Die Fußwaschung Jesu bezeigt das Opferpriestertum

Die tieferen, theologisch bedeutsamen Aspekte


Die Fußwaschung in der Liturgie des Gründonnerstags und ihre große und vielschichtige Bedeutung
Die Fußwaschung in der Liturgie des Gründonnerstags und ihre große und vielschichtige Bedeutung

Ein Kom­men­tar von Mag. Micha­el Gurtner*

Die Fuß­wa­schung, wel­che der Hei­land beim letz­ten Abend­mah­le an sei­nen Apo­steln voll­zog, wird jedes Jahr ger­ne in ver­schie­de­nen Pre­dig­ten und Kom­men­ta­ren aus­ge­legt, und zwar mit gutem Recht. Aller­dings ist es auf­fäl­lig, daß sich die aller­mei­sten dabei auf einen ein­zi­gen Aspekt beschrän­ken, näm­lich jenen der Demuts­ge­ste. Die­se Les­art ist gewiß nicht falsch und hat ihre gute Tra­di­ti­on, wel­che bis in die Patri­stik zurück­reicht. Aller­dings ist die­ser Akt Jesu weit­aus viel­schich­ti­ger und beinhal­tet sehr viel mehr als allein die­sen Aspekt, so rich­tig er als Teil der Gesamt­be­deu­tung auch sein mag. Dane­ben gibt es noch ande­re, tie­fe­re und theo­lo­gisch bedeut­sa­me­re Aspek­te, wel­che kaum ein­mal Erwäh­nung fin­den, etwa die sakra­men­ta­le Bezie­hung von Tau­fe und Buße.

St. Augu­sti­nus erklärt die Fuß­wa­schung bei­spiels­wei­se so, daß das Bad die Rei­ni­gung bei der Tau­fe bedeu­tet, wäh­rend die immer wie­der erfol­gen­de Ver­schmut­zung der Füße die Sün­den meint, wel­che wir trotz des an sich rei­nen Zustan­des immer wie­der bege­hen, und uns davon immer wie­der rein­wa­schen müssen.

Doch auch auf die­sen Aspekt wol­len wir uns heu­te nur sehr flüch­tig bezie­hen, son­dern vor­ran­gig den Bezug zum Opfer und Opfer­prie­ster­tum betrach­ten, wel­cher die zen­tral­ste Kern­aus­sa­ge und die eigent­li­che, inner­ste Bedeu­tung der Fuß­wa­schung darstellt.

Die Fußwaschung war allgemein üblich

Zunächst ist fest­zu­hal­ten, daß die Fuß­wa­schung nur für unser moder­nes, west­lich gepräg­te Ver­ständ­nis einen außer­ge­wöhn­li­chen Akt bedeu­tet, der uns voll­kom­men uner­war­tet und ori­gi­nell neu erscheint, und damit als sol­cher bereits von vorn­her­ein oft­mals roman­ti­siert gedacht wird. Wir den­ken uns die Fuß­wa­schung meist als etwas, das Jesus gleich­sam als ein beson­ders aus­drucks­star­kes Zei­chen neu erdacht hat. Sie erscheint uns als ein in sich „extre­mer“ Aus­druck, der in sei­ner ver­meint­li­chen Über­zo­gen­heit auch die Demut, mit wel­cher sie gemein­hin in Ver­bin­dung gebracht wird, ins Extre­me stei­gert. Doch bereits die­se Vor­stel­lung ist völ­lig ver­fehlt, und folg­lich auch jene Deu­tun­gen, die auf ihr beruhen.

Im hel­le­ni­sti­schen und jüdi­schen Kul­tur­raum der dama­li­gen Zeit war das Waschen der Füße ande­rer etwas voll­kom­men Nor­ma­les und All­täg­li­ches, nichts was jeman­den erstaunt oder ver­wun­dert hät­te. Es gehör­te zum ganz gewöhn­li­chen kul­tu­rel­len und auch reli­giö­sen All­tag, und nie­mand hät­te dar­in etwas beson­ders Ein­drucks­vol­les oder Bedeu­ten­des gese­hen. Auch in der pro­fa­nen, vor­christ­li­chen und heid­ni­schen Welt begeg­net uns die Fuß­wa­schung mit gro­ßer Selbst­ver­ständ­lich­keit, bei­spiels­wei­se in den grie­chi­schen Dra­men und Epen, in den pro­fa­nen All­tags­be­schrei­bun­gen und vie­len ande­ren Tex­ten heid­ni­scher Völ­ker, ins­be­son­de­re der Griechen.

