Das Glaubensbekenntnis der Piusbruderschaft – übermittelt an Papst Leo XIV. und die Kardinäle


Zusam­men mit einem offe­nen Brief über­mit­tel­te die Pius­bru­der­schaft heu­te auch ein Glau­ben­be­kennt­nis an Papst Leo XIV. und das Kar­di­nals­kol­le­gi­um. Der Text wur­de inzwi­schen auf der Nach­rich­ten­sei­te der Prie­ster­bru­ders­haft ver­öf­fent­licht. Wir doku­men­tie­ren das in 154 Abschnit­te unter­teil­te Bekennt­nis voll­in­halt­lich. Die dazu­ge­hö­ri­gen Fuß­no­ten wur­de in einer PDF-Aus­ga­be veröffentlicht:

Katholisches Glaubensbekenntnis der Priesterbruderschaft St. Pius X. zur Erleuchtung der Seelen angesichts der modernen Irrtümer

24 Juni 2026

Im Namen der hei­li­gen und unge­teil­ten Drei­fal­tig­keit, Vater, Sohn und Hei­li­ger Geist.

Präambel 

1.    Ich beken­ne mich zur gan­zen Wahr­heit des katho­li­schen Glau­bens und neh­me sie so an, wie sie „von den Apo­steln aus dem Mun­de Chri­sti selbst emp­fan­gen oder von den Apo­steln selbst unter der Ein­ge­bung des Hei­li­gen Gei­stes wei­ter­ge­ge­ben wur­de“, und die dann getreu bewahrt wur­de und in einer unun­ter­bro­che­nen Nach­fol­ge in der katho­li­schen Kir­che bis zu uns gelangt ist, durch die Ver­kün­di­gung der Päp­ste und Bischö­fe, die Schrif­ten der Kir­chen­vä­ter und Theo­lo­gen sowie die Beschlüs­se der hei­li­gen Konzilien.

2.    Ich neh­me jede ein­zel­ne der Wahr­hei­ten fest an, wel­che die unfehl­ba­re Kir­che als gött­lich geof­fen­bart und für das Heil not­wen­dig dar­ge­legt hat – sei es durch die Defi­ni­tio­nen ihres fei­er­li­chen Lehr­am­tes oder durch die Ein­mü­tig­keit ihres ordent­li­chen und uni­ver­sa­len Lehr­am­tes. Eben­so neh­me ich alles an, was auf­grund eines not­wen­di­gen Zusam­men­hangs mit dem geof­fen­bar­ten Glau­bens­gut zur katho­li­schen Leh­re gehört, und hal­te die Wahr­hei­ten für sicher, die die Kir­che bestän­dig gelehrt hat, um die­ses Glau­bens­gut vor Irr­tü­mern zu bewahren.

3.    Ich leh­ne daher alle Irr­leh­ren ab, die die­sem Glau­ben wider­spre­chen, ins­be­son­de­re jene des Libe­ra­lis­mus, des Indif­fe­ren­tis­mus, des Moder­nis­mus, des Öku­me­nis­mus und des Lai­zis­mus, die von den Päp­sten Pius IX., Leo XIII., dem hei­li­gen Pius X., Pius XI., und Pius XII. ver­ur­teilt wur­den. Die­se Irr­tü­mer ver­dun­keln näm­lich die geof­fen­bar­te Leh­re, ver­fäl­schen die Tra­di­ti­on, ent­stel­len die hei­li­ge Lit­ur­gie, ver­der­ben die Sit­ten, schwä­chen den mis­sio­na­ri­schen Geist und zer­set­zen die christ­li­che Gesell­schafts­ord­nung, wodurch sie dem Heil der See­len schwe­ren Scha­den zufügen.

4.    Ich beken­ne die­sen Glau­ben und leh­ne alle Irr­leh­ren ab, die ihm ent­ge­gen­ste­hen, denn ich möch­te der hei­li­gen, katho­li­schen, apo­sto­li­schen und römi­schen Kir­che, der Leh­re­rin der Wahr­heit, sowie dem Papst, dem Stell­ver­tre­ter Chri­sti, in treu­er Erge­ben­heit gegen­über dem ewi­gen Rom ver­bun­den blei­ben, das den Auf­trag erhal­ten hat, das geof­fen­bar­te Glau­bens­gut bis zum Ende der Zei­ten hei­lig zu bewah­ren und getreu zu verkünden.

5.    Ich füge hin­zu, dass es ange­sichts der gegen­wär­ti­gen Ver­wir­rung nicht mehr aus­reicht, nur eini­ge ver­ein­zel­te Wahr­hei­ten in Erin­ne­rung zu rufen. Es ist mitt­ler­wei­le uner­läss­lich, die gesam­te Ord­nung der katho­li­schen Leh­re in ihrer über­na­tür­li­chen Kohä­renz und ihrer leuch­ten­den Har­mo­nie ans Licht zu brin­gen, ohne ein Dog­ma aus­zu­las­sen, ohne eine Wahr­heit zu schmä­lern, ohne den über­lie­fer­ten Glau­ben durch eine zwei­deu­ti­ge oder ver­kürz­te Spra­che zu erset­zen, die unter dem Vor­wand der Öku­me­ne oder der Anpas­sung an die Welt die­se Leh­re mit immer grö­ße­rer Kühn­heit entstellt.

6.    Die Näch­sten­lie­be selbst gebie­tet es, die­se Leh­re klar, gedul­dig und nach­drück­lich zu ver­kün­den – zur Ehre Got­tes, zum Ruhm der Kir­che und zum Heil der Seelen.

I. Die göttliche Offenbarung, der Glaube und die Tradition

7.    Ich glau­be, dass Gott in sei­ner Güte den Men­schen durch das Geschenk der Gna­de dazu beru­fen hat, die selig­ma­chen­de Schau zu erlan­gen. Ich bin fest davon über­zeugt und beken­ne, dass die­se Erhe­bung des Men­schen die Kräf­te und Anfor­de­run­gen der mensch­li­chen Natur über­steigt und dass sie ein unent­gelt­li­ches Geschenk Got­tes ist, das heißt eine über­na­tür­li­che Gabe.

8.    Ich glau­be, dass Gott den Men­schen nicht sei­nen blo­ßen natür­li­chen Kräf­ten über­las­sen hat, dass er ihm viel­mehr die Geheim­nis­se sei­nes gött­li­chen Lebens und die über­na­tür­li­che Bestim­mung geof­fen­bart hat, zu der er ihn beruft. So hat er, nach­dem er einst im Alten Bund durch die Pro­phe­ten gespro­chen hat­te, im Neu­en Bund end­gül­tig durch sei­nen ein­zig­ge­bo­re­nen Sohn, unse­ren Herrn Jesus Chri­stus, gespro­chen, womit die gött­li­che Offen­ba­rung ihre voll­kom­me­ne Erfül­lung gefun­den hat.

9.    Die­se Offen­ba­rung ist das wahr­haf­ti­ge Wort Got­tes, das der Kir­che als Ver­mächt­nis anver­traut und den Men­schen als Glau­bens­re­gel in Form einer Samm­lung von Leh­ren vor­ge­legt wird, in dem die Geheim­nis­se so for­mu­liert sind, dass sie ver­ständ­lich und in Wor­ten aus­drück­bar sind. Die Offen­ba­rung ist weder der fort­schrei­ten­de Aus­druck eines reli­giö­sen Bewusst­seins noch die Frucht einer kol­lek­ti­ven Erfah­rung der Glau­bens­ge­mein­schaft; sie ist die Wahr­heit Got­tes selbst, die sich dem Ver­stand der Men­schen zu deren Heil auf über­na­tür­li­che Wei­se mitteilt.

10.   Ich glau­be, dass das Glau­bens­gut mit dem Tod des letz­ten Apo­stels voll­stän­dig war. Nach den Apo­steln emp­fängt die Kir­che kei­ne neue Offen­ba­rung mehr: Sie bewahrt, erläu­tert und ver­tei­digt das emp­fan­ge­ne Glau­bens­gut und gibt es weiter.

11.   Ich aner­ken­ne die äuße­ren Bewei­se der Offen­ba­rung, ins­be­son­de­re die Wun­der und Pro­phe­zei­un­gen, als ganz siche­re Zei­chen, durch die der gött­li­che Ursprung der christ­li­chen Reli­gi­on zu jeder Zeit und an jedem Ort in einer für den mensch­li­chen Ver­stand nach­voll­zieh­ba­ren Wei­se erwie­sen ist. Eben­so erken­ne ich die Kir­che selbst auf­grund ihrer Ein­heit, Hei­lig­keit, Katho­li­zi­tät, Frucht­bar­keit und uner­schüt­ter­li­chen Bestän­dig­keit als einen blei­ben­den Beweg­grund für ihre Glaub­wür­dig­keit und als unwi­der­leg­ba­res Zeug­nis für ihren gött­li­chen Auftrag.

12.   Ich beken­ne, dass der Glau­be die unter dem Wir­ken der Gna­de erfol­gen­de über­na­tür­li­che Unter­wer­fung des Ver­stan­des unter die von Gott äußer­lich geof­fen­bar­te Wahr­heit ist. Er beruht weder auf der Evi­denz der sicht­ba­ren Din­ge noch auf dem pri­va­ten Urteil noch auf der Erfah­rung des Erleb­ten, son­dern auf der Auto­ri­tät Got­tes selbst, der spricht und der, da er die Wahr­heit selbst ist, weder sich irren noch uns täu­schen kann. Der Glau­be ist also weder ein blin­des reli­giö­ses Gefühl noch eine Regung der See­le noch eine inner­li­che, vom per­sön­li­chen oder kol­lek­ti­ven Bewusst­sein pro­du­zier­te Über­zeu­gung. Er ist die über­na­tür­li­che Tugend, die den mensch­li­chen Ver­stand erhebt und es ihm ermög­licht, Gott – dank des Zeug­nis­ses, das er von sich selbst gibt – so zu erken­nen, wie er ist, in Erwar­tung der ewi­gen Anschauung.

13.   Infol­ge­des­sen wei­se ich den Irr­tum des Moder­nis­mus zurück, wie er auch heu­te noch gras­siert, der den Glau­ben auf eine inne­re Erfah­rung, ein fühl­ba­res Ver­lan­gen oder auf eine zuneh­men­de Bewusst­wer­dung der Glau­bens­ge­mein­schaft redu­ziert. Eine sol­che Vor­stel­lung zer­stört den Begriff des Dog­mas als sol­chen und unter­gräbt die Pflicht zu glau­ben, indem sie gött­li­che Wahr­heit durch sub­jek­ti­ve Auf­rich­tig­keit ersetzt und die Leh­re den Schwan­kun­gen der Histo­rie aussetzt.

14.   Ich beken­ne des Wei­te­ren, dass der Schatz der von Gott geof­fen­bar­ten Leh­re in den bei­den Quel­len – der Hei­li­gen Schrift und der Tra­di­ti­on – ent­hal­ten ist. Ich beken­ne, dass die Tra­di­ti­on mehr als eine von Gott geof­fen­bar­te Wahr­heit ent­hält, eine Wahr­heit, die sich nicht in der Hei­li­gen Schrift fin­det, und dass daher die Hei­li­ge Schrift in Abhän­gig­keit von der Tra­di­ti­on gele­sen und ver­stan­den wer­den muss.

15.   Ich beken­ne, dass die Hei­li­ge Schrift, deren Bücher in allen ihren Tei­len voll­stän­dig unter der Inspi­ra­ti­on des Hei­li­gen Gei­stes ver­fasst wur­den, wahr­haft das Wort Got­tes ist, frei von jeg­li­chem Irr­tum und der authen­ti­schen Aus­le­gung durch das Lehr­amt der Kir­che anver­traut, gemäß dem Maß­stab der Tra­di­ti­on und im Ein­klang mit dem Glauben.

16.   Ich leh­ne folg­lich die ratio­na­li­sti­sche Exege­se ab, wel­che die hei­li­gen Bücher als Doku­men­te behan­delt, deren Ver­fas­ser ein­zig und allein der Mensch ist, die a prio­ri die Mög­lich­keit des Über­na­tür­li­chen aus­schließt, den histo­ri­schen Chri­stus künst­lich vom Glau­ben der Kir­che trennt, die Wun­der im Sym­bo­li­schen auf­löst oder die Hei­li­ge Schrift den wech­seln­den Hypo­the­sen und Mani­pu­la­tio­nen natu­ra­li­stisch-kri­ti­scher Metho­den unter­wirft. Die wah­re Bibel­wis­sen­schaft muss sich in den Dienst des Glau­bens­ver­ständ­nis­ses stel­len; es steht ihr nicht zu, sich zum Maß­stab, zum Aus­le­ger oder zum Rich­ter des Wor­tes Got­tes zu machen.

17.   Schließ­lich beken­ne ich, dass die Tra­di­ti­on kein totes Gedächt­nis ist, son­dern die leben­di­ge Wei­ter­ga­be der von den Apo­steln emp­fan­ge­nen Leh­re. Sie bleibt leben­dig, im Unter­schied zur Offen­ba­rung, die abge­schlos­sen ist. Sie ist es sowohl im Wir­ken des Lehr­am­tes der leh­ren­den Kir­che als auch im Glau­bens­be­kennt­nis der unter­rich­te­ten Kir­che, deren „sen­ti­re cum Eccle­sia“ das Ergeb­nis der Unter­wei­sung durch das Lehr­amt ist. Die Tra­di­ti­on kann als „leben­dig“ bezeich­net wer­den – nicht in dem Sinn, dass sie ihre Bedeu­tung ändern wür­de, son­dern in dem Sinn, dass das leben­di­ge Lehr­amt im Lau­fe der Jahr­hun­der­te die­sel­be Wahr­heit in der­sel­ben Bedeu­tung immer kla­rer und deut­li­cher dar­legt. Was von allen, über­all und zu allen Zei­ten als zum Glau­ben gehö­rend geglaubt wur­de, darf weder durch irgend­ei­ne theo­lo­gi­sche Mode­er­schei­nung, noch durch pasto­ra­len Druck, noch durch diplo­ma­ti­sche Not­wen­dig­kei­ten, noch durch angeb­li­che Anfor­de­run­gen der moder­nen Welt geleug­net oder in Zwei­fel gezo­gen werden.

