Fatima: gegen die Irrungen Hesemanns

Werden die Bischöfe den Mut finden, vom Papst die Umsetzung der Fatima-Botschaft zu verlangen?

Fatima, das Dritte Geheimnis, Sr. Lucia, die Bekehrung Rußlands und die mit den Botschaften verbundene Warnung vor der Kriegsgefahr und dem Glaubensabfall besitzen bis heute eine bemerkenswerte, ja angesichts der aktuellen Entwicklungen geradezu bedrängende Aktualität.
Fatima, das Dritte Geheimnis, Sr. Lucia, die Bekehrung Rußlands und die mit den Botschaften verbundene Warnung vor der Kriegsgefahr und dem Glaubensabfall besitzen bis heute eine bemerkenswerte, ja angesichts der aktuellen Entwicklungen geradezu bedrängende Aktualität.

Der Histo­ri­ker Dr. Micha­el Hese­mann gab vor kur­zem dem Wie­ner Jour­na­li­sten (Life­si­tenews) und Pod­ca­ster (Kontra_​punkt_​) Andre­as Wail­zer ein aus­führ­li­ches Inter­view zum The­ma Fati­ma unter dem Titel „Fati­ma, Russ­land und der Islam: Was uns noch bevor­steht“.

Wie nicht anders zu erwar­ten, repro­du­ziert Hese­mann die­je­ni­ge Ver­si­on der Vor­gän­ge um Fati­ma, die wir aus dem Vati­kan und aus vati­kan­of­fi­zel­len Insti­tu­tio­nen wie dem Welt­apo­sto­lat von Fati­ma (WAF) oder der Legio Mariae ken­nen. Es wur­de an die­ser Stel­le schon oft gesagt: Die­se Ver­si­on ist vol­ler Lügen und Aus­flüch­te.

Es ist sehr ärger­lich, daß Micha­el Hese­mann nicht bereit ist, kri­tisch nach­zu­fra­gen. Ein Autor mit der Bil­dung und mit den Recher­che­mög­lich­kei­ten Hese­manns müß­te die vati­kan­of­fi­zi­el­len Täu­schun­gen zu hin­ter­fra­gen imstan­de sein.

Wir fra­gen uns, ob er die ein­schlä­gi­ge vati­kan­kri­ti­sche Lite­ra­tur (Frè­re Michel de la Sain­te Tri­ni­té, The Who­le Truth About Fati­ma; Mark Fel­lows, Fati­ma in Twilight) und die Recher­chen des Fati­ma Cen­ter www​.fati​ma​.org von P. Nicho­las Gru­ner (†) und von Sister Lucy Truth von Dr. Peter Cho­j­now­ski über­haupt zur Kennt­nis genom­men hat – und, vor allem, ob er die gegen­wär­ti­ge Rea­li­tät, die soge­nann­ten „Zei­chen der Zeit“, wahr­zu­neh­men bereit ist: den Glau­bens­ab­fall und die mora­li­sche Ver­kom­men­heit der Hier­ar­chie und die Kri­se des Petrusamtes.

Der Elefant im Raum – für Hesemann offenbar unsichtbar

Man fragt sich auch, ob dem Herrn Dok­tor schon auf­ge­fal­len ist, daß die „Sr. Lucia“ der Nach­kon­zils­zeit anders aus­sieht, sich anders benimmt und eine ande­re Bot­schaft ver­kün­det als die­je­ni­ge bis 1957. Als Histo­ri­ker wird er sich ja die Wahr­neh­mung gestat­ten und gege­be­nen­falls nach­for­schen. Es ist ja nicht so, daß die Fra­ge der Iden­ti­tät von Sr. Lucia dos San­tos nach 1957 noch nie auf­ge­wor­fen wor­den wäre.

Sie ist mitt­ler­wei­le der Ele­fant im Raum – das auch des­halb, weil seit dem myste­riö­sen Amts­ver­zicht von Bene­dikt XVI. die dok­tri­nä­re, mora­li­sche und mensch­li­che Ver­kom­men­heit wei­ter Tei­le der Kir­chen­hier­ar­chie ins grel­le Licht der Öffent­lich­keit gerückt ist. Jeder sieht, daß die Fati­ma-Bot­schaft nicht nur kei­ne Rol­le spielt, son­dern ab 1960 von den Päp­sten gera­de­zu bekämpft wor­den ist, mit desa­strö­sen Fol­gen: Mit dem Kon­zil kam dann ein neu­er Glau­be, eine neue Men­ta­li­tät, eine neue Lit­ur­gie und eine neue Sr. Lucia. Hese­mann scheint das nicht zu sehen.

