Von Pater Paolo M. Siano*
Der Initiationsorden der Ritter des Lichts (O.I.CL. oder OICL), mit Sitz in Genua, ist eine freimaurerische Gruppe, die sich – wie wir sehen werden – an der vorchristlichen, also heidnischen römischen Religiosität und an den Schriften von Esoterikern orientiert, die diese besonders geschätzt haben, wie Amedeo Rocco Armentano (1886–1966), Arturo Reghini (1878–1946) und Julius Evola (1898–1974).
Im Jahre 1907 wurde Amedeo Rocco Armentano, genannt ARA, in Florenz in der Loge „Lucifero“ („Luzifer“) des Italienischen Symbolischen Ritus (RSI) unter der Obödienz des Großorients von Italien (GOI) freimaurerisch eingeweiht. Diese Loge war 1905 gegründet worden. Zu den Gründern jener Loge – die später vom Faschismus aufgelöst wurde – gehörte auch Arturo Reghini. 1911 wurde ARA in der Loge „Lucifero“ zum Freimaurermeister „erhoben“. ARA interessierte sich für den Hermetismus. Er gehörte einem freimaurerischen Memphis-und-Misraim-Ritus an. Während des Faschismus flüchtete er nach Brasilien. In Uruguay heiratete er seine Enkelin (die Tochter seiner Tochter)… Zwischen 1919 und 1921 trat ARA zusammen mit Arturo Reghini zur Freimaurerei des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus von „Piazza del Gesù“ unter Saverio Fera über und wurde Mitglied des Obersten Rates der Freimaurer des 33. Grades im Alten und Angenommenen Schottischen Ritus. Auf der Website des Italienischen Symbolischen Ritus (GOI) lesen wir:
„Amedeo Armentano, obwohl weniger bekannt, kann zusammen mit Leone Caetani, mit Arturo Reghini, Guido de Giorgio, Giuliano Kremmerz und Julius Evola zu den Schlüsselfiguren der Wiedergeburt dessen gerechnet werden, was allzu vorschnell und oft mit negativer Bedeutung Neuheidentum genannt wird.“1
In der Tat mag es den „Aristokraten“ oder den „Initiierten“ des „Römischen Weges“ mißfallen, „Neopaganer“ oder „Heiden“ genannt zu werden, da „pagus“ Dorf oder ländliches Gebiet, Landgegend bedeutet… Obwohl der Ausdruck in ihren Augen zu plebejisch erscheinen mag, ist er für uns Katholiken hingegen der klarste und einfachste Ausdruck, um ihre vorchristliche Romanitas zu bezeichnen…
Julius Evola ist „Verfechter eines antichristlichen Romanismus“2. Evola rechtfertigt und preist den Weg der Linken Hand.3
Der Initiationsorden der Ritter des Lichts ist eine freimaurerische Realität, die verdient, studiert zu werden, obwohl die Studienquellen gegenwärtig sehr begrenzt sind, da sie faktisch auf die Seiten der Website des Initiationsorden der Ritter des Lichts beschränkt sind. Betrachten wir einige davon.
1. „Kurze Geschichte“ des Initiationsorden der Ritter des Lichts
„Der Initiationsorden der Ritter des Lichts (O.I.C.L.) wurde am 30. April 1993 rechtmäßig und rituell unter der Ägide des Italienischen Großorients gegründet. Die neun Gründerbrüder kamen aus einer langen und qualifizierten freimaurerischen Erfahrung und repräsentierten einige der bestvorbereiteten Vertreter der Obödienz. Der Inspirator des Ordens, der bereits hohe institutionelle Verantwortungen zu tragen berufen worden war, bezog ferner seine geistige Orientierung aus einem ununterbrochenen Aktivismus in einer Tradition, der er seit 1970 treu geblieben war. 1996, als die inzwischen offenkundige Unvereinbarkeit zwischen der kulturellen, ethischen und geistigen Ausrichtung der neuen Führung des Italienischen Großorientsund den Gründungsprinzipien des Ordens festgestellt wurde, beschloß der O.I.C.L. einstimmig seinen Austritt aus der Obödienz.“4
Es ist gut zu präzisieren, daß der Italienische Großorient, von dem der Initiationsorden der Ritter des Lichts (OICL) spricht, nicht der Großorient von Italien – Palazzo Giustiniani (GOI) ist.
