Israel weist jordanischen Priester aus

Kritik an wachsendem Druck auf palästinensische Christen


Don Louis Salman besuchte mit jungen palästinensischen Christen am 1. Oktober 2025 die Generalaudienz von Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz in Rom
Don Louis Salman besuchte mit jungen palästinensischen Christen am 1. Oktober 2025 die Generalaudienz von Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz in Rom

Die israe­li­schen Behör­den haben dem jor­da­ni­schen Prie­ster Lou­is Sal­man die Ver­län­ge­rung sei­nes Auf­ent­halts­vi­sums ver­wei­gert und ihn damit gezwun­gen, Palä­sti­na zu ver­las­sen (kon­kret sind die soge­nann­ten Palä­sti­nen­si­schen Auto­no­mie­ge­bie­te gemeint). Der Geist­li­che war Pfar­rer in Beit Sahur bei Beth­le­hem und galt als eine der bekann­te­sten Stim­men für die palä­sti­nen­si­schen christ­li­chen Jugendlichen.

Nach Anga­ben kirch­li­cher Krei­se muß­te Pater Sal­man das Land bis zum 11. Mai ver­las­sen, nach­dem er zuvor einem unge­wöhn­lich lan­gen Sicher­heits­ver­hör unter­zo­gen wor­den war. Israe­li­sche Stel­len sol­len die Ent­schei­dung unter ande­rem mit sei­nen poli­ti­schen Äuße­run­gen sowie sei­nem Ein­fluß auf die christ­li­che Jugend begrün­det haben. Sal­man hat­te Isra­el öffent­lich als „Besat­zungs­macht“ bezeich­net und nahm regel­mä­ßig an natio­na­len und huma­ni­tä­ren Ver­an­stal­tun­gen in palä­sti­nen­si­schen Gebie­ten teil.

Sei­ne letz­te Mes­se zele­brier­te der Prie­ster am Sonn­tag in Beit Sahur, dem bibli­schen „Hir­ten­feld“ nahe Beth­le­hem. Zahl­rei­che Gläu­bi­ge nah­men Abschied von dem Seel­sor­ger, der über Jah­re hin­weg die palä­sti­nen­si­sche christ­li­che Jugend­be­we­gung geprägt hat­te. Bereits in den Tagen zuvor waren Men­schen aus ver­schie­de­nen Tei­len des West­jor­dan­lan­des ange­reist, um ihn zu ver­ab­schie­den. Meh­re­re hun­dert Jugend­li­che betei­lig­ten sich an einer eigens orga­ni­sier­ten Ehrungszeremonie.

Der 1989 gebo­re­ne jor­da­ni­sche Prie­ster hat­te zunächst Infor­ma­tik stu­diert, bevor er 2014 in das Prie­ster­se­mi­nar von Beit Jala ein­trat. Grö­ße­re inter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit erhielt er nach der Tötung der christ­li­chen palä­sti­nen­sisch-ame­ri­ka­ni­schen Jour­na­li­stin Shireen Abu Akleh im Jahr 2022. Sal­man lei­te­te damals die Trau­er­fei­er zu ihrem Geden­ken. Wäh­rend der Über­füh­rung des Sar­ges durch Jeru­sa­lem waren die Trau­ern­den von israe­li­schen Sicher­heits­kräf­ten ange­grif­fen worden.

Kirch­li­che Beob­ach­ter sehen die Aus­wei­sung Sal­mans im Zusam­men­hang mit einem all­ge­mein ver­schärf­ten Vor­ge­hen gegen christ­li­che Ein­rich­tun­gen und Geist­li­che in den palä­sti­nen­si­schen Gebie­ten. Genannt wer­den Ein­schrän­kun­gen reli­giö­ser Fei­ern, Über­grif­fe radi­ka­ler Sied­ler auf Geist­li­che und Ordens­frau­en sowie Kon­flik­te um kirch­li­chen Grund­be­sitz. Zudem wer­den Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gun­gen für Prie­ster aus Jor­da­ni­en, Syri­en, dem Liba­non und Ägyp­ten zuletzt deut­lich restrik­ti­ver gehandhabt.

Inner­halb der palä­sti­nen­si­schen christ­li­chen Gemein­schaft wird die Ent­schei­dung des­halb nicht nur als Maß­nah­me gegen eine ein­zel­ne Per­son ver­stan­den. Vie­le deu­ten sie als Signal gegen die gesell­schaft­li­che und geist­li­che Rol­le der Kir­chen, die für zahl­rei­che Chri­sten im West­jor­dan­land als Trä­ger kul­tu­rel­ler Iden­ti­tät und sozia­ler Sta­bi­li­tät gelten.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­Me­dia (Screen­shot)

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