II. Gott, Ursprung und Ziel aller Dinge, die Allerheiligste Dreifaltigkeit

18.   Ich beken­ne die Exi­stenz eines ein­zi­gen, per­sön­li­chen, leben­di­gen und wah­ren Got­tes, des ersten Ursprungs und letz­ten Ziels aller Din­ge, der am Anfang Him­mel und Erde sowie alle sicht­ba­ren und unsicht­ba­ren Din­ge aus dem Nichts erschuf. Er ist unend­lich voll­kom­men, ewig und all­mäch­tig, unver­än­der­lich, unbe­greif­lich in sei­nem Wesen und in sei­nen Wer­ken von höch­ster Frei­heit. Er unter­schei­det sich von der Welt, die er aus frei­em Wil­len erschaf­fen hat, die er im Sein erhält und die er durch sei­ne Vor­se­hung regiert.

19.   Ich beken­ne, dass Gott ver­mit­tels des natür­li­chen Lichts der Ver­nunft mit Gewiss­heit durch sei­ne Geschöp­fe erkannt wer­den kann, so wie die Ursa­che durch ihre Wir­kun­gen erkannt wird. Der katho­li­sche Glau­be erkennt ja an, dass der mensch­li­che Ver­stand fähig ist, die Rea­li­tät der Din­ge wirk­lich zu erfas­sen, häu­fig ihre Ursa­chen zu erken­nen und zu wah­ren Gewiss­hei­ten zu gelangen.

20.   Des­halb leh­ne ich den moder­nen Agno­sti­zis­mus, den phi­lo­so­phi­schen Skep­ti­zis­mus, den idea­li­sti­schen Sub­jek­ti­vis­mus und sämt­li­che Leh­ren ab, die den Umfang des mensch­li­chen Wis­sens auf sinn­lich wahr­nehm­ba­re Phä­no­me­ne oder auf Bewusst­seins-Kon­struk­te begren­zen und damit die Mög­lich­keit eines kirch­li­chen Lehr­amts und einer wahr­heits­ge­mä­ßen Theo­lo­gie in Abre­de stellen.

21.   Ich beken­ne, dass in der einen gött­li­chen Natur drei wirk­lich unter­schie­de­ne Per­so­nen sub­si­stie­ren: der Vater, der Sohn und der Hei­li­ge Geist, die wesens­eine und unge­teil­te Drei­fal­tig­keit. Der Vater ist ohne Anfang; der Sohn ist vor aller Zeit vom Vater gezeugt; der Hei­li­ge Geist geht ewig­lich vom Vater und vom Sohn als einem ein­zi­gen Ursprung aus. Aber die­se drei Per­so­nen sind ein und die­sel­be gött­li­che Sub­stanz: Sie sind ein ein­zi­ger Ewi­ger und nicht drei Ewi­ge; ein ein­zi­ger wei­ser, guter, all­mäch­ti­ger Gott, und nicht drei glei­cher­ma­ßen wei­se, gute und all­mäch­ti­ge Göt­ter; sie sind eins im gött­li­chen Wil­len und in der gött­li­chen Vor­se­hung und erfreu­en sich einer und der­sel­ben Herrlichkeit.

22.   Ich wei­se die abge­schwäch­ten Bekennt­nis­se zum tri­ni­ta­ri­schen Glau­ben zurück, die unter dem Vor­wand reli­giö­ser Ein­heit oder öku­me­ni­scher Vor­sicht bewusst ver­schwei­gen, was Gott über sich selbst geof­fen­bart hat. Es reicht nicht aus, mit den Juden und Mus­li­men zu sagen, dass Gott einer ist; es reicht nicht aus, mit den Aria­nern zu beken­nen, dass der Sohn von glei­cher Natur wie der Vater ist; es reicht auch nicht aus, mit den schis­ma­ti­schen Grie­chen zu beken­nen, dass der Hei­li­ge Geist vom Vater aus­geht, und das Fili­o­que zu ver­schwei­gen. Die­ser fal­sche Ire­nis­mus ist auf eine trü­ge­ri­sche Ein­tracht aus­ge­rich­tet: Indem er es unter­lässt, bestimm­te geof­fen­bar­te Wahr­hei­ten zu beken­nen, ersetzt er Klar­heit durch Ver­wir­rung und bedroht die Unver­sehrt­heit des Glaubens.

III. Die Erschaffung des Menschen und die übernatürliche Ordnung der Gnade

23.   Ich glau­be, dass Gott den Men­schen nach sei­nem Bil­de erschaf­fen und mit einer gei­sti­gen, unsterb­li­chen See­le aus­ge­stat­tet hat, die fähig ist, die Wahr­heit zu erken­nen, das durch die natür­li­che Ver­nunft erkann­te Gute zu lie­ben und sich frei ihrem Schöp­fer zuzu­wen­den. Der Mensch ist also weder das not­wen­di­ge Pro­dukt einer blin­den Evo­lu­ti­on noch das schlich­te Ergeb­nis mate­ri­el­ler Kräf­te; er kommt von Gott als sei­nem schöp­fe­ri­schen Ursprung, er ist von Gott abhän­gig, der ihn im Sein erhält, und er ist auf Gott als sein letz­tes Ziel hingeordnet.

24.   Ich beken­ne, dass Gott den Men­schen nicht nur zu sei­ner natür­li­chen Voll­kom­men­heit bestimmt hat, son­dern ihn aus frei­er Gna­de zu einem über­na­tür­li­chen Ziel beru­fen hat, das die Kräf­te und Rech­te der geschaf­fe­nen Natur abso­lut über­steigt: die seli­ge Anschau­ung, durch die die See­le Gott von Ange­sicht zu Ange­sicht sehen und am inner­sten Leben der Aller­hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit teil­ha­ben wird. Dass der Mensch dazu beru­fen ist, ein Kind Got­tes zu wer­den, an der gött­li­chen Natur teil­zu­ha­ben und Erbe des Him­mels zu sein, ist nicht die not­wen­di­ge Erfül­lung sei­ner Natur, son­dern aus­schließ­lich eine Wir­kung der gött­li­chen Freigebigkeit.

25.   Ich leh­ne daher jede Leh­re ab, die die Unter­schei­dung zwi­schen Natur und Gna­de auf­löst, die behaup­tet, die mensch­li­che Natur habe Anrecht auf das über­na­tür­li­che Leben, oder die die Gna­de als blo­ße inner­li­che Ent­wick­lung der natür­li­chen Fähig­kei­ten des Men­schen dar­stellt. Eine sol­che Ver­wir­rung zer­stört sowohl die Gna­den­haf­tig­keit des Über­na­tür­li­chen als auch die Rea­li­tät der Natur. Sie läuft letzt­end­lich dar­auf hin­aus, den Glau­ben auf eine reli­giö­se Anthro­po­lo­gie und die Erlö­sung als eine Offen­ba­rung des Men­schen für sich selbst zu reduzieren. 

26.   Ich beken­ne auch, dass die Gna­de die Natur weder zer­stört noch ersetzt: Sie heilt sie viel­mehr, erhebt und ver­voll­komm­net sie, wobei sie sie zugleich bewahrt. Die über­na­tür­li­che Ord­nung stellt weder die Ver­nunft noch das Natur­ge­setz noch auch die Geschöp­fe in Fra­ge; sie heilt sie und ord­net sie einem höhe­ren Ziel unter. Daher ist der moder­ne Gegen­satz zwi­schen mensch­li­cher Frei­heit und Gna­de, zwi­schen Wür­de der Per­son und Abhän­gig­keit von Gott, zwi­schen Kul­tur und Glau­be durch und durch verkehrt.

27.   Ich leh­ne den fal­schen reli­giö­sen Huma­nis­mus ab, der den Men­schen um sei­ner selbst wil­len ver­herr­licht, als hät­te die Mensch­wer­dung in erster Linie und aus­schließ­lich das Eben­bild Got­tes in der Schöp­fung des Men­schen geof­fen­bart, und nicht viel­mehr das Elend der Sün­de und die Barm­her­zig­keit Got­tes, der sich zum Sün­der her­ab­beugt. Der Mensch ist nur dann wirk­lich groß, wenn er demü­tig die Gna­de emp­fängt, die ihn heilt und erhebt, wenn er für sei­ne Sün­den Buße tut, sich der Wahr­heit unter­wirft und als Kind Got­tes lebt. Indem er sich von Gott trennt, erhebt er sich nicht selbst, son­dern geht verloren.

28.   Ich beken­ne, dass die Men­schen­wür­de, durch die Gott sein Geschöpf an die Spit­ze der mate­ri­el­len Welt gestellt hat, nie­mals gegen das Gesetz Got­tes, gegen die Not­wen­dig­keit der Bekeh­rung oder gegen die Unter­wer­fung unter die geof­fen­bar­te Wahr­heit gel­tend gemacht wer­den darf. Die­se Wür­de wird durch die Sün­de ver­letzt: Sie muss durch die Gna­de wie­der­her­ge­stellt und zur Wür­de der Adop­tiv­kin­der Got­tes erho­ben werden.

IV. Die Erbsünde und die Situation des Menschen

29.   Ich glau­be, dass unse­re ersten Eltern von Gott in einem Zustand ursprüng­li­cher Gerech­tig­keit und Hei­lig­keit geschaf­fen und mit den Gaben der Inte­gri­tät, der Lei­dens­lo­sig­keit und der Unsterb­lich­keit aus­ge­stat­tet waren. Durch eine beson­de­re Gna­de Got­tes besa­ßen sie nicht nur die Unver­sehrt­heit ihrer eige­nen Natur, son­dern auch die über­na­tür­li­chen Gaben, die sie zum Leben Got­tes bestimm­ten. Adam, das Ober­haupt und der Urva­ter der Mensch­heit, erhielt dar­über hin­aus die Gabe der Wissenschaft.

30.   Ich beken­ne, dass Adam durch sei­nen Unge­hor­sam wirk­lich die Ursün­de began­gen hat, die sich auf alle Men­schen von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on über­trägt. Die­se Sün­de ist für alle eine natur­ge­ge­be­ne Sün­de, die sie zum Tod ver­ur­teilt, zum Lei­den, zur Unwis­sen­heit und zur Begier­de. Da Adam und Eva der hei­lig­ma­chen­den Gna­de und der prä­ter­na­tu­ra­len Gaben beraubt wur­den, die sie nicht mehr an ihre Nach­kom­men wei­ter­ge­ben kön­nen, wur­den sie aus dem irdi­schen Para­dies vertrieben. 

31.   Die Natur des Men­schen wur­de in Adam jedoch nicht zer­stört, son­dern nur ver­wun­det: Sein Ver­stand ist zwar ver­dun­kelt, doch bleibt er fähig, die Wahr­heit zu erken­nen; sein frei­er Wil­le ist zwar geschwächt, doch er bleibt fähig, das natür­li­che Gute zu erstre­ben und zu lie­ben. Des­halb leh­ne ich alle Leh­ren ab, die in ver­zwei­fel­tem Pes­si­mis­mus den Men­schen für unheil­bar ver­dor­ben und unfä­hig zum Guten halten. 

32.   Eben­so leh­ne ich jedoch alle Leh­ren ab, die in törich­tem Opti­mis­mus die Erb­sün­de ver­harm­lo­sen, naiv eine ange­bo­re­ne Güte des Men­schen ver­herr­li­chen, oder vor­ge­ben, den Welt­frie­den allein auf den mora­li­schen, tech­ni­schen, poli­ti­schen oder kul­tu­rel­len Fort­schritt der Mensch­heit grün­den zu kön­nen. Die Tra­gö­di­en der Mensch­heits­ge­schich­te, die Unru­hen in den Gesell­schaf­ten und die Abgrün­de des mensch­li­chen Her­zens las­sen sich im Grun­de genom­men und vor allem durch die tie­fe Wun­de der Sün­de erklären.

33.   Ich beken­ne, dass der Mensch einer Erlö­sung bedarf, die ihn sowohl von der Erb­sün­de als auch von all sei­nen per­sön­li­chen Sün­den befreit. Die­se Erlö­sung – oder die­ser Los­kauf – erfor­dert die Gabe der Gna­de Got­tes in Chri­stus: Sich selbst kann der Mensch durch sei­ne natür­li­chen Wer­ke, sei­ne Kul­tur, sei­ne Wis­sen­schaft oder sei­ne reli­giö­se Ernst­haf­tig­keit nicht erlö­sen. Ohne die hei­lig­ma­chen­de Gna­de Chri­sti bleibt er unfä­hig, sein über­na­tür­li­ches Ziel zu erreichen.

34.   Daher leh­ne ich den moder­nen Natu­ra­lis­mus ab, sei er (in der Phi­lo­so­phie oder Theo­lo­gie) theo­re­ti­scher oder (in der Moral, Poli­tik oder Seel­sor­ge) prak­ti­scher Natur. Jede Leh­re, die von Brü­der­lich­keit, Frie­den, Wür­de oder Fort­schritt spricht, ohne die Sün­de, das Kreuz oder die Not­wen­dig­keit der Gna­de anzu­er­ken­nen, baut auf einem trü­ge­ri­schen Fun­da­ment auf und täuscht letzt­end­lich jene See­len, denen sie zu die­nen vorgibt.

35.   Gleich­zei­tig unter­strei­che ich, dass die Schwe­re der Sün­de nie­mals zur Ver­zweif­lung füh­ren darf, denn Gott hat in sei­ner Barm­her­zig­keit den Men­schen nach des­sen Sün­den­fall nicht im Stich gelas­sen, son­dern ihm von Anbe­ginn an einen aus der Frau gebo­re­nen Erlö­ser ver­spro­chen, des­sen Ankunft er im Lau­fe der Heils­ge­schich­te schritt­wei­se vor­be­rei­tet hat.

36.   In all dem beken­ne ich, dass die im Buch Gene­sis berich­te­ten, die Grund­la­gen der katho­li­schen Reli­gi­on betref­fen­den Tat­sa­chen im wört­li­chen histo­ri­schen Sin­ne zu ver­ste­hen sind: zum Bei­spiel die Erschaf­fung aller Din­ge durch Gott am Anfang der Zeit; die beson­de­re Erschaf­fung des Men­schen; die Erschaf­fung der ersten Frau aus dem ersten Mann; die Ein­heit der Mensch­heit; das ursprüng­li­che Glück der ersten Eltern im Zustand der Gerech­tig­keit, der Unver­sehrt­heit und der Unsterb­lich­keit; das von Gott dem Men­schen zur Prü­fung sei­nes Gehor­sams gege­be­ne Gebot; die Über­tre­tung des gött­li­chen Gebots auf Ver­an­las­sung des Teu­fels in Gestalt der Schlan­ge; der Sturz der ersten Eltern aus die­sem ursprüng­li­chen Zustand der Unschuld; sowie die Ver­hei­ßung des kom­men­den Erlösers.

