Einziger Nachfolgeorden der Franziskaner der Immakulata aufgelöst

Durch massive Restriktionen keine Zukunftsperspektive


Der von Pater Serafino Maria Lanzetta (segnend ganz links) in England gegründete neue Orden der Franziskaner der Immakulata wird aufgelöst. Die obrigkeitlichen Restriktionen sind so massiv, daß der Orden keine Zukunftsperspektive sieht.
Der von Pater Serafino Maria Lanzetta (segnend ganz links) in England gegründete neue Orden der Franziskaner der Immakulata wird aufgelöst. Die obrigkeitlichen Restriktionen sind so massiv, daß der Orden keine Zukunftsperspektive sieht.

Eine bemer­kens­wer­te tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Ordens­ge­mein­schaft in Eng­land steht vor dem Aus. Wie der Vati­ka­nist Edward Pen­tin berich­tet, wur­de die Fami­ly of Mary Imma­cu­la­te and St. Fran­cis (Fami­lie Mari­ens der Unbe­fleck­ten und des hei­li­gen Fran­zis­kus), bes­ser bekannt als die Maria­ni­schen Fran­zis­ka­ner, zum 31. Mai voll­stän­dig aufgelöst.

Die Ent­schei­dung erfolg­te inmit­ten einer Blü­te­pha­se die­ser noch ganz jun­gen Gemein­schaft, die Beru­fun­gen, Bekeh­run­gen und apo­sto­li­sche Akti­vi­tä­ten vorweist.

Die Auf­lö­sung erfolg­te nur acht Jah­re nach der kano­ni­schen Errich­tung der Gemein­schaft durch den Bischof von Ports­mouth, Msgr. Phil­ip Egan. Am 27. April hat­ten die alt­ri­tu­el­len Maria­ni­schen Fran­zis­ka­ner selbst für die Auf­lö­sung gestimmt; am 24. Mai bestä­tig­te Bischof Egan die­sen Schritt durch ein ent­spre­chen­des Dekret.

Wachstum ohne Zukunftsperspektive

In einer Stel­lung­nah­me beton­ten die Ordens­leu­te, daß ihre Ent­schei­dung nicht auf inter­ne Kon­flik­te oder kon­kre­te Vor­fäl­le zurück­zu­füh­ren sei. Aus­schlag­ge­bend sei­en viel­mehr grund­sätz­li­che Fra­gen nach der lang­fri­sti­gen Über­le­bens­fä­hig­keit ihrer Prä­senz in Eng­land und Schott­land gewesen.

Beson­ders bemer­kens­wert ist die Begrün­dung und lie­fert den eigent­li­chen Grund: Trotz wach­sen­der Beru­fun­gen und einer erfolg­rei­chen apo­sto­li­schen Tätig­keit sei es nicht gelun­gen, die not­wen­di­ge „prak­ti­sche und kano­ni­sche Unter­stüt­zung“ für die Aus­bil­dung des Nach­wuch­ses, die recht­li­che Absi­che­rung der Gemein­schaft und künf­ti­ge Prie­ster­wei­hen zu erhal­ten. Ver­schie­de­ne Lösungs­we­ge sei­en geprüft wor­den, hät­ten jedoch kei­ne trag­fä­hi­ge Per­spek­ti­ve eröffnet.

Damit ver­schwin­det eine wei­te­re tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Gemein­schaft nicht wegen man­geln­der Beru­fun­gen oder pasto­ra­ler Bedeu­tung, son­dern trotz nach­weis­ba­rer Frucht­bar­keit. Die berg­o­glia­ni­sche Ära in der Kir­che ist offen­sicht­lich nicht zu Ende.

Erfolgreiches Apostolat

Die Maria­ni­schen Fran­zis­ka­ner zäh­len Brü­der und Schwe­stern. Sie ori­en­tie­ren sich an der maria­ni­schen Spi­ri­tua­li­tät des hei­li­gen Franz von Assi­si und des hei­li­gen Maxi­mi­li­an Kol­be. Seit ihrer Ansied­lung in der Diö­ze­se Ports­mouth haben sie ein breit­ge­fä­cher­tes Apo­sto­lat entfaltet.