Zwischen 1996 und 1997 trat der OICL der Ehrwürdigen Nationalen Großloge degli A.L.A.M. – Piazza del Gesù unter dem damaligen Großmeister Vincenzo Milone (†1999) bei. 2006 löste sich der OICL auch von jener Großloge und formalisierte mit notarieller Urkunde die Assoziation oder Föderation mit der Massoneria Antica Universale (M.A.U., Universale Alte Freimauererei), die seit 1993 besteht. Die Website des OICL präzisiert: „Mit diesem Akt bekräftigte der Orden seine Kontinuität mit einer Konzeption der initiatischen Tradition, die von der modernen spekulativen Freimaurerei unterschieden ist, indem er letztere sich progressiv von den ursprünglichen Prinzipien entfernen sah, und zwar infolge des Einflusses rationalistischer, illuministischer und politisch-sozialer Strömungen, die sich im Laufe der Neuzeit entwickelt hatten.„5
Seit 2024 gehört der Initiationsorden der Ritter des Lichts offiziell dem Traditionellen Italienischen Freimaurerorden (Ordine Massonico Tradizionale Italiano, O.M.T.I.) des Großmeisters Luigi Pruneti an.6
2. „Wer wir sind“
„Der Initiationsorden der Ritter des Lichts (O.I.C.L.), als Hüter einer traditionellen initiatischen Kontinuität, erkennt in der Tradition das permanente Prinzip, aus dem seine Identität, seine Mission und sein Werk hervorgehen. Der Orden setzt sich zum Ziel, die alten Prinzipien der Traditionellen Weisheit zu bewahren, zu überliefern und zu bezeugen, indem er die integrale Bildung des Menschen durch das Studium der Symbolik, die esoterische Forschung und die initiatische Disziplin fördert. In dieser Perspektive stellt der Ritus keine bloße zeremonielle Äußerung oder eine emotionale Suggestion dar, sondern ein authentisches operatives Instrument, das fähig ist, das progressive Erwachen des Bewußtseins zu fördern und eine Brücke zwischen der sinnlichen Welt und den höheren Dimensionen des Seins zu bilden. Der O.I.C.L. erkennt sich als Glied jener ununterbrochenen Überlieferungskette, die durch die Zeit hindurch den Kontakt mit dem Zentrum der Tradition bewahrt. Diese Kontinuität kann sich offen manifestieren oder im Laufe der Geschichte verschleiert bleiben; das Unveränderliche ist das geistige Prinzip, das sie trägt und das seine Nahrung nicht in bloßer Kontemplation findet, sondern in einer heroischen, operativen und ritterlichen Handlung, die auf die Verwirklichung des inneren Menschen ausgerichtet ist. […] Der Generalsitz des Initiationsordens der Ritter des Lichts ist dauerhaft in Genua festgelegt, der Stadt, in der die hauptsächlichen institutionellen, rituellen und formativen Aktivitäten des Ordens stattfinden.“7
3. „Ziele und Zwecke“ des OICL
Der OICL ist „unpolitisch“, offen für italienische und ausländische Bürger. Und weiter: „Zweck des Ordens ist es, die Bildung einer Gemeinschaft von traditionell orientierten Männern zu fördern, die fähig sind, jene revolutio des Geistes zu bewirken, die den Menschen zu seinem metaphysischen Ursprung und zu den permanenten Werten der Traditionellen Weisheit zurückführt.„8 Der OICL lehnt „jede Form von Dogmatismus“ ab.9
4. „Informationen“
