Priester-„Influencer“ gibt sein Priestertum auf

Lebensabschnitte oder Ausdauer und Treue


Als "unkonventioneller" Priester sorgte er für Aufsehen, doch im Alter von 32 Jahren gab er nun sein Priestertum schon wieder auf
Als "unkonventioneller" Priester sorgte er für Aufsehen, doch im Alter von 32 Jahren gab er nun sein Priestertum schon wieder auf

Es ist nicht der erste Fall – ähn­li­che Fäl­le gab es in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten welt­weit – doch die Auf­ga­be des Prie­ster­tums durch Don Alber­to Rava­gna­ni bie­tet nicht nur ein deut­li­ches Bei­spiel für die Span­nun­gen zwi­schen digi­ta­ler Prä­senz und kirch­li­chem Wei­he­amt, son­dern auch für das Ein­drin­gen welt­li­cher Strö­mun­gen in die Kir­che, kon­kret die der soge­nann­ten Lebens­ab­schnit­te und der feh­len­den Treue.

Der 32jährige Prie­ster, bekannt als einer der ersten ita­lie­ni­schen Influen­cer unter Geist­li­chen, hat sein prie­ster­li­ches Amt auf­ge­ge­ben. Die offi­zi­el­le Bestä­ti­gung kam von der Erz­diö­ze­se Mai­land: Gene­ral­vi­kar Msgr. Fran­co Agne­si teil­te mit, daß Rava­gna­ni kein prie­ster­li­ches Amt mehr ausübe.

Rava­gna­ni war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine der sicht­bar­sten Figu­ren der soge­nann­ten „sozia­len Kir­che“. Mit mehr als einer hal­ben Mil­li­on Fol­lo­wern auf Insta­gram und You­Tube sprach er jun­ge Men­schen in direk­ter, zeit­ge­mä­ßer Spra­che an, häu­fig abwei­chend von tra­di­tio­nel­len Gepflo­gen­hei­ten des Kle­rus. Sei­ne Arbeit in der Pfar­rei San Got­tar­do al Cor­so, wo er seit 2023 tätig war, wur­de glei­cher­ma­ßen geschätzt wie dis­ku­tiert. Die Pfar­rei geht auf eine Kapel­le der Bene­dik­ti­ner im Spät­mit­tel­al­ter zurück. Der hei­li­ge Karl Bor­ro­mä­us ver­an­laß­te einen Neu­bau und errich­te­te eine Pfarrei.

Kon­tro­ver­sen beglei­te­ten sei­nen Weg: Beson­ders kri­ti­siert wur­de die Ver­öf­fent­li­chung eines gespon­ser­ten Reels für ein Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel-Unter­neh­men, das von Tei­len der Öffent­lich­keit als unver­ein­bar mit der prie­ster­li­chen Rol­le emp­fun­den wur­de. Auch die Kurie äußer­te infor­mell Beden­ken. Bereits zuvor hat­te Erz­bi­schof Mario Del­pi­ni die Nut­zung sozia­ler Medi­en durch Prie­ster kom­men­tiert und dabei auf die Not­wen­dig­keit direk­ter mensch­li­cher Bezie­hun­gen für Jugend­li­che hin­ge­wie­sen, selbst in einer digi­tal gepräg­ten Welt.

Zeit­gleich mit der Bekannt­ga­be, daß er sein Prie­ster­tum auf­ge­be, ver­öf­fent­lich­te Rava­gna­ni Wer­bung für sein neu­es Buch „La scel­ta“ („Die Wahl“), ein Titel, der ange­sichts sei­ner Ent­schei­dung heu­te eine beson­de­re Bedeu­tung erhält. In Vide­os reflek­tiert er sei­nen Weg: Ein­tritt ins Prie­ster­se­mi­nar, die Idee eines unkon­ven­tio­nel­len Prie­ster­tums, den Ver­zicht auf prie­ster­li­che Klei­dung und die Öff­nung zu neu­en Medien.

Alber­to Rava­gna­ni wur­de 1993 gebo­ren. In der Erz­diö­ze­se Mai­land zum Prie­ster geweiht, nutz­te er sozia­le Medi­en, um über Glau­ben, Jugend und gesell­schaft­li­che The­men zu spre­chen. Sei­ne unkon­ven­tio­nel­le Arbeit führ­te zu Zustim­mung, Kri­tik und Debat­ten über die Rol­le digi­ta­ler Medi­en in der Kir­che. Rava­gna­ni zähl­te zu den Prot­ago­ni­sten der ersten Ver­an­stal­tung im Rah­men eines Hei­li­gen Jah­res „der katho­li­schen Influen­cer und digi­ta­len Mis­sio­na­re“, das 2025 in Rom stattfand.

Sein Ver­zicht auf das Prie­ster­tum ver­weist auf ein Pro­blem, das ursprüng­lich vor allem im welt­li­chen Bereich auf­trat, inzwi­schen aber auch vor der Kir­che nicht Halt macht. Immer häu­fi­ger ver­pflich­ten sich Men­schen nicht mehr bedin­gungs­los, son­dern nur unter Vor­be­halt. Die Defi­zi­te zei­gen sich vor allem in man­geln­der Aus­dau­er und Treue.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Instagram/chiesadimilano.it (Screen­shots)