Pater Ramière, der „Erfinder“ der Lehre von Christus dem König

Das Werk des Herrn


Pater Henri Ramière (1821–1884)
Pater Henri Ramière (1821–1884)

Von Abbé Clau­de Barthe*

Unter den Ver­tre­tern der katho­li­schen antil­li­be­ra­len Schu­le des 19. Jahr­hun­derts1 ver­dient eine Gestalt beson­de­re Auf­merk­sam­keit: der Jesu­it aus Tou­lou­se Hen­ri Ramiè­re (1821–1884). Inner­halb des fran­zö­si­schen katho­li­schen Anti­li­be­ra­lis­mus kommt ihm die­sel­be Bedeu­tung zu, die spä­ter Pater Charles Mai­gnen (1858–1937) von der Ordens­ge­mein­schaft des hei­li­gen Vin­zenz von Paul zukam, dem Ver­fas­ser des Wer­kes „Die Volks­sou­ve­rä­ni­tät ist eine Häre­sie“. Hen­ri Ramiè­re scheint nicht nur der Erste gewe­sen zu sein, der den Aus­druck „sozia­les König­tum Jesu Chri­sti“ ver­wen­de­te, son­dern er hat auch die dazu­ge­hö­ri­ge Leh­re umfas­send ausgearbeitet.

Mit sei­nem kla­ren und syste­ma­ti­schen Geist ver­faß­te er zu die­sem The­ma grund­le­gen­de Wer­ke, dar­un­ter „Die römi­schen Leh­ren über den Libe­ra­lis­mus in ihrem Ver­hält­nis zum christ­li­chen Dog­ma und zu den Bedürf­nis­sen der moder­nen Gesell­schaf­ten“, auf das wir noch zurück­kom­men wer­den, sowie „Die sozia­le Herr­schaft des Her­zens Jesu2.

Die Ver­bin­dung zwi­schen dem König­tum Chri­sti und der Ver­eh­rung des Hei­lig­sten Her­zens Jesu voll­zieht sich über Wei­he­ak­te: die Wei­he von Natio­nen, Armeen und gesell­schaft­li­chen Gemein­schaf­ten an das Herz Jesu. Seit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on beglei­tet die­ses Wei­he-The­ma die Sehn­sucht nach einer Rück­kehr zu einer christ­li­chen Gesellschaft.

1875 orga­ni­sier­te Hen­ri Ramiè­re eine Peti­ti­on von etwa 550 Bischö­fen und Ordens­obe­ren. Die­se Initia­ti­ve führ­te – auch unter dem Ein­fluß der deut­schen Mysti­ke­rin Maria vom Gött­li­chen Her­zen3 – schließ­lich dazu, daß Papst Leo XIII. im Jahr 1899 die gan­ze Mensch­heit dem Hei­lig­sten Her­zen Jesu weihte.

Herz-Jesu-Verehrung und Wiederherstellung einer christlichen Gesellschaft

Papst Pius XI. ver­weist in sei­ner Enzy­kli­ka Quas pri­mas, mit der er das Christ­kö­nigs­fest ein­führ­te, mehr­fach auf die Ver­eh­rung des Hei­lig­sten Her­zens Jesu als Vor­be­rei­tung auf die Aner­ken­nung der Königs­herr­schaft Chri­sti, ins­be­son­de­re durch Fami­li­en- und Natio­nal­wei­hen an das Herz Jesu. Zugleich bestimm­te er, daß die von Leo XIII. voll­zo­ge­ne Wei­he der Mensch­heit jähr­lich am neu ein­ge­führ­ten Christ­kö­nigs­fest erneu­ert wer­den sollte.

Die­se Ver­bin­dung präg­te sowohl die per­sön­li­che Fröm­mig­keit als auch die theo­lo­gi­schen Lehr­auf­trä­ge, die Ramiè­re zunächst in Eng­land und spä­ter in Frank­reich inner­halb des Jesui­ten­or­dens aus­üb­te. Eben­so bestimm­te sie sein Apo­sto­lat, das man mit Pater Pierre Val­lin4 als „kämp­fe­risch“ bezeich­nen kann.