Nachdem er summarisch die initiatischen und nicht-initiatischen Orte des genuesischen Sitzes angegeben hat, erklärt die Website des OICL: „Jede Umgebung ist als integrierender Bestandteil des Bildungsweges des Ritters konzipiert und bewahrt ein artikuliertes symbolisches Erbe, das von den großen Bezügen der europäischen Tradition, der ritterlichen Welt und der operativen Freimaurerei inspiriert ist. Neben diesen Matrizen finden kulturelle Anspielungen auf einige Zivilisationen der nördlichen Hemisphäre Raum, mit besonderem Hinblick auf die geistigen Traditionen einiger der Ureinwohner Nordamerikas und die Ideale des Shinto des alten Kaiserlichen Japan, in einer Perspektive des Vergleichs zwischen verschiedenen Ausdrucksformen derselben Suche nach dem Absoluten.„10
5. „Ritus C.T.I.R.“
„Der Ritterliche Traditionelle Italisch-Römische Ritus bildet die natürliche Vollendung des initiatischen Weges des O.I.C.L. Er schlägt einen Weg der Vervollkommnung vor, der auf der italisch-römischen Tradition gegründet ist und auf die Bildung des Menschen durch Studium, Disziplin, Übung der Tugenden und die bewußte Wiedergewinnung der eigenen geistigen und kulturellen Wurzeln ausgerichtet ist. Ein freier, allmählicher und undogmatischer Weg, der darauf abzielt, das Wissen in Erfahrung und die Erfahrung in Lebenszeugnis zu verwandeln.„11
Innerhalb jener Seite gibt es eine weitere mit vier Links zu entsprechenden Seiten: „Ritterlicher Traditioneller Italisch-Römischer Ritus“, „Das Heilige Feuer“, „Der Kult“, „Die Quellen“. Betrachten wir sie.
5.1. „Ritterlicher Traditioneller Italisch-Römischer Ritus“
Der OICL praktiziert die drei Grade des Lehrlings, Gesellen und Meister. Nur „nachdem man den 3. Grad des Meisters erlangt, die Traditionelle Freimaurer-Akademie besucht und die entsprechenden Prüfungen bestanden hat“, kann man zum „Ritterlichen Traditionellen Italisch-Römischen Ritus“ zugelassen werden.12
Wenig später lesen wir: „Der antidogmatische Pfad, den wir verfolgen, beabsichtigt, in jedem Mitglied des O.I.C.L. den privaten familiären Kult der Ursprünge wiederzubeleben, wiederherzustellen und zu entwickeln, um – durch die tägliche operative Praxis eines elementaren unblutigen Ritus – die Beziehung zum Göttlichen wiederherzustellen, unter Achtung der eigenen Vorfahren. […] Es handelt sich klar um einen Bezug auf die vorchristliche Religiositas, die oft oberflächlich als ethnisch, polytheistisch oder heidnisch definiert wird (besser identifizierbar als Weg zu den Göttern), von der wir glauben, daß sie, beschränkt auf ein römisches initiatisches Zentrum, ununterbrochen ihre Überlieferungskontinuität – oft unterschwellig, auf geheimen Wegen und in sehr verschiedenen Formen – vom Ende des Reiches bis zu unseren Tagen zu bewahren vermocht hat, dank dem Werk elitärer traditioneller esoterischer Gruppen. Neuere Beispiele gibt es noch im vergangenen Jahrhundert, auch durch die Beiträge von Arturo Reghini und Julius Evola.„13
Weiter lesen wir: „Jedes Haus bewahrt sein eigenes häusliches Feuer, während das der Gemeinschaft vom Sacrum Collegium Sororum Hestiae (bestehend aus den Damen des Ordens, denen hohe Verantwortungen übertragen sind) behütet wird, das es in reiner Form mit Holz von arbores felices nährt, sich um die Zubereitung des Mulsum und der verschiedenen rituellen Formen kümmert, die zum vollkommenen Vollzug des Kultes der Phratrie/Kurie notwendig sind. Für die ‚Ritus-Sprache‘ im gemeinsamen Gebrauch ist ein ‚gemischtes‘ Sprachregime angenommen worden, das obligatorisch das Lateinische (heilige Sprache Roms) und, der Praktibilität wegen, das Italienische umfaßt. Einige Formeln des Kultes werden – je nach Fällen und Notwendigkeiten – in ‚archaischem‘ Latein, häufiger in ‚klassischem‘ Latein und manchmal in ‚mittelalterlichem‘ Latein deklamiert.„14
