich selbst geoffenbart hat. Es reicht nicht aus, mit den Juden und Muslimen zu sagen, dass Gott einer ist; es reicht nicht aus, mit den Arianern zu bekennen, dass der Sohn von gleicher Natur wie der Vater ist; es reicht auch nicht aus, mit den schismatischen Griechen zu bekennen, dass der Heilige Geist vom Vater ausgeht, und das Filioque zu verschweigen. Dieser falsche Irenismus ist auf eine trügerische Eintracht ausgerichtet: Indem er es unterlässt, bestimmte geoffenbarte Wahrheiten zu bekennen, ersetzt er Klarheit durch Verwirrung und bedroht die Unversehrtheit des Glaubens.
III. Die Erschaffung des Menschen und die übernatürliche Ordnung der Gnade
23. Ich glaube, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde erschaffen und mit einer geistigen, unsterblichen Seele ausgestattet hat, die fähig ist, die Wahrheit zu erkennen, das durch die natürliche Vernunft erkannte Gute zu lieben und sich frei ihrem Schöpfer zuzuwenden. Der Mensch ist also weder das notwendige Produkt einer blinden Evolution noch das schlichte Ergebnis materieller Kräfte; er kommt von Gott als seinem schöpferischen Ursprung, er ist von Gott abhängig, der ihn im Sein erhält, und er ist auf Gott als sein letztes Ziel hingeordnet.
24. Ich bekenne, dass Gott den Menschen nicht nur zu seiner natürlichen Vollkommenheit bestimmt hat, sondern ihn aus freier Gnade zu einem übernatürlichen Ziel berufen hat, das die Kräfte und Rechte der geschaffenen Natur absolut übersteigt: die selige Anschauung, durch die die Seele Gott von Angesicht zu Angesicht sehen und am innersten Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit teilhaben wird. Dass der Mensch dazu berufen ist, ein Kind Gottes zu werden, an der göttlichen Natur teilzuhaben und Erbe des Himmels zu sein, ist nicht die notwendige Erfüllung seiner Natur, sondern ausschließlich eine Wirkung der göttlichen Freigebigkeit.
25. Ich lehne daher jede Lehre ab, die die Unterscheidung zwischen Natur und Gnade auflöst, die behauptet, die menschliche Natur habe Anrecht auf das übernatürliche Leben, oder die die Gnade als bloße innerliche Entwicklung der natürlichen Fähigkeiten des Menschen darstellt. Eine solche Verwirrung zerstört sowohl die Gnadenhaftigkeit des Übernatürlichen als auch die Realität der Natur. Sie läuft letztendlich darauf hinaus, den Glauben auf eine religiöse Anthropologie und die Erlösung als eine Offenbarung des Menschen für sich selbst zu reduzieren.
26. Ich bekenne auch, dass die Gnade die Natur weder zerstört noch ersetzt: Sie heilt sie vielmehr, erhebt und vervollkommnet sie, wobei sie sie zugleich bewahrt. Die übernatürliche Ordnung stellt weder die Vernunft noch das Naturgesetz noch auch die Geschöpfe in Frage; sie heilt sie und ordnet sie einem höheren Ziel unter. Daher ist der moderne Gegensatz zwischen menschlicher Freiheit und Gnade, zwischen Würde der Person und Abhängigkeit von Gott, zwischen Kultur und Glaube durch und durch verkehrt.
27. Ich lehne den falschen religiösen Humanismus ab, der den Menschen um seiner selbst willen verherrlicht, als hätte die Menschwerdung in erster Linie und ausschließlich das Ebenbild Gottes in der Schöpfung des Menschen geoffenbart, und nicht vielmehr das Elend der Sünde und die Barmherzigkeit Gottes, der sich zum Sünder herabbeugt. Der Mensch ist nur dann wirklich groß, wenn er demütig die Gnade empfängt, die ihn heilt und erhebt, wenn er für seine Sünden Buße tut, sich der Wahrheit unterwirft und als Kind Gottes lebt. Indem er sich von Gott trennt, erhebt er sich nicht selbst, sondern geht verloren.
28. Ich bekenne, dass die Menschenwürde, durch die Gott sein Geschöpf an die Spitze der materiellen Welt gestellt hat, niemals gegen das Gesetz Gottes, gegen die Notwendigkeit der Bekehrung oder gegen die Unterwerfung unter die geoffenbarte Wahrheit geltend gemacht werden darf. Diese Würde wird durch die Sünde verletzt: Sie muss durch die Gnade wiederhergestellt und zur Würde der Adoptivkinder Gottes erhoben werden.
IV. Die Erbsünde und die Situation des Menschen
29. Ich glaube, dass unsere ersten Eltern von Gott in einem Zustand ursprünglicher Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen und mit den Gaben der Integrität, der Leidenslosigkeit und der Unsterblichkeit ausgestattet waren. Durch eine besondere Gnade Gottes besaßen sie nicht nur die Unversehrtheit ihrer eigenen Natur, sondern auch die übernatürlichen Gaben, die sie zum Leben Gottes bestimmten. Adam, das Oberhaupt und der Urvater der Menschheit, erhielt darüber hinaus die Gabe der Wissenschaft.
30. Ich bekenne, dass Adam durch seinen Ungehorsam wirklich die Ursünde begangen hat, die sich auf alle Menschen von Generation zu Generation überträgt. Diese Sünde ist für alle eine naturgegebene Sünde, die sie zum Tod verurteilt, zum Leiden, zur Unwissenheit und zur Begierde. Da Adam und Eva der heiligmachenden Gnade und der präternaturalen Gaben beraubt wurden, die sie nicht mehr an ihre Nachkommen weitergeben können, wurden sie aus dem irdischen Paradies vertrieben.
31. Die Natur des Menschen wurde in Adam jedoch nicht zerstört, sondern nur verwundet: Sein Verstand ist zwar verdunkelt, doch bleibt er fähig, die Wahrheit zu erkennen; sein freier Wille ist zwar geschwächt, doch er bleibt fähig, das natürliche Gute zu erstreben und zu lieben. Deshalb lehne ich alle Lehren ab, die in verzweifeltem Pessimismus den Menschen für unheilbar verdorben und unfähig zum Guten halten.
32. Ebenso lehne ich jedoch alle Lehren ab, die in törichtem Optimismus die Erbsünde verharmlosen, naiv eine angeborene Güte des Menschen verherrlichen, oder vorgeben, den Weltfrieden allein auf den moralischen, technischen, politischen oder kulturellen Fortschritt der Menschheit gründen zu können. Die Tragödien der Menschheitsgeschichte, die Unruhen in den Gesellschaften und die Abgründe des menschlichen Herzens lassen sich im Grunde genommen und vor allem durch die tiefe Wunde der Sünde erklären.
33. Ich bekenne, dass der Mensch einer Erlösung bedarf, die ihn sowohl von der Erbsünde als auch von all seinen persönlichen Sünden befreit. Diese Erlösung – oder dieser Loskauf – erfordert die Gabe der Gnade Gottes in Christus: Sich selbst kann der Mensch durch seine natürlichen Werke, seine Kultur, seine Wissenschaft oder seine religiöse Ernsthaftigkeit nicht erlösen. Ohne die heiligmachende Gnade Christi bleibt er unfähig, sein übernatürliches Ziel zu erreichen.
34. Daher lehne ich den modernen Naturalismus ab, sei er (in der Philosophie oder Theologie) theoretischer oder (in der Moral, Politik oder Seelsorge) praktischer Natur. Jede Lehre, die von Brüderlichkeit, Frieden, Würde oder Fortschritt spricht, ohne die Sünde, das Kreuz oder die Notwendigkeit der Gnade anzuerkennen, baut auf einem trügerischen Fundament auf und täuscht letztendlich jene Seelen, denen sie zu dienen vorgibt.
35. Gleichzeitig unterstreiche ich, dass die Schwere der Sünde niemals zur Verzweiflung führen darf, denn Gott hat in seiner Barmherzigkeit den Menschen nach dessen Sündenfall nicht im Stich gelassen, sondern ihm von Anbeginn an einen aus der Frau geborenen Erlöser versprochen, dessen Ankunft er im Laufe der Heilsgeschichte schrittweise vorbereitet hat.
36. In all dem bekenne ich, dass die im Buch Genesis berichteten, die Grundlagen der katholischen Religion betreffenden Tatsachen im wörtlichen historischen Sinne zu verstehen sind: zum Beispiel die Erschaffung aller Dinge durch Gott am Anfang der Zeit; die besondere Erschaffung des Menschen; die Erschaffung der ersten Frau aus dem ersten Mann; die Einheit der Menschheit; das ursprüngliche Glück der ersten Eltern im Zustand der Gerechtigkeit, der Unversehrtheit und der Unsterblichkeit; das von Gott dem Menschen zur Prüfung seines Gehorsams gegebene Gebot; die Übertretung des göttlichen Gebots auf Veranlassung des Teufels in Gestalt der Schlange; der Sturz der ersten Eltern aus diesem ursprünglichen Zustand der Unschuld; sowie die Verheißung des kommenden Erlösers.
V. Jesus Christus, fleischgewordenes Wort, einziger Mittler und Erlöser
37. Ich glaube und bekenne, dass unser Herr Jesus Christus das ewige Wort Gottes ist, wahrer Gott und wahrer Mensch, dem Vater in der Gottheit wesensgleich und in seiner Menschheit von derselben Natur wie wir, uns gleich in allem außer der Sünde. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen, der einzige Erlöser der Menschheit, der einzige König der Seelen und der menschlichen Gemeinschaften, den Gott in seiner Barmherzigkeit unseren ersten Eltern versprochen hat und den die Propheten verkündet haben.
