Die (sedisvakantistische) Bischofsweihe bei den Transalpinen Redemptoristen


Pater Michael Mary, Gründer und Generaloberer der altrituellen Transalpinen Redemptoristen, will sich am kommenden 25. Juli ohne päpstliches Mandat zum Bischof weihen lassen.
Pater Michael Mary, Gründer und Generaloberer der altrituellen Transalpinen Redemptoristen, will sich am kommenden 25. Juli ohne päpstliches Mandat zum Bischof weihen lassen.

Der Bischof von Aber­deen, Msgr. Hugh Gil­bert OSB, hat das Ange­bot im über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus in sei­ner schot­ti­schen Diö­ze­se deut­lich aus­ge­wei­tet, zugleich jedoch schar­fe Kon­se­quen­zen aus der jüng­sten Ent­wick­lung inner­halb der alt­ri­tu­el­len Gemein­schaft der Söh­ne des Aller­hei­lig­sten Erlö­sers (FSSR), bes­ser bekannt auch als Tran­sal­pi­ne Redempto­ri­sten, gezo­gen. Wäh­rend ehe­ma­li­ge Mit­glie­der der auf der schot­ti­schen Insel Papa Stron­say ansäs­si­gen Gemein­schaft künf­tig den über­lie­fer­ten Ritus regel­mä­ßig zele­brie­ren dür­fen, warn­te der Bischof ein­dring­lich vor einer von den Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten für den 25. Juli ange­kün­dig­ten uner­laub­ten Bischofs­wei­he, die er als schis­ma­ti­schen Akt bezeichnete.

Künf­tig wird die über­lie­fer­te Mes­se an jedem Sonn­tag in der Kir­che Our Lady of the Garioch and St John the Evan­ge­list in Fet­ter­ne­ar (Aber­deen­shire) zele­briert wer­den. Bis­lang fand sie dort ledig­lich ein­mal im Monat statt. Mit der Zele­bra­ti­on wur­den Pater You­sef Marie FSSR und Pater Peter Mary FSSR betraut. Bei­de gehö­ren den Söh­nen des Aller­hei­lig­sten Erlö­sers an, haben sich jedoch von der der­zei­ti­gen Ordens­lei­tung distanziert.

Hin­ter­grund der Neu­re­ge­lung ist der Kurs­wech­sel der Ordens­füh­rung auf Papa Stron­say. Der 1988 gegrün­de­te Orden stand zunächst der Pius­bru­der­schaft nahe, bis unter Papst Bene­dikt XVI. im Jahr 2008 eine Aus­söh­nung mit Rom statt­fand. Die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten wur­den damals unter die soge­nann­ten Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten eingereiht. 

Nach schlech­ten Erfah­run­gen, die der Orden mit den kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten, kon­kret dem Bischof von Christ­church auf Neu­see­land und der Römi­schen Kurie mach­te, bestritt der Ordens­obe­re in meh­re­ren Erklä­run­gen die Legi­ti­mi­tät der seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil gewähl­ten Päp­ste und wies neue­re päpst­li­che Doku­men­te wie Amo­ris lae­ti­tia und vor allem die Abu-Dha­bi-Erklä­rung zurück. Dar­auf­hin ent­zog Bischof Gil­bert dem Orden die Ver­ant­wor­tung für das Apo­sto­lat des über­lie­fer­ten Ritus in sei­ner Diö­ze­se. Über­gangs­wei­se über­nahm ein Diö­ze­san­prie­ster die Zele­bra­ti­on, bevor nun die bei­den ehe­ma­li­gen Ordens­mit­glie­der ein­ge­setzt wurden.

Im Okto­ber 2025 erklär­te das Gene­ral­ka­pi­tel des Ordens den Bruch mit dem „moder­ni­sti­schen Rom“. Das Gene­ral­ka­pi­tel ver­öf­fent­lich­te ein Mani­fest, in dem sich die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten von Rom los­sa­gen, päpst­li­che Lehr­amts­ent­schei­dun­gen ver­wer­den und auch die von Papst Fran­zis­kus getrof­fe­nen radi­ka­len Coro­na-Maß­nah­men ver­wer­fen. Die Aus­söh­nung mit Rom von 2008 wird dar­in aus­drück­lich bedauert.

