Ein neues Gerücht um das kirchenrechtliche Verfahren gegen den ehemaligen Jesuiten und Priesterkünstler Marko Ivan Rupnik löste erhebliche Unruhe aus. Ausgangspunkt war der in vatikanischen Angelgenheiten gut informierte traditionsverbundene Blog Messa in Latino. Nach dessen Darstellung soll das Verfahren bereits abgeschlossen worden sein – mit einem für Rupnik günstigen Ausgang. Eine offizielle Bestätigung hierfür gibt es jedoch nicht.
Gerade weil sich zahlreiche frühere Berichte von Messa in Latino im nachhinein bewahrheitet haben, sorgt diese Nachricht insbesondere unter den Frauen, die Rupnik schwerwiegende Vorwürfe machen, für Besorgnis. Hinzukommt das nahezu vollständige Schweigen der vatikanischen Behörden. Das Verfahren ist von einer derartigen Geheimhaltung umgeben, daß selbst die Rechtsanwältin mehrerer Klägerinnen nach eigenen Angaben keinerlei Auskunft über dessen Stand erhält. Weder ist bekannt, welche konkreten Anklagepunkte Gegenstand des Verfahrens sind, noch ob sich etwaige Entscheidungen lediglich auf einzelne Vorwürfe beziehen, während andere Verfahrensabschnitte noch andauern. Verläßliche Informationen liegen praktisch nicht vor.
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Bericht der Vatikanistin Franca Giansoldati in der römischen Tageszeitung Il Messaggero Bedeutung. Darin wird unter Berufung auf qualifizierte Quellen aus dem Vatikan das Gerücht über einen bereits erfolgten Freispruch ausdrücklich dementiert. Nach diesen Angaben dauert das kirchenrechtliche Verfahren weiterhin an. Zugleich veröffentlicht die Zeitung Auszüge aus einem Schreiben der Rechtsanwältin Laura Sgrò an das Glaubensdikasterium, dessen Veröffentlichung von der Verfasserin ausdrücklich genehmigt wurde. Der Inhalt dieses Schreibens wurde inzwischen auch von anderen italienischen Medien wiedergegeben.
Das Dementi brachte die Spekulationen keineswegs zum Schweigen. Zu auffällig erscheint manchen die Eile, mit der Messa in Latino widersprochen wurde.
Zur Erinnerung: Rupnik wird von mehreren Frauen, zumeist Angehörigen eines inzwischen aufgelösten Frauenordens, des sexuellen und psychischen Mißbrauchs beschuldigt. Bereits vor diesen Vorwürfen lag den römischen Behörden der Tatbestand des Beichtmißbrauchs vor.
In einem ersten Verfahren der damaligen Glaubenskongregation wurde im Jahr 2020 laut zuverlässigen Quellen Rupniks Exkommunikation latae sententiae festgestellt, da er des Beichtmißbrauchs schuldig befunden wurde. Er soll eine Frau von einer sexuellen Sünde losgesprochen haben, an der er selbst beteiligt war.
Diese Exkommunikation wurde aber nie notifiziert, sondern vielmehr das Exkommunikatonsdekret nach einem Monat zurückgenommen worden sein, was erhebliche Spekulationen auslöste. Nur Papst Franziskus hätte einen solchen Schritt durch seine Intervention setzen können. Und tatsächlich demonstrierte das Kirchenoberhaupt mehrfach seine Sympathie für den Künstlerpriester aus dem Jesuitenorden.
Der Orden zog dann allerdings die Handbremse und schloß Rupnik aus.
Als die Kritik an Rupnik dennoch nicht abbrach, ordnete Franziskus im Oktober 2023 medienwirksam die Eröffnung eines Verfahrens durch die Glaubenskongregation an, als hätte es das erste Verfahren nie gegeben. Inzwischen lagen die Vorwürfe mehrerer Frauen vor. Zugleich hob Franziskus die Verjährungsfristen im konkreten Fall auf. Seither zog sich das Verfahren allerdings ohne erkennbare Ergebnisse hin, sodaß in Rom spekuliert wurde, Franziskus habe durch das neue Verfahren zwar vor der Öffentlichkeit „Aktivismus“ demonstrieren, in Wirklichkeit aber die Angelegenheit auf die „lange Bank“ schieben wollen.
Der kirchliche Umgang mit Rupniks Kunst geschieht seither uneinheitlich. Während Franziskus demonstrativ ein Rupnik-Bild in seinem Arbeitszimmer hängen hatte und sich mehrfach davor zeigte, wurden Rupnik-Mosaike an anderen Orten, in Erwartung eines römischen Urteils, teilweise verhängt.
Rupnik war 2023 zum Verlassen der Diözese Rom aufgefordert worden und wählte sich die Diözese Koper (Capodistria) als neuen Aufenthaltsort. Allerdings zeigte sich schnell, daß dies nur pro forma galt. Auch seine Gemeinschaft, das Zentrum Aletti, verließ schließlich Rom, erhielt jedoch mit Hilfe des ehemaligen bergoglianischen Kardinalsvikars von Rom ein neues Domizil unweit der Ewigen Stadt.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: VaticanNews (Screenshot)
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