38. Ich bekenne, dass in der Fülle der Zeiten der Sohn Gottes Mensch geworden ist: nicht um den Menschen in seiner menschlichen Würde zu bestätigen oder ihm das Ebenbild Gottes in sich selbst zu offenbaren, sondern um ihn von der Sünde zu erretten und ihm wieder den Zugang zum ewigen Leben zu öffnen. Geboren von der Jungfrau Maria, nahm er, ohne aufzuhören, Gott zu sein, eine wahre menschliche Natur an, lebte unter uns, lehrte die Wahrheit, erfüllte die Prophezeiungen, offenbarte seine Göttlichkeit durch seine Wunder und opferte sich dann freiwillig am Kreuz als Sühnopfer für die Sünden der Welt.
39. Ich bekenne, dass die Erlösung wirklich und in Wahrheit eine Genugtuung ist, welche der göttlichen Gerechtigkeit als Sühne für die Erbsünde und die persönlichen Sünden dargebracht wird. Christus, in seiner heiligen Menschheit Priester und Opfergabe, hat uns durch sein Blut losgekauft. Indem er unsere Sünden auf sich nahm und die uns zustehende Strafe erlitt, brachte er seinem Vater einen vollkommenen Akt des Gehorsams dar, einen Akt der Liebe und der Wiedergutmachung, dem die Würde seiner göttlichen Person einen unendlichen verdienstlichen Wert verlieh.
40. Daher lehne ich jede Lehre ab, die die Erlösung auf eine bloße Manifestation der Liebe Gottes, auf eine Solidarität Christi mit den menschlichen Leiden, auf eine Offenbarung der Würde des Menschen oder auf eine rein moralische, politische oder soziale Befreiung reduziert. Das Kreuz ist nicht nur ein Zeichen: Es ist der Altar des Erlösungsopfers. Christus hat das Heil nicht nur angekündigt: Er hat es uns durch seine Opfertat verdient. Sein freiwilliges Leiden und sein Tod am Kreuz bilden das einzige Erlösungsopfer, durch das die Menschheit mit Gott versöhnt wird.
41. Ich bekenne, dass er am dritten Tag in Herrlichkeit von den Toten auferstanden ist, und dass diese Auferstehung eine tatsächliche historische Begebenheit ist. Sie ist das strahlendste Zeichen seines endgültigen Sieges über Sünde, Tod und Hölle. Sie ist die Grundlage unserer christlichen Hoffnung und das Unterpfand unserer eigenen Auferstehung. Sie ist zudem der wichtigste Grund für die Glaubwürdigkeit der Göttlichkeit Jesu Christi.
42. Ich glaube, dass er vierzig Tage danach in den Himmel aufgefahren ist, dass er nun zur Rechten seines Vaters sitzt, dass er seine Kirche durch seinen Stellvertreter unsichtbar leitet und dass er unablässig für uns Fürsprache einlegt, bis er am Ende der Zeiten in Herrlichkeit wiederkehrt, um die Lebenden und die Toten zu richten.
43. Ich bekenne auch, dass Christus zwar für alle gestorben ist, dadurch aber nicht alle automatisch gerettet werden. Die Verdienste des Leidens müssen den Seelen zugewendet werden, was gewöhnlich geschieht, wenn diese mit der erforderlichen Gesinnung die Sakramente empfangen, die ihnen die heiligmachende Gnade vermitteln. Wer die Sakramente ablehnt, sie unwürdig empfängt oder freiwillig in der Sünde verharrt, verschließt sich dem Heil, das Christus für ihn erworben hat.
44. Ich lehne daher den falschen Optimismus einer Allerlösung ab, die bereits in jedem Menschen verwirklicht sei, unabhängig von seiner Bekehrung und seiner Beharrlichkeit. Eine solche Lehre untergräbt die Dringlichkeit der Verkündigung, schwächt den missionarischen Eifer, macht die Buße überflüssig und widerspricht den Worten des Erlösers selbst: „Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“
45. Schließlich bekenne ich, dass Jesus Christus nicht nur der Erlöser jedes einzelnen Menschen ist, sondern der Mittelpunkt der gesamten Geschichte und der König der ganzen Schöpfung. Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen worden; alles muss in ihm wiederhergestellt werden. Keine Kultur, keine Gesellschaft, kein Gesetz und keine menschliche Weisheit findet ihre wahre, vollständige und vollendete Vollkommenheit außerhalb seiner Herrschaft.
VI. Die allerseligste Jungfrau Maria in der Heilsordnung
46. Ich glaube, dass die allerseligste Jungfrau Maria in der Heilsgeschichte einen einzigartigen Platz einnimmt, den Gott von Ewigkeit her bestimmt hat, und dass ihre Situation daher mit der gewöhnlichen Situation der anderen Geschöpfe nicht verglichen werden kann. Er, der beschlossen hatte, den Menschen seinen Sohn zu schenken, hatte auch beschlossen, ihm eine Mutter zu geben.
47. Ich bekenne, dass die allerseligste Jungfrau Maria durch ein einzigartiges Privileg vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an unbefleckt war, um die würdige Mutter Jesu Christi zu sein: Sie wurde in Vorwegnahme der Verdienste Christi vor der Erbsünde bewahrt und so auf erhabenere Weise erlöst. Von Anbeginn ihres Daseins an war sie voll der Gnade und hat sich stets als vollkommen treu gegenüber dem Willen Gottes erwiesen.
48. Ich glaube, dass sie vor, während und nach der Geburt stets Jungfrau blieb; ihre immerwährende Jungfräulichkeit zeugt vom göttlichen Ursprung ihres Sohnes und von ihrer völligen Hingabe an das Werk Gottes.
49. Ich bekenne, dass sie, als wahre Mutter Gottes und Mutter der Menschen, auf einzigartige und unvergleichliche Weise am Erlösungswerk ihres göttlichen Sohnes beteiligt war: Als neue Eva an der Seite des neuen Adam ebnete ihr „Fiat“ den Weg zur Menschwerdung; ihre stille Treue begleitete das ganze Leben des Erlösers; ihr schmerzvolles Mitleiden am Fuße des Kreuzes vereinte sie im Innersten ihres Herzens mit dem Erlösungsopfer.
50. Ich bekenne, dass sie – auf diese Weise mit ihrem göttlichen Sohn vereint – durch ihr Mitleiden aus Angemessenheit das verdient hat, was Christus durch sein Leiden aus strengem Recht verdient hat; nicht als Hauptursache der Erlösung, sondern als untergeordnete, abhängige und ganz auf ihren Sohn bezogene Mitwirkende in ein und demselben Akt der Erlösung unserer Seelen. In diesem Sinn bezeichnet die katholische Frömmigkeit, gestützt auf die traditionelle Lehre der Päpste und Theologen, sie aufgrund dieses Mitleidens zu Recht als „Miterlöserin“ und folglich als „universale Mittlerin“.
51. Daher lehne ich mit Empörung die moderne Tendenz ab, die Vorrechte der allerseligsten Jungfrau zu schmälern unter dem Vorwand ökumenischer Vorsicht, des Dialogs mit den falschen Religionen, oder aus der fehlgeleiteten Befürchtung, die einzigartige Erlösungsmittlerrolle Jesu Christi zu verschleiern. Die marianische Lehre zu schwächen bedeutet nicht, Christus mehr zu ehren: Es bedeutet, die von Gott gewollte Ordnung zu verkennen, der durch Maria zu uns kommen und uns durch sie zu sich führen wollte.
52. Ich glaube, dass sie am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, wo sie nahe dem Thron Gottes, an der Seite der heiligen Menschheit ihres göttlichen Sohnes, über die Engel und die Menschen herrscht und ihre mütterliche Rolle als Ausspenderin aller Gnaden ausübt.
53. Schließlich bekenne ich, dass die authentische und besondere Verehrung, die seiner Mutter entgegengebracht wird, die Gott gebührende Verehrung in keiner Weise schmälert; im Gegenteil, sie verstärkt sie, da sie die Wunder der göttlichen Gnade im vollkommensten Geschöpf anerkennt und die Seelen sicherer zu Jesus Christus führt. Die wahre katholische Erneuerung kann nicht von der besonderen Wertschätzung derjenigen getrennt werden, die der Schlange den Kopf zertritt.
VII. Die katholische Kirche: Mystischer Leib Christi und einzige Arche des Heils
54. Ich glaube fest daran, dass unser Herr Jesus Christus, um das Erlösungswerk bis zum Ende der Zeiten fortzuführen und zu verlängern, eine einzige, sichtbare, hierarchische, unvergängliche und für dasHeil notwendige Kirche gegründet hat. Diese Kirche, die durch das Blut Christi erworben und Petrus und seinen Nachfolgern, den Päpsten, anvertraut wurde, ist keine andere als die römisch-katholische Kirche.
55. Ich bekenne, dass die Kirche eins, heilig, katholisch und apostolisch ist. Sie ist eins in ihrem Glauben, ihrem Gottesdienst, ihrer Leitung und ihrem Ziel. Sie ist heilig durch ihren Gründer, durch ihre Lehre, durch ihre Sakramente und durch die Heiligen, die sie unaufhörlich hervorbringt. Sie ist katholisch, weil sie zu allen Völkern gesandt, auf der ganzen Welt verwurzelt und somit überall in der Lage ist, Menschen aller Lebenslagen das Heil zu bringen. Sie ist apostolisch, weil sie auf den Aposteln gründet, deren Lehre bewahrt und deren Auftrag unter der Leitung ihrer Nachfolger fortsetzt.