V. Jesus Christus, fleischgewordenes Wort, einziger Mittler und Erlöser

37.   Ich glau­be und beken­ne, dass unser Herr Jesus Chri­stus das ewi­ge Wort Got­tes ist, wah­rer Gott und wah­rer Mensch, dem Vater in der Gott­heit wesens­gleich und in sei­ner Mensch­heit von der­sel­ben Natur wie wir, uns gleich in allem außer der Sün­de. Er ist der ein­zi­ge Mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen, der ein­zi­ge Erlö­ser der Mensch­heit, der ein­zi­ge König der See­len und der mensch­li­chen Gemein­schaf­ten, den Gott in sei­ner Barm­her­zig­keit unse­ren ersten Eltern ver­spro­chen hat und den die Pro­phe­ten ver­kün­det haben.

38.   Ich beken­ne, dass in der Fül­le der Zei­ten der Sohn Got­tes Mensch gewor­den ist: nicht um den Men­schen in sei­ner mensch­li­chen Wür­de zu bestä­ti­gen oder ihm das Eben­bild Got­tes in sich selbst zu offen­ba­ren, son­dern um ihn von der Sün­de zu erret­ten und ihm wie­der den Zugang zum ewi­gen Leben zu öff­nen. Gebo­ren von der Jung­frau Maria, nahm er, ohne auf­zu­hö­ren, Gott zu sein, eine wah­re mensch­li­che Natur an, leb­te unter uns, lehr­te die Wahr­heit, erfüll­te die Pro­phe­zei­un­gen, offen­bar­te sei­ne Gött­lich­keit durch sei­ne Wun­der und opfer­te sich dann frei­wil­lig am Kreuz als Sühnop­fer für die Sün­den der Welt.

39.   Ich beken­ne, dass die Erlö­sung wirk­lich und in Wahr­heit eine Genug­tu­ung ist, wel­che der gött­li­chen Gerech­tig­keit als Süh­ne für die Erb­sün­de und die per­sön­li­chen Sün­den dar­ge­bracht wird. Chri­stus, in sei­ner hei­li­gen Mensch­heit Prie­ster und Opfer­ga­be, hat uns durch sein Blut los­ge­kauft. Indem er unse­re Sün­den auf sich nahm und die uns zuste­hen­de Stra­fe erlitt, brach­te er sei­nem Vater einen voll­kom­me­nen Akt des Gehor­sams dar, einen Akt der Lie­be und der Wie­der­gut­ma­chung, dem die Wür­de sei­ner gött­li­chen Per­son einen unend­li­chen ver­dienst­li­chen Wert verlieh.

40.   Daher leh­ne ich jede Leh­re ab, die die Erlö­sung auf eine blo­ße Mani­fe­sta­ti­on der Lie­be Got­tes, auf eine Soli­da­ri­tät Chri­sti mit den mensch­li­chen Lei­den, auf eine Offen­ba­rung der Wür­de des Men­schen oder auf eine rein mora­li­sche, poli­ti­sche oder sozia­le Befrei­ung redu­ziert. Das Kreuz ist nicht nur ein Zei­chen: Es ist der Altar des Erlö­sungs­op­fers. Chri­stus hat das Heil nicht nur ange­kün­digt: Er hat es uns durch sei­ne Opfer­tat ver­dient. Sein frei­wil­li­ges Lei­den und sein Tod am Kreuz bil­den das ein­zi­ge Erlö­sungs­op­fer, durch das die Mensch­heit mit Gott ver­söhnt wird.

41.   Ich beken­ne, dass er am drit­ten Tag in Herr­lich­keit von den Toten auf­er­stan­den ist, und dass die­se Auf­er­ste­hung eine tat­säch­li­che histo­ri­sche Bege­ben­heit ist. Sie ist das strah­lend­ste Zei­chen sei­nes end­gül­ti­gen Sie­ges über Sün­de, Tod und Höl­le. Sie ist die Grund­la­ge unse­rer christ­li­chen Hoff­nung und das Unter­pfand unse­rer eige­nen Auf­er­ste­hung. Sie ist zudem der wich­tig­ste Grund für die Glaub­wür­dig­keit der Gött­lich­keit Jesu Christi.

42.   Ich glau­be, dass er vier­zig Tage danach in den Him­mel auf­ge­fah­ren ist, dass er nun zur Rech­ten sei­nes Vaters sitzt, dass er sei­ne Kir­che durch sei­nen Stell­ver­tre­ter unsicht­bar lei­tet und dass er unab­läs­sig für uns Für­spra­che ein­legt, bis er am Ende der Zei­ten in Herr­lich­keit wie­der­kehrt, um die Leben­den und die Toten zu richten.

43.   Ich beken­ne auch, dass Chri­stus zwar für alle gestor­ben ist, dadurch aber nicht alle auto­ma­tisch geret­tet wer­den. Die Ver­dien­ste des Lei­dens müs­sen den See­len zuge­wen­det wer­den, was gewöhn­lich geschieht, wenn die­se mit der erfor­der­li­chen Gesin­nung die Sakra­men­te emp­fan­gen, die ihnen die hei­lig­ma­chen­de Gna­de ver­mit­teln. Wer die Sakra­men­te ablehnt, sie unwür­dig emp­fängt oder frei­wil­lig in der Sün­de ver­harrt, ver­schließt sich dem Heil, das Chri­stus für ihn erwor­ben hat.

44.   Ich leh­ne daher den fal­schen Opti­mis­mus einer Aller­lö­sung ab, die bereits in jedem Men­schen ver­wirk­licht sei, unab­hän­gig von sei­ner Bekeh­rung und sei­ner Beharr­lich­keit. Eine sol­che Leh­re unter­gräbt die Dring­lich­keit der Ver­kün­di­gung, schwächt den mis­sio­na­ri­schen Eifer, macht die Buße über­flüs­sig und wider­spricht den Wor­ten des Erlö­sers selbst: „Wer glaubt und getauft wird, der wird geret­tet wer­den; wer aber nicht glaubt, der wird ver­dammt werden.“

45.   Schließ­lich beken­ne ich, dass Jesus Chri­stus nicht nur der Erlö­ser jedes ein­zel­nen Men­schen ist, son­dern der Mit­tel­punkt der gesam­ten Geschich­te und der König der gan­zen Schöp­fung. Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaf­fen wor­den; alles muss in ihm wie­der­her­ge­stellt wer­den. Kei­ne Kul­tur, kei­ne Gesell­schaft, kein Gesetz und kei­ne mensch­li­che Weis­heit fin­det ihre wah­re, voll­stän­di­ge und voll­ende­te Voll­kom­men­heit außer­halb sei­ner Herrschaft.

VI. Die allerseligste Jungfrau Maria in der Heilsordnung

46.   Ich glau­be, dass die aller­se­lig­ste Jung­frau Maria in der Heils­ge­schich­te einen ein­zig­ar­ti­gen Platz ein­nimmt, den Gott von Ewig­keit her bestimmt hat, und dass ihre Situa­ti­on daher mit der gewöhn­li­chen Situa­ti­on der ande­ren Geschöp­fe nicht ver­gli­chen wer­den kann. Er, der beschlos­sen hat­te, den Men­schen sei­nen Sohn zu schen­ken, hat­te auch beschlos­sen, ihm eine Mut­ter zu geben.

47.   Ich beken­ne, dass die aller­se­lig­ste Jung­frau Maria durch ein ein­zig­ar­ti­ges Pri­vi­leg vom ersten Augen­blick ihrer Emp­fäng­nis an unbe­fleckt war, um die wür­di­ge Mut­ter Jesu Chri­sti zu sein: Sie wur­de in Vor­weg­nah­me der Ver­dien­ste Chri­sti vor der Erb­sün­de bewahrt und so auf erha­be­ne­re Wei­se erlöst. Von Anbe­ginn ihres Daseins an war sie voll der Gna­de und hat sich stets als voll­kom­men treu gegen­über dem Wil­len Got­tes erwiesen.

48.   Ich glau­be, dass sie vor, wäh­rend und nach der Geburt stets Jung­frau blieb; ihre immer­wäh­ren­de Jung­fräu­lich­keit zeugt vom gött­li­chen Ursprung ihres Soh­nes und von ihrer völ­li­gen Hin­ga­be an das Werk Gottes.

49.   Ich beken­ne, dass sie, als wah­re Mut­ter Got­tes und Mut­ter der Men­schen, auf ein­zig­ar­ti­ge und unver­gleich­li­che Wei­se am Erlö­sungs­werk ihres gött­li­chen Soh­nes betei­ligt war: Als neue Eva an der Sei­te des neu­en Adam ebne­te ihr „Fiat“ den Weg zur Mensch­wer­dung; ihre stil­le Treue beglei­te­te das gan­ze Leben des Erlö­sers; ihr schmerz­vol­les Mit­lei­den am Fuße des Kreu­zes ver­ein­te sie im Inner­sten ihres Her­zens mit dem Erlösungsopfer.

50.   Ich beken­ne, dass sie – auf die­se Wei­se mit ihrem gött­li­chen Sohn ver­eint – durch ihr Mit­lei­den aus Ange­mes­sen­heit das ver­dient hat, was Chri­stus durch sein Lei­den aus stren­gem Recht ver­dient hat; nicht als Haupt­ur­sa­che der Erlö­sung, son­dern als unter­ge­ord­ne­te, abhän­gi­ge und ganz auf ihren Sohn bezo­ge­ne Mit­wir­ken­de in ein und dem­sel­ben Akt der Erlö­sung unse­rer See­len. In die­sem Sinn bezeich­net die katho­li­sche Fröm­mig­keit, gestützt auf die tra­di­tio­nel­le Leh­re der Päp­ste und Theo­lo­gen, sie auf­grund die­ses Mit­lei­dens zu Recht als „Mit­erlö­se­rin“ und folg­lich als „uni­ver­sa­le Mittlerin“.

51.   Daher leh­ne ich mit Empö­rung die moder­ne Ten­denz ab, die Vor­rech­te der aller­se­lig­sten Jung­frau zu schmä­lern unter dem Vor­wand öku­me­ni­scher Vor­sicht, des Dia­logs mit den fal­schen Reli­gio­nen, oder aus der fehl­ge­lei­te­ten Befürch­tung, die ein­zig­ar­ti­ge Erlö­sungs­mit­t­ler­rol­le Jesu Chri­sti zu ver­schlei­ern. Die maria­ni­sche Leh­re zu schwä­chen bedeu­tet nicht, Chri­stus mehr zu ehren: Es bedeu­tet, die von Gott gewoll­te Ord­nung zu ver­ken­nen, der durch Maria zu uns kom­men und uns durch sie zu sich füh­ren wollte.

52.   Ich glau­be, dass sie am Ende ihres irdi­schen Lebens mit Leib und See­le in die himm­li­sche Herr­lich­keit auf­ge­nom­men wur­de, wo sie nahe dem Thron Got­tes, an der Sei­te der hei­li­gen Mensch­heit ihres gött­li­chen Soh­nes, über die Engel und die Men­schen herrscht und ihre müt­ter­li­che Rol­le als Aus­spen­de­rin aller Gna­den ausübt.

53.   Schließ­lich beken­ne ich, dass die authen­ti­sche und beson­de­re Ver­eh­rung, die sei­ner Mut­ter ent­ge­gen­ge­bracht wird, die Gott gebüh­ren­de Ver­eh­rung in kei­ner Wei­se schmä­lert; im Gegen­teil, sie ver­stärkt sie, da sie die Wun­der der gött­li­chen Gna­de im voll­kom­men­sten Geschöpf aner­kennt und die See­len siche­rer zu Jesus Chri­stus führt. Die wah­re katho­li­sche Erneue­rung kann nicht von der beson­de­ren Wert­schät­zung der­je­ni­gen getrennt wer­den, die der Schlan­ge den Kopf zertritt.

VII. Die katholische Kirche: Mystischer Leib Christi und einzige Arche des Heils

54.   Ich glau­be fest dar­an, dass unser Herr Jesus Chri­stus, um das Erlö­sungs­werk bis zum Ende der Zei­ten fort­zu­füh­ren und zu ver­län­gern, eine ein­zi­ge, sicht­ba­re, hier­ar­chi­sche, unver­gäng­li­che und für das­Heil not­wen­di­ge Kir­che gegrün­det hat. Die­se Kir­che, die durch das Blut Chri­sti erwor­ben und Petrus und sei­nen Nach­fol­gern, den Päp­sten, anver­traut wur­de, ist kei­ne ande­re als die römisch-katho­li­sche Kirche.

55.   Ich beken­ne, dass die Kir­che eins, hei­lig, katho­lisch und apo­sto­lisch ist. Sie ist eins in ihrem Glau­ben, ihrem Got­tes­dienst, ihrer Lei­tung und ihrem Ziel. Sie ist hei­lig durch ihren Grün­der, durch ihre Leh­re, durch ihre Sakra­men­te und durch die Hei­li­gen, die sie unauf­hör­lich her­vor­bringt. Sie ist katho­lisch, weil sie zu allen Völ­kern gesandt, auf der gan­zen Welt ver­wur­zelt und somit über­all in der Lage ist, Men­schen aller Lebens­la­gen das Heil zu brin­gen. Sie ist apo­sto­lisch, weil sie auf den Apo­steln grün­det, deren Leh­re bewahrt und deren Auf­trag unter der Lei­tung ihrer Nach­fol­ger fortsetzt.

56.   Ich beken­ne, dass die Kir­che zugleich die sicht­ba­re Gemein­schaft und der mysti­sche Leib Chri­sti ist. Chri­stus ist ihr Haupt; die Gläu­bi­gen sind ihre Glie­der; das am Kreuz erwor­be­ne über­na­tür­li­che Leben wird in ihr durch die im Glau­ben emp­fan­ge­nen Sakra­men­te wei­ter­ge­ge­ben und ent­fal­tet sich in der Nächstenliebe.

57.   Ich beken­ne, dass die Kir­che die unbe­fleck­te Braut Chri­sti ist. Chri­stus hat sie so sehr geliebt, dass er sich für sie hin­ge­ge­ben hat, um sie zu hei­li­gen und sie ohne Makel und ohne Run­zeln dar­zu­stel­len. Auch wenn ihre Glie­der sün­di­gen mögen, bleibt sie selbst in ihrer Leh­re, ihren Sakra­men­ten, ihrer gött­li­chen Ver­fas­sung und ihrem Ziel die treue und rei­ne Hüte­rin des geof­fen­bar­ten Glau­bens­gu­tes und die Spen­de­rin der Geheim­nis­se Got­tes. Die Ver­feh­lun­gen der Män­ner der Kir­che kön­nen nicht der Kir­che als sol­cher ange­la­stet wer­den; sie sind dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass die­se Men­schen nicht nach ihren hei­li­gen Geset­zen gelebt haben. Daher wei­se ich die unge­rech­ten und got­tes­lä­ster­li­chen Anschul­di­gun­gen zurück, die im Namen der Sün­den ihrer Kin­der gegen die Kir­che erho­ben wer­den, eben­so wie die Reue­bekun­dun­gen, die der Braut Chri­sti die Feh­ler derer auf­bür­den wol­len, die sie ver­ra­ten haben.