1861 grün­de­te er die Zeit­schrift Le Mes­sa­ger du Cœur de Jésus („Der Herz-Jesu-Bote“), deren Her­aus­ge­ber er bis zu sei­nem Tod blieb. Die Zeit­schrift erscheint übri­gens bis heute.

Für Ramiè­re grün­det die Ver­eh­rung des Hei­lig­sten Her­zens als König der Natio­nen auf dem Gedan­ken der Reka­pi­tu­la­ti­on, der Zusam­men­fas­sung aller Din­ge in Christus:

„Hier berüh­ren wir einen Aspekt, der die Theo­lo­gie Ramiè­res jener des hei­li­gen Ire­nä­us annä­hert. Die Herr­lich­keit Chri­sti und die Mensch­wer­dung blie­ben gewis­ser­ma­ßen unvoll­stän­dig, wenn es nicht inner­halb der Geschich­te selbst eine Erlö­sung der mensch­li­chen Gesell­schaft, eine sozia­le Herr­schaft Chri­sti und der Hei­li­gen gäbe.“5

Die von ihm ver­tre­te­ne Katho­li­sche Akti­on, die er sowohl im Mes­sa­ger als auch in zahl­rei­chen ande­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen pro­pa­gier­te, war zugleich reli­gi­ös und gesell­schaft­lich-poli­tisch. Sie war aus­drück­lich anti­re­vo­lu­tio­när und antilliberal.

In der Zeit des soge­nann­ten Ord­re moral, also nach dem Zusam­men­bruch des Zwei­ten Kai­ser­reichs und wäh­rend der ersten Jah­re der Drit­ten Repu­blik, ent­stan­den Pro­gram­me zur Wie­der­her­stel­lung einer christ­li­chen Gesell­schaft anstel­le der aus der Revo­lu­ti­on her­vor­ge­gan­ge­nen Ord­nung. Damals wur­de Frank­reich unter Mar­schall Mac-Mahon regiert, des­sen par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit aus Orléa­ni­sten und Legi­ti­mi­sten bestand; die Repu­blik war noch nicht end­gül­tig repu­bli­ka­nisch geworden.

Ramiè­re griff damals in der Jesui­ten­zeit­schrift Étu­des mit Nach­druck in die Debat­te ein. Er beklag­te die Spal­tun­gen unter den Katho­li­ken und rief sie dazu auf, sich in der sozia­len Fra­ge zu eini­gen.6 Aller­dings nicht auf der Grund­la­ge des klein­sten gemein­sa­men Nen­ners der oft sehr gemä­ßig­ten kon­ser­va­ti­ven Kräf­te des Ord­re moral, son­dern auf der Grund­la­ge einer Absa­ge an die Prin­zi­pi­en von 1789 und an jede Zusam­men­ar­beit mit deren Vertretern:

„Dem revo­lu­tio­nä­ren Prin­zip muß das christ­li­che Prin­zip ent­ge­gen­ge­setzt werden.“

Zu jener Zeit schien eine geschicht­li­che Wen­de noch mög­lich. Hen­ri Ramiè­re betei­lig­te sich des­halb 1871 an der For­mu­lie­rung eines „Natio­na­len Gelüb­des an das Hei­lig­ste Herz Jesu zur Befrei­ung des Pap­stes und zur Ret­tung Frank­reichs“, das mit dem Bau­pro­jekt der Basi­li­ka Sacré-Cœur in Paris ver­bun­den war.

Ent­ge­gen einer weit­ver­brei­te­ten Auf­fas­sung soll­te die­ses Gelüb­de nicht die Ver­bre­chen der Pari­ser Kom­mu­ne süh­nen – es ent­stand näm­lich bereits vor die­sen Ereig­nis­sen. Sein eigent­li­ches Ziel war die sym­bo­li­sche Bekräf­ti­gung einer Wie­der­her­stel­lung der christ­li­chen Gesell­schaft durch die Errich­tung eines Hei­lig­tums auf den Höhen von Mont­mart­re über Paris.