56. Ich bekenne, dass die Kirche zugleich die sichtbare Gemeinschaft und der mystische Leib Christi ist. Christus ist ihr Haupt; die Gläubigen sind ihre Glieder; das am Kreuz erworbene übernatürliche Leben wird in ihr durch die im Glauben empfangenen Sakramente weitergegeben und entfaltet sich in der Nächstenliebe.
57. Ich bekenne, dass die Kirche die unbefleckte Braut Christi ist. Christus hat sie so sehr geliebt, dass er sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen und sie ohne Makel und ohne Runzeln darzustellen. Auch wenn ihre Glieder sündigen mögen, bleibt sie selbst in ihrer Lehre, ihren Sakramenten, ihrer göttlichen Verfassung und ihrem Ziel die treue und reine Hüterin des geoffenbarten Glaubensgutes und die Spenderin der Geheimnisse Gottes. Die Verfehlungen der Männer der Kirche können nicht der Kirche als solcher angelastet werden; sie sind darauf zurückzuführen, dass diese Menschen nicht nach ihren heiligen Gesetzen gelebt haben. Daher weise ich die ungerechten und gotteslästerlichen Anschuldigungen zurück, die im Namen der Sünden ihrer Kinder gegen die Kirche erhoben werden, ebenso wie die Reuebekundungen, die der Braut Christi die Fehler derer aufbürden wollen, die sie verraten haben.
58. Ich bekenne, dass die Kirche die Mutter der Seelen ist. Sie bringt sie durch die Taufe zum göttlichen Leben hervor, nährt sie durch die Eucharistie, richtet sie durch die Buße wieder auf, stärkt sie durch die Firmung, heiligt die Familien durch die Ehe, weiht die Priester durch die Priesterweihe und steht den Sterbenden durch die Letzte Ölung bei. Ihre Mutterschaft ist übernatürlich und heilsbringend: Sie schenkt den Menschen das Brot der gesunden Lehre, die Gnade und die Mittel zum ewigen Leben.
59. Ich bekenne, dass Gott die Kirche zum notwendigen Mittel des Heiles machen wollte; so wie es unter dem Himmel keinen anderen Namen gibt, der den Menschen gegeben ist, als den Namen Jesu Christi, durch den wir gerettet werden sollen, so gibt es auch kein übernatürliches Heil außerhalb der katholischen Kirche. Denn alles Heil kommt von Jesus Christus, und jede heilsame Gnade wird entweder in und durch die einzige Kirche, die er gegründet hat, geschenkt; oder derjenige, der sie empfängt, wird durch sie zur Kirche hingeführt.
60. Diese Wahrheit besagt, dass niemand ohne Christus und seine Kirche durch eine falsche Religion als solche gerettet werden kann, noch kann jemand außerhalb der sichtbaren Struktur der Kirche seiner Erlösung sicher sein. Wenn Menschen gerettet werden, ohne der sichtbaren Gemeinschaft der Kirche, dem mystischen Leib Christi, anzugehören, dann geschieht dies durch eine übernatürliche Hinordnung auf die einzige Kirche des Heils und trotz der Irrtümer der falschen Religionen, in denen sie sich befinden; von diesen befreien sie sich, indem sie die ihnen angebotene Gnade nicht ablehnen, sondern ihr entsprechen.
61. Daher lehne ich den falschen Ökumenismus ab, der auf der Vorstellung beruht, der Heilige Geist wäre bereit, die getrennten Gemeinschaften als Mittel zum Heil zu nutzen, als ob die Kirche Christi in ihnen gegenwärtig und wirksam wäre; oder als ob diese Gemeinschaften an sich einen Heilswert besäßen, dessen Kraft sich aus der Fülle der Gnade und Wahrheit ableiten ließe, die der katholischen Kirche anvertraut ist. Wenn jemand außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche zur geoffenbarten Wahrheit gelangt oder eine Gnade der Heiligung empfängt, so gehören diese Wahrheit und diese Gnade von Rechts wegen der katholischen Kirche an, rufen unmissverständlich zur katholischen Einheit auf. Und der Heilige Geist schenkt sie nicht, um sie als Heilsmittel für die getrennten Gemeinschaften als solche zu nutzen, vor denen man die Seelen nicht genug warnen kann.
62. Ich lehne gleichermaßen die Vorstellung ab, dass nichtchristliche Religionen einen Strahl der Wahrheit widerspiegeln würden, der jeden Menschen erleuchtet; oder dass sie legitime Wege wären, auf denen Gott die Menschen aktiv zur Erlösung führen würde. Einige Fragmente natürlicher Wahrheit oder verzerrte Überreste alter Wahrheiten mögen zwar bei den Anhängern dieser falschen Religionen anzutreffen sein. Nimmt man diese Religionen jedoch als solche und insofern, als sie ihrem Gottesdienst Irrtum beimischen, sind sie das Werk des Bösen und können von Gott nicht gewollt sein. Der Heilige Geist bedient sich ihrer nicht als Wege zum Heil, und es findet sich in ihnen keine der Tugenden, die der einzigen Kirche Christi eigen sind, dem einzigen Licht, das jeden Menschen in der Finsternis erleuchtet.
63. Ich lehne darüber hinaus die Vorstellung eines „anonymen Christentums“ ab, wonach jeder Mensch, der ein ehrbares Leben führt – sei er nun „gläubig“, Atheist oder Agnostiker –, auf Christus ausgerichtet und somit durch ihn gerettet sei, weil er „Christ“ sei, ohne es zu wissen.
64. Schließlich bekenne ich, dass der Alte Bund durch den Neuen Bund erfüllt, überwunden und hinfällig gemacht wurde: Der Neue Bund ist die Erfüllung der Verheißung an Abraham in Christus und in seiner Kirche. Die Vorbilder des alten Gesetzes haben ihre Erfüllung und ihr Ende im Opfer des wahren Lammes gefunden, des Mittlers des Neuen Bundes und des Priesters auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks. Nach dem ewigen Willen Gottes ist Christus die wahre Nachkommenschaft Abrahams, zusammen mit denen, die ihm in seinem mystischen Leib, der Kirche, angehören.
65. Ich lehne daher die neue Ekklesiologie ab, weil sie den missionarischen Elan zunichte macht, indem sie die Einzigartigkeit der Kirche, der einzigen Arche des Heils, relativiert.
66. Ich lehne auch jene Form der Inkulturation ab, die als wahllose Übernahme religiöser, moralischer oder symbolischer Kategorien heidnischer Kulturen und ihrer Praktiken verstanden wird. Das Evangelium kann das übernehmen, was bei den Völkern von Natur aus gut, wahr und edel ist; es darf niemals Götzendienst, Aberglauben, Irrtum oder dem Naturgesetz zuwiderlaufende Sitten gutheißen. Die Sendung der Kirche besteht nicht in endlosem Dialog, in humanitärer Zusammenarbeit oder einer gegenseitigen Anerkennung religiöser Traditionen: Sie besteht in dem Befehl, den Christus ihr erteilt hat, nämlich alle Völker zu unterweisen, sie zu taufen, und sie zu lehren, alles zu befolgen, was er geboten hat.
VIII. Der Heilige Geist, Heiligmacher der Seelen und Seele der Kirche
67. Ich bekenne, dass der Heilige Geist, die dritte Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, zusammen mit dem Vater und dem Sohn wahrer Gott ist. Er hat durch die Propheten gesprochen, die Heilige Schrift inspiriert, die Gerechten geheiligt und im jungfräulichen Schoß Marias die Menschheit des fleischgewordenen Wortes geformt. Er wurde zu Pfingsten sichtbar gesandt, um die Kirche zu offenbaren und bis zur Vollendung der Zeiten zu beleben.
68. Ich glaube, dass er, vom Vater und vom Sohn gesandt, gemäß der Verheißung unseres Herrn bis zum Ende der Zeiten in der Kirche verbleibt. Er ist die ungeschaffene Seele der Kirche, nicht als eine substanzielle Form, die den Unterschied zwischen Christus und seinen Gliedern aufheben würde, sondern als das unsichtbare Prinzip und die Wirkursache ihres übernatürlichen Lebens, ihrer Einheit im Glaubensbekenntnis und im Gottesdienst, der Heiligkeit ihrer Leitung und ihres Lehramtes sowie ihrer Fruchtbarkeit in ihren Werken.
69. Ich bekenne, dass das gesamte Leben der Kirche von seinem Wirken abhängt. Er ist es, der das kirchliche Lehramt, insbesondere das des Papstes, unterstützt, auf dass es das geoffenbarte Glaubensgut fehlerfrei bewahrt, verkündet und auslegt: nicht, um neue Lehren zu erfinden, sondern um die Wahrheit, die Gott bereits den Aposteln geoffenbart hat, im gleichen Sinne und in derselben Bedeutung tiefer zu ergründen.
70. Ich glaube, dass er es ist, der den Seelen in den Sakramenten die vom Erlöser erworbene Gnade mitteilt, durch diese Gnade in ihnen wohnt und sie Christus gleichgestaltet; er ist es, der den Verstand durch seine Weisheit erleuchtet, den Willen durch seine Kraft stärkt und seine Liebe in die Herzen ausgießt; er ist es, der zu guten Werken anregt, die brüderliche Liebe weckt und die Seelen zur Vollkommenheit führt.