Hese­mann liegt aber auch in ande­ren Fra­gen falsch. Weil das wich­tig ist, gehen wir hier ins Detail:

Schlamperei und Oberflächlichkeit

Hese­mann behaup­tet (bei Minu­te 20:56 im oben ver­link­ten Pod­cast), Sr. Lucia sei 1946 in den Kar­mel von Coim­bra ein­ge­tre­ten. Das ist nicht rich­tig. Es war 1948.

Hese­mann schreibt das Atten­tat auf Johan­nes Paul II. vom 13. Mai 1981 dem KGB zu (24:06). Er hät­te dazu sagen müs­sen, daß das bis heu­te nicht fest­steht und daß die­se Theo­rie von man­chen bezwei­felt wird (Mark Fel­lows, Fati­ma in Twilight; Malachi Mar­tin, Winds­wept Hou­se).

Hese­mann sagt dann: „Weil der pol­ni­sche Papst natür­lich für die anti­kom­mu­ni­sti­schen Kräf­te in den kom­mu­ni­sti­schen Län­dern, vor allen Din­gen in Polen, ein Signal war, Signal­wir­kung hat­te. Und da kam ja dann auch Soli­dar­ność die Gewerk­schafts­be­we­gung auf (…)“.

So ein­fach lie­gen die Din­ge nicht. Heu­te weiß man, daß Lech Wałę­sa unter dem Deck­na­men „Bolek“ mit dem Inlands­ge­heim­dienst zusam­men­ar­bei­te­te (ver­mut­lich blieb ihm nicht viel ande­res übrig). Mark Fel­lows schreibt, daß die Soli­dar­ność selbst aus dem trotz­ki­sti­schen Komi­tet Obro­ny Robot­ników (Komi­tee zur Ver­tei­di­gung der Arbei­ter) her­vor­ge­gan­gen sei und daher selbst stark kom­mu­ni­stisch beein­flußt war. Eini­ge Kader sei­en KP-Mit­glie­der gewesen (!).

Fel­lows schreibt auch, daß sowohl Erz­bi­schof Woj­ty­ła als auch Lech Wałę­sa zu KP-Zei­ten leicht ins Aus­land rei­sen konn­ten. Wenn das Regime in War­schau und die Sowjet­uni­on als höhe­re Instanz kei­nen Vor­teil davon gehabt hät­ten, hät­ten sie die Aus­lands­rei­sen bestimmt nicht gedul­det. Aus heu­ti­ger Sicht stellt sich daher die Fra­ge, ob die Soli­dar­ność tat­säch­lich die anti­kom­mu­ni­sti­sche, oppo­si­tio­nel­le Kraft war, wie wir das in den acht­zi­ger und neun­zi­ger Jah­ren glaub­ten oder gege­be­nen­falls „kon­trol­lier­te Oppo­si­ti­on“. Es stellt sich auch die Fra­ge, ob die Sowjet­uni­on tat­säch­lich ein Inter­es­se an der Ermor­dung des Pap­stes haben konn­te. Ein Histo­ri­ker wie Hese­mann müß­te die­se Fra­gen zumin­dest auf­wer­fen.1

Lei­der kommt es viel schlimmer:

Perpetuierung vatikanischer Lügen: Gültige Weihe im Jahr 1984?

Hese­mann sagt allen Ern­stes, daß die Wei­he am 25. März 1984 durch Johan­nes Paul II. den Anfor­de­run­gen (von Fati­ma bzw. Tuy) ent­spro­chen hät­te. Damit liegt er auf der Linie der vati­ka­ni­schen Pro­pa­gan­da. Es ist aber selbst­ver­ständ­lich falsch. Hese­mann rela­ti­viert dann auch sei­ne eige­ne Behaup­tung, indem er zugibt, daß beim Wei­he­akt das Wort Ruß­land „aus diplo­ma­ti­schen Grün­den“ nicht aus­ge­spro­chen wurde.

