Der Hirte, der das verlorene Schaf verflucht

Unwürdige Kommunionspendung


Msgr. Marcelo Colombo, Erzbischof von Mendoza und Vorsitzender der Argentinischen Bischofskonferenz
Msgr. Marcelo Colombo, Erzbischof von Mendoza und Vorsitzender der Argentinischen Bischofskonferenz

Von Cami­nan­te Wanderer*

Am Mon­tag, dem 18. Mai, ver­öf­fent­lich­te Msgr. Mar­ce­lo Colom­bo, Erz­bi­schof von Men­do­za und Vor­sit­zen­der der Argen­ti­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, eine Erklä­rung, die auf sei­nem Insta­gram-Pro­fil sowie auf der Face­book-Sei­te der Kom­mu­ni­ka­ti­onspa­sto­ral von Men­do­za erschien. Dar­über hin­aus wur­de ein Inter­view bei Radio Maria arran­giert, ein Arti­kel in der Zei­tung Los Andes ver­öf­fent­licht [der aller­dings nur weni­ge Stun­den auf dem Por­tal online blieb] sowie Nach­drucke in ande­ren Medi­en mit eben­falls eher flüch­ti­ger Exi­stenz. In sei­ner Erklä­rung ver­sucht der Erz­bi­schof, eine Nach­richt zu wider­le­gen, die wir ver­gan­ge­ne Woche ver­öf­fent­licht haben. Mit allem gebo­te­nen Respekt wer­de ich auf die Erklä­rung des­sen ant­wor­ten, der mein „Vater Bischof“ ist. [Cami­nan­te Wan­de­rer kri­ti­sier­te eine als ent­wür­di­gend emp­fun­de­ne Kom­mu­ni­ons­pen­dung in einer argen­ti­ni­schen Pfar­rei und behaup­te­te zugleich, daß zwei argen­ti­ni­sche Bischö­fe vom Vati­kan wegen restrik­ti­ver Vor­schrif­ten zum Kom­mu­nion­emp­fang infor­mell zurecht­ge­wie­sen wor­den sei­en, dar­un­ter Erz­bi­schof Colom­bo, der Vor­sit­zen­de der Bischofs­kon­fe­renz, Anm. Giu­sep­pe Nardi.]

Das Erste, was jedem auf­fällt, der ein Min­dest­maß an logi­scher Schu­lung besitzt, ist die Zuflucht von Msgr. Colom­bo zu Fehl­schlüs­sen, kon­kret zum soge­nann­ten „Stroh­mann-Argu­ment“. Er kon­stru­iert einen Stroh­mann, den er anschlie­ßend zu Stei­ni­gen beginnt, doch die­ser Stroh­mann exi­stiert in Wirk­lich­keit gar nicht. Er behaup­tet, er habe „Anfra­gen bezüg­lich einer angeb­li­chen vati­ka­ni­schen Sank­ti­on erhal­ten, die mir aus lit­ur­gi­schen Grün­den auf­er­legt wor­den sein soll“. Ich weiß nicht, ob sol­che Sank­tio­nen exi­stie­ren; was ich in mei­nem Bei­trag geschrie­ben habe, war Fol­gen­des: „Beam­te des Dik­aste­ri­ums für den Got­tes­dienst sol­len mit dem Vor­sit­zen­den der Argen­ti­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz und Erz­bi­schof von Men­do­za, Msgr. Mar­ce­lo Colom­bo, sowie mit dem Bischof von San Luis, Msgr. Gabri­el Bar­ba, Gesprä­che geführt haben, in denen sie wegen der restrik­ti­ven Rege­lun­gen gerügt wor­den sei­en, die sie in ihren Diö­ze­sen hin­sicht­lich der Art des Kom­mu­nion­emp­fangs ein­ge­führt hat­ten.“ Die­se Infor­ma­ti­on erhielt ich aus zwei unan­fecht­ba­ren Quel­len, die voll­kom­men unab­hän­gig von­ein­an­der waren. Und die Quel­len waren eben­so klar wie ich selbst: Es han­del­te sich um Gesprä­che in eher freund­li­chem Ton, in denen die bei­den Bischö­fe dar­an erin­nert wur­den, daß die Gläu­bi­gen vol­le Frei­heit besit­zen, die Art des Emp­fangs der Eucha­ri­stie selbst zu wäh­len, und daß das Dik­aste­ri­um im Fal­le fort­ge­setz­ter Beschwer­den beim Vati­kan die restrik­ti­ven Rege­lun­gen in San Luis und Men­do­za nicht wür­de auf­recht­erhal­ten können.