58.   Ich beken­ne, dass die Kir­che die Mut­ter der See­len ist. Sie bringt sie durch die Tau­fe zum gött­li­chen Leben her­vor, nährt sie durch die Eucha­ri­stie, rich­tet sie durch die Buße wie­der auf, stärkt sie durch die Fir­mung, hei­ligt die Fami­li­en durch die Ehe, weiht die Prie­ster durch die Prie­ster­wei­he und steht den Ster­ben­den durch die Letz­te Ölung bei. Ihre Mut­ter­schaft ist über­na­tür­lich und heils­brin­gend: Sie schenkt den Men­schen das Brot der gesun­den Leh­re, die Gna­de und die Mit­tel zum ewi­gen Leben.

59.   Ich beken­ne, dass Gott die Kir­che zum not­wen­di­gen Mit­tel des Hei­les machen woll­te; so wie es unter dem Him­mel kei­nen ande­ren Namen gibt, der den Men­schen gege­ben ist, als den Namen Jesu Chri­sti, durch den wir geret­tet wer­den sol­len, so gibt es auch kein über­na­tür­li­ches Heil außer­halb der katho­li­schen Kir­che. Denn alles Heil kommt von Jesus Chri­stus, und jede heil­sa­me Gna­de wird ent­we­der in und durch die ein­zi­ge Kir­che, die er gegrün­det hat, geschenkt; oder der­je­ni­ge, der sie emp­fängt, wird durch sie zur Kir­che hingeführt.

60.   Die­se Wahr­heit besagt, dass nie­mand ohne Chri­stus und sei­ne Kir­che durch eine fal­sche Reli­gi­on als sol­che geret­tet wer­den kann, noch kann jemand außer­halb der sicht­ba­ren Struk­tur der Kir­che sei­ner Erlö­sung sicher sein. Wenn Men­schen geret­tet wer­den, ohne der sicht­ba­ren Gemein­schaft der Kir­che, dem mysti­schen Leib Chri­sti, anzu­ge­hö­ren, dann geschieht dies durch eine über­na­tür­li­che Hin­ord­nung auf die ein­zi­ge Kir­che des Heils und trotz der Irr­tü­mer der fal­schen Reli­gio­nen, in denen sie sich befin­den; von die­sen befrei­en sie sich, indem sie die ihnen ange­bo­te­ne Gna­de nicht ableh­nen, son­dern ihr entsprechen.

61.   Daher leh­ne ich den fal­schen Öku­me­nis­mus ab, der auf der Vor­stel­lung beruht, der Hei­li­ge Geist wäre bereit, die getrenn­ten Gemein­schaf­ten als Mit­tel zum Heil zu nut­zen, als ob die Kir­che Chri­sti in ihnen gegen­wär­tig und wirk­sam wäre; oder als ob die­se Gemein­schaf­ten an sich einen Heils­wert besä­ßen, des­sen Kraft sich aus der Fül­le der Gna­de und Wahr­heit ablei­ten lie­ße, die der katho­li­schen Kir­che anver­traut ist. Wenn jemand außer­halb der sicht­ba­ren Gren­zen der katho­li­schen Kir­che zur geof­fen­bar­ten Wahr­heit gelangt oder eine Gna­de der Hei­li­gung emp­fängt, so gehö­ren die­se Wahr­heit und die­se Gna­de von Rechts wegen der katho­li­schen Kir­che an, rufen unmiss­ver­ständ­lich zur katho­li­schen Ein­heit auf. Und der Hei­li­ge Geist schenkt sie nicht, um sie als Heils­mit­tel für die getrenn­ten Gemein­schaf­ten als sol­che zu nut­zen, vor denen man die See­len nicht genug war­nen kann.

62.   Ich leh­ne glei­cher­ma­ßen die Vor­stel­lung ab, dass nicht­christ­li­che Reli­gio­nen einen Strahl der Wahr­heit wider­spie­geln wür­den, der jeden Men­schen erleuch­tet; oder dass sie legi­ti­me Wege wären, auf denen Gott die Men­schen aktiv zur Erlö­sung füh­ren wür­de. Eini­ge Frag­men­te natür­li­cher Wahr­heit oder ver­zerr­te Über­re­ste alter Wahr­hei­ten mögen zwar bei den Anhän­gern die­ser fal­schen Reli­gio­nen anzu­tref­fen sein. Nimmt man die­se Reli­gio­nen jedoch als sol­che und inso­fern, als sie ihrem Got­tes­dienst Irr­tum bei­mi­schen, sind sie das Werk des Bösen und kön­nen von Gott nicht gewollt sein. Der Hei­li­ge Geist bedient sich ihrer nicht als Wege zum Heil, und es fin­det sich in ihnen kei­ne der Tugen­den, die der ein­zi­gen Kir­che Chri­sti eigen sind, dem ein­zi­gen Licht, das jeden Men­schen in der Fin­ster­nis erleuchtet.

63.   Ich leh­ne dar­über hin­aus die Vor­stel­lung eines „anony­men Chri­sten­tums“ ab, wonach jeder Mensch, der ein ehr­ba­res Leben führt – sei er nun „gläu­big“, Athe­ist oder Agno­sti­ker –, auf Chri­stus aus­ge­rich­tet und somit durch ihn geret­tet sei, weil er „Christ“ sei, ohne es zu wissen.

64.   Schließ­lich beken­ne ich, dass der Alte Bund durch den Neu­en Bund erfüllt, über­wun­den und hin­fäl­lig gemacht wur­de: Der Neue Bund ist die Erfül­lung der Ver­hei­ßung an Abra­ham in Chri­stus und in sei­ner Kir­che. Die Vor­bil­der des alten Geset­zes haben ihre Erfül­lung und ihr Ende im Opfer des wah­ren Lam­mes gefun­den, des Mitt­lers des Neu­en Bun­des und des Prie­sters auf ewig nach der Ord­nung Mel­chise­deks. Nach dem ewi­gen Wil­len Got­tes ist Chri­stus die wah­re Nach­kom­men­schaft Abra­hams, zusam­men mit denen, die ihm in sei­nem mysti­schen Leib, der Kir­che, angehören.

65.   Ich leh­ne daher die neue Ekkle­sio­lo­gie ab, weil sie den mis­sio­na­ri­schen Elan zunich­te macht, indem sie die Ein­zig­ar­tig­keit der Kir­che, der ein­zi­gen Arche des Heils, relativiert.

66. Ich leh­ne auch jene Form der Inkul­tu­ra­ti­on ab, die als wahl­lo­se Über­nah­me reli­giö­ser, mora­li­scher oder sym­bo­li­scher Kate­go­rien heid­ni­scher Kul­tu­ren und ihrer Prak­ti­ken ver­stan­den wird. Das Evan­ge­li­um kann das über­neh­men, was bei den Völ­kern von Natur aus gut, wahr und edel ist; es darf nie­mals Göt­zen­dienst, Aber­glau­ben, Irr­tum oder dem Natur­ge­setz zuwi­der­lau­fen­de Sit­ten gut­hei­ßen. Die Sen­dung der Kir­che besteht nicht in end­lo­sem Dia­log, in huma­ni­tä­rer Zusam­men­ar­beit oder einer gegen­sei­ti­gen Aner­ken­nung reli­giö­ser Tra­di­tio­nen: Sie besteht in dem Befehl, den Chri­stus ihr erteilt hat, näm­lich alle Völ­ker zu unter­wei­sen, sie zu tau­fen, und sie zu leh­ren, alles zu befol­gen, was er gebo­ten hat.

VIII. Der Heilige Geist, Heiligmacher der Seelen und Seele der Kirche 

67.   Ich beken­ne, dass der Hei­li­ge Geist, die drit­te Per­son der Aller­hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit, zusam­men mit dem Vater und dem Sohn wah­rer Gott ist. Er hat durch die Pro­phe­ten gespro­chen, die Hei­li­ge Schrift inspi­riert, die Gerech­ten gehei­ligt und im jung­fräu­li­chen Schoß Mari­as die Mensch­heit des fleisch­ge­wor­de­nen Wor­tes geformt. Er wur­de zu Pfing­sten sicht­bar gesandt, um die Kir­che zu offen­ba­ren und bis zur Voll­endung der Zei­ten zu beleben.

68.   Ich glau­be, dass er, vom Vater und vom Sohn gesandt, gemäß der Ver­hei­ßung unse­res Herrn bis zum Ende der Zei­ten in der Kir­che ver­bleibt. Er ist die unge­schaf­fe­ne See­le der Kir­che, nicht als eine sub­stan­zi­el­le Form, die den Unter­schied zwi­schen Chri­stus und sei­nen Glie­dern auf­he­ben wür­de, son­dern als das unsicht­ba­re Prin­zip und die Wirk­ur­sa­che ihres über­na­tür­li­chen Lebens, ihrer Ein­heit im Glau­bens­be­kennt­nis und im Got­tes­dienst, der Hei­lig­keit ihrer Lei­tung und ihres Lehr­am­tes sowie ihrer Frucht­bar­keit in ihren Werken.

69.   Ich beken­ne, dass das gesam­te Leben der Kir­che von sei­nem Wir­ken abhängt. Er ist es, der das kirch­li­che Lehr­amt, ins­be­son­de­re das des Pap­stes, unter­stützt, auf dass es das geof­fen­bar­te Glau­bens­gut feh­ler­frei bewahrt, ver­kün­det und aus­legt: nicht, um neue Leh­ren zu erfin­den, son­dern um die Wahr­heit, die Gott bereits den Apo­steln geof­fen­bart hat, im glei­chen Sin­ne und in der­sel­ben Bedeu­tung tie­fer zu ergründen.

70.   Ich glau­be, dass er es ist, der den See­len in den Sakra­men­ten die vom Erlö­ser erwor­be­ne Gna­de mit­teilt, durch die­se Gna­de in ihnen wohnt und sie Chri­stus gleich­ge­stal­tet; er ist es, der den Ver­stand durch sei­ne Weis­heit erleuch­tet, den Wil­len durch sei­ne Kraft stärkt und sei­ne Lie­be in die Her­zen aus­gießt; er ist es, der zu guten Wer­ken anregt, die brü­der­li­che Lie­be weckt und die See­len zur Voll­kom­men­heit führt.

71.   Er ist es, der die Mär­ty­rer gestützt, die Kir­chen­leh­rer erleuch­tet, die Mis­sio­na­re ange­spornt, das kon­tem­pla­ti­ve Leben genährt, die Ordens­ge­mein­schaf­ten befruch­tet hat, und der die Hei­lig­keit in allen Lebens­stän­den erblü­hen ließ. Die gro­ßen Wer­ke der christ­li­chen Zivi­li­sa­ti­on, Früch­te der katho­li­schen Kul­tur, sind Zeug­nis die­ser stil­len, aber frucht­ba­ren Gegen­wart des Hei­li­gen Gei­stes in der Kir­che im Lau­fe der Jahrhunderte.

72.   Ich leh­ne daher jeg­li­ches Unter­fan­gen einer Beru­fung auf den Hei­li­gen Geist ab, um lehr­mä­ßi­ge Anpas­sun­gen, die im Wider­spruch zur Tra­di­ti­on ste­hen, mora­li­sche Umkeh­run­gen oder syn­oda­le Ver­fah­ren zu recht­fer­ti­gen, durch die das, was die Kir­che von Gott emp­fan­gen hat, zur Dis­kus­si­on frei­ge­ge­ben wird. Der Geist der Wahr­heit kann heu­te nicht das Gegen­teil des­sen inspi­rie­ren, was er gestern inspi­riert hat. Er for­dert die Kir­che nicht dazu auf, der Welt zuzu­hö­ren, um sich von ihren Bedürf­nis­sen inspi­rie­ren zu las­sen; viel­mehr spornt er sie dazu an, die Welt zu unter­wei­sen, sie zu bekeh­ren und zu hei­li­gen. Sein Werk besteht weder dar­in, anar­chi­sche Ein­ge­bun­gen zu wecken, noch dar­in, lehr­mä­ßi­ge Krea­ti­vi­tät zu för­dern, noch dar­in, das geist­li­che Leben auf die Suche nach außer­ge­wöhn­li­chen cha­ris­ma­ti­schen Phä­no­me­nen zu grün­den. Sein Werk besteht viel­mehr dar­in, die See­len zu füh­ren, indem er ihren Glau­ben erleuch­tet und sie gegen ihre geist­li­chen Fein­de ver­tei­digt, um in ihnen das Werk ihrer Erlö­sung zu voll­enden und sie ins Licht der Ewig­keit zu führen. 

IX. Der Papst, das Bischofsamt und die hierarchische Verfassung der Kirche

73.   Ich aner­ken­ne im Papst den Nach­fol­ger des hei­li­gen Petrus, den Stell­ver­tre­ter Jesu Chri­sti, den ober­sten und uni­ver­sel­len Hir­ten, das sicht­ba­re Ober­haupt der gesam­ten Kir­che, der durch gött­li­che Ein­set­zung eine wah­re und eigent­li­che, höch­ste, unein­ge­schränk­te, unmit­tel­ba­re und uni­ver­sel­le Juris­dik­ti­ons­ge­walt über alle Hir­ten und alle getauf­ten Gläu­bi­gen in der Kir­che besitzt.

74.   Ich glau­be, dass die­se Auto­ri­tät ihm nicht ver­mit­tels einer Beauf­tra­gung durch die Gemein­schaft zuteil wird, dass sie viel­mehr direkt von Chri­stus selbst stammt, der die­ses Amt zur Bewah­rung der Glau­bens­leh­re, zur Hei­li­gung der See­len und zur Lei­tung der Kir­che ein­ge­rich­tet hat.

75.   Ich erken­ne an, dass ihm auf­grund die­ser beson­de­ren und wah­ren Voll­macht die Hir­ten und Gläu­bi­gen in allem, was die recht­mä­ßi­ge Aus­übung sei­nes Amtes betrifft, Respekt und kind­li­chen Gehor­sam schul­den. So bil­det die Kir­che Chri­sti, solan­ge die Ein­heit der Gemein­schaft mit dem Papst und die Ein­heit des Bekennt­nis­ses zum sel­ben Glau­ben gewahrt blei­ben, eine ein­zi­ge Her­de unter einem ein­zi­gen ober­sten Hirten.