Er sagt dann aber sogar, die Wei­he sei „mit allen Bischö­fen und Gläu­bi­gen voll­zo­gen“ wor­den. Wo waren denn die Bischö­fe? Johan­nes Paul II. hat­te – ent­ge­gen der Anfor­de­rung von Tuy – die Bischö­fe nicht auto­ri­ta­tiv eingebunden.

Hese­mann schreibt die­ser Wei­he die Ver­hin­de­rung eines Atom­kriegs zu (näm­lich durch die am 13. Mai 1984 erfolg­te Explo­si­on des Waf­fen­ar­se­nals in Mur­mansk). Es ist durch­aus wahr­schein­lich und wird auch von Fati­ma-Exper­ten so ver­tre­ten, daß der Wei­he­akt von 1984 eine gewis­se begrenz­te Wir­kung gehabt haben wird. Er hat aber evi­den­ter­wei­se weder die Bekeh­rung Ruß­lands noch die Zeit des Frie­dens gebracht.

Die Bekeh­rung Ruß­lands und die Frie­dens­zeit hät­ten in der Deu­tung Hese­manns aber bis ins Jahr 2000 ange­dau­ert (27:07).

Bekehrung Rußlands – nicht zur „Orthodoxie“, sondern zur Katholischen Kirche!

Dann wird es wirr. Hese­mann lehnt aus­drück­lich ab, daß die Bekeh­rung Ruß­lands eine Bekeh­rung zur Katho­li­schen Kir­che hät­te sein sol­len, weil „Ruß­land ja nie katho­lisch“ war (31:08). Dann begeht er den­sel­ben Feh­ler wie heut­zu­ta­ge vie­le, die sich zu die­sem The­ma äußern:

„Die rus­sisch-ortho­do­xe Kir­che ist die eigent­li­che Kir­che [Ruß­lands] seit dem Jah­re 988“ (31:15).

Mit Ver­laub, das ist ein unent­schuld­ba­rer Unsinn. Im Jahr 988 gab es bestimmt kei­ne „rus­sisch-ortho­do­xe Kir­che“. Ein Histo­ri­ker muß das wis­sen. Die Tau­fe von Groß­fürst Wla­di­mir (Wolodymyr/​Waldemar) in Kiew wur­de selbst­ver­ständ­lich inner­halb der römisch-katho­li­schen Kir­che voll­zo­gen. Die Tau­fe war also nicht „ortho­dox“, son­dern katho­lisch, da sie bekannt­lich über sech­zig Jah­re vor dem Mor­gen­län­di­schen Schis­ma von 1054 und somit inner­halb der katho­li­schen Ein­heit statt­fand. Lei­der hält sich der Unsinn von der „ortho­do­xen“ Tau­fe Wla­di­mirs und der Kie­wer Rus‘ hart­näckig, auch auf Wiki­pe­dia.2

Hese­mann erwähnt dann einen Brief von Sr. Lucia an Johan­nes Paul II. im Jahr 1989, in dem die­se die Gül­tig­keit der Wei­he bestä­tigt habe (32:28). Wo, bit­te, ist die­ser Brief ver­öf­fent­licht wor­den? Was steht dort geschrie­ben? Gibt es die­sen Brief über­haupt? Aus dem Jahr 1989 ist näm­lich nur der Brief an einen gewis­sen Wal­ter Noel­ker bekannt, der in der Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on vom Jahr 2000 erwähnt, aber als Fäl­schung erwie­sen wur­de.3

Nur Friede ist Friede – lokale Kriege sind kein Friede

Hese­mann bie­tet dann eine unge­heu­er­li­che, gera­de­zu blas­phe­mi­sche Umdeu­tung des Ver­spre­chens der Mut­ter­got­tes, daß Ruß­land sich bekeh­ren und der Welt eine Peri­ode des Frie­dens geschenkt würde:

„Krie­ge, die sich heu­te ereig­nen, sind lokal, die hei­li­ge Jung­frau hat sich nie auf sol­che Krie­ge bezo­gen, sie sprach von Welt­krie­gen (33:17).“

Das ist eine Lüge. Wo soll das gesagt wor­den sein?

Wenn dar­über hin­aus die Mut­ter­got­tes eine „Peri­ode des Frie­dens“ ver­spricht, dann heißt das eben „Frie­den“. Was ist dar­an unklar?4

Und:

„Sr. Lucia sagt, es sei­en ‚Blin­de‘, die nicht sehen wür­den, daß es Bür­ger­krie­ge immer gab“ (33:22).