Ein Gespräch mit vati­ka­ni­schen Auto­ri­tä­ten ist etwas völ­lig ande­res als eine vati­ka­ni­sche Sank­ti­on. Eine infor­mel­le Zurecht­wei­sung oder Kor­rek­tur durch Beam­te eines Dik­aste­ri­ums ist kei­ne for­mel­le kano­ni­sche Sank­ti­on. Msgr. Colom­bo ant­wor­tet auf etwas, das ich nie gesagt habe, erschafft einen „Stroh­mann“ und stei­nigt ihn. An kei­ner Stel­le behaup­tet er, daß die Gesprä­che mit dem Dik­aste­ri­um für den Got­tes­dienst nie statt­ge­fun­den hät­ten. Er bestrei­tet ledig­lich die „Sank­ti­on“ und die Exi­stenz „offi­zi­el­ler Mit­tei­lun­gen“. Hät­ten die­se Gesprä­che nie­mals statt­ge­fun­den, wäre es sehr ein­fach gewe­sen, dies direkt zu sagen: „Es gab nie­mals irgend­ei­nen Kon­takt des Dik­aste­ri­ums für den Got­tes­dienst mit mir in bezug auf die­se Ange­le­gen­heit.“ Das Feh­len einer sol­chen direk­ten und spe­zi­fi­schen Demen­tie­rung ist bezeichnend.

Dar­über hin­aus fällt auf, daß der Groß­teil der Erklä­rung nicht dar­auf abzielt zu bewei­sen, daß die geschil­der­ten Tat­sa­chen falsch sind, son­dern viel­mehr dar­auf, mich zu dis­kre­di­tie­ren: anonym, fei­ge, ver­leum­de­risch, beses­sen, patho­lo­gisch. Dies ist ein klas­si­sches Mit­tel – der Ad-homi­nem-Fehl­schluß – wenn man den Inhalt nicht wider­le­gen kann. Die offe­ne Fra­ge bleibt: Hat sich der geschil­der­te Sach­ver­halt ereig­net oder nicht?

Eben­so bemer­kens­wert ist die peti­tio prin­ci­pii, die bereits zu Beginn des Tex­tes erscheint. Titel und Auf­bau der Erklä­rung set­zen von Anfang an vor­aus, daß das Ver­öf­fent­lich­te eine „Lüge“ und eine „Fake News“ sei. Doch genau das wäre erst zu bewei­sen. Es wird als erwie­sen dar­ge­stellt, was gera­de strit­tig ist und was Msgr. Colom­bo nicht belegt. In ähn­li­cher Wei­se wird Leo XIV. zitiert, um die eige­ne Posi­ti­on mit Auto­ri­tät zu ver­se­hen, und anschlie­ßend eine Erzäh­lung per­sön­li­cher Ver­fol­gung kon­stru­iert („die Lügen schmer­zen mich“, „mei­ne Ange­hö­ri­gen lei­den“), um Sym­pa­thie und Mit­ge­fühl der Leser zu gewin­nen. Bei­de Mit­tel sind rhe­to­risch legi­tim, lie­fern jedoch kei­ner­lei Beweis dafür, ob die Gesprä­che mit dem Dik­aste­ri­um statt­ge­fun­den haben oder nicht.

Die Schluß­fol­ge­rung hin­sicht­lich des eigent­li­chen Gegen­stands der Erklä­rung lau­tet daher, daß Msgr. Colom­bo auf etwas ant­wor­tet, das nie­mand gesagt hat. Das heißt: Er ant­wor­tet über­haupt nicht und, wie man umgangs­sprach­lich sagt, „weicht dem Kern der Sache aus“.