76.   Ich erken­ne eben­falls an, dass die Bischö­fe die Nach­fol­ger der Apo­stel sind, was sie zu wah­ren Hir­ten gött­li­chen Rechts macht, die in der Kir­che kraft des Wil­lens Chri­sti eine beson­de­re und unter­ge­ord­ne­te Juris­dik­ti­on besit­zen, wel­che sie unmit­tel­bar vom Papst erhal­ten. In der Unter­ord­nung unter des­sen höch­ste Auto­ri­tät mit dem Papst ver­eint, üben sie recht­mä­ßig ihre eige­ne Auto­ri­tät in ihren jewei­li­gen Diö­ze­sen aus, wie es der Hei­li­ge Geist in der von Chri­stus gewoll­ten hier­ar­chi­schen Ord­nung fest­ge­legt hat.

77.   Ich erken­ne fer­ner an, dass das Bischofs­kol­le­gi­um, ver­eint mit sei­nem Ober­haupt, dem Papst, nie­mals jedoch ohne die­ses Ober­haupt, das außer­or­dent­li­che und nicht stän­di­ge Sub­jekt einer umfas­sen­den und höch­sten Voll­macht über die Welt­kir­che sein kann, dass dies jedoch nur im Rah­men eines öku­me­ni­schen Kon­zils geschieht, auf Initia­ti­ve und Anord­nung des Pap­stes allein und inner­halb der Gren­zen sei­nes aus­schließ­li­chen Willens.

78.   Daher leh­ne ich die kol­le­gia­li­sti­sche Vor­stel­lung ab, die das Bischofs­kol­le­gi­um zu einer dau­er­haf­ten juri­sti­schen Per­son inner­halb der Kir­che oder zu einem zwei­ten, vom Nach­fol­ger Petri unter­schie­de­nen Trä­ger der höch­sten Gewalt machen wür­den. Die mon­ar­chi­sche Ver­fas­sung der Kir­che ist gött­li­cher Her­kunft und unan­tast­bar, und dies wird bis zum Ende der Zei­ten so blei­ben, denn nie­mand kann das Amt neu defi­nie­ren, das Chri­stus selbst dem Petrus in sei­ner Kir­che über­tra­gen hat.

79.   Eben­so leh­ne ich die syn­oda­len Kon­zep­te ab, die dar­auf abzie­len, die hier­ar­chi­sche Kir­che in eine bera­ten­de, par­la­men­ta­ri­sche oder demo­kra­ti­sche Struk­tur umzu­wan­deln, wel­che den wech­seln­den Mei­nun­gen des christ­li­chen Vol­kes oder dem Druck der Welt unter­wor­fen ist. Das kol­lek­ti­ve Gewis­sen der Gläu­bi­gen, pasto­ra­le Umfra­gen, kul­tu­rel­le Sen­si­bi­li­tä­ten und die Erwar­tun­gen der Welt sind kei­ne Offen­ba­rungs­quel­len. Das legi­ti­me Hören auf die See­len darf nie­mals zu einer stän­di­gen Anpas­sung des kirch­li­chen Lebens, ihrer Leh­re und ihrer gött­li­chen Ver­fas­sung an den Geist der Welt wer­den, unter dem Vor­wand, den „sen­sus fidei“ des Vol­kes Got­tes auszulegen.

X. Das Lehramt als Hüter des geoffenbarten Glaubensgutes

80.   Ich glau­be, dass der Papst Unfehl­bar­keit genießt, wenn er ex cathe­dra spricht, das heißt, wenn er in Aus­übung sei­nes Amtes als Hir­te und Leh­rer aller Chri­sten kraft sei­ner höch­sten apo­sto­li­schen Auto­ri­tät fest­legt, dass eine Leh­re über den Glau­ben oder die Sit­ten von der Welt­kir­che anzu­neh­men ist.

81.   Ich beken­ne fer­ner, dass die Lehr­au­tori­tät in der Kir­che im Wesent­li­chen auf die Bewah­rung des geof­fen­bar­ten Glau­bens­gu­tes und damit auf das Heil der See­len aus­ge­rich­tet ist. Der Hei­li­ge Geist wur­de den Nach­fol­gern Petri nicht ver­spro­chen, damit sie eine neue Leh­re ver­kün­den, son­dern damit sie das von den Apo­steln über­lie­fer­te Glau­bens­gut hei­lig bewah­ren und getreu darlegen.

82.   Des­halb darf das heu­ti­ge Lehr­amt dem frü­he­ren Lehr­amt in ent­schei­den­den Inhal­ten nicht wider­spre­chen. Das leben­di­ge Lehr­amt ist nicht die aktua­li­sier­te Ver­kün­di­gung im Gegen­satz zur ver­gan­ge­nen Ver­kün­di­gung; es ist die kon­ti­nu­ier­li­che, unun­ter­bro­che­ne Ver­kün­di­gung ein und der­sel­ben Bedeu­tung von ein und der­sel­ben Glau­bens­wahr­heit im Lau­fe der Jahr­hun­der­te. Der Papst und die Bischö­fe sind nicht die Her­ren der Offen­ba­rung; sie sind deren Wäch­ter und ihr unter­wor­fen, so wie der Schü­ler dem Lehr­mei­ster unter­wor­fen ist. Sie dür­fen weder den Glau­ben noch die gött­li­che Ver­fas­sung der Kir­che ver­än­dern, und sie dür­fen nichts gut­hei­ßen, was dem Gesetz Got­tes widerspricht.

83.   Ich leh­ne daher jedes evo­lu­tio­nä­re Ver­ständ­nis des Dog­mas ab, dem­zu­fol­ge die geof­fen­bar­ten Wahr­hei­ten im Lau­fe der Geschich­te ihre Bedeu­tung ändern wür­den. Inner­halb der Kir­che kann es zwar ein homo­ge­nes Fort­schrei­ten im Ver­ste­hen geben, durch wel­ches der Sinn der geof­fen­bar­ten Wahr­heit bes­ser, kla­rer und deut­li­cher erkannt wird, nie­mals jedoch eine Ver­än­de­rung des Sinns die­ser Wahr­heit. Was vom leben­di­gen Lehr­amt der unter­wei­sen­den Kir­che bereits gelehrt und im Glau­bens­be­kennt­nis der unter­wie­se­nen Kir­che bereits geglaubt wur­de, kann nicht falsch wer­den; was als glau­bens­wid­rig ver­ur­teilt wur­de, kann nicht rich­tig wer­den; was zur gött­li­chen Ver­fas­sung der Kir­che gehört, kann nicht nach den Maß­stä­ben der moder­nen Welt oder dem histo­risch-kul­tu­rel­len Kon­text umge­stal­tet werden.

84.   Ich leh­ne daher die Vor­stel­lung eines neu­en Lehr­am­tes ab, das sich auf die Gegen­wart beruft, um Leh­ren durch­zu­set­zen, die der bestän­di­gen Tra­di­ti­on wider­spre­chen oder ihr fremd sind. Eben­so leh­ne ich die künst­li­che Gegen­über­stel­lung zwi­schen dem Lehr­amt von gestern und dem Lehr­amt von heu­te ab, als ob das ein­zi­ge leben­di­ge Lehr­amt der Braut Chri­sti das der Gegen­wart wäre und unter dem Vor­wand, es bes­ser anzu­pas­sen, das nicht mehr aner­ken­nen könn­te, was die Kir­che seit der Zeit der Apo­stel stets gelehrt, geglaubt und ver­ur­teilt hat.

85.   Ich ver­tre­te die Auf­fas­sung, dass das Lehr­amt der Kir­che – unter Wah­rung der legi­ti­men For­schungs- und Mei­nungs­frei­heit der Theo­lo­gen in Bezug auf offe­ne oder umstrit­te­ne Lehr­fra­gen – die legi­ti­me Pflicht hat, eine Kon­trol­le und gege­be­nen­falls eine Zen­sur über Ver­öf­fent­li­chun­gen aus­zu­üben, um zu ver­hin­dern, dass die­se den Glau­ben der Gläu­bi­gen gefähr­den. Ich wei­se daher den Vor­wurf zurück, die hei­li­ge Kir­che habe es an Näch­sten­lie­be man­geln las­sen, indem sie Häre­si­en mit dem Bann belegt und Häre­ti­ker exkom­mu­ni­ziert habe.

86.   Ich leh­ne außer­dem den im Gei­ste des letz­ten Kon­zils ein­ge­führ­ten stän­di­gen Dia­log ab, durch den die Hier­ar­chie dar­auf ver­zich­tet, ein ech­tes Lehr­amt aus­zu­üben, und vor­gibt, bald ihre Inspi­ra­ti­on aus dem „Glau­bens­sinn“ des gläu­bi­gen Vol­kes zu bezie­hen, bald auf Augen­hö­he mit den Anhän­gern fal­scher Reli­gio­nen oder sogar mit Ungläu­bi­gen zu diskutieren.

87.   Schließ­lich leh­ne ich die sub­jek­ti­vi­sti­sche Auf­fas­sung eines theo­lo­gi­schen Plu­ra­lis­mus ab, die sich aus einer sol­chen Zurück­nah­me der Lehr­au­tori­tät ergibt. Ich bin der Ansicht, dass die Kir­che kei­ne Gemein­schaft ist, die sich in einem stän­di­gen Such­pro­zess befin­det, dass sie viel­mehr die Hüte­rin einer von Gott geof­fen­bar­ten und von den Apo­steln wei­ter­ge­ge­be­nen Wahr­heit ist und dass ihr authen­ti­sches Lehr­amt, das im Lau­fe aller Jahr­hun­der­te die unun­ter­bro­che­ne Wei­ter­ga­be des geof­fen­bar­ten Glau­bens­gu­tes gewähr­lei­stet, die unmit­tel­ba­re und all­ge­mei­ne Richt­schnur der Wahr­heit in Fra­gen des Glau­bens und der Sit­ten ist.

XI. Die moralische Ordnung und das Gesetz Gottes

88.   Ich beken­ne, dass es eine mora­li­sche Ord­nung gibt, die in der ewi­gen Weis­heit Got­tes begrün­det ist. Mensch­li­che Hand­lun­gen sind gut oder böse, je nach­dem, ob sie mit dem gött­li­chen, hei­li­gen und unver­än­der­li­chen Gesetz über­ein­stim­men oder ihm wider­spre­chen. Indi­vi­du­el­le Mei­nun­gen, gesell­schaft­li­cher Kon­sens, sub­jek­ti­ve Absich­ten und histo­ri­sche Umstän­de kön­nen den unver­än­der­li­chen Wert die­ser Grund­sät­ze der christ­li­chen Moral nicht ändern.

89.   Aus der uner­mess­li­chen Güte, mit der Gott den Men­schen in die über­na­tür­li­che Ord­nung erho­ben hat, folgt, dass der Mensch nur ein ein­zi­ges, über­na­tür­li­ches End­ziel hat, auf das er nach Got­tes Plan auch nach dem Sün­den­fall wei­ter­hin aus­ge­rich­tet bleibt. Die­ses über­na­tür­li­che End­ziel umfasst, erhebt und ver­voll­komm­net das End­ziel der natür­li­chen Ord­nung des Menschen.

90.   Das Natur­ge­setz, das Gott in die Natur des Men­schen ein­ge­schrie­ben hat, bleibt durch die rech­te Ver­nunft erkenn­bar und ist für alle Men­schen ver­bind­lich. Das geof­fen­bar­te posi­ti­ve Gesetz über­na­tür­li­cher Ord­nung bestä­tigt das Natur­ge­setz, erhebt es und prä­zi­siert es, indem es dar­über hin­aus­geht. Es besteht also kein Wider­spruch zwi­schen dem Gesetz des Evan­ge­li­ums und dem Natur­ge­setz; im Gegen­teil: Die Gna­de schenkt dem Men­schen die Kraft, den jewei­li­gen Anfor­de­run­gen auf über­na­tür­li­che Wei­se treu zu blei­ben und so jene Frei­heit der Kin­der Got­tes zu genie­ßen, durch die er, von der Macht der Sün­de befreit, sei­nem end­gül­ti­gen Ziel ent­ge­gen­stre­ben kann.

91.   Ich leh­ne daher die Situa­ti­ons­ethik ab, wonach kon­kre­te Umstän­de Hand­lun­gen, die grund­sätz­lich schlecht sind, gut machen könn­ten. Ins­be­son­de­re bin ich der Ansicht, dass kein Umstand jemals den Ein­satz von Ver­hü­tung, Abtrei­bung und Ster­be­hil­fe recht­fer­ti­gen kann. Ich leh­ne jede Leh­re ab, die behaup­tet, ein Ver­hal­ten, das objek­tiv den Gebo­ten Got­tes wider­spricht, kön­ne für man­che die groß­her­zi­ge Ant­wort dar­stel­len, die Gott jetzt gera­de ver­langt. Gott gebie­tet nie­mals Sün­de oder das Unmög­li­che; er seg­net nie­mals mora­li­sche Unord­nung und recht­fer­tigt nie­mals das, was dem von ihm for­mu­lier­ten Gesetz wider­spricht; dem­je­ni­gen jedoch, der sein Mög­lich­stes tut, ver­wei­gert er nie­mals sei­ne Gna­de, damit die­ser sei­ne Gebo­te hal­ten kann.

92.   Ich unter­strei­che, dass Ver­bin­dun­gen, die ehe­bre­che­risch oder gegen die Natur sind, sowie alle öffent­li­chen, dem gött­li­chen Gesetz zuwi­der­lau­fen­den Situa­tio­nen nicht als unvoll­kom­me­ne Güter, als Gaben Got­tes, als posi­ti­ve Schrit­te oder als Rea­li­tä­ten gel­ten kön­nen, die als sol­che geseg­net wer­den dürf­ten. Eine sol­che irre­füh­ren­de Dar­stel­lung ver­fälscht in schwer­wie­gen­der Wei­se die Grund­sät­ze der christ­li­chen Moral und scha­det der hei­li­gen Insti­tu­ti­on der Ehe sowie dem Wohl der Familien.