Bereits hier tre­ten uns die Fuß­wa­schun­gen in unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen ent­ge­gen. Wel­che Bedeu­tung eine Fuß­wa­schung im kon­kre­ten Fal­le hat, läßt sich allein aus dem jewei­li­gen Gesamt­kon­text erschlie­ßen. Bald wur­de sie von Skla­ven oder Haus­die­nern voll­zo­gen, bald vom Rang­höch­sten oder dem Haus­va­ter selbst; bals war sie prak­ti­scher Natur, bald eine sym­bo­li­sche Geste; mit­un­ter war sie rei­ne Hygie­ne, sie konn­te eben­so reli­gi­ös moti­viert wie rein pro­fan sein, ritu­ell-kul­tisch oder pro­to­kol­la­risch, sie konn­te Hier­ar­chie oder Freund­schaft aus­drücken. Die Band­brei­te ihrer Bedeu­tung war enorm und stark situa­ti­ons­be­zo­gen. Was sie im kon­kre­ten Fall jeweils bedeu­te­te, muß aus der spe­zi­el­len Situa­ti­on erschlos­sen wer­den, und dies gilt auch für die Fuß­wa­schung Jesu an sei­nen Jüngern. 

Daß es sich bei der Fuß­wa­schung wäh­rend des letz­ten Abend­mah­les nicht um eine sol­che im gewöhn­li­chen Kon­text han­deln konn­te, geht bereits aus dem Zeit­punkt her­vor, in wel­chem sie statt­fand: nicht am Beginn beim Ein­tritt vor dem Mahl, son­dern “als das Abend­mahl gehal­ten ward” (Joh 13,2). Tasten wir die Fuß­wa­schung im Abend­mahls­saal also auf ihren eige­nen Kon­text hin ab und ver­su­chen wird, dar­aus ihre inne­re Bedeu­tung zu extrapolieren.

Die Fußwaschung im Kontext der Vorwegnahme des Kreuzesopfers

Dabei ist zunächst dar­an zu erin­nern, daß sie von Johan­nes beschrie­ben wird und im Rah­men des letz­ten Abend­mahls statt­fand, wel­ches somit auch den kon­tex­tu­el­len Rah­men bil­det und daher den anzu­wen­den­den Inter­pre­ta­ti­ons­schlüs­sel lie­fert. In die­sem Zusam­men­hang ist von Bedeu­tung, daß das letz­te Abend­mahl kein rei­nes Abschieds­mahl ist, son­dern jener histo­ri­sche Augen­blick der Heils­ge­schich­te, in wel­chem der Alte Bund sein Ende fand und in den Neu­en Bund über­ge­führt wur­de: Die vie­len Tem­pel­op­fer, wel­che nur eine vor­läu­fi­ge Vor­be­rei­tung auf das eigent­li­che, heils­wirk­sa­me Opfer sein konn­ten, wur­den nun durch die Dar­brin­gung des Kreu­zes­op­fers des Gott­men­schen Jesus Chri­stus ersetzt und damit obsolet.

Johan­nes, der die Ein­set­zung der Eucha­ri­stie als bekannt vor­aus­setzt und durch die Syn­op­ti­ker als hin­läng­lich belegt sieht, bie­tet, an vie­len Stel­len eine Ver­tie­fung, Ergän­zung und theo­lo­gi­sche Deutung.

Zunächst ein­mal ist die zeit­li­che Ein­ord­nung von Belang. Das Pas­cha­mahl, so betont der hei­li­ge Evan­ge­list, fand noch „vor dem Oster­fe­ste“ (Joh 13,1) statt, weil Jesus wuß­te, „daß sei­ne Stun­de gekom­men war“ (ebd.). Jesus zieht daher das Pes­sach­mahl vor, so daß das „wah­re Opfer­lamm Got­tes“, das er selbst ist, genau zu jenem Zeit­punkt geschlach­tet bzw. gekreu­zigt und damit geop­fert wird, an dem die Opfer­läm­mer des Tem­pels geschlach­tet wer­den, näm­lich am „Rüst­tag“, d. h. am Frei­tag­nach­mit­tag vor dem Pes­sach (Joh 19,14).

Der Tod des wah­ren Opfer­lam­mes Got­tes fällt dadurch zeit­lich mit der Schlach­tung der Tem­pelläm­mer zusam­men, wodurch der Hei­land bewußt den Über­gang vom Alten in den Neu­en Bund mar­kiert. Das letz­te Abend­mahl nimmt das histo­risch-rea­le Opfer des Kar­frei­tags sakra­men­lich-real vor­weg, was den Jün­gern erst im Nach­hin­ein, nach dem Kreu­zes­tod Jesu, voll­stän­dig bewußt wird. Zugleich setzt Jesus damit das eucha­ri­sti­sche Opfer sowie das damit untrenn­bar ver­bun­de­ne Opfer­prie­ster­tum ein. Alles, was im unmit­tel­ba­ren Nach­gang im Abend­mahls­saal geschieht, ist auf die­sen Kern des letz­ten Abend­mahls hin bezogen.

Der Dialog mit Petrus

Als das Abend­mahl gehal­ten ward“ (Joh 13,2), und somit das Opfer­prie­ster­tum ein­ge­setzt wur­de, „stand er… vom Mah­le auf, leg­te sei­ne Ober­klei­der ab, nahm ein lei­ne­nes Tuch, und umgür­te­te sich damit. Dann goß er Was­ser in ein Becken, und fing an, sei­nen Jün­gern die Füße zu waschen, und sie mit dem lei­ne­nen Tuche, mit dem er umgür­tet war, abzu­trock­nen“ (Joh 13,3–5), und „kam zu Simon Petrus“ (Joh 13,6). Die­ser konn­te zu die­sem Zeit­punkt den Sinn die­ser Hand­lung noch nicht erfas­sen und pro­te­stier­te daher: „Herr! Du willst mir die Füße waschen?“ (Joh 13,6).