71. Er ist es, der die Märtyrer gestützt, die Kirchenlehrer erleuchtet, die Missionare angespornt, das kontemplative Leben genährt, die Ordensgemeinschaften befruchtet hat, und der die Heiligkeit in allen Lebensständen erblühen ließ. Die großen Werke der christlichen Zivilisation, Früchte der katholischen Kultur, sind Zeugnis dieser stillen, aber fruchtbaren Gegenwart des Heiligen Geistes in der Kirche im Laufe der Jahrhunderte.
72. Ich lehne daher jegliches Unterfangen einer Berufung auf den Heiligen Geist ab, um lehrmäßige Anpassungen, die im Widerspruch zur Tradition stehen, moralische Umkehrungen oder synodale Verfahren zu rechtfertigen, durch die das, was die Kirche von Gott empfangen hat, zur Diskussion freigegeben wird. Der Geist der Wahrheit kann heute nicht das Gegenteil dessen inspirieren, was er gestern inspiriert hat. Er fordert die Kirche nicht dazu auf, der Welt zuzuhören, um sich von ihren Bedürfnissen inspirieren zu lassen; vielmehr spornt er sie dazu an, die Welt zu unterweisen, sie zu bekehren und zu heiligen. Sein Werk besteht weder darin, anarchische Eingebungen zu wecken, noch darin, lehrmäßige Kreativität zu fördern, noch darin, das geistliche Leben auf die Suche nach außergewöhnlichen charismatischen Phänomenen zu gründen. Sein Werk besteht vielmehr darin, die Seelen zu führen, indem er ihren Glauben erleuchtet und sie gegen ihre geistlichen Feinde verteidigt, um in ihnen das Werk ihrer Erlösung zu vollenden und sie ins Licht der Ewigkeit zu führen.
IX. Der Papst, das Bischofsamt und die hierarchische Verfassung der Kirche
73. Ich anerkenne im Papst den Nachfolger des heiligen Petrus, den Stellvertreter Jesu Christi, den obersten und universellen Hirten, das sichtbare Oberhaupt der gesamten Kirche, der durch göttliche Einsetzung eine wahre und eigentliche, höchste, uneingeschränkte, unmittelbare und universelle Jurisdiktionsgewalt über alle Hirten und alle getauften Gläubigen in der Kirche besitzt.
74. Ich glaube, dass diese Autorität ihm nicht vermittels einer Beauftragung durch die Gemeinschaft zuteil wird, dass sie vielmehr direkt von Christus selbst stammt, der dieses Amt zur Bewahrung der Glaubenslehre, zur Heiligung der Seelen und zur Leitung der Kirche eingerichtet hat.
75. Ich erkenne an, dass ihm aufgrund dieser besonderen und wahren Vollmacht die Hirten und Gläubigen in allem, was die rechtmäßige Ausübung seines Amtes betrifft, Respekt und kindlichen Gehorsam schulden. So bildet die Kirche Christi, solange die Einheit der Gemeinschaft mit dem Papst und die Einheit des Bekenntnisses zum selben Glauben gewahrt bleiben, eine einzige Herde unter einem einzigen obersten Hirten.
76. Ich erkenne ebenfalls an, dass die Bischöfe die Nachfolger der Apostel sind, was sie zu wahren Hirten göttlichen Rechts macht, die in der Kirche kraft des Willens Christi eine besondere und untergeordnete Jurisdiktion besitzen, welche sie unmittelbar vom Papst erhalten. In der Unterordnung unter dessen höchste Autorität mit dem Papst vereint, üben sie rechtmäßig ihre eigene Autorität in ihren jeweiligen Diözesen aus, wie es der Heilige Geist in der von Christus gewollten hierarchischen Ordnung festgelegt hat.
77. Ich erkenne ferner an, dass das Bischofskollegium, vereint mit seinem Oberhaupt, dem Papst, niemals jedoch ohne dieses Oberhaupt, das außerordentliche und nicht ständige Subjekt einer umfassenden und höchsten Vollmacht über die Weltkirche sein kann, dass dies jedoch nur im Rahmen eines ökumenischen Konzils geschieht, auf Initiative und Anordnung des Papstes allein und innerhalb der Grenzen seines ausschließlichen Willens.
78. Daher lehne ich die kollegialistische Vorstellung ab, die das Bischofskollegium zu einer dauerhaften juristischen Person innerhalb der Kirche oder zu einem zweiten, vom Nachfolger Petri unterschiedenen Träger der höchsten Gewalt machen würden. Die monarchische Verfassung der Kirche ist göttlicher Herkunft und unantastbar, und dies wird bis zum Ende der Zeiten so bleiben, denn niemand kann das Amt neu definieren, das Christus selbst dem Petrus in seiner Kirche übertragen hat.
79. Ebenso lehne ich die synodalen Konzepte ab, die darauf abzielen, die hierarchische Kirche in eine beratende, parlamentarische oder demokratische Struktur umzuwandeln, welche den wechselnden Meinungen des christlichen Volkes oder dem Druck der Welt unterworfen ist. Das kollektive Gewissen der Gläubigen, pastorale Umfragen, kulturelle Sensibilitäten und die Erwartungen der Welt sind keine Offenbarungsquellen. Das legitime Hören auf die Seelen darf niemals zu einer ständigen Anpassung des kirchlichen Lebens, ihrer Lehre und ihrer göttlichen Verfassung an den Geist der Welt werden, unter dem Vorwand, den „sensus fidei“ des Volkes Gottes auszulegen.
X. Das Lehramt als Hüter des geoffenbarten Glaubensgutes
80. Ich glaube, dass der Papst Unfehlbarkeit genießt, wenn er ex cathedra spricht, das heißt, wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen kraft seiner höchsten apostolischen Autorität festlegt, dass eine Lehre über den Glauben oder die Sitten von der Weltkirche anzunehmen ist.
81. Ich bekenne ferner, dass die Lehrautorität in der Kirche im Wesentlichen auf die Bewahrung des geoffenbarten Glaubensgutes und damit auf das Heil der Seelen ausgerichtet ist. Der Heilige Geist wurde den Nachfolgern Petri nicht versprochen, damit sie eine neue Lehre verkünden, sondern damit sie das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut heilig bewahren und getreu darlegen.
82. Deshalb darf das heutige Lehramt dem früheren Lehramt in entscheidenden Inhalten nicht widersprechen. Das lebendige Lehramt ist nicht die aktualisierte Verkündigung im Gegensatz zur vergangenen Verkündigung; es ist die kontinuierliche, ununterbrochene Verkündigung ein und derselben Bedeutung von ein und derselben Glaubenswahrheit im Laufe der Jahrhunderte. Der Papst und die Bischöfe sind nicht die Herren der Offenbarung; sie sind deren Wächter und ihr unterworfen, so wie der Schüler dem Lehrmeister unterworfen ist. Sie dürfen weder den Glauben noch die göttliche Verfassung der Kirche verändern, und sie dürfen nichts gutheißen, was dem Gesetz Gottes widerspricht.
83. Ich lehne daher jedes evolutionäre Verständnis des Dogmas ab, demzufolge die geoffenbarten Wahrheiten im Laufe der Geschichte ihre Bedeutung ändern würden. Innerhalb der Kirche kann es zwar ein homogenes Fortschreiten im Verstehen geben, durch welches der Sinn der geoffenbarten Wahrheit besser, klarer und deutlicher erkannt wird, niemals jedoch eine Veränderung des Sinns dieser Wahrheit. Was vom lebendigen Lehramt der unterweisenden Kirche bereits gelehrt und im Glaubensbekenntnis der unterwiesenen Kirche bereits geglaubt wurde, kann nicht falsch werden; was als glaubenswidrig verurteilt wurde, kann nicht richtig werden; was zur göttlichen Verfassung der Kirche gehört, kann nicht nach den Maßstäben der modernen Welt oder dem historisch-kulturellen Kontext umgestaltet werden.
84. Ich lehne daher die Vorstellung eines neuen Lehramtes ab, das sich auf die Gegenwart beruft, um Lehren durchzusetzen, die der beständigen Tradition widersprechen oder ihr fremd sind. Ebenso lehne ich die künstliche Gegenüberstellung zwischen dem Lehramt von gestern und dem Lehramt von heute ab, als ob das einzige lebendige Lehramt der Braut Christi das der Gegenwart wäre und unter dem Vorwand, es besser anzupassen, das nicht mehr anerkennen könnte, was die Kirche seit der Zeit der Apostel stets gelehrt, geglaubt und verurteilt hat.
85. Ich vertrete die Auffassung, dass das Lehramt der Kirche – unter Wahrung der legitimen Forschungs- und Meinungsfreiheit der Theologen in Bezug auf offene oder umstrittene Lehrfragen – die legitime Pflicht hat, eine Kontrolle und gegebenenfalls eine Zensur über Veröffentlichungen auszuüben, um zu verhindern, dass diese den Glauben der Gläubigen gefährden. Ich weise daher den Vorwurf zurück, die heilige Kirche habe es an Nächstenliebe mangeln lassen, indem sie Häresien mit dem Bann belegt und Häretiker exkommuniziert habe.