Die Transalpinen Redemptoristen enstanden 1988 als altrituelle Abspaltung des Redemptoristenordens. Nachdem sie 2008 in die Einheit mit Rom getreten waren, erklärten sie Im Herbst 2025 die Trennung von dem "modernistischen" Rom
Die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten ent­stan­den 1988 als alt­ri­tu­el­le Abspal­tung des Redempto­ri­sten­or­dens. Nach­dem sie 2008 in die Ein­heit mit Rom getre­ten waren, erklär­ten sie Im Herbst 2025 die Tren­nung von dem „moder­ni­sti­schen“ Rom

Im April 2026 ver­lie­ßen meh­re­re Ordens­an­ge­hö­ri­ge die Insel auf den Ork­ney Inseln, nach­dem der Orden ein zwei­tes, im Mai ver­öf­fent­lich­tes Mani­fest vor­be­rei­te­te, in dem die Wei­he des Grün­ders und Gene­ral­obe­ren zum Bischof ohne päpst­li­ches Man­dat ankün­digt wur­de. Eben­so wur­de bekannt­ge­ge­ben, daß die Päp­ste seit Paul VI. nicht mehr aner­kannt werden. 

Die Bischofs­wei­he ist für den kom­men­den 25. Juli ange­setzt. Bei die­ser Gele­gen­heit will sich P. Micha­el Mary FSSR von drei sedis­va­kan­ti­sti­schen Bischö­fen zum Bischof wei­hen lassen.

Parallene und Unterschiede zu den Bischofsweihen der Piusbruderschaft

Gewis­se Par­al­le­len mit den uner­laub­ten Bischofs­wei­hen der Pius­bru­der­schaft, die am 1. Juli statt­fan­den, lie­gen nahe, doch gibt es grund­le­gen­de Unter­schie­de. Die Unter­schie­de sind nicht for­mal­recht­li­cher Art. Aus römi­scher Sicht erfol­gen bei­de Bischofs­wei­hen ohne päpst­li­ches Man­dat und sind damit seit dem Codex Iuris Cano­ni­ci von 1983 mit der der Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae belegt.

Der Unter­schied liegt in Begrün­dung und Aus­rich­tung. Die Pius­bru­der­schaft argu­men­tiert mit einem „Not­stand“, der sie zu uner­laub­ten Bischofs­wei­hen gezwun­gen habe, um den Fort­be­stand des von Erz­bi­schof Mar­cel Lefeb­v­re im Jahr 1970 gegrün­de­ten Werks zu sichern. Die­ses Werk, die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) mit ihren Apo­sto­la­ten, dient der Exi­stenz­si­che­rung der Tra­di­ti­on und der über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus. 

Die Pius­bru­der­schaft bekennt zugleich ihre Treue zu Rom und zum Papst, den sie im Hoch­ge­bet nennt

Die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten distan­zie­ren sich vom der­zei­ti­gen Rom, das sie als „moder­ni­stisch“ ver­ur­tei­len. Der Ver­such einer Ver­söh­nung, den man fast zwei Jahr­zehn­te lang unter­nom­men habe, sei geschei­tert. Ver­ant­wort­lich dafür sei die feh­len­de Bereit­schaft der kirch­li­chen Hier­ar­chie, die Tra­di­ti­on und den über­lie­fer­ten Ritus zu akzep­tie­ren. Vor allem aber beschä­dig­te das Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus das Ver­hält­nis nachhaltig. 

Der alt­ri­tu­el­le Orden ver­ur­teilt eine gan­ze Rei­he von lehr­amt­li­chen Ent­schei­dun­gen und Gesten von Fran­zis­kus, die er mit der katho­li­schen Leh­re und Ord­nung für unver­ein­bar hält. Die mehr­fach von Fran­zis­kus geäu­ßer­te Gleich­set­zung aller Reli­gio­nen samt der Behaup­tung, sie sei­en alle Wege zu Gott, wird von den Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten als Häre­sie ver­ur­teilt. Da sich Rom auch unter Leo XIV. nicht davon distan­zier­te, sah sich der Orden zu Kon­se­quen­zen genö­tigt. Das Gene­ral­ka­pi­tel zog Schluß­fol­ge­run­gen und erklär­te alle Päp­ste seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil und ihr Lehr­amt für illegitim.

Die Fra­ge der Nen­nung des Pap­stes im Hoch­ge­bet wur­de von den Tran­sal­pi­nen Redem­to­ri­sten zwar bis­her nicht öffent­lich the­ma­ti­siert, doch legt das zwei­te Mani­fest von Mai 2026 nahe, daß sei­ne Nen­nung nicht mehr erfolgt.