5.2. „Das Heilige Feuer“
„Der R.C.T.I.R. mißt dem Feuer eine noch tiefere Bedeutung bei. Es stellt den Berührungspunkt zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos dar; zwischen dem Menschen und dem Kosmos; zwischen der Materie und dem Geist. Seine Flamme strebt natürlich nach oben, als erinnere sie beständig an ihren Ursprung; deshalb wird das Feuer zum Symbol der evolutionären Spannung des Seins. Es erleuchtet, ohne zu zwingen. Es wärmt, ohne festzuhalten. Es verwandelt, ohne seine eigene Natur zu verlieren. So sollte auch der Weg des Menschen sein.„15
Der Text fährt fort: „In den alten Zivilisationen wurde das Feuer niemals verlassen. Es mußte behütet, genährt und geschützt werden. Sein Erlöschen wurde als ein Unglück nicht nur materieller, sondern auch geistiger Art betrachtet. Aus dieser Notwendigkeit entstanden die Kollegien, die mit seiner Erhaltung beauftragt waren. Unter diesen Institutionen war die berühmteste die der Vestalinnen von Rom, deren Funktion nicht einfach darin bestand, eine Flamme am Brennen zu halten: sie behüteten ein Prinzip, verteidigten die Kontinuität der Gemeinschaft und das Band zwischen den Menschen und dem Heiligen. Der O.I.C.L. erkennt in dieser alten Intuition einen noch aktuellen Wert. Auch heute muß das Feuer behütet werden: nicht das materielle Feuer, sondern das Feuer der Erkenntnis; das Feuer der Tradition; das Feuer der Suche; das Feuer der Heiterkeit.„16
5.3. „Der Kult“
„In der Sicht des O.I.C.L. stellt der Kult weder eine Menge willkürlicher Gesten noch eine symbolische Rezitation dar. Er bildet eine Technik der Harmonisierung, eine Methode, durch die Männer und Frauen versuchen, ihre inneren Frequenzen abzustimmen und sie auf eine gemeinsame Richtung einzustimmen. Deshalb findet die initiatische Arbeit innerhalb des Tempels statt, der ein konzeptueller ritueller und vorbehaltener Begegnungsraum ist. […] Die rituellen Worte, die Musik, die Schläge des Hämmerchens, die Anrufungen und die traditionellen Formeln werden nicht aus bloßer Gewohnheit verwendet: sie setzen einen Rhythmus fest, schaffen eine gemeinsame Struktur, synchronisieren die Aufmerksamkeit der Teilnehmer. Der Klang wird so zu einer Form unsichtbarer Architektur. Ein Bau, der nicht aus Stein, sondern aus Vibrationen besteht. Eine Klangarchitektur. Das Ritual nimmt dann die Form eines kollektiven Mantras an, nicht im religiösen Sinne des Wortes, sondern als geordnete Sequenz von Worten, Gesten und Pausen, die fähig ist, das Bewußtsein zu orientieren. Jeder Teilnehmer bleibt er selbst, fügt sich aber progressiv in eine weitere Dimension ein. Aus dieser Erfahrung entsteht das, was viele Traditionen als Egregore bezeichnet haben. Die Egregore darf nicht als eine getrennte Entität oder ein unsichtbares Wesen vorgestellt werden, das von außen herabsteigt. Sie stellt das Ergebnis der Harmonisierung vieler Bewußtseine dar, die auf einen gleichen Zweck ausgerichtet sind. Wenn Männer und Frauen Absicht, Aufmerksamkeit, Symbole, Rhythmus und Gegenwart teilen, entsteht eine besondere Qualität der kollektiven Erfahrung. Es entsteht ein gemeinsames Feld. Ein geteiltes Bewußtsein. Eine Kraft, die niemand individuell im gleichen Maße erzeugen könnte. Die Egregore ersetzt das Individuum nicht. Sie verstärkt es und verlangt zugleich, daß es mit seiner eigenen Energie zum Bau des gemeinsamen Werkes beiträgt.“17