Die Initia­to­ren maßen des­halb dem poli­ti­schen Enga­ge­ment zugun­sten die­ses Pro­jekts größ­te Bedeu­tung bei. Das Gesetz vom 24. Juli 1873 erklär­te den Bau der Basi­li­ka zum öffent­li­chen Inter­es­se und ver­lieh ihm den Cha­rak­ter eines öffent­li­chen Glaubensaktes.

Ein bedrohtes soziales Königtum Christi

Bekannt­lich schei­ter­ten die Hoff­nun­gen auf eine histo­ri­sche Wende.

In die­sem Kli­ma der Ent­täu­schung – zunächst noch ver­bor­gen, spä­ter offen sicht­bar – ent­wickel­te Ramiè­re sei­ne Leh­re vom sozia­len König­tum Chri­sti. Zuvor hat­te er gewis­se Hoff­nun­gen auf eine Restau­ra­ti­on unter dem Gra­fen von Cham­bord gesetzt.

Sei­ne Dia­gno­se war eben­so rea­li­stisch wie düster:

„Auf der gan­zen Welt gibt es kaum noch ein Volk, das die sozia­le Königs­herr­schaft Jesu Chri­sti in ihrer gan­zen Fül­le aner­kennt. Die Natio­nen, die Gott der Vater sei­nem Sohn zum Erbe gege­ben hat, haben sich sei­ner Auto­ri­tät ent­zo­gen. Eine nach der ande­ren haben sie den Auf­schrei der Empö­rung wie­der­holt, den Frank­reich im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert aus­stieß: Wir wol­len nicht, daß Jesus Chri­stus über uns herrscht; wir wol­len von nun an nur noch von uns selbst abhän­gen: Nolu­mus hunc regna­re super nos. Satan hat gesiegt.“7

Doch Hen­ri Ramiè­re war ein Mann der Hoff­nung gegen alle Hoffnung.

Er fuhr fort:

„Wie lan­ge hat Satan gesiegt? Er hat­te auch gesiegt, als der Sohn Got­tes ans Kreuz geschla­gen und ins Grab gelegt wur­de. Sein Tri­umph schien voll­stän­dig. Doch der gött­li­che Erlö­ser nahm bald sei­ne Revan­che, und auch die­se war voll­kom­men. So wird es auch in unse­ren Tagen sein.“

Pierre Val­lin erkennt dar­in einen mil­lena­ri­sti­schen Zug.8 Man kann dar­in aber eben­so einen Aus­druck jenes über­na­tür­li­chen Opti­mis­mus sehen, der Ramiè­res Den­ken durch­zieht und zugleich stark maria­nisch geprägt ist.

Beson­ders deut­lich zeigt sich dies in sei­nem frü­hen Werk „Die Hoff­nun­gen der Kir­che“, das im Enthu­si­as­mus nach der Ver­kün­di­gung des Dog­mas von der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis entstand:

„Wir dür­fen daher glau­ben, daß Maria, wenn die von der Vor­se­hung bestimm­te Stun­de gekom­men ist, die Flut der Irr­tü­mer und Lei­den­schaf­ten, die die Erde über­schwemmt, auf­hal­ten, erneut erschei­nen und der Kir­che Ver­tei­di­ger schen­ken wird, deren Mut den Schwie­rig­kei­ten ent­spre­chen wird. Mögen die­se Aus­er­wähl­ten Got­tes und Mari­ens bald kom­men! (…) Es gibt im Leben der Kir­che bestimm­te glanz­vol­le Epo­chen, in denen sich das Geheim­nis von Beth­le­hem mit grö­ße­rem Glanz erneu­ert und der Erlö­ser gleich­sam aufs Neue aus dem Schoß Mari­ens her­vor­geht.“9

Hen­ri Ramiè­re war ein eif­ri­ger Leser von Dono­so Cor­tés und Joseph de Maist­re, ins­be­son­de­re von des­sen Werk „Vom Papst“ (Du Pape), das alle ultra­mon­ta­nen Autoren des 19. Jahr­hun­derts präg­te. Die­se waren durch die Revo­lu­ti­on trau­ma­ti­siert und sahen im Papst – wenn nicht den letz­ten legi­ti­men geist­li­chen und welt­li­chen Sou­ve­rän, so doch zumin­dest die ver­läss­lich­ste Stüt­ze der Ord­nung. Natür­lich waren sie außer­stan­de, sich vor­zu­stel­len, dass ein Papst eines Tages für die Kir­che die moder­ne Frei­heit ein­for­dern wür­de.10

Der Papst schlecht­hin war für Ramiè­re Pius IX., der Papst von Quan­ta cura, des Syl­labus und des Ersten Vati­ka­ni­schen Konzils.

