Wie kann man der FSSPX verbieten, was der Kommunistischen Partei Chinas erlaubt ist

Die Lehre der selektiven Toleranz


Bischofsweihe in der Volksrepublik China
Bischofsweihe in der Volksrepublik China

Die spa­ni­sche Nach­rich­ten­sei­te Info­Va­ti­ca­na, die wegen des Namens, tat­säch­lich aber wegen der kri­ti­schen Inhal­te im berg­o­glia­ni­schen Pon­ti­fi­kat unter vati­ka­ni­schen Beschuß gera­ten war, ver­öf­fent­lich­te fol­gen­den Kom­men­tar zur Ankün­di­gung der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) am kom­men­den 1. Juli neue Bischö­fe wei­hen zu wollen:

Wie kann man der FSSPX verbieten, was der Kommunistischen Partei Chinas erlaubt ist. Die Lehre der selektiven Toleranz

Wäh­rend man sich dar­über beklagt, daß eine katho­li­sche Prie­ster­bru­der­schaft Bischö­fe wei­hen will, um den Gläu­bi­gen die Sakra­men­te zu sichern, bestimmt die athe­isti­sche, mate­ria­li­sti­sche und offi­zi­ell reli­gi­ons­feind­li­che Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Chi­nas seit Jah­ren Bischö­fe nach eige­nem Gut­dün­ken – und miß­ach­tet dabei sogar das ohne­hin schon bedau­er­li­che Geheim­ab­kom­men mit Rom. Und es geschieht nichts. Oder bes­ser gesagt: Es geschieht genau das Gegen­teil: Die Men­schen lächeln, füh­ren Dia­lo­ge, erneu­ern ihr Ver­trau­en und erwei­tern den Spiel­raum der Toleranz.

Die Fra­ge ist nicht rhe­to­risch, sie ist juri­stisch und mora­lisch. Wenn das kom­mu­ni­sti­sche Regime Bischö­fe ohne päpst­li­ches Man­dat ein­set­zen kann und den­noch als legi­ti­mer Gesprächs­part­ner behan­delt wird – mit wel­cher Logik soll­te dann ein stren­ge­res Kri­te­ri­um auf eine Prie­ster­bru­der­schaft ange­wen­det wer­den, die kei­ne Dog­men leug­net, kei­nen Sedis­va­kan­tis­mus pre­digt und kei­nem mar­xi­sti­schen Zen­tral­ko­mi­tee unter­steht, son­dern viel­mehr einer – durch­aus dis­ku­ta­blen – Vor­stel­lung objek­ti­ver sakra­men­ta­ler Not­wen­dig­keit folgt?

Die zeit­ge­nös­si­sche Kir­che hat eine eigen­tüm­li­che prak­ti­sche Theo­lo­gie ent­wickelt: Unge­hor­sam wird tole­riert, wenn er von poli­ti­scher Macht beglei­tet wird, und sank­tio­niert, wenn er von einer unbe­que­men kirch­li­chen Struk­tur aus­geht. Das Pro­blem ist nicht die Wei­he ohne Man­dat; das Pro­blem ist, wer sie voll­zieht. Ord­net die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Chi­nas an, spricht man von einem „kom­ple­xen Kon­text“. Weiht die FSSPX, spricht man von einem „Schis­ma“. Der Unter­schied ist nicht theo­lo­gisch: er ist geopolitisch.

Es ist schwer, den Gläu­bi­gen zu erklä­ren, war­um Peking Bischö­fe ernen­nen kann, die dem Regime unter­wor­fen sind, und den­noch einen pri­vi­le­gier­ten Dia­log mit Rom füh­ren darf, wäh­rend eine Prie­ster­bru­der­schaft, die gera­de in Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on aus dem dok­tri­nel­len und lit­ur­gi­schen Zusam­men­bruch nach dem Kon­zil her­vor­ge­gan­gen ist, als Bedro­hung der kirch­li­chen Ord­nung behan­delt wird. Noch schwie­ri­ger wird es, wenn die­se Gläu­bi­gen sehen, daß tra­di­tio­nel­le Pfar­rei­en geschlos­sen, Fir­mun­gen ver­bo­ten, Wei­hen blockiert und gan­ze Apo­sto­la­te allein aus admi­ni­stra­ti­ven Ent­schei­dun­gen aus­ge­setzt werden.

Die Bru­der­schaft hat nicht im luft­lee­ren Raum gehan­delt. Sie han­del­te in einem Kon­text, in dem Rom viel hört, wenig ver­spricht und fast nichts garan­tiert. Und wenn der sta­bi­le Zugang zu den Sakra­men­ten von den Lau­nen des amtie­ren­den Bischofs abhängt, wer­den Ent­schei­dun­gen zu pasto­ra­len Über­le­bens­ent­schei­dun­gen. Es ist nicht schön. Es ist nicht ide­al. Aber es ist auch nicht unverständlich.

Wenn das ober­ste Kri­te­ri­um prag­ma­ti­sche Tole­ranz ist, um grö­ße­re Übel zu ver­mei­den, dann soll­te es kon­se­quent ange­wen­det wer­den. Wenn es akzep­ta­bel ist, daß die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Chi­nas Bischö­fe ernennt, um einen Dia­log­ka­nal auf­recht­zu­er­hal­ten, ist es intel­lek­tu­ell unred­lich, sich dar­über zu empö­ren, daß eine katho­li­sche Prie­ster­bru­der­schaft Bischö­fe weiht, um sicher­zu­stel­len, daß die von ihnen betreu­ten Gläu­bi­gen nicht der Fir­mung oder Prie­ster­wei­he beraubt wer­den. Das Maß des Urteils darf nicht von der Far­be der Flag­ge abhängen.

Viel­leicht ist das Pro­blem nicht die Pius­bru­der­schaft. Viel­leicht liegt das Pro­blem dar­in, daß die Auto­ri­tät durch wie­der­hol­te Hand­lun­gen gezeigt hat, daß sie nicht mehr durch Herr­schaft, son­dern durch Aus­nah­me­ver­wal­tung aus­ge­übt wird. Und wenn Aus­nah­men zur Regel wer­den, ler­nen ande­re die Lek­ti­on. Eini­ge mit Par­tei­buch, ande­re in Soutane.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Info­Va­ti­ca­na

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