Die­ser Ein­wand ist ver­ständ­lich, denn nor­ma­ler­wei­se wusch nicht der Herr sei­nen Knech­ten die Füße, son­dern umge­kehrt. Doch die Ant­wort Jesu macht klar, daß es bei die­ser Fuß­wa­schung eben gera­de nicht um die Fra­ge nach hier­ar­chi­scher Ord­nung ging, wie Petrus impli­zier­te, son­dern um Ande­res und Höhe­res, um einen tie­fer­lie­gen­den Sinn:

„Jesus ant­wor­te­te, und sprach zu ihm: Was ich tue, ver­stehst du jetzt nicht; du wirst es aber nach­her ver­ste­hen.“ (Joh 13,7).

Die­ses „nach­her“ bezieht sich auf drei Momen­te: zunächst auf die Beleh­rung Jesu, die er gleich nach der Fuß­wa­schung an sei­ne Jün­ger hielt (Joh 13,12 ff und die anschlie­ßen­den Kapi­tel), sodann auf die Voll­endung des Opfers am Kar­frei­tag, durch wel­ches die Ereig­nis­se des Grün­don­ners­tags erst ihren Sinn erhal­ten, und schließ­lich auf die Beleh­rung durch den Para­klet (Joh 14,26).

Auf den erneu­ten Pro­test Petri gibt der Hei­land den ent­schei­den­den Hin­weis: „Wenn ich dich nicht wasche, so wirst du kei­nen Teil mit mir haben“ (Joh 13,8).

Damit macht Jesus deut­lich, daß es sich bei sei­ner Fuß­wa­schung nicht um jenen Typus von Fuß­wa­schung han­delt, den Petrus zunächst ver­mu­tet hat­te und den er aus dem gewöhn­li­chen All­tag kann­te. Die Fuß­wa­schung Jesu an sei­nen Jün­gern bedeu­te­te viel­mehr Anteil­ha­be mit ihm. Dies ist jeden­falls eine von meh­re­ren Bedeu­tun­gen die­ser Hand­lung Jesu, und zwar die zen­tral­ste von allen, wie wir noch fest­stel­len werden.

Aus die­ser Anteil­ha­be geht schließ­lich die amici­tia Iesu, die „Freund­schaft Jesu“ her­vor, wel­che sie von Knech­ten zu Freun­den wer­den läßt: „Ich nen­ne euch nun nicht mehr Knech­te, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freun­de genannt; denn alles, was ich von mei­nem Vater gehört, habe ich euch kund­ge­tan“ (Joh 15,15). Aller­dings gilt die­se unter der strik­ten Vor­aus­set­zung, daß sie auch tat­säch­lich das tun, was der Hei­land ihnen gebie­tet: „Ihr seid mei­ne Freun­de, wenn ihr tut, was ich euch gebie­te“ (Joh 15,14).

Eine zwei­te Bedeu­tung wird durch Jesus selbst gleich im unmit­tel­ba­ren Anschluß hin­zu­ge­fügt, näm­lich jene, auf wel­che die ein­gangs ange­deu­te­te Aus­le­gung durch Augu­sti­nus basiert: „Wer gewa­schen ist, bedarf nicht mehr, als daß er sich die Füße wasche, son­dern er ist ganz rein. Auch ihr seid rein, aber nicht alle“ (Joh 13,10).

Dies ist eine wei­te­re Bedeu­tung, um die es an die­ser Stel­le jedoch nicht gehen soll; wir wol­len uns zunächst dem Aspekt der Fuß­wa­schung als Sym­bol der Anteil­ha­be an Jesus widmen.

Die Fußwaschung als Amtsunterweisung an die Apostel

Unmit­tel­bar nach der Fuß­wa­schung beginnt Jesus mit einer lan­gen Abschieds­re­de, die sich über meh­re­re Kapi­tel (13–17) erstreckt, naht­los in das hohe­prie­ster­li­che Gebet über­geht und mit die­sem auch endet. Die­se Abschieds­re­de greift ihrer­seits ver­schie­de­ne The­ma­ti­ken auf, die teils inein­an­der­grei­fen, was der Dyna­mik der Rede geschul­det ist: Es han­delt sich nicht um einen Mono­log des Herrn mit streng syste­ma­tisch auf­bau­en­dem Ver­lauf, son­dern um ein Lehr­ge­spräch zwi­schen dem Hei­land und den Apo­steln. Sie unter­bre­chen ihn, stel­len Fra­gen, es kommt zu Dis­kur­sen, und Jesus kehrt zu jenen Gedan­ken zurück, bei denen er unter­bro­chen wur­de, um die Ant­wor­ten sogleich in sei­ne eigent­li­che Rede einzufügen.

