Forderung: Bericht der Studiengruppe Nr. 9 der Synodalitätssynode zurückziehen

Angestrebter "Paradigmenwechsel" ist mit der katholischen Lehre unvereinbar


Synodalismus
Synodalismus

Nach­ste­hend ver­öf­fent­li­chen wir einen Brief, der vom Vor­sit­zen­den der John Paul II Aca­de­my for Human Life and the Fami­ly (JAHLF), Dr. Tho­mas Ward, gemein­sam mit der stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den Chri­sti­ne de Mar­cel­lus Voll­mer und dem Schatz­mei­ster Ste­ven Mos­her an Sei­ne Emi­nenz Mario Kar­di­nal Grech, Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode, gerich­tet wur­de, betref­fend den Bericht der Stu­di­en­grup­pe Nr. 9 der Syn­oda­li­täts­syn­ode. Die Aka­de­mie Johan­nes Paul II. für das Leben und die Fami­lie ent­stand 2017 nach dem bra­chia­len Umbau der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben, die Erz­bi­schof Vin­cen­zo Paglia 2016 im Auf­trag von Papst Fran­zis­kus durch­führ­te, um die Päpst­li­che Aka­de­mie von jenen Mit­glie­der zu säu­bern, die an der bedin­gungs­lo­sen Ver­tei­di­gung des Lebens­rechts fest­hiel­ten und Kri­tik an der Ehe- und Fami­li­en­po­li­tik von Fran­zis­kus gewagt hat­ten. Obwohl auf Lebens­zeit ernannt, setz­te Fran­zis­kus ihm unbot­mä­ßi­ge Aka­de­mie­mit­glie­der ein­fach vor die Tür, die dar­auf eine eige­ne Aka­de­mie gründeten.

„Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Him­mel euch ein ande­res Evan­ge­li­um ver­kün­de­ten als das, das wir euch ver­kün­det haben, der sei ver­flucht!“ – Gal. 1,8

Hochwürdigste Eminenz!

Im Namen der John Paul II Aca­de­my for Human Life and the Fami­ly schrei­ben wir Ihnen, um unse­re tie­fe Besorg­nis über die Auf­nah­me des Berich­tes der Stu­di­en­grup­pe Nr. 9 über die umstrit­te­nen dok­tri­nä­ren, pasto­ra­len und ethi­schen Fra­gen unter die Doku­men­te aus­zu­drücken, die für die Pha­se III der Umset­zung der Syn­ode über die Syn­oda­li­tät bestimmt sind. Mit Respekt, aber auch mit Ent­schie­den­heit, ersu­chen wir dar­um, daß die­ser Bericht aus der Dis­kus­si­on zurück­ge­zo­gen wird.

Unse­re Sor­ge ist nicht ledig­lich dis­zi­pli­nä­rer oder vor­sich­ti­ger Natur; sie betrifft die Inte­gri­tät des katho­li­schen Glau­bens selbst. Der im Bericht vor­ge­schla­ge­ne metho­do­lo­gi­sche „Para­dig­men­wech­sel“ scheint ein Ver­ständ­nis der gött­li­chen Offen­ba­rung vor­aus­zu­set­zen, das mit der katho­li­schen Leh­re unver­ein­bar ist. Die katho­li­sche Kir­che hat immer gelehrt, daß die öffent­li­che Offen­ba­rung in Jesus Chri­stus voll­endet wur­de und mit dem Tod des letz­ten Apo­stels abge­schlos­sen ist. Jeder Hin­weis dar­auf, daß der Hei­li­ge Geist dok­tri­nä­re oder mora­li­sche Ant­wor­ten ein­ge­ben könn­te, die der bestän­di­gen Leh­re der Kir­che wider­spre­chen, läuft Gefahr, Irr­tü­mer wie­der­zu­be­le­ben, die histo­risch mit dem theo­lo­gi­schen Moder­nis­mus ver­bun­den sind und vom Lehr­amt wie­der­holt zurück­ge­wie­sen wur­den. Die authen­ti­sche Ent­wick­lung der Leh­re ver­tieft das Ver­ständ­nis der geof­fen­bar­ten Wahr­heit; sie stürzt nicht Wahr­hei­ten um, die bereits end­gül­tig gelehrt wor­den sind.

Eben­so besorg­nis­er­re­gend ist die Impli­ka­ti­on, daß die katho­li­sche Moral­leh­re den vor­herr­schen­den kul­tu­rel­len Gewohn­hei­ten ange­paßt wer­den sol­le. Die Sen­dung der Kir­che bestand nie­mals dar­in, sich dem Zeit­geist anzu­pas­sen, son­dern die Wahr­heit bei jeder pas­sen­den und unpas­sen­den Gele­gen­heit zu ver­kün­den. Das sitt­li­che Gesetz, gegrün­det auf die gött­li­che Offen­ba­rung und das Natur­ge­setz, kann nicht ent­spre­chend gesell­schaft­li­chem Druck oder zeit­ge­nös­si­schen Emp­find­lich­kei­ten ver­än­dert werden.

Wir sind außer­dem tief besorgt über Vor­schlä­ge, die im Namen pasto­ra­ler Sor­ge die kirch­li­che Ein­glie­de­rung von der mora­li­schen Ver­ant­wor­tung tren­nen. Die christ­li­che Lie­be ver­langt, daß jeder Mensch mit Wür­de und pasto­ra­ler Auf­merk­sam­keit auf­ge­nom­men wird; den­noch kann eine ech­te pasto­ra­le Beglei­tung die von der Kir­che erkann­ten mora­li­schen Rea­li­tä­ten nicht igno­rie­ren, ins­be­son­de­re in Fäl­len, die öffent­li­ches Ver­hal­ten betref­fen, das objek­tiv der katho­li­schen Leh­re wider­spricht. Die Barm­her­zig­keit ohne Wahr­heit hört auf, Barm­her­zig­keit zu sein.