Aus die­sem Grund bewegt sich die ange­kün­dig­te Bischofs­wei­he nicht auf der Lefeb­v­re-Linie des Epi­sko­pats, son­dern auf einer sedis­va­kan­ti­sti­schen Linie. Als Haupt­kon­se­kra­tor am 25. Juli ist der kana­di­sche Bischof Pierre Roy vor­ge­se­hen. Wegen des Rück­griffs auf eine sedis­va­kan­ti­sti­sche Wei­he­li­nie ist es schwie­rig, sich einen genea­lo­gi­schen Über­blick der Apo­sto­li­schen Suk­zes­si­on zu verschaffen. 

Erz­bi­schof Lefeb­v­re und Bischof de Castro May­er, bei­de 1991 ver­stor­ben, waren gül­tig und legi­tim geweih­te Prie­ster und Bischö­fe der katho­li­schen Kir­che. Die von ihm 1988 geweih­ten vier Bischö­fe, waren alle auch von ihm zu Prie­stern geweiht wor­den. Alle Wei­hen sind gül­tig, aber sowohl die Prie­ster- also auch spä­ter die Bischofs­wei­hen erfolg­ten uner­laubt. Zwei die­ser Bischö­fe weih­ten am 1. Juli die zwei­te Gene­ra­ti­on von Bischö­fen aus die­ser Lefeb­v­re-Linie gül­ti­ger, aber uner­laub­ter Weihen.

Die bischöfliche Genealogie

Geht der Blick auf Bischof Pierre Roy, der am 25. Juli als Haupt­kon­se­kra­tor vor­ge­se­hen ist, wird der genea­lo­gi­sche Über­blick schwieriger.