Aus die­ser Rede lässt sich, in ihrem Gesamt­zu­sam­men­hang betrach­tet, die eigent­li­che Bedeu­tung der Fuß­wa­schung extrapolieren.

In die­sem Kon­text ist es bedeut­sam, in Erin­ne­rung zu rufen, daß die Abschieds­re­de (samt dem hohe­prie­ster­li­chen Gebet) kei­ne all­ge­mei­ne Zusam­men­fas­sung der Leh­re Jesu dar­stellt und auch nicht in erster Linie an die Gesamt­heit der Gläu­bi­gen gerich­tet ist. Die Adres­sa­ten Jesu sind zunächst die Apo­stel, und zwar ins­be­son­de­re in deren Eigen­schaft als Opfer­prie­ster, zu denen er sie weni­ge Augen­blicke zuvor gemacht hatte. 

Die­se Rede ist daher vor­ran­gig als eine moni­tio, als Amts­un­ter­wei­sung, zu ver­ste­hen, was sich aus zahl­rei­chen Stel­len ablei­ten läßt, die sich über die gesam­te Rede ver­tei­len. Es geht, inein­an­der­grei­fend um das Prie­ster­tum, das Opfer, wel­ches die Prie­ster dar­brin­gen (wer­den), sowie die dar­aus resul­tie­ren­den escha­to­lo­gi­schen Heils­früch­te für jene, für die es dar­ge­bracht wird. Aus eben die­sem Gesamt­kon­text muß auch die Bedeu­tung der Fuß­wa­schung erschlos­sen werden.

Die kultischen Fußwaschungen beim Opfer des Alten Bundes

Nach­dem wir also die Bedeu­tung, sozu­sa­gen den Deu­tungs­schlüs­sel im Gro­ben erkannt haben, ist für die Fein­ju­stie­rung die Hei­li­ge Schrift, ins­be­son­de­re das Alte Testa­ment, dar­auf­hin abzu­ta­sten, ob es Stel­len gibt, wel­che eben­falls eine Fuß­wa­schung im Zusam­men­hang mit Prie­ster­tum und Opfer ken­nen. Denn wir wis­sen, daß das ein­ma­li­ge Heils­op­fer Chri­sti bereits im vor­läu­fi­gen Kult und Opfer des Alten Bun­des vor­ge­zeich­net wur­de und des­sen Funk­ti­on dar­in bestand, auf das Kreu­zes­op­fer hin­zu­füh­ren, um anschlie­ßend mit die­sen Erkennt­nis­sen noch­mals zur Abschieds­re­de zurückzukehren.

Die Fußwaschung der Priester des Alten Bundes

Im Buch Exodus fin­den wir eine erste bedeut­sa­me Stel­le. Nach­dem im Kapi­tel 29 Moses sei­nem älte­ren Bru­der Aaron auf Got­tes Geheiß hin das (erb­li­che) Hohe­prie­ster­tum über­tra­gen hat­te, ergeht fol­gen­der Befehl an Mose: 

”Und der Herr rede­te zu Moses und sprach: Mache auch ein eher­nes Becken mit einem Fuß­ge­stel­le dazu zum Waschen; stel­le es zwi­schen dem Zel­te des Zeug­nis­ses und dem Alta­re auf und tue Was­ser hin­ein, und Aaron und sei­ne Söh­ne sol­len ihre Hän­de und ihre Füße dar­in waschen, wenn sie in das Zelt des Zeug­nis­ses gehen und wenn sie zu dem Alta­re hin­zu­tre­ten wol­len, um dem Herrn auf dem­sel­ben Rauch­op­fer dar­zu­brin­gen, auf daß sie nicht ster­ben. Dies soll ein ewig gel­ten­des Gesetz sein für ihn und für sei­ne Nach­kom­men von Geschlecht zu Geschlecht” (Ex 30,17ff).

Die­ses Gesetz ergeht im Rah­men der Über­tra­gung des Prie­ster­tums: Bevor Aaron und sei­ne Söh­ne, d. h. sei­ne Nach­fol­ger als Hohe­prie­ster, Gott das Opfer dar­brin­gen, müs­sen sie Hän­de und Füße waschen.

Eini­ge Kapi­tel spä­ter, im Kap. 40, geht es um die Wei­he der Prie­ster und um das Opfer, wel­ches die­se dar­brin­gen müssen: 

“Und Moses, und Aaron und des­sen Söh­ne wuschen sich Hän­de und Füße, so oft sie in das Zelt des Bun­des hin­ein­gin­gen und an den Altar tra­ten, wie der Herr dem Moses gebo­ten hat­te” (Ex 40,29f).

Das Buch Levi­ti­kus berich­tet uns gleich ein­gangs noch eine Vor­schrift des Herrn: Nicht nur der Opfer­prie­ster hat­te sich die Füße zu waschen, son­dern auch den Opfer­tie­ren muß­ten die Füße (und die Ein­ge­wei­de) gewa­schen wer­den. Nach Lev 1,9; 13 “sol­len sie aber die Ein­ge­wei­de und die Füße mit Was­ser waschen”.

