Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, hat sich im Juli 2026 in das Herz Umbriens begeben, in jene Landschaft, die eng mit dem Erbe des heiligen Benedikt von Nursia verbunden ist. Anlaß der Reise war die Verleihung des Internationalen Sankt-Benedikt-Preises (Premio Internazionale San Benedetto) an den Kirchenmann, der seit Jahren für Frieden, Dialog und das Zusammenleben der Religionen im Heiligen Land eintritt.
Die Begegnung führte Kardinal Pizzaballa zunächst zur altrituellen Abtei San Benedetto al Monte (Bild) und anschließend zur Basilika des heiligen Benedikt in Nursia, dem Geburtsort des Mönchsvaters, dessen geistliches Erbe Europa über Jahrhunderte geprägt hat. Die altrituellen Benediktiner stehen selbst in keinem Zusammenhang mit dem vergebenen Preis. Das 1999 wiederbesiedelte Kloster und der Geburtsort des Mönchsvaters kamen im Werk „Das Erwachen der Señorita Prim“ von Natalia Sanmartín Fenollera bereits zu Roman-Ehren.
Die hochrangige Auszeichnung wurde dem Patriarchen im Stadttheater verliehen. Der Preis wird von der Stadt Norcia in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Spoleto-Norcia und dem EU-Parlament vergeben. Er steht in besonderer Weise für die Verbindung zwischen dem benediktinischen Ideal des Friedens und der heutigen Suche nach Versöhnung in einer von Konflikten gezeichneten Welt, so die Organisatoren.
Ein Preis für Frieden und Dialog
Der Internationale Sankt-Benedikt-Preis wurde Pizzaballa für seinen Einsatz für Frieden und den Dialog zwischen den Völkern verliehen. Die Entscheidung würdigt insbesondere seinen Einsatz für die christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land sowie sein beständiges Bemühen um Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen, so das Preiskomitee.
Die Wahl des Ortes war symbolträchtig: Nursia steht nicht nur für den heiligen Benedikt, den Begründer des abendländischen Mönchtums, sondern auch für Wiederaufbau und Hoffnung. Nach dem schweren Erdbeben von 2016 wurde die Stadt selbst zu einem Zeichen der Hoffnung und des Neubeginns. Die Verleihung des Preises verband daher zwei Erfahrungen miteinander: die Suche nach Frieden in einer Krisenregion und die Fähigkeit, nach Zerstörung den Wiederaufbau zu wagen.
Pizzaballa: „Die Krise im Nahen Osten kann nicht einfach überwunden werden“
Trotz der Ehrung für sein Friedensengagement sprach Kardinal Pizzaballa mit großer Zurückhaltung über die Aussichten auf eine schnelle Lösung des Konfliktes im Nahen Osten. Die Lage in der Weltgegend sei äußerst komplex und könne nicht mit einfachen Antworten gelöst werden: „Die Krise im Nahen Osten kann nicht einfach überwunden werden. Es ist eine komplexe Situation, das war sie immer und sie wird es auch weiterhin sein“, erklärte der Patriarch. Er beschrieb die gegenwärtige Lage als „sehr schwierig“ und verwies auf Spannungen, die nach Jahren von Krieg, Unsicherheit und politischer Instabilität offen ausgebrochen seien.
Dabei betonte der Kardinal, daß Frieden nicht allein durch politische Vereinbarungen entstehen könne. Er müsse auch durch Begegnungen, Vertrauen und die Bereitschaft zum gegenseitigen Zuhören wachsen. Gerade religiöse Akteure hätten dabei eine besondere Verantwortung, weil sie Brücken zwischen Gemeinschaften bauen könnten.
Ein Leben zwischen Europa und dem Heiligen Land
Pierbattista Kardinal Pizzaballa wurde am 21. April 1965 in Cologno al Serio bei Bergamo geboren. Er trat 1984 in den Franziskanerorden ein und wurde 1990 zum Priester geweiht. Noch im selben Jahr ging er nach Jerusalem, wo er am Studium Biblicum Franciscanum eine Ausbildung in biblischer Theologie absolvierte.
Schon seit vielen Jahren prägt er das kirchliche Leben im Heiligen Land mit, denn von 2004 bis 2016 war er Kustos des Heiligen Landes und damit verantwortlich für die Franziskanerkustodie, welche die bedeutendsten christlichen Stätten des Landes verwaltet. Anschließend wurde er Apostolischer Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, bevor ihn Papst Franziskus 2020 zum Lateinischen Patriarchen von Jerusalem ernannte. 2023 erhob ihn Papst Franziskus in den Kardinalsstand.
Durch seine langjährige Tätigkeit in Jerusalem verfügt Kardinal Pizzaballa über herausragende Kenntnisse der Region. Er spricht neben Italienisch unter anderem auch modernes Hebräisch und Englisch und hat sich wiederholt für den interreligiösen Dialog eingesetzt.
Die benediktinische Botschaft als Orientierung
Die Verbindung zwischen Pizzaballas Wirken und dem Erbe des heiligen Benedikt liegt vor allem in der Frage, wie Menschen trotz Spaltung und Unsicherheit zusammenleben können. Die Benediktsregel, die seit dem 6. Jahrhundert das europäische Mönchtum geprägt hat, stellt Werte wie Maßhalten, Gemeinschaft, Arbeit und Frieden in den Mittelpunkt.
Gerade angesichts der Konflikte im Nahen Osten gewinnt diese Botschaft neue Aktualität. Der Patriarch von Jerusalem steht täglich vor der Herausforderung, Hoffnung zu bewahren, während die Menschen in der Region unter Gewalt, Vertreibung und politischer Ungewißheit leiden.
Mit der Auszeichnung in Norcia wurde deshalb nicht nur ein Kirchenmann geehrt, sondern auch ein Symbol für den schwierigen Weg des Friedens. Kardinal Pizzaballa machte jedoch deutlich, daß dieser Weg lang sein wird: Frieden sei keine kurzfristige politische Entscheidung, sondern ein Prozeß, der Geduld, Wahrheit und den Mut zum Dialog erfordere.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL
Hinterlasse jetzt einen Kommentar