Pater Ramiè­re nahm dar­an in einer Wei­se teil, die zwar nicht an den Ein­fluß der Patres Laí­nez und Sal­merón auf dem Kon­zil von Tri­ent her­an­reich­te, aber den­noch beträcht­lich war. Dank sei­nes hohen Anse­hens wirk­te er einer­seits direkt inner­halb der Kon­zils­ver­samm­lung als Bera­ter zwei­er Bischö­fe, ande­rer­seits – und vor allem – von außen durch die Ver­öf­fent­li­chung einer Rei­he von Streit­schrif­ten gegen die füh­ren­den Köp­fe des libe­ra­len Katho­li­zis­mus: Mgr. Maret, Dekan der theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Sor­bon­ne, Pater Gra­try, den Wie­der­be­grün­der des Ora­to­ri­ums in Frank­reich, und Mgr. Dup­an­loup, Bischof von Orlé­ans und Füh­rer der Min­der­heit, die sich auf dem Kon­zil gegen das Unfehl­bar­keits­dog­ma stellte.

Das soziale Königtum Christi als Glaubensdogma

Die „Sozi­al­leh­re“ Hen­ri Ramiè­res, näm­lich die Leh­re vom sozia­len König­tum Chri­sti, wird beson­ders in sei­nem Werk „Die römi­schen Leh­ren über den Libe­ra­lis­mus, betrach­tet in ihren Bezie­hun­gen zum christ­li­chen Dog­ma und zu den Bedürf­nis­sen der moder­nen Gesell­schaf­ten11 ent­wickelt – und dies fünf­und­fünf­zig Jah­re vor der Enzy­kli­ka Quas pri­mas. Sie ent­fal­tet sich vor dem apo­ka­lyp­ti­schen Hin­ter­grund des Ersten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, der letzt­lich dem der gesam­ten Kir­chen­ge­schich­te ent­spricht: In die­sem Augen­blick wur­de der Papst zugleich ernied­rigt und erhöht. Er ver­lor die letz­ten Reste sei­nes Kir­chen­staa­tes, wäh­rend zugleich sei­ne per­sön­li­che Unfehl­bar­keit fei­er­lich defi­niert wurde.

Das „Mei­ster­werk der höl­li­schen Tak­tik“, das eine vier­zehn Jahr­hun­der­te alte Chri­sten­heit zu Fall gebracht habe, sei die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, so Ramiè­re, die schlecht­hin DIE „Revo­lu­ti­on“ dar­stel­le. Denn „sie hat nicht nur die poli­ti­sche Spit­ze der Gesell­schaft ange­grif­fen noch jene gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen, die das Herz des Gemein­we­sens bil­den, son­dern die reli­giö­se Grund­la­ge selbst, wel­che allen poli­ti­schen Gewal­ten und allen gesell­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen ihren Bestand ver­leiht“ (S. 35). Sie begrün­det eine neue Welt im Gegen­satz zur Königs­herr­schaft Christi.

Ramiè­res zen­tra­le The­se lautet:

„Es ist ein Glau­bens­dog­ma, daß Jesus Chri­stus über die bür­ger­li­chen Gesell­schaf­ten eben­so wie über die ein­zel­nen Men­schen eine höch­ste Auto­ri­tät besitzt. Dar­aus folgt, daß die Gesell­schaf­ten in ihrer Exi­stenz und ihrem gemein­schaft­li­chen Han­deln eben­so wie die ein­zel­nen Men­schen in ihrem pri­va­ten Leben ver­pflich­tet sind, sich Jesus Chri­stus zu unter­wer­fen und sei­ne Geset­ze zu beobachten.“

Ein Glau­bens­dog­ma.