  • Der Kana­di­er Pierre Roy (gebo­ren 1958) stammt aus der Pius­bru­der­schaft, was bedeu­tet, daß sich die Lini­en schnei­den. Er wur­de 2011 von Bischof Ber­nard Fel­lay FSSPX, damals Gene­ral­obe­rer der Bru­der­schaft, zum Prie­ster und 2024 von Rodri­go Ribei­ro da Sil­va zum Bischof geweiht. Roy ver­tritt eine sedis­va­kan­ti­sti­sche Position.
  • Der Bra­si­lia­ner Rodri­go Ribei­ro da Sil­va (gebo­ren 1991), der zunächst einem mit der Pius­bru­der­schaft ver­bun­de­nen Bene­dik­ti­ner­klo­ster in Bra­si­li­en ange­hör­te, wur­de 2017 von Bischof Richard Wil­liam­son zum Prie­ster geweiht. Damals gehör­te er der Prie­ster­ver­ei­ni­gung der Apo­stel Jesu und Mari­ens (SAJM) von P. Jean-Michel Fau­re an. Sowohl P. Fau­re als auch Bischof Wil­liam­son waren Teil des soge­nann­ten „Wider­stan­des“, der sich nach der Ent­las­sung Wil­liam­sons aus der Pius­bru­der­schaft ab 2012 for­miert hat­te. Ribei­ro da Sil­va trenn­te sich kurz nach der Prie­ster­wei­he vom „Wider­stand“ und schloß sich einer sedis­va­kan­ti­sti­schen Posi­ti­on an. Ribei­ro da Sil­va wur­de 2021 von Dani­el Dolan zum Bischof geweiht.
  • Der US-Ame­ri­ka­ner Dani­el Dolan (gebo­ren 1951) wur­de 1976 von Erz­bi­schof Lefeb­v­re in Écô­ne zum Prie­ster geweiht und wirk­te zunächst für die Pius­bru­der­schaft in den USA. 1983 wur­de er zusam­men mit acht wei­te­ren ame­ri­ka­ni­schen Prie­stern wegen sedis­va­kan­ti­sti­scher Posi­tio­nen und Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zu lit­ur­gi­schen Fra­gen aus der Bru­der­schaft aus­ge­schlos­sen. Meh­re­re die­ser Prie­ster grün­de­ten damals die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius V. (SSPV). 1993 wur­de Dolan von Mark Pivaru­nas zum Bischof geweiht. Dolan ist 2022 verstorben.
  • Der US-Ame­ri­ka­ner Mark Pivaru­nas (gebo­ren 1958) gehör­te nie der Pius­bru­der­schaft an, son­dern trat bereits als Semi­na­rist der sedis­va­kan­ti­sti­schen Con­gre­ga­ti­on of Mary Imma­cu­la­te Queen (CMRI) von Robert McKen­na bei. Die­ser weih­te ihn 1985 zum Prie­ster. Zum Bischof wur­de er 1991 von Moi­sés Car­mo­na geweiht.
  • Der US-Ame­ri­ka­ner Robert McKen­na (gebo­ren 1927) spielt zwar für die Bischofs­li­nie von Pierre Roy kei­ne Rol­le, wohl aber für die Gül­tig­keit der Prie­ster­wei­he von Mark Pivaru­nas, der wie­der­um für die genann­te Bischofs­li­nie rele­vant ist. McKen­na trat in den Domi­ni­ka­ner­or­den ein und wur­de für die­sen 1958 gül­tig und legi­tim zum Prie­ster geweiht. Nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil stell­te er sich in Oppo­si­ti­on zu den Neue­run­gen und trat mit der Pius­bru­der­schaft in Ver­bin­dung. Mit die­ser kam es dann jedoch zum Zer­würf­nis, als McKen­na sich sedis­pri­va­tio­ni­sti­schen Posi­tio­nen annä­her­te. 1986 wur­de McKen­na von Michel-Lou­is Gué­rard des Lau­riers zum Bischof geweiht.
  • Der Fran­zo­se Michel-Lou­is Gué­rard des Lau­riers, Domi­ni­ka­ner wie McKen­na, war 1898 in Sures­nes bei Paris gebo­ren wor­den. 1931 wur­de er für den Domi­ni­ka­ner­or­den zum Prie­ster geweiht und wur­de als hoch­ge­bil­de­ter Theo­lo­ge und Mathe­ma­ti­ker bekannt. Unter ande­rem lehr­te er an der Päpst­li­chen Late­ran­uni­ver­si­tät in Rom, wo er sich als Tho­mist im Rah­men der Neu­scho­la­stik einen Namen mach­te. Nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil wand­te er sich gegen bestimm­te Ent­wick­lun­gen in der Kir­che, ins­be­son­de­re gegen die Lit­ur­gie­re­form. Er ver­faß­te meh­re­re Stel­lung­nah­men gegen den Novus Ordo Mis­sae, die auch in die soge­nann­te Otta­via­ni-Inter­ven­ti­on ein­flos­sen. 1971 wur­de er Pro­fes­sor an dem von Erz­bi­schof Lefeb­v­re in Écô­ne gegrün­de­ten Prie­ster­se­mi­nar, ohne selbst der Pius­bru­der­schaft anzu­ge­hö­ren. Er ent­wickel­te ab 1979 mit der „The­se von Cas­si­cia­cum“ die soge­nann­te sedis­pri­va­tio­ni­sti­sche Posi­ti­on. Sie erklärt die nach­kon­zi­lia­ren Päp­ste nicht ein­fach für ille­gi­tim, als sei der römi­sche Bischofs­sitz vakant, also unbe­setzt, son­dern erklärt, daß mate­ri­ell die Cathe­dra Petri zwar besetzt sein kön­ne, aber die Inha­ber des Amtes nicht die for­ma­le päpst­li­che Auto­ri­tät besit­zen wür­den. Gué­rard de Lau­riers wur­de im Mai 1981 von Erz­bi­schof Ngô Đình Thục in Tou­lon zum Bischof geweiht (sie­he wei­ter unten).
  • Der Mexi­ka­ner Moi­sés Car­mo­na Rive­ra (gebo­ren 1912) war 1935 gül­tig und legi­tim für die Diö­ze­se Chi­la­pa in Mexi­ko zum Prie­ster geweiht wor­den. Nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil wand­te er sich sedis­va­kan­ti­sti­schen Posi­tio­nen zu, wes­halb ihm der Bischof von Aca­pul­co 1977 die Pfar­rei ent­zog und ihn exkom­mu­ni­zier­te. Er grün­de­te dar­auf die Unión Cató­li­ca Tren­to in Anspie­lung auf das Kon­zil von Tri­ent. Im Okto­ber 1981 wur­de er in Tou­lon in Frank­reich von Erz­bi­schof Pierre Mar­tin Ngô Đình Thục zum Bischof geweiht. Sei­ne Wei­he erfolg­te zwar im sel­ben Jahr, aber nicht zusam­men mit jener des oben genann­ten Domi­ni­ka­ners Gué­rard des Lauriers.
  • Pierre Mar­tin Ngô Đình Thục (gebo­ren 1897) war ein viet­na­me­si­scher Bischof, der 1925 in Rom zum Prie­ster und 1938 mit päpst­li­chem Man­dat zum Bischof geweiht wur­de. 1960 wur­de er zum Erz­bi­schof der neu­errich­te­ten viet­na­me­si­schen Erz­diö­ze­se Hue ernannt. Er war der Bru­der des ersten Prä­si­den­ten von Süd­viet­nam nach der Lan­des­tei­lung von 1954. Thuc geriet nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil immer stär­ker in Oppo­si­ti­on zu den nach­kon­zi­lia­ren Neue­run­gen. Nach dem Fall von Sai­gon und dem Sieg der Kom­mu­ni­sten leb­te er im Exil. Dort kam er auch mit sedis­va­kan­ti­sti­schen Krei­sen in Kon­takt, aus deren Rei­hen er 1976 meh­re­re Bischö­fe weih­te, ohne selbst sedis­va­kan­ti­sti­sche Posi­tio­nen zu ver­tre­ten. Rom erklär­te sei­ne Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae. 1981 nahm er wei­te­re Bischofs­wei­hen vor, dar­un­ter jene von Michel-Lou­is Gué­rard des Lau­ries und von Moi­sés Car­mo­na. 1982 bekann­te er mit der „Erklä­rung von Mün­chen“ offen, daß der Hei­li­ge Stuhl in Rom vakant sei. Er starb 1984.