86. Ich lehne außerdem den im Geiste des letzten Konzils eingeführten ständigen Dialog ab, durch den die Hierarchie darauf verzichtet, ein echtes Lehramt auszuüben, und vorgibt, bald ihre Inspiration aus dem „Glaubenssinn“ des gläubigen Volkes zu beziehen, bald auf Augenhöhe mit den Anhängern falscher Religionen oder sogar mit Ungläubigen zu diskutieren.
87. Schließlich lehne ich die subjektivistische Auffassung eines theologischen Pluralismus ab, die sich aus einer solchen Zurücknahme der Lehrautorität ergibt. Ich bin der Ansicht, dass die Kirche keine Gemeinschaft ist, die sich in einem ständigen Suchprozess befindet, dass sie vielmehr die Hüterin einer von Gott geoffenbarten und von den Aposteln weitergegebenen Wahrheit ist und dass ihr authentisches Lehramt, das im Laufe aller Jahrhunderte die ununterbrochene Weitergabe des geoffenbarten Glaubensgutes gewährleistet, die unmittelbare und allgemeine Richtschnur der Wahrheit in Fragen des Glaubens und der Sitten ist.
XI. Die moralische Ordnung und das Gesetz Gottes
88. Ich bekenne, dass es eine moralische Ordnung gibt, die in der ewigen Weisheit Gottes begründet ist. Menschliche Handlungen sind gut oder böse, je nachdem, ob sie mit dem göttlichen, heiligen und unveränderlichen Gesetz übereinstimmen oder ihm widersprechen. Individuelle Meinungen, gesellschaftlicher Konsens, subjektive Absichten und historische Umstände können den unveränderlichen Wert dieser Grundsätze der christlichen Moral nicht ändern.
89. Aus der unermesslichen Güte, mit der Gott den Menschen in die übernatürliche Ordnung erhoben hat, folgt, dass der Mensch nur ein einziges, übernatürliches Endziel hat, auf das er nach Gottes Plan auch nach dem Sündenfall weiterhin ausgerichtet bleibt. Dieses übernatürliche Endziel umfasst, erhebt und vervollkommnet das Endziel der natürlichen Ordnung des Menschen.
90. Das Naturgesetz, das Gott in die Natur des Menschen eingeschrieben hat, bleibt durch die rechte Vernunft erkennbar und ist für alle Menschen verbindlich. Das geoffenbarte positive Gesetz übernatürlicher Ordnung bestätigt das Naturgesetz, erhebt es und präzisiert es, indem es darüber hinausgeht. Es besteht also kein Widerspruch zwischen dem Gesetz des Evangeliums und dem Naturgesetz; im Gegenteil: Die Gnade schenkt dem Menschen die Kraft, den jeweiligen Anforderungen auf übernatürliche Weise treu zu bleiben und so jene Freiheit der Kinder Gottes zu genießen, durch die er, von der Macht der Sünde befreit, seinem endgültigen Ziel entgegenstreben kann.
91. Ich lehne daher die Situationsethik ab, wonach konkrete Umstände Handlungen, die grundsätzlich schlecht sind, gut machen könnten. Insbesondere bin ich der Ansicht, dass kein Umstand jemals den Einsatz von Verhütung, Abtreibung und Sterbehilfe rechtfertigen kann. Ich lehne jede Lehre ab, die behauptet, ein Verhalten, das objektiv den Geboten Gottes widerspricht, könne für manche die großherzige Antwort darstellen, die Gott jetzt gerade verlangt. Gott gebietet niemals Sünde oder das Unmögliche; er segnet niemals moralische Unordnung und rechtfertigt niemals das, was dem von ihm formulierten Gesetz widerspricht; demjenigen jedoch, der sein Möglichstes tut, verweigert er niemals seine Gnade, damit dieser seine Gebote halten kann.
92. Ich unterstreiche, dass Verbindungen, die ehebrecherisch oder gegen die Natur sind, sowie alle öffentlichen, dem göttlichen Gesetz zuwiderlaufenden Situationen nicht als unvollkommene Güter, als Gaben Gottes, als positive Schritte oder als Realitäten gelten können, die als solche gesegnet werden dürften. Eine solche irreführende Darstellung verfälscht in schwerwiegender Weise die Grundsätze der christlichen Moral und schadet der heiligen Institution der Ehe sowie dem Wohl der Familien.
93. Ich lehne daher den Standpunkt, diejenigen zu den Sakramenten und insbesondere zum Empfang der allerheiligsten Eucharistie zuzulassen, die öffentlich in solchen Zuständen verharren, ohne von dieser ihrer Lebensweise abzurücken, als unvereinbar mit dem Glauben und der beständigen Lehre der Kirche ab. Wahre Barmherzigkeit ruft den Sünder zur Umkehr auf und billigt nicht unter dem Vorwand seelsorgerischer Begleitung oder der Unterscheidung besonderer Situationen die Sünde.
94. Ebenso lehne ich die moderne Trennung zwischen Lehre und Seelsorge ab. Eine Seelsorge, die der Lehre widerspricht, ist keine Seelsorge; sie führt die Seelen in die Irre. Nächstenliebe besteht nicht darin, die Wahrheit zu verschweigen, um Leid zu vermeiden; sondern mit Wohlwollen die Wahrheit zu sagen, um den Weg zum Heil zu weisen. Die Arznei der Kirche kann nur heilen, indem sie das Übel benennt, indem sie zu Bußfertigkeit aufruft und die Gnadenmittel anbietet.
95. Schließlich bekenne ich, dass Gott nicht nur Urheber und Ziel der moralischen Ordnung ist, sondern auch ihr Hüter, ihr Richter und der höchste Vergelter des Guten und des Bösen. Das Vergessen des göttlichen Gerichts führt zu einer falschen Barmherzigkeit, die sentimental und machtlos ist und keinen Menschen rettet, weil sie keinen Menschen bekehrt.
XII. Das soziale Königtum Christi und die christliche Zivilisation
96. Ich bekenne, dass die Allerheiligste Dreifaltigkeit nicht nur von jedem einzelnen Menschen, sondern auch von Familien, Institutionen und staatlichen Gemeinschaften anerkannt und verehrt werden kann und muss. Keine menschliche Autorität ist unabhängig von Gott, denn jede Autorität geht von ihm aus und muss im Einklang mit dem ewigen Gesetz ausgeübt werden.
97. Ich bekenne, dass die staatlichen Gemeinschaften ebenso wie die einzelnen Menschen die Pflicht haben, diesen einzigen wahren Gott, nämlich Jesus Christus, das fleischgewordene Wort und die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit, anzuerkennen und zu ehren und ihm in der wahren, von ihm geoffenbarten und eingesetzten Religion die ihm gebührende Verehrung zu erweisen.
98. Ich bekenne, dass die Autoritäten, die diese Gemeinschaften regieren, das Gemeinwohl gewährleisten müssen, indem sie sich an das doppelte göttliche Gesetz – das natürliche und das geoffenbarte – halten. Die Ausübung der Freiheit besteht nicht darin, allen Launen der Begierde freien Lauf zu lassen, sondern darin, die beste Art und Weise zu wählen, die Güter dieser Welt im Hinblick auf das ewige Heil zu nutzen.
99. Daher lehne ich den modernen Laizismus ab, der den Anspruch erhebt, die Gesellschaft so zu gestalten, als gäbe es Gott nicht. Die öffentliche Weigerung, Gott als höchsten Herrn anzuerkennen, ist keine Neutralität, sondern eine soziale Ungerechtigkeit gegenüber dem Schöpfer und eine Hauptursache für Unordnung unter den Völkern. Denn eine Gesellschaft, die Gott die ihm gebührende Ehre verweigert, zerstört nach und nach die Grundlagen ihrer eigenen Gerechtigkeit: Sie trennt das Menschengesetz von seiner ewigen Quelle und überlässt die Völker dem wechselhaften Willen des gefallenen Menschen.
100. Ich bekenne, dass unser Herr Jesus Christus, da er das fleischgewordene Wort ist und die Menschen durch sein Blut erlöst hat, nicht nur König der Individuen, sondern auch König der Familien, der Institutionen, der Völker und der Nationen ist. Ihm ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben: Seine Herrschaft beschränkt sich nicht auf das individuelle Gewissen oder auf die Privatsphäre; sie muss sich auch auf die Gesetze, die Sitten, die Erziehung, die Kultur und das öffentliche Leben erstrecken. Sein Reich ist ewig und allumfassend: ein Reich der Wahrheit und des Lebens, ein Reich der Heiligkeit und der Gnade, ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.
101. Ich bekenne, dass die bürgerliche Gesellschaft, obwohl sie in ihrer Ordnung vollkommen ist, nicht über alle notwendigen Mittel verfügt, um den Menschen zu seiner wahren Vollkommenheit zu führen, welche der gefallenen menschlichen Natur ohne die Hilfe der heilenden und aufrichtenden Gnade unzugänglich bleibt.
102. Deshalb bekräftige ich, dass diejenigen, die die Gesellschaft leiten, sich dem heilsamen Einfluss der Kirche unterwerfen müssen, die durch ihr Lehramt den Verstand erleuchtet, durch die Gnade der Sakramente den Willen heilt und stärkt und den Menschen zu seiner wahren übernatürlichen Bestimmung führt, deren Hüterin sie ist. Das Wohl der Gesellschaft erfordert daher, dass die Staatsoberhäupter ihr Recht und ihre Pflicht anerkennen, die heilige Kirche zu fördern und zu schützen sowie durch die Gesetze ihrer Regierung allem entgegenzutreten, was ihrem notwendigen Einfluss – dem Einfluss der einzig wahren Religion – im Wege stehen würde.