Er sah einen Beweis hier­für in der poli­ti­schen Natur des Men­schen. Da der mensch­ge­wor­de­ne Sohn Got­tes, des­sen Mensch­heit alle Gewalt im Him­mel und auf Erden ver­lie­hen wur­de, eine Sen­dung gegen­über der gesam­ten Mensch­heit besitzt, kann die­se Sen­dung nur dann voll­stän­dig ver­wirk­licht wer­den, wenn die Len­ker der Gesell­schaf­ten sich in sei­nen Dienst stel­len, „um die Herr­schaft des gött­li­chen Geset­zes zu för­dern“. Auf die­se Wei­se tra­gen sie zum Heil vie­ler Men­schen bei; stel­len sie sich die­ser Herr­schaft hin­ge­gen ent­ge­gen, eröff­nen sie den See­len Wege zum Verderben.

Bemer­kens­wert ist, daß Hen­ri Ramiè­re, obwohl er sich stän­dig in den Krei­sen um den Gra­fen von Cham­bord beweg­te, einen umfang­rei­chen Brief­wech­sel mit Maria Bea­trix von Mode­na – Gemah­lin und Mut­ter der kar­li­sti­schen Thron­prä­ten­den­ten in Spa­ni­en sowie Schwe­ster von Maria The­re­sia, Grä­fin von Cham­bord – unter­hielt und dem Legi­ti­mis­mus nahe­stand, kein Legi­ti­mist aus Prin­zip war. Er ver­trat viel­mehr die Auf­fas­sung, Gott habe den Men­schen vol­le Frei­heit gelas­sen, der poli­ti­schen Gemein­schaft die den jewei­li­gen Umstän­den am besten ent­spre­chen­de Staats­form zu geben. Unab­hän­gig davon, wel­che Regie­rungs­form sie wähl­ten, sei es ihnen jedoch nicht erlaubt, die­se von der Königs­herr­schaft Chri­sti zu trennen.

Hoffnung trotz allem

Sei­ne Schluß­fol­ge­run­gen könn­ten auf den ersten Blick als vol­un­t­a­ri­stisch erscheinen:

„Wir stel­len uns daher mit tie­fer Über­zeu­gung auf die Sei­te der Hoff­nung, ohne uns jedoch die Grün­de zu ver­ber­gen, die die Schu­le der Ver­zweif­lung lei­der nur all­zu gut begrün­den.“12

Er hoff­te auf eine unver­meid­li­che Gegen­re­ak­ti­on gegen die zuneh­men­de gesell­schaft­li­che Auf­lö­sung. Doch sein Rea­lis­mus dämpf­te sei­nen Opti­mis­mus. Bereits seit der Revo­lu­ti­on habe es star­ke Gegen­be­we­gun­gen gege­ben, die letzt­lich ent­täuscht hät­ten, weil sie die Rech­te Jesu Chri­sti und sei­ner Kir­che nur halb­her­zig ver­tei­digt hätten.

Eine wirk­li­che Erneue­rung müs­se dage­gen voll­stän­dig sein und das Übel an der Wur­zel beseitigen.

Den­noch schloß er mit einem vor­sich­ti­gen Optimismus:

„War­um soll­ten wir nicht wenig­stens bei eini­gen See­len auf einen teil­wei­sen Erfolg hof­fen, der eine – wenn auch fer­ne – Vor­be­rei­tung auf den voll­stän­di­gen Tri­umph unse­rer hei­li­gen Sache wäre?“

Eini­ge See­len gewin­nen. Wenig­stens einen Teil­erfolg errin­gen. Das ist ein bemer­kens­wert nüch­ter­ner Optimismus.