Die für den 25. Juli vor­ge­se­hen Bischofs­wei­he von P. Micha­el Mary FSSR folgt dem­nach einer Wei­he­li­nie, die auf Erz­bi­schof Thuc, nicht auf Erz­bi­schof Lefeb­v­re zurück­geht. Die den­noch vor­han­de­nen viel­fäl­ti­gen, viel­schich­ti­gen und kon­flikt­rei­chen Über­schnei­dun­gen mit der Pius­bru­der­schaft wur­den aufgezeigt.

Der Hirtenbrief des Bischofs von Aberdeen

In einem Hir­ten­brief, der am Wochen­en­de des 18. und 19. Juli in allen Pfar­rei­en des Bis­tums Aber­deen ver­le­sen wur­de, bezeich­ne­te Bischof Gil­bert die bevor­ste­hen­de Wei­he als „Bruch mit der Ein­heit der Kir­che“. Er zog dabei einen Ver­gleich zu den jüng­sten Bischofs­wei­hen der Pius­bru­der­schaft und ori­en­tier­te sich auch in der Wort­wahl an jener Roms gegen den Wei­hen in Écô­ne. In die­sem Sin­ne erklär­te Msgr. Gil­bert ein sol­cher Schritt stel­le einen „schis­ma­ti­sche Akt“ dar.

Erzbischof Ngô Đình Thục begründete eine illegitime Bischofslinie
Erz­bi­schof Ngô Đình Thục begrün­de­te eine ille­gi­ti­me Bischofslinie

Zugleich ord­ne­te der Bischof an, daß in den Got­tes­dien­sten der Diö­ze­se die Meß­for­mu­la­re „Für die Ein­heit der Kir­che“ ver­wen­det wer­den. Da die Wei­he inner­halb der Bis­tums­gren­zen statt­fin­den soll, sehe er sich ver­pflich­tet, die kirch­li­che Rechts­la­ge unmiß­ver­ständ­lich dar­zu­le­gen. Eine Bischofs­wei­he ohne päpst­li­ches Man­dat sei rechts­wid­rig und tren­ne die unmit­tel­bar Betei­lig­ten von der vol­len Gemein­schaft mit der katho­li­schen Kir­che. Die Gläu­bi­gen for­der­te er aus­drück­lich auf, der Zere­mo­nie fernzubleiben.