103. Ich lehne daher den politischen und religiösen Liberalismus ab: nicht nur jenen, der für den Irrtum dieselben Rechte beansprucht wie für die Wahrheit und für falsche Kulte dieselbe offizielle und öffentliche Anerkennung wie für den wahren; sondern auch jenen, der im Namen der Menschenwürde und einer falsch verstandenen Religionsfreiheit jedem das Recht zuspricht, öffentlich nach seinem Gewissen zu handeln, ohne von der staatlichen Gewalt daran gehindert zu werden, selbst wenn dieses Gewissen irrt und dem Gemeinwohl oder der wahren Religion entgegensteht.
104. Ich räume ein, dass der Irrtum in bestimmten Fällen toleriert werden kann, um größeres Unheil abzuwenden oder das übergeordnete Gut des bürgerlichen Friedens zu wahren. Doch ich bekräftige, dass er an sich kein moralisches Recht besitzt, in gleicher Weise wie die Wahrheit verteidigt oder gefördert zu werden, und erst recht nicht, im Namen einer falschen Gewissensfreiheit jeglicher Einschränkung entzogen zu sein.
105. Ich bin zudem der Ansicht, dass, auch wenn der Mensch eine ontologische Würde besitzt, die ihn über die materiellen Wesen erhebt, die zu achtende Menschenwürde nicht unabhängig ist von dem Wahren und Falschen, zu dem sich die Menschen bekennen, noch von dem Guten und Bösen, das sie tun: Wer sich zum Falschen bekennt oder Böses tut, büßt seine moralische Würde ein. Deshalb verletzt die legitime Autorität in keiner Weise die Menschenwürde, wenn sie zur Verteidigung des Gemeinwohls gegen schwerwiegende Unruhen Verbrechen gemäß den Anforderungen der Gerechtigkeit mit angemessenen Strafen ahndet.
106. Ich lehne auch die moderne Form des Personalismus ab, welche der Kirche die Aufgabe zuweisen möchte, die Würde der menschlichen Person zu wahren und eine universelle Brüderlichkeit auf der Grundlage dieser angeblich der gesamten Menschheit gemeinsamen Würde zu errichten – ohne dabei zu unterscheiden zwischen einerseits der wahren Würde des Christen, der der Sünde entsagt, um gemäß der Moral des Evangeliums in der katholischen Kirche zu leben; und andererseits der falschen Würde derer, die in ihrem Irrtum und Laster den Weg des Heils ablehnen.
107. Ich verurteile die daraus resultierende Verfälschung, die darauf abzielt, die Kirche, wenn schon nicht zur Dienerin, so doch zumindest zur Mitwirkenden der Welt bei der Verwirklichung von deren eigenem Ideal zu machen: dem Ideal eines rein irdischen und weltlichen Friedens, der auf einer naturalistischen Vervollkommnung der Menschheit ohne übernatürliche Perspektive beruht. Dieses Ideal fördert die Unabhängigkeit des Menschen von Gott, von seinem Gesetz, von der Wahrheit und vom Guten; es impliziert die Verachtung der sozialen Herrschaft Christi und des Christentums; und es führt schließlich zum Atheismus und zur Ersetzung Gottes durch den Menschen.
108. Ich lehne auch das moderne Vorurteil ab, welches die christliche Zivilisation als unterdrückerisch, obskurantistisch oder als Feind der Menschenwürde darstellt. Die christliche Ordnung zerstört keineswegs das Gute in den verschiedenen Kulturen, sondern nimmt es auf und läutert es. So hat sich ausgehend von der geoffenbarten Lehre und durch den Einfluss der katholischen Theologie, insbesondere der des heiligen Thomas von Aquin, des allgemeinen Kirchenlehrers, unter der Aufsicht des Lehramtes eine echte christliche Kultur von universeller Tragweite herausgebildet, die die besten Elemente der griechischen und lateinischen Kultur in sich vereint. Als authentische Frucht des Evangeliums trug sie dazu bei, die Völker zu bilden und sie im Glauben und in den christlichen Tugenden wachsen zu lassen. Auch wenn sie niemals vollkommen war – da die Menschen stets Sünder bleiben –, war diese Zivilisation dennoch in der Geschichte die höchste Verwirklichung der christlichen Gesellschaftsordnung.
109. Umgekehrt hat die moderne Ablehnung der Königsherrschaft Christi über die Gesellschaft zu einem Rückgang der Zivilisation geführt: durch die Säkularisierung der Institutionen, die Auflösung der Ehe, die Zersetzung der Autorität, eine Erziehung ohne Gott, die Tyrannei der Leidenschaften und das allmähliche Verschwinden des Opfergeistes in den ehemals katholischen Nationen. Gegen diese öffentliche Apostasie bekennen wir, dass alles in Christus wiederhergestellt werden muss, der der einzige Heilige und durch seinen mystischen Leib der einzige Heiligmacher der Seelen und Völker ist.
XIII. Die Sakramente des Neuen Bundes
110. Ich glaube, dass es sieben wahre Sakramente des Neuen Bundes gibt, die von unserem Herrn Jesus Christus eingesetzt wurden, um die Gnade, die sie symbolisieren, wirksam zu vermitteln: die Taufe, die Firmung, die Eucharistie, die Buße, die Letzte Ölung, die Priesterweihe und die Ehe.
111. Ich bekenne, dass die Sakramente gültig gefeiert werden müssen, unter Einhaltung der vorgeschriebenen Materie, Form und Intention sowie unter Beachtung der liturgischen Riten, die den katholischen Glauben deutlich zum Ausdruck bringen; und dass sie mit der erforderlichen Gesinnung empfangen werden müssen.
112. Ich glaube, dass die Taufe das Tor zur Kirche ist und dass sie für das Heil notwendig ist. Im Allgemeinen kann niemand gerettet werden, ohne sie empfangen zu haben; durch dieses Sakrament wird der Mensch von der Erbsünde gereinigt, in Christus eingegliedert, mit dem christlichen Prägemal versehen und zum Mitglied der Kirche gemacht. Deshalb lehne ich die Praxis ab, die Taufe von Kindern, die noch nicht im Stand der Vernunft sind, ohne schwerwiegenden Grund aufzuschieben. Wer jedoch nach Erreichen des Alters der Vernunft und ohne eigenes Verschulden daran gehindert ist, dieses Sakrament zu empfangen, kann auf außerordentliche Weise durch die Begierdetaufe gerettet werden, d. h. durch einen übernatürlichen Akt des Glaubens und der vollkommenen Liebe, der ihn auf die Kirche hinordnet.
113. Ich bekenne, dass die Firmung den Getauften durch die Gabe des Heiligen Geistes stärkt, damit er den Glauben mutig bekenne, den Feinden des Heils widerstehe und als Zeuge Christi lebe. In einer Zeit der Verwirrung ist diese übernatürliche Kraft besonders notwendig, denn niemand kann ohne Kampf den Glauben bewahren.
114. Ich bekenne, dass die Buße die nach der Taufe begangenen Sünden tilgt, und zwar durch die Handlungen des Büßers, nämlich Reue, Beichte und Genugtuung. Ich lehne entschieden jede Seelsorge ab, die das Sündenbewusstsein schwächt, die Notwendigkeit der sakramentalen Beichte herunterspielt oder die Genugtuung auf einen bloßen Akt der Wiedergutmachung gegenüber sich selbst oder anderen reduziert, ohne Bezugnahme auf die gegen Gott begangene Verfehlung.
115. Ich bekenne, dass die Letzte Ölung die Kranken tröstet und stärkt, gegebenenfalls die Sünden erlässt, in hohem Maße dazu beiträgt, die durch die Sünde verdiente Strafe zu tilgen, und die christliche Seele darauf vorbereitet, vor Gott zu erscheinen.
116. Ich bekräftige, dass die Ehe die beständige und unauflösliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau ist, die von Christus unter den Getauften zur Würde eines Sakraments erhoben wurde. Der Zweck dieser von Gott, dem Schöpfer der Natur, festgelegten Verbindung ist zweifach: zum einen die Zeugung und Erziehung von Kindern, die den Erst- und Hauptzweck der Ehe darstellen; zum anderen die gegenseitige Unterstützung der Ehegatten und die Beherrschung der Begierde, die sekundäre, aber dennoch echte und wesentliche Zwecke der Ehe, jedoch naturgemäß dem ersten untergeordnet sind.
117. Ich lehne daher jede Lehre ab, die ehewidrige Lebensgemeinschaften als echte, wenn auch unvollkommene Teilhabe an der Ehe betrachtet; oder die, indem sie die Ehe allein anhand der Liebe der Ehepartner definieren will, die Hierarchie der Ehezwecke zerstört und damit Gefahr läuft, die Scheidung, die Weigerung, Kinder zu bekommen, und somit die Empfängnisverhütung zu legitimieren, die doch dem Naturrecht widerspricht.
