Nur wenige Tage nach der offiziellen Ernennung wurde Erzbischof Paolo Rudelli bereits in seinen Dienst als Substitut des Kardinalstaatssekretärs und Leiter der Abteilung für Allgemeine Angelegenheiten im vatikanischen Staatssekretariat aufgenommen. Die Bekanntgabe erfolgte am 30. März 2026, seit dem 8. April ist er nun auch faktisch im Amt.
Der Substitut gilt als eine der einflußreichsten Schaltstellen im Vatikan: Er koordiniert die täglichen Geschäfte der Kurie, überwacht interne Abläufe und fungiert gewissermaßen als „Stabschef“ des Papstes. Entsprechend aufmerksam wird jede Neubesetzung dieses Postens verfolgt. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin stellte Msgr. Rudelli persönlich den Mitarbeitern der Sektion vor.
Rückblick: Der Einschnitt unter Becciu
Die jüngere Geschichte dieses Amtes ist ohne den Einschnitt um Kardinal Angelo Becciu nicht zu verstehen. Becciu war von 2011 bis 2018 Substitut und galt als enger Vertrauter von Papst Franziskus. Sein Wechsel auf den Kardinalsposten und späterer dramatischer Absturz im Zuge der Finanzaffären um Immobilienkäufe des Vatikans in London markierten jedoch eine Zäsur. Der Fall Becciu erschütterte nicht nur das Vertrauen in die vatikanischen Verwaltungsstrukturen, sondern rückte auch die Rolle des Substituten stärker ins öffentliche Interesse.
Peña Parra und die Gerüchte
Auf Becciu folgte 2018 der Venezolaner Erzbischof Edgar Peña Parra. Seine Ernennung wurde zunächst als Signal der Internationalisierung präsentiert. Doch um den Vatikandiplomaten rankten sich schon vor seiner Ernennung Gerüchte und Vorwürfe, insbesondere im Zusammenhang mit internen Machtkämpfen und dem rosa Elefanten, den in der Kirche niemand sehen will.
Msgr. Peña Parra konnte sich unter Papst Franziskus im Amt halten, auch wenn sein Wirken nicht frei von Kritik blieb.
Ein neuer Anfang?
Mit Msgr. Paolo Rudelli übernimmt nun ein erfahrener Diplomat das Amt, der bislang vor allem im Auslandsdienst tätig war. Seine schnelle Amtsübernahme deutet darauf hin, daß man im Vatikan bemüht ist, Kontinuität und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.
Ob Msgr. Rudelli tatsächlich einen Neuanfang markieren kann, wird davon abhängen, ob es gelingt, Transparenz und Vertrauen in die Arbeitsweise des Staatssekretariats zu stärken. Die Vergangenheit – von Beccius abruptem Ende bis zu den Diskussionen um Peña Parra – bildet dabei einen unausweichlichen Hintergrund.
Der neue Substitut tritt sein Amt somit nicht nur als Verwalter an, sondern auch als jemand, von dem stillschweigend erwartet wird, verlorenes Vertrauen wiederherzustellen. In einer Institution, in der Personalentscheidungen stets auch kirchenpolitische Signale senden, ist das keine geringe Aufgabe.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Staatssekretariat (Screenshot)
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