Ihre Grün­dung geht auf P. Ser­a­fi­no Maria Lan­zet­ta zurück, eine der prä­gen­den Gestal­ten der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, jenes fran­zis­ka­ni­schen Ordens mino­ri­ti­scher Tra­di­ti­on, der von P. Ste­fa­no Maria Manel­li gegrün­det und Anfang der neun­zi­ger Jah­re kano­nisch errich­tet wor­den war. Der Orden war ursprüng­lich als neu­ri­tu­el­le Gemein­schaft ent­stan­den, wand­te sich jedoch zuneh­mend der kirch­li­chen Tra­di­ti­on zu. Nach dem Motu pro­prio Sum­morum Pon­ti­fi­cum wur­de er alt­ri­tu­ell, behielt jedoch nach außen hin neben dem über­lie­fer­ten Ritus auch die Zele­bra­ti­on des Novus Ordo Mis­sae bei. Dies ermög­lich­te es wohl­wol­len­den Bischö­fen, den Fran­zis­ka­nern der Imma­ku­la­ta von ande­ren Orden auf­ge­ge­be­ne Klö­ster und Mari­en­wall­fahrts­or­te anzu­ver­trau­en. Zugleich trug die­se Ent­wick­lung zur wei­te­ren Ver­brei­tung des über­lie­fer­ten Ritus bei. Papst Bene­dikt XVI. über­trug ihnen sogar den Sakrist­ei­dienst in der Päpst­li­chen Basi­li­ka San­ta Maria Mag­gio­re in Rom.

Dann jedoch trat der deut­sche Papst zurück, und zu sei­nem Nach­fol­ger wur­de der argen­ti­ni­sche Kar­di­nal Jor­ge Mario Berg­o­glio gewählt. Als Papst Fran­zis­kus betrieb er eine regel­rech­te Ver­fol­gung des über­lie­fer­ten Ritus und die Zurück­drän­gung alt­ri­tu­el­ler Gemein­schaf­ten. Ein beson­de­rer Dorn im Auge waren ihm dabei die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, weil sie Modell und Fanal zugleich waren: ein neu­ri­tu­el­ler Orden, der alt­ri­tu­ell gewor­den war und zahl­rei­che Beru­fun­gen anzog und dadurch schnell wuchs, wäh­rend vie­le neu­ri­tu­el­le Orden sta­gnier­ten oder man­gels Beru­fun­gen der Auf­lö­sung zustreben.

Die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta wur­den zum ersten Opfer die­ses berg­o­glia­ni­schen Furors. Bereits im Som­mer 2013 stell­te er sie unter kom­mis­sa­ri­sche Auf­sicht und unter­zog den Orden einer „Reform“, die ihn bei­na­he zugrun­de rich­te­te. Sämt­li­che Beschlüs­se zugun­sten des über­lie­fer­ten Ritus wur­den rück­gän­gig gemacht. Zugleich ver­such­te man zu ver­hin­dern, daß Ordens­mit­glie­der Nach­fol­ge­ge­mein­schaf­ten grün­den und das ursprüng­li­che Cha­ris­ma wei­ter­tra­gen konnten.

Die ein­zi­ge Neu­grün­dung, die trotz aller Wid­rig­kei­ten gelang, war jene von Pater Lan­zet­ta auf eng­li­schem Boden. Von dort aus ent­stand spä­ter auch eine Nie­der­las­sung in Schott­land. Was sich über Jah­re hin­weg viel­ver­spre­chend ent­wickel­te, fin­det nun jedoch ein abrup­tes Ende. Die Grün­de glei­chen dabei jenen ande­rer ver­gleich­ba­rer Fäl­le: Der Druck auf die jun­ge Gemein­schaft wur­de so mas­siv, daß sie kei­ne Zukunfts­per­spek­ti­ve mehr sieht.

Nach­dem Bischof Egan die Gemein­schaft 2014 will­kom­men gehei­ßen hat­te, über­nah­men die Maria­ni­schen Fran­zis­ka­ner die Seel­sor­ge in der Pfar­rei St. Mary in Gos­port. Mit zuneh­men­den Beru­fun­gen eröff­ne­ten sie 2020 ein zwei­tes Haus in der Diö­ze­se und schließ­lich auch eine Nie­der­las­sung in der schot­ti­schen Diö­ze­se Aberdeen.