Doch es gibt noch meh­re­re wei­te­re Punk­te, auf die ich ein­ge­hen muß. Der Vor­sit­zen­de der Argen­ti­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz stützt sei­ne gesam­te Argu­men­ta­ti­on auf das „Wohl des Got­tes­vol­kes“. Das Pro­blem liegt dar­in, was wir unter „Wohl“ ver­ste­hen. Ich hal­te es nicht für ein Wohl des Got­tes­vol­kes, daß Msgr. Colom­bo den Prie­ster ver­tei­digt, der einem jun­gen Mann die Kom­mu­ni­on ver­wei­ger­te und ihn schlecht behan­del­te, weil die­ser kniend kom­mu­ni­zie­ren woll­te, wie wir hier berich­tet haben. Eben­so wenig scheint es dem Got­tes­volk zu die­nen, daß der­sel­be Prä­lat sich öffent­lich mit dem LGBT-Marsch iden­ti­fi­zier­te, der im ver­gan­ge­nen Jahr in Argen­ti­ni­en statt­fand, und indi­rekt die gläu­bi­gen Men­schen zur Teil­nah­me dar­an ein­lud, wie wir eben­falls berich­te­ten. Und auch die Orga­ni­sa­ti­on eines elek­tro­ni­schen Musik­kon­zerts in sei­ner Erz­diö­ze­se mit dem Star­auf­tritt von Pater Guil­her­me zur Fei­er des Patro­nats­fe­stes, wie von den Medi­en ange­kün­digt, scheint kaum dem Wohl des Got­tes­vol­kes zu die­nen. Man könn­te noch lan­ge wei­te­re sol­cher „Wohl­ta­ten“ auf­zäh­len, die der Herr Bischof den ihm anver­trau­ten Gläu­bi­gen zukom­men läßt.

Msgr. Colom­bo behaup­tet zudem, mei­ne Hal­tung „scha­de der kirch­li­chen Gemein­schaft“. Ich fra­ge mich hin­ge­gen, ob nicht viel­mehr die restrik­ti­ven Maß­nah­men, die er für den Kom­mu­nion­emp­fang ver­fügt hat, oder etwa das (münd­li­che) Ver­bot, in den Mes­sen sei­ner Diö­ze­se auf Latein zu sin­gen – Maß­nah­men also, die allem wider­spre­chen, was die Kir­che wünscht und anord­net – die kirch­li­che Gemein­schaft beschädigen.

Spä­ter erklärt der Erz­bi­schof von Men­do­za, der unter­fer­tig­te Autor „respek­tie­re den guten Ruf ande­rer nicht, mani­pu­lie­re und mache lächer­lich, was wir öffent­lich unter unse­rem Namen äußern. Gleich­zei­tig begeht er einen gro­ßen Wider­spruch: Er for­dert Trans­pa­renz für die gesam­te Kir­che, wäh­rend er einen Raum ver­wal­tet, in dem es kei­ne Mög­lich­keit zu Kom­men­ta­ren, Klar­stel­lun­gen oder Ant­wor­ten gibt, sofern die­se nicht völ­lig mit sei­nen Ansich­ten und Hal­tun­gen über­ein­stim­men.“ Ich bit­te Eure Exzel­lenz, mir zu sagen, wann und wie ich respekt­los gegen­über Ihrem guten Ruf gewe­sen sein soll: Ich habe mich dar­auf beschränkt, Ihre Regie­rungs­ak­te und öffent­li­chen Äuße­run­gen zu kom­men­tie­ren und zu kri­ti­sie­ren, in vie­len Fäl­len scharf. Nie­mals habe ich Urtei­le gefällt, die auf Ver­leum­dung oder üble Nach­re­de in bezug auf ver­trau­li­che Ange­le­gen­hei­ten hin­aus­lau­fen könn­ten, die eben des­halb ver­trau­lich blei­ben müs­sen, und noch weni­ger habe ich über Absich­ten geurteilt.