Neh­men wir bei­de Anwei­sun­gen zusam­men, so sehen wir, daß sich die Anwei­sung zum Waschen der Füße sowohl auf den Opfer­prie­ster als auch auf die Opfer­ga­be bezieht.

Die Fußwaschung am Yom Kippur

Von beson­de­rem Inter­es­se ist für uns auch die Beschrei­bung aus dem sech­zehn­ten Kapi­tel des­sel­ben Buches Levi­ti­kus, da sie den Dia­log zwi­schen Jesus und Petrus bei der Fuß­wa­schung noch­mals wei­ter erhellt. Hier geht es um das bekann­te Opfer am gro­ßen Ver­söh­nungs­tag, dem Yom Kip­pur, an wel­chem die Sün­den des Vol­kes Isra­el durch Auf­le­gung der Hän­de des Prie­sters auf den Kopf eines Bockes sym­bo­lisch auf die­sen gela­den wer­den (der „Sün­den­bock“ Aza­zel), der dann lebend in die Wüste ver­sto­ßen wird, wäh­rend dem Herrn ein ande­rer Bock sowie ein männ­li­ches Kalb als Sünd- und Brand­op­fer dar­ge­bracht werden.

Wenn der Hohe­prie­ster Aaron die­ses Ver­söh­nungs­op­fer dar­bringt, “beklei­de (er) sich mit dem lin­nenen Gewan­de, und ver­hül­le sei­ne Blö­ße mit den lin­nenen Hüft­klei­dern, und lege den lin­nenen Gür­tel um, und set­ze die lin­nene Kopf­be­deckung auf sein Haupt; denn dies sind die hei­li­gen Klei­der, die er alle anle­gen soll, nach­dem er sich geba­det hat” (Lev 16,4).

Wei­ters erging die Wei­sung Gottes: 

“Nach­dem er so das Hei­lig­tum und das Zelt und den Altar gerei­nigt hat, soll er den leben­den Bock her­zu­brin­gen, bei­de Hän­de auf sein Haupt legen, und alle Ver­schul­dun­gen der Söh­ne Isra­els, alle ihre Über­tre­tun­gen und Sün­den beken­nen, und sie ihm auf den Kopf wün­schen, und ihn durch einen bereit­ste­hen­den Mann in die Wüste ver­sto­ßen. Und wenn der Bock alle ihre Ver­ge­hun­gen in die Ein­öde getra­gen hat und in der Wüste frei­ge­las­sen ist, soll Aaron in das Zelt des Zeug­nis­ses zurück­keh­ren, und die Klei­der, die er zuvor ange­zo­gen hat­te, als er in das Hei­lig­tum ein­ging, able­gen und daselbst las­sen. Sodann soll er sei­nen Leib an hei­li­ger Stät­te baden und sei­ne Klei­der anzie­hen. Hier­auf soll er hin­aus­kom­men, und sein und des Vol­kes Brand­op­fer dar­brin­gen, und sowohl für sich als für das Volk beten, und das Fett, wel­ches als Sünd­op­fer dar­ge­bracht ist, auf dem Alta­re ver­bren­nen.… Und der, wel­cher dies ver­brannt hat, soll sei­ne Klei­der waschen und sei­nen Leib in Was­ser baden, und dann erst soll er in das Lager kom­men” (Lev 16, 20ff; 28).

Die Fußwaschung der Jünger am Übergang zum neuen Opferpriestertum

Wenn wir die­se alt­te­sta­men­ta­ri­schen Stel­len, die sich auf das vor­läu­fi­ge Opfer bezie­hen, beach­ten, so wird uns aus dem Kon­text, in wel­chem sich die Fuß­wa­schung voll­zog – unmit­tel­bar nach der Vor­weg­nah­me des Kreu­zes­op­fers und der Ein­set­zung des Opfer­prie­ster­tums – deut­lich, daß sie damit in engem Zusam­men­hang steht und weit über eine blo­ße mora­li­sche Demuts­auf­for­de­rung hin­aus­geht. Viel­mehr ist sie vor­nehm­lich auf das Opfer­prie­ster­tum hin zu deu­ten. Sie bezieht sich auf jene alt­te­sta­men­ta­ri­schen Fuß­wa­schun­gen, wel­che mit dem Opfer ver­bun­den sind, was dann auch in der Abschieds­re­de und im hohe­prie­ster­li­chen Gebet wei­ter ent­fal­tet wird. Die Fuß­wa­schung im Abend­mahls­saal ist somit als ein Teil des Über­gangs vom Prie­ster­tum des Alten Bun­des in das Prie­ster­tum des Neu­en Bun­des zu verstehen.

Im Fol­gen­den wol­len wir noch eini­ge exem­pla­ri­sche Schlüs­sel­stel­len der Abschieds­re­de betrach­ten, die die­sen Gestus im Hin­blick auf das Opfer­prie­ster­tum erläu­tern, und dabei mit dem zuvor Gesag­ten anknüpfen.