93.   Ich leh­ne daher den Stand­punkt, die­je­ni­gen zu den Sakra­men­ten und ins­be­son­de­re zum Emp­fang der aller­hei­lig­sten Eucha­ri­stie zuzu­las­sen, die öffent­lich in sol­chen Zustän­den ver­har­ren, ohne von die­ser ihrer Lebens­wei­se abzu­rücken, als unver­ein­bar mit dem Glau­ben und der bestän­di­gen Leh­re der Kir­che ab. Wah­re Barm­her­zig­keit ruft den Sün­der zur Umkehr auf und bil­ligt nicht unter dem Vor­wand seel­sor­ge­ri­scher Beglei­tung oder der Unter­schei­dung beson­de­rer Situa­tio­nen die Sünde.

94.   Eben­so leh­ne ich die moder­ne Tren­nung zwi­schen Leh­re und Seel­sor­ge ab. Eine Seel­sor­ge, die der Leh­re wider­spricht, ist kei­ne Seel­sor­ge; sie führt die See­len in die Irre. Näch­sten­lie­be besteht nicht dar­in, die Wahr­heit zu ver­schwei­gen, um Leid zu ver­mei­den; son­dern mit Wohl­wol­len die Wahr­heit zu sagen, um den Weg zum Heil zu wei­sen. Die Arz­nei der Kir­che kann nur hei­len, indem sie das Übel benennt, indem sie zu Buß­fer­tig­keit auf­ruft und die Gna­den­mit­tel anbietet.

95.   Schließ­lich beken­ne ich, dass Gott nicht nur Urhe­ber und Ziel der mora­li­schen Ord­nung ist, son­dern auch ihr Hüter, ihr Rich­ter und der höch­ste Ver­gel­ter des Guten und des Bösen. Das Ver­ges­sen des gött­li­chen Gerichts führt zu einer fal­schen Barm­her­zig­keit, die sen­ti­men­tal und macht­los ist und kei­nen Men­schen ret­tet, weil sie kei­nen Men­schen bekehrt.

XII. Das soziale Königtum Christi und die christliche Zivilisation

96.   Ich beken­ne, dass die Aller­hei­lig­ste Drei­fal­tig­keit nicht nur von jedem ein­zel­nen Men­schen, son­dern auch von Fami­li­en, Insti­tu­tio­nen und staat­li­chen Gemein­schaf­ten aner­kannt und ver­ehrt wer­den kann und muss. Kei­ne mensch­li­che Auto­ri­tät ist unab­hän­gig von Gott, denn jede Auto­ri­tät geht von ihm aus und muss im Ein­klang mit dem ewi­gen Gesetz aus­ge­übt werden.

97.   Ich beken­ne, dass die staat­li­chen Gemein­schaf­ten eben­so wie die ein­zel­nen Men­schen die Pflicht haben, die­sen ein­zi­gen wah­ren Gott, näm­lich Jesus Chri­stus, das fleisch­ge­wor­de­ne Wort und die zwei­te Per­son der Hei­li­gen Drei­fal­tig­keit, anzu­er­ken­nen und zu ehren und ihm in der wah­ren, von ihm geof­fen­bar­ten und ein­ge­setz­ten Reli­gi­on die ihm gebüh­ren­de Ver­eh­rung zu erweisen.

98.   Ich beken­ne, dass die Auto­ri­tä­ten, die die­se Gemein­schaf­ten regie­ren, das Gemein­wohl gewähr­lei­sten müs­sen, indem sie sich an das dop­pel­te gött­li­che Gesetz – das natür­li­che und das geof­fen­bar­te – hal­ten. Die Aus­übung der Frei­heit besteht nicht dar­in, allen Lau­nen der Begier­de frei­en Lauf zu las­sen, son­dern dar­in, die beste Art und Wei­se zu wäh­len, die Güter die­ser Welt im Hin­blick auf das ewi­ge Heil zu nutzen.

99.   Daher leh­ne ich den moder­nen Lai­zis­mus ab, der den Anspruch erhebt, die Gesell­schaft so zu gestal­ten, als gäbe es Gott nicht. Die öffent­li­che Wei­ge­rung, Gott als höch­sten Herrn anzu­er­ken­nen, ist kei­ne Neu­tra­li­tät, son­dern eine sozia­le Unge­rech­tig­keit gegen­über dem Schöp­fer und eine Haupt­ur­sa­che für Unord­nung unter den Völ­kern. Denn eine Gesell­schaft, die Gott die ihm gebüh­ren­de Ehre ver­wei­gert, zer­stört nach und nach die Grund­la­gen ihrer eige­nen Gerech­tig­keit: Sie trennt das Men­schen­ge­setz von sei­ner ewi­gen Quel­le und über­lässt die Völ­ker dem wech­sel­haf­ten Wil­len des gefal­le­nen Menschen.

100. Ich beken­ne, dass unser Herr Jesus Chri­stus, da er das fleisch­ge­wor­de­ne Wort ist und die Men­schen durch sein Blut erlöst hat, nicht nur König der Indi­vi­du­en, son­dern auch König der Fami­li­en, der Insti­tu­tio­nen, der Völ­ker und der Natio­nen ist. Ihm ist alle Macht im Him­mel und auf Erden gege­ben: Sei­ne Herr­schaft beschränkt sich nicht auf das indi­vi­du­el­le Gewis­sen oder auf die Pri­vat­sphä­re; sie muss sich auch auf die Geset­ze, die Sit­ten, die Erzie­hung, die Kul­tur und das öffent­li­che Leben erstrecken. Sein Reich ist ewig und all­um­fas­send: ein Reich der Wahr­heit und des Lebens, ein Reich der Hei­lig­keit und der Gna­de, ein Reich der Gerech­tig­keit, der Lie­be und des Friedens.

101. Ich beken­ne, dass die bür­ger­li­che Gesell­schaft, obwohl sie in ihrer Ord­nung voll­kom­men ist, nicht über alle not­wen­di­gen Mit­tel ver­fügt, um den Men­schen zu sei­ner wah­ren Voll­kom­men­heit zu füh­ren, wel­che der gefal­le­nen mensch­li­chen Natur ohne die Hil­fe der hei­len­den und auf­rich­ten­den Gna­de unzu­gäng­lich bleibt.

102. Des­halb bekräf­ti­ge ich, dass die­je­ni­gen, die die Gesell­schaft lei­ten, sich dem heil­sa­men Ein­fluss der Kir­che unter­wer­fen müs­sen, die durch ihr Lehr­amt den Ver­stand erleuch­tet, durch die Gna­de der Sakra­men­te den Wil­len heilt und stärkt und den Men­schen zu sei­ner wah­ren über­na­tür­li­chen Bestim­mung führt, deren Hüte­rin sie ist. Das Wohl der Gesell­schaft erfor­dert daher, dass die Staats­ober­häup­ter ihr Recht und ihre Pflicht aner­ken­nen, die hei­li­ge Kir­che zu för­dern und zu schüt­zen sowie durch die Geset­ze ihrer Regie­rung allem ent­ge­gen­zu­tre­ten, was ihrem not­wen­di­gen Ein­fluss – dem Ein­fluss der ein­zig wah­ren Reli­gi­on – im Wege ste­hen würde.

103. Ich leh­ne daher den poli­ti­schen und reli­giö­sen Libe­ra­lis­mus ab: nicht nur jenen, der für den Irr­tum die­sel­ben Rech­te bean­sprucht wie für die Wahr­heit und für fal­sche Kul­te die­sel­be offi­zi­el­le und öffent­li­che Aner­ken­nung wie für den wah­ren; son­dern auch jenen, der im Namen der Men­schen­wür­de und einer falsch ver­stan­de­nen Reli­gi­ons­frei­heit jedem das Recht zuspricht, öffent­lich nach sei­nem Gewis­sen zu han­deln, ohne von der staat­li­chen Gewalt dar­an gehin­dert zu wer­den, selbst wenn die­ses Gewis­sen irrt und dem Gemein­wohl oder der wah­ren Reli­gi­on entgegensteht.

104. Ich räu­me ein, dass der Irr­tum in bestimm­ten Fäl­len tole­riert wer­den kann, um grö­ße­res Unheil abzu­wen­den oder das über­ge­ord­ne­te Gut des bür­ger­li­chen Frie­dens zu wah­ren. Doch ich bekräf­ti­ge, dass er an sich kein mora­li­sches Recht besitzt, in glei­cher Wei­se wie die Wahr­heit ver­tei­digt oder geför­dert zu wer­den, und erst recht nicht, im Namen einer fal­schen Gewis­sens­frei­heit jeg­li­cher Ein­schrän­kung ent­zo­gen zu sein.

105. Ich bin zudem der Ansicht, dass, auch wenn der Mensch eine onto­lo­gi­sche Wür­de besitzt, die ihn über die mate­ri­el­len Wesen erhebt, die zu ach­ten­de Men­schen­wür­de nicht unab­hän­gig ist von dem Wah­ren und Fal­schen, zu dem sich die Men­schen beken­nen, noch von dem Guten und Bösen, das sie tun: Wer sich zum Fal­schen bekennt oder Böses tut, büßt sei­ne mora­li­sche Wür­de ein. Des­halb ver­letzt die legi­ti­me Auto­ri­tät in kei­ner Wei­se die Men­schen­wür­de, wenn sie zur Ver­tei­di­gung des Gemein­wohls gegen schwer­wie­gen­de Unru­hen Ver­bre­chen gemäß den Anfor­de­run­gen der Gerech­tig­keit mit ange­mes­se­nen Stra­fen ahndet.

106. Ich leh­ne auch die moder­ne Form des Per­so­na­lis­mus ab, wel­che der Kir­che die Auf­ga­be zuwei­sen möch­te, die Wür­de der mensch­li­chen Per­son zu wah­ren und eine uni­ver­sel­le Brü­der­lich­keit auf der Grund­la­ge die­ser angeb­lich der gesam­ten Mensch­heit gemein­sa­men Wür­de zu errich­ten – ohne dabei zu unter­schei­den zwi­schen einer­seits der wah­ren Wür­de des Chri­sten, der der Sün­de ent­sagt, um gemäß der Moral des Evan­ge­li­ums in der katho­li­schen Kir­che zu leben; und ande­rer­seits der fal­schen Wür­de derer, die in ihrem Irr­tum und Laster den Weg des Heils ablehnen.

107. Ich ver­ur­tei­le die dar­aus resul­tie­ren­de Ver­fäl­schung, die dar­auf abzielt, die Kir­che, wenn schon nicht zur Die­ne­rin, so doch zumin­dest zur Mit­wir­ken­den der Welt bei der Ver­wirk­li­chung von deren eige­nem Ide­al zu machen: dem Ide­al eines rein irdi­schen und welt­li­chen Frie­dens, der auf einer natu­ra­li­sti­schen Ver­voll­komm­nung der Mensch­heit ohne über­na­tür­li­che Per­spek­ti­ve beruht. Die­ses Ide­al för­dert die Unab­hän­gig­keit des Men­schen von Gott, von sei­nem Gesetz, von der Wahr­heit und vom Guten; es impli­ziert die Ver­ach­tung der sozia­len Herr­schaft Chri­sti und des Chri­sten­tums; und es führt schließ­lich zum Athe­is­mus und zur Erset­zung Got­tes durch den Menschen.

108. Ich leh­ne auch das moder­ne Vor­ur­teil ab, wel­ches die christ­li­che Zivi­li­sa­ti­on als unter­drücke­risch, obsku­ran­ti­stisch oder als Feind der Men­schen­wür­de dar­stellt. Die christ­li­che Ord­nung zer­stört kei­nes­wegs das Gute in den ver­schie­de­nen Kul­tu­ren, son­dern nimmt es auf und läu­tert es. So hat sich aus­ge­hend von der geof­fen­bar­ten Leh­re und durch den Ein­fluss der katho­li­schen Theo­lo­gie, ins­be­son­de­re der des hei­li­gen Tho­mas von Aquin, des all­ge­mei­nen Kir­chen­leh­rers, unter der Auf­sicht des Lehr­am­tes eine ech­te christ­li­che Kul­tur von uni­ver­sel­ler Trag­wei­te her­aus­ge­bil­det, die die besten Ele­men­te der grie­chi­schen und latei­ni­schen Kul­tur in sich ver­eint. Als authen­ti­sche Frucht des Evan­ge­li­ums trug sie dazu bei, die Völ­ker zu bil­den und sie im Glau­ben und in den christ­li­chen Tugen­den wach­sen zu las­sen. Auch wenn sie nie­mals voll­kom­men war – da die Men­schen stets Sün­der blei­ben –, war die­se Zivi­li­sa­ti­on den­noch in der Geschich­te die höch­ste Ver­wirk­li­chung der christ­li­chen Gesellschaftsordnung.

109. Umge­kehrt hat die moder­ne Ableh­nung der Königs­herr­schaft Chri­sti über die Gesell­schaft zu einem Rück­gang der Zivi­li­sa­ti­on geführt: durch die Säku­la­ri­sie­rung der Insti­tu­tio­nen, die Auf­lö­sung der Ehe, die Zer­set­zung der Auto­ri­tät, eine Erzie­hung ohne Gott, die Tyran­nei der Lei­den­schaf­ten und das all­mäh­li­che Ver­schwin­den des Opfer­gei­stes in den ehe­mals katho­li­schen Natio­nen. Gegen die­se öffent­li­che Apo­sta­sie beken­nen wir, dass alles in Chri­stus wie­der­her­ge­stellt wer­den muss, der der ein­zi­ge Hei­li­ge und durch sei­nen mysti­schen Leib der ein­zi­ge Hei­lig­ma­cher der See­len und Völ­ker ist.

XIII. Die Sakramente des Neuen Bundes

110. Ich glau­be, dass es sie­ben wah­re Sakra­men­te des Neu­en Bun­des gibt, die von unse­rem Herrn Jesus Chri­stus ein­ge­setzt wur­den, um die Gna­de, die sie sym­bo­li­sie­ren, wirk­sam zu ver­mit­teln: die Tau­fe, die Fir­mung, die Eucha­ri­stie, die Buße, die Letz­te Ölung, die Prie­ster­wei­he und die Ehe.

111. Ich beken­ne, dass die Sakra­men­te gül­tig gefei­ert wer­den müs­sen, unter Ein­hal­tung der vor­ge­schrie­be­nen Mate­rie, Form und Inten­ti­on sowie unter Beach­tung der lit­ur­gi­schen Riten, die den katho­li­schen Glau­ben deut­lich zum Aus­druck brin­gen; und dass sie mit der erfor­der­li­chen Gesin­nung emp­fan­gen wer­den müssen. 