Und es ist erstaun­lich und bei­na­he zynisch zu behaup­ten, es gebe „kein Recht auf Ant­wort“, gera­de durch Msgr. Colom­bo, der Kom­men­ta­re auf sei­nem X‑Konto nicht zuläßt und die­se Mög­lich­keit auch auf Insta­gram abge­schal­tet hat, nach­dem dort eine Flut kri­ti­scher Reak­tio­nen auf sei­ne Erklä­rung erschie­nen war. Dar­über hin­aus hat er zu kei­nem Zeit­punkt einen Kom­men­tar auf mei­nem Blog hin­ter­las­sen oder eine E‑Mail an die auf der Sei­te ange­ge­be­ne Adres­se geschickt, um sein Recht auf Ant­wort ein­zu­for­dern; statt­des­sen ant­wor­te­te er mir über die offi­zi­el­len Kanä­le sei­ner Erz­diö­ze­se, über Fern­seh­sen­der und die älte­ste und ange­se­hen­ste Zei­tung des Lan­des­in­ne­ren. Habe ich etwa die­sel­ben Mög­lich­kei­ten zur Ant­wort? Wer ist hier der­je­ni­ge, der nicht ant­wor­ten kann? Des­halb lade ich Msgr. Mar­ce­lo Colom­bo öffent­lich ein, mir sei­ne Ant­wort auf mei­nen Bei­trag an mei­ne E‑Mail-Adres­se zu schicken, und ich wer­de sie ger­ne ver­öf­fent­li­chen. Ich bit­te ihn ledig­lich dar­um, auf das zu ant­wor­ten, was ich tat­säch­lich gesagt habe, und nicht auf das, was ich nicht gesagt habe.

Abge­se­hen davon braucht Msgr. Colom­bo nur die Kom­men­ta­re zu lesen, die ich sowohl auf der aktu­el­len als auch auf der frü­he­ren Sei­te ver­öf­fent­licht habe, und er wird die Viel­falt an Mei­nun­gen sehen, die dort erschei­nen – oft­mals dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt zu mei­nen eige­nen. Mehr noch: Gele­gent­lich habe ich sol­che abwei­chen­den Mei­nun­gen sogar als eigen­stän­di­ge Arti­kel ver­öf­fent­licht, damit sie leich­ter gele­sen und dis­ku­tiert wer­den kön­nen. Und noch mehr: Selbst Kar­di­nal Víc­tor Fernán­dez ver­öf­fent­lich­te einen sehr schar­fen Kom­men­tar auf mei­nem Blog, als ich ihn beschul­dig­te, eine Häre­sie geäu­ßert zu haben, als er noch Erz­bi­schof von La Pla­ta war, und ich ver­öf­fent­lich­te sei­nen Kom­men­tar als Arti­kel. Man kann es nach­le­sen. Und noch mehr: Aus­ge­rech­net am Mon­tag, dem 18. Mai, ver­öf­fent­lich­te ich den Arti­kel eines Auto­re, in dem – ent­ge­gen der Mei­nung der Mehr­heit mei­ner Leser – Kar­di­nal Fernán­dez wegen sei­ner Hal­tung zur maria­ni­schen Mit­er­lö­sung ver­tei­digt wird. Wie ich bereits viel­fach gesagt habe, ver­öf­fent­li­che ich nur sol­che Kom­men­ta­re nicht, die den Sedis­va­kan­tis­mus ver­tre­ten, dok­tri­nä­re Irr­tü­mer, Falsch­mel­dun­gen, Klatsch, Belei­di­gun­gen oder Auf­ru­fe zur Gewalt enthalten.

Beson­ders auf­merk­sam gemacht hat mich die aus­ge­prägt kle­ri­ka­li­sti­sche Hal­tung, die Msgr. Colom­bo zum Aus­druck bringt, wenn er erklärt, daß „auch ande­re Bischö­fe, Prie­ster und Lai­en, ja sogar die Päp­ste!, häu­fig vom Autor die­ses Blogs ange­grif­fen wur­den“. Unter Miß­ach­tung der Leh­ren von Papst Fran­zis­kus, der uns vor dem Kle­ri­ka­lis­mus warn­te, scheint der Herr Bischof der Mei­nung zu sein, daß der kle­ri­ka­le Stand von Lai­en nicht kri­ti­siert wer­den dür­fe. Ich wei­se dar­auf hin, daß ich kri­ti­sie­re, das heißt, begrün­de­te Urtei­le über öffent­li­che Äuße­run­gen oder Hand­lun­gen von Kle­ri­kern abge­be; ich grei­fe sie nicht an, was etwas völ­lig ande­res und Schwer­wie­gen­de­res wäre und des­sen mich der Erz­bi­schof von Men­do­za fälsch­li­cher­wei­se beschuldigt.