Es ist unver­schämt, Men­schen, die die Wor­te der Mut­ter­got­tes von Fati­ma ernst neh­men („Ruß­land wird sich bekeh­ren und der Welt wird eine Peri­ode des Frie­dens geschenkt“) und sich gleich­zei­tig um eine sach­ge­mä­ße Situa­ti­ons­ana­ly­se bemü­hen, als „Blin­de“ zu verunglimpfen.

Die­je­ni­ge Per­son, die sich sol­cher­art äußer­te, konn­te daher unmög­lich die ech­te Sr. Lucia gewe­sen sein.

Hese­mann eiert dann wei­ter herum:

„Was ist gesche­hen? Ruß­land hat sich bekehrt.“

Und dann irgend­wie selbstwidersprüchlich:

„Bei aller berech­tig­ten Kri­tik an Wla­di­mir Putin, muß man doch sagen, daß er sei­ne Macht auf der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che auf­baut und nicht auf einer ande­ren Ideo­lo­gie.“ Es sei etwa durch die Medi­en gegan­gen, „wie Putin wie­der eine Reli­quie verehrt“.

Noch ein­mal: Die in Fati­ma in Aus­sicht gestell­te Bekeh­rung Ruß­lands kann nur eine Bekeh­rung zur Katho­li­schen Kir­che sein, eine Hei­lung des Schis­mas und eine Rück­kehr zu der Ein­heit, wie sie 988, als Groß­fürst Wla­di­mir die Tau­fe emp­fing, bestan­den hat. Daß Putin Reli­qui­en ver­ehrt und die Lit­ur­gie besucht, ist sicher erfreu­lich und wir sähen es ger­ne, wenn unse­re katho­li­schen Poli­ti­ker in Öster­reich und Deutsch­land das auch machen wür­den. Es ist aber nicht die ver­hei­ße­ne Bekeh­rung Rußlands.

Hese­mann fährt dann wei­ter Zick­zack: Sei­ner Mei­nung nach ist das also erfreu­lich, daß Putin sei­ne Macht auf der Ortho­do­xie auf­baut, dann sagt er aber im Wider­spruch dazu:

„Die Kir­chen sind voll, die Men­schen sind gläu­big; daß ihr Glau­be poli­tisch miß­braucht wird, wie es in der Ver­gan­gen­heit auch in katho­li­schen Regio­nen der Fall war, muß man ganz offen sagen, steht auf einem ande­ren Blatt.“

Also was jetzt: Ist das löb­lich, daß Putin sei­ne Macht „auf der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che auf­baut“, aber nicht löb­lich, daß der Glau­be der Rus­sen „poli­tisch miß­braucht“ wird? Hese­mann muß sich hier ent­schei­den. Und was meint er mit dem „Miß­brauch“ des Glau­bens „in katho­li­schen Regionen“?

Wie wenn Hese­mann sei­nen Wort­sa­lat selbst kor­ri­gie­ren woll­te, fügt er an:

„Das Ver­spre­chen der Bekeh­rung Ruß­lands hat statt­ge­fun­den, was Putin dar­aus gemacht hat, steht auf einem ande­ren Blatt.“

Das ist unsin­nig. Ent­we­der Ruß­land hat sich bekehrt oder nicht.

Papst Franziskus und Fatima – ein tiefer Gegensatz

Andre­as Wail­zer bringt dann den Wei­he­akt von Papst Fran­zis­kus in die Diskussion:

„Hat die Wei­he von 2022 auch noch mit Fati­ma zu tun?“

Heses­mann dazu:

„Natür­lich, Fran­zis­kus hat sein Pon­ti­fi­kat der Mut­ter­got­tes von Fati­ma geweiht. Fran­zis­kus war ein mit Fati­ma sehr ver­bun­de­ner Papst.“

Das ist ein schrei­en­der Unsinn. Fran­zis­kus hat die Andacht zu Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma bestimmt nicht geför­dert, das Makel­lo­se Herz Mari­ens und die Süh­ne­sams­ta­ge kamen nie vor. Hese­mann wird ja wohl wis­sen, daß Fran­zis­kus mit sei­nen skan­da­lö­sen Lehr­aus­sa­gen von Amo­ris lae­ti­tia bis Fidu­cia sup­pli­cans die Sün­de gera­de­zu „ent­sün­dig­te“ und damit der Fati­ma-Bot­schaft von Süh­ne und Genug­tu­ung direkt ent­ge­gen­wirk­te. Kann man sich vor­stel­len, daß Unse­re Lie­be Frau von Fati­ma den Skan­dal von Sin­ga­pur, wonach „alle Reli­gio­nen“ zu Gott füh­ren wür­den, gut­ge­hei­ßen hät­te? Nein, zwi­schen Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma und Berg­o­glio bestand ein tie­fer Gegensatz.