Doch unmit­tel­bar dar­auf tritt wie­der jener unbeug­sa­me Wil­le zur Hoff­nung her­vor, der sein gan­zes Den­ken kennzeichnet:

„Arbei­ten wir also. Und wenn es sein muß, ster­ben wir in der Arbeit. Das Werk, das uns auf­ge­tra­gen ist, ist in her­vor­ra­gen­der Wei­se das Werk des Herrn.“

*Abbé Clau­de Bar­the, geist­li­cher Assi­stent der inter­na­tio­na­len Wall­fahrt Popu­lus Sum­morum Pon­ti­fi­cum. Der Arti­kel wur­de gleich­zei­tig von L’Homme nou­veau und Res Novæ am 14. Dezem­ber 2025 veröffentlicht.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­News (Screen­shot)

  1. Noir le pré­cieux ouvra­ge de Gré­go­i­re Célier, L’école de l’antilibéralisme catho­li­que, Hora Deci­ma, 2025. ↩︎
  2. Hen­ri Ramiè­re, Le Règ­ne social du Cœur de Jésus, Tou­lou­se, publi­ca­ti­on post­hu­me de 1892, réé­di­ti­on en fac-similé par les édi­ti­ons Saint-Rémi. L’auteur y com­mente en con­clu­si­on le Instaura­re omnia in Chri­sto, Ep 1, 10, que saint Pie X pren­dra huit ans plus tard pour devi­se de pon­ti­fi­cat. ↩︎
  3. Maria Grä­fin Dro­ste zu Vische­ring war 1888 in Mün­ster in die Kon­gre­ga­ti­on der Schwe­stern vom Guten Hir­ten ein­ge­tre­ten. 1975 wur­de sie selig­ge­spro­chen. ↩︎
  4. „Le Père Hen­ri Ramiè­re (1821–1884)“, dans le Bul­le­tin de lit­té­ra­tu­re ecclé­sia­stique, Nr. 86, 1985, S. 24–34, et de même dans le Dic­tion­n­aire de spi­ri­tua­li­té, ascé­tique et mystique, doc­tri­ne et histoire, t. XIII, Beau­ches­ne, 1988, S. 64–70. ↩︎
  5. Pierre Val­lin,  loc. cit., S. 28–29. ↩︎
  6. „Le prin­ci­pe poli­tique de la restau­ra­ti­on socia­le“, Étu­des, février 1873. Voir Dani­el Moulinet, „Des lois pour refai­re une France chré­ti­en­ne“, dans sous la direc­tion d’Olivier Dard et Bru­no Dumons, L’Ordre Moral 1873–1877. Roya­lis­me, catho­li­cis­me et con­ser­va­tis­me, Cerf, 2025, S. 285–286. ↩︎
  7. Hen­ri Ramiè­re, Le Règ­ne social du Cœur de Jésus, op. cit., S. 12. Nolu­mus hunc regna­re super nos : nous ne vou­lons pas qu’il règ­ne sur nous (Lc 19, 14), paro­les repri­ses dans l’hymne des vêpres du Christ-Roi. ↩︎
  8. Der 2024 ver­stor­be­ne P. Pierre Val­lin war Prie­ster, Jesu­it und Theo­lo­ge mit den Schwer­punk­ten Kir­chen­ge­schich­te, Ekkle­sio­lo­gie und Sakra­men­ten­theo­lo­gie. ↩︎
  9. Hen­ri Ramiè­re, Les espé­ran­ces de l’Église, Péris­se, 1861, S. 656, 657. ↩︎
  10. „Und was erbit­tet die­se Kir­che heu­te von Ihnen [den Regie­ren­den]? Sie hat es Ihnen in einem der wich­tig­sten Doku­men­te die­ses Kon­zils kund­ge­tan: Sie erbit­tet von Ihnen nichts als die Frei­heit (Bot­schaft von Paul VI. an die Regie­ren­den, 8. Dezem­ber 1965). ↩︎
  11. Lecof­f­re, 1870. ↩︎
  12. Hen­ri Ramiè­res Vol­un­t­a­ris­mus hat­te enge Gren­zen. So gab er die erste Edi­ti­on jenes Manu­skripts her­aus, das er Pater de Causs­a­de zuschrieb: Die Hin­ga­be an die gött­li­che Vor­se­hung (Aban­don à la Pro­vi­dence divi­ne), ein Werk, das deut­lich vom Geist des Guyo­nis­mus geprägt ist. ↩︎

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