Die israelischen Behörden haben dem jordanischen Priester Louis Salman die Verlängerung seines Aufenthaltsvisums verweigert und ihn damit gezwungen, Palästina zu verlassen (konkret sind die sogenannten Palästinensischen Autonomiegebiete gemeint). Der Geistliche war Pfarrer in Beit Sahur bei Bethlehem und galt als eine der bekanntesten Stimmen für die palästinensischen christlichen Jugendlichen.
Nach Angaben kirchlicher Kreise mußte Pater Salman das Land bis zum 11. Mai verlassen, nachdem er zuvor einem ungewöhnlich langen Sicherheitsverhör unterzogen worden war. Israelische Stellen sollen die Entscheidung unter anderem mit seinen politischen Äußerungen sowie seinem Einfluß auf die christliche Jugend begründet haben. Salman hatte Israel öffentlich als „Besatzungsmacht“ bezeichnet und nahm regelmäßig an nationalen und humanitären Veranstaltungen in palästinensischen Gebieten teil.
Seine letzte Messe zelebrierte der Priester am Sonntag in Beit Sahur, dem biblischen „Hirtenfeld“ nahe Bethlehem. Zahlreiche Gläubige nahmen Abschied von dem Seelsorger, der über Jahre hinweg die palästinensische christliche Jugendbewegung geprägt hatte. Bereits in den Tagen zuvor waren Menschen aus verschiedenen Teilen des Westjordanlandes angereist, um ihn zu verabschieden. Mehrere hundert Jugendliche beteiligten sich an einer eigens organisierten Ehrungszeremonie.
Der 1989 geborene jordanische Priester hatte zunächst Informatik studiert, bevor er 2014 in das Priesterseminar von Beit Jala eintrat. Größere internationale Aufmerksamkeit erhielt er nach der Tötung der christlichen palästinensisch-amerikanischen Journalistin Shireen Abu Akleh im Jahr 2022. Salman leitete damals die Trauerfeier zu ihrem Gedenken. Während der Überführung des Sarges durch Jerusalem waren die Trauernden von israelischen Sicherheitskräften angegriffen worden.
Kirchliche Beobachter sehen die Ausweisung Salmans im Zusammenhang mit einem allgemein verschärften Vorgehen gegen christliche Einrichtungen und Geistliche in den palästinensischen Gebieten. Genannt werden Einschränkungen religiöser Feiern, Übergriffe radikaler Siedler auf Geistliche und Ordensfrauen sowie Konflikte um kirchlichen Grundbesitz. Zudem werden Aufenthaltsgenehmigungen für Priester aus Jordanien, Syrien, dem Libanon und Ägypten zuletzt deutlich restriktiver gehandhabt.
Innerhalb der palästinensischen christlichen Gemeinschaft wird die Entscheidung deshalb nicht nur als Maßnahme gegen eine einzelne Person verstanden. Viele deuten sie als Signal gegen die gesellschaftliche und geistliche Rolle der Kirchen, die für zahlreiche Christen im Westjordanland als Träger kultureller Identität und sozialer Stabilität gelten.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: VaticanMedia (Screenshot)
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