112. Ich glau­be, dass die Tau­fe das Tor zur Kir­che ist und dass sie für das Heil not­wen­dig ist. Im All­ge­mei­nen kann nie­mand geret­tet wer­den, ohne sie emp­fan­gen zu haben; durch die­ses Sakra­ment wird der Mensch von der Erb­sün­de gerei­nigt, in Chri­stus ein­ge­glie­dert, mit dem christ­li­chen Prä­ge­mal ver­se­hen und zum Mit­glied der Kir­che gemacht. Des­halb leh­ne ich die Pra­xis ab, die Tau­fe von Kin­dern, die noch nicht im Stand der Ver­nunft sind, ohne schwer­wie­gen­den Grund auf­zu­schie­ben. Wer jedoch nach Errei­chen des Alters der Ver­nunft und ohne eige­nes Ver­schul­den dar­an gehin­dert ist, die­ses Sakra­ment zu emp­fan­gen, kann auf außer­or­dent­li­che Wei­se durch die Begier­de­tau­fe geret­tet wer­den, d. h. durch einen über­na­tür­li­chen Akt des Glau­bens und der voll­kom­me­nen Lie­be, der ihn auf die Kir­che hinordnet. 

113. Ich beken­ne, dass die Fir­mung den Getauf­ten durch die Gabe des Hei­li­gen Gei­stes stärkt, damit er den Glau­ben mutig beken­ne, den Fein­den des Heils wider­ste­he und als Zeu­ge Chri­sti lebe. In einer Zeit der Ver­wir­rung ist die­se über­na­tür­li­che Kraft beson­ders not­wen­dig, denn nie­mand kann ohne Kampf den Glau­ben bewahren.

114. Ich beken­ne, dass die Buße die nach der Tau­fe began­ge­nen Sün­den tilgt, und zwar durch die Hand­lun­gen des Büßers, näm­lich Reue, Beich­te und Genug­tu­ung. Ich leh­ne ent­schie­den jede Seel­sor­ge ab, die das Sün­den­be­wusst­sein schwächt, die Not­wen­dig­keit der sakra­men­ta­len Beich­te her­un­ter­spielt oder die Genug­tu­ung auf einen blo­ßen Akt der Wie­der­gut­ma­chung gegen­über sich selbst oder ande­ren redu­ziert, ohne Bezug­nah­me auf die gegen Gott began­ge­ne Verfehlung. 

115. Ich beken­ne, dass die Letz­te Ölung die Kran­ken trö­stet und stärkt, gege­be­nen­falls die Sün­den erlässt, in hohem Maße dazu bei­trägt, die durch die Sün­de ver­dien­te Stra­fe zu til­gen, und die christ­li­che See­le dar­auf vor­be­rei­tet, vor Gott zu erscheinen.

116. Ich bekräf­ti­ge, dass die Ehe die bestän­di­ge und unauf­lös­li­che Ver­bin­dung zwi­schen einem Mann und einer Frau ist, die von Chri­stus unter den Getauf­ten zur Wür­de eines Sakra­ments erho­ben wur­de. Der Zweck die­ser von Gott, dem Schöp­fer der Natur, fest­ge­leg­ten Ver­bin­dung ist zwei­fach: zum einen die Zeu­gung und Erzie­hung von Kin­dern, die den Erst- und Haupt­zweck der Ehe dar­stel­len; zum ande­ren die gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung der Ehe­gat­ten und die Beherr­schung der Begier­de, die sekun­dä­re, aber den­noch ech­te und wesent­li­che Zwecke der Ehe, jedoch natur­ge­mäß dem ersten unter­ge­ord­net sind.

117. Ich leh­ne daher jede Leh­re ab, die ehe­wid­ri­ge Lebens­ge­mein­schaf­ten als ech­te, wenn auch unvoll­kom­me­ne Teil­ha­be an der Ehe betrach­tet; oder die, indem sie die Ehe allein anhand der Lie­be der Ehe­part­ner defi­nie­ren will, die Hier­ar­chie der Ehe­zwecke zer­stört und damit Gefahr läuft, die Schei­dung, die Wei­ge­rung, Kin­der zu bekom­men, und somit die Emp­fäng­nis­ver­hü­tung zu legi­ti­mie­ren, die doch dem Natur­recht widerspricht.

118. Ich beken­ne, dass das Sakra­ment der Wei­he dem Emp­fän­ger den prie­ster­li­chen Cha­rak­ter ein­prägt, der ihn Chri­stus, dem Prie­ster, angleicht, und dass kei­ne Frau die­ses Sakra­ment emp­fan­gen kann, auf wel­cher Stu­fe auch immer. Durch die Wei­he erhält der Prie­ster die Voll­macht, das Opfer des Hei­les für die Leben­den und die Toten dar­zu­brin­gen, Sün­den zu ver­ge­ben und die Gläu­bi­gen zu hei­li­gen. Ich wei­se somit jede Ver­mi­schung zwi­schen dem Prie­ster­tum im wah­ren und eigent­li­chen Sinn der Die­ner Chri­sti und dem all­ge­mei­nen Prie­ster­tum der Gläu­bi­gen zurück, das im unei­gent­li­chen Sinn so genannt wird, zurück: Die Gläu­bi­gen opfern in gei­sti­ger Wei­se mit dem Prie­ster und durch den Prie­ster; aber nur der ord­nungs­ge­mäß geweih­te Prie­ster voll­zieht und opfert das Opfer sakra­men­tal in der Per­son Christi.

XIV. Das heilige Messopfer, die heilige Eucharistie und die katholische Liturgie

119. Ich beken­ne, dass die Mes­se ein Opfer im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes ist. Sie ist nicht nur ein Gedächt­nis des Abend­mahls oder der Pas­si­on. Wenn sie von einem ord­nungs­ge­mäß geweih­ten Prie­ster zele­briert wird, stellt sie sakra­men­tal das ein­ma­li­ge Opfer von Gol­ga­tha dar und erneu­ert es auf unblu­ti­ge Wei­se, ohne es dabei zu ver­viel­fa­chen. Das Opfer ist das­sel­be, der Haupt­prie­ster ist der­sel­be, nur die Art der Dar­brin­gung unter­schei­det sich.

120. In der Mes­se und durch das Wir­ken sei­nes Die­ners bringt sich unser Herr Jesus Chri­stus sei­nem Vater als Opfer der Anbe­tung, der Dank­sa­gung, der Süh­ne und der Für­bit­te dar. Indem sich die Kir­che die­sem Han­deln Chri­sti, das iden­tisch mit dem des zele­brie­ren­den Prie­sters ist, anschließt, erweist sie Gott den voll­kom­me­nen Got­tes­dienst, der ihm gebührt, und wen­det die Ver­dien­ste des Kreu­zes­op­fers den See­len der Leben­den und der Ver­stor­be­nen zu.

121. Ich glau­be, dass durch die von einem Prie­ster gül­tig gespro­che­nen Wand­lungs­wor­te Brot und Wein in ihrer gan­zen Sub­stanz in den Leib und das Blut Chri­sti ver­wan­delt wer­den, obwohl ihre sinn­lich wahr­nehm­ba­ren Gestal­ten bestehen blei­ben. Die­se wun­der­ba­re Ver­wand­lung wird zu Recht Trans­sub­stan­tia­ti­on genannt.

122. Ich glau­be, dass die hei­lig­ste Eucha­ri­stie im Mit­tel­punkt des kirch­li­chen Lebens steht und dass sie wahr­haft, wirk­lich und sub­stan­zi­ell den Leib, das Blut, die See­le und die Gott­heit unse­res Herrn Jesus Chri­stus ent­hält. Ich bete das aller­hei­lig­ste Altar­sa­kra­ment an und leh­ne jede Leh­re oder Pra­xis ab, wel­che den Glau­ben an die Real­prä­senz schwächt, die der Eucha­ri­stie gebüh­ren­de Ehr­furcht min­dert, den Kom­mu­nion­emp­fang bana­li­siert oder den sakra­len Cha­rak­ter des Altar­raums beeinträchtigt.

123. Da die Lit­ur­gie der bevor­zug­te Aus­druck des Glau­bens ist, ist sie zugleich die stän­di­ge Schu­le, in der die christ­li­che See­le geformt wird. Durch ihre Aus­rich­tung, ihre Stil­le, ihre Gesten, ihren Kanon, ihre hei­li­ge Spra­che, ihren Geist der Anbe­tung und ihre theo­zen­tri­sche Struk­tur nährt die Lit­ur­gie den Glau­ben und übt einen tief­grei­fen­den Ein­fluss auf die See­len aus. Durch sie ler­nen die Völ­ker, nach Got­tes Maß­stä­ben zu den­ken, im Blick auf die Ewig­keit zu urtei­len, das Hei­li­ge zu lie­ben, das Ver­gäng­li­che zu ver­ach­ten und ihr gan­zes Leben auf das Opfer Chri­sti aus­zu­rich­ten. Sie prägt auch die Sit­ten, inspi­riert die Kün­ste, die Insti­tu­tio­nen, die Feste und die Bräu­che des christ­li­chen Vol­kes. Des­halb schwächt der Got­tes­dienst, wenn er pro­sa­isch, hohl, zwei­deu­tig, pro­fan oder anthro­po­zen­trisch wird, das Ver­ständ­nis des Glau­bens selbst.

124. Ich beken­ne, dass die tra­di­tio­nel­le römi­sche Mes­se, die nach dem Ritus gefei­ert wird, der vor der Reform des Novus Ordo Mis­sae in Gebrauch war, die katho­li­sche Leh­re vom Opfer, vom Prie­ster­tum und von der Real­prä­senz mit unver­gleich­li­cher Klar­heit zum Aus­druck bringt. Ich stel­le jedoch mit Bedau­ern fest, dass sich die heu­ti­gen lit­ur­gi­schen Refor­men sowohl im Gan­zen als auch im Ein­zel­nen erheb­lich von der tra­di­tio­nel­len Lit­ur­gie ent­fernt haben: Damit haben sie den Opfer- und Süh­ne­cha­rak­ter der Mes­se ver­dun­kelt, eine demo­kra­ti­sche Auf­fas­sung vom Got­tes­dienst geför­dert, den katho­li­schen lit­ur­gi­schen Aus­druck den pro­te­stan­ti­schen Vor­stel­lun­gen ange­nä­hert und so maß­geb­lich zum Ver­lust des Sinns für das Hei­li­ge, zur Ver­fäl­schung des christ­li­chen Gei­stes, zum Rück­gang der Beru­fun­gen und zur all­ge­mei­nen Schwä­chung des Glau­bens beigetragen.

125. Ich leh­ne daher jede lit­ur­gi­sche Reform oder Pra­xis ab, die durch Unter­las­sung, lehr­mä­ßi­ge Zwei­deu­tig­keit oder prak­ti­sche Aus­rich­tung der Häre­sie Vor­schub lei­stet, den Glau­ben schwächt, von der auf dem Kon­zil von Tri­ent for­mu­lier­ten katho­li­schen Leh­re über die Mes­se abweicht oder die Gläu­bi­gen von der Gott gebüh­ren­den Anbe­tung abbringt. Der öffent­li­che Got­tes­dienst der Kir­che muss den katho­li­schen Glau­ben unmiss­ver­ständ­lich zum Aus­druck bringen.

126. Schließ­lich bin ich über­zeugt, dass die katho­li­sche Erneue­rung der Völ­ker zwangs­läu­fig über die Wie­der­her­stel­lung des Got­tes­dien­stes durch die tra­di­tio­nel­le Lit­ur­gie aller Zei­ten erfolgt. Dort, wo die Mes­se als das wah­re Opfer Chri­sti gefei­ert wird, erle­ben der Glau­be, die Fröm­mig­keit, das Leben in der Gna­de, die christ­li­chen Fami­li­en, die Beru­fun­gen und die Sehn­sucht nach den ewi­gen Gütern eine Wiedergeburt.

XV. Das christliche Leben, die Heiligkeit und die Vollkommenheit der Liebe

127. Ich glau­be, dass die höch­ste Beru­fung des Men­schen die Hei­lig­keit ist. Von Gott geschaf­fen, durch Chri­stus erlöst und durch das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes gehei­ligt, ist der Mensch dazu beru­fen, durch eine immer stär­ke­re Anglei­chung an den Wil­len Got­tes am Leben Got­tes selbst teil­zu­ha­ben, um in der Herr­lich­keit zur voll­kom­me­nen und end­gül­ti­gen Ver­ei­ni­gung mit ihm zu gelangen.

128. Ich glau­be, dass die hei­lig­ma­chen­de Gna­de den Men­schen zu einem Adop­tiv­kind des Vaters, zu einem Glied Jesu Chri­sti, zu einem Tem­pel des Hei­li­gen Gei­stes und zu einem Erben des ewi­gen Lebens macht. Sie macht die See­le Gott wohl­ge­fäl­lig, ver­mit­telt ihr eine geschaf­fe­ne Teil­ha­be an der gött­li­chen Natur, befä­higt sie zu über­na­tür­li­chen Hand­lun­gen und rich­tet sie auf die seli­ge Anschau­ung aus. Die theo­lo­gi­schen Tugen­den Glau­be, Hoff­nung und Lie­be ver­bin­den die See­le unmit­tel­bar mit Gott; die ein­ge­gos­se­nen sitt­li­chen Tugen­den rich­ten ihr Ver­hal­ten nach dem gött­li­chen Gesetz aus; die Gaben des Hei­li­gen Gei­stes befä­hi­gen sie, sei­ne Ein­ge­bun­gen gehor­sam anzu­neh­men, wodurch die Tugen­den ihre höch­ste Voll­kom­men­heit erlangen.

129. Ich glau­be, dass das christ­li­che Leben zu einem sehr wich­ti­gen und nicht zu ver­nach­läs­si­gen­den Teil aus einem geist­li­chen Kampf besteht. Seit dem Sün­den­fall ist der Mensch den Ver­su­chun­gen der Welt, des Flei­sches und des Teu­fels aus­ge­setzt. Die Gna­de besei­tigt die­sen Kampf nicht: Sie schenkt die nöti­ge Kraft, ihn sieg­reich zu führen.

130. Ich glau­be, dass der Weg zur Hei­lig­keit über die Nach­fol­ge Jesu Chri­sti, den Gehor­sam gegen­über sei­nen Gebo­ten, das Gebet, die Sakra­men­te, die Buße, die Selbst­ver­leug­nung, die Treue zur Stan­des­pflicht und die Lie­be zum Kreuz führt. Der Jün­ger steht nicht über dem Mei­ster: Wenn er zur Herr­lich­keit gelan­gen will, muss er dem gekreu­zig­ten Chri­stus nachfolgen.