5.4. „Die Quellen“
„Die hauptsächlichen Inspirationen für die Durchführung und die Wiederaufnahme des Kultes der Gentilen und der Religiositas Romana schöpfen aus klassischen Quellen. Die Aeneis des Vergil wird als heiliger Text betrachtet, während die von Numa Pompilius eingesetzten kultischen Vorschriften fundamental sind. Bedeutende Wichtigkeit nehmen die Formeln Ciceros und des Lukrez an, sowie die Zeugnisse des Servius (Kommentar zur Aeneis), des Livius (Ab Urbe Condita), des Ovid (Fasti), des Plutarch (Parallelviten / Romulus – Das Leben des Numa), des Macrobius (Saturnalia), des Cato (rituelle Formel für das häusliche Opfer), des Libanios (Historiograph, mit Zitat über Julian den Abtrünnigen), des Cicero (De Divinatione), des Sextus Pompeius Festus (De verborum significatu – XXV), des Tacitus (Ab excessu Divi Augusti), des Quintus Aurelius Symmachus (Epistula ad Protadium / Relatio de ara Victoriae) usw. Dieses historische und kulturelle Erbe hat, trotz der Blockierung der Pax Deorum, die durch die Auflösung der Vestalinnen, das Erlöschen des Heiligen Feuers auf dem Forum Romanum, die Zerstörung der heidnischen Tempel und das offizielle Verbot des öffentlichen und privaten Kultes durch Dekret des Theodosius bestimmt wurde, über die Jahrhunderte widerstanden dank dem Werk des Gemistos Plethon, der Römischen Akademie des Pomponius Laetus und zahlreicher anderer, bis es zu uns gelangte durch das Verdienst von Gelehrten wie Giacomo Boni, Amedeo Armentano, Arturo Reghini, Julius Evola, Leone Caetani und zuletzt auch durch den Beitrag des Freundes und Meisters Renato Del Ponte (mit seiner Zeitschrift Arthos, die 1972 entstand und seit 2008 gerade von den Edizioni Arŷa fortgeführt wird, die vom O.I.C.L. inspiriert sind). Die hier gesammelten Werke bilden eine bibliographische Auswahl, die für diejenigen bestimmt ist, die die Themen der Tradition, der Religiositas Romana, der klassischen Welt und der initiatischen Wege vertiefen möchten, die deren Prinzipien, Symbole und Werte überliefert haben. […].„18
Unter den vom OICL vorgeschlagenen „Klassischen Quellen“ befinden sich Schriften von: Apuleius, Jamblichos, Kaiser Julian [dem Abtrünnigen], Pythagoras, Plotin, Porphyrios, Proklos.
Unter den vom OICL vorgeschlagenen „Studien und Essays über die Tradition“ befinden sich zudem Schriften von: Amedeo Rocco Armentano („La Tradizione Iniziatica Romana“, Edizioni Mediterranee, Rom 1977), Giandomenico Casalino („L’Essenza della Romanità“, Edizioni Arya, Genua 2014), Guido De Giorgio („La Tradizione Romana“, Flamen, Mailand 1973), Renato Del Ponte, Mircea Eliade, Julius Evola („Rivolta contro il mondo moderno“, „Cavalcare la tigre“).19
Von Giandomenico Casalino habe ich vor Jahren das Buch „Il nome segreto di Roma. Metafisica della romanità“ („Der geheime Name Roms. Metaphysik der Romanität“, Vorwort von Giandomenico de Turris, Edizioni Mediterranee, Rom 2003) gelesen. In jenem Buch stellt Casalino „Lucifer“ („Lichtträger“, „Morgenstern“) als „Vater“ der „Primordialen Tradition“ (oder „Hermetischen Tradition“ oder „Hermetismus“) dar, also als Vater der „Römischen Tradition“ (vgl. S. 143f), verstanden im hermetistischen und heidnischen Sinne.