Ins­be­son­de­re hat die tra­di­tio­nel­le katho­li­sche Leh­re immer gelehrt, daß sexu­el­le Bezie­hun­gen außer­halb des Ehe­bun­des zwi­schen einem Mann und einer Frau schwer unge­ord­net sind. Ins­be­son­de­re lehrt der Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che: „
Gestützt auf die Hei­li­ge Schrift, die sie als schlim­me Abir­rung bezeich­net [Vgl. Gen 19, 1–29; Röm 1,24–27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10.], hat die kirch­li­che Über­lie­fe­rung stets erklärt, „daß die homo­se­xu­el­len Hand­lun­gen in sich nicht in Ord­nung sind“ (CDF, Erkl. „Per­so­na huma­na“ 8). Pasto­ra­le Ansät­ze, die Bezie­hun­gen zu nor­ma­li­sie­ren oder zu seg­nen schei­nen, wel­che die­ser Leh­re wider­spre­chen, ris­kie­ren, unter den Gläu­bi­gen schwe­re Ver­wir­rung her­vor­zu­ru­fen und das Zeug­nis der Kir­che sowohl für die Wahr­heit als auch für die Lie­be zu beeinträchtigen.

Noch besorg­nis­er­re­gen­der ist die Tat­sa­che, daß der Abschluß­be­richt der Stu­di­en­grup­pe Nr. 9 es wagt, die Fra­ge der Kin­der, die in sol­chen Ver­bin­dun­gen adop­tiert und erzo­gen wer­den, wel­che auf ver­werf­li­chen sexu­el­len Hand­lun­gen beru­hen, in posi­ti­ver Wei­se zu behan­deln. Die Wür­de der Kin­der und der Schutz ihrer Unschuld spre­chen sich in denk­bar stärk­ster Wei­se gegen auch nur die gering­ste Nach­gie­big­keit in die­sem Bereich aus.

Dar­über hin­aus spie­gelt der Bericht nicht die Über­zeu­gun­gen der Mehr­heit der prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken in der Welt wider, die wei­ter­hin an der bestän­di­gen Moral­leh­re der Kir­che fest­hal­ten. Viel­mehr scheint er ein­deu­tig aus kirch­li­chen Krei­sen her­vor­ge­gan­gen zu sein, die seit Jahr­zehn­ten eine grund­le­gen­de Revi­si­on der katho­li­schen Leh­re über Sexua­li­tät und Fami­li­en­le­ben anstreben.

Die­se Über­zeu­gung wird durch die offen­sicht­li­che Selek­ti­vi­tät der im Bericht ent­hal­te­nen Zeug­nis­se ver­stärkt, ins­be­son­de­re durch die Tat­sa­che, daß die bei­den Haupt­zeug­nis­se von engen Freun­den von Pater James Mar­tin stam­men, des­sen pasto­ra­ler und theo­lo­gi­scher Ansatz in Fra­gen der Homo­se­xua­li­tät offen der tra­di­tio­nel­len Leh­re und Dis­zi­plin der Kir­che wider­spricht. Sol­che redak­tio­nel­len Ent­schei­dun­gen ver­stär­ken die Über­zeu­gung, daß der Abschluß­be­richt nicht die Frucht einer umfas­sen­den kirch­li­chen Unter­schei­dung ist, son­dern eines ideo­lo­gisch vor­be­stimm­ten Prozesses.

Wir stel­len außer­dem fest, daß die im Bericht vor­ge­brach­ten The­men und Vor­schlä­ge eine bemer­kens­wer­te Ähn­lich­keit mit Posi­tio­nen auf­wei­sen, die bereits vom Lehr­amt behan­delt und zurück­ge­wie­sen wur­den, ins­be­son­de­re durch Inter­ven­tio­nen der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re wäh­rend des Pon­ti­fi­ka­tes Johan­nes Pauls II. unter dem Prä­fek­ten Joseph Kar­di­nal Ratzinger.

Schließ­lich müs­sen wir ern­ste Besorg­nis hin­sicht­lich des wei­te­ren syn­oda­len Pro­zes­ses selbst aus­drücken, falls das „gemein­sa­me Gehen“ dazu füh­ren soll­te, dok­tri­nä­re Zwei­deu­tig­keit zu dul­den oder vor den ideo­lo­gi­schen Strö­mun­gen der gegen­wär­ti­gen Epo­che zu kapi­tu­lie­ren. Die Syn­oda­li­tät kann nur dann Frucht brin­gen, wenn sie fest in der Treue zur Hei­li­gen Schrift, zur Hei­li­gen Tra­di­ti­on und zum bestän­di­gen Lehr­amt der Kir­che ver­an­kert bleibt.

Aus die­sen Grün­den ersu­chen wir mit Respekt, aber auch mit Dring­lich­keit, den Bericht der Stu­di­en­grup­pe Nr. 9 aus dem Doku­men­ten­kor­pus der Pha­se III zurück­zu­zie­hen. Die Gläu­bi­gen ver­die­nen Klar­heit, Kon­ti­nui­tät und die Gewiß­heit, daß das der Kir­che anver­trau­te Glau­bens­gut ohne Kom­pro­mis­se bewahrt wird.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­News (Screen­shot)

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