Ande­rer­seits sprach eben jener Fran­zis­kus von der Not­wen­dig­keit der Par­r­he­sie in der Kir­che und erin­ner­te uns immer wie­der an die syn­oda­le Hal­tung, die die Kir­che im Auf­bruch kenn­zeich­nen müs­se. Genau das ver­su­che ich in aller Beschei­den­heit zu tun: Par­r­he­sie zu üben, also die Wahr­heit mutig, vor­be­halt­los und ohne Berech­nung der Kon­se­quen­zen aus­zu­spre­chen, und Syn­oda­li­tät zu prak­ti­zie­ren, indem ich mei­ne Mei­nung über die Kir­che und ihre Hir­ten über das mir zur Ver­fü­gung ste­hen­de Medi­um äuße­re. Doch wenn man mit Msgr. Colom­bo mit Par­r­he­sie oder syn­odal spricht – sei es ein Prie­ster aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen oder ein ein­fa­cher Gläu­bi­ger wie ich –, dann fol­gen Stra­fen und Ver­ban­nun­gen in die ent­le­gen­sten Pfar­rei­en für jene und Belei­di­gun­gen und Her­ab­set­zun­gen für uns.

Den­ken wir ein­mal nach: Wenn die Bischö­fe in der Geschich­te der Kir­che die­sel­be hef­ti­ge und unnach­gie­bi­ge Hal­tung gegen­über kri­ti­schen Prie­stern und Lai­en gehabt hät­ten wie der Erz­bi­schof von Men­do­za, dann wäre der hei­li­ge Petrus Damia­ni kein Kir­chen­leh­rer gewor­den und Dan­tes Gött­li­che Komö­die wäre erheb­lich kür­zer ausgefallen.

Unmit­tel­bar danach erklärt Msgr. Colom­bo, „es fal­le sei­ne Beses­sen­heit auf, den Kör­per oder das Aus­se­hen ande­rer zu kom­men­tie­ren“. Ich wäre ihm dank­bar, wenn er mir sagen wür­de, in wel­chem Arti­kel sich die­se von ihm fest­ge­stell­ten Obses­sio­nen fin­den. Falls er sich auf den Spitz­na­men bezieht, unter dem ihn sei­ne Mit­brü­der im Bischofs­amt und ein gro­ßer Teil des argen­ti­ni­schen Kle­rus ken­nen, dann ist das nicht mei­ne Schuld: Er möge jene bit­ten, mit dem Mob­bing auf­zu­hö­ren. Falls er sich auf eini­ge Fotos von Kar­di­nal Víc­tor Fernán­dez bezieht, die ich ver­öf­fent­licht habe, muß ich sagen, daß alle die­se Bil­der ent­we­der aus dem per­sön­li­chen Face­book-Pro­fil des Kar­di­nals oder aus Pres­se­or­ga­nen stam­men, die ihn mit sei­ner Zustim­mung foto­gra­fiert haben.

Abschlie­ßend muß ich sagen, daß mich die Hef­tig­keit des Schrei­bens von Msgr. Colom­bo erstaunt hat, in dem er mit Belei­di­gun­gen und Her­ab­set­zun­gen gegen mei­ne Per­son nicht spart. Eben­so wenig spart er mit Dro­hun­gen – nicht nur gegen mich, son­dern auch gegen die Leser, die die Arti­kel in den sozia­len Netz­wer­ken ver­brei­ten. Tat­säch­lich kün­digt er uns Stra­fen in der Höl­le an („es ist Sün­de“), recht­li­che Ver­fol­gun­gen („ihre Num­mern (?) wer­den regi­striert“) und kano­ni­sche Ver­fol­gun­gen („ich habe mei­ne Vor­ge­setz­ten in Rom über die Situa­ti­on infor­miert“ [Seit wann haben Bischö­fe Vor­ge­setz­te? Ich glau­be, hier wäre eine erneu­te Lek­tü­re von Lumen gen­ti­um nötig]).

Exzel­lenz: Las­sen Sie sich nicht vom Zorn über­wäl­ti­gen; ich habe kei­ne Häre­sie ver­kün­det, die Eucha­ri­stie nicht ent­weiht und kein Sakri­leg began­gen; ich habe ledig­lich eini­ge Ihrer Regie­rungs­ak­te kri­ti­siert. Ich hof­fe, daß die­se völ­lig über­zo­ge­nen Reak­tio­nen, die Sie mir gegen­über gezeigt haben, nicht die­sel­ben sind, die Sie gewöhn­lich gegen­über Ihren eng­sten Mit­ar­bei­tern, Ihren Prie­stern und Gläu­bi­gen zei­gen, wenn einer von ihnen wider­spricht oder Sie infra­ge stellt. Das wäre äußerst schwer­wie­gend für das Heil der See­len – auch Ihrer eige­nen, für die ich in kind­li­cher Ver­bun­den­heit bete, wäh­rend ich zugleich dank­bar bin für die Gebe­te, die Sie, mein Vater und Hir­te, für die­sen armen Sün­der darbringen.