118. Ich bekenne, dass das Sakrament der Weihe dem Empfänger den priesterlichen Charakter einprägt, der ihn Christus, dem Priester, angleicht, und dass keine Frau dieses Sakrament empfangen kann, auf welcher Stufe auch immer. Durch die Weihe erhält der Priester die Vollmacht, das Opfer des Heiles für die Lebenden und die Toten darzubringen, Sünden zu vergeben und die Gläubigen zu heiligen. Ich weise somit jede Vermischung zwischen dem Priestertum im wahren und eigentlichen Sinn der Diener Christi und dem allgemeinen Priestertum der Gläubigen zurück, das im uneigentlichen Sinn so genannt wird, zurück: Die Gläubigen opfern in geistiger Weise mit dem Priester und durch den Priester; aber nur der ordnungsgemäß geweihte Priester vollzieht und opfert das Opfer sakramental in der Person Christi.
XIV. Das heilige Messopfer, die heilige Eucharistie und die katholische Liturgie
119. Ich bekenne, dass die Messe ein Opfer im wahrsten Sinne des Wortes ist. Sie ist nicht nur ein Gedächtnis des Abendmahls oder der Passion. Wenn sie von einem ordnungsgemäß geweihten Priester zelebriert wird, stellt sie sakramental das einmalige Opfer von Golgatha dar und erneuert es auf unblutige Weise, ohne es dabei zu vervielfachen. Das Opfer ist dasselbe, der Hauptpriester ist derselbe, nur die Art der Darbringung unterscheidet sich.
120. In der Messe und durch das Wirken seines Dieners bringt sich unser Herr Jesus Christus seinem Vater als Opfer der Anbetung, der Danksagung, der Sühne und der Fürbitte dar. Indem sich die Kirche diesem Handeln Christi, das identisch mit dem des zelebrierenden Priesters ist, anschließt, erweist sie Gott den vollkommenen Gottesdienst, der ihm gebührt, und wendet die Verdienste des Kreuzesopfers den Seelen der Lebenden und der Verstorbenen zu.
121. Ich glaube, dass durch die von einem Priester gültig gesprochenen Wandlungsworte Brot und Wein in ihrer ganzen Substanz in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, obwohl ihre sinnlich wahrnehmbaren Gestalten bestehen bleiben. Diese wunderbare Verwandlung wird zu Recht Transsubstantiation genannt.
122. Ich glaube, dass die heiligste Eucharistie im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens steht und dass sie wahrhaft, wirklich und substanziell den Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus enthält. Ich bete das allerheiligste Altarsakrament an und lehne jede Lehre oder Praxis ab, welche den Glauben an die Realpräsenz schwächt, die der Eucharistie gebührende Ehrfurcht mindert, den Kommunionempfang banalisiert oder den sakralen Charakter des Altarraums beeinträchtigt.
123. Da die Liturgie der bevorzugte Ausdruck des Glaubens ist, ist sie zugleich die ständige Schule, in der die christliche Seele geformt wird. Durch ihre Ausrichtung, ihre Stille, ihre Gesten, ihren Kanon, ihre heilige Sprache, ihren Geist der Anbetung und ihre theozentrische Struktur nährt die Liturgie den Glauben und übt einen tiefgreifenden Einfluss auf die Seelen aus. Durch sie lernen die Völker, nach Gottes Maßstäben zu denken, im Blick auf die Ewigkeit zu urteilen, das Heilige zu lieben, das Vergängliche zu verachten und ihr ganzes Leben auf das Opfer Christi auszurichten. Sie prägt auch die Sitten, inspiriert die Künste, die Institutionen, die Feste und die Bräuche des christlichen Volkes. Deshalb schwächt der Gottesdienst, wenn er prosaisch, hohl, zweideutig, profan oder anthropozentrisch wird, das Verständnis des Glaubens selbst.
124. Ich bekenne, dass die traditionelle römische Messe, die nach dem Ritus gefeiert wird, der vor der Reform des Novus Ordo Missae in Gebrauch war, die katholische Lehre vom Opfer, vom Priestertum und von der Realpräsenz mit unvergleichlicher Klarheit zum Ausdruck bringt. Ich stelle jedoch mit Bedauern fest, dass sich die heutigen liturgischen Reformen sowohl im Ganzen als auch im Einzelnen erheblich von der traditionellen Liturgie entfernt haben: Damit haben sie den Opfer- und Sühnecharakter der Messe verdunkelt, eine demokratische Auffassung vom Gottesdienst gefördert, den katholischen liturgischen Ausdruck den protestantischen Vorstellungen angenähert und so maßgeblich zum Verlust des Sinns für das Heilige, zur Verfälschung des christlichen Geistes, zum Rückgang der Berufungen und zur allgemeinen Schwächung des Glaubens beigetragen.
125. Ich lehne daher jede liturgische Reform oder Praxis ab, die durch Unterlassung, lehrmäßige Zweideutigkeit oder praktische Ausrichtung der Häresie Vorschub leistet, den Glauben schwächt, von der auf dem Konzil von Trient formulierten katholischen Lehre über die Messe abweicht oder die Gläubigen von der Gott gebührenden Anbetung abbringt. Der öffentliche Gottesdienst der Kirche muss den katholischen Glauben unmissverständlich zum Ausdruck bringen.
126. Schließlich bin ich überzeugt, dass die katholische Erneuerung der Völker zwangsläufig über die Wiederherstellung des Gottesdienstes durch die traditionelle Liturgie aller Zeiten erfolgt. Dort, wo die Messe als das wahre Opfer Christi gefeiert wird, erleben der Glaube, die Frömmigkeit, das Leben in der Gnade, die christlichen Familien, die Berufungen und die Sehnsucht nach den ewigen Gütern eine Wiedergeburt.
XV. Das christliche Leben, die Heiligkeit und die Vollkommenheit der Liebe
127. Ich glaube, dass die höchste Berufung des Menschen die Heiligkeit ist. Von Gott geschaffen, durch Christus erlöst und durch das Wirken des Heiligen Geistes geheiligt, ist der Mensch dazu berufen, durch eine immer stärkere Angleichung an den Willen Gottes am Leben Gottes selbst teilzuhaben, um in der Herrlichkeit zur vollkommenen und endgültigen Vereinigung mit ihm zu gelangen.
128. Ich glaube, dass die heiligmachende Gnade den Menschen zu einem Adoptivkind des Vaters, zu einem Glied Jesu Christi, zu einem Tempel des Heiligen Geistes und zu einem Erben des ewigen Lebens macht. Sie macht die Seele Gott wohlgefällig, vermittelt ihr eine geschaffene Teilhabe an der göttlichen Natur, befähigt sie zu übernatürlichen Handlungen und richtet sie auf die selige Anschauung aus. Die theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe verbinden die Seele unmittelbar mit Gott; die eingegossenen sittlichen Tugenden richten ihr Verhalten nach dem göttlichen Gesetz aus; die Gaben des Heiligen Geistes befähigen sie, seine Eingebungen gehorsam anzunehmen, wodurch die Tugenden ihre höchste Vollkommenheit erlangen.
129. Ich glaube, dass das christliche Leben zu einem sehr wichtigen und nicht zu vernachlässigenden Teil aus einem geistlichen Kampf besteht. Seit dem Sündenfall ist der Mensch den Versuchungen der Welt, des Fleisches und des Teufels ausgesetzt. Die Gnade beseitigt diesen Kampf nicht: Sie schenkt die nötige Kraft, ihn siegreich zu führen.
130. Ich glaube, dass der Weg zur Heiligkeit über die Nachfolge Jesu Christi, den Gehorsam gegenüber seinen Geboten, das Gebet, die Sakramente, die Buße, die Selbstverleugnung, die Treue zur Standespflicht und die Liebe zum Kreuz führt. Der Jünger steht nicht über dem Meister: Wenn er zur Herrlichkeit gelangen will, muss er dem gekreuzigten Christus nachfolgen.
131. Ich lehne daher das falsche Christentum ohne Kreuz ab, das einen irdischen Frieden ohne Bekehrung, Barmherzigkeit ohne Buße, Brüderlichkeit ohne Abhängigkeit von der Vaterschaft Gottes und Heiligkeit ohne Heldentum verspricht. Die Kirche hat niemals Mittelmäßigkeit, Anpassung an die Welt oder bloßen natürlichen guten Willen heiliggesprochen; sie hat ihren Gläubigen Heilige zur Nachahmung vorgestellt, deren Glaube untadelig, deren Nächstenliebe heldenhaft und deren Leben dem Leben Christi gleichgestaltet war.
132. Ich lehne daher jede Reduzierung des christlichen Lebens auf verschwommene Menschenfreundlichkeit, auf soziale Sensibilität oder auf ein irdisches Engagement ab. Die christliche Nächstenliebe misst sich nicht in erster Linie an geteilten Gefühlen oder sichtbarem Nutzen, sondern an der übernatürlichen Liebe zu Gott über alles und zum Nächsten um Gottes willen. Selbst die leibliche Barmherzigkeit verliert ihre wahre Bedeutung und ihren authentischen Wert, wenn sie nicht mehr auf die geistliche Barmherzigkeit und das ewige Heil ausgerichtet ist.
133. Ich bekenne, dass die schönste Frucht der Kirche die Heiligkeit ist. Die Märtyrer, die Bekenner, die Jungfrauen, die Mönche, die Missionare, die Kirchenlehrer, die Seelsorger und alle heiligen, gläubigen Seelen zeugen von der Kraft der Wahrheit, von der Fruchtbarkeit der Gnade und vom Sieg Christi über die Sünde.