Hinsichtlich der Thesen Casalinos ist auch der Online-Artikel vom 3. September 2025, „Marte ed Ermete: commento a ‚Il Nome Segreto di Roma‘ di Giandomenico Casalino“, interessant, in dem wir lesen:
„Nachdem er den ‚Inno a Roma‘ [Hymne an Rom] von Giovanni Pascoli zitiert hat, verweilt Casalino bei der Bedeutung des Namens des Gestirns, das die Trojaner bis an die Gestaden Latiums führte. Dieses Gestirn ist Venus. Dasselbe Italien war als Hesperia von Hesperus her bekannt. Hesperus ist nichts anderes als Venus. Aber Venus ist ein geheimnisvolles Gestirn von doppelter Natur, gleichsam eine androgyne Gottheit. Als Abendstern, der als erster am Himmel beim Sonnenuntergang erscheint, ist sie eben unter dem Namen Hesperus bekannt, als Morgenstern hingegen ist ihr Name Lucifer. Nun ist es gut, darauf hinzuweisen, daß Lucifer in Wirklichkeit der Vater der Primordialen Tradition selbst ist, einer Tradition, die in ihrem esoterischsten Kern den Lehren des alchemistischen Hermetismus entspricht, die in allen Religionen der Menschheit kodifiziert sind. Lucifer ist nach der wahren weisheitlichen Lehre die Schlange der Erkenntnis, der Stammvater aller heroischen Rassen, der Archetyp selbst des Göttlichen Menschen vor dem Fall und der Kreuzigung in der Materie. Interpretationen der christlichen Epoche, die bereits von einer deformierten Auffassung der Natur und von moralisierenden Schrullen verzerrt waren, gingen dann dazu über, Lucifer mit dem Teufel, dem Feind und Widersacher Gottes zu identifizieren. Vom ‚Träger des Lichts‘ verwandelte er sich in die Darstellung des Bösen und der Finsternis. […]. Der Text Casalinos ist eine unverzichtbare Arbeit für diejenigen, die auf dem Wege der Wiederentdeckung der metaphysischen Wurzeln unserer Völker sind. Sich heute, im Schoße dieser zerfallenen Gesellschaft, der geistigen Identität wieder anzueignen, die die unserer Väter war, bedeutet vor allem, konkret auf zwei Ebenen zu wirken: der mikrokosmischen und der makrokosmischen. Es ist wichtig, diesen Aspekt der römischen Tradition zu unterstreichen, der sie direkt an die Spitze aller historisch bezeugten Manifestationen des indoeuropäischen Geistes stellt. […].„20
Kehren wir zur Website des OICL zurück, wo auch „Interne Veröffentlichungen. Den Mitgliedern des Ordens vorbehaltene Bände“ angegeben sind, geschrieben von Nicola Crea, Erstem Ritter [Großmeister] des OICL und herausgegeben von „OICL – Genua“ (nicht von den Edizioni Arya). Gegenwärtig sind es neun Veröffentlichungen, von denen ich nur drei Titel nenne: „Sulla Massoneria“ („Über die Freimaurerei“) (2000), „Codex Aureus“ mit den Ritualen des OICL (2001), „Metafisica Evolutiva dell’Essere“ („Evolutive Metaphysik des Seins“) (2026). Ich habe versucht, sie beim OICL anzufordern, doch man antwortete mir, sie seien denen vorbehalten, die der Loge des Initiationsordens der Ritter des Lichts angehören.
Auf der Seite „Tabularium“ gibt es Links zu: Artikeln von Julius Evola; Artikeln über die „Freimaurerei“, Artikeln über das „Heidentum“, Artikeln über die „Romanitas“ und über die „Tradition“.
Es ist leicht zu verstehen, daß der vom OICL vorgeschlagene „Römische Weg“ nicht der christliche und katholische ist, sondern der vorchristliche (also: heidnische, besser neo-heidnische), den auch Amedeo Rocco Armentano, Arturo Reghini und Julius Evola gewählt haben.