PS 1: Ich erwähn­te oben, daß Msgr. Colom­bo die Kom­men­ta­re auf sei­nem Insta­gram-Kon­to am Diens­tag­mor­gen schlie­ßen muß­te. Seit der Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Erklä­rung am Mon­tag­abend war die­ses von stark ableh­nen­den Mei­nun­gen gegen ihn und sei­ne Amts­füh­rung über­flu­tet wor­den. Ich habe Bild­schirm­auf­nah­men davon gemacht.

Der Spre­cher der Argen­ti­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, Pater Máxi­mo Jur­ci­no­vic, beeil­te sich, die bischöf­li­che Erklä­rung auf sei­nem offi­zi­el­len X‑Konto zu ver­öf­fent­li­chen, beglei­tet von den sal­bungs­vol­len Wor­ten, die für vie­le Kle­ri­ker typisch sind. Als Ant­wort erhielt er ledig­lich vier Kom­men­ta­re — alle kri­tisch gegen­über Msgr. Colombo:

Was mich beson­ders erstaunt – und ich sage das auf­rich­tig –, ist die feh­len­de Ver­bin­dung unse­rer Hir­ten zur Rea­li­tät. Der Erz­bi­schof wirft mir im Inter­view bei Radio Maria vor, ich sei der Rea­li­tät ent­frem­det, weil ich den gan­zen Tag damit ver­bräch­te, „mei­nen eige­nen Nabel zu betrach­ten“. Tat­säch­lich scheint aber eher er selbst und sei­ne Kol­le­gen wie Pater Jur­ci­no­vic außer­halb der Rea­li­tät zu ste­hen. Glaubt er wirk­lich, die Kom­men­ta­re auf sei­ne Erklä­rung wür­den posi­tiv und lobend aus­fal­len? Haben sie noch immer nicht begrif­fen, wohin die Stim­mung des „Got­tes­vol­kes“ geht? Gewiß wird er sagen, die Kom­men­ta­to­ren gehör­ten alle zur „inter­na­tio­na­len Tra­di­tio­na­li­sten­be­we­gung“, sei­en unter­ein­an­der abge­spro­chen und scha­de­ten der kirch­li­chen Gemein­schaft. Viel­leicht soll­te er sich dar­an erin­nern, daß der sen­sus fidei des Got­tes­vol­kes kein Hin­ter­grund­rau­schen ist, das man bequem igno­rie­ren kann: Er ist nach der eige­nen Leh­re der Kir­che ein locus theo­lo­gi­cus.

PS 2: Am ver­gan­ge­nen Diens­tag ernann­te die argen­ti­ni­sche Regie­rung den neu­en Staats­se­kre­tär für Kul­tus und Zivi­li­sa­ti­on, Agu­stín Eze­quiel Cau­lo, eine Woche nach­dem der Name des neu­en Apo­sto­li­schen Nun­ti­us bekannt­ge­ge­ben wor­den war. Es han­del­te sich um eine Posi­ti­on, die mit gewis­ser Dring­lich­keit besetzt wer­den muß­te, da in die­ser Woche eine Dele­ga­ti­on des Außen­mi­ni­ste­ri­ums nach Rom reist, um gemein­sam mit dem Vati­kan die Rei­se von Papst Leo XIV. nach Argen­ti­ni­en zu orga­ni­sie­ren. Wie bereits erwähnt, wird sie Ende Novem­ber statt­fin­den und drei Tage dau­ern. Der Papst wird die Städ­te Bue­nos Aires und Cór­do­ba besu­chen; mög­li­cher­wei­se wird noch eine drit­te Stadt hinzugefügt.

*Cami­nan­te Wan­de­rer ist ein argen­ti­ni­scher Phi­lo­soph und Blogger.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cami­nan­te Wanderer

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