Wie man sieht, hat der Wei­he­akt von 2022 fol­ge­rich­tig auch kei­ne erkenn­ba­ren Wir­kun­gen gezei­tigt.5 Der Krieg geht wei­ter und der Westen eska­liert in Rhe­to­rik, Sank­tio­nen und direk­ter Betei­li­gung immer mehr.

Das Dritte Geheimnis und Joseph Ratzinger

Hese­mann sagt, daß das Drit­te Geheim­nis „im Kon­text der Visi­on eines drit­ten Welt­krie­ges“ stün­de (46:09).

Das wider­spricht dem, was Bischof Alber­to Cos­me do Ama­ral (Diö­ze­san­bi­schof von Lei­ria-Fati­ma von 1972 bis 1993) bei einem Vor­trag an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien im Jahr 1984 sag­te. Nach dem Bischof gehe es im Drit­ten Geheim­nis nicht um Nukle­ar­spreng­köp­fe, son­dern um den Glau­bens­ab­fall christ­li­cher Nationen.

Auch Kar­di­nal Ratz­in­ger hat sich bekannt­lich im Jahr 1984 in einem Inter­view dahin­ge­hend geäu­ßert, daß im Drit­ten Geheim­nis die Wich­tig­keit der Letz­ten Din­ge the­ma­ti­siert und Gefah­ren für den Glau­ben ange­kün­digt werden.

Das müß­te Hese­mann eigent­lich wissen.

Schmerz­haft ist, daß Hese­mann die Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on vom 26. Juni 2000 mit dem irre­füh­ren­den Titel Die Bot­schaft von Fati­ma nicht wei­ter hin­ter­fragt. Er spricht bei dem Mach­werk sogar von einem „wun­der­ba­ren Kom­men­tar“ (48:17). Das ist absurd. In die­sem „wun­der­ba­ren Kom­men­tar“ wird die ori­gi­na­le Fati­ma-Bot­schaft über­haupt nicht ver­kün­det, son­dern sogar ange­zwei­felt! Kar­di­nal Ratz­in­ger nennt sogar den Fati­ma-Erz­feind Edu­ard Dha­nis SJ als maß­geb­li­chen Exper­ten und Gewährsmann.

Hese­mann zitiert dann Papst Bene­dikt XVI. mit des­sen bekann­ter, aber nicht wei­ter aus­ge­führ­ter Aus­sa­ge aus dem Jahr 2010, daß sich täu­sche, wer mei­ne, daß die pro­phe­ti­sche Mis­si­on Fati­mas been­det wäre. Er zitiert auch Bene­dikt mit der Aus­sa­ge, daß man bei der Inter­pre­ta­ti­on des Drit­ten Geheim­nis­ses über das Atten­tat auf Johan­nes Paul II. hin­aus auch in die Zukunft blicken müsse.

Im Jahr 2000 war aber vati­kan­of­fi­zi­ell ver­kün­det wor­den, daß Fati­ma der Ver­gan­gen­heit ange­hö­re. Hese­mann löst die­se Wider­sprü­che nicht auf.

Es ver­bie­tet sich von daher auch, vom „gro­ßen Bene­dikt“ zu spre­chen, wie Hese­mann es tut. Bene­dikt hat gera­de in Bezug auf Fati­ma nicht die Wahr­heit gesagt, geschwei­ge denn, daß er die For­de­run­gen umge­setzt hät­te. Er ließ 2013 die Gläu­bi­gen im Stich und schau­te der Ver­wir­rung durch sei­nen Nach­fol­ger prak­tisch taten­los zu. Der Ehren­ti­tel „groß“ ist daher für Papst Bene­dikt XVI. bestimmt nicht angemessen.