Wie der Hohe­prie­ster Aaron umgür­tet sich auch der Hei­land mit dem lin­ner­nen Hüft­ge­wand. Zwar voll­zieht Aaron dies vor der Dar­brin­gung des Opfers, wäh­rend der Hei­land dies vor der Fuß­wa­schung tut; doch indem Johan­nes die­ses Detail so aus­führ­lich beschreibt, ver­bin­det er die Sze­ne der Fuß­wa­schung durch Chri­stus – den wah­ren Hohe­prie­ster, der das Kreu­zes­op­fer vor­weg­ge­nom­men und sein Prie­ster­tum über­tra­gen hat – mit der prie­ster­li­chen Hand­lung Aarons beim Versöhnungsopfer.

Der Ver­weis auf das Bad, das Aaron beim Ver­söh­nungs­op­fer zu neh­men hat­te (im Gegen­satz zur Hand- und Fuß­wa­schung, wie bei den ande­ren Opfern), gibt uns auch einen Ein­blick in die theo­lo­gi­sche Bedeu­tung des zwei­ten Teils des Dia­lo­ges zwi­schen Petrus und Jesus bei der Fuß­wa­schung, als die­ser plötz­lich auch nach der Waschung von Hän­den und Haupt ver­langt, um noch mehr mit Chri­stus ver­eint zu sein: “Da sprach Simon Petrus zu ihm: Herr! nicht allein mei­ne Füße, son­dern auch die Hän­de und das Haupt. Jesus sprach zu ihm: Wer gewa­schen ist, bedarf nicht mehr, als daß er sich die Füße wasche, son­dern er ist ganz rein” (Joh 13,9f.).

Beim Ver­söh­nungs­op­fer reicht die Fuß­wa­schung allei­ne nicht aus, da Aaron durch den Umgang mit dem Sün­den­bock (Aza­zel) unrein gewor­den ist und ein voll­stän­di­ges Rei­ni­gungs­bad benö­tigt. Wie alle alt­te­sta­men­ta­ri­schen Opfer im all­ge­mei­nen auf das Kreu­zes­op­fer Chri­sti vor­aus­deu­ten, so tut es das gro­ße Ver­söh­nungs­op­fer in beson­de­rer Wei­se. Bei­de Böcke, die an die­sem Opfer betei­ligt sind – der “unschul­di­ge Opfer­bock für den Herrn” sowie der Sün­den­bock Aza­zel, auf den die Sün­den des Vol­kes gela­den wer­den – gehö­ren zusam­men und sind gemein­sam ein Urbild Jesu Chri­sti. (Des­halb streckt der Prie­ster wäh­ren des hei­li­gen Meß­op­fers beim Hanc igi­tur sei­ne Hän­de über den Opfer­ga­ben aus – ana­log zum Sün­den­bock –, die nun nicht mehr Stie­re und Böcke, son­dern Brot und Wein sind, wel­che Chri­stus, das Opfer­lamm, wer­den, das die Sün­den der Welt auf sich trägt).

Die Fußwaschung deutet die Anteilhabe am Opferpriestertum Christi an

Jedoch gibt es einen Unter­schied: wäh­rend die alt­te­sta­men­ta­ri­schen Opfer ledig­lich ein Vor­ver­weis sind, ist das hohe­prie­ster­li­che Kreu­zes­op­fer Chri­sti das ein­zig wah­re, wirk­sa­me Ver­söh­nungs­op­fer. Nur er ver­mag tat­säch­lich die Schuld der Welt auf sich zu neh­men, nicht aber die vor­läu­fi­gen Opfer. Die Anteil­ha­be der Apo­stel an Chri­stus, von wel­cher er zu Petrus spricht und wel­che er durch die Fuß­wa­schung anzeigt, ist in erster Linie eine Anteil­ha­be an sei­nem Hohe­prie­ster­tum. Doch es ist eben eine Anteil­ha­be dar­an, und nicht das Hohe­prie­ster­tum selbst, wel­ches allein Chri­stus zukommt. Da er als ein­zig wah­re Hohe­prie­ster jedoch tat­säch­lich und wirk­sam die Schuld auf sich nimmt (ana­log zum Bock der Sün­de) und das Opfer voll­zieht (ana­log zum Opfer­bock für den Herrn), macht die Anteil­ha­be an Chri­stus nicht mehr unrein. Denn nicht der Prie­ster selbst bringt das Opfer dar, son­dern Chri­stus, wel­cher es selbst durch den Opfer­prie­ster auf den Altä­ren gegen­wär­tig setzt. Des­halb kann der Umgang mit Chri­stus nie­mals zur Unrein­heit füh­ren, außer­dem ist es nicht der Prie­ster der die Sün­de trägt, son­dern Chri­stus selbst. Somit bleibt die erlang­te Rein­heit, die sich aus den Früch­ten des Kreu­zes­op­fers auch auf die Prie­ster erstreckt, grund­sätz­lich bestehen, da das Opfer end­gül­tig voll­zo­gen ist: es bedarf somit, anders als bei Aaron, kei­ner ande­ren Rei­ni­gung zur Anteil­ha­be mehr als jene der Fuß­wa­schung, wel­che sin­nen­fäl­li­ger Aus­druck einer ande­ren, vor­an­ge­gan­ge­nen Wirk­lich­keit ist, nicht aber selbst die­se Wirk­lich­keit stif­tet. Der tie­fe­re Sinn des Dia­logs von Petrus und Jesus ist also im Wesen des Hohe­prie­ster­tums Jesu Chri­sti gele­gen, der zugleich Opfer­prie­ster und Opfer­ga­be ist, in der Anteil­ha­be der Apo­stel (Prie­ster) an jenem einen Hohe­prie­ster­tum, sowie in den Unter­schie­den dar­in: Chri­stus bingt das Opfer ein­ma­lig dar, wäh­rend der­je­ni­ge, der Anteil dar­an hat, die­ses sel­be Opfer gegenwärtigsetzt .