In sei­nem Schrei­ben ver­tei­dig­te Msgr. Gil­bert die Bedeu­tung des Papst­am­tes für die Ein­heit der Kir­che. Die Nen­nung des jewei­li­gen Pap­stes im Eucha­ri­sti­schen Hoch­ge­bet jeder katho­li­schen Mes­se sei sicht­ba­rer Aus­druck der welt­wei­ten kirch­li­chen Gemein­schaft. Eine sol­che wird von sedis­va­kan­ti­sti­schen Prie­stern und Bischö­fen ver­wei­gert, weil sie die nach­kon­zi­lia­ren Päp­ste nicht als legi­ti­me Nach­fol­ger des Petrus aner­ken­nen. Das Petrus­amt bewah­re die Kir­che davor, so Bischof Gil­bert, sich in natio­na­le oder ideo­lo­gi­sche Son­der­we­ge zu ver­lie­ren oder ein­zel­nen selbst­er­nann­ten Auto­ri­tä­ten zu fol­gen. Wer die Gemein­schaft mit dem Papst auf­kün­di­ge, gefähr­de nach den Wor­ten des Bischofs die Grund­la­ge kirch­li­cher Einheit.

Die eska­lie­ren­de Kri­se mar­kiert einen tie­fen Ein­schnitt in der Geschich­te der Söh­ne des Aller­hei­lig­sten Erlö­sers. Bischof Gil­bert selbst hat­te den Orden jah­re­lang als reli­giö­se Gemein­schaft diö­ze­sa­nen Rechts kano­nisch anerkannt.

Der als Haupt­kon­se­kra­tor vor­ge­se­he­ne sedis­va­kan­ti­sti­sche Bischof Pierre Roy begrün­de­te die geplan­te Wei­he mit dem inter­na­tio­na­len Wachs­tum der Gemein­schaft. Die­se unter­hal­te Nie­der­las­sun­gen in Schott­land, Neu­see­land und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und betreue dar­über hin­aus Mis­si­ons­ge­bie­te im pazi­fi­schen Raum. Da er die­se Auf­ga­ben nicht mehr selbst wahr­neh­men kön­ne, sei ein eige­ner Bischof erfor­der­lich. Dass dafür kein päpst­li­ches Man­dat ein­ge­holt wer­de, recht­fer­tig­te Roy mit der Auf­fas­sung, die gegen­wär­ti­gen Inha­ber des Hei­li­gen Stuhls sei­en kei­ne legi­ti­men Päpste.

Mit der Aus­wei­tung der tra­di­tio­nel­len Lit­ur­gie durch rom­treue Prie­ster setzt Bischof Gil­bert damit ein dop­pel­tes Signal: Einer­seits bekräf­tigt er, dass die Fei­er der über­lie­fer­ten Mes­se ihren legi­ti­men Platz inner­halb der katho­li­schen Kir­che hat. Ande­rer­seits macht er deut­lich, dass die Pfle­ge der Tra­di­ti­on nach sei­ner Auf­fas­sung untrenn­bar mit der kirch­li­chen Gemein­schaft und der Aner­ken­nung des Pap­stes ver­bun­den bleibt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: X (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Mir gefällt die For­mu­lie­rung nicht, dass sich jemand zum Bischof wei­hen las­sen will. Viel­mehr ent­schei­det sich Bischof Pierre Roy, einen Prie­ster zum Bischof zu wei­hen. Und das ist gut und rich­tig, wenn der Prie­ster geeig­net für die Wei­he ist und Bedarf an einem Bischof besteht. Es soll nie­mand auf die Idee kom­men, die­se Bischofs­wei­he wäre bes­ser oder schlech­ter, als die Wei­hen vom 1. Juli. Alle füh­len sich aus der Mut­ter­kir­che ver­trie­ben. Jeder ringt mit sich selbst und den Sei­nen, das rich­ti­ge zu tun. Lie­bet die Brüder! 

    Nur ein Gedan­ken­spiel. Es ist am Ende des alten Testa­men­tes ange­kün­digt, der Eliah soll in der End­zeit da sein. Auch Jesus sagt das vor­aus. Nie­mand wür­de es wagen, den gro­ßen Eliah zum Bischof zu wei­hen. Wenn nun ange­nom­men, die­ser Pro­phet Bischö­fe ein­set­zen wür­de. Wür­de ein Eliah dann in ein Schis­ma zur Kir­che fal­len, oder könn­te so einer exkom­mu­ni­ziert wer­den? Wel­ches Inter­pre­ta­ti­on­s­y­stem wür­de dann gel­ten? Wür­de es sich gezie­men, den Pro­phe­ten zu fra­gen, ob er sei­ne Hand­lun­gen doch bit­te erklä­ren könnte?

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