131. Ich leh­ne daher das fal­sche Chri­sten­tum ohne Kreuz ab, das einen irdi­schen Frie­den ohne Bekeh­rung, Barm­her­zig­keit ohne Buße, Brü­der­lich­keit ohne Abhän­gig­keit von der Vater­schaft Got­tes und Hei­lig­keit ohne Hel­den­tum ver­spricht. Die Kir­che hat nie­mals Mit­tel­mä­ßig­keit, Anpas­sung an die Welt oder blo­ßen natür­li­chen guten Wil­len hei­lig­ge­spro­chen; sie hat ihren Gläu­bi­gen Hei­li­ge zur Nach­ah­mung vor­ge­stellt, deren Glau­be unta­de­lig, deren Näch­sten­lie­be hel­den­haft und deren Leben dem Leben Chri­sti gleich­ge­stal­tet war.

132. Ich leh­ne daher jede Redu­zie­rung des christ­li­chen Lebens auf ver­schwom­me­ne Men­schen­freund­lich­keit, auf sozia­le Sen­si­bi­li­tät oder auf ein irdi­sches Enga­ge­ment ab. Die christ­li­che Näch­sten­lie­be misst sich nicht in erster Linie an geteil­ten Gefüh­len oder sicht­ba­rem Nut­zen, son­dern an der über­na­tür­li­chen Lie­be zu Gott über alles und zum Näch­sten um Got­tes wil­len. Selbst die leib­li­che Barm­her­zig­keit ver­liert ihre wah­re Bedeu­tung und ihren authen­ti­schen Wert, wenn sie nicht mehr auf die geist­li­che Barm­her­zig­keit und das ewi­ge Heil aus­ge­rich­tet ist.

133. Ich beken­ne, dass die schön­ste Frucht der Kir­che die Hei­lig­keit ist. Die Mär­ty­rer, die Beken­ner, die Jung­frau­en, die Mön­che, die Mis­sio­na­re, die Kir­chen­leh­rer, die Seel­sor­ger und alle hei­li­gen, gläu­bi­gen See­len zeu­gen von der Kraft der Wahr­heit, von der Frucht­bar­keit der Gna­de und vom Sieg Chri­sti über die Sünde.

XVI. Die letzten Dinge und die christliche Hoffnung

134. Ich glau­be, dass das gegen­wär­ti­ge Leben eine Zeit der Vor­be­rei­tung auf die Ewig­keit und somit eine Zeit der Prü­fung ist. Der Mensch hat hier auf Erden nicht sei­ne end­gül­ti­ge Hei­mat: Er ist für eine über­na­tür­li­che Bestim­mung geschaf­fen, die die ver­gäng­li­chen Güter die­ser Welt unend­lich über­steigt. Ich glau­be an das Leben nach dem Tod, in das man durch die Tren­nung von See­le und Kör­per eintritt. 

135. Ich glau­be, dass jeder am Ende sei­nes irdi­schen Lebens zunächst vor dem Rich­ter­stuhl Chri­sti zum per­sön­li­chen Gericht erschei­nen und ent­spre­chend sei­nen Gedan­ken, Wor­ten, Taten und Unter­las­sun­gen das Urteil über sein ewi­ges Schick­sal erhal­ten wird; ich glau­be auch, dass unser Herr Jesus Chri­stus am Ende der Zei­ten in sei­ner Herr­lich­keit wie­der­kom­men wird, um dem Jüng­sten Gericht vorzustehen.

136. Mit Lie­be und Ban­gen bekräf­ti­ge ich, dass in Got­tes Wer­ken sowohl Barm­her­zig­keit als auch Gerech­tig­keit erstrah­len. Die Sün­de des Men­schen hat die Herr­lich­keit des Schöp­fers beein­träch­tigt, der Mensch ist Gott gegen­über in Schuld gera­ten, und die gött­li­che Gerech­tig­keit ver­langt Wie­der­gut­ma­chung; doch in sei­ner über­gro­ßen Barm­her­zig­keit hat Gott uns einen Erlö­ser geschenkt, der als Haupt der Mensch­heit selbst für die Sün­den der gan­zen Welt eine Genug­tu­ung dar­ge­bracht hat, die unse­re Mit­wir­kung erfordert.

137. Ich ver­traue auf die unend­li­che Barm­her­zig­keit Got­tes: Es gibt kei­ne Sün­de, die er nicht ver­ge­ben könn­te, und kein Elend, das er nicht lin­dern woll­te. Aber ich leh­ne die­se Barm­her­zig­keit ohne Gerech­tig­keit, die der neue Huma­nis­mus pre­digt, ent­schie­den ab – die Barm­her­zig­keit eines Got­tes, der die Sün­de nicht bestraft, nie­man­den ver­ur­teilt und kei­ne Bekeh­rung ver­langt, son­dern viel­mehr die Sün­de recht­fer­tigt statt den Sünder.

138. Ich beken­ne, dass die See­len, die im Zustand der Tod­sün­de ster­ben, zum schreck­li­chen Abgrund der Höl­le ver­dammt sind, zur ewi­gen Stra­fe der Tren­nung von Gott und zur ewi­gen Stra­fe des Feu­ers. Ich leh­ne jede Leh­re ab, die die Ewig­keit der Höl­le leug­net, die Rea­li­tät der ewi­gen Stra­fen her­ab­setzt oder den Ein­druck erweckt, dass letzt­end­lich alle Men­schen geret­tet wer­den und die Höl­le leer bleibt. 

139. Ich glau­be, dass See­len, die im Stand der Gna­de ster­ben, aber noch zeit­li­che Stra­fen zu ver­bü­ßen haben, im Fege­feu­er geläu­tert wer­den. Ich beken­ne mich daher zur Not­wen­dig­keit, für die Ver­stor­be­nen zu beten und ihnen die Für­bit­ten der Kir­che zukom­men zu las­sen, und ich leh­ne die Lügen ab, die allen den sofor­ti­gen Ein­tritt in das Haus des Vaters ver­spre­chen und damit den from­men Brauch der Kir­che, unab­läs­sig für die Ver­stor­be­nen zu beten, auslöschen. 

140. Ich leh­ne ins­be­son­de­re jene fal­sche pasto­ra­le Spra­che ab, die aus Angst, das Gewis­sen zu beun­ru­hi­gen, das Gericht, die Höl­le und die Not­wen­dig­keit der Buße ver­schweigt. Es ist kei­ne Näch­sten­lie­be, den Men­schen die ewi­ge Gefahr zu ver­heim­li­chen, in die sie die Sün­de bringt. Die Ver­kün­di­gung der letz­ten Din­ge gehört zur Barm­her­zig­keit der Kir­che, denn sie rüt­telt die See­len auf und lenkt sie auf das Heil hin.

141. Schließ­lich bekräf­ti­ge ich, dass die See­len, die in der Freund­schaft mit Gott ster­ben und voll­kom­men geläu­tert sind, unmit­tel­bar in das ewi­ge Leben ein­ge­hen und sich der seli­gen Anschau­ung erfreu­en. Sie schau­en Gott von Ange­sicht zu Ange­sicht, so wie er ist, und fin­den in ihm ihre ewi­ge Ruhe. Das christ­li­che Leben ist auf die­se Selig­keit aus­ge­rich­tet; jede Seel­sor­ge, die das mensch­li­che Glück auf irdi­sches Wohl­erge­hen, sozia­len Frie­den oder ledig­lich psy­cho­lo­gi­sche Ent­fal­tung redu­ziert, ver­rät das über­na­tür­li­che Ziel des Evangeliums.

142. Die christ­li­che Hoff­nung ist also weder welt­li­cher Opti­mis­mus noch von Furcht gepräg­te Unge­wiss­heit. Sie ist das ver­trau­ens­vol­le War­ten auf das ewi­ge Reich, gegrün­det auf die Ver­hei­ßun­gen Got­tes und genährt durch die Gna­de. Sie gibt dem Chri­sten die Kraft, hier auf Erden zu wir­ken, ohne zu ver­ges­sen, dass sei­ne Hei­mat im Him­mel ist, und die Irr­tü­mer der Zeit zu bekämp­fen, ohne den See­len­frie­den zu verlieren.

XVII. Die Krise der Moderne und die Pflicht, den Glauben zu bekennen

143. Ich glau­be, dass die Kir­che, gestützt von der gött­li­chen Vor­se­hung, bis zum Ende der Zei­ten uner­schüt­ter­lich bestehen bleibt. Die Ver­hei­ßung Chri­sti kann nicht schei­tern: Die Pfor­ten der Höl­le wer­den sie nie­mals überwältigen.

144. Ich glau­be aber auch, dass es in der Geschich­te der Kir­che Zei­ten der Prü­fung gibt, in denen das Bekennt­nis des wah­ren Glau­bens stark geschwächt ist, in denen Irr­leh­ren sich aus­brei­ten, in denen die Dis­zi­plin nach­lässt und vie­le See­len in die Irre geführt werden.

145. Ich stel­le ins­be­son­de­re fest, dass die moder­nen Irr­leh­ren eine gewal­ti­ge Bedro­hung für die gesam­te katho­li­sche Ord­nung dar­stel­len und dass ihr Ein­drin­gen in das Leben der Kir­che im Zuge des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und der nach­kon­zi­lia­ren Refor­men eine Kri­se von außer­ge­wöhn­li­cher Schwe­re aus­ge­löst hat: Der Agno­sti­zis­mus greift die Erkennt­nis Got­tes an; der Natu­ra­lis­mus greift die Not­wen­dig­keit der Gna­de an; der Sub­jek­ti­vis­mus greift das über­na­tür­li­che Fun­da­ment des Glau­bens an; der Rela­ti­vis­mus greift die Unver­än­der­lich­keit des Dog­mas an; die Situa­ti­ons­ethik greift das gött­li­che Gesetz an; der Libe­ra­lis­mus greift die sozia­le Königs­herr­schaft Chri­sti an; der fal­sche Öku­me­nis­mus greift die Ein­zig­ar­tig­keit der Kir­che an; Kol­le­gia­li­tät und Syn­oda­li­tät grei­fen die gött­li­che Ver­fas­sung der Kir­che in ihrer Hier­ar­chie an; der lit­ur­gi­sche Anthro­po­zen­tris­mus greift das hei­li­ge Mess­op­fer an.

146. Die gegen­wär­ti­ge Kri­se lässt sich daher nicht auf einen blo­ßen Kon­flikt der Emp­fin­dun­gen, lit­ur­gi­schen Vor­lie­ben oder pasto­ra­len Ent­schei­dun­gen redu­zie­ren. Sie berührt die Grund­la­gen des Glau­bens und der Moral, des Prie­ster­tums und des Got­tes­dien­stes, der Kir­che und des König­tums Chri­sti selbst.

147. Die­se Irr­tü­mer blei­ben nicht abstrakt, son­dern haben sicht­ba­re Fol­gen her­vor­ge­bracht: eine Schwä­chung der lehr­mä­ßi­gen Ver­kün­di­gung, das Ver­schwin­den des mis­sio­na­ri­schen Gei­stes, die Bana­li­sie­rung der Sün­de, eine Kri­se der Fami­lie, den Ver­fall der Lit­ur­gie, den Ver­lust des Got­tes­be­wusst­seins, den Rück­gang der Beru­fun­gen, den stil­len Glau­bens­ab­fall der christ­li­chen Natio­nen und eine tie­fe Ver­wir­rung unter den Gläubigen.

148. Des­halb reicht es heu­te nicht mehr aus, die katho­li­schen Wahr­hei­ten nur all­ge­mein zu bekräf­ti­gen, ohne gleich­zei­tig die Irr­tü­mer anzu­pran­gern, die ver­su­chen, sie zu ver­fäl­schen. Die Näch­sten­lie­be gegen­über den See­len erfor­dert die Klar­heit der gan­zen Wahr­heit, ohne jeg­li­che Zweideutigkeit.

149. Die­se Kri­se kann nur durch die Wie­der­her­stel­lung aller Din­ge in Jesus Chri­stus über­wun­den wer­den, durch die Rück­kehr zum Glau­ben, zum Leben in der Gna­de, zum Got­tes­dienst und zum Stre­ben nach Heiligkeit.

150. Unter die­sen schmerz­li­chen Umstän­den kann ich – ohne über irgend­je­man­den zu urtei­len oder mir die Auto­ri­tät der Kir­che anzu­ma­ßen – nicht umhin, den Glau­ben zu beken­nen, des­sen Bekennt­nis geschwächt wird; an die Tra­di­ti­on zu erin­nern, die ver­bannt wird; die Moral zu ver­tei­di­gen, die Lit­ur­gie zu bewah­ren und die Rech­te Chri­sti zu verkünden.

Schluss

151. In Treue zum ewi­gen Rom, das das von den Apo­steln über­lie­fer­te Glau­bens­gut bewahrt, will ich die­ses Erbe voll­stän­dig bewah­ren – ohne Ein­schrän­kung, ohne Ver­fäl­schung und ohne Furcht –, nicht als eine spe­zi­el­le Sicht­wei­se in der heu­ti­gen Kir­che, son­dern als den Glau­ben, den ich von der einen, hei­li­gen, katho­li­schen, apo­sto­li­schen und römi­schen Kir­che emp­fan­gen habe.

152. Denn die­ser Glau­be gehört nicht mir: Ich habe ihn emp­fan­gen, um ihm treu zu blei­ben, nach ihm zu leben, ihn wei­ter­zu­ge­ben und, wenn Gott es ver­langt, für ihn zu lei­den – in ver­trau­ens­vol­ler Erwar­tung des Tri­umphs der Wahr­heit und der Gna­de, zum Heil der See­len und zur Ehre der Aller­hei­lig­sten Dreifaltigkeit.

153. Ich bit­te Gott, dass er mich bis zum letz­ten Augen­blick mei­nes Lebens in die­sem Bekennt­nis stand­haft bewah­re. Ich ver­traue die­ses Glau­bens­be­kennt­nis der Für­spra­che der aller­se­lig­sten Jung­frau Maria, der hei­li­gen Apo­stel, der Mär­ty­rer, der Beken­ner und aller Hei­li­gen an, die uns in der Treue zu Chri­stus vor­aus­ge­gan­gen sind.

154. Und in der Hoff­nung auf die Auf­er­ste­hung und das Leben in der kom­men­den Welt lege ich mei­ne See­le, die Kir­che und alle Din­ge in die Hän­de Got­tes, des Vaters, des Soh­nes und des Hei­li­gen Gei­stes, dem Ehre, Ruhm und Macht von Ewig­keit zu Ewig­keit gebühren.

Amen.

Gege­ben zu Men­zin­gen am 24. Juni 2026, Fest der Geburt des hei­li­gen Johan­nes des Täu­fers

Bild: fsspx​.news/de (Screen­shot)

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