Es ist interessant zu wissen, daß am vergangenen 15. September 2026 die Gestalt des Amedeo Rocco Armentano (geboren in Scalea im Oktober 1886, gestorben in São Paulo in Brasilien am 14. September 1966) im Mittelpunkt einer Veranstaltung stand, an der die Stadtverwaltung von Scalea, das italienische Kulturministerium und die brasilianische Botschaft in Italien beteiligt waren. An der Veranstaltung war Kulturminister Alessandro Giuli persönlich anwesend).21
*Pater Paolo Maria Siano gehört dem Orden der Franziskaner der Immakulata (FFI) an; der promovierte Kirchenhistoriker gilt als einer der besten katholischen Kenner der Freimaurerei, der er mehrere Standardwerke und zahlreiche Aufsätze gewidmet hat. Durch seine Veröffentlichungen bringt er den Nachweis, daß die Freimaurerei von Anfang an esoterische und gnostische Elemente enthielt, die ihre Unvereinbarkeit mit der kirchlichen Glaubenslehre begründen.
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana
- https://www.ritosimbolico.net/simbolici_famosi/armetano.html ↩︎
- vgl. Annarosa Dordoni: Crociata italica. Fascismo e religione nella repubblica di Salò (gennaio 1944 – aprile 1945), [Italischer Kreuzzug. Faschismus und Religion in der Republik von Salò (Januar 1944 – April 1945)], SugarCo Edizioni, Mailand 1976, S. 112, Anm. 46 ↩︎
- vgl. Julius Evola: Il Cammino del Cinabro, Vanni Scheiwiller, Rom 1972, S. 190–191; ebenso Julius Evola: Metafisica del sesso, Edizioni Mediterranee, Rom 2009, S. 130–138 ↩︎
- https://www.oicl.it/breve-storia-it ↩︎
- https://www.oicl.it/breve-storia-it ↩︎
- https://www.oicl.it/breve-storia-it ↩︎
- https://www.oicl.it/chi-siamo-it ↩︎
- https://www.oicl.it/scopi-e-finalit%C3%A0-it ↩︎
- https://www.oicl.it/scopi-e-finalit%C3%A0-it ↩︎
- https://www.oicl.it/informazioni-it ↩︎
- https://www.oicl.it/rito-c-t-i‑r ↩︎
- https://www.oicl.it/rito-cavalleresco-tradizionale-italico-romano/rito-cavalleresco-italico-romano ↩︎
- https://www.oicl.it/rito-cavalleresco-tradizionale-italico-romano/rito-cavalleresco-italico-romano ↩︎
- https://www.oicl.it/rito-cavalleresco-tradizionale-italico-romano/rito-cavalleresco-italico-romano ↩︎
- https://www.oicl.it/rito-cavalleresco-tradizionale-italico-romano-il-fuoco-sacro/rito-cavalleresco-italico-romano ↩︎
- https://www.oicl.it/rito-cavalleresco-tradizionale-italico-romano-il-fuoco-sacro/rito-cavalleresco-italico-romano ↩︎
- https://www.oicl.it/rito-cavalleresco-tradizionale-italico-romano-il-culto/rito-cavalleresco-italico-romano ↩︎
- https://www.oicl.it/rito-cavalleresco-tradizionale-italico-romano-le-fonti/rito-cavalleresco-italico-romano ↩︎
- https://www.oicl.it/rito-cavalleresco-tradizionale-italico-romano-le-fonti/rito-cavalleresco-italico-romano ↩︎
- https://www.paginefilosofali.it/marte-ed-ermete-commento-a-il-nome-segreto-di-roma-di-giandomenico-casalino/ ↩︎
- https://www.comune.scalea.cs.it/novita/scalea-a-roma-cultura-identita-e-relazioni-istituzionali/;
https://www.infopinione.it/index.php/2026/09/15/scalea-amministrazione-a-roma-per-amedeo-rocco-armentano-il-musicista-ed-esoterista-proprietario-di-torre-talao/ ↩︎
Hinterlasse jetzt einen Kommentar