War­um Hese­mann all das nicht the­ma­ti­siert, bleibt sein Geheimnis. –

Resümee

Es bleibt zu hof­fen, daß eini­ge Hir­ten der Kir­che den Mut fin­den, den gegen­wär­ti­gen Papst zu kon­fron­tie­ren und die Umset­zung der Fati­ma-Bot­schaft zu verlangen.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro-Life-Akti­vist, mach­te die Erfah­rung, daß Dis­kus­sio­nen mit Ver­tre­tern der offi­zi­el­len Fati­ma-Linie der Kir­che frucht­los bleiben.


1 Es hat offen­bar bis 1938 eine („para­ma­so­ni­sche“) B’nai‑B’rith-Loge mit dem Namen „Soli­da­ri­tät“ in Kra­kau gege­ben: ‚The sta­tu­te of the “B’nai B’rith – Soli­da­ri­ty” Socie­ty in Kraków was regi­stered with a rescript issued by the Lvov Gover­nor­ship on 15 Octo­ber 1892.’ Quel­le: Łuka­sz T. Sro­ka, MEMBERS OF THE “LEOPOLIS” HUMANITARIAN SOCIETY IN LVOV (1899–1938): A GROUP PORTRAIT. SCRIPTA JUDAICA CRACOVIENSIA. PDF auf­find­bar unter: Biblio­te­ka nau­ki. Es wäre inter­es­sant zu erfor­schen, ob die gleich­na­mi­ge Gewerk­schaft bewußt nach einer jüdi­schen Loge benannt wurde.

2 Wenn sich aller­dings die Mos­ko­wi­ter für ihr Chri­sten­tum auf die Tau­fe Wla­di­mirs beru­fen, was sie bekannt­lich tun (wie alle wis­sen, die sich an das Jahr 1988 erin­nern, als die Sowjet­uni­on unter Michail Gor­bat­schow das Tau­send­jahr­ju­bi­lä­um eben­die­ser Tau­fe beging), dann sind sie selbst­ver­ständ­lich umso mehr ver­pflich­tet, zu ihren eige­nen katho­li­schen Wur­zeln zurück­zu­keh­ren. Das hat Hese­mann als Pro­pa­gan­dist der vati­ka­ni­schen Poli­tik natür­lich nicht am Radar­schirm. Seit Dignita­tis hum­a­nae des Zwei­ten Vati­can­ums und dem schänd­li­chen Doku­ment von Bala­mand (1993) ist eine Bekeh­rung Ruß­lands für die vati­ka­ni­sche Büro­kra­tie weder denk­bar noch anstrebbar.

3 „Nun, eini­ge die­ser Brie­fe ent­hal­ten gro­be histo­ri­sche Feh­ler: Ins­be­son­de­re die bei­den Brie­fe an Maria de Belem (vom 29. August 1989) und an Wal­ter Noel­ker (vom 8. Novem­ber 1989) spre­chen von einer Wei­he, die Papst Paul VI. am 13. Mai 1967 wäh­rend sei­nes Besuchs in Fati­ma vor­ge­nom­men habe. Doch Papst Paul VI. hat an die­sem Tag kei­ne Wei­he vor­ge­nom­men, das weiß Sr. Lucia sehr gut, denn sie war dabei“ (Fati­ma-Cen­ter, sie­he näch­ste Fuß­no­te). Ob sie wirk­lich dabei war und nicht jemand ande­rer, ist aller­dings die Fra­ge.
Tat­säch­lich fin­det man im Inter­net einen Wal­ter Noel­ker, der am 8. März 1914 in Washing­ton gebo­ren wur­de und am 5. Dezem­ber 2012 im Alter von 98 Jah­ren ver­starb. Sie­he hier und hier.
Ob die­ser Herr Noel­ker tat­säch­lich einen Brief von „Sr. Lucia“ erhielt, ist unbe­kannt. Da der Brief ohne­hin als Fäl­schung erwie­sen wor­den ist, wird man anneh­men, daß der Name von den Fäl­schern zufäl­lig gewählt wor­den war. Anson­sten könn­te Dr. Hese­mann bei der Fami­lie Noel­ker nachfragen.

4 Das Fati­ma-Cen­ter führt hier die Opfer­zah­len der Krie­ge nach 1945 aus und betont die gigan­ti­sche Zahl vor allem an zivi­len Opfern.

5 Man kann natür­lich immer sagen, daß es ohne die­sen Wei­he­akt noch schlim­mer gekom­men wäre. Viel­leicht ist es so.

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