XVI. Die letzten Dinge und die christliche Hoffnung
134. Ich glaube, dass das gegenwärtige Leben eine Zeit der Vorbereitung auf die Ewigkeit und somit eine Zeit der Prüfung ist. Der Mensch hat hier auf Erden nicht seine endgültige Heimat: Er ist für eine übernatürliche Bestimmung geschaffen, die die vergänglichen Güter dieser Welt unendlich übersteigt. Ich glaube an das Leben nach dem Tod, in das man durch die Trennung von Seele und Körper eintritt.
135. Ich glaube, dass jeder am Ende seines irdischen Lebens zunächst vor dem Richterstuhl Christi zum persönlichen Gericht erscheinen und entsprechend seinen Gedanken, Worten, Taten und Unterlassungen das Urteil über sein ewiges Schicksal erhalten wird; ich glaube auch, dass unser Herr Jesus Christus am Ende der Zeiten in seiner Herrlichkeit wiederkommen wird, um dem Jüngsten Gericht vorzustehen.
136. Mit Liebe und Bangen bekräftige ich, dass in Gottes Werken sowohl Barmherzigkeit als auch Gerechtigkeit erstrahlen. Die Sünde des Menschen hat die Herrlichkeit des Schöpfers beeinträchtigt, der Mensch ist Gott gegenüber in Schuld geraten, und die göttliche Gerechtigkeit verlangt Wiedergutmachung; doch in seiner übergroßen Barmherzigkeit hat Gott uns einen Erlöser geschenkt, der als Haupt der Menschheit selbst für die Sünden der ganzen Welt eine Genugtuung dargebracht hat, die unsere Mitwirkung erfordert.
137. Ich vertraue auf die unendliche Barmherzigkeit Gottes: Es gibt keine Sünde, die er nicht vergeben könnte, und kein Elend, das er nicht lindern wollte. Aber ich lehne diese Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit, die der neue Humanismus predigt, entschieden ab – die Barmherzigkeit eines Gottes, der die Sünde nicht bestraft, niemanden verurteilt und keine Bekehrung verlangt, sondern vielmehr die Sünde rechtfertigt statt den Sünder.
138. Ich bekenne, dass die Seelen, die im Zustand der Todsünde sterben, zum schrecklichen Abgrund der Hölle verdammt sind, zur ewigen Strafe der Trennung von Gott und zur ewigen Strafe des Feuers. Ich lehne jede Lehre ab, die die Ewigkeit der Hölle leugnet, die Realität der ewigen Strafen herabsetzt oder den Eindruck erweckt, dass letztendlich alle Menschen gerettet werden und die Hölle leer bleibt.
139. Ich glaube, dass Seelen, die im Stand der Gnade sterben, aber noch zeitliche Strafen zu verbüßen haben, im Fegefeuer geläutert werden. Ich bekenne mich daher zur Notwendigkeit, für die Verstorbenen zu beten und ihnen die Fürbitten der Kirche zukommen zu lassen, und ich lehne die Lügen ab, die allen den sofortigen Eintritt in das Haus des Vaters versprechen und damit den frommen Brauch der Kirche, unablässig für die Verstorbenen zu beten, auslöschen.
140. Ich lehne insbesondere jene falsche pastorale Sprache ab, die aus Angst, das Gewissen zu beunruhigen, das Gericht, die Hölle und die Notwendigkeit der Buße verschweigt. Es ist keine Nächstenliebe, den Menschen die ewige Gefahr zu verheimlichen, in die sie die Sünde bringt. Die Verkündigung der letzten Dinge gehört zur Barmherzigkeit der Kirche, denn sie rüttelt die Seelen auf und lenkt sie auf das Heil hin.
141. Schließlich bekräftige ich, dass die Seelen, die in der Freundschaft mit Gott sterben und vollkommen geläutert sind, unmittelbar in das ewige Leben eingehen und sich der seligen Anschauung erfreuen. Sie schauen Gott von Angesicht zu Angesicht, so wie er ist, und finden in ihm ihre ewige Ruhe. Das christliche Leben ist auf diese Seligkeit ausgerichtet; jede Seelsorge, die das menschliche Glück auf irdisches Wohlergehen, sozialen Frieden oder lediglich psychologische Entfaltung reduziert, verrät das übernatürliche Ziel des Evangeliums.
142. Die christliche Hoffnung ist also weder weltlicher Optimismus noch von Furcht geprägte Ungewissheit. Sie ist das vertrauensvolle Warten auf das ewige Reich, gegründet auf die Verheißungen Gottes und genährt durch die Gnade. Sie gibt dem Christen die Kraft, hier auf Erden zu wirken, ohne zu vergessen, dass seine Heimat im Himmel ist, und die Irrtümer der Zeit zu bekämpfen, ohne den Seelenfrieden zu verlieren.
XVII. Die Krise der Moderne und die Pflicht, den Glauben zu bekennen
143. Ich glaube, dass die Kirche, gestützt von der göttlichen Vorsehung, bis zum Ende der Zeiten unerschütterlich bestehen bleibt. Die Verheißung Christi kann nicht scheitern: Die Pforten der Hölle werden sie niemals überwältigen.
144. Ich glaube aber auch, dass es in der Geschichte der Kirche Zeiten der Prüfung gibt, in denen das Bekenntnis des wahren Glaubens stark geschwächt ist, in denen Irrlehren sich ausbreiten, in denen die Disziplin nachlässt und viele Seelen in die Irre geführt werden.
145. Ich stelle insbesondere fest, dass die modernen Irrlehren eine gewaltige Bedrohung für die gesamte katholische Ordnung darstellen und dass ihr Eindringen in das Leben der Kirche im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils und der nachkonziliaren Reformen eine Krise von außergewöhnlicher Schwere ausgelöst hat: Der Agnostizismus greift die Erkenntnis Gottes an; der Naturalismus greift die Notwendigkeit der Gnade an; der Subjektivismus greift das übernatürliche Fundament des Glaubens an; der Relativismus greift die Unveränderlichkeit des Dogmas an; die Situationsethik greift das göttliche Gesetz an; der Liberalismus greift die soziale Königsherrschaft Christi an; der falsche Ökumenismus greift die Einzigartigkeit der Kirche an; Kollegialität und Synodalität greifen die göttliche Verfassung der Kirche in ihrer Hierarchie an; der liturgische Anthropozentrismus greift das heilige Messopfer an.
146. Die gegenwärtige Krise lässt sich daher nicht auf einen bloßen Konflikt der Empfindungen, liturgischen Vorlieben oder pastoralen Entscheidungen reduzieren. Sie berührt die Grundlagen des Glaubens und der Moral, des Priestertums und des Gottesdienstes, der Kirche und des Königtums Christi selbst.
147. Diese Irrtümer bleiben nicht abstrakt, sondern haben sichtbare Folgen hervorgebracht: eine Schwächung der lehrmäßigen Verkündigung, das Verschwinden des missionarischen Geistes, die Banalisierung der Sünde, eine Krise der Familie, den Verfall der Liturgie, den Verlust des Gottesbewusstseins, den Rückgang der Berufungen, den stillen Glaubensabfall der christlichen Nationen und eine tiefe Verwirrung unter den Gläubigen.
148. Deshalb reicht es heute nicht mehr aus, die katholischen Wahrheiten nur allgemein zu bekräftigen, ohne gleichzeitig die Irrtümer anzuprangern, die versuchen, sie zu verfälschen. Die Nächstenliebe gegenüber den Seelen erfordert die Klarheit der ganzen Wahrheit, ohne jegliche Zweideutigkeit.
149. Diese Krise kann nur durch die Wiederherstellung aller Dinge in Jesus Christus überwunden werden, durch die Rückkehr zum Glauben, zum Leben in der Gnade, zum Gottesdienst und zum Streben nach Heiligkeit.
150. Unter diesen schmerzlichen Umständen kann ich – ohne über irgendjemanden zu urteilen oder mir die Autorität der Kirche anzumaßen – nicht umhin, den Glauben zu bekennen, dessen Bekenntnis geschwächt wird; an die Tradition zu erinnern, die verbannt wird; die Moral zu verteidigen, die Liturgie zu bewahren und die Rechte Christi zu verkünden.
Schluss
151. In Treue zum ewigen Rom, das das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut bewahrt, will ich dieses Erbe vollständig bewahren – ohne Einschränkung, ohne Verfälschung und ohne Furcht –, nicht als eine spezielle Sichtweise in der heutigen Kirche, sondern als den Glauben, den ich von der einen, heiligen, katholischen, apostolischen und römischen Kirche empfangen habe.
152. Denn dieser Glaube gehört nicht mir: Ich habe ihn empfangen, um ihm treu zu bleiben, nach ihm zu leben, ihn weiterzugeben und, wenn Gott es verlangt, für ihn zu leiden – in vertrauensvoller Erwartung des Triumphs der Wahrheit und der Gnade, zum Heil der Seelen und zur Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.
153. Ich bitte Gott, dass er mich bis zum letzten Augenblick meines Lebens in diesem Bekenntnis standhaft bewahre. Ich vertraue dieses Glaubensbekenntnis der Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, der heiligen Apostel, der Märtyrer, der Bekenner und aller Heiligen an, die uns in der Treue zu Christus vorausgegangen sind.
154. Und in der Hoffnung auf die Auferstehung und das Leben in der kommenden Welt lege ich meine Seele, die Kirche und alle Dinge in die Hände Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, dem Ehre, Ruhm und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit gebühren.
Amen.
Gegeben zu Menzingen am 24. Juni 2026, Fest der Geburt des heiligen Johannes des Täufers
Bild: fsspx.news/de (Screenshot)
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