Ihr Wir­ken umfaß­te Exer­zi­ti­en, Pre­dig­ten, Ver­öf­fent­li­chun­gen und eine inten­si­ve Evan­ge­li­sie­rung über die digi­ta­len Medi­en. Beson­de­re Wert­schät­zung fand ihr lit­ur­gi­sches Ange­bot mit der über­lie­fer­ten römi­schen Lit­ur­gie, den täg­li­chen Ves­pern, eucha­ri­sti­schen Anbe­tungs­stun­den sowie den Herz-Jesu-Frei­ta­gen und Herz-Mariä-Sams­ta­gen. Hin­zu kamen Män­ner­grup­pen, Kon­fe­ren­zen und pasto­ra­le Dien­ste in Lon­don, unter ande­rem im Tyb­urn Con­vent, dem Klo­ster der Ewi­gen Anbe­tung im Her­zen der bri­ti­schen Haupt­stadt. Es befin­det sich an jener Stel­le, an der in der frü­hen Neu­zeit unzäh­li­ge Katho­li­ken wegen ihres Glau­bens auf grau­sa­me Wei­se hin­ge­rich­tet wurden.

Die Folgen von Traditionis Custodes

Obwohl die Gemein­schaft in ihrer Erklä­rung kei­ne direk­te Ver­bin­dung zwi­schen ihrer Auf­lö­sung und ein­zel­nen Maß­nah­men der kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten her­stell­te, ver­weist Edward Pen­tin auf einen ent­schei­den­den Umstand: Nach dem Motu pro­prio Tra­di­tio­nis Cus­to­des von Papst Fran­zis­kus im Jahr 2021 wur­den die Mög­lich­kei­ten zur Fei­er der über­lie­fer­ten Lit­ur­gie zuneh­mend ein­ge­schränkt. Sie wur­den schlicht­weg abgewürgt.

Die Maria­ni­schen Fran­zis­ka­ner selbst bestä­tig­ten, daß die diö­ze­sa­nen Geneh­mi­gun­gen für die über­lie­fer­te Lit­ur­gie seit­her restrik­ti­ver gehand­habt wur­den. Für eine Gemein­schaft, deren geist­li­ches Pro­fil eng mit dem über­lie­fer­ten Ritus ver­bun­den ist, bedeu­te­te dies eine erheb­li­che Bela­stung, die zuletzt unüber­wind­lich wurde.

Übersiedlung geplant

Bischof Egan erklär­te, die Ent­schei­dung sei nach „ernst­haf­ter und sorg­fäl­ti­ger Prü­fung“ getrof­fen wor­den. Die betrof­fe­nen Ordens­leu­te beab­sich­tig­ten, sich einer ande­ren Gemein­schaft mit ähn­li­chem Cha­ris­ma anzu­schlie­ßen und Groß­bri­tan­ni­en in den kom­men­den Mona­ten zu ver­las­sen. Um wel­che Gemein­schaft es sich dabei han­delt, wur­de nicht gesagt.

Damit ver­liert die katho­li­sche Kir­che in Eng­land eine Gemein­schaft, die inner­halb weni­ger Jah­re beacht­li­che Früch­te her­vor­ge­bracht hat­te. Die Auf­lö­sung wirft zugleich Fra­gen auf: Wie kann eine Gemein­schaft mit wach­sen­den Beru­fungs­zah­len und erfolg­rei­chem Apo­sto­lat kei­ne aus­rei­chen­de kir­chen­recht­li­che und prak­ti­sche Unter­stüt­zung fin­den? Und wel­che Aus­wir­kun­gen haben die seit 2021 ver­schärf­ten Restrik­tio­nen gegen­über tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten auf deren Zukunft?

Der Fall der Maria­ni­schen Fran­zis­ka­ner dürf­te daher weit über die Gren­zen der Diö­ze­se Ports­mouth hin­aus Auf­merk­sam­keit finden.

Der Arm der berg­o­glia­ni­schen Ver­fol­gung hat den argen­ti­ni­schen Pon­ti­fex überlebt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Saint Marys

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