Daß der Hei­land den Apo­steln die Füße wäscht und nicht umge­kehrt ihm – als Opfer­prie­ster und Opfer­ga­be – die Füße gewa­schen wer­den, ist des­halb schlüs­sig und fol­ge­rich­tig, weil er als wah­rer Gott kei­ner Rei­ni­gung bedarf. Er selbst ist es ja, der die Rei­ni­gung unmit­tel­bar bewirkt und sie als Ein­zi­ger auch wirk­lich zu voll­brin­gen vermag. 

Des­halb wen­det er als der Über­trä­ger des Opfer­prie­ster­tums die Rei­ni­gungs­vor­schrif­ten auf die­je­ni­gen an, denen die­ses Prie­ster­tum über­tra­gen wird, die es jedoch nicht aus eige­ner Kraft voll­zie­hen kön­nen, son­dern nur aus der Anteil­ha­be an Chri­stus her­aus. So stellt er zugleich den Über­gang vom alten, vor­läu­fi­gen Bund zum neu­en, ewi­gen Bund dar. 

Wie sich die Prie­ster des alten Bun­des vor jedem ihrer vor­läu­fi­gen Opfer Hän­de und Füße waschen muß­ten, so wer­den auch den Apo­steln – bevor sie als Opfer­prie­ster kraft ihrer Anteil­ha­be am Prie­ster­tum des Herrn das ein­ma­li­ge und end­gül­tig voll­zo­ge­ne Opfer Chri­sti sakra­men­tal ver­ge­gen­wär­ti­gen – ein­ma­lig die Füße gewaschen. 

Chri­stus stellt durch die­se Geste also einen unmit­tel­ba­ren Bezug zum Opfer her.

Die Demut kommt erst aus dem Kreuz

Chri­stus ver­de­mü­tigt sich nicht dadurch, daß er den Jün­gern die Füße wäscht, son­dern durch sein Kreu­zes­op­fer, das er als der ein­zig wah­re Hohe­prie­ster dar­bringt und an dem die Apo­stel (und deren Nach­fol­ger) Anteil erhal­ten. Durch die Fuß­wa­schung zeigt er viel­mehr an, daß das Prie­ster­tum, wel­ches ihnen über­tra­gen ist, nicht aus ihnen selbst kommt, son­dern von Chri­stus her, der der wah­re Herr und Mei­ster ist. 

Des­halb muß auch der­je­ni­ge die­sen Gestus voll­zie­hen, der allein imstan­de ist, die­ses Prie­ster­tum zu über­tra­gen, weil nur er Herr und Mei­ster ist. Jesus nimmt dar­auf unmit­tel­bar nach der Fuß­wa­schung selbst Bezug: 

“Nach­dem er nun ihre Füße gewa­schen, und sei­ne Ober­klei­der ange­legt hat­te, setz­te er sich wie­der zu Tische, und sprach zu ihnen: Wis­set ihr, was ich euch getan habe? Ihr nen­net mich Mei­ster und Herr, und mit Recht sagt ihr es; denn ich bin es. Wenn nun ich euch die Füße gewa­schen habe, euer Herr und Mei­ster, so müs­set auch ihr, einer dem andern, die Füße waschen. Denn ich habe euch ein Bei­spiel gege­ben, damit auch ihr so tuet, wie ich euch getan habe” (Joh 13,12–15).

Da Chri­stus, von dem das Prie­ster­tum aus­geht, der Herr und Mei­ster ist, die­je­ni­gen aber, denen er das Prie­ster­tum über­tra­gen hat, dar­an nur Anteil haben und als Die­ner und Gesand­te nicht grö­ßer sein kön­nen als der, der sie gesandt hat, müs­sen auch sie so han­deln wie Christus: 

“Wahr­lich, wahr­lich, ich sage euch: Ein Die­ner ist nicht grö­ßer als sein Herr, und ein Gesand­ter nicht grö­ßer als der, wel­cher ihn gesandt hat! Wenn ihr die­ses wis­set, selig seid ihr, wenn ihr es tut!” (Joh 13,16f).

Und erst von genau die­sem Punkt her, vom Opfer­prie­ster­tum aus, bestim­men sich auch alle wei­te­ren Aspek­te der Fuß­wa­schung, von denen wir zwei bereits kurz ange­deu­tet haben: die Rei­ni­gung von Schuld und die Fuß­wa­schung als Akt der Demut. Erst wenn sie vom Kreuz her ver­stan­den wer­den und als inte­gra­ler Bestand­teil des Opfers, nicht aber gleich­sam dane­ben­ste­hend oder gar von ihm iso­liert gedacht wer­den, sind sie recht verstanden.

Denn das Kreu­zes­op­fer Chri­sti, in das die Apo­stel von nun an hin­ein­ge­stellt sind und des­sen Ver­ge­gen­wär­ti­gung ihnen auf­ge­tra­gen ist, ist der eigent­li­che Akt der Ver­de­mü­ti­gung des Herrn: “Er ernied­rig­te sich selbst, indem er gehor­sam ward bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreu­ze” (Phil 2,8). Wür­de die Fuß­wa­schung ledig­lich als eine mora­lisch-sozio­lo­gi­sche Demuts­ge­ste auf­ge­faßt, so wäre damit viel zu wenig aus­ge­sagt; denn die in ihr ent­hal­te­ne Demut ist kei­ne gerin­ge­re als jene des Kreu­zes­op­fers des Gottesknechtes. 

Weil die Fuß­wa­schung mit dem Prie­ster­tum in Zusam­men­hang steht, ist auch der Auf­trag “damit auch ihr so tuet, wie ich getan habe” (Joh 13,15) ana­log zu dem Her­ren­auf­trag bei der Ein­set­zung des Opfer­prie­ster­tums “Die­ses tut zu mei­nem Gedächt­nis­se” (Lk 22,19 bzw. 1 Kor 11,24) zu ver­ste­hen: In der Fuß­wa­schung wie­der­holt Chri­stus jenen Auf­trag, den er weni­ge Augen­blicke zuvor bereits im Zusam­men­hang mit der Ein­set­zung des Prie­ster­tums gege­ben hatte. 

Sie sind daher die Wie­der­ho­lung, Fort­füh­rung und Bekräf­ti­gung des prie­ster­li­chen Sen­dungs­auf­tra­ges des Hei­lan­des an sei­ne Jün­ger und nicht ledig­lich eine all­ge­mei­ne Auf­for­de­rung zu Demut und Dienst­be­reit­schaft. Ihr Auf­trag ist das opus Dei und geht somit weit über jede mensch­li­che Dienst­bar­keit hinaus.

Die Reinigung fließt aus dem Kreuze

Ganz ähn­lich ver­hält es sich auch mit dem Aspekt der Fuß­wa­schung als Rei­ni­gung. Auch sie ent­springt aus dem hohe­prie­ster­li­chen Kreu­zes­op­fer unse­res Hei­lands; hat die­ses doch als sei­ne Haupt­frucht die Rei­ni­gung von Schuld. Sie bleibt daher – wie die Fuß­wa­schung, durch wel­che sie ange­zeigt ist, sowie das letz­te Abend­mahl selbst, in des­sen Rah­men dies alles geschah – nicht bei jener alt­te­sta­men­ta­ri­schen, hin­wei­sen­den Bedeu­tung ste­hen, son­dern wird durch das Kreu­zes­op­fer des gött­li­chen Hei­lands zu einer neu­en, voll­ende­ten Wirklichkeit.

Auch der gesam­te wei­te­re Ver­lauf der Abschieds­re­de und des hohe­prie­ster­li­chen Gebe­tes des Hei­lands, in wel­chem sich die The­ma­tik des Opfers, sei­ner Früch­te sowie des Prie­ster­tums wie ein roter Faden hin­durch­zieht, macht deut­lich, daß sich die Fuß­wa­schung nur im Zusam­men­hang mit der Über­tra­gung des Opfer­prie­ster­tums recht deu­ten läßt. Die ver­schie­de­nen Stel­len wür­den das hier Gesag­te unter­strei­chen; doch erscheint es nicht nötig, dies hier in exten­so dar­zu­le­gen.

Abschlie­ßend bleibt nur noch zu wün­schen, daß es in Pre­digt, Leh­re und Kate­che­se bald wie­der zu einer Ver­tie­fung des katho­li­schen Glau­bens und der gött­li­chen Heils­my­ste­ri­en kom­me; denn sie sind zu groß und zu bedeut­sam, als daß man sie auf rein pseu­do­mo­ra­li­sche oder gesell­schafts­kri­ti­sche Aspek­te redu­zie­ren dürfte.

*Mag. Don Micha­el Gurt­ner ist ein aus Öster­reich stam­men­der Diö­ze­san­prie­ster, der in der Zeit des öffent­li­chen (Coro­na-) Meß­ver­bots die­sem wider­stan­den und sich gro­ße Ver­dien­ste um den Zugang der Gläu­bi­gen zu den Sakra­men­ten erwor­ben hat. Von ihm stam­men die Kolum­ne „Zur Lage der Kir­che“ und wei­te­re Bei­trä­ge.

Bild: Fuß­wa­schung von Gio­van­ni Ago­sti­no da Lodi (